Presserückschau (Juni 2017)

1
Handballmeister
“Die Rhein-Neckar Löwen sind erneut deutscher Handball-Meister. Der Bundesligist aus Mannheim (…) ist zwei Spieltage vor Saisonende nicht mehr von der Tabellenspitze zu verdrängen. Die Löwen profitierten davon, dass Verfolger SG Flensburg-Handewitt kurz zuvor überraschend (…) bei Frisch Auf Göppingen verloren hatte. Die nun fünf Punkte Rückstand auf die Nordbadener kann die SG nicht mehr einholen. Für die Löwen von Trainer Nikolaj Jacobsen ist es nach dem Erfolg im Vorjahr der insgesamt zweite Meistertitel der Vereinsgeschichte. Die Meisterschale bekamen die Löwen (…) aber noch nicht überreicht. Das soll nach dem letzten Saisonspiel am 10. Juni gegen die MT Melsungen nachgeholt werden.” (Süddeutsche Zeitung)

2
Grünes Wasser
“Bei der BASF-Kläranlage in Ludwigshafen ist seit mindestens Pfingstsonntag (…) grün gefärbtes Wasser in den Rhein gelaufen. Verantwortlich dafür sei der Farbstoff Tinolux BBS aus einem Betrieb im Werksteil Süd. Die Produktion dort sei gestoppt worden. (…) Die zuständigen Behörden seien informiert. Die Wasserschutzpolizei hatte die Grünfärbung bemerkt und die BASF informiert. Die in Waschmitteln eingesetzte Chemikalie Tinolux BBS gilt als schwach wassergefährdend. Eigene Messungen der BASF und der Rheingütestation in Worms hätten keine toxikologischen Auffälligkeiten ergeben.” (Rheinpfalz)

3
Plastic Soup Surfer
“Gewissenhaft verschnürt Merijn Tinga seine Taschen und Beutel auf dem Surfboard. Besonders tief verstaut wird der wasserdichte Beutel mit Smartphone und anderen Elektrogeräten. Viel hat der Plastic-Soup-Surfer gar nicht dabei. Tinga paddelt auf dem Surfboard den Rhein von Konstanz bis zur Nordsee hinab. Insgesamt 1035 Kilometer Strecke will er in 28 Tagen zurücklegen und damit auf die Verschmutzung der Meere und Flüsse mit Plastikmüll aufmerksam machen. Plastic Soup ist der englische Begriff für die großen Plastikmüllansammlungen in den Ozeanen.” (Badische Zeitung)

4
Schwimmender Luchs
“Der erst vor einigen Wochen im Pfälzerwald freigelassene Luchs „Cyril“ hat seine neue Heimat schon wieder verlassen. Tierschützer vermuten, dass er durch den Rhein geschwommen ist und sich nun auf rechtsrheinischem Gebiet irgendwo nördlich von Speyer aufhält. (…) „Die Luchse haben ein GPS-Halsband um, das Signale von beiden Seiten des Rheins senden kann“, sagte Jochen Krebühl, Geschäftsführer der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz. Da es an der Stelle, an der Cyril den Rhein überquert hat, keine Brücke gibt, vermuten die Tierschützer, dass er auf die andere Seite geschwommen ist.” (Südwest Presse)

5
Jobmaschine
“Nordrhein-Westfalen, Rheinbahn, Rheinknie, Rheinmetall – kein Wort prägt Düsseldorfer Institutionen so sehr, wie der Name des Stroms, an dem die Landeshauptstadt liegt. Für das Heimatgefühl der Düsseldorfer ist der Rhein, der einem Karnevalsschlager zu Folge der Stadt 20 Kilometer seines Stromverlaufs ganz allein schenkt, wichtiger als jedes andere geografische Element. Das wurde schon früh deutlich, als das nahe Ruhrgebiet sich industrialisierte und Düsseldorfs Lage am Rhein eine andere Rolle bekam. Denn Düsseldorfs vielleicht bekanntester Arbeitgeber Henkel stammt eigentlich von ganz woanders. Als Waschmittelfabrik Henkel & Cie wurde sie 1876 in Aachen gegründet. “Wegen besserer Verkehrsanbindungen und höherer Absatzchancen verlegte Henkel seine Firma 1878 nach Düsseldorf”, so steht es in der Firmenchronik. Und mit besserer Verkehrsanbindung ist einzig und allein der Rhein gemeint. Denn Wurm, Kupfer- oder Goldbach, die größten Gewässer Aachens, können es nicht mal mit der Düssel aufnehmen.” (Rheinische Post)

