Rhein vs. Mississippi

The Mississippi is the American Rhine, Weser, Elbe, and Oder all combined. It furnishes the best American comparison with the Rhine and perhaps an occasion for applying the lessons in waterway transportation which the Rhine has to teach. Both Rhine and Mississippi flow through the heart of a rich continent; each represents nature’s route of communication between its own fertile valley and the outside world. In their history the streams present a striking parallel up to the period 1860-70; then transportation on the Rhine is modernized and the river takes its place as the greatest waterway in the world, while the Mississippi retains its ancient form of transportation and goes down under the competition of the American railroads.
We saw that the early railroads in Germany were built perpendicular to the Rhine and were considered as feeders to it. When the short railroad lines had begun to be connected up, and the through routes began to compete with, the Rhine, the change in the nature of the traffic between the Rhine Valley and foreign parts was already one that signified a preponderance of bulk goods: coal, iron ore, lumber, wheat, petroleum. Not only did these goods clamor for lower rates than the railroads could give, the cost of loading these goods into the huge river barges at Rotterdam and of unloading them at the river port was also far smaller than the corresponding operation in the case of the little standard 10-ton Dutch and German cars. The spill and scoop principle at the basis of this handling of bulk goods is one whose advantage obviously increases with the size of the transporting unit. (…)

Up to 1860 the history of traffic on the Mississippi is similar to the history of the Rhine, excepting that the American river was not burdened by river tolls which it took half a century to remove. During the first half of the nineteenth century the exports of most of the country west of the Allegheny Mountains were drained off to New Orleans by means of the magnificent system of waterways at the disposal of that port. Staples of commerce were corn, lard, bacon, whiskey, apples, potatoes, hay, etc. — lumped under the name of “western produce,” which supplied the southern plantations and were exported from New Orleans. The southern states added cotton, tobacco, and molasses to the downstream trade. Planters in northern Alabama sent their cotton down the Tennessee River to the Ohio, down the Ohio and Mississippi to New Orleans. In 1860 New Orleans saw 3500 river steamers arrive, bringing cargo to the value of 185 million dollars.’New Orleans was accounted the fourth seaport in the world — after London, Liverpool, and New York — and handled in 1860 27 per cent of our exports. In 1907 her percentage was 9 per cent.
In the Mississippi region, as along the Rhine, railroads at first served primarily as short lines connecting inland communities with waterways; for example, the Madison and Indianapolis, the Evansville and Crawfordsville, the Louisville and Frankfort. The Pennsylvania Railroad for some time after reaching Pittsburg was dependent on the Ohio packets for westward connection. But the railway lines did not long regard themselves as feeders to the waterways. In 1858 there were two through rail connections between Chicago and the eastern seaboard. These, in conjunction with the water route formed by the Great Lakes and the Erie Canal, were already drawing off to the Atlantic coast our exports of western produce.
The Civil War suspended navigation on the lower Mississippi. In the meantime the transcontinental railroads, north of the line of operations, extended their connections and services and got the exports of the West once for all in their grasp. When the war was over the channel of the Mississippi had gone wild, after five years of neglect. At the end of the war New Orleans found her channel to the sea too narrow for large steamers to enter. This evil has been remedied and the Mississippi has been given a lowwater depth of 9 feet for 840 miles (up to Cairo), a depth of 8 feet for 1000 miles (to St. Louis). We need not look to find the inferiority of the American river in the insufficiency of its channel. The Rhine has a channel of only 6 1/2 feet at low water and that for only 350 miles upstream from Rotterdam.

