Das erste Mal

Vergangenen Herbst, als sich die aktuell im Kunstpavillon Burgbrohl stattfindende Ausstellung Wo nichts zu sehen ist, fließt der Fluss zu Marcel Crépons außergewöhnlichen, bisher einzig auf rheinsein dokumentierten Rhein-Erkundungen und unterwegs erworbenen Fund- und Sammelstücken abzeichnete, übermittelte uns der Autor (1) mehrere Materialsendungen, die “einen bestimmten, vergangenen und eigentlich nicht wiederholbaren Rhein” in Wort, Bild und Artefakt beinhalten: ein per Mail und klassischer Post portionsweise eingelangter, im Bernstein menschlichen Ausdrucks eingeschlossener Fluss, aus dem wir mit Hilfe des ausstellungserfahrenen Kölner Künstlers und rheinsein-Korrespondenten Roland Bergère behutsam eine Auswahl trafen, die dem Rahmen einer öffentlichen Präsentation gerecht werden soll.

Wir flankieren die analoge Ausstellung mit einem April-Block erstmals veröffentlichter Créponica. Zu diesem Konglomerat gehört der Text Das erste Mal. Er handelt von Erinnerungen und Ausführungen zu den Abenteuern eines jungen Mannes, der sich mittlerweile in seinen frühen 60ern befinden dürfte. (2) Seinerzeit angestiftet von einem älteren Ehepaar, begibt sich Marcel Crépon auf seine erste Rheinreise, wahrscheinlich zugleich seine erste Auslandsreise. Seine Deutschkenntnisse sind zu diesem Zeitpunkt im Anfängerstadium. Für den jungen Mann ergeben sich erstaunliche, unübersichtliche Szenerien, die gleichwohl den Auftakt zu einer unbestimmten, aber erklecklichen Zahl weiterer Erkundungen teils unter den absonderlichsten Aspekten geben, die bisher zum “Rheinreise”-Topos niedergelegt wurden.

***

Liebes rheinsein,

Einem Fisch im Aquarium gleich, der sich fragt wie die Wesen jenseits der Scheibe bloß überleben können, stand ich am Fenster, zog an einer Zigarette, und starrte durch das Glas, während eine verirrte Biene hilflos um meinen Kopf herum summte. Es dämmerte. Aus dem gerade ausgepusteten Rauch schienen zwei Gestalten hervorzutreten. Zunächst als recht unförmiges Etwas, dann als Körper, welche einige Quadratzentimeter des Bürgersteigs in Anspruch nahmen: bescheidene Pfützen, in denen sich jedoch das Unermessliche von Zeit/Raum eines bald abgelaufenen Lebens verdichtete. Er in einen Rollstuhl gekrümmt, sie über ihn gebeugt, so als ob sie an ihn geschweißt oder genäht worden wäre. Sie hielt die Lehne fest, schnaufte und schob. Langsam gingen sie, so langsam, dass das Tempo der anderen Passanten und Verkehrsteilnehmer in der Wahrnehmung beschleunigt erschien. Vielleicht bewegten sie sich überhaupt nicht von der Stelle, während die Welt sehnsüchtig nach Sinn um sie herum raste.
Genau dengleichen Endruck hatte ich bereits zuvor einmal empfunden, vor Jahrzehnten, als ich in die Wohnung der Velloins eintrat. Monsieur Velloin saß in einem abgenutzten Ledersessel. Ein Schleudersitz, dachte ich, der ihn jeden Moment ins Jenseits katapultieren könnte. Hinter ihm stand Madame, dünn und trocken wie ein Blatt Pergament, das man vergeblich  zu zerreißen versuchen würde. Beide strahlten die Unerschütterlichkeit des Dreisatzes aus. In der Wohnung fand ein Kampf zwischen Licht und Schatten statt: schwer zu erkennen, ob die helleren Flächen die dunkleren zu verschlingen drohten oder umgekehrt. Wie auch immer. Der Grund meines Besuchs war nicht, darüber zu richten. Monsieur Velloin war Lehrer gewesen, von der Sorte, die die “écriture républicaine” als Zeichen der Einheit zwischen Geist und Körper verstand, und seine Schüler mit wohlwollendem Sadismus vor arithmetische Probleme stellte: “Ein vraquier verlässt den Hafen mit 2545 Tonnen Sand im Frachtraum, in verschiedenen Anlaufhäfen lädt er 7,5 Prozent seiner Fracht ab. Wie viele Häfen muss er besuchen, bis von seiner Ladung nichts mehr übrig ist?” Seine bevorzugten Fächer waren jedoch Geographie und Geschichte. Große Achtung hatte er vor Sebastian Münster, vor seiner Leistung, es geschafft zu haben, die gesamte Welt zu beschreiben, ohne sich dafür zu bewegen, oder doch zumindest kaum. Als Folge eines gerade noch überlebten Myokardinfarkts war Monsieur Velloins Bewegungsverminderung unfreiwillig. Zum Frührentner erkoren, nutzte er die geschenkte Zeit, um an seinem “Livre des ouï-dire” (Buch vom Hörensagen) zu arbeiten. Hunderte von Schulheften hatte er säuberlich und akribisch gefüllt mit Anekdoten aus der Stadt, Erinnerungen, umgeschriebenen Zeitungs- oder Zeitschriftenartikeln, zusammen getragenen Fernseh- und Rundfunkmeldungen, kurz: Klatsch und Tratsch aus aller Welt. Für die Illustrationen war Madame Velloin zuständig. Ihre Inspiration fand sie in alten Schulbüchern, deren bunte Abbildungen sie geschickt nach Bedarf umzeichnete, transformierte, aquarellierte. Nun wollte sie etwas Moderneres wagen, auch wenn sie keine genaue Vorstellung davon hatte. Was sie bereits probiert hatte, holte sie aus einer Schublade hervor. (Die Probe durfte ich später zur Inspiration mitnehmen.)

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Es sei nur eine Idee, also nicht fertig, betonte sie. Ein Foto hatte sie aus einer Schweizer Touristik-Broschüre ausgeschnitten, und eine ihrer Zeichnungen darauf geklebt. Das Model dafür war eine Abbildung aus einen alten Katalog des Auktionshauses Druot. Ein Arzt, ein guter Freund ihres Mannes, hatte eines Tages von einem Bericht erzählt, den er im Archiv des Krankenhauses, in dem er tätig war, gelesen hatte. Der Verfasser beschrieb den Fall der Madame L. Als er sie zum ersten Mal sah, lag sie regungslos und zwar buchstäblich im Dreck. Nach einiger Zeit stellte er fest, dass sie hochgebildet war. Sie war fest davon überzeugt, in Rheinnähe geboren zu sein, wo sie, ihren Angaben zufolge, Opfer von Soldaten der Revolutionären Armee wurde. Sie schilderte mit schwindelerregender Präzision wie zwei engelsgleiche Volksvertreter der Rheinarmee den Befehl erteilt hatten, ihr den Kopf einzuklemmen und damit unwiderruflichen Schaden verursachten: für immer, so Madame L., seien dabei ihre moralischen Empfindungen verloren gegangen. Als die Armee von Bitche in Richtung Landau marschierte, blieb allein das ”ekelerregende Wesen L.” zurück. Ihr Versuch, sich im Wasser zu reinigen, war erfolglos geblieben, was ihr verwahrlostes Erscheinen erklärte. Das Bild, so Madame Velloin, stellte den Augenblick dar, in dem L. das Eintreffen der Armee wahrnahm.

