Presserückschau (Januar 2018)

1
Mikroplastik
“Der Rhein transportiert jede Menge Mikroplastik. Von der Quelle in den Graubündener Alpen abwärts fließen jedes Jahr allein im Oberflächenwasser acht bis zehn Tonnen Kleinstkunststoffteile in die Nordsee. “Dies ist nur die Spitze des Eisberges”, erklärt Prof. Andreas Fath (…). “Die tatsächliche Belastung des Rheins mit Mikroplastik dürfte noch um ein Vielfaches höher sein.” Denn der überwiegende Teil sinkt in die unteren Schichten des Flusswassers oder ins Sediment ab. Die Meere werden also reichlich mit Kunststoff versorgt: Im Jahr 2050 soll nach einer Studie der Ellen Mac Arthur Stiftung gewichtsmäßig mehr Plastik als Fische in unseren Ozeanen schwimmen.” (WDR)

2
Wildschwein
“Das war schon eine fast filmreife Verfolgungsjagd, die sich ein Wildschwein (…) mit der Polizei im Bonner Stadtgebiet lieferte. (…) Das einzelne Wildschwein war erstmals (…) von Anwohnern in der Königsheimstraße in Beuel gesichtet und der Polizei gemeldet worden. Anschließend lief der Schwarzkittel in Richtung Drachenfelsweg, wo es (…) mit einem 61 Jahre alten Fahrradfahrer zusammenstieß. Der Mann war gerade mit dem Rad an seinem Grundstück angekommen, als das Schwein ihn über den Haufen rannte. (…) Danach ging die Jagd durch Beuel weiter über die Dietrich-Bonhoeffer-Straße in Richtung Rhein. Dort sprang das Tier dann vor seinen Häschern in den Fluss, wo es (…) leicht mit dem Schiff „Hansestadt Hamburg“ kollidierte. Dabei wurde das Schwarzwild aber offensichtlich nicht schwerer verletzt, denn danach trieb es am Römerbad vorbei, um im Bereich der Nordbrücke wieder an Land zu gehen.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

3
Hasen und Kaninchen
“Wenn der Rhein Hochwasser hat, verwandeln sich die Wiesen an der Rheinbiegung im Schatten der Leverkusener Brücke in kleine Inseln. Förster (…) fahren dann mit dem Boot von Insel zu Insel. Ihre Mission: Die Inselbewohner, Hasen und Kaninchen, vor dem Ertrinken zu retten. „Hasen können ungefähr 100 Meter weit schwimmen, Kaninchen halten etwa 20 Meter durch“, erklärt Förster Scheer. „Wenn die Fluten des Hochwassers kommen, haben die Tiere kaum eine Chance.“ Das Rettungsteam ist ausgerüstet mit Keschern und Kisten in denen sie die Hasen und Kaninchen unterbringen. „Wenn wir die Tiere eingefangen haben, bringen wir sie danach an einen sicheren Fleck“, sagt Scheer.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

4
Wo Möwen in Krefeld kostenlos Karussell fahren können
“Zu den Top 10 der häufigsten Wo-Fragen auf Google in Deutschland zählte 2017: “Wo können Möwen in Krefeld kostenlos Karussell fahren?” (…) Die Lösung nehmen wir hier schon mal vorweg: Umsonst Karussell fahren können die Krefelder Möwen auf der Hafen-Drehbrücke, die über den Linner Mühlenbach führt.” (Rheinische Post)

5
Insel der Obdachlosen
“Wegen des Hochwassers musste die Neusser Feuerwehr (…) zu ihrem ersten, flutbedingten Rettungseinsatz ausrücken. Die Einsatzkräfte (kamen) zwei Männern zur Hilfe, die auf der Ölgangsinsel vom Wasser überrascht wurden. Nach einer kurzen Suche, erreichte die Wasserrettungseinheit die beiden Hilfesuchenden. Mit dem Mehrzweckboot „Marne“ wurden die zwei vermutlich obdachlosen Männer (44/57) aufgelesen und sicher an Land gebracht. Laut Polizei hatte das Duo zusammen mit ihren zwei Hunden und ihrem gesamten Hab und Gut auf der Halbinsel am Rheinkilometer 739 übernachtet. Am Morgen wären sie dann von Wasser überrascht und den steigenden Pegel vom „Festland“ abgeschnitten worden.” (Express)

6
Gaffer
“Der Rhein macht sich breit – die Touristen auch. (…) Sie stehen teils in Zweier- und Dreierreihen entlang der Mauer und halten ihre Kameras oder Handys in Richtung Rhein. Auch wenn die erste große Flut des Jahres 2018 Leverkusen vermutlich nicht in größere Bedrängnis bringen wird, so wollten doch Dutzende Hochwassertouristen gestern die Situation vor dem Erreichen des Höchststandes für sich dokumentieren. Auch aus weiter entfernten Städten kamen sie mit ihren Autos nach Hitdorf und postierten sich an verschiedenen Aussichtspunkten. Dabei hatte die Stadt (…) an allen Zufahrtstraßen zum Rhein Barrikaden errichtet. An einigen Stellen wachte zusätzlich Personal über die Zufahrt. Das hielt die Gaffer jedoch nicht ab.” (Rheinische Post)