(aus Edwin J. Clapp: The Navigable Rhine, Boston/New York 1911)

Seehund im Rhein

Völlig frei von Flußmonstern oder sonstwie aufsehenerregenden exotischen Tieren präsentiert sich das diesjährige Sommerloch, weswegen wir einige Artikel von vor elfeinhalb Jahren durchforsten, die das Auftauchen eines Seehunds im Rhein bei Düsseldorf – laut Experten ein zoologisches Jahrhundertereignis – vermeldeten, einen Fotobeweis jedoch schuldig blieben.
Bereits anläßlich der Sichtung des weißen Wals “Moby Dick” am Niederrhein im Jahre 1966 schrieb Bernhard Grzimek im Spiegel von seltenen Seehundsichtungen in Rhein und Elbe: “Daß Seehunde Entdeckungsreisen in unsere Flüsse machen und dann die Landratten verblüffen, ist schon hin und wieder vorgekommen – wenigstens solange Elbe und Rhein nicht ausschließlich aus Klosett- und Industrieabwässern bestanden. Im Rhein hat man Seehunde bei Bonn entdeckt, in der Oder bei Frankfurt und Breslau; 1634 wurde einer bei Dresden im Netz gefangen und dabei umgebracht – 693 Kilometer oberhalb der Elbmündung. Am weitesten kam ein Seehund 1813 in der Elbe, fünf Kilometer von der böhmischen Grenze entfernt, 755 Kilometer vom Meer.”
Nachdem Spaziergänger den Seehund bei Düsseldorf-Oberkassel gesichtet hatten, versuchten Feuerwehrtaucher das Tier, das sie unter sich “Heulerli” nannten, einzufangen. Der Seehund entzog sich den Annäherungsversuchen erfolgreich, er sei den Tauchern gleichsam immer wieder durch die Arme geschwommen, bis sie nach anderthalb Stunden die Jagd aufgaben. Einen Tag nach dem mißglückten Fangversuch der Feuerwehr, schrieb die FAZ Mitte März 2003 über den Seehund, “fehlte von ihm jede Spur”. Bemerkenswert ist die in solchen Fällen geradezu schlagartig einsetzende menschliche Logik, ein Wildtier, das an der Stelle, an der es auftaucht, irritiert, geradezu reflexartig einfangen zu wollen. Begründungen diverser Couleur sind stets unversehens zur Hand. So sollte der erwähnte Beluga aus dem Jahr 1966 laut Experten vor dem verseuchten Rheinwasser geschützt werden und wurde deshalb mit Betäubungsmunition beschossen. Schon “Moby Dick” ließ sich nicht einfangen und schwamm nach einer Stadterkundung Bonns aus eigenem Antrieb zurück Richtung Nordsee. Ähnliches dürfen wir von “Heulerli” vermuten, den die Feuerwehr “in sein gewohntes Salzwasser” zurückverfrachten wollte. Das Wissensmagazin Was ist was wußte dazu anzumerken, daß in Düsseldorf sehr wohl Seehunde vorkämen, im lokalen Aquazoo, wo jedoch kein Tier vermißt wurde. Zwei Wochen nach der Erstsichtung tauchte der Seehund, diesmal unter den Namen “Robbie” bzw. “Robby Dick”, erneut in der Presse auf. “Diesmal sei das Tier stromabwärts nahe Rheinberg am Niederrhein etwa 30 Meter vom Ufer entfernt gewesen” meldete die Rheinische Post Ende März 2003 und bilanzierte die Expertenaussagen: “Bislang waren die Einsatzkräfte davon ausgegangen, dass das Tier stromaufwärts geschwommen war. Es sei durchaus möglich, dass das Tier am Ufer in der Sonne liege, wie es seine Artgenossen auf den Sandbänken im Meer hielten.” Im Anschluß an diese scharfsinnigen Betrachtungen verloren sich des Seehunds Spuren sowohl im Rhein, als auch im Blätterwald endgültig.

Bayerischer Rhein

“100. Fr. Welches sind die Hauptflüsse Deutschlands?
Antw. Es sind folgende: 1. der Rhein; 2. die Donau; 3. die Weser; 4. die Elbe; 5. die Oder.

101. Fr. Woher kömmt der Rhein?
Antw. Er kömmt aus der Schweiz vom St. Gotthards-Berge, hat 3 Quellen, fließt durch den Bodensee und ergießt sich theilweise in den Niederlanden in die Nordsee.

102. Fr. Wo entspringt die Donau?
Antw. Sie entspringt im Großherzogthum Baden im Schwarzwalde, fließt durch Würtemberg, Bayern, Oesterreich, Ungarn, die Türkei, und ergießt sich in das schwarze Meer.