Madame Velloin bat mich, einige photographische Hintergründe für sie zu realisieren, die sie als Vorlagen verwenden wollte. Dafür hatte sie eine Wunschliste verfasst, die sie mir überreichte. “Der Rhein ist der Fluss der Träumer,” sagte sie lächelnd, “träumen Sie also, lassen Sie Ihr Objektiv träumen, und sparen Sie sich die von Hugo zu Tode beschriebenen pittoresken Landschaften.” Das waren Worte! Mit einem bezwingenden “Nehmen Sie!” drückte sie mir eine Interrail-Fahrkarte in die Hand, sowie einen Briefumschlag, den ich unbesehen einsteckte. Der wahre Historiker fragt nicht nach Sinn oder Unsinn der Dinge, sondern geht einfach der Sache nach. Ich war jung, es war Sommer, ich würde fremde Länder besuchen und den Rhein sehen – warum nicht?
Schon am Anfang der Reise meldeten sich zwei Legenden, die zwar mit dem Fluss in keinerlei Verbindung standen, jedoch in meiner Erinnerung geblieben sind, weil ich kurz vor seiner Überquerung und kurz danach Notiz von ihnen nahm. Die erste hob sich in höchste Höhen empor, auf Nimmerwiedersehen in die Tiefe fiel die zweite. Beim Verlassen des Zuges in Mülhausen hatte ein Reisender ein Musik-Magazin auf seinem Sitz liegen lassen: nicht darin zu blättern wäre töricht gewesen. Es enthielt einen Bericht über die Sex Pistols wie sie das silberne Thronjubiläum der Königin mit einer lärm- und bierreichen Ehrenrunde auf der Themse gefeiert hatten. Im muffigen Fernsehzimmer der Pension, in der ich später Unterkunft gefunden hatte, lief ein Western, als Andenken für den frisch aus dem Leben geschiedenen Elvis Presley. Fröhlich bunt hatte London im Magazin ausgesehen. Recht verschneit dagegen Texas, des schlechten Empfangs wegen.
- Der King is’ tot, kommentierte einer der Gäste, und nippte an seinem Bier.
- So isses, bestätigte ein anderer, mit seinem Schaum gurgelnd.
- Der King of Rock’n'Roll…
- Trotzdem reingefallen.
- ???????
- Ins Todesloch…
”In den Rhein gefallen”, hatte ich verstanden. Im Rhein ertrunken war also Elvis. Dachte ich. (Aufgedunsen wie er war, hätte er doch eigentlich schwimmen können.) Wie die Party in die Themse gefallen war, nach Intervention der Bobbies. Breit und kräftig trug der Fluss beide Legenden mit seiner Strömung fort, das Vergangene und das Aufgehende, um sie später in der Nordsee mühelos auszuspeien, bei seiner eigenen Entlassung in die weite Welt des offenes Meeres.
Ich setzte meine Reise fort, als stiller Peregrinus, den Fluss entlang, so nah als möglich an seinen Ufern, einen Monat lang, mal in der damals noch so genannten BRD, mal in Frankreich, mal in der Schweiz oder sogar in den Niederlanden, gebeugt über meine Brownie Flash, in deren Sucher die Welt verkehrt herum aussah. Hier und da schoss ich Photos, immer 12 Aufnahmen. Dann wechselte ich die Filmrolle aus und setzte die Jagd nach Motiven fort. Den Wünschen und Anweisungen Madame Velloins nachzugehen erwies sich mehr als schwierig, denn genauer betrachtet war ihre Liste ein fein zusammen getragenes Durcheinander.

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Die daraus resultierende Verwirrung festzustellen war eine Sache, damit umzugehen eine andere. Glücklicher Carpaccio, der einfach und gekonnt venezianische zu rheinischen Gebäuden ummalte, die Kronen der Feinde der Republik als kölnische Wappen umdeutete, ottomanische Krieger hinter Hunnen versteckte. Ein Armbrustschütze zielte auf einen Vogel, eindeutig war die Botschaft: für die Heldin der Légende Dorée bedeutete es schlicht das Massakriertwerden. Ruhig und glatt lag der Rhein im zarten Lagunenlicht. Frühmorgendunst. Es war Herbst. Es war Sommer und als ich den Hauptbahnhof verließ, schlug mir die erdrückende Luft eines bald darauf ausbrechenden Gewitters ins Gesicht, während herumziehende Männerbünde mir die Ohren mit ihrem Gegröhle vollstopften. Vom Gewölbe der Hohenzollernbrücke geschützt wartete ich und bezüglich der Ankunft Ursulas hatte ich keine Frage mehr. Nun, welcher Hintergrund passte zu “Et quos nascentes explorat gurgite Rhenus” oder “Rheni mihi Cæsar in undis / Dux erat, hic socius, facinus quos inquinat, æquat”? Mein Latein, liebes rheinsein, ist schon beim Aufschreiben der Worte am Ende. Und was halten Sie von einer 1609 Meter langen Brücke des Heiligen Geistes, welche angeblich von Brückenbrüdern über dem Fluss erbaut wurde? Würden Sie das Biotop der Ephemera longicauda erkennen? Und das des Misgurnus? Wann läßt der Barsch sich sehen, wo versteckt sich die Mulette? Die Strecke, welche d’Enghien von Bingen aus schwamm, um seine Geliebte in Rüdesheim zu besuchen, wäre noch zu erkunden und photographisch festzuhalten, schwieriger nur der Weg, welchen Harpalos auf Bimsstein zurücklegte, wie ein gewisser Dr. Müller einst schilderte. Wo ein Laufkäfer weilt, sind die Ägypter nicht weit. Laut Voltaire gab ihre Lieblingsgöttin Paris seinen Namen, verehrt wurde sie von den dortigen Schiffern, die ihren Kult, samt anderen Waren, zu ihren Kollegen ans Rheinufer paddelten. Kulissen für die dabei praktizierten Rituale brauchte Mme Velloin selbstverständlich auch. Augenentzündungen kuriert der Philosoph übrigens mit einem Cocktail aus Maas-, Weser-, Elbe- und Rheinwasser, eine passende, magische Quelle musste also her. Natürlich durfte das Geburtshaus Sebastian Münsters nicht fehlen, ebenso wenig adäquate Schauplätze für Poum, den Polizeihund (sic!). Aufgelistet war desweiteren ein geeigneter Hintergrund für die Strandidylle der Schwanenritter und die schöne Kleverin – Lohengrin ließ also ebenfalls grüßen, oder sein Cousin. Puzzolanerden, Rhein-Pottasche, oberbergisches Lignit sollten als Gedächtnisaufbewahrer und damit als Geschichtenerzähler erkundet und unter die Lupe bzw. das Objektiv genommen werden, nicht zu vergessen das Echo, welches ein Ton 17 Mal zu wiederholen imstande ist. Über den geistigen Zustand Mme Velloins stellte ich mir, wie gesagt, keinerlei Frage, sondern suchte pragmatisch nach Lösungen, ihre Bitten zu erfüllen.
So versuchte ich, an diesen fliehenden Wassermassen abzulichten, was sie inspirieren könnte, auch das, was an ihrer Oberfläche schwamm, schimmerte, navigierte, abtrieb, schäumte, auftauchte, versank, sich spiegelte, wellte, von links rückwärts geschaukelt nach vorne rechts gezogen zickzackte, wippte, was an den Ufern schwappte, wuchs, gedieh oder unter der Augustsonne verdorrte, abblätterte, verblichene Palisaden, schattige Promenaden, dichte Gebüsche, zu Tode urinierte Grasflächen. Auf Brücken stand ich, dem Vertigo trotzend, um ganze Panoramen zu erfassen, welche aufgrund der geringen Brennweite meiner Kamera höchstwahrscheinlich Eisenbahn-Landschaftsmodellen ähneln würden. Wie unentbehrlich Reisen für die allgemeine Bildung ist, bewies die Symbiose zwischen dem französischen ”pays-bas” und der Niederlandschaft, die ich für das Porträt eines holländischen Offiziers G. Courbets auswählte.
Auf der Rückfahrt in erhöhte Gefilde trat eine Frau ins Abteil, in dem ich halb im Schlaf zu rekapitulieren versuchte was ich alles schon im Kasten hatte. Sprachbrocken und Handzeichen gestatteten eine Art wackeliger Unterhaltung. Meine Kamera lieferte genügend Informationen für den Grund meiner Anwesenheit im Zug, auch wenn der Zweck für sie recht mysteriös blieb. Ihrerseits erzählte sie – besser gesagt: ich glaubte zu verstehen, dass sie es erzählte –, sie käme aus der Nähe eines vulkanischen Sees. In der Umgebung wußte sie eine Stelle, an der eine Art Lachgas aus der Erde entweichen würde, womit sie und ihre Freunde sich genüßlich berauschten. Was die Skizze, die sie trotz des ruckelnden Abteilwagens in mein Notizbuch kritzelte, mir verdeutlichen sollte.

