Spargelaustreibung am Niederrhein

Heute am Johannistag findet am Niederrhein traditionell die große Spargelaustreibung statt. Dorfjungfern und -älteste ziehen gemeinsam mit Blotschen (Klompen) auf die verbliebenen Spargelfelder und machen die Anhäufelungen dem Erdboden gleich. Hierbei singen sie in einer bewusst zwischentonartlich gehaltenen Melodie ein Lied, dessen Ursprünge sich im Geldern des 17. Jahrhunderts verlieren:

Spaajel! Spaajel! Bäss jewääse!
Stonz mer no bes on de Nääse!
Jonz no fott, do witte Prengel:
Diss Jor nimmer enen Stengel!

Aus getrocknetem Spargelkraut wird anschließend ein symbolischer Scheiterhaufen errichtet, auf welchem der sogenannte ‘Erzspargel’, die bis zu 5 Meter lange Nachbildung einer Spargelstange, unter symbolischen Verwünschungen verbrannt wird. Spargelbauern der Orte Emmerich, Hünxe und Walbeck verbrennen in dem Feuer zugleich traditionell ein Drittel ihrer Verkaufsbelege, was für das nächste Jahr reiche Ernte und niedrige Steuern verheißen soll. Lokale Sonderformen des Brauchtums sind in fast allen spargeltreibenden Ortschaften der Region nachweisbar, etwa die Alpener Spargelhatz, bei welcher die entkleideten Burschen des Orts bei verbundenen Augen auf dem letzten Spargelfeld die letzte Spargelstange suchen, traditionell eine Veranstaltung, bei der sich Rauheit mit Frohsinn paart. Mögen sie besonders an regnerischen Tagen hinterher auch noch so verklütert (erdbesudelt) sein; zur mitternächtlichen Spargelaussegnung in der Kirche finden sie sich wie in allen übrigen Orten nahezu vollständig ein. Denn mit Glockenschlag Mitternacht zerbricht der Priester traditionell die Asparagille und teilt das Abendmahl in Gestalt von Brot und Spargelcremesüppchen aus. (Am Niederrhein werden Portionseinheiten dieses Gerichts unabhängig von der tatsächlichen Größe niemals als ‘Suppe’, sondern stets als ‘Süppchen’ bezeichnet.) Nach der abschließenden gemeinsamen Spargelbeweinung, dem ‘Stangenplanctus’, ziehen die Gläubigen in ihre Häuser, wo in dieser Nacht stets der Spargeltopf bereit steht, ein gelblichweiß lasiertes, mit Spargelmotiven verziertes Nachtgeschirr, um den sogenannten Johannisbrodem zu sammeln. Mit dem Abklingen dieses Geruchs im Laufe des folgenden Tages gilt die Spargelsaison endgültig als beendet.

(Ein Gastbeitrag von Martin Knepper)

Presserückschau (Mai 2017)

1
Bodennebel
“Am Rhein in Götterswickerhamm hat sich eine Gruppe aus etwa 20 Menschen versammelt. Angeführt von Bürgermeister Dirk Haarmann soll es vom Rhein aus in Richtung des neuen Voerder Marktplatzes gehen. (…) Dort wartet bereits eine größere Menschenmenge auf die Eröffnung des Platzes. (…) “Mit dem Umbau des Marktplatzes soll die Attraktivität des Kernbereichs unserer Stadt erhöht werden (…). Besser konnte die Lage unserer Stadt am Rhein nicht sichtbar gemacht werden”, erklärte der Bürgermeister (…). Mit dem Pegel, der den Wasserstand im Rhein sichtbar macht, der großen 800 zur Markierung des Rheinkilometers in Götterswickerhamm und einer Webcam, die Bilder live vom Rheinufer auf eine Projektionsfläche auf dem Platz überträgt, habe man sich den Fluss in die Stadt geholt. Ebenso mit dem Bodennebel, der den Rheinverlauf darstellt.” (Rheinische Post)

2
Giraffe auf dem Rhein
“Im Rahmen der Literaturtage (…) hat die Mediathek die Straßburger Autorin Ronja Erb eingeladen (…) ihr Kinderbuch “Die Giraffe auf dem Rhein – La girafe sur le Rhin” vor(zu)stellen. Fara, eine Giraffe im Zoo von Rotterdam, soll fortan in einem Zoo in der Schweiz leben. Ein Schiff wird sie dorthin bringen. Auf dieser Reise den Rhein hinauf entdeckt Fara viel Neues und das anfängliche Unbehagen weicht rasch einer freudigen Neugier auf das, was sie erwarten wird. Als das Schiff im Hafen von Kehl anlegt, begibt sich Fara voller Abenteuerlust auf eine Erkundungstour durch Straßburg und Kehl.” (Badische Zeitung)

3
Rheinpromenade Emmerich
“Zahlreiche Besucher kamen (…) zur Eröffnung der Bilderausstellung “Die Promenade von Emmerich am Rhein”. Die Rheinpromenade sei früher nur eine Rheinuferstraße gewesen, an der vor allem gearbeitet wurde. Dort wurden Schiffe ein- und ausgeladen. “Es gab viele Kneipen, auch welche, an denen die Schiffer ihre Post abholen konnten”, sagte Herbert Kleipaß in seiner Einführungsrede. In den 1960er Jahren schaffte man dann den ersten Schritt zu einem Freizeitraum. “Im Juni 1967 wurde die Rheinpromenade nach dem Umbau eröffnet mit Blick auf die längste Hängebrücke Deutschlands. Der Rheinuferweg lud zum Prominieren ein, die Gastronomie veränderte sich von Kneipen zu Speiselokalen.” Die Speditionen wurden immer weniger und von den zehn Zollbooten, die 1980 noch im Einsatz waren, wurden viele für Grenzflüsse in den Osten verkauft.” (Rheinische Post)

4
Reisen im Plastiksitz
“Die Feuerwehr ist (…) zu einem Einsatz auf dem Rhein nach Niederdollendorf ausgerückt. Dort war ein Mann mit einem aufblasbaren Schwimmsitz auf dem Fluss unterwegs. Wie die Feuerwehr (…) mitteilte, hatten Passanten (…) die Feuerwehr alarmiert, weil sie den Mann auf einem Plastiksitz auf dem Rhein treiben sahen. Die Feuerwehr sei daraufhin mit dem Boot ausgerückt und habe den Mann bei Niederdollendorf aus dem Rhein geborgen. Dieser war allerdings in aller Gelassenheit freiwillig auf dem Rhein unterwegs und habe laut Feuerwehr angegeben, bis zur Rheinaue fahren zu wollen. Die Einsatzkräfte ließen den Mann demnach mit einer Verwarnung davonkommen, wiesen ihn aber darauf hin, dass er mit seinem Gefährt in Zukunft nicht noch einmal über den Rhein fahren dürfe.” (General-Anzeiger)

5
Niers versus Rhein
“Dass die Gegend, in der ich aufgewachsen bin, Niederrhein heißt, habe ich Jahrzehnte nicht hinterfragt. Hier fließt eben der Rhein, der Große, der Mächtige, bedichtet und besungen seit der Römerzeit. Aber dann fiel mir auf, was der Rhein in mir auslöste, wann immer ich ihn auf einer Brücke überquerte: nichts. Ich hätte ebenso gut über die Elbe fahren können oder die Donau. Hier Rhein, da raus. Das liegt daran, dass der Rhein in großen Teilen des Niederrheins nicht zum Alltag gehört (…). Die Niers hingegen bleibt länger. Sie fließt durch den Kreis Viersen, und geradezu ewig durch den Kreis Kleve. Ich habe mir das schriftlich geben lassen: Wenn ich mit Niederrhein die Landkreise Wesel, Kleve und Viersen meine, macht die Niers am Niederrhein sieben Kilometer mehr als der Rhein, knapp 82. Doch was sind schon Zahlen, die Niers verkörpert den Niederrhein. Der Rhein kommt mit seinen Hunderten Metern Breite aus der fernen Schweiz herangebraust, er kommt als fremder Koloss und spaltet die Landschaft ins Rechts- und Linksrheinische. Für die Niers aber ist der Niederrhein nicht bloß Transit-, sondern Herzland. Der außerhalb der Region beinahe unbekannte Fluss entspringt in einem Dorf bei Erkelenz, (…) sie fügt sich ein in die Landschaft, anstatt sie zu dominieren und auseinanderzureißen, weil sie zwar breiter wird, aber nie Wasserstraße. Stets bleibt sie so beschaulich wie der Niederrhein selbst, ebenso gemächlich, halb so schnell wie der Rhein. Fließt nicht durch Köln, Düsseldorf oder Duisburg, bloß durch Mönchengladbach, Geldern, Kevelaer, Weeze, Goch. Und kaum hat die Niers den Niederrhein verlassen, endet sie auch schon in der Maas. Von ihren 113 Kilometern fließen bloß die letzten acht durch die Niederlande. Viel weiter kommen die Deutschen auch nicht, wenn sie am 1. Mai und Fronleichnam zum Einkaufen ins Nachbarland fahren.” (Rheinische Post)