6
Verbrechen
“In Bonn soll ein Mann (27) versucht haben, eine 25-Jährige zu vergewaltigen. (…) Die Frau schrie laut um Hilfe. Eine Zeugin rief die Polizei. Als der mutmaßliche Vergewaltiger den Streifenwagen bemerkte, ließ er sein Opfer los und rannte zum Rhein. Schließlich sprang er in den Fluss und versuchte, schwimmend zu entkommen. Die Polizei fuhr neben ihm den Rhein entlang, irgendwann konnte sie den Mann mit Hilfe der Feuerwehr aus dem Wasser fischen.” (Der Westen)

7
Ingo
“Eine im Rhein treibende Gummipuppe hat in Mainz einen Großeinsatz ausgelöst. Mehrere Bürger hätten einen leblosen Menschen im Wasser gemeldet, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Daraufhin seien die Einsatzkräfte mit einem Großaufgebot angerückt. Es habe sich dann schnell herausgestellt, dass es sich nur um eine Gummipuppe handle. Für den vermeintlichen Rettungseinsatz war auch ein Hubschrauber alarmiert worden. Allein die Feuerwehr schickte 40 Einsatzkräfte zum Rhein. Die Herkunft der Gummipuppe blieb unklar.” (Stern)
“Der vermeintliche Mensch war bei genauerem Hinsehen eine aufblasbare Puppe. Sie sei männlich, etwa ein Meter 50 groß und mit Pflastern beklebt, so ein Sprecher der Mainzer Feuerwehr. Auf ihrer Schulter stehe der Name “Ingo”.” (SWR)

8
Schwimmnudeln
“Die Polizei will mit einer neuen Kampagne Unfälle auf dem Rhein verhindern. Mit orangen Schwimm­nudeln sollen Schwimmer besser sichtbar werden. (…) Im Rahmen der Kampagne wurden allen Badis am Rhein, ab Eschenz rheinabwärts, orange Schwimmnudeln verteilt. Insgesamt stehen 2000 Stück zur Verfügung. Diese können von den Badegästen gratis mitgenommen werden. Dank diesen Nudeln sollen Schwimmer von Bootsführern besser gesehen werden. Ein Ersatz für Schwimmwesten seien sie aber nicht, betont die Polizei. Die Kosten für die Kampagne belaufen sich auf rund 10 000 Franken. Diese werden von den Kantonspolizeien Thurgau und Schaffhausen getragen.” (Schaffhauser Nachrichten)

9
Biber-Alarm
“Beim Baden im Rhein bei Schaffhausen (Schweiz) sind zwei Schwimmer gebissen worden. Vermutlich war es ein Biber. Ein achtjähriger Junge sei mit dem Schreck und oberflächlichen Wunden davongekommen, doch bei einer Frau habe die Wunde genäht werden müssen (…). Die Schaffhauser Jagdverwaltung wollte deshalb diese Woche südöstlich von Schaffhausen am Rhein Richtung deutsche Grenze Warnschilder noch aufstellen. „Vorsicht Biber, vom Baden wird abgeraten“ soll darauf stehen (…).” (Südkurier)

10
König am Rhein
“Der Wachtelkönig ist kaum zu entdecken, aber dafür um so besser zu hören. In der Emmericher Ward gibt diesen Vogel.
Eine der wohl bemerkenswertesten Arten der Emmericher Ward ist der Wachtelkönig. Auch wir Biologen der Nabu-Naturschutzstation Niederrhein, die das Gebiet naturschutzfachlich betreuen, bekommen ihn nur selten zu sehen. Wenn, dann hört man ihn eher. Er hat ein bräunliches Gefieder und ist etwa so groß wie eine Wachtel. Zudem lebt er versteckt dort, wo die Vegetation sehr dicht und hoch ist. Darin ist er kaum zu entdecken, selbst wenn man genau neben einem Wachtelkönig steht. Darum achten wir auf seine Balz- und Paarungsrufe. Der Wachtelkönig ruft in der Nacht – und ist dann nicht zu überhören. Seine Rufe – ein rhythmisches, schnarrendes Knarren – sind unverwechselbar und auch von weitem zu hören. Bis in die 90er Jahre des letzten Jahrhunderts konnten noch bis zu vier Brutpaare des Wachtelkönigs in unserem Betreuungsgebiet in Fachsprache „verhört“ werden. Auch wenn die Rheinaue Emmericher Ward mit ihren großflächig extensiven Überflutungswiesen und -weiden bis heute ein Rückzugsgebiet für den gefährdeten Vogel bietet, ist es heute selten mehr als ein Paar.” (NRZ)

