Nonnenwerth (von Agnes Franz)

Freistatt der Ruh’, du stille Klostermauer,
Von hoher Linden dunklem Kranz umstrickt,
Du lichter Stern, auf den in Wonn’ und Trauer
Einst hoffnungslose Sehnsucht hingeblickt;

Und du, o Rolandseck, deß graue Zinne
Von jenes Ufers Felsen niederschaut,
Unsterblich durch die Sage treuer Minne,
Wie durch die Hand, die trauernd dich erbaut,

Denkmäler frommer Liebe, aufgerichtet
im Schooße der erhabensten Natur,
Schwermüthig ernst, und doch so hold gelichtet
Durch ferner Tage abendhelle Spur;

Die Zeit, die Felsen um euch her verheerte,
Die auf der Siebenberge grauem Haupt
Der hohen Wolkenburgen Pracht zerstörte,
Und ihres Ruhmes Kunde uns geraubt:

Sie ging vorbei mit schonend leisem Schritte
An eures Ufers friedlicher Gestalt,
An diesem Lindenhain, aus dessen Mitte
Der Himmelsbräute frommes Lied geschallt.

Und stürzte auch die Rolandsburg in Trümmer,
Ein Pfeiler blieb, den willig sie vergaß,
Es ist das Fenster, wo im Morgenschimmer
Als Leiche noch der treue Ritter saß.

So wahrt die Zeit selbst liebend noch die Sage,
O Nonnenwerth, die deinen Reiz erhöht,
So pflegt sie an dem morschen Sarkophage
Der Lieb’ ein Lorbeerreis, das nie vergeht.

(aus: Rolands-Album, herausgegeben von Ferdinand Freiligrath, Köln 1840. )

Rolandseck (von August Kopisch)

Von Spanien kam die Kunde, wie jener Held von Stahl,
Roland, gefället worden im Thal von Roncesval.

Da nahm den frommen Schleier die schöne Hildegund,
Gelobte Gott die Seele mit todesbleichem Mund.

Doch bald viel andre Kunde sandt’ aus der grüne Rhein:
Kein Schwert konnt’ ihn besiegen, die Liebe nur allein!

Es ward die schärfste Lanze ihm durch das Herz gerannt,
Als Hildegund, die Schöne, er Gott vermählet fand!

Auf hohem Felsen thät er sich eine Klause baun,
Von da zu ihrem Kloster im Rhein hinab zu schaun.

Da scholl von grüner Insel der Nonnen Sang empor:
Die holde Stimme wähnt’ er zu hören aus dem Chor.

Wie Blumenseim die Biene, sog er den süßen Schmerz.
Bis Minne ihm gebrochen das tapfre Heldenherz.

(aus: Rolands-Album, herausgegeben von Ferdinand Freiligrath, Köln 1840)

Marcel Crépon über Franz Liszts Platane (3)

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(…) Zwei Metro-Stationen entfernt von der Kirche befand sich seine Wohnung, eigentlich ein ehemaliges Zofenzimmer, im fünften Stock gelegen, mit genügend Platz, um keinen wirklichen Platz zu haben, welcher jedoch ausreichte, um sich im Kreis zu drehen. Das eingerahmte Blatt hing über dem Bett, es stammte eindeutig von einer Platane ab. Obwohl die Lichtverhältnisse miserabel waren, sah ich wie der Mann ein Profil von Liszt mit Tusche und Wasserfarbe darauf gezeichnet hatte. Es sah nicht schlecht aus, wenn auch nicht besonders schön. Während wir uns darüber unterhielten, blieb die Frau stumm auf dem Bett sitzen. Dann stand sie auf, näherte sich dem Rahmen, riss ihn plötzlich vom Wand ab und schlug mit der Hand darauf, wobei ihre Ringe als eine Art poing américain dienten und das Glas zerbrachen. Überrascht (ich) und entsetzt (der Mann) blieben wir still und starrten sie an. Sie schaute mit einer Art pathologischem Vergnügen zurück, so als ob sie die Absicht hätte, das braune, getrocknete Blatt zu zerreißen, oder es vielleicht zu verschlucken, um sich dessen Zauber einzuverleiben. Doch weder das eine noch das andere tat sie, sondern sie nahm es an ihren Mund und küsste es. Dann legte sie es auf das Bett und ging. Nun lag es da, von verstaubtem Glas befreit. Vorsichtig, doch fest entschlossen fragte ich um Erlaubnis, es photographieren zu dürfen. Der noch regungslose Mann bejahte mit den Augenlidern. Ich machte einen Aufnahme, und hörte wie er in meinen Rücken flüsterte:

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Dies, das letzte meiner Lieder
ruft dir. Komme wieder, wieder!