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Spuckte ein Ufer eine Legende aus, fing das andere sie ab und schickte sie zurück. Und so ging es weiter und weiter, doch besaß der Interrail-Fahrschein die gleiche Eigenschaft wie das Chagrinleder. Je mehr ich davon Gebrauch machte, desto weniger Zeit blieb mir, ihn zu verwenden. Kurz: ich trat die Rückfahrt an – bis zur Wohnung der Velloins. Darin war der Schatten zu Licht und dieses zu Schatten geworden, wenn ich mich recht erinnere. Die belichteten Filmrollen übergab ich Mme Velloin. Mr. Velloin rieb sich die Hände, tunkte seinen Federhalter in ein Tintenfass aus Porzellan und schrieb sorgfältig neue Einträge nieder.
Nun, liebes rheinsein, Sie werden sich bestimmt fragen, ob die Fotos, die ich damals schoss, ihren Zweck erfüllt haben? Ich erfuhr es nie. Einen Tag nach Abgabe der Filmrollen verließ ich die Stadt und kehrte nie wieder dorthin zurück.

In Hochachtung und mit freundlichen Grüßen,
Ihr Marcel Crépon

***

(1) Berufsbezeichnungen wie Autor gefallen Marcel Crépon nicht sonderlich. Wenn es sich schon nicht vermeiden ließe, schrieb er in einer seiner wenigen, stets überaus kurz gehaltenen Repliken auf unsere Nachfragen, möge er als Grenzforscher oder Sammler von Situationen angekündigt werden.
(2) Marcel Crépon gibt über seine Person so gut wie keine direkte Auskunft. Ob seine Verweigerung biografischer Daten aus Scheu, Konzept oder sonstigen Gründen rührt, ist rheinsein nicht bekannt. So sehr wir diese Haltung respektieren, kommen wir hinsichtlich der Ausstellung nicht umhin, einige Spekulationen über den Autor (denn ein solcher ist er, auch wenn ihm die Wortwahl nicht behagt) anzustellen, die sich aus verstreuten Indizien zusammen puzzeln lassen.

Satellitenbilder vom Scheldeufer

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Beim selben Spaziergang entlang des rechten Scheldeufers, bei dem wir auf neo-prähistorische Zeichen stoßen (s. vorangegangener Eintrag), entdecken wir nach Jahren die Satellitenfunktion unserer Kamera. So gerät der an sich harmlose Anblick des Ufergeländers durch das Objektiv zu schwindelerregend schönen Vogelperspektiven auf eine Gegend, die wir, aufgrund der leichten Schräghaltung beim Fotografieren, außerhalb Antwerpens in der Nähe des Schelde-Maas-Rhein-Nordseeästuars vermuten.

Presserückschau (Januar 2018)

1
Mikroplastik
“Der Rhein transportiert jede Menge Mikroplastik. Von der Quelle in den Graubündener Alpen abwärts fließen jedes Jahr allein im Oberflächenwasser acht bis zehn Tonnen Kleinstkunststoffteile in die Nordsee. “Dies ist nur die Spitze des Eisberges”, erklärt Prof. Andreas Fath (…). “Die tatsächliche Belastung des Rheins mit Mikroplastik dürfte noch um ein Vielfaches höher sein.” Denn der überwiegende Teil sinkt in die unteren Schichten des Flusswassers oder ins Sediment ab. Die Meere werden also reichlich mit Kunststoff versorgt: Im Jahr 2050 soll nach einer Studie der Ellen Mac Arthur Stiftung gewichtsmäßig mehr Plastik als Fische in unseren Ozeanen schwimmen.” (WDR)

2
Wildschwein
“Das war schon eine fast filmreife Verfolgungsjagd, die sich ein Wildschwein (…) mit der Polizei im Bonner Stadtgebiet lieferte. (…) Das einzelne Wildschwein war erstmals (…) von Anwohnern in der Königsheimstraße in Beuel gesichtet und der Polizei gemeldet worden. Anschließend lief der Schwarzkittel in Richtung Drachenfelsweg, wo es (…) mit einem 61 Jahre alten Fahrradfahrer zusammenstieß. Der Mann war gerade mit dem Rad an seinem Grundstück angekommen, als das Schwein ihn über den Haufen rannte. (…) Danach ging die Jagd durch Beuel weiter über die Dietrich-Bonhoeffer-Straße in Richtung Rhein. Dort sprang das Tier dann vor seinen Häschern in den Fluss, wo es (…) leicht mit dem Schiff „Hansestadt Hamburg“ kollidierte. Dabei wurde das Schwarzwild aber offensichtlich nicht schwerer verletzt, denn danach trieb es am Römerbad vorbei, um im Bereich der Nordbrücke wieder an Land zu gehen.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