11
Rheintote
“Leichenfund am Rhein in Leverkusen! (…) Am Pfingstsonntag meldete sich ein Angler, der den leblosen Körper im Fluss entdeckt hatte, bei der Feuerwehr. Sofort machten sich die Rettungskräfte auf den Weg und zogen die männliche Leiche ans Ufer. Ein Notarzt konnte nur noch den Tod des Unbekannten feststellen. Die Identität des Mannes war zunächst unklar – ebenso, wie er ums Leben kam. Die Kölner Polizei hat die Ermittlungen übernommen.” (Express)

“Auf dem Rhein in Hessen ist ein Kajakfahrer während eines Gewitters von einem Blitz erschlagen worden. Der Mann wurde am Samstag kopfüber im Wasser treibend bei Lorch aufgefunden, wie die Wasserschutzpolizei (…) in Rüdesheim mitteilte. Der Blitz war der Polizei zufolge direkt in seinen Körper eingeschlagen.” (Stuttgarter Zeitung)

“Ein Mann (73) treibt bewusstlos mit seinem Segelyacht auf dem Rhein (…) bei Rheinkilometer 435. Als die Feuerwehr eintrifft, haben Helfer das Sportboot bereits im Schlepp eines weiteren Sportbootes. Doch der Mann liegt leblos an Deck. Die Feuerwehr versucht während der Schleppfahrt den Mann zu reanimieren, bis sie an der BASF-Anlegestelle ankommen. Dort wartet bereits ein Notarzt der BASF. Der Einsatz wird dabei von der Wasserschutzpolizei Ludwigshafen begleitet. (…) Leider stirbt der 73-jährige Mann trotz aller Reanimationsversuche um 20 Uhr im Krankenhaus. Er hat offenbar einen Herzinfarkt erlitten (…). Die genaue Todesursache ist Gegenstand eines Todesermittlungsverfahrens der Staatsanwaltschaft Frankenthal und der Kriminalpolizei Ludwigshafen.” (Heidelberg24)

“Passanten haben (…) im Rhein bei Köln-Niehl eine Leiche im Wasser treiben sehen. Dabei handelt es sich sehr wahrscheinlich um den (…) vermissten 16-jährigen Flüchtling. Der junge Mann war (…) in Rodenkirchen zum Schwimmen in den Rhein gegangen und abgetrieben. Nach Angaben der Polizei ist die Identifikation des Toten noch nicht zu 100 Prozent abgeschlossen, allerdings habe der Tote eine dunkle Hautfarbe, wie der aus Guinea stammende 16-jährige Flüchtling. Sein Begleiter sagte (…), dass der Jugendliche nicht schwimmen konnte, aber trotzdem ins Wasser gegangen sei.” (WDR)

Rheingold (3)

Kleine Trilogie vom Niehler Ufer (2)

Rheinbohnen

Köderfisch

Rheinkoralle

Rheinchinesisch

Digital StillCameraFlechtenschrift in der vom Niedrigwasser freigelegten Befestigungslandschaft des Niehler Ufers

Presserückschau (Juni 2015)

1
Fischüberwachung: “Viele Jahre gab es im Fluss Rhein gar keine Lachse mehr. Es wurde zu viel gefischt und das Wasser war verschmutzt, deswegen ist der ursprüngliche Rheinlachs sogar ausgestorben. Mittlerweile gibt es aber wieder ein paar Lachse im Rhein. Sie schwimmen aus dem Atlantik den Rhein hoch, um in ruhigeren Nebenflüssen ihre Eier abzulegen. Seit Anfang des Jahres sind 142 Stück gezählt worden, das ist neuer Rekord. Gezählt werden sie an der Fischtreppe bei Iffezheim. Dort wird jeder Fisch von einer Videokamera erfasst und aufgezeichnet. Im vergangenen Jahr sind über 50.000 Fische gezählt worden, von insgesamt 25 Arten.” (Kiraka)