6
Die arme Sau
“Zu einer „Preußen-Matinee in Liedern“ hatte die Stiftung Willy-Brandt-Forum am Sonntag eingeladen. Und da der Vorsitzende (…) den Bonner Kabarettisten Norbert Alich eingeladen hatte, sein Programmen „Der Rhein – die arme Sau“ zu präsentieren, war man direkt in den großen Sitzungssaal der Verbandsgemeinde umgezogen. (…) “Mit dem Rhein hat es aber gar nichts zu tun. Geschrieben hat es kein Rheinländer, sondern ein Hamburger Gastronom und Boxpromotor“, verriet Alich und war schon bei seinem Lieblingsthema, den „Fremden“, die „aber auch janix mit dem Rhein zu tun haben“ und sich trotzdem etwa wie Konrad Beikircher erdreisten, als Südtiroler zu erklären, was es mit dem Rhein und seinen Anrainern so auf sich habe. (…) Seit den ollen Römern sei man hier eben der Spielball der Nationen und müsse alles ertragen, vor allem die Bahn mit ihrem Lärm. „Dabei müsste die doch nur einmal die Reifen wechseln, was ich jedes Jahr zweimal machen muss“, monierte Norbert Alich, um sich dann über den furchtbaren Rhein-Reim-Zwang mit klein, sein, Mägdelein und natürlich dem Wein zu ereifern, der sich durch das Liedgut mäandert von der Romantik über Willi Schneider bis zu den Höhnern. „Man könnte doch ganz einfach auf Reben zurückgreifen und wäre schon weg vom Wein“, schlug er vor, um sich dann seinem Lieblingsthema zu widmen: Wer den armen Rhein, die arme Sau, und mit diesem Wort bewusst den Reim „Rhein-Schwein“ vermeidend, so alles gequält hat.” (Blick aktuell)

7
Pferdesegnung
“Im Rahmen seines großen Jubiläumsreitturniers hatte der Reitverein „Dreiländereck“ als besonderen Programmpunkt zu einer Pferdesegnung eingeladen. (…) Insgesamt über 20 Pferdebesitzer versammelten sich dann mit ihren Pferden auf dem großen Springplatz im Reitsportzentrum Lehmann, um an der Segnung teilzunehmen. In Anlehnung an die Lesung aus dem Buch Genesis über Mensch und Tiere wies Dekan Möller auf die Verbundenheit der Menschen mit ihren Tieren hin, da sie alle Geschöpfe Gottes seien. Danach wurde jedes Pferd einzeln mit Weihwasser gesegnet. Einige der Pferde schreckten dabei zwar mit dem Kopf etwas zurück, blieben aber dann brav stehen – dies auch während der Kirchenlieder, die der Musikverein begleitete. Zur Belohnung für das „Durchhalten“, wie Dekan Möller die Vierbeiner lobte, gab es für jedes Pferd von den Ministrantinnen noch eine Karotte.” (Die Oberbadische)

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Rheintote
“Schockierender Fund in Bonn: Passanten entdeckten (…) eine Leiche, die am Estermannufer im Rhein trieb. Sie alarmierten sofort die Polizei, die zu Land und zu Wasser ausrückte. Auf Höhe des Fähranlegers Graurheindorf konnten die Beamten den Toten bergen. Laut Polizei handelt sich um einen Mann aus Rheinland-Pfalz. Hinweise auf ein Fremdverschulden liegen nicht vor, die Ermittlungen dauern an.” (Express)

“Einsatzkräfte der Feuerwehr haben (…) eine Wasserleiche aus dem Rhein geborgen. Wie ein Sprecher der Einsatzleitstelle auf Anfrage erklärte, sei der oder die Tote bei Rüngsdorf ans Ufer geschwemmt worden. Die Person habe sich augenscheinlich schon längere Zeit im Wasser befunden. (…) Die Einsatzkräfte bargen den Leichnam (…) nahe der Straße Am Schwimmbad aus dem Rhein. Wie ein Sprecher der Polizeieinsatzleitstelle mitteilte, dauern die Ermittlungen zur Identität der Person noch an.” (General-Anzeiger)
“Nach dem Fund einer Wasserleiche im Rhein bei Bonn (…) geht die Polizei davon aus, dass es sich bei dem Mann um das Besatzungsmitglied eines Ausflugsschiffes handelt. Er war vor einiger Zeit von Bord des Schiffes gefallen. Die Ermittler der Wasserschutzpolizei Koblenz gehen offenbar von einem Unglücksfall aus.” (WDR)

“Auf dem Rhein in der Nähe des Düsseldorfer Landtags fand (…) eine dramatische Rettungsaktion der Feuerwehr statt. Trotz stockdunkler Nacht konnten die fast 100 Einsatzkräfte einen Mann aus dem Wasser retten. Wie die Polizei (…) mitteilte, verstarb der Unbekannte allerdings später im Krankenhaus. Passanten hatten die Person im Hafenbecken Höhe der Ausfahrt zum Rhein entdeckt und sofort die Feuerwehr alarmiert. Diese lief mit einem Großaufgebot auf: Löschboot, fünf Rettungsboote mit Wärmebildkameras und 15 Landfahrzeuge mit Rettungstaucher. Außerdem unterstützte aus der Luft ein Polizeihubschrauber die Kräfte vor Ort.” (WDR)

Strom, Spargel, Erdbär und die Liedberger Infliederisierung: unterwegs am Niederrhein

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Rapskraft, Dampf und Horremgestalten: unterwegs am Niederrhein

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Niers

niers_5Nur zu kleinen Teilen fließt die Niers über die Maas in den Rhein; zuvor schleicht sie auf niederrheinischem Territorium in gemessenem Abstand zur deutsch-niederländischen Grenze möglichst unauffällig durch die Gegend.

niers in gochIn Goch findet sich ihr Ufer jäh mit geometrischem Schwung eingefaßt, umpflastert und mit Betontribünen versehen. Auf der Flußbühne üben die Möwen gerade eines ihrer kaum beachteten Revolutionsstücke. (Fotos: Rainer Vogel)

Außerdem war es für uns Deutsche verboten, den Rhein zu befahren

Mit Carl Maassen, meinem Freund, traf ich mich im Düsseldorfer Jachthafen, der nicht weit von unserem Atelier entfernt lag. Sein Vater hatte hier ein großes Hausboot, das er zu einer Buchhandlung auf dem Wasser ausgebaut hatte. Die meisten Schiffe und Segeljachten aber waren durch die Bombenangriffe gesunken. Wir gingen daran, soweit wir das mit unseren Mitteln konnten, die verschiedensten Boote zu heben. Das erste nannten wir Bügeleisen, da der Rumpf dieser Form glich. Einen eisernen Nachen holten wir von einem gesunkenen Raddampfer, der draußen an der Kaimauer lag. An der ganzen Düsseldorfer Rheinfront lagen gesunkene Dampfer und Schleppkähne, die zum Teil aus dem Wasser ragten, besonders im Hochsommer, wenn der Rhein wenig Wasser hatte. Zu dem Hausboot gehörte ein großes eisernes Boot mit schwerem Motor, das wir aus dem Wasser holten und wieder in Betrieb brachten. So hatten wir ein gutes Bergungsschiff.
Carl hatte ein Motorrad, mit dem wir nach Bonn und nach Königswinter fuhren, wo er auf einer kleinen Werft den Rumpf einer Segeljacht, einer Ketsch, liegen hatte. Es war ein schönes Schiff. Leider aber hatten Bombensplitter ein großes Loch in den Rumpf geschlagen und niemand auf der Werft konnte das Schiff wieder in Stand setzen. Außerdem war es für uns Deutsche verboten, den Rhein zu befahren. Auch gab es Sperrstunden und Strafen, wenn man erwischt wurde.
Die Engländer hatten eine Pontonbrücke von Niederkassel mit Anschluß an die Uerdinger Straße gebaut, da wo heute die Nordbrücke über den Rhein führt. Unter der Brücke auf den Pontons und im Wasser lagen und schwammen schöne große Holzbalken. Davon konnte ich einige gebrauchen. In einer dunklen Nacht ruderten wir mit unserem Nachen – um die Ruderblätter hatten wir wegen der Geräusche Lappen gewickelt – vorsichtig an die Brücke heran. Oben patrouillierten Soldaten, wir mußten höllisch aufpassen, um nicht entdeckt zu werden. Vorsichtig holten wir Balken um Balken, banden sie mit Stricken zusammen, und ließen uns mit gestohlener Fracht stromabwärts treiben. Trude und Anneliese standen am Ufer. Wir hatten uns eine Karre besorgt, wuchteten die schweren Balken nach oben und schnell ging es zur Franz-Jürgens-Straße, wo wir sie in unser Atelier brachten. So konnten wir eine Zwischendecke einziehen, da wir Nachwuchs erwarteten und für vier Personen zu wenig Platz war. Bei einem weiteren Seeräuberunternehmen holten wir noch die nötigen Bretter. Alles lief glimpflich ab, und wir konnten mit Hilfe eines Schreiners den Zwischenboden bauen.

Jede freie Minute war ich auf dem Rhein. In der Abenddämmerung ging es hinüber auf die Löricker Seite, wo wir Rhabarber, Kappes oder Möhren klauten. Wir störten uns nicht an der Sperrstunde, es ging ums nackte Überleben. Ich bekam von einem Bekannten ein kleines Radio geschenkt und dankte ihm mit einem Bild. Später wollte er das Gerät zurück haben und schenkte mir eine Segeljolle. Weiß der Himmel, wo er die her hatte, aber es war ein hilfreiches Geschenk. Jetzt konnte ich meine Hamsterfahrten erweitern. Bei günstigem Wind segelte ich rheinabwärts an den Niederrhein, einmal bis nach Xanten. Egal wie das Wetter war, bei Regen und Schneetreiben, machte irgendwo das Boot fest, ging an Land und bettelte oder tauschte bei den großen Bauernhöfen. Aber nicht jeder gab etwas. Oft war ich mit einem Butterbrot und einer Tasse Kaffee zufrieden. Zurück hing ich mich an ein Schleppboot und ließ mich rheinaufwärts bis nach Düsseldorf ziehen. Ich hatte mir eine Zeltbahn über den Großbaum gelegt, ein Zeltdach gebaut und schlief die Hälfte der Fahrt. Wenn mir das Segeln allerdings zu riskant war, unternahm ich meine Hamstertouren per Autostop. Das klappte eigentlich immer recht gut. Die Autofahrer hatten Mitleid, wußten sie doch selbst wie schwer die Zeiten waren und daß der Hunger uns dazu veranlaßte. Es ging ums Überleben. Heute verschwendet man keine Gedanken mehr an diese Zeit.