In Hochachtung und mit freundlichen Grüßen,
Ihr Marcel Crépon

***

Direkt oder indirekt zitiert :

- Felix Lichnowsky, Die Nonnenzelle
- Franz Liszt, Die Nonnenzelle, S.274/1 (Eck, Köln 1843)
- Jean Cras, Poèmes intimes, Nr. 5: La maison du matin (Eschig, Paris 1912)
- Antoine Mariotte, Kakémonos op. 20, 4 pièces japonaises pour piano, III – Temple au crépuscule (Enoch, Paris 1925)
- Rheinwind – “Le Vent du Rhin”: unter diesem Titel wurde Alcools von Apollinaire in dessen Revue Immorale 1905 angekündigt.

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- Jacques Trochet (Nonenwerth, 9. August 1794), Baptiste Toulié (Nonenwerth, 26. August 1794). In: Charles-Louis Chassin & Léon Hennet, Les volontaires nationaux pendant la Révolution. Historique militaire et états de services des huit premiers bataillons de Paris, levés en 1791 et 1792 (Paris, 1899-1906)
- Günther Prötzies, Studien zur Biographie Franz Liszts und zu ausgewählten seiner Klavierwerke in der Zeit der Jahre 1828-1846 (Bochum, 2004)
- ”Der nach dem mittleren Rheinarm gelegene Rand der Insel trug den stolzen Namen ”Die Schweiz”. Woher der Name kam, ist schwer zu begreifen, denn es war der häßlichste Theil des ganzen Besitzthums: ein sandiges, unebenes Terrain mit ruppigen Birken und Hollergebüsch, das im Sommer stets klebrig und voll Insekten war, und das die Aussicht auf den Rhein und das Gebirge versperrte. Auf der anderen Langseite der Insel, Rolandseck gegenüber, zog sich eine alte Pappelallee hin. Ringsum aber rauschte der Strom, und von den Ufern winkten die Berge mit ihren Ruinen und ihren Landhäusern zu uns herüber.”
Christine von Hoiningen-Huene, Nonnenwerth. Eine rheinische Klosterschule. In: Deutsche Rundschau, Bd. 100, Juli-August-September 1899.
- Franz Liszt und die Gräfin d’Agoult in Nonnenwerth 1841-1842. Aus dem Nachlass Varnhagens von Ense mitgeteilt von Emil Jakobs. In: Die Musik, Halbmonatsschrift mit Bildern und Noten, hrg. von Kapellmeister Bernhard Schuster, October (Berlin und Leipzig 1911-1912).

Marcel Crépon über Franz Liszts Platane (2)