3
Hasen und Kaninchen
“Wenn der Rhein Hochwasser hat, verwandeln sich die Wiesen an der Rheinbiegung im Schatten der Leverkusener Brücke in kleine Inseln. Förster (…) fahren dann mit dem Boot von Insel zu Insel. Ihre Mission: Die Inselbewohner, Hasen und Kaninchen, vor dem Ertrinken zu retten. „Hasen können ungefähr 100 Meter weit schwimmen, Kaninchen halten etwa 20 Meter durch“, erklärt Förster Scheer. „Wenn die Fluten des Hochwassers kommen, haben die Tiere kaum eine Chance.“ Das Rettungsteam ist ausgerüstet mit Keschern und Kisten in denen sie die Hasen und Kaninchen unterbringen. „Wenn wir die Tiere eingefangen haben, bringen wir sie danach an einen sicheren Fleck“, sagt Scheer.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

4
Wo Möwen in Krefeld kostenlos Karussell fahren können
“Zu den Top 10 der häufigsten Wo-Fragen auf Google in Deutschland zählte 2017: “Wo können Möwen in Krefeld kostenlos Karussell fahren?” (…) Die Lösung nehmen wir hier schon mal vorweg: Umsonst Karussell fahren können die Krefelder Möwen auf der Hafen-Drehbrücke, die über den Linner Mühlenbach führt.” (Rheinische Post)

5
Insel der Obdachlosen
“Wegen des Hochwassers musste die Neusser Feuerwehr (…) zu ihrem ersten, flutbedingten Rettungseinsatz ausrücken. Die Einsatzkräfte (kamen) zwei Männern zur Hilfe, die auf der Ölgangsinsel vom Wasser überrascht wurden. Nach einer kurzen Suche, erreichte die Wasserrettungseinheit die beiden Hilfesuchenden. Mit dem Mehrzweckboot „Marne“ wurden die zwei vermutlich obdachlosen Männer (44/57) aufgelesen und sicher an Land gebracht. Laut Polizei hatte das Duo zusammen mit ihren zwei Hunden und ihrem gesamten Hab und Gut auf der Halbinsel am Rheinkilometer 739 übernachtet. Am Morgen wären sie dann von Wasser überrascht und den steigenden Pegel vom „Festland“ abgeschnitten worden.” (Express)

6
Gaffer
“Der Rhein macht sich breit – die Touristen auch. (…) Sie stehen teils in Zweier- und Dreierreihen entlang der Mauer und halten ihre Kameras oder Handys in Richtung Rhein. Auch wenn die erste große Flut des Jahres 2018 Leverkusen vermutlich nicht in größere Bedrängnis bringen wird, so wollten doch Dutzende Hochwassertouristen gestern die Situation vor dem Erreichen des Höchststandes für sich dokumentieren. Auch aus weiter entfernten Städten kamen sie mit ihren Autos nach Hitdorf und postierten sich an verschiedenen Aussichtspunkten. Dabei hatte die Stadt (…) an allen Zufahrtstraßen zum Rhein Barrikaden errichtet. An einigen Stellen wachte zusätzlich Personal über die Zufahrt. Das hielt die Gaffer jedoch nicht ab.” (Rheinische Post)

7
Hochwasser-Depp
“Ein Mann am Rheinufer in Worringen hat (…) kollektives Kopfschütteln bei den Rettungskräften im Hochwasser-Einsatz ausgelöst. Beim Versuch treibende Autoreifen aus dem Wasser zu fischen, verlor der 53-Jährige am rutschigen Ufer den Halt und stürzte in den Fluss. Passanten riefen die Feuerwehr. (…) „Hier schwimmt einer und sammelt dabei Reifen ein. Der kommt allein aber nicht mehr raus“, berichtete ein Zeuge am Telefon. Mindestens sechs alte Autoreifen, einige samt Felge, trieben im überfluteten und extrem schlammigen Uferbereich. Der „Sammler“ hatte das Risiko bei seinen Angelversuchen offenbar unterschätzt und kam nun ohne fremde Hilfe nicht mehr an Land. Minuten später trafen Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Worringen und Beamten der Kölner Berufsfeuerwehr an der Einsatzstelle ein. „Wir haben den stark unterkühlten Mann aus dem Wasser ziehen können. Anschließend wurde er im Rettungswagen vom Notarzt untersucht und ins Krankenhaus gebracht“, so ein Beamter.” (Express)

8
Vermutete Personen
“In Höhe des Evonik Werks in Lülsdorf treibe eine Person im Rhein – diese Meldung erreichte die Retter (…) und löste einen umfangreichen Feuerwehreinsatz aus. Einsatzkräfte der Niederkasseler Feuerwehr suchten das Gebiet vom Ufer ab, während die Feuerwehr Mondorf und die Feuerwehr Bonn den Rhein mit Booten abfuhren. Strömungsberger des Deutschen Roten Kreuzes ließen ihr Boot in Lülsdorf ins Wasser und begaben sich wegen der erheblichen Fließgeschwindigkeit des Wassers in Richtung Köln-Langel auf die Suche. Ein Notarzt vor Ort griff genauso wenig ein wie die Rettungstaucher.” (General-Anzeiger)

“Mit Hubschraubern, Wasserschutzpolizei und Einsatzfahrzeugen suchten Kölner Polizei und Feuerwehr (…) das Rheinufer bei Sürth ab. Ein Zeuge hatte vermutet, eine Person im Wasser gesehen zu haben. (…) Der Rhein führt derzeit wegen starker Regenfälle der vergangenen Tage im Einzugsgebiet Hochwasser. Daher ist es zurzeit besonders gefährlich, sich am Rheinufer aufzuhalten. Durch die starke Strömung schwimmen auch vermehrt größere Gegenstände im Fluss.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

“Polizei und Feuerwehr suchten (…) nach einer Person im Rhein. Eine Frau hatte zuvor gemeldet, dass jemand von der Rheinbrücke in Germersheim geprungen oder gefallen sei. (…) Die Autofahrerin war auf der Rheinbrücke bei Germersheim unterwegs, als ihr Blick auf dem Rhein fiel. Dort will sie eine Person treiben gesehen haben, die sich zuvor ins Wasser gestürzt haben soll oder hineingefallen ist.” (Regio-News)

9
Rheintote
“Die Kölner Feuerwehr hat (…) eine Leiche aus dem Rhein geborgen. In Höhe der Ford-Werke in Niehl wurde ein ca. 40 Jahre alter Mann leblos aufgefunden. (…) Die Kölner Polizei ermittelt nun die Identität des Toten. Bislang gibt es, laut Polizei, keine Hinweise darauf, dass der Fall mit dem Hochwasser zu tun hat. Von Feuerwehr und Rettungsdienst waren insgesamt 67 Kräfte im Einsatz, die unter anderem von zwei Feuerwehrbooten und Hubschraubern unterstützt wurden.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