(aus Hannes Esser: Heute hier und morgen gestern, Düsseldorf 2002)

Presserückschau (August 2016)

1
“Riesiger Pokémon stürzt in den Rhein: Ein 23-jähriger Mann in einem gelben Pokémon-Kostüm ist (…) in Mainz in den Rhein gestürzt. Ein 33-Jähriger sprang hinterher, um ihn zu retten, wurde aber von der Strömung abgetrieben, wie die Feuerwehr mitteilte. Rettungskräfte holten den Mann in dem Kostüm aus dem Wasser. (…) Der zweite Mann kletterte aus eigener Kraft aus dem Fluss. Beide wurden am Ufer von Sanitätern versorgt.” (SWR)

2
Bewußtlos im Rhein: “In der Nacht erreichte die Feuerwehrleitstelle ein Notruf über eine im Rhein treibende Person in Höhe des Feldbergplatzes. Boote der Feuerwehren Mainz und Wiesbaden bildeten unterhalb der Kaiserbrücke eine Suchkette. Nach kurzer Zeit entdeckten die Einsatzkräfte eine kopfüber im Wasser treibende bewusstlosen Mann. Ein Taucher zog den Verunglückten an Land. Im Rettungswagen kam der Mann langsam wieder zu Bewusstsein. Er konnte sich aber nicht mehr daran erinnern, wie er in den Rhein kam.” (Hit Radio FFH)

3
“Katzenalarm auf dem Rhein: Mehrere Anrufer aus Düsseldorf haben (…) die Feuerwehr alarmiert. Eine Katze treibe auf einem Stück Treibholz auf dem Fluss (…). Umgehend rückte das Rettungsboot der Feuerlöschstation aus (…). Doch die Retter erwartete eine Überraschung: Denn auf dem Rhein trieb nicht eine Katze in Seenot, sondern ein ausgestopftes Raubtier – möglicherweise ein Marder, der auf einem Holzbrett befestigt war. Um die Konstruktion zu stabilisieren, hatte der unbekannte Erbauer unter dem Brett noch eine Unterkonstruktion mit vier Kunststoffflaschen als Schwimmkörper befestigt. Wer das Tier auf die Reise geschickt hat und wie lange es schon unterwegs war, sei unbekannt, betonte die Feuerwehr. Doch fand das ausgestopfte Tier vorläufig in der Löschbootstation eine neue Heimat.” (General-Anzeiger)

4
Rheintote
“Nach einem Badeunfall ist ein 39-Jähriger tot aus dem Rhein geborgen worden. Passanten hatten die Leiche des Mannes (…) in Urmitz (…) im Wasser treiben sehen, teilte die Polizei mit. (…) Er war mit einem Freund nahe Kaltenengers baden gegangen, plötzlich unter Wasser gezogen worden und nicht mehr aufgetaucht. Bei dem 39-Jährigen handelte es sich nach Angaben der Polizei um einen Urlauber aus Norddeutschland.” (General-Anzeiger)

“Ein Toter (ist) aus dem Rhein bei Duisburg geborgen worden. Nach einem Foto-Vergleich geht die Polizei davon aus, dass es sich um einen (…) vermissten Flüchtling aus Afghanistan handelt. Der 18-Jährige war beim Schwimmen im Rhein bei Meerbusch abgetrieben und seitdem vermisst worden. Die Ermittlungen zur zweifelsfreien Identifizierung des Mannes dauern an.” (WDR)

“Rettungskräfte haben in Ludwigshafen einen toten Schwimmer geborgen. Zunächst war der Polizei ein leblos im Rhein treibender Mensch gemeldet worden. Dann wurden die Berufsfeuerwehr Ludwigshafen, der Rettungsdienst, die Wasserschutzpolizei und die Polizei in Mannheim und Ludwigshafen alarmiert. Die Helfer konnten den Mann dann im Bereich der Konrad-Adenauer-Brücke in Ludwigshafen sichten. Die Feuerwehr zog den Mann aus dem Rhein. Versuche, den Mann wieder zu beleben, blieben erfolglos: Er starb kurze Zeit später in einem Krankenhaus. Die Identität des Mannes stand zunächst nicht fest. Er soll etwa 75 Jahre alt und etwa 1,70 Meter groß sein. Er war mit einer Badehose bekleidet und dürfte nach ersten Ermittlungen der Polizei im Bereich der Ludwigshafener Parkinsel in den Rhein gestiegen sein.” (Hit Radio FFH)

“Bonn – Tragischer Einsatz nahe der Nordbrücke. Zeugen (meldeten) einen leblosen Körper, der im Rhein trieb. Kurz darauf zogen Einsatzkräfte den Mann an Land. Mehr als 30 Minuten lang versuchten die Retter, den Mann zu reanimieren. Doch es war zu spät. Kurz darauf konnte im Krankenhaus nur noch sein Tod festgestellt werden. Der Verstorbene wurde als ein 48-Jährige aus dem Großraum Bonn identifiziert.” (Express)

“In Duisburg-Wanheim hat es (…) einen größeren Feuerwehreinsatz am Rhein gegeben. Die Rettungskräfte bargen einen toten 82-jährigen Mann aus dem Wasser. (…) Ein Arbeiter der Hüttenwerke Krupp Mannesmann hatte eine treibende Person im Rhein gemeldet. Es wurde eine Vielzahl an Einsatz- und Rettungskräften mobilisiert. Unter anderem Taucher, Rettungsboote sowie ein Rettungshubschrauber. Die Besatzung des Hubschraubers entdeckte die leblose Person im Rhein stromabwärts treiben. Die Feuerwehr barg den Leichnam. Die Ermittlungen der Polizei laufen.” (Rheinische Post)

“Nach seiner Rettung aus dem Rhein in Düsseldorf ist ein 27-Jähriger gestorben. Nach Angaben der Polizei konnte der Mann (…) zunächst reanimiert werden, doch er erlag später seinen Verletzungen. Zuvor war bei der Feuerwehr Düsseldorf ein Notruf eingegangen, dass eine Person im Rhein auf Höhe des Stadtteils Volmerswerth verschwunden sei. Rettungskräfte suchten an Land und im Wasser nach dem Mann, unterstützt wurden sie von zwei Hubschraubern der Polizei. Taucher fanden den Mann nach zwei Stunden, anschließend wurde er unter Reanimationsbedingungen in die Uni-Klinik gebracht (…). Wann genau er starb, wurde nicht bekannt. Die Feuerwehr sprach von einem Unglück.” (Rheinische Post)

“Nach dem Badeunfall (…) in Rodenkirchen hat die Polizei in Rheinberg am Niederrhein (…) eine Leiche aus dem Rhein geborgen. Ob es sich um den in Köln vermissten 22-Jährigen handelt, ist unklar. Wie die örtliche Polizei am Abend mitteilte, konnte die Person noch nicht identifiziert werden. Der Ort im Kreis Wesel ist mehr als 100 Flusskilometer von Köln entfernt. Der 22-Jährige wurde (…) das letzte Mal gesehen, als Zeugen beobachteten, wie er unterging. Trotz intensiver Such- und Rettungsbemühungen der Feuerwehr und des Rettungsdienstes blieb der Mann vermisst.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

Venlo (3)

venlo_maasDas limburgische Venlo als rheinisch zu bezeichnen ist zum Mindesten gewagt, auch wenn es direkt an der Landesgrenze ins niederrheinische Kaldenkirchen übergeht und zahlreiche Ecken der Fußgängerzone direkt der Düsseldorfer Altstadt entnommen wirken. Rheinisch mag an Venlo zudem der Karneval sein, die Stadt ist katholisch geprägt und gilt als Hochburg des niederländischen Karnevals. Rheinisch wirkt an Venlo vor allem die Maas, deren Anblick an die niederländischen Rheinarme, mit deren südlicheren sie sich verbinden wird, erinnert. In Venlo heißt sie Mooder Maas (Mutter Maas), der Rhein kommt in Miniaturgestalt als Rijnbeek (Rheinbach), im Venloer Dialekt auch t Rienke (das Rheinchen) vor.

venlo_2 brüderFür rheinische Stimmung sorgen in Venlo desweiteren Touristenhorden aus dem Grenzland. Der Tourismus teilt sich in zwei Gruppen mit geringen Schnittmengen: die Senioren zielen vornehmlich auf Die 2 Brüder von Venlo, einen weithin berühmten, etwas unorthodox sortierten Supermarkt mit ungeheurer Kaffeeabteilung, die Junioren streben eher diverse Coffeeshops an. Insbesondere an Samstagen entwickeln sich der grenzüberschreitende Regionalzug sowie der Supermarkt zu Kampfzonen: Hackenporsches überfrachten Gepäckablagen und Korridore, generalstabsmäßig werden über Sitzreihen hinweg Fluchtwege ausbaldowert, Veteraninnen des Wochenendeinkaufs erzählen unter Gelächter Anekdoten früherer Schlachten, die kurz darauf im Supermarkt nachgestellt und neuinterpretiert werden.

venlo_jan klaassensHinter dem Schaufenster eines ehemaligen Tabakladens in der Fußgängerzone verbirgt sich “das wahrscheinlich kleinste Museum der Niederlande” (Selbstbeschreibung) bzw. “een piepklein museum” (Wikipedia). Gewidmet ist es dem Venloer Fußballer und niederländischen Nationalspieler Jan Klaassens (1931-1981), “der nicht rauchte und kein Glas Alkohol trank, dieweil er selbst Tabakwaren verkaufte und sein Vater eine Kneipe betrieb”.