2
Zu schnell um gerettet zu werden: in denunziatorischer Boulevarddiktion berichtet der Express von einem “irren Schwimmer” im Kölner Rhein, der “die Polizei genarrt” habe: “Um 12.34 Uhr ging der erste Notruf einer Frau bei der Feuerwehr ein. Sie meldete einen Schwimmer, der gerade am Niehler Damm ins Wasser steigen und zum rechtsrheinischen Ufer schwimmen würde. Sofort machten sich Polizei und Feuerwehr mit einem Großaufgebot auf den Weg. Zu Wasser, zu Lande und in der Luft suchten sie nach dem Mann – ohne Erfolg. Kurz darauf der nächste Anruf in der Leitstelle. Ein Spaziergänger berichtete, dass ein Mann in Stammheim an Land gegangen und kurz darauf wieder ins Wasser gesprungen sei. Wieder suchten die Retter alles ab. Wieder war der Schwimmer einfach schneller. Zeugen berichteten um 13.25 Uhr den Rettungskräften, dass eine Person am Niehler Damm aus dem Wasser gekommen sei und sich zügig entfernt habe – Einsatzabbruch!”

3
Stadion auf dem Rhein: Die Bild interviewt Fußballtrainer Christoph Daum zur möglichen Fusion der Klubs Bayer 04 Leverkusen und 1. FC Köln im Jahr 2050. Daum erklärt ein solches Kölnkusen für international wettbewerbsfähig: „Die Tradition vom FC in Verbindung mit der Organisations- und Investment-Struktur von Leverkusen würde sich ideal ergänzen. Es wäre schon sehr interessant, was bei diesem Projekt rauskommen würde…“ Auf die Frage, wo das passende Stadion für ein solches Projekt zu stehen hätte, antwortet Daum schmunzelnd: „Auf dem Rhein! Das wäre doch ein Ding, vielleicht ist so eine Konstruktion möglich. Ein Stadion, das beide Städte verbindet – was willst du mehr…?!“

4
Mehr Geld aus Berlin in den Rhein investieren: “Die Verkehrsminister der Rheinanlieger-Länder fordern vom Bund mehr Geld, um den Rhein für den Gütertransport attraktiver zu machen. Straße und Schiene allein könnten die zu erwartenden Zuwächse beim Gütertransport nicht bewältigen, sagte Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) am Montag bei einem Treffen in Mannheim. Sein rheinland-pfälzischer Amtskollege Roger Lewentz (SPD) zeigte sich überzeugt, dass eine Verdoppelung des Transportvolumens auf dem Rhein möglich sei. Dafür müssten aber Brücken angehoben, Schleusen erneuert und die Fahrrinne durchgehend auf mindestens 2,10 Meter vertieft werden.” (SWR)

5
Rheingetauft: “Die etwa 180 Gottesdienstbesucher der Freien evangelischen Gemeinde Wiesbaden sitzen auf Bierbänken im Schatten einer Trauerweide. Zwei Kinder sitzen auf einer Picknickdecke und naschen Erdbeeren, andere buddeln im Sand. Der Taufgottesdienst findet an diesem Sonntag an einem ungewöhnlichen Ort statt: unter freiem Himmel auf der Rheininsel Rettbergsaue. Statt ins Taufbecken werden die Täuflinge in den Rhein getaucht.” Anknüpfend an die Flußtaufe Jesu im Jordan seien in Wiesbaden fünf Täuflinge neu in die Christenheit aufgenommen worden, berichtet der Wiesbadener Kurier.

6
Goldrausch: von einem angeblichen gold rush in Disentis am Vorderrhein berichtet das Schweizer Boulevardblatt Blick, gefolgt von weiteren Blättern. Im Zentrum der Artikel steht der lokale Goldgräber August “Gold-Gusti” Brändle, der von erstaunlichen Nuggetfunden, darunter einem knapp 50 Gramm schweren Rekordstück mit Namen “Desertina” berichtet. Der Ansturm der Rheingoldwäscher in Disentis indes scheint einige Zeilen unterhalb der reißerischen Überschrift noch halbwegs übersichtlich: “Der Ort ist bei Goldfreunden beliebt. Schatzsucher aus ganz Europa kommen zur Lukmanierschlucht im Bündner Oberland. Gegen 2000 sind es im Jahr.”