(…) Ich muss gestehen, liebes rheinsein, dass ich recht erstaunt, ja etwas dumm da stand, fasziniert zu sehen wie der Disput sich entflammte, so als ob die jeweilig vertretenen Ansichten aus reinem Schießpulver bestünden. Ich sah beide Liszt-Anhänger, kurz zuvor in der Kirche noch von Harmonien und Melodien durchtränkt tief in sich versunken, nun zwei Frachtern gleich mit voller Kraft voraus und bereit zum Aufprall. Wer zuerst Gewalt anwandte, vermag ich heute nicht mehr zu erinnern. Auf einmal standen sie in der wenig beleuchteten Außenseite der Kirche, und während der Mann sich seine errötete Wange mit der linken Hand rieb, ergriff die rechte das Haar der Frau, die sofort mit geballter Faust in des Gegners Magen zurückzuschlagen versuchte, doch nur die Rippen traf, jedoch nicht kräftig genug, um den Mann daran zu hindern sie an den Schulter zu packen und heftig zu schütteln, wobei er seine Deckung aufhob und den Weg frei gab für ein feindliches Knie, das zwischen seinen Beinen einen Totalschaden angerichtet hätte, wäre nicht der Wintermantel vorhanden gewesen, der auch dafür verantwortlich war, dass die Frau leicht ihr Gleichgewicht verlor, was sie jedoch zu ihrem Vorteil nutzte, um dem Mann einen Kinnhaken zu verpassen, der ihn einen Augenblick verunsicherte, doch ließ die Parade nicht auf sich warten, indem er, sich daran erinnernd, dass auch Frauen einen sensiblen Genitalbereich vorweisen, hinterlistig einen Fuß in die erwähnte Region erhob, was die Frau geahnt haben musste, denn sie schritt instinktiv und flink beiseite, und umschlang ihn, um weitere Angriff zu vereiteln, eine Taktik, die von ihm sofort imitiert wurde, und zwar so kräftig, dass beide zu Boden fielen, die Umarmung mit den Beinen erweiterten, was den Kampf als einen leidenschaftlichen, furiosen Liebesakt erscheinen ließ, in dem die von Eros und Thanatos freigesetzten Energien beide Liebenden im besten Fall annihilieren. So weit kam es jedoch nicht. Die Bellizisten honorierten einander mit weiteren Schlägen, Strangulationsversuchen, Rupfen, Beschimpfungen, wie eben nur der selbstlose Egoismus der Liebenden es zustande zu bringen vermag. Sollte ich eingreifen, oder dem Kampf seinen Lauf lassen? Ich erinnerte mich wie in Alice im Wunderland der Siebenschläfer die Aufmerksamkeit des irrsinnigen Teetrinkers zu sehr auf sich lenkte, und in eine Teekanne gestopft wurde. Das gleiche Schicksal hätte mir drohen können, in einer herumstehenden Mülltonne. Also schwieg ich, und schaute weiter. Bald ließen sowieso Heftigkeit und Präzision der Angriffe nach, bald lagen die Kontrahenten erschöpft, wie zwei von der Ebbe zurückgelassene Strandgüter. Es röchelte, sabberte, stöhnte, wimmerte, spuckte. “Eine Platane war es…”, seufzte dann der Mann, “ich weiß es, ich war dort”. Die Frau drehte ihm langsam den Kopf zu. “Ja, ich bin auf der Insel gewesen. Um auf die Insel zu gelangen, nutzte man damals eine Fähre mit Seilen. Den Betreiber fragte ich halb auf Englisch, halb mit Zeichensprache, ob er mich übersetzen könnte. Er verneinte, es sei denn, ich wolle zum Friedhof. Meine Absicht war es gewiss nicht, d.h. nicht wie dieser Charon es vielleicht meinte. Doch so war es: auf die Insel kam man nur, um die Toten zu besuchen (vielleicht hätte mich als Nachfahre der arme Trochet, oder der arme Toulié, die 1794 auf der Insel verstarben), zu beten oder wenn man im Mädcheninternat eingeschult ist. Damals war es auf jeden Fall so.” – “Und was geschah dann?” wollte die Frau wissen. “Den Rest des Nachmittags verbrachte ich in einer Gaststätte, beobachtete die Aktivität auf dem Fluss, machte Fotos.