Presserückschau (April 2016)

1
“Kaum irgendwo sonst in Deutschland fahren so viele Menschen mit dem Fahrrad wie am Niederrhein. (…) Kein Wunder also, dass sich am Niederrhein sogar ein eigenes Verleihsystem für Fahrräder etabliert hat. (…) Diese befinden sich vor allem in Hotels, an Bahnhöfen und Radstationen. Auch im Infocenter an der Rheinpromenade Emmerich stehen zehn der insgesamt 1000 in der Fahrradflotte vorhandenen Räder zur Verfügung. Es handelt sich dabei um “apfelgrüne Gazellen”, hochwertige Unisex-Räder, die bei der niederländischen Firma “Koninklijke Gazelle” von Hand gefertigt werden. Da die Sattelhöhe per Schnellspanner ohne Werkzeug einstellbar ist, ist das Rad für alle Größen geeignet. Gel-Sattel, bedienungsfreundliche Sieben-Gang-Schaltung, eine sichere Rücktrittbremse, ein leichtläufiger Nabendynamo für Licht und eine Spezialbereifung gegen Plattfüße bieten einen großen Fahrkomfort.” (Rheinische Post)

2
In Mainz sahen Passanten in Höhe des Kaisertors eine Person “im Rhein schwimmen und untergehen”. Die Person sei “mehrfach wenige Meter in Richtung Flussmitte geschwommen und wieder zum Ufer zurückgekehrt (…). Beim letzten Versuch, das Ufer zu erreichen, sei die Person untergegangen. (…) Nach den ersten Ermittlungen der Polizei handelt es sich bei dem Vermissten um einen 23 Jahre alten Zuwanderer aus Eritrea.” (Rüsselsheimer Echo)

3
§Seit mehreren hundert Jahren ist zum ersten Mal wieder ein Biber im Rheingau gesichtet worden. Davon ist jedenfalls der Naturschutzbund Hessen überzeugt (…). Es sei aber noch rätselhaft, woher das Tier komme. Es könne vom Oberrhein hergeschwommen sein, zum Beispiel aus dem Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue vorbei an Mainz und Wiesbaden. Möglich sei aber auch, dass er aus der Nahe gekommen sei, bei Bad Kreuznach gebe es ein Bibervorkommen. Die Tiere nutzen große Ströme wie Rhein, Rhône und Elbe zur Ausbreitung.” (Wiesbadener Kurier)

4
“Zwischen Volta-Platz und Rheinufer wird (…) nicht nur die modern gestaltete Rheinufer-Promenade mit dem Namen „Elsässerrheinweg“ eingeweiht, sondern auch ein grenzüberschreitender „Dreyland-Dichterweg“, den neben dem Kanton Basel-Stadt auch die Städte Huningue und Weil am Rhein realisiert haben. (…) Das Gedicht auf einer Tafel im Weiler Rheinpark, verfasst von Werner Richer, lautet:

Wiil am Rhii

E Fluss, wo trennt,
e Bruck, wo bindet,
kei Hass, wo brennt,
e Bruck, wo findet
e Fremde heim,
e Bruck zue eim.

Es wurden 24 Tafeln realisiert, davon werden sieben auf der französischen Seite, acht auf deutscher und neun auf Schweizer Seite installiert. Die Autoren wurden so angeordnet, dass pro Land je vier Gedichte aus den Nachbarländern zu lesen sind.” (Weiler Zeitung)

5
Die Häfen Basel-Nord und Basel-Süd sollen ausgebaut werden, der Weiler Hafen ein neues Terminal erhalten: “Das Güterverkehrsaufkommen wächst laut aller Prognosen weiter. Während die Kapazität auf der Straße ausgereizt scheint, bieten Schiene und Schifffahrt noch Reserven. Vor dem Hintergrund sind die Aus-, Umbau und Modernisierungsprojekte der Schweizerischen Rheinhäfen (SRH) in Basel zu sehen, aber auch das Containerterminal, das im nördlichen Teil des Weiler Hafens angedacht ist – zumal Container als Transportgefäß der Zukunft gelten. Unter dem Strich summieren sich die Vorhaben auf Investitionen von bis zu 250 Millionen Euro.” (Badische Zeitung)

6
“Polizisten haben in Düsseldorf einen Einbrecher aus einem Wasserloch an einem alten Flussbett des Rheins gezogen. Der 25-Jährige war (…) zusammen mit einem 23 Jahre alten Komplizen in ein Wohnhaus eingestiegen und hatte Schmuck gestohlen. Dabei waren die beiden aber so laut, dass Nachbarn verdächtige Geräusche hörten und die Polizei alarmierten. Mit Hilfe eines Hubschraubers konnte die Polizei die beiden Männer schnell aufspüren. Den 23-Jährigen erwischten sie unter einem Carport. Der andere Einbrecher hatte sich in ein Sumpfgebiet geflüchtet und war in das Wasserloch gestiegen. Er ließ sich von den Beamten widerstandlos aus dem Morast ziehen (…)” (Berliner Zeitung)

7
“Seit Langem versuchen Naturschützer und Fischer am Rhein heimischen Jungfischen Lebensräume zu geben. Ob sie damit Erfolg haben, ist jedoch zweifelhaft. Denn statt der erhofften Barben oder Maifische ziehen sie Grundeln aus dem Strom. (…) Die Süßwasserfische schnappen schneller zu als andere. Sie gelten als aggressiv und robust. Experten warnen, dass sie heimische Rheinfische wie den Gründling verdrängten. (…) Tatsächlich machen Grundeln bis zu 60 Prozent des Fangs von Rheinanglern aus, heißt es bei der Oberen Fischereibehörde in Düsseldorf. Die Schwarzmundgrundel dominiert dabei. Im Gewichtsvergleich sind es aber kleine Fische: Nur vier Prozent der gesamten Fischbiomasse im Rhein sind Grundeln.” (WAZ)

8
“Wer zurzeit am Bad Godesberger Rheinufer unterwegs ist, kann ihn nicht übersehen: den sogenannten Nassbagger, mit dem das Wasser- und Schifffahrtsamt Köln (…) rund 3500 Kubikmeter Sand und Kies aus dem Rhein schaufelt. (…) Durch die hohen Wasserstände in den vergangenen Monaten haben Kiesablagerungen dafür gesorgt, dass die Fahrrinne des Flusses schmaler und flacher geworden ist (…). Das soll sich nun ändern. Rückt der Bagger wieder ab, wird die Fahrrinne wieder 2,50 Meter tief und 150 Meter breit sein. Doch das dauert seine Zeit. Gut zwei Wochen lang wird in der Nähe des Rüngsdorfer Schwimmbades, zwischen Rheinkilometer 645,9 und 646,6, gearbeitet.” (General-Anzeiger)

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“Le canal des Français” heißt das Grabensystem, das einst im 17. Jahrhundert angelegt wurde, um das Grundwasserniveau im Burggraben um die Festung La Citadelle zu regulieren. 6000 Soldaten lebten in der von Vauban geplanten Festung einst zwischen dem Rhein und der Stadt Straßburg. Der “Canal des Français” bildete eine Grenze und leitete das Wasser in Richtung Norden ab, bis es hinter dem heutigen Stadtviertel Robertsau durch die Felder in die Ill fließen konnte. Die heute bestehenden Hafenbecken existierten damals ebenso wenig wie der Rhein-Marne-Kanal. Gut 50 Jahre ist her, dass der “Canal des Français” aufgegeben, teilweise zugeschüttet und überbaut wurde. Für rund eine Million Euro hat die Stadt Straßburg Teile des einstigen Kanals wieder ausgegraben, so dass sie sich mit Grundwasser füllen konnten.” (Badische Zeitung)

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“Bei dem in der Nähe von Düsseldorf im Rhein entdeckten Leiche handelt es sich um den 20-jährigen Marius B. aus Bonn.
Die rechtsmedizinische Untersuchung des Verstorbenen hat ergeben, dass es sich zweifelsfrei um den (…) vermissten 20-Jährigen aus Bonn handelt. Er war nach einer Feier in Niederkassel nicht nach Hause zurückgekehrt und spurlos verschwunden. Nach Angaben der Rechtsmediziner und dem derzeitigen Ermittlungsstand ergeben sich keine Hinweise auf ein Gewaltverbrechen. (…) Die Kripo geht inzwischen davon aus, dass Marius B. (…) nach dem Besuch des Junggesellenfestes in Niederkassel in den Rhein gefallen und dann ertrunken ist. Er muss allerdings noch einige Zeit zu Fuß unterwegs gewesen sein, da das Gebäude, in der die Jungesellenfeier stattgefunden hat, nicht unmittelbar am Rhein liegt. Die Strömung muss den Leichnam dann bis Düsseldorf getragen haben.” (WDR)

11
“Anlässlich des 30. Jahrestags der Atomkatastrophe von Tschernobyl haben tausende deutsche, französische und schweizerische Atomkraftgegner auf mehreren Brücken über den Rhein an die Opfer des Unglücks erinnert und gegen Atomenergie demonstriert. Bei den Protesten zwischen dem schweizerischen Basel und dem französischen Straßburg forderten die Demonstranten (…) insbesondere die Schließung des umstrittenen französischen Atomkraftwerks Fessenheim. Laut (…) der Initiative Stopp Fessenheim demonstrierten auf den beiden Rhein-Brücken zwischen Marckolsheim und Sasbach sowie in Chalampé jeweils 1200 Menschen. Auf der Europabrücke zwischen Kehl und Straßburg nahmen laut einem AFP-Reporter 300 Demonstranten an einer Kundgebung teil. Das an der deutschen Grenze am Rhein gelegene Fessenheim ist das älteste Atomkraftwerk Frankreichs und steht wegen zahlreicher Pannen in der Kritik.” (Donaukurier)

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Nicht unüblich sei es, daß Rehe versuchten den Rhein zu durchschwimmen um ans andere Ufer zu gelangen und dabei verendeten, berichtet der WDR. In Duisburg haben Hafenarbeiter an zwei Tagen im April insgesamt drei Rehe aus einem Hafenbecken gerettet: “Die Tiere zittern förmlich und sind völlig erschöpft. Die Männer bringen die Rehe jedes Mal auf’s Land und wärmen sie dort mit Decken auf. Und die sind so geschwächt, dass sie nicht ein mal fliehen wollen. Innerhalb weniger Minuten sind die Tiere aber wieder fit und werden in die Freiheit entlassen. Wie die Tiere ins Wasser gekommen sind, wissen die Tierretter nicht.”