7
Hochwasser-Depp
“Ein Mann am Rheinufer in Worringen hat (…) kollektives Kopfschütteln bei den Rettungskräften im Hochwasser-Einsatz ausgelöst. Beim Versuch treibende Autoreifen aus dem Wasser zu fischen, verlor der 53-Jährige am rutschigen Ufer den Halt und stürzte in den Fluss. Passanten riefen die Feuerwehr. (…) „Hier schwimmt einer und sammelt dabei Reifen ein. Der kommt allein aber nicht mehr raus“, berichtete ein Zeuge am Telefon. Mindestens sechs alte Autoreifen, einige samt Felge, trieben im überfluteten und extrem schlammigen Uferbereich. Der „Sammler“ hatte das Risiko bei seinen Angelversuchen offenbar unterschätzt und kam nun ohne fremde Hilfe nicht mehr an Land. Minuten später trafen Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Worringen und Beamten der Kölner Berufsfeuerwehr an der Einsatzstelle ein. „Wir haben den stark unterkühlten Mann aus dem Wasser ziehen können. Anschließend wurde er im Rettungswagen vom Notarzt untersucht und ins Krankenhaus gebracht“, so ein Beamter.” (Express)

8
Vermutete Personen
“In Höhe des Evonik Werks in Lülsdorf treibe eine Person im Rhein – diese Meldung erreichte die Retter (…) und löste einen umfangreichen Feuerwehreinsatz aus. Einsatzkräfte der Niederkasseler Feuerwehr suchten das Gebiet vom Ufer ab, während die Feuerwehr Mondorf und die Feuerwehr Bonn den Rhein mit Booten abfuhren. Strömungsberger des Deutschen Roten Kreuzes ließen ihr Boot in Lülsdorf ins Wasser und begaben sich wegen der erheblichen Fließgeschwindigkeit des Wassers in Richtung Köln-Langel auf die Suche. Ein Notarzt vor Ort griff genauso wenig ein wie die Rettungstaucher.” (General-Anzeiger)

“Mit Hubschraubern, Wasserschutzpolizei und Einsatzfahrzeugen suchten Kölner Polizei und Feuerwehr (…) das Rheinufer bei Sürth ab. Ein Zeuge hatte vermutet, eine Person im Wasser gesehen zu haben. (…) Der Rhein führt derzeit wegen starker Regenfälle der vergangenen Tage im Einzugsgebiet Hochwasser. Daher ist es zurzeit besonders gefährlich, sich am Rheinufer aufzuhalten. Durch die starke Strömung schwimmen auch vermehrt größere Gegenstände im Fluss.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

“Polizei und Feuerwehr suchten (…) nach einer Person im Rhein. Eine Frau hatte zuvor gemeldet, dass jemand von der Rheinbrücke in Germersheim geprungen oder gefallen sei. (…) Die Autofahrerin war auf der Rheinbrücke bei Germersheim unterwegs, als ihr Blick auf dem Rhein fiel. Dort will sie eine Person treiben gesehen haben, die sich zuvor ins Wasser gestürzt haben soll oder hineingefallen ist.” (Regio-News)

9
Rheintote
“Die Kölner Feuerwehr hat (…) eine Leiche aus dem Rhein geborgen. In Höhe der Ford-Werke in Niehl wurde ein ca. 40 Jahre alter Mann leblos aufgefunden. (…) Die Kölner Polizei ermittelt nun die Identität des Toten. Bislang gibt es, laut Polizei, keine Hinweise darauf, dass der Fall mit dem Hochwasser zu tun hat. Von Feuerwehr und Rettungsdienst waren insgesamt 67 Kräfte im Einsatz, die unter anderem von zwei Feuerwehrbooten und Hubschraubern unterstützt wurden.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

“Schrecklicher Fund am Joseph-Beuys-Ufer an den Rheinterrassen in Düsseldorf. Ein Passant hatten (…) einen Körper auf dem Rhein treiben sehen. Sofort wurde die Feuerwehr alarmiert. Die konnte nur noch die Leiche einer 30 bis 50 Jahre alten Frau bergen. Auf Nachfrage (…) sprach die Polizei in Düsseldorf zunächst von einem toten Mann.” (Der Westen)

“Wasserschutzpolizei und Feuerwehr haben (…) eine männliche Wasserleiche aus dem Rhein geborgen. Ein Anrufer hatte der Polizei mitgeteilt, dass auf der Höhe des RTL-Gebäudes in Deutz etwas im Wasser aufgefallen sei. Dabei könne es sich um einen Mensch handeln. Die Retter eilten zum Einsatzort und fanden im Uferbereich die Männerleiche.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

“Knapp zwei Monate nach dem Verschwinden eines 35-Jährigen in Düsseldorf ist die Leiche des Mannes 114 Kilometer entfernt im niederländischen Nijmegen gefunden worden. Wie der Mann ums Leben gekommen ist, sei noch unklar, teilte die Polizei (…) mit. Vermutlich ist er in den Rhein gefallen und mit dem Fluss bis in die Niederlande getrieben. Der Oberhausener war seit dem 3. Dezember 2017 als vermisst gemeldet, nachdem er nach einer Weihnachtsfeier mit einem Arbeitskollegen in der Düsseldorfer Altstadt alleine nach Hause gegangen war.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