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Nachts wagte ich mich zur Insel. Zwischen ihr und dem Ufer ist der Rhein wirklich nicht breit, kaum 100 Meter und so gut wie ohne Strömung. Ich hatte also leichtes Spiel. Am Ufer angekommen waren es nur ein paar Schritte bis zur Plat…” – “Pap…” – “Sagen wir bis zum Baum”, unterbrach ich. “Und danach? Haben Sie sich wie ein billiger Verführer zu den Mädels geschlichen?” – “… ??????? Nein, ich kniete am Fuß des hoch ragenden Stammes, schloss die Augen, berührte die Rinde, die einst von Liszts Fingern angefasst wurde, und weinte. Nach einer Weile schwamm ich dann zurück, als fast das Blatt, das ich mitgenommen hatte, als ich kurz Luft schnappen wollte, vom Wasser weggespült worden wäre.” Die Unbekannte hörte schweigend zu, nickte mit dem Kopf, hielt dennoch an ihrer Pappel fest, bezeichnete sie als Todessymbol. Die Rheininselidylle verdüsterte sich allmählich, bis sie von “Nonnenwerth suicide”, von Vorahnung sprach und versicherte, dass Liszt, als er den mit bunten Bändern geschmückten Baum zu pflanzen gebeten wurde, eine Pappel sah, ähnlich denjenigen, die den Kenotaphen Rousseaus umstehen auf der Île des Peupliers, und er nicht den Kenotaphen sah, sondern, statt seines ersehnten Refugiums, das Grab seiner Liebe für Marie d‘Agoult. Es sei ja bei einer Pappel geblieben. Mit Volldampf habe Liszt vor seinem Geburtstag links und rechts die Rheinufer mit Konzerten bombardiert, seinen musikalischen Feldzug danach fortgesetzt, Berlin, Sankt Petersburg und wo sonst noch – und mit wem… Doch sei ein Wunder geschehen: aus der einen Pappel sei schließlich eine ganze Allee geworden, wie sie Christine von Hoiningen-Huene in ihren Erinnerungen… Der Mann stoppte die Lawine: “35, 40 Jahre später niedergeschrieben… Wer mag da zwischen Platane und Pappel unterscheiden? Die Beschreibungen eines Augenzeugen sind da zuverlässiger; Marie von Czettritz und Neuhauß spr…” – “Ja, von Austern, Leberpastete, Torten, Ananas, Wildschweinkopf kann diese Frau in ihren Briefen reden, von Thermometern, Medaillen, von bemalten Inseln, von in Drachen verwandelten Inseln oder was weiß ich? Sie mag das Äußerliche, das Unwichtige detailgetreu wiedergeben, was aber ist mit dem Innerlichen?” – “Meinen Sie, der Baum wäre äußerlich ein Populus gewesen, und im Inneren ein Platanus? Oder verstehe ich falsch? Welch Unding! Was zählt ist das Blatt, das ich gegen den Strom zurückeroberte und mit nach Hause nahm.” Um eine Fortsetzung des Kampfes zu unterbinden, schlug ich vor, wenn es dem Mann recht wäre, das Blatt anschauen zu dürfen. (…)

Fortsetzung folgt.

***

Marcel Crépon für rheinsein aus Paris. Im folgenden und abschließenden dritten Teil seines Berichts wird die Frage, ob es sich bei Liszts auf der Insel Nonnenwerth eigenhändig gepflanzten Baum um eine Platane oder Pappel handelt, endgültig entschieden.

Marcel Crépon über Franz Liszts Platane

Liebes rheinsein,

wie ein schlafgestörter Siebenschläfer durchstreifte ich die kalte, nasse Misere eines winterlichen Pariser Abends, und “blätterte”, in Erwartung den Müdigkeitsprozess in Gang zu setzen, im offenen Buch des Straßengeschehens: Wände, Fenster, Schaufenster, Stadtmöbel, bis ich vor einer Ladentür stehen blieb. Mehr als der programmatische Inhalt war es das Flattern eines fahlen grünen Plakats gewesen, welches meine Aufmerksamkeit erweckte hatte. Eine bescheidene Schwarz-Weiß-Fotokopie, mit Tesafilm auf der Scheibe befestigt, die mit anderen, auf Glanzpapier gedruckten vierfarbigen Ankündigungen, um die Gunst der Passanten konkurrierte. Ich beobachtete die Reaktion einer abgerissenen Ecke auf jeden Luftzug, die manchmal mit hektischen, manchmal mit kaum wahrnehmbaren Bewegungen ausfiel, als in meinen Rücken eine weibliche Stimme erklang: “Mögen sie Liszt?” Darüber nachgedacht hatte ich noch nie. Lausche ich Musik, ist das mehr zufällig als infolge irgendeiner Präferenz. Ich drehte mich um, bewegte die Gesichtsmuskeln so, dass keine interpretierbare Äußerung möglich war, und skizzierte mit den Händen in die Luft geschickte, bedeutungslose Gebärden. Kurz: ich legte mich nicht fest, lenkte lieber auf die Programmgestaltung ab, laut der neben Liszt Stücke von Jean Cras und Antoine Mariotte musiziert werden sollten. Die Frau zog einen subtilen Bogen von „Die Nonnenzelle“ über „La Maison du Matin“ hin zu „Le Temple au Crépuscule“, irdische Einrichtungen, die den weltlichen Rumor einzudämmen wüssten, allein um der Welt einen würdigen Eintritt in den Geist zu gewähren. Es fiel mir aufrichtig schwer, ihren Gedanken zu folgen. Es reichte ja, wenn ich sie zum Konzert begleiten würde, neugierig zu hören was erklingen würde. Denn wie das Morgenhaus am Meer lachte und der Tempel sich vielleicht in einem Tümpel spiegelte, so war gewiss die Nonnenzelle vom Wind des Rheins belüftet. So stellte ich sie mir vor: karg eingerichtet und voller Demut, still, doch von erhabener Idiotie vibrierend, feucht vom Gebetsschweiss, eng, doch majestätisch wie die Kuppel des Panthéons, welche hinter den Dächern aufragte und der wir uns näherten. Fast am Ende der rue des Carmes angekommen, machte die Unbekannte ein Zeichen und wir gingen durch einen kleinen Hof bis zum Eingang einer Kirche, erbaut im XIV. Jahrhundert, umgebaut im XVII., und zuletzt 1733 im Barockstil neu errichtet. Darauf hatte die Revolution die Wappen ihrer letzten Gönner vom Portal gehämmert, und sie mal als Gefängnis, mal als Lager genutzt; 1925 wurde sie der syrisch-katholischen Kirche übergeben; aufgrund ihrer ausgezeichneten Akustik werden dort heute regelmäßig Konzerte veranstaltet, wie ich einem Informationsblatt entnehmen konnte, während die Unbekannte die Karten zahlte. Wir traten ein. Als wir wieder herauskamen, schwebte sie wortwörtlich. Ihre Bewunderung für Liszts Opus war in eine Art Verzückung übergegangen. Körperlos schien sie über das Pflaster zu gleiten. Lächelnd beschrieb sie, wie jeder Akkord, jede Note sie an das sanfte, zarte Geraschel von Blattwerk im Sommerwind erinnerte.
- So ist es, fügte ein uns folgender Melomane hinzu. Man könnte glauben, man säße unter Liszts Platane, deren Blätter von der Flussbrise gestreichelt werden und friedlich säuseln, und siehe da: aus des Wassers Welle taucht einsam die Klosterzelle auf, wie es im Gedicht Felix Lichnowskys so schön dargestellt wird.
- Welche Platane? fragte ich.
- Liszts Platane, sagte ich bereits, die er vor fast 200 Jahren auf der Insel Nonnenwerth…
- Es war aber eine Pappel, erwiderte die Unbekannte, die blitzartig auf den Boden der Realität zurückgefunden hatte.
- Eine Platane, Madame, 1841 vom Maestro eigenhändig, am Tag seines 30. Geburtstags gepflanzt.
- Warum nicht eine Kokospalme oder ein Gummibaum?!
- Liszt war ein Poet, kein Plantagenaufseher. (…)