Rheinschafe (4)


Plötzlich umzingelt fanden wir uns am letzten Frühlingstag des Jahres bei der Flußschau am Niehler Ufer in Köln. Lautlos hatten sich mehrere hundert Schafe in unserem Rücken angeschlichen, um auf Verabredung in sinfonischen Radau auszubrechen, ein ritualartiges Geblöke und Gegurgel vor dem Herrn. Ständig änderten die Tiere während des Konzerts ihre Formation in flüssigen Bewegungen, parallel zur Uferlinie, rheinauf und rheinab. Fünf Sätze umfaßte ihr über Nick Parks Animationsfilm “Wallace & Gromit – Unter Schafen” improvisierendes Spiel, wobei sie sich in den Pausen an Weidenstrünken, Flußwasser und unserem Fahrrad gütlich taten.

Baummusik

Die alljährliche Rheinbegehung mit Frankreich-Chefkorrespondent Roland Bergère fand heuer erneut in Köln statt und führte durch die vom aktuellen Hochwasser etwas sumpfigen Wiesen des Niehler Ufers. Zwei Kanadagänse übten auf dem Rhein das Trompeten, als wir, bevor wir losmarschierten, als einzige Gäste des just öffnenden Schwimmbad-Biergartens den traditionellen Auftaktkaffee zu uns nahmen. Die Kölner schienen die Osterferien am Meer oder in den Bergen zu verbringen – außer vereinzelt anzutreffenden Anglern war der Uferstreifen entvölkert. Im Rücken des Cranachwäldchens gerieten wir unvermittelt in eine stattliche Schafherde, die sogleich in polyfones Geblöke ausbrach.

Es gelang uns, einige besonders mutige Tiere beim Trinken aus dem Rhein zu fotografieren, ein gefährliches Unterfangen (für die Tiere), denn Schafen wird nachgesagt, daß sie, sobald sich ihre Wolle beim Trinken in Flüssen mit Wasser vollsaugt, zu schwer für die Fortbewegung würden und untergingen. Ob auf dem Rheingrund Schaffriedhöfe liegen? Ein aufmerksamer Hütehund trieb das erkundungsfrohe Häuflein zur Herde zurück. Als der grau bedeckte Himmel aufbrach, hatten wir die Sandbuchten oberhalb des Hafengeländes erreicht. Inspiriert von der frischen Frühlingssonne, der französisch-deutschen Geschichte und Seruni Bodjawatis wayang-lastigen Kunstfilmen, unter interessierten Blicken erfolgloser Angler, improvisierten wir us d’r Lamäng ein Schattentheaterstück:

asterix vs siegfried_roland_2 Asterix vs Siegfried – Showdown am Rhein, mit Anklängen an Murnaus Nosferatu – Symfonie des Grauens.

Auf der Mauer der Niehler Hafeneinfahrt schließlich die verdiente Rast. Sie mit geschlossenen Augen zu begehen käme gewiß einer Passage durch den berühmten Tunnel zur Ewigkeit gleich. Die Sonne unterdessen lockte daheimgebliebene Kölner samt ihrer Hunde nun doch in Scharen ans Flußufer. Kataraktisch sprudelte der Rhein über die Gipfel der Kribbengebirge. Enten beim Paarungskampf. Linkisch einherhüpfende Wacholderdrosseln. Auf einem Sockel mitten im Strom spross ein karges Bäumchen denkmalgleich vor sich hin. In den Uferbäumen zerrissene Fahnen aus Abfallbeuteln. Das Geschwemmsel: Elektromüll, Löffel, Verpackungen. Dann der Fund des Tages: ein Baumstück in Form einer Musikwalze, deren Muster wiederum als Partitur angelegt schien. Der Dokumentation des Fundes folgte seine Bearbeitung: Monsieur Bergère legte, gewürzt mit einer Spur Willkür, die passenden Notenlinien über das Baumstück

baummusikund las die solcherart entstandene Komposition in seinen Rechner ein, welcher seine ihm eigenen Algorhythmen beisteuerte. Et voilà: ein zweiminütiges Stück rheinischer Baummusik!

