Leuchttürme des Rheins: Bregenz (Übergänge – Rites de Passage)

Der Junge Rhein aber mündet in den Bodensee.
Mäandernd über den Lauf der Zeiten hinweg veränderte der junge Strom sein Bett.
Insofern stellte sich eine große Frage – wo den Leuchtturm platzieren, der die Einfahrt vom See in den jungen Fluss ostwärts markieren sollte?
Alle Jubeljahr eine neue Mündung, alle Jubeljahr Versandung, Irrflusslauf, Ausbaggern mit Handschaufeln und Delphinkarren – dazu Versumpfung und Vernässung im weitläufigen Delta der Rheinmündung – gut für Schlauchboot und Floß, aber schlecht für Weiße Flotte und Schiffskiel.
Also wurde auf dem Konzil zu Nonnenhorn beschlossen, dem Fluss ein verbindliches Bett aufzuzwingen und selbiges durch steten Eifer und ewige Tat beizubehalten.
Die größten Gelehrten und Wasserbauer des Dreiländerecks Großbayern, Ostmark und Eidgenossenschaft gewannen im Gelände einen Eindruck der vollständigen Situation und einigten sich in der Folge auf einen verbindlichen Flusslauf, den sie mit blauer Tinte auf eine genaue Karte des Gebietes eintrugen.
Dieser Flusslauf wurde mit großer Vehemenz im Gelände umgesetzt, endlose Großklafter Erdreich mussten bewegt werden, Gräben gegraben, andere zugeschüttet, höchst feine künstliche Wasserläufe angelegt, Röhren verdohlt, natürliche Feuchtigkeitsverhältnisse reguliert, Bachbetten genutzt und etwelche andere Tätigkeiten ausgeführt werden.
Nach Murren fügte sich der Junge Rhein in sein neues Bett.
An der Stelle des Überganges wurde ein artiges Lichthäuserl errichtet – geweiht dem Angedenken des später seliggesprochenen Käpt’n Bahabs, dem Urvater der Bodenseepiraten.
Seitdem ist nur selten noch ein Schiff auf Grund gelaufen oder zerschellet, weil es die Einfahrt in den jungen Fluss nicht gefunden.

(Ein Gastbeitrag von Bdolf, der sich in einer Serie mit den Leuchttürmen des Rheins beschäftigt. Die mythischen Gründe des Bregenzer Leuchtturms waren bereits Gegenstand einer ersten Betrachtung des dunkelsten Denkers. rheinsein dankt!)