(…)

117. Fr. Wie heißen die Hauptflüsse in Bayern?
Antw. Sie heißen: 1. der Rhein 2. die Donau, 3. der Main.

118. Fr. Woher kömmt der Rhein und wohin ergießt er sich?
Antw. Er kömmt aus der Schweiz vom St. Gotthards-Berge, fließt durch den Bodensee, und ergießt sich in den Niederlanden in mehreren Armen in die Nordsee.

119. Fr.  Inwiefern gehört der Rhein zu Bayern?
Antw. So lange er die Pfalz bespült.

120. Fr. Was für bayerische Städte liegen am Rhein?
Antw. Am Rhein liegen: Germersheim und die Hauptstadt Speyer.

121. Fr. Wo entspringt der Main?
Antw. Er entspringt in Oberfranken auf dem Fichtelgebirge, fließt durch Ober- und Unterfranken, und ergießt sich bei Mainz in den Rhein.”

(aus: J. Offner, Fragen aus der vaterländischen (bayerischen) Geschichte und Geographie: Mit beigefügten Antworten: zum Gebrauche für die Schuljugend in den höhern Klassen der deutschen Werk- und Sonntagsschulen (1840))

Von den fliessenden wässern Teütsches lands.

ES ist kein land in dem gantzen Europa / darin man so vil vnd so gros wässer findt als in Germania oder Teütschland. Under denen ist das erst vn das gröst die Tonaw / die im Schwabeland oder im Schwartzwald im dorff Doneschingen entspringt / vnnd laufft gegen Orient in das Pontisch möre / vnd schöpfft in sich sechtzig andere große vn schiffreiche wässer / ehe sie in das mör lanfft. Die alten nennen den berg darauß sie entspringt Abnobam / wie wol mer dan auff ein halbe meyl kein berg bey jrem vrsprug ist / sunder sie quelt mit einem grossen fluß auß einem bühel / der über zwo oder drey closster hoch nit ist / wie jch das eigentliche vnd wol besehen hab / vnd ein besunder tafel darüber gemacht. Es ist bey den alten gelerten männern ein gros begird gewesen den vrsprung dises wassers zu sehen / darumb auch ettlich von Rom härauß zogen / domit sie gesehen möchten seinen vrsprüngliche brunnen. Wir lesen auch von Tiberio / do er ein mal komme was zu dem Bodensee / nam er für sich ein tagreiß zu besichtigen den anfang der Tonaw.
Das ander groß wasser ist der Rhein / vnnd der entspringt hinder Chur im höchsten Schweytzer gebirg / Strabo nent den selbigen berg Adulam / vnd hat der Rhein daselbst zwen vrsprüng / vnd werden auch beide der Rhein genant / lauffen zusammen ein Teütsch meil ob Chur. Einer heißt der vorder vn der ander der hinder Rhein. Von vrsprung des vordern Rheins ist es ongeferlich drei stund fußgangs biß an vrsprung des Rhodans rechter distantz vnd nit weiter / wo es vor den obersten bergspitzen der richte nach zu wandlen möglich were. Do entzwischen in gerader lini ligt der berg Gotthart / vor zeite Sume Alpes / das ist das höchst Alp gebirg genant / darin entspringt Ticinus / laufft gegen mittag in Italiam. An der gegen seite die Rüß / laufft durch Vry in Lucerner see / vnd darauß gegen mitternacht in Rhein. Aber der obgenant Rhodan laufft anfangs gegen vndergag / vnd der vorder Rhein von seinem vrsprug biß ghen Chur gegen auffgang. Vnd also geben dies flüß alle vier bey jrem vrsprung auß fliessende / ein creütz / deß halb nit onbillich die höhe des gebirgs doselbst / Summe alpes genant werden. Der Rhein laufft anfangs biß ghen Chur / demnach wendt er sich gegen mitnacht / vn macht zwen grosse seen / der erst heißt der Brigantzer oder Costentzer oder Bodensee. Etlich meinen das er vorzeite Lemannus hab geheissen / aber mögen das nit gnügsam probieren. Diser see geüßt wider auß jm bey der statt Costentz den Rhein / vn nit fern von der statt theilt sich der Rhein in ein andern see / den die alten haben genent lacum Venetum / aber ietzundt nent man jn den Undersee oder den Cellersee / vnd do krümpt sich der Rhein gegen vndergang / vnd behalt auch den lauff biß ghen Basel / do kert er sich gegen mitnacht / etc. Das dritt wasser ist der Necker vn des vrsprung ist nit über drey oder vier stund fußgangs von dem anfang der Tonaw. Er wirt auch zimlich gros / ehe er in den Rhein kompt / durch andere vil wässer / die allenthalben von dem Schwartzwald daryn rinen / vnder wölchen die fürnempste seind die Entzg / die von Pfortzen härab kompt / der Cochar vnd die Jagt / die von Elbangen durch Schwaben vnd durch den Otenwald fliessen / vnd bey Wimpffen in Necker fallen. Das vierd schiffreich wasser ist der Mayn / der hinder Bamberg in Voitland entspringt / vnd darnach mit grossen krümmen durch das Francken land dem Rhein zu laufft. Das fünfft ist Amasus die Emß / die druch Frießland laufft / die Weser / die aus Hessen läd durch Brunschweigerland dem mör zu laufft. Das siebend ist Albis die Elb / von die kompt auß Behmer land und laufft durch Meyßen und Sachsen dem mör zu. Das acht Suenus / die Spre. Das neündt Viadus / die Oder. Das zehend Vistula die Wixel. Vnd über dem Rhein Obrinca / das ist die Mosel. On dise schiffreiche wässer / seind sunst onzelich andere wässer im Teütsch land / die jre beywonern nit zu kleinem nutz dienen / als die Nahe bey Creütznach / die Brüsch vnd Jll zu Sraßburg / die Murg in der Marggraueschafft / die Kintzig zu Offenburg / die Ar / die Limmat / vnd Rüsch im Schweytzerland / der Lech bey Augspurg / der vor zeiten die Baiern hat gescheiden von den Alemannern / die Vindelici hiessen. Die Jser bey München vnd Landshut / der Jn von Jnspruck gegen Passaw / item Anisus der Ens / der vor zeiten die Hunen hat gescheide von den Baiern. Gang jch über die Thonaw in das Mortgöw zu dem Fichtelberg / so find ich ein gantzen hauffen wasser die daraus fliessen vn do sein vrsprung nemen / als nemlich die Nab / die Sal / der Eger / vnd die Pegnitz.