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Rheinkilometer 700


Direkt an die Ford-Werke, den Ölhafen und das Heizkraftwerk Niehl grenzt im Kölner Norden das Naturschutzgebiet der Merkenicher Rheinauen. Dort leben rare Singvögel (angeblich die Hälfte der Kölner Pirole), denen sich im Osten ein grandioser Blick auf die breite, von dampfenden Industrieanlagen dominierte Rheinfront des Leverkusener Chemparks öffnet. Das Gelände ist matschig, sehr wenige Menschen und Hunde nur sind auf dem teilbewaldeten und nicht geteerten Abschnitt unterwegs. Hier befindet sich auch der Rheinkilometer 700. Hinter dem rückwärtig mit leuchtenden Tags übersäten Kilometrierungsstein störten wir für einen Sekundenbruchteil Homer Simpson auf, um ihn – der Mensch soll sich in Schutzreservaten so unauffällig wie möglich verhalten – sogleich wieder seiner natürlichen Blödigkeit zu überlassen.

Sonnenfinsternisse

Zur partiellen Sonnenfinsternis über Köln am Vormittag des 20. März begaben wir uns in Ermangelung einer Schutzbrille ans Niehler Ufer, um das Naturschauspiel auf der Rheinoberfläche gespiegelt zu betrachten – ein alter, augenschonender und vor allem wenig bekannter Observationstrick: das ausgedehnte und normalerweise gut frequentierte Ufer gehörte uns an diesem Tag beinahe alleine. Im Vorfeld des Ereignisses hatte es verzweifelte Jagden nach den viel zu wenigen im Handel vorrätigen Schutzbrillen gegeben. Dieses Auftaktszenario war uns aus dem Jahr 1999 (als eine totale Sonnenfinsternis stattfand) im Gedächtnis geblieben. Angebot und Nachfrage hatten damals wie heute dafür gesorgt, daß die Preise für einen Fetzen zertifizierter Folie in die Höhe schossen. Allerdings war Köln zum Auftakt der Finsternis von diesigen Himmeln überzogen, einer reichlich bekannten, mißmutig-weißgrauen Suppe, die genau zwischen Stadt und Weltall vor sich hindampfte. Würde der Dunst sich rechtzeitig vor dem Schauspiel verziehen?

1999 hatten wir das von den Zeitungen Sofi getaufte Fänomen auf einem pfirsichbestandenen Hügel im badischen Weingarten mit gutem Blick über das Oberrheintal beobachtet. Auch seinerzeit war der Himmel bewölkt, die Wolkendecke jedoch zerrissen. Abertausende, wenn nicht Millionen legten in Deutschlands Südkorridor zwischen Saar und Isar erwartungsvoll in tai chi-artiger Kongruenz ihre Häupter in den Nacken. Wir hatten Glück: erst flippten die Vögel aus, dann fegte mit sensationeller Geschwindigkeit und bedrohlich wie eine massenauslöschende Wunderwaffe der Mondschatten über das Rheintal hinweg, die Temperaturen fielen rapide ab und wir vor Staunen rückwärts in ein Feuerameisennest. Im Nachhinein faßten die Boulevardblätter das kuriose Verhalten einiger Menschen und Tiere während der Finsternis zusammen, die somit in ein kollektives Erlebnis mündete, das für die meisten wegen schlechter Sichtverhältnisse enttäuschend verlaufen war.

Unser Foto dokumentiert den Höhepunkt der Sonnenfinsternis vom 20. März 2015 um 10.38 Uhr am Niehler Ufer in Köln

Diesmal verzog sich der Dunst nicht, zumindest nicht in Köln. Einige Minuten vor dem errechneten Höhepunkt, der maximalen, ungefähr 80-prozentigen Abdeckung der unsichtbaren Sonne durch den unsichtbaren Mond, wirkte – immerhin! – der Bodendunst am Niehler Ufer eine fast schon merkliche Nuance dunkler, in etwa so als wäre es gerade mitten im März noch einmal kurz Februar geworden. Die Vögel verhielten sich in der herrschenden Suppe ganz unauffällig. Ein nennenswertes Ereignis fand statt, als überraschend ein losgeleinter Hund in unserem Rücken vorüberpreschte, um unter Gebelle ein ufernah dahindümpelndes Entenpaar (siehe Foto) zu scheuchen. Aufregenderes hatte nicht einmal der Liveticker des Kölner Stadt-Anzeigers zu bieten, obgleich dort stundenlang die fehlende Sicht kommentiert und mit allerlei Gedankenspielen aufgewogen worden war.