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“„Go bananas“ heißt im Englischen: ausflippen. Das passt. Denn ein bisschen verrückt ist Les Donohue-Bromley auch, der auf seiner „Go Banana“-Tour auf einem aufblasbaren Bananen-Boot 4000 Kilometer über diverse Flüsse von Rotterdam bis ans Schwarze Meer in Bulgarien gelangen will. Per Anhalter über den Rhein kam er (…) in Emmerich an. (…) Start der Reise war ausgerechnet am 1. April, weshalb viele seine Tour schon als Aprilscherz abtaten. Bisher hat er schon allerhand erlebt: Er wurde schon zweimal von Hochschulen eingeladen (Rotterdam und Wageningen), hat eine Terror-Übung der Feuerwehr in Arnheim miterlebt, ist singend auf einer Bühne in einer Bar geendet, hat sich mit einem niederländischen Schwertkampfmeister in Ritterausrüstung duelliert (und verloren), wurde ins Kriegsmuseum eingeladen, hat als erster Gast auf einem eine Stunde jungen Schiff in Arnheim ein Fünf-Gang-Menü verspeisen dürfen, bevor dieses auf seine Jungfernfahrt nach Amsterdam startete.” (WAZ)

Emmerich (3)

emmerich_rheinmuseumDas Rheinmuseum hatte während unseres Besuchs gerade Mittagspause. Ein Teil seiner Exponate läßt sich auf der Straße sowie von der Straße aus begutachten: auf den Fensterbrettern sind, von Gardinen leicht verhangen, Schiffsmodelle plaziert, ein Taucher samt Glocke ist im Inneren erkennbar sowie Stellwände, die den Eindruck machen, als seien sie von Pappe. Die Sammlung wirkt aus dieser Betrachterposition aus der Zeit gefallen, dünn und wenig motiviert. Zwar weckten insbesondere die angekündigten Fische unser Interesse, jedoch nicht in zureichendem Maß, um die Museums-Mittagspause abzuwarten.

emmerich_katjesOhne die am Niederrhein noch in Blüte stehende Mittagspause kommt der Katjes-Werksverkauf an der Emmericher Promenade aus. Ob es Zufall ist oder rheinischer Einfluß, daß mit Haribo (Bonn) und Katjes (Emmerich) die führenden Hersteller des Landes von Lakritz und Fruchtgummis ihren Stammsitz am Fluß haben, ist bisher kaum untersucht. Die Emmericher Lakritzproduktion soll ursprünglich aus der bereits bestehenden Fliegenfängerproduktion hervorgegangen sein, deren Absatz im Winter zu wünschen übrig ließ: verbindendes Element war der für beide Produkte benötigte Zuckersirup.

emmerich_klk oleo_3Der Emmericher Maschinenbaubetrieb und Kaffeestraßenpionier Probat ist bis heute Weltmarktführer für Anlagen zur Kaffeeveredelung, direkt am Rhein befindet sich die Ölfabrik KLK, in der “eine Reihe von Fettsäuren, gehärteten Fettsäuren und Glycerine durch die Spaltung pflanzlicher Öle” produziert werden. Auf der stadtabgewandten Fabrikmauer befinden sich einige Portraits (der Arbeiter?) von unbekannter Hand, die auf den von einem Trafohäuschen

emmerich_trafohäuschenrhein

verstellten, jedoch auf seine Verstellung mit wildem Strich als Tryptichon (hier Mittelteil und rechter Flügel) applizierten Fluß blicken.

Wesel im Haiku und auf Eselshaut

wesel_haiku_2Auf Stromerteilerkästen lassen sich in Wesel schlicht gehaltene Heimatbekenntnisse in Versen finden. Beachtenswert ist vor allem das Farbdesign der Kästen, das sich, ähnlich wie die bunten, zumeist auf Rollbrettern vor Läden und Bürgerhäusern plazierten Kunststoffesel in Lebensgröße, die zu Dutzenden Wesels Fußgängerzone dominieren, vom Backsteineinerlei der Fassaden abhebt.

wesel_esel mit rheinlandschaftDieses Exemplar ist auf den Sockel einer Toreinfahrt geklettert. Die Körperbemalung zeigt das in Goldtönen verklärte Weseler Rheinpanorama mit den Ruinen der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Eisenbahnbrücke (auf Xantener Seite), der Kopfweide und dem Wasserturm: ein Heimatesel par excellence: stets stolz und müde vom Repräsentieren bleibt das Tier zugleich bereit, den Passanten mit nach besten Kräften sublimierter Weseligkeit zu beschäftigen.

Emmerich (2)

emmerich_eimerichEmmerichs Name soll auf eine Villa Embrici zurückgehen. Das Stadtwappen ziert ein Eimer. Emmerichs Historiker rätseln bis heute über seine Bedeutung. Fünf Erklärungsansätze gebe es, hörten wir, doch keiner davon sei wissenschaftlich haltbar. Am ehesten wahrscheinlich sei die Erklärung, daß der Eimer es als Hochwasser-Schöpfgerät ins Stadtwappen gebracht habe, im Grunde liege die Verbindung zwischen Eimer und Stadt jedoch im Unklaren. Auf die Frage, wie die lokale Aussprache für Eimer laute, bekamen wir zur Antwort: “Emmer”.

emmerich_schlemmerichDementsprechend, lautet unser gänzlich unwissenschaftlicher Blitzgedanke, könnte Emmerich von Eimer abgeleitet sein, mithin eigentlich Eimerich bedeuten, das Ich und den Eimer als Wortbestandteile verknüpfend, die den existentiellen Kampf des Individuums mit seinem wasserfassenden Werkzeug gegen den übermächtigen Gottvater Rhein repräsentieren oder die Selbsterkenntnis, die auf dem Grund eines mit Wasser gefüllten Eimers liegen mag, der die weiten niederrheinischen Himmel und darin das Gesicht des Betrachters spiegelt. Solche Gedanken werden in Emmerich jedoch nicht gepflegt – vielleicht nicht zuletzt, weil gängige Claims der vom Tourismus profitierenden Branchen bei stärkerer Eimergewichtung in unerwünschte Richtungen kippen könnten.

emmerich_glück_hüschMit dem Wesen des Niederrheiners (“weiß nix, kann aber alles erklären”) hat sich wie kaum ein anderer der im Jahre 2005 verstorbene Kabarettist Hanns Dieter Hüsch befaßt. In Emmerich klebt sein Foto in mehreren Schaufenstern. Falls wir die Bildmotive richtig interpretieren, dürften sie bedeuten: “Hier kaufte Hüsch etwas ein” oder “Hier hat Hüsch sich die Auslage angeschaut”. Hüschs Gedicht “Glück ist ein Geschenk”, in dem Gottes Feriendomizil in der Gegend erwähnt wird, ist hingegen unmißverständlich in die Uferpromenade eingelassen.

Emmerich

emmerich_auf wiedersehenDie Landschaften des Niederrheins liegen bis gegen Mittag im Morgendunst, als wir sie mit der Regionalbahn queren. Das Großraumabteil, in dem zwischen Köln und Düsseldorf gerade noch so eben ein Sitzplatz zu ergattern war, hat sich kurz hinter Duisburg komplett geleert. An der Endstation in Emmerich sitzen drei pummelige Gestalten in der Kälte auf einer Bank und schauen sich mit schwer deutbarem Grinsen die wenigen Ankommenden an. Zwischen Bahnhof und Stadt liegt eine staubige Straße mit beachtenswertem Leerstand. Am Abzweig zum Zentrum weist dieses Schild auf einen lokalen Gastronomiebetrieb und entbietet dem Besucher einen leicht irritierenden Gruß.

Zwischen Bahnhof und Stadt befindet sich der Hafen, der zwar deutlich kleiner als der Duisburger ist, dessen Umschlag er jedoch an nicht wenigen Tagen übertreffen soll. Tatsächlich werden, als wir das Hafenbecken passieren, gerade fleißig Container verschoben.

emmerich_friendsDie Emmericher Rheinpromenade ist gesäumt von Restaurants, die auf Touristen ausgelegt sind. Der Fluß habe hier “seine breiteste Stelle in Deutschland”, wird uns stolz erklärt. Die Szenerie verweist bereits (ein wenig) auf die Nordsee, die Emmericher Rheinbrücke erinnert in Konstruktion und Farbe stark an die Golden Gate Bridge. Touristen verirren sich im März trotz solcher Attraktionen nur wenige in diese westliche Ausbeulung der Deutschlandkarte, an welcher der Rhein die Grenze zu den Niederlanden in sich aufnimmt und übertritt. Fehlende Touristen auf den Terrassen ihrer Promenade ersetzen die pragmatischen Emmericher durch Schaufensterpuppen wie dieses auf den Rhein blickende Paar.

Über dem Fluß dräuen holländische Himmel. Wildgänse streuen ihre Alfabete in den Westen, aus manchen Flugformationen entstehen bewegte Himmelsgedichte. “Touristen gefällt der Anblick. Aber fragen Sie mal die Bauern, was die von denen halten!” Die Gänse, die zu Zehntausenden am Niederrhein einfallen, vernichteten die Frühgerste. Ob die Bauern ausschließlich mit Groll auf die Vögel schauen? Der Fluch der schönsten Himmelserhabenheit jedenfalls lautet bei Emmerich, auf profanem Fraß zu fußen.

Stromkilometer 814

oder: Vesalia…est hospitalis

Durch das Zugfenster des von Süden
einfahrenden RE 5 zeigt sich
am Weseler Bahnhof
links eine Gruppe Hochhäuser, vierzehnstöckig;
rechts der Gleise der Schriftzug eines Geschäfts „Wohnen und mehr“
und beim Ausstieg ein Warteraum (ungewartet) auf dem Bahnsteig.