“Schrecklicher Fund am Joseph-Beuys-Ufer an den Rheinterrassen in Düsseldorf. Ein Passant hatten (…) einen Körper auf dem Rhein treiben sehen. Sofort wurde die Feuerwehr alarmiert. Die konnte nur noch die Leiche einer 30 bis 50 Jahre alten Frau bergen. Auf Nachfrage (…) sprach die Polizei in Düsseldorf zunächst von einem toten Mann.” (Der Westen)

“Wasserschutzpolizei und Feuerwehr haben (…) eine männliche Wasserleiche aus dem Rhein geborgen. Ein Anrufer hatte der Polizei mitgeteilt, dass auf der Höhe des RTL-Gebäudes in Deutz etwas im Wasser aufgefallen sei. Dabei könne es sich um einen Mensch handeln. Die Retter eilten zum Einsatzort und fanden im Uferbereich die Männerleiche.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

“Knapp zwei Monate nach dem Verschwinden eines 35-Jährigen in Düsseldorf ist die Leiche des Mannes 114 Kilometer entfernt im niederländischen Nijmegen gefunden worden. Wie der Mann ums Leben gekommen ist, sei noch unklar, teilte die Polizei (…) mit. Vermutlich ist er in den Rhein gefallen und mit dem Fluss bis in die Niederlande getrieben. Der Oberhausener war seit dem 3. Dezember 2017 als vermisst gemeldet, nachdem er nach einer Weihnachtsfeier mit einem Arbeitskollegen in der Düsseldorfer Altstadt alleine nach Hause gegangen war.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

Presserückschau (Juni 2017)

1
Handballmeister
“Die Rhein-Neckar Löwen sind erneut deutscher Handball-Meister. Der Bundesligist aus Mannheim (…) ist zwei Spieltage vor Saisonende nicht mehr von der Tabellenspitze zu verdrängen. Die Löwen profitierten davon, dass Verfolger SG Flensburg-Handewitt kurz zuvor überraschend (…) bei Frisch Auf Göppingen verloren hatte. Die nun fünf Punkte Rückstand auf die Nordbadener kann die SG nicht mehr einholen. Für die Löwen von Trainer Nikolaj Jacobsen ist es nach dem Erfolg im Vorjahr der insgesamt zweite Meistertitel der Vereinsgeschichte. Die Meisterschale bekamen die Löwen (…) aber noch nicht überreicht. Das soll nach dem letzten Saisonspiel am 10. Juni gegen die MT Melsungen nachgeholt werden.” (Süddeutsche Zeitung)

2
Grünes Wasser
“Bei der BASF-Kläranlage in Ludwigshafen ist seit mindestens Pfingstsonntag (…) grün gefärbtes Wasser in den Rhein gelaufen. Verantwortlich dafür sei der Farbstoff Tinolux BBS aus einem Betrieb im Werksteil Süd. Die Produktion dort sei gestoppt worden. (…) Die zuständigen Behörden seien informiert. Die Wasserschutzpolizei hatte die Grünfärbung bemerkt und die BASF informiert. Die in Waschmitteln eingesetzte Chemikalie Tinolux BBS gilt als schwach wassergefährdend. Eigene Messungen der BASF und der Rheingütestation in Worms hätten keine toxikologischen Auffälligkeiten ergeben.” (Rheinpfalz)

3
Plastic Soup Surfer
“Gewissenhaft verschnürt Merijn Tinga seine Taschen und Beutel auf dem Surfboard. Besonders tief verstaut wird der wasserdichte Beutel mit Smartphone und anderen Elektrogeräten. Viel hat der Plastic-Soup-Surfer gar nicht dabei. Tinga paddelt auf dem Surfboard den Rhein von Konstanz bis zur Nordsee hinab. Insgesamt 1035 Kilometer Strecke will er in 28 Tagen zurücklegen und damit auf die Verschmutzung der Meere und Flüsse mit Plastikmüll aufmerksam machen. Plastic Soup ist der englische Begriff für die großen Plastikmüllansammlungen in den Ozeanen.” (Badische Zeitung)

4
Schwimmender Luchs
“Der erst vor einigen Wochen im Pfälzerwald freigelassene Luchs „Cyril“ hat seine neue Heimat schon wieder verlassen. Tierschützer vermuten, dass er durch den Rhein geschwommen ist und sich nun auf rechtsrheinischem Gebiet irgendwo nördlich von Speyer aufhält. (…) „Die Luchse haben ein GPS-Halsband um, das Signale von beiden Seiten des Rheins senden kann“, sagte Jochen Krebühl, Geschäftsführer der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz. Da es an der Stelle, an der Cyril den Rhein überquert hat, keine Brücke gibt, vermuten die Tierschützer, dass er auf die andere Seite geschwommen ist.” (Südwest Presse)

5
Jobmaschine
“Nordrhein-Westfalen, Rheinbahn, Rheinknie, Rheinmetall – kein Wort prägt Düsseldorfer Institutionen so sehr, wie der Name des Stroms, an dem die Landeshauptstadt liegt. Für das Heimatgefühl der Düsseldorfer ist der Rhein, der einem Karnevalsschlager zu Folge der Stadt 20 Kilometer seines Stromverlaufs ganz allein schenkt, wichtiger als jedes andere geografische Element. Das wurde schon früh deutlich, als das nahe Ruhrgebiet sich industrialisierte und Düsseldorfs Lage am Rhein eine andere Rolle bekam. Denn Düsseldorfs vielleicht bekanntester Arbeitgeber Henkel stammt eigentlich von ganz woanders. Als Waschmittelfabrik Henkel & Cie wurde sie 1876 in Aachen gegründet. “Wegen besserer Verkehrsanbindungen und höherer Absatzchancen verlegte Henkel seine Firma 1878 nach Düsseldorf”, so steht es in der Firmenchronik. Und mit besserer Verkehrsanbindung ist einzig und allein der Rhein gemeint. Denn Wurm, Kupfer- oder Goldbach, die größten Gewässer Aachens, können es nicht mal mit der Düssel aufnehmen.” (Rheinische Post)

6
Verbrechen
“In Bonn soll ein Mann (27) versucht haben, eine 25-Jährige zu vergewaltigen. (…) Die Frau schrie laut um Hilfe. Eine Zeugin rief die Polizei. Als der mutmaßliche Vergewaltiger den Streifenwagen bemerkte, ließ er sein Opfer los und rannte zum Rhein. Schließlich sprang er in den Fluss und versuchte, schwimmend zu entkommen. Die Polizei fuhr neben ihm den Rhein entlang, irgendwann konnte sie den Mann mit Hilfe der Feuerwehr aus dem Wasser fischen.” (Der Westen)