Rheinmöwen (6)

rheinmöwen_sandbanking_niehl

rheinmöwen_treibende_2

Kleine Trilogie vom Niehler Ufer

Notizen von unterwegs (3)

Als gescheitert betrachten dürfen wir den ersten zaghaften Ansatz einer Meditation nach der Meditation. Zu frostig das Februarwochenende, zu hoch das Aufkommen von Menschen und Hunden am Niehler Ufer. Auffallend viele fotografierende Frauen waren unter den Passanten. Im Nachmittagslicht überlagerten sich dem kölnischen Grün eindeutig irische Farben. Während wir überlegten, was das eine (Irland) mit dem anderen (Köln) gemein haben könnte, z.B. ob die vorübergehende Überlagerung zweier geografischer Fänomene, die eher wenig miteinander zu schaffen haben, als typisch für die Postmoderne angesehen werden könnte, riefen Möwen und Krähen vereinzelte Statements, als beabsichtigten sie in einem großteils von Rechthaberei und Sturköpfigkeit geprägten Disput ihre Dialekte abzugleichen. Wir ließen uns auf einem Steinbrocken nächst einer Hochwasserlache nieder. Das Eis auf der Pfütze glich einer zersplitterten Fensterscheibe. Ringsum bedeckten kleine Schneekuppen das niedergedrückte Ufergras. Erstaunlich wenig Müll lag herum, das Hochwasser dürfte ihn ins Meer mitgenommen haben. Ein wenig erwärmender Gedanke. Alles war fahl, kühl, kalt, der Dom machte in Sichtweite einen suizidären Eindruck, als wolle er sich demnächst ins Wasser stürzen. Wir machten uns Gedanken über einen möglichen Rückstau des Flußes, sollte der Dom sein Vorhaben verwirklichen, als mehrere Frauen, ihre Kameras gezückt, in mittlerem Abstand verharrten: offenbar mit der Absicht, aber ohne rechte Traute, uns zu fotografieren. Unvermittelt rückten wir uns in Position, die alte Eitelkeit. Die Frauen ihrerseits wirkten wie hingestellt, ein eingefrorener Moment, der Unbehagen verursachte. Schließlich kramten wir unsere Kamera aus dem Rucksack hervor und fotografierten die Frauen, die, sobald sie unsere Initiative bemerkten, sich in die Landschaft zurückzogen. Die allgemeine Kälte war nun doppelt spürbar. Wir standen auf, brauchten Bewegung. Verspürten Lust auf eine andere, blühendere Jahreszeit. Erinnerten den Kommentar einer Leserin, der von einer Schweine-Meditation berichtete. Die verläuft folgendermaßen: der Meditierende plaziert sich am Rande eines Kobens voller Schweine aller Konfektionsgrößen. Im Koben herrscht mal Ruhe, mal Gedrängel. Indem er das Durcheinander der Körperteile beschaut, dem Gegrunze und Gequietsche lauscht, gewinnt der Meditierende einen Aufblick auf sein Leben, seine Familie, sein Eingezwängtsein im Alltag, in seiner Wohnung, seinem Job. So stellten wir uns das jedenfalls vor, indem wir stehenden Fußes, erschreckend plastisch, allerdings geruchsneutral einen Koben voller Schweine imaginierten. Immerhin mochte  unsere mißglückte Post-Rhein-Meditation nun von einer fiktionalen Schweine-Schnell-Meditation abgelöst worden sein, Befriedigung und Ausgeglichenheit waren der Situation jedoch nicht abzugewinnen. Also schossen wir noch ein paar leidlich motivierte Möwenbilder, portraitierten schon etwas ernsthafter eine Krähe, welche sich die gesamte Zeit auf einem Kilometrierungsstein in die Brust geworfen hatte und machten uns mit einem Anflug klassischer Schwermut vom Acker, mit dem Vorsatz, ihn am ersten wärmeren Tag, dann aber in der Frühdämmerung wieder aufzusuchen.

RAM

Direktzugriffsspeicher der Rheinischen Asfalt-Mischwerke