Würde man zur Niederrheinhalle wollen,
nähme man den östlichen Ausgang Friedensstraße,
Treppe einerseits und eine barrierefreie
buschgesäumte Serpentine andererseits,
für Fahrräder, Kinderwagen, Rollstühle und Rollatoren,
und bemerkte, einsetzende Dämmerung vorausgesetzt,
Ecke Fusternbergerstraße einen blau erleuchteten
Schriftzug „Dreams“, sich bei näherer Betrachtung
als Dönertraum herausstellend.
Daneben ein bungalowartiges Gebäude mit
Granit, Grableuchten und künstlichem Efeu im Schaufenster:
„Grabsteine & Küchenarbeitsplatten“ kündet ein
grünes Schild auf gelber Fassade, Marmor seit 1882.
Nebenan eine Heißmangel,
eine Trinkhalle mit erleuchtetem Stauder-Schild
und Wein und Wodka im Regal.
Dann ein Musikcafe „Quo Vadis“ und ein Schild
mit lorbeerbekränztem, gleichwohl nachdenklich schauenden Cäsar
in einem dreigeschossigen Backsteinziegelhaus von 1894.
Vis-à-vis der Park & Ride-platz.

Wollte man stadteinwärts (was so ist),
findet sich westlich der Bahngleise der Busbahnhof,
Bussteig 4 Richtung Sonsbeck, Kevelaer, Xanten, Alpen, Geldern, Rheinberg, Moers,
Bussteig 3 Richtung Emmerich, Hünxe, Hamminkeln, Bocholt, Schermbeck, Dorsten,
Bussteig 2 Richtung Voerde, Wittenberg,
Bussteig 1 Richtung Rees sowie innerstädtische Ziele.
Unterhalb der sich auf einer Eisenstange befindenden Bahnhofsuhr
wird geworben: “MPU-Beratung + Suchtberatung“.

Der Panoramablick über den Franz-Etzel-Platz fällt auf die
LBS, eine Tapasbar, den Eingangsbereich zur City, im Hintergrund der Fernsehturm.
Im Vordergrund, unweit des Bahnhofsgebäudes aus den 1950er Jahren
ein gepflegt wirkender Briefkasten, Leerung Mo-Fr 16.00 Uhr, Sa 10.00 Uhr
und ein (mittlerweile seltener anzutreffendes) Wetterschutz-Telekomhäuschen.
Daneben zwei Bänke, Sitzfläche aus Holz in Beton eingefasst –
Vorgeschmack auf viele weitere Sitzgelegenheiten Richtung Willibrordi-Dom.

Zum Durchbrausegeräusch eines langen Güterzugs
gesellt sich das Lachen einer Gruppe junger Damen
mit Primarkpapptüten und McDonaldsbechern.
In einem Beet des Parks bzw. der Vorbahnhofswiese
zwischen winterkahlen Pflanzenästen tatsächlich ein Büschlein Rosmarin.

Unweit eine Gedenkstele für die „Gefangenen und Vermissten“.
Gegenüber eine Metallskulptur (Edgar Gutbub) „Zwei gleich groß“ von 1991,
außen silbern, innen blau,
darin an diesem Dezembernachmittag 2015 die obere Brötchenhälfte
eines Cheese- oder Hamburgers und ein „Stop TTIP“ -Aufkleber,
die Kehrseite der Skulptur innen gelb, aktuell gefüllt mit trockener Laubverwehung.

Das Hotel Kaiserhof eingangs der Wilhelmstraße
beherbergt ein Steakhaus, darüber
vier Stockwerke, erblickbar pro Etage je sieben in sich dreiteilige Fenster
plus Treppenhaus, ca. 1950er / 60er-Jahre.
Schräg gegenüber weist das Scala-Kulturspielhaus
auf seinen Facebook-Auftritt hin.
Flyer für den Poetry Slam „The Lower Rhine“ liegen aus.
Tattoo-Shop, Smartphone-Shop. Gegenüber die Verbraucherzentrale.

Den Blickfang, das Berliner Tor,
- Relikt der alten Stadtbefestigung und
dem preußischen Barock zugerechnet, eines der Wahrzeichen der Stadt -
flankieren Wilhelm-Ecke-Friedrichstraße
südlich die Sparkasse und nördlich Deutsche und Sparda
(städteübergreifendes Phänomen, dass Banken
sich oft in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander befinden).
Im gewölbten hinteren Innenraum des Berliner Tors
ein Generator, der die im Advent dem Wahrzeichen vorgelagerte Eisbahn betreibt,
welche von Glühwein- und sonstigen Getränkeständen umgeben ist.

Auf dem Berliner-Tor-Platz die -wohl bronzene- Skulptur eines Esels.
Eine junge Dame, mit Töchterchen an der Hand, befragt,
was der Esel bedeute, sagt sie freundlich, sie sei zwar hier geboren,
wisse es aber nicht: “Der steht schon immer hier.“

Die Hohe Straße ist auch breit.
Als Fußgängerzone konzipiert und realisiert
(durch Bombenangriffe Mitte Februar 1945 waren,
so die offizielle Zahl, 97 % der Innenstadt zerstört gewesen).

Zahlreiche Holzbänke in Betonquader eingelassen und weitere
einladende Sitzgelegenheiten
(Gedankensprung:…gastfreundlich!…Weseler Protestantismus
kein reiner Leistungs-Protestantismus…sympathisch!…).

Interessanter als die Weihnachtsmarkthäuschen und -beleuchtung
sind für die Aufmerksamkeit des Besuchers die
in den Boden eingelassenen grauen Platten mit Städtenamen-Reliefs.
Mit Kuli ins Notizbuch
(und angenehmerweise frei von jedweden Argwohnfragen, was man notiere…
sonst seit der Smartphonisierung, welch Ironie!, eher übliches Phänomen…)
der Reihe nach,

- ab Poppelbaumstraße / Wallstraße:
Weliki, Ustjug, Totma, Wologda, Belozersk,
Twer, Torzhok, Tikhvin, Smolensk, Weliki (doppelt?),
Nowgorod, Vitebsk, Polozk (bei Regen sammelt sich Wasser in den O’s),
Kingissepp, Pskow, Iwangorod, Narva, Tartu,
Viljand, Koknese, Valmiera, Cesis, Straupe, Tallinn,
Limbazi, Pärnu,

- ab Am Blauen Hahn / Heuberg:
Riga, Kaunas, Turku, Kuldiga, Ventspils,
Kaliningrad, Olsztyn, Kraków, Braniewo, Frombork,
Elblag, Gdansk, Torun, Chelmno, Visby,
Strzelce, Opolskie, Lebork, Slupsk, Wroclaw,
Nyköping, Slawno, Darzowo, Kalmar, Koszalin,
Bialogard, Kolobrze (darauf weißes Fahrrad mit Bastkorb),
Stargard, Szczecinski, Goleniów, Slubice,
Frankfurt/Oder, Szczecin, Werben/Elbe, Anklam, Greifswald,
Stralsund, Demmin (leider leider Hundekacke),

- ab Kreuzung Hohe Straße / Tückingstraße:
Skanör-Falsterbo, Brandenburg/Havel, Kyritz, Pritzwalk,
Rostock, Havelberg, Merseburg, Tangermünde,
Hall[darauf Esel einer bekannten Drogeriekette]e/Saale, Stendal,
Perleberg (darauf Esel eines Schuhgeschäfts), Naumburg/Saale,
Osterburg/Altmark, Seehausen, Magdeburg,
Wismar (weißer Esel mit Weihnachtsmütze), Gordelegen,
Quedlinburg (darauf Esel einer Modekette), Salzwedel,
Helmstedt, Lübeck, Uelzen, Braunschweig, Mülhausen/Thüringen,
Goslar, Lüneburg, Duderstadt, Osterode, Kiel,
Bockenem, Hamburg, Hildesheim, Göttigen, Einbeck,
Alfeld/Leine,

- ab Viehtor:
Gronau/Leine, Buxtehude, Uslar, Stade, Höxter,
Hameln, Marienmünster, Brakel, Warburg, Nieheim,
Minden, Lemgo, Korbach, Marsberg, Bremen,
Paderborn, Mei[Notizbuch nicht leserlich],
Herford, Brilon, Geseke, Rüthen, Warstein,
Lippstadt, Melle, Rheda-Wiedenbrück, Schmallenberg, Meschede,
Soest, Arnsberg, Osnabrück, Bad Iburg, Beckum, Warendorf,

- ab Brückstraße:
Sundern, Quakenbrück, Werl, Attendorn, Ahlen,
Balve, Olpe, Hamm,Telgte, Neuenrade,
Drolshagen, Unna, Fürstenau, Kamen, Werne,
Münster, Schwerte, Lün[blauer Riesenrucksack eines Trekking-Ladens],
Haselüne, Dortmund, Breckerfeld, Rheine, Wipperfürth,
Meppen, Hattingen.

Am Leyens-Platz ist das Straßenschild untertitelt:
„Alteingesessene jüdische Kaufmannsfamilie bis 1938
Förderer der Stadt in Krieg und Frieden”.
Inmitten des Platzes eine übermannshohe Holzskulptur;
ein Zusammenhang mit dem Ort ihrer Aufstellung
mehr erahn- und interpretierbar als augenfällig.
Späteres Nachschlagen in der Stadtbroschüre „Wesel entdecken“
verweist auf Victoria Bell, Kölner Künstlerin, und dass
die Plastik eine Schutzhütte nachempfinde und
Vesalia Hospitalis benannt ist.

Dieses Attribut, gastliches Wesel, hatten 1578
Glaubensdissidenten aus dem Flämischen, die vor den Spaniern geflohen waren,
der Stadt ausgestellt – Wesel hatte sich Ostern 1540 durch Stadtratsbeschluss
der Reformation angeschlossen, wobei laut Überlieferung
das Abendmahl in beiderlei Gestalt gefeiert wurde.