7
Ingo
“Eine im Rhein treibende Gummipuppe hat in Mainz einen Großeinsatz ausgelöst. Mehrere Bürger hätten einen leblosen Menschen im Wasser gemeldet, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Daraufhin seien die Einsatzkräfte mit einem Großaufgebot angerückt. Es habe sich dann schnell herausgestellt, dass es sich nur um eine Gummipuppe handle. Für den vermeintlichen Rettungseinsatz war auch ein Hubschrauber alarmiert worden. Allein die Feuerwehr schickte 40 Einsatzkräfte zum Rhein. Die Herkunft der Gummipuppe blieb unklar.” (Stern)
“Der vermeintliche Mensch war bei genauerem Hinsehen eine aufblasbare Puppe. Sie sei männlich, etwa ein Meter 50 groß und mit Pflastern beklebt, so ein Sprecher der Mainzer Feuerwehr. Auf ihrer Schulter stehe der Name “Ingo”.” (SWR)

8
Schwimmnudeln
“Die Polizei will mit einer neuen Kampagne Unfälle auf dem Rhein verhindern. Mit orangen Schwimm­nudeln sollen Schwimmer besser sichtbar werden. (…) Im Rahmen der Kampagne wurden allen Badis am Rhein, ab Eschenz rheinabwärts, orange Schwimmnudeln verteilt. Insgesamt stehen 2000 Stück zur Verfügung. Diese können von den Badegästen gratis mitgenommen werden. Dank diesen Nudeln sollen Schwimmer von Bootsführern besser gesehen werden. Ein Ersatz für Schwimmwesten seien sie aber nicht, betont die Polizei. Die Kosten für die Kampagne belaufen sich auf rund 10 000 Franken. Diese werden von den Kantonspolizeien Thurgau und Schaffhausen getragen.” (Schaffhauser Nachrichten)

9
Biber-Alarm
“Beim Baden im Rhein bei Schaffhausen (Schweiz) sind zwei Schwimmer gebissen worden. Vermutlich war es ein Biber. Ein achtjähriger Junge sei mit dem Schreck und oberflächlichen Wunden davongekommen, doch bei einer Frau habe die Wunde genäht werden müssen (…). Die Schaffhauser Jagdverwaltung wollte deshalb diese Woche südöstlich von Schaffhausen am Rhein Richtung deutsche Grenze Warnschilder noch aufstellen. „Vorsicht Biber, vom Baden wird abgeraten“ soll darauf stehen (…).” (Südkurier)

10
König am Rhein
“Der Wachtelkönig ist kaum zu entdecken, aber dafür um so besser zu hören. In der Emmericher Ward gibt diesen Vogel.
Eine der wohl bemerkenswertesten Arten der Emmericher Ward ist der Wachtelkönig. Auch wir Biologen der Nabu-Naturschutzstation Niederrhein, die das Gebiet naturschutzfachlich betreuen, bekommen ihn nur selten zu sehen. Wenn, dann hört man ihn eher. Er hat ein bräunliches Gefieder und ist etwa so groß wie eine Wachtel. Zudem lebt er versteckt dort, wo die Vegetation sehr dicht und hoch ist. Darin ist er kaum zu entdecken, selbst wenn man genau neben einem Wachtelkönig steht. Darum achten wir auf seine Balz- und Paarungsrufe. Der Wachtelkönig ruft in der Nacht – und ist dann nicht zu überhören. Seine Rufe – ein rhythmisches, schnarrendes Knarren – sind unverwechselbar und auch von weitem zu hören. Bis in die 90er Jahre des letzten Jahrhunderts konnten noch bis zu vier Brutpaare des Wachtelkönigs in unserem Betreuungsgebiet in Fachsprache „verhört“ werden. Auch wenn die Rheinaue Emmericher Ward mit ihren großflächig extensiven Überflutungswiesen und -weiden bis heute ein Rückzugsgebiet für den gefährdeten Vogel bietet, ist es heute selten mehr als ein Paar.” (NRZ)

11
Rheintote
“Leichenfund am Rhein in Leverkusen! (…) Am Pfingstsonntag meldete sich ein Angler, der den leblosen Körper im Fluss entdeckt hatte, bei der Feuerwehr. Sofort machten sich die Rettungskräfte auf den Weg und zogen die männliche Leiche ans Ufer. Ein Notarzt konnte nur noch den Tod des Unbekannten feststellen. Die Identität des Mannes war zunächst unklar – ebenso, wie er ums Leben kam. Die Kölner Polizei hat die Ermittlungen übernommen.” (Express)

“Auf dem Rhein in Hessen ist ein Kajakfahrer während eines Gewitters von einem Blitz erschlagen worden. Der Mann wurde am Samstag kopfüber im Wasser treibend bei Lorch aufgefunden, wie die Wasserschutzpolizei (…) in Rüdesheim mitteilte. Der Blitz war der Polizei zufolge direkt in seinen Körper eingeschlagen.” (Stuttgarter Zeitung)

“Ein Mann (73) treibt bewusstlos mit seinem Segelyacht auf dem Rhein (…) bei Rheinkilometer 435. Als die Feuerwehr eintrifft, haben Helfer das Sportboot bereits im Schlepp eines weiteren Sportbootes. Doch der Mann liegt leblos an Deck. Die Feuerwehr versucht während der Schleppfahrt den Mann zu reanimieren, bis sie an der BASF-Anlegestelle ankommen. Dort wartet bereits ein Notarzt der BASF. Der Einsatz wird dabei von der Wasserschutzpolizei Ludwigshafen begleitet. (…) Leider stirbt der 73-jährige Mann trotz aller Reanimationsversuche um 20 Uhr im Krankenhaus. Er hat offenbar einen Herzinfarkt erlitten (…). Die genaue Todesursache ist Gegenstand eines Todesermittlungsverfahrens der Staatsanwaltschaft Frankenthal und der Kriminalpolizei Ludwigshafen.” (Heidelberg24)

“Passanten haben (…) im Rhein bei Köln-Niehl eine Leiche im Wasser treiben sehen. Dabei handelt es sich sehr wahrscheinlich um den (…) vermissten 16-jährigen Flüchtling. Der junge Mann war (…) in Rodenkirchen zum Schwimmen in den Rhein gegangen und abgetrieben. Nach Angaben der Polizei ist die Identifikation des Toten noch nicht zu 100 Prozent abgeschlossen, allerdings habe der Tote eine dunkle Hautfarbe, wie der aus Guinea stammende 16-jährige Flüchtling. Sein Begleiter sagte (…), dass der Jugendliche nicht schwimmen konnte, aber trotzdem ins Wasser gegangen sei.” (WDR)

Hoek van Holland: Blau

hoek_nordseeDie Nordsee spült Rheinbestandteile zurück in den Himmel
hoek_fast ferry_2aMit der Schnellfähre durch den Rotterdamer Hafen
hoek_kanadagänseKanadagänse ziehen über die Hafenanlagen (Bild: Finn, 12 Jahre)
hoek_stranddrinksStranddrinks
hoek_finnwal bo jenssonFinnwal Bo Jensson
hoek_nontierDas Nichttier auf der Jagd nach einem anderen Blau