Fortsetzung folgt.

***

Offenbar hielt sich Marcel Crépon vor kurzem in Paris auf. Das entnehmen wir einer ausführlichen, mit Fotos illustrierten Mail unseres treuen Leserreporters, die, einer großstädtischen Laune zufolge, den Aufenthalt Franz Liszts auf der Rheininsel Nonnenwerth zum Thema hat. Wir stellen Monsieur Crépons rheinisches Erlebnis zu Paris in drei Teilen vor. Soviel vorweg: Teil 2 wird eine furiose Kampfszene enthalten.

Die Zelle in Nonnenwerth

Ach, nun taucht die Klosterzelle
einsam aus des Wassers Welle,
und ich seh’ in meinen Schmerzen,
daß die Zelle fremd dem Herzen.
Nicht die Burgen, nicht die Reben
haben ihr den Reiz gegeben,
nicht die wundergleiche Lage,
nicht Roland und seine Sage,
nicht die Wiege deutscher Gauen,
die von hier ich kann erschauen;
denn des Herbstes kühle Winde
und des Winters eis’ge Rinde
pochten an. Sie mußte flieh’n,
die den Zauber hat verliehen
dieser Zelle, die umfangen
hält der Rhein mit Liebesbangen.
Soll allein den Schmerz ich tragen,
allein mit der Zelle klagen,
wird sich zu mir Hoffnung neigen,
sollen meine Lieder schweigen.
Dies, das letzte meiner Lieder
ruft dir: Komme wieder, wieder!