In einem nach einem Weidetier benannten
Waffen- und Jagdausrüstungsgeschäft am Leyensplatz
beantwortet eine freundliche ältere Dame
frei von jeder Ungeduld oder Ruppigkeit
(womöglich, da kein Mittelgebirge in der Nähe ist,
die Menschen vielmehr seit Jahrhunderten gemeinsam, solidarisch
und dahingehend folglich konkurrenzfreier
das Wasser von Rhein und Lippe
u.a. durch Deichbau und Hochwasserschutz zu domestizieren hatten)
mit wohlwollend-gelassener Höflichkeit
die an sich naive Frage des Ortsfremden
nach der Bedeutung der Städtenamen in der Fußgängerzone:
„Das sind die Hansestädte. Die besuchen einander ja immer.“
Ein auf dem Rückweg zum Bahnhof entdeckter Hinweis unweit des Berliner Tors
weist das Hanseband von 1407 und den Stand von Juni 2010 aus.

Richtung Westen, dem Willibrordi-Dom zu, lauten die steinernen Einlassungen
- Brückstraße weiter:
Haltern am See, Coesfeld, Solingen, Dorsten, Oldenzaal,
Vreden, Duisburg, Neuss, Wesel, Groningen,
Ommen, Kalkar/Grieth, Emmerich/Rhein, Zutphen,
Deventer, Doesburg, Zwolle, Hasselt, Hattem,
Roermond, Kampen, Elburg, Harderwijk, Bolsward,
Stavoren, Bergen, Brügge, King’s Lynn, La Rochelle,
Aberdeen, Hafnarfjördur, Stykkishólmur.

Kornmarkt und Großer Markt benachbart,
steht auf Zweitgenanntem unweit des
2011 mit Steinfassade in flämischem Stil restaurierten Rathauses
aus dem 15. Jahrhundert
ein Denkmal.
Mit dem Fingernagel an dieses schnippend
ergibt sich eine Klangharmonie zum Kirchturmgeläut.
Das Denkmal erinnert an Konrad Heresbach (1496 – 1576),
einem – die offizielle Geschichtsschreibung wird zutreffen –
auf Ausgleich zwischen den Konfessionen bedachten Humanisten.
Und damit womöglich exemplarisch wie symbolisch für die Gegend.

Wenn da nicht, Stachel in der Historie fast jeder deutschen Stadt,
ein weiteres Denkmal stünde, westlich des Doms, vom 09.11.1988.
Für die jüdische Schule und Synagoge,
“aus Hass zerstört” 09/10.11.1938.

Vis-à-vis des Marienhospitals ist
St. Mariä Himmelfahrt überraschend schlicht eingerichtet,
harmonische Konzession an die überwiegend protestantische Umgebung wohl.
Zur Messezeit kniet ein Mann am Portal,
die Innenseite seiner Baseballkappe bittend ausgestreckt.

Am evangelischen Willibrordi-Dom, Südseite,
benachbart einem Parkhaus in Gestalt eines glasgekachelten Rundbaus (ca.1950er)
eine Gedenktafel
„Dem Diakon dieser Kirche und spaeteren Gruender von New York
Peter Minuit zum Gedaechtnis“
Konrad Duden, Sohn Wesels, würde wohlwollend auf die Orthographie blicken.
Von dem Bedachten ist überliefert,
um 1626 das heutige Manhattan
für 60 Gulden von Indianern gekauft zu haben,
woraus dann Nieuw Amsterdam entstand.

Der Fußgänger betrachtet Wesel von außen
am besten von der Rheinbrücke;
links des Rheins Ruinen der 1945 zerstörten Eisenbahnstrecke von 1874,
während unter seinen Füßen z.B. ein gigantisches niederländisches Schubschiff
mehrere Etagen voll fabrikneuer Automobile stromaufwärts landeinwärts schafft.
Aufs rechte Rheinufer zuflanierend zeigt sich
ein Pegelhäuschen (angestrichen im rot-weißen Wechsel,
was davon unabhängig auch die Farben der Hanse sind)
und die Skyline von Wesel:
die Türme von Willibrordi, St. Mariä, Fernseh- und Wasserturm
stehen – tatsächlich wie symbolisch- im Hintergrund der ufernahen
großen Raiffeisen-Anlage mit Silos, Halle und Turm.

Die Lippemündung überquerend geht es
auf die Zitadelle zu
bzw. die heutigen Relikte der ab den 1680ern errichteten Festung
(ursprünglich in Form eins fünfzackigen Sterns).

Beiderseits der stadteinwärts führenden Schillstraße
Wohngebäude, häufig Doppelhäuser aus rotem Backstein
in der Tradition des niederrheinischen Ziegelhandwerks.

Zur Geschichte Preußens am Niederrhein zählt
die Erschießung der elf Schillschen Offiziere
durch Napoleon unterstellte Soldaten im September 1809,
die in Wesel zu Volkshelden wurden.
Vorausgegangen war ab Frühjahr 1809 ein
vom preußischen Königshaus nur bedingt gedeckter,
auf eigene Faust betriebener Aufstandsversuch des Korps
um den Husarenmajor Ferdinand von Schill
gegen die napoleonische Besatzung
hauptsächlich im Königreich Westfalen
und eine Reiterodyssee durch deutsche Lande.
Das Unternehmen scheiterte mit Schills Tod bei
Straßenkämpfen in Stralsund Ende Mai 1809.
Seine Leiche wurde enthauptet
und der Kopf, in hochprozentigem Alkohol eingelegt,
dem König von Westfalen, Jérome, einem Verwandten Napoleons,
überreicht.
Die Truppen mussten als Gefangene nach Frankreich.
Im Juni 1809 wurden in Braunschweig
aus den westfälischen Staatsangehörigen des Schillschen Korps
14 ausgelost (!)
und stellvertretend als Deserteure hingerichtet.
Elf Offiziere kamen als Gefangene
in die Zitadelle Wesel und wurden am 16. September 1809
nach Urteil durch ein napoleonisches Kriegsgericht
auf den Lippewiesen erschossen.
Ihr Mythos wurde später freilich auch missbraucht,
insbesondere durch die Nazis für ihre Propaganda.
Nur knapp entging deshalb die Schillstraße
nach 1945 zu Zeiten alliierter Verwaltungsaufsicht
einer Umbenennung.
Heute ist die Historie von 1809 museal kanonisiert
und im Gebäude der Zitadelle zu besichtigen.

Architektur ist häufig auch Symbol.
Die Fußgängerzonen, entstanden
im Zuge der Wirtschaftswunderjahre in den 1950er/60er Jahren
sind heute urbane Realität
ebenso wie gewissermaßen Ausdruck eines
Geschichtswogenruhens.

Dankbar in einem tieferen und vielschichtigeren Sinn
darf man daher sein auch für selbstverständlich scheinende
Annehmlichkeiten wie Sitzgelegenheiten.
Neben Bänken z.B. hier sogar
- unweit der Wegkreuzung Am blauen Hahn/Heuberg und Hohe Straße –
Wippen in Form von Wieseln (dem Wappentier)
die zum Verweil einladen.

(GrIngo Lahr mit einem Gastbeitrag zur niederrheinischen Hansestadt Wesel)

Rotterdam (6)

rdam_kop van zuid

Pyramidalpeilung: die zentrale Rotterdamansicht ist von den Boompjes, der Straße, die den alten Hafen von der Nieuwe Maas trennt, aufgenommen worden. Im linken Bildmittelgrund Bäume und Häuser der Maasinsel Noordereiland, dahinter ragt der 2013 fertiggestellte Hochhauscluster De Rotterdam von Rem Koolhaas empor. Rechts die Erasmusbrücke und dahinter der brachial-moderne, auf verfallenen Hafenflächen angelegte Stadtteil Kop van Zuid. Bild: Lucas Hüsgen.