(Soweit Sebastian Münster in seiner Cosmographia, hier zitiert nach der Ausgabe von 1550. Die Cosmographia liegt nun digitalisiert vor, in zwei deutschen (davon der hier zitierten, recht lesefreundlichen, der Uni Köln) und einer lateinischen Version.)

Gehege

Die germanischen Früchtchen rauchen
Waldreben. Unter Eichenbäumen
schieben wir die Grasnarbe vor, arbeiten uns heran
mit Krupp & Schmiedehammer
zum Tore hinaus, ab in die Binsen, feucht fröhliche
Ritterspiele, Tanzparaden, krautige Kneipen, Stehimbisse.
Quellende Brüste, erhellende Stimmen, – arschgeil
als wir am Rhein standen, oder die Oder, oder
genau, der wagnersche Hügel war’s,
wie so die Trunkenheit spielt, die ist hin(zu)zunehmen.
Verlagerungen der Reiseziele.
Von Deutschland haben wir bislang nichts gesehen.
Walken das ab, stochern den Rhein hinauf,
dabei bleiben wir sachlich, pflegen die Liebe,
drehen am Rad, machen dem Kaiser ein Kind.
Ne kölsche Jung soll dat werden. Bei Köln der Rhein ist so schön.
In Hamburg ist’s schön, aber die Elbe.
Von Deutschland haben wir bislang nichts gesehen.
In Dresden ist’s schön. Magdeburg hässlich.
Machen dem Kaiser ein hässliches Kind.
Machens in Buxtehude. Machens in Braunschweig.
In Flensburg das Meer ist so schön.
Der Wald ist so schön.

“Gehege” ist ein Gastbeitrag von Markus Hallinger. Besten Dank!