(Felix von Lichnowsky)

It was short work to squeeze all the poetry out of this group

The afternoon was lovely, when, passing the conical and castle-crowned steep of Godisberg, we approached the hills, where the road for the first time runs on the immediate borders of the stream. Opposite to us were the Seven mountains, topped by the ruins of the Drachenfels, crag and masonry wearing the appearance of having mouldered together under the slow action of centuries; and, a little in advance, the castle of Rolandseck peered above the wooded rocks on our own side of the river. Two low islands divided the stream, and on one of them stood the capacious buildings of a convent. Every one at all familiar with the traditions of the Rhine, has heard the story of the crusader, who, returning from the wars, found his betrothed a nun in this asylum. It would seem that lies were as rife before the art of printing had been pressed into their service, or newspapers known, as they are to-day, for she had been taught to think him dead or inconstant; it was much the same to her. The castle which overlooked the island was built for his abode, and here the legend is prudently silent. Although one is not bound to believe all he hears; we are all charmed with the images which such tales create, especially when, as in this case, they are aided by visible and tangible objects in the shape of good stone walls. As we trotted along under the brow of the mountain that upholds the ruins of the castle of Charlemagne’s nephew, my eye rested musingly on the silent pile of the convent. “That convent,” I called out to the postilion, “is still inhabited?” “Ja, mein Herr, es ist ein gasthaus.” An inn!—the thing was soon explained. The convent, a community of Benedictines, had been suppressed some fifteen or twenty years, and the buildings had been converted into one of your sentimental taverns. With the closest scrutiny I could not detect a soul near the spot, for junketing in a ruin is my special aversion. A hamlet stood on the bank at no great distance above the island; the postilion grinned when I asked if it would be possible to get horses to this place in the morning, for it saved him a trot all the way to Oberwinter. He promised to send word in the course of the night to the relay above, and the whole affair was arranged in live minutes. The carriage was housed and left under the care of François on the main land, a night sack thrown into a skiff, and in ten minutes we were afloat on the Rhine. Our little bark whirled about in the eddies, and soon touched the upper point of the island.

We found convent, gasthaus, and sentiment, without any pre-occupants. There was not a soul on the island, but the innkeeper, his wife, a child, a cook, a crone who did all sorts of work, and three Prussian soldiers, who were billeted on the house, part of a detachment that we had seen scattered along the road, all the way from Bonn. I do not know which were the most gladdened by the meeting, ourselves or the good people of the place; we at finding anything like retirement in Europe, and they at seeing anything like guests. The man regretted that we had come so late, for a large party had just left him; and we felicitated ourselves that we had not come any sooner, for precisely the same reason. As soon as he comprehended our tastes, he very frankly admitted that every room in the convent was empty. “There is no one, but these, on the island. Not a living being, herr graf” for these people have made a count of me, whether or not. Here then were near two hundred acres, environed by the Rhine, prettily disposed in wood and meadow, absolutely at our mercy. You can readily imagine, with what avidity a party of young Parisiennes profited by their liberty, while I proceeded forthwith to inspect the ladder, and then to inspect the cloisters. Sooth to say, sentiment had a good deal to do with two of the courses of a dinner at Nonnenswerth, for so is the island called. The buildings were spacious, and far from mean; and it was a pleasant thing to promenade in cloisters that had so lately been trodden by holy nuns, and see your dinner preparing in a convent kitchen. I could do no less than open a bottle of “Liebfraumilch” in such a place, but it proved to be a near neighbour to bonny-clabber.

As the evening closed we took possession of our rooms. Our parlour had been that of the lady abbess, and A—— had her bed-chamber. These were spacious rooms and well furnished. The girls were put into the cells, where girls ought never to be put. Jetty had another near them, and, these dispositions made, I sallied forth alone, in quest of a sensation.

The intense heat of the day had engendered a gust. The thunder was muttering among the “seven mountains,” and occasionally a flash of lightning illumined the pitchy darkness of the night. I walked out into the grounds, where the wind was fiercely howling through the trees. A new flash illumined the hills, and I distinctly saw the naked rock of the Drachenfels, with the broken tower tottering on the half-ruined crag, looked fearful and supernatural. By watching a minute, another flash exposed Rolandseck, looking down upon me with melancholy solicitude. Big drops began to patter on the leaves, and, still bent on sensations, I entered the buildings.

The cloisters were gloomy, but I looked into the vast, smoked, and cavern-like kitchen, where the household were consuming the fragments of our dinner. A light shone from the door of a low cell, in a remote corner of the cloisters, and I stole silently to it, secretly hoping it would prove to be a supernatural glimmering above some grave. The three Prussians were eating their cheese-parings and bread, by the light of a tallow candle, seated on a stone floor. It was short work to squeeze all the poetry out of this group.