Außerdem war es für uns Deutsche verboten, den Rhein zu befahren

Mit Carl Maassen, meinem Freund, traf ich mich im Düsseldorfer Jachthafen, der nicht weit von unserem Atelier entfernt lag. Sein Vater hatte hier ein großes Hausboot, das er zu einer Buchhandlung auf dem Wasser ausgebaut hatte. Die meisten Schiffe und Segeljachten aber waren durch die Bombenangriffe gesunken. Wir gingen daran, soweit wir das mit unseren Mitteln konnten, die verschiedensten Boote zu heben. Das erste nannten wir Bügeleisen, da der Rumpf dieser Form glich. Einen eisernen Nachen holten wir von einem gesunkenen Raddampfer, der draußen an der Kaimauer lag. An der ganzen Düsseldorfer Rheinfront lagen gesunkene Dampfer und Schleppkähne, die zum Teil aus dem Wasser ragten, besonders im Hochsommer, wenn der Rhein wenig Wasser hatte. Zu dem Hausboot gehörte ein großes eisernes Boot mit schwerem Motor, das wir aus dem Wasser holten und wieder in Betrieb brachten. So hatten wir ein gutes Bergungsschiff.
Carl hatte ein Motorrad, mit dem wir nach Bonn und nach Königswinter fuhren, wo er auf einer kleinen Werft den Rumpf einer Segeljacht, einer Ketsch, liegen hatte. Es war ein schönes Schiff. Leider aber hatten Bombensplitter ein großes Loch in den Rumpf geschlagen und niemand auf der Werft konnte das Schiff wieder in Stand setzen. Außerdem war es für uns Deutsche verboten, den Rhein zu befahren. Auch gab es Sperrstunden und Strafen, wenn man erwischt wurde.
Die Engländer hatten eine Pontonbrücke von Niederkassel mit Anschluß an die Uerdinger Straße gebaut, da wo heute die Nordbrücke über den Rhein führt. Unter der Brücke auf den Pontons und im Wasser lagen und schwammen schöne große Holzbalken. Davon konnte ich einige gebrauchen. In einer dunklen Nacht ruderten wir mit unserem Nachen – um die Ruderblätter hatten wir wegen der Geräusche Lappen gewickelt – vorsichtig an die Brücke heran. Oben patrouillierten Soldaten, wir mußten höllisch aufpassen, um nicht entdeckt zu werden. Vorsichtig holten wir Balken um Balken, banden sie mit Stricken zusammen, und ließen uns mit gestohlener Fracht stromabwärts treiben. Trude und Anneliese standen am Ufer. Wir hatten uns eine Karre besorgt, wuchteten die schweren Balken nach oben und schnell ging es zur Franz-Jürgens-Straße, wo wir sie in unser Atelier brachten. So konnten wir eine Zwischendecke einziehen, da wir Nachwuchs erwarteten und für vier Personen zu wenig Platz war. Bei einem weiteren Seeräuberunternehmen holten wir noch die nötigen Bretter. Alles lief glimpflich ab, und wir konnten mit Hilfe eines Schreiners den Zwischenboden bauen.

Jede freie Minute war ich auf dem Rhein. In der Abenddämmerung ging es hinüber auf die Löricker Seite, wo wir Rhabarber, Kappes oder Möhren klauten. Wir störten uns nicht an der Sperrstunde, es ging ums nackte Überleben. Ich bekam von einem Bekannten ein kleines Radio geschenkt und dankte ihm mit einem Bild. Später wollte er das Gerät zurück haben und schenkte mir eine Segeljolle. Weiß der Himmel, wo er die her hatte, aber es war ein hilfreiches Geschenk. Jetzt konnte ich meine Hamsterfahrten erweitern. Bei günstigem Wind segelte ich rheinabwärts an den Niederrhein, einmal bis nach Xanten. Egal wie das Wetter war, bei Regen und Schneetreiben, machte irgendwo das Boot fest, ging an Land und bettelte oder tauschte bei den großen Bauernhöfen. Aber nicht jeder gab etwas. Oft war ich mit einem Butterbrot und einer Tasse Kaffee zufrieden. Zurück hing ich mich an ein Schleppboot und ließ mich rheinaufwärts bis nach Düsseldorf ziehen. Ich hatte mir eine Zeltbahn über den Großbaum gelegt, ein Zeltdach gebaut und schlief die Hälfte der Fahrt. Wenn mir das Segeln allerdings zu riskant war, unternahm ich meine Hamstertouren per Autostop. Das klappte eigentlich immer recht gut. Die Autofahrer hatten Mitleid, wußten sie doch selbst wie schwer die Zeiten waren und daß der Hunger uns dazu veranlaßte. Es ging ums Überleben. Heute verschwendet man keine Gedanken mehr an diese Zeit.

(aus Hannes Esser: Heute hier und morgen gestern, Düsseldorf 2002)