Der junge Bayer soll sich den Rhein anschauen

“Das deutsche Heer ist nicht dazu da, eine Schule für die Erhaltung von Stammeseigentümlichkeiten zu sein, sondern vielmehr eine Schule des gegenseitigen Verstehens und Anpassens aller Deutschen. Was sonst immer im Leben der Nation trennend sein mag, soll durch das Heer zu einender Wirkung gebracht werden. Es soll weiter den einzelnen jungen Mann aus dem engen Horizont seines Ländchens herausheben und ihn hineinstellen in die deutsche Nation. Nicht die Grenzen seiner Heimat, sondern die seines Vaterlandes muß er sehen lernen; denn diese hat er einst auch zu beschützen. Es ist deshalb unsinnig, den jungen Deutschen in seiner Heimat zu belassen, sondern zweckmäßig ist, ihm in seiner Heereszeit Deutschland zu zeigen. Dies ist heute umso notwendiger, als der junge Deutsche nicht mehr so wie einst auf Wanderschaft geht und dadurch seinen Horizont erweitert. Ist es in dieser Erkenntnis nicht widersinnig, den jungen Bayern wenn möglich wieder in München zu belassen, den Franken in Nürnberg, den Badener in Karlsruhe, den Württemberger in Stuttgart usw., und ist es nicht vernünftiger, dem jungen Bayern einmal den Rhein und einmal die Nordsee zu zeigen, dem Hamburger die Alpen, dem Ostpreußen das deutsche Mittelgebirge und so fort?”

(aus Adolf Hitler: Mein Kampf, 855. Auflage 1943)

Presserückschau (März 2016)

1
“Eine Panne im umstrittenen Atomkraftwerk Fessenheim im Elsass vor knapp zwei Jahren soll wesentlich dramatischer verlaufen sein als bisher bekannt. Einem Bericht der “Süddeutschen Zeitung” (…) zufolge waren am 9. April 2014 nach einer Überflutung wegen eines Lecks in Block 1 die Steuerstäbe zum Abschalten des Reaktors nicht mehr manövrierfähig. (…) Der Block wurde laut “SZ” erst durch Einleitung von Bor ins Kühlsystem abgeschaltet – ein äußert seltenes Vorgehen. Der Betreiber des Akw, der staatliche französische Stromkonzern EDF, hatte zwar von dem Leck berichtet, ohne jedoch Einzelheiten zu nennen. Auf der achtstufigen internationalen Störfallskala Ines wurde der Vorfall lediglich auf Niveau 1 eingestuft. Die Überschwemmung habe damals eine “Abfolge von technischem Versagen und Chaos” nach sich gezogen (…). So sei eines der beiden parallelen Sicherheitssysteme ausgefallen, weil Wasser in Schaltschränke gelaufen sei.” (Donaukurier)

2
“Es gibt Szenarien, da muss man zweimal hingucken, um zu verstehen, dass man nicht völlig verrückt geworden ist. So ging es wohl einigen Duisburgern (…), als ein offensichtlich toter Pottwal auf der Ladefläche eines Transporters durch die Innenstadt rollte. Wenig später lag das fast 20 Meter lange Tier am Ufer des Rheinpreußenhafens in Homberg. Eine Schulklasse begutachtete es neugierig, die Kinder konnten kaum fassen, was sie da sahen. Wenig später kamen Forscher, um den Wal zu untersuchen. Auch das Duisburger Ordnungsamt kam zur Unfallstelle. Hatte sich der Wal vielleicht verirrt, ist er etwa über die Nordsee in den Rhein geschwommen und dann gestorben? Fehlanzeige: Der Pottwal am Duisburger Rheinufer hat nie gelebt. Es handelt sich um eine lebensgroße Attrappe, die zu den Aktionen des Kulturfestival Duisburger Akzente gehört.” (Rheinische Post)

3
“Die Ansicht ist wenig spektakulär: ein abgesperrtes Loch in der Erde, dessen Boden leicht mit Wasser bedeckt ist und auf dem ein Bagger und ein Container stehen. Trotzdem bedeutete der 16 Meter tiefe Schacht gestern Anlass zur Freude auf dem Chempark-Gelände Wiesdorf. Denn er ist der Anfang eines neuen Tunnels unter dem Rhein zwischen Leverkusen und Köln-Merkenich. Und so feierte Chempark-Betreiber Currenta mit mehreren Dutzend Gästen aus Unternehmen und der Politik die Taufe der Rheinunterquerung. Sie trägt nun den Namen “Martina”. Patin und Namensgeberin ist Currenta-Mitarbeiterin Martina Jacobs-Wellenberg, die das Projekt seit Beginn begleitet.” (Rheinische Post)

4
Loreena McKennitt feiert ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum, berichtet die Fachzeitschrift Powermetal im Stil einer Werbeanzeige: “Nun schiebt ihr Label Quinlan Road noch die Livescheibe “Troubadours On The Rhine” nach, wiederum strikt limitiert auf 5000 Kopien und in hochwertigem 180g-Vinyl. Doch neben der hochwertigen Aufmachung ist das Schöne daran natürlich in erster Linie das Schöne darin. Loreena spielte dieses Konzert auf Einladung des Radiosenders SWR1 (…) am 24. März 2011, in Mainz. (…) Insgesamt (…) eine (große, schwarze) runde Sache, die ein Muss für alle Folkfans darstellt. Und die Tatsache, dass die Aufnahmen vom schönen Mainz am Rhein stammen, sollte insbesondere die Rheinländer auf den Plan rufen. Da dürften die 5000 Exemplare schnell vergriffen sein.”

5
“Im Rahmen der 37. Duisburger Akzente “Nah und Fern – 300 Jahre Duisburger Hafen” läuft im Ruhrorter Museum der Deutschen Binnenschifffahrt noch bis zum 9. April die Sonderausstellung “Neue Horizonte – Dynamik im Fluss” über den Erfinder Paul Schatz (1898-1979), der als deutsch-jüdischer Emigrant in der Schweiz lebte (…). Dazu spielte (…) das “Ensemble Neue Horizonte Bern” (…) sein Programm “Im Fluss”. (…) Sämtliche Kompositionen von “Im Fluss” beschäftigen sich mit den Themenkomplexen Fluss, Wasser und Hafen, aber auch Strömung, Schleuse, Handelsumschlagplatz, Schwäne, Rhein, Donau und Moldau sowie weiterem Nahen oder Fernen. Der formale Rahmen leitet sich von Paul Schatz und seinem umstülpbaren Würfel ab (den übrigens der Westdeutsche Rundfunk vor 50 Jahren zum Logo seines Dritten Fernsehprogramms machte). Der taumelnden Bewegung des Oloids passt sich auch die in jedem Konzert andere Reihenfolge der Stücke an. Genauer gesagt, bleibt die Abfolge gleich, nur Anfang und Ende verschieben sich.” (Rheinische Post)

6
Rettung aus Rheinnot: mehrere Schafe hatten sich laut Anrufen von Spaziergängern bei der Krefelder Feuerwehr im Fluß befunden: “Ein freilaufender Hund hat (…) eine Schafsherde in Panik versetzt. Ein Tier wurde in den Hals gebissen. Es wusste sich nicht anders zu retten, als in den Rhein zu springen. Ein Passant und ein Polizist in zivil, retteten das verletzte Tier in Ufernähe aus dem Wasser. Vom Hund keine Spur.” (Rheinische Post) Der Verbleib der restlichen Schafe, die sich ebenfalls in den Fluß gestürzt haben sollen, ist ungeklärt.