***

Die belebten, nebeneinander liegenden Brücken von Rotterdam und die stolzen Häusertürme dieser Stadt sind die Torbogen des Rheines vor seinem Ende. Bis an den großen letzten Haken, den der Strom hier schlägt, schimmert die Merwede in dem weit auseinanderklaffenden Tiefland. Schönster Sport in Europa, auf dem dröhnenden Eis dieser klaren, freien Fläche hinzusausen, einen strengen Wind im Rücken, der das Segel des Schlittens wie einen Riß durch die Luft in zwanzig Minuten bis Dordrecht treibt. Auf den Deichen des majestätischen Stromstückes stehen saubere alte Städtchen, Häuser, deren Giebel umgestülpten Kähnen ähnlich sind, Ziegeleien, die chinesischen Dörfern gleichen. Kleine Wasserflächen strahlen als Fabrikhöfe in das Land, in der Ferne kriechen die Raupen windgekrümmter Alleen. Ländliche Kähne, mit Rüben beladen, liegen vor den Aeckern; hohe Schiffsrümpfe, mennigrot, ragen mit ihren schirmartig ausgespannten Gerüsten, im Rappeln der elektrischen Hämmer, hoch über das Baumgebüsch. Gewölbte Scheunen, untersetzte Windmühlen, deren Kreuze leer wie Gräten in die Luft starren, leicht wogende Binsenwälder, Arbeiterkolonien mit leuchtend roten Dächern, mit Alteisen und halbfertigen Schiffen gefüllte Werften, begonnene Uferbauten mit Kippwagenzügen und seichten Wasserflächen hinter dem Weidendickicht. Kleine schwarze Marktdampfer mit ländlichen Reisenden eilen dem von Masten und Türmen starrenden Horizonte zu. Mathematisch gebaute Fabriken, gläserne Dächer, sägenartig abgesetzte Profile neuer Arbeitshallen reihen sich enger, dann ordnen sich die Schlote und das Takelwerk der Seeschiffe zu Bündeln. Die Fensterreihen am Stromufer von Rotterdam schauen zu den Docks hinüber, sie beobachten das Anlegen und Wegfahren der Flußdampfer und der zugedeckten Kähne. Unablässiger Verkehr der Eisenbahnzüge, der Fußgängerscharen und der Lastwagen auf den Brücken und der quer gelenkten Fähren, von denen jede eine Versammlung von Seeleuten, Werftarbeitern, Angestellten, Drehorgelspielern und Hausiererkarren zum Ufer der Docks hinüberträgt. Die verwitterten Rheinboote im Hafen tragen am Heck ihre Heimatorte, die Namen von Heilbronn und Basel, von Antwerpen, Mülheim-Ruhr, Waspik, Homberg, Okriftel, Tiel, Straßburg, Mannheim, Oberwesel. Die Hütten der Holländerkähne sind grün und weiß lackiert wie Hochzeitstruhen oder glänzen dunkelgelb wie neue Möbel. Hundert offene Schiffsgefäße liegen unter den Seilen der Ladebäume vor haushohen, salzüberzogenen Dampferwänden. Aus den steifen Schläuchen, die über die Reling lehnen und in die tiefen Räume der Südamerikadampfer hinunterreichen, strömt das Getreide. Und die geschlossenen Schachteln der Kähne, die der kleine Dampfer stromauf schleppt, bringen den Margarinefabriken des Niederrheins die Palmkerne afrikanischer Wälder, den Schokoladefabriken von Köln und von Bern die mit Kakaobohnen gefüllten Säcke, sie führen Farbholz, Tabak, Kautschuk, Erze, Pflanzenfasern in den unermeßlichen Verbrauch. Aus den Fenstern des hohen Eckhauses am Stromufer schaut der Besucher über den Hafen. Hier oben in den stillen Sälen sind die alten Stadtpläne von Rotterdam mit den spitzen Bastionen an allen Ecken, die Modelle der Kauffahrteischiffe und der Kriegsfregatten, der javanischen Hausboote, der vergoldeten Staatsbarken, der modernen Schleusen, Bagger und Schiffsmaschinen. In diesem Museum sind die heroischen Marinen, die Gallionsfiguren, die Wimpel, alle die beiseitegestellten Dinge, in denen sich die ältere Beziehung Hollands zur See ausdrückt. Und drüben, jenseits des Wassers, hinter den aus Beton gebauten, mit Nummern bemalten Kolonnaden der Dockhöfe und der geschlossenen Speicher erheben sich die nüchtern hohen, ziegelroten Häuserblocks der Arbeiterviertel. Aus der griechischen Herberge “Peiraios”, aus dem Eiscreamgeschäft mit dem amerikanisch bemalten Schaufenster schallt Grammophongesang. Neben der Wirtschaft “Germania” sind die Läden von Hop Jee, Wong Sin und Kow Yun mit verstaubten Fischkonservendosen, mit chinesischen Zigaretten, Oel- und Saucenfläschchen in der Auslage und den gelben, insekthaft beschriebenen Speisezetteln an der Tür. Proletarisch gekleidete Chinesen stehen um das Billard im Kaffeehaus und hinter der Theke des Grünkramhändlers an der Ecke; ein paar rote Blusen und hochblonde Frisuren in der verschwiegenen Opiumluft eines Hausgangs verraten das übrige. Welche Stadt, bedrängt von allen Kräften der Gegenwart, genötigt, dem Problem der großen Verkehrsabwicklungen mit den weitesten Plänen zu begegnen. An den verworrenen, von Lärm erfüllten und altgewordenen Bau ihres Innern schließen sich die Massenquartiere des Randes. Das Wachstum dieser Stadt drängt sich unbestimmbaren Zielen der Weltwirtschaft entgegen, es ist ständig in Gefahr, in ein Chaos zu entgleiten. Der Gegensatz dieser motorischen Stadt zum übrigen Holland verlangt nach Ausgleich. Wie wird sie in zwanzig Jahren aussehen? In jenen Seestädten, die um das europäische Festland den Ring bilden, ist Rotterdam zwischen Hamburg und Antwerpen eine der kräftigsten. Das ganze Rheinland ist hinter ihr. Jede dieser Städte, am Ausgang ihres Hinterlandes gelegen, alle durch die Girlande der Schiffslinien miteinander verbunden, öffnet einem Ausschnitt des europäischen Raumes das Meer. Diese Seestädte strahlen ihre gewölbten Routen zu den Häfen des Erdballes über See. Das Salzwasser trägt alle Lasten leichter, Schiffe machen die Völker auch für andere Dinge bereit, deren Träger die Meerflut ist. Alle diese Städte, Empfänger und Sender in einem, stehen als die vordersten im Zeichen jenes Sehertums, das hinter dem Wettstreit der Volkswirtschaften die Einheit kommen sieht.

(aus Alfons Paquet: Der Rhein, eine Reise, Frankfurt/Main 1923)

Presserückschau (November 2015)

1
“Rhein – wo bist Du? Ein Vergleich der Wasserstände am Kölner Pegel zeigt, dass der Fluss in den vergangenen Jahren kontinuierlich schmaler geworden ist. Das Wasser- und Schifffahrtsamt Duisburg hat für den Zeitraum von 1981 bis 1990 für Köln einen Durchschnittspegel von 3,55 Metern errechnet. Im Messungszeitraum von 2001 bis 2010 fiel der Wert im Schnitt auf 3,21 Meter. Differenz: 34 Zentimeter. Also schrumpft der Wasserstand des Rheins um etwa einen Zentimeter pro Jahr.” (Express)

2
Noch fließt der Rhein, doch kommen bei anhaltendem Niedrigwasser zunehmend gefährliche (Minen und Granaten aus dem Zweiten Weltkrieg) und seltene Fundstücke aus der Versenkung zum Vorschein: “Düsseldorfer Feuerwehrleute haben (…) einen Tresor aus dem Rhein geborgen. Gefunden wurde der schwere Behälter im Bereich des Fähranlegers im Stadtteil Urdenbach. (…) Der Eigentümer soll nun ermittelt werden. Wie die Düsseldorfer Polizei (…) bestätigte, wurden in dem Tresor vornehmlich Papiere gefunden. Wertgegenstände seien an der Fundstelle zunächst nicht entdeckt worden. Ob der Tresor im geöffneten Zustand im Rhein versenkt wurde, blieb noch unklar.” (Rheinische Post)

3
Die Niedrigwasserfunde setzen sich fort. Bei Rüdesheim barg das Wasserschifffahrtsamt einen vor vier Jahren in Baden-Baden gestohlenen Peugeot. Ein Fundstück bei Neuss erinnert an eine alte Geschichte: “Vor 17 Jahren spielte sich unterhalb der Fleher Brücke auf Neusser Seite ein echtes Drama ab. Ein Mann war in den Rhein gesprungen, eine Mannschaft der DLRG mit dem Rettungsboot ausgerückt. Doch plötzlich brauchten die Retter selbst Hilfe: Ihr Boot sank, die DLRG-Männer kamen zum Glück alle mit dem Leben davon. Ihr Boot tauchte jedoch nie wieder auf.(…) Eine Erklärung dafür gab es nie. Jetzt ist das Rätsel gelöst: Das historische Niedrigwasser des Rheins hat das Wrack wieder freigegeben. Unweit der Zufahrt zum Neusser Sporthafen in Grimlinghausen wurde das zerfledderte Boot – ein sogenannter „Rheinadler“ – (…) gefunden. (…) Viel anfangen kann man bei der DLRG mit dem Schrott nicht. Aber zumindest ist nun ein ungeklärtes Kapitel der Rettungsgeschichte abgeschlossen.” (Express)

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In den rheinnahen Städten des Ruhrgebiets stellt sich den Einwohnern die Identitätsfrage: Ruhrpottler oder Niederrheiner? So liegt Duisburg sowohl beidseits des Rheins, als auch der Ruhr. Welchem Fluß, somit welcher Mentalität fühlen sich die Duisburger zugehörig? Die WAZ antwortet: “Mehr als ein Viertel der von der Uni Duisburg-Essen Befragten, nämlich 27 Prozent, sehen sich als beides. Die Ruhrpottler machen eindeutig den größten Anteil aus: 39 Prozent fühlen sich eher dem Ruhrgebiet verbunden. Deutlich weniger, nämlich 23 Prozent, rechnen Duisburg eher dem Niederrhein zu. Elf Prozent der Befragten hatten dazu keine Meinung.”

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“Ein Spaziergang am Rhein ist genauso ungesund wie einer in unmittelbarer Nähe der Autobahn. Dieselmotoren verursachen in Binnenschiffen die gleichen gesundheitsschädlichen Luftschadstoffe wie im Straßenverkehr. Betrachtet man den Fluss nach den freigegebenen Schadstoffmengen, so sei er mit einer Autobahn durchaus vergleichbar: „Die Luft am Rheinufer ist in etwa so verunreinigt wie an der stärkstbefahrensten Stelle der A 3“, stellt Andreas Brandt vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz klar. Schiffe könnten jedoch mit modernen Abgasreinigungsanlagen für einen erheblich geringeren Schadstoffausstoß sorgen. Pflicht ist eine entsprechende Umrüstung allerdings noch nicht.” (WAZ)

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“Mit Schmackes” habe ein Autofahrer die Schranke durchbrochen und sei im Rhein gelandet, zitiert die WAZ den Fährkapitän und schreibt von “einem verhängnisvollen Fahrfehler”: “Beim Auffahren auf die Rheinfähre, die zwischen Orsoy und Walsum pendelt, ist ein Autofahrer (…) durch die geschlossene Schranke am Bug der Fähre gefahren und in den Rhein geplumpst. Nur dem beherzten Eingreifen des Kapitäns, seines Schiffsführers und eines Kunden der Fähre verdankt der ältere, gehbehinderte Autofahrer, dass er unverletzt aus dem Wagen entkommen konnte.”