The storm thickened, and I mounted to the gallery, or the corridor above the cloisters, which communicated with our own rooms. Here I paced back and forth, a moment, in obscurity, until, by means of a flash, I discovered a door, at one extremity of the passage. Bent on adventure, I pushed and it opened. As there were only moments when anything could be seen, I proceeded in utter darkness, using great caution not to fall through a trap. Had it been my happy fortune to be a foundling, who had got his reading and writing “by nature,” I should have expected to return from the adventure a Herzog, at least, if not an Erz-Herzog. Perhaps, by some inexplicable miracle of romance, I might have come forth the lawful issue of Roland and the nun!

As it was, I looked for no more than sensations, of which the hour promised to be fruitful. I had not been a minute in the unknown region, before I found that, if it were not the abode of troubled spirits, it at least was worthy to be so. You will remember that I am not now dealing in fiction, but truth, and that, unlike those who “read when they sing, and sing when they read,” I endeavour to be imaginative in poetry and literal in my facts. I am now dealing strictly with the latter, which I expect will greatly enhance the interest of this adventure.

After taking half-a-dozen steps with extreme caution, I paused a moment, for the whole air appeared to be filled by a clatter, as if ten thousand bats’ wings were striking against glass. This was evidently within the convent, while, without, the wind howled even louder than ever. My hand rested on something, I knew not what. At first I did not even know whether I was in the open air, or not, for I felt the wind, saw large spaces of dim light, and yet could distinguish that something like a vault impended over my head. Presently a vivid flash of lightning removed all doubt. It flickered, seemed extinguished, and flared up again, in a way to let me get some distinct ideas of the locus in quo. I had clearly blundered into the convent chapel; not upon its pavement, which was on a level with the cloisters below, but into an open gallery, that communicated with the apartments of the nuns, and my hand was on the chair of the lady abbess, the only one that remained. The dim light came from the high arched windows, and the bats’ wings were small broken panes rattling in the gale. But I was not alone. By the transient light I saw several grim figures, some kneeling, others with outstretched arms, bloody and seared, and one appeared to be in the confessional. At the sight of these infernal spectres, for they came and went with the successive flashes of the lightning, by a droll chain of ideas, I caught myself shouting, rather than singing—”Ship ahoy! ship ahoy!—what cheer, what cheer?” in a voice loud as the winds. At last, here was a sensation! Half-a-dozen flashes rendered me familiar with the diabolical-looking forms, and as I now knew where to look for them, even their grim countenances were getting to be familiar. At this moment, when I was about to address them in prose, the door by which I had entered the gallery opened slowly, and the withered face of an old woman appeared in a flash. The thunder came next, and the face vanished—”Ship ahoy! ship ahoy!—what cheer, what cheer?” There was another pause—the door once more opened, and the face re-appeared. I gave a deep and loud groan; if you ask me why, I can only say, because it seemed to be wanting to the general effect of the scene and place. The door slammed, the face vanished, and I was alone again with the demons. By this time the gust was over I groped my way out of the gallery, stole through the corridor into my own room, and went to bed. I ought to have had exciting dreams, especially after the Liebfraumilch, but, contrary to all rule, I slept like a postilion in a cock-loft, or a midshipman in the middle watch.

The next morning at breakfast, A—— had a melancholy tale to relate; how the poor old crone, who has already been mentioned, had been frightened by the gust—how she stole to the chapel to mutter a prayer—how she opened the door of the gallery—how she heard strange sounds, and particularly certain groans—how she had dropped the candle—how the door had blown to, and she, miserable woman, had stolen to the bed of her (A——’s) maid, whom she had implored to give her shelter and protection for the night! We went in a body to look at the chapel, after breakfast, and it was admitted all round, that it was well suited to produce a sensation, in a thunder-storm, of a dark night, and that it was no wonder Jetty’s bed-fellow had been frightened. But now everything was calm and peaceful. The glass hung in fragments about the leaden sashes; the chair and prière-dieu of the lady abbess had altogether an innocent and comfortable air, and the images, of which there were several, as horrible as a bungling workman and a bloody imagination could produce, though of a suffering appearance, were really insensible to pain. While we were making this reconnoissance a bugle sounded on the main, and looking out, we saw the Oberwinter postilion coming round the nearest bend in the river. On this hint, we took our leave of the island, not forgetting to apply a little of the universal salve to the bruised spirit of the old woman whose dread of thunder had caused her to pass so comfortless a night.

(aus: James Fenimore Cooper, A residence in France; with an excursion up the Rhine, and a second visit to Switzerland; Paris, 1836)