7
“Ein ausgebüxtes Rind hat (…) einen Polizeieinsatz der Stadtpolizei Chur verursacht. Das Tier war zuerst stadtauswärts auf den Zuggeleisen unterwegs. Danach stapfte es zum Rheinufer. (…) Als eine Polizeipatrouille vor Ort eintraf, waren bereits mehrere Personen dabei, das entwichene Rind von den Geleisen wegzutreiben. (…) Nach einiger Zeit ging das Rind zum Rheinufer und überquerte den Fluss schwimmend. Es strandete völlig erschöpft am gegenüberliegenden Ufer von Haldenstein. Dort konnte das Tier schliesslich von Bauern mit einem Seil hochgezogen werden.” (Schweizer Bauer)

8
“In Baden-Württemberg hat ein 22-Jähriger sein Auto versehentlich in den Rhein gelenkt. Er und sein Beifahrer kamen glimpflich davon. Ein Passant hatte (…) den Zwischenfall in Breisach am Rhein beobachtet und den Notruf gewählt. (…) Kurz darauf meldete sich (…) der Fahrer des Wagens. Er und sein ebenfalls 22 Jahre alter Beifahrer hatten sich alleine befreit und waren durchs eiskalte Wasser zum Ufer geschwommen. Danach gingen beide nach Hause, um die nassen Kleider zu wechseln. Der Polizei zufolge ist der Unfallverlauf inzwischen geklärt: Der Fahrer war (…) beim Rückwärtsfahren auf einen Grünstreifen geraten und hatte die Kontrolle über das Auto verloren. Der Wagen rollte daraufhin die Böschung zum Rhein hinunter und stürzte in den Fluss. Das Fahrzeug ging unter und soll nun geborgen werden.” (Spiegel)

9
“Erneut haben Unbekannte zwei große Bäume an der Rheinallee (in Königswinter; Anm.: rheinsein) vergiftet. (…) Eine stolze Platane und ein Ahorn mussten deshalb (…) in Höhe der Hubertusstraße am Rheinufer gefällt werden. Ebenfalls (…) wurden zwei weitere Bäume gefällt, die bereits im vergangenen Jahr Opfer von Giftanschlägen geworden waren, und eine Pappel, die unmittelbar am Rheinufer stand und angesägt worden war. Die Stadt hat innerhalb von nur neun Monaten insgesamt fünf Strafanzeigen gegen Unbekannt bei der Polizei erstattet.” (General-Anzeiger)

10
“Jubel bei den Rhine River Rhinos: Die Rollstuhl-Basketballer aus Wiesbaden haben den Aufstieg in die Erste Bundesliga perfekt gemacht. Die Mannschaft von Cheftrainer Cliff Fisher setzte sich am letzten Spieltag bei den SKG Rolling Choclate in Heidelberg mit 89:53 durch und sicherte sich die Meisterschaft in der Zweiten Liga.” (Wiesbadener Tagblatt)

11
“Die Programmiersprache rhine aus der Feder von Ramkumar Ramachandra ist eine typisierte, von Elixir inspirierte Sprache, die die LLVM-Just-in-time-Kompilierung nutzt und einen vollständigen abstrakten Syntaxbaum, sowie N-D-Tensoren, First-Class-Funktionen und Typinferenz bietet. Die von Ramachandra im GitHub-Repositorium des Projekts vorgestellten Sprachfeatures umfassen beispielsweise die Typannotation ~Int (In rhine werden nur Argumenttypen kommentiert; Rückgabetypen werden inferiert) sowie die Funktion ~Function(Int -> Int -> Int. Letztere nimmt zwei Integer auf und gibt einen zurück, wobei etwas Haskell-Syntax eingestreut wird. (…) Eine Besonderheit von rhine ist der AST. Dieser nimmt starke Anleihen bei der LLVM-Zwischenschicht (IR), umfasst jedoch auch einige höher angesiedelte Konzepte, wie beispielsweise Tensoren. Er ist Ramachandra zufolge als SSA zu betrachten und verfügt über einen eingebetteten UseDef-Graph, weshalb Analysen und Transformationen sich besonders leicht gestalten sollen.” (Jaxenter)

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“Einsatzkräfte der Polizei und der Rheinhausener Feuerwehr haben in Duisburg-Friemersheim die Reste einer Leiche aus dem Rhein geborgen. Ausgerückt waren auch ein Boot der Wasserschutzpolizei sowie Taucher. Da der Torso relativ ufernah im Rhein trieb, kamen letztere nicht zum Einsatz. Zur Identität der toten Person ist noch nichts bekannt. (…) Fingerabdrücke der aufgefundenen linken Hand werden derzeit ausgewertet. “Die Leiche ist auch nicht mehr ganz frisch”, sagt Feuerwehr-Einsatzleiter Thorsten Stolz. Sie sei vermutlich schon eine Weile stromabwärts getrieben und auch in Kontakt mit Schiffschrauben gekommen.” (WAZ) “In Duisburg hat eine Passantin am Rheinufer Leichenteile gefunden. Der menschliche Unterkörper war im Bereich Alsumer Steigs angeschwemmt worden (…). Erst vergangene Woche war rheinaufwärts beim Duisburger Ortsteil Friemersheim ein lebloser Oberkörper geborgen worden. Taucher der Feuerwehr zogen die Leiche aus dem Wasser. Eine DNA-Analyse soll nun klären, ob die Leichteile von der selben Person stammen. (…)” (Welt)

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“Die Quecksilber-Belastung deutscher Flüsse liegt (…) vielerorts weit über dem zulässigen Grenzwert. Die Umweltqualitätsnorm von 20 Mikrogramm Quecksilber je Kilogramm Fisch werde in den großen Flussgebieten Rhein, Elbe und Donau dauerhaft und flächendeckend um das fünf- bis 15-fache überschritten (…). Quelle dafür sei eine Antwort des Bundesumweltministeriums auf eine Parlamentsanfrage. Zwar stoßen Dutzende deutsche Braun- und Steinkohlekraftwerke in geringen Dosen Quecksilber aus, Umweltschützer machen aber vor allem giftige Dämpfe aus Braunkohlekraftwerken für die Umweltbelastung mit dem Schwermetall verantwortlich.” (n-tv)