Das Hungertuch

Ein zweijährlicher Preis, der von Künstlern an Künstler vergeben wird, die “mit experimentellem Pioniergeist im 21. Jahrhundert” zu neuem künstlerischen Terrain aufbrechen ist Das Hungertuch, vor 16 Jahren von Ulrich Peters initiiert. Bedacht werden die Sparten Bildende Kunst, Musik und Literatur mit besonderem Fokus auf interdisziplinär arbeitende Künstler. Dieses Jahr zählen zwei ständige rheinsein-Autoren zu den Preisträgern: Roland Bergère und Stan Lafleur, eine Auszeichnung also auch für rheinsein wie die Rheinische Post in einem Vorbericht zur heute in Neuss stattfindenden Preisverleihung schreibt:

“Das Hungertuch im Bereich Literatur wird der bekannte Spoken-Word-Performer und Lyriker Stan Lafleur (…) bekommen. Neben zahlreichen Buchveröffentlichungen, zuletzt: “Mini Welt”, gestaltet er seit 2009 sein gigantisches Netzprojekt rheinsein.de. Das Projekt strebt “eine komplexe, neuartige, literarisch basierte Hybridform um Faktisches und Fiktives zum Thema Rhein und zugleich die umfassendste zusammenhängende, stets wachsende Sammlung rheinischer Kulturgeschichte im Internet” an, wie er selbst es beschreibt. Dieser Blog enthält inzwischen über 2000 Beiträge, auch von anderen Autoren.”

Presserückschau (Februar 2017)

1
Versunkene Lokomotive
“Die Suche nach der im Jahr 1852 im Rhein versunkenen Lok geht weiter. (…) Zwar hatte sich die Hoffnung, dass ein Teil der metertief im Kiesboden vermuteten Lok möglicherweise bis an die Oberfläche des Rheinbodens ragen könnte, nach einer Suchexpedition rheinland-pfälzischer Polizeitaucher Mitte August 2015 zerschlagen. Das ändere jedoch nichts an der Tatsache, so die beteiligten Wissenschaftler, dass genau an dieser Stelle in einigen Metern Tiefe unter dem Rheinboden ein rund 20 Tonnen schwerer und etwa sechs Meter langer Eisenkörper läge. Bereits vor einigen Jahren hatten sie nach zwei Jahrzehnten intensiver Suche mithilfe von Magnetresonanz-Messungen den vermuteten Unglücksort entdeckt. Die 1852 gebaute Lok wäre heute die älteste noch erhaltene deutsche Dampflokomotive. Sie war in den Anfangsjahren der deutschen Eisenbahngeschichte von der Fabrik Emil Kessler in Karlsruhe gebaut worden und sollte mangels Schienenstrecke auf einem Lastensegler an die Düsseldorf-Elberfelder Eisenbahngesellschaft ausgeliefert werden. Bei einem Unwetter riss sich die sechs Meter lange und 20 Tonnen schwere Lok los und fiel von Bord des Schiffes in den Rhein. Mehrere Versuche, sie mit Hilfe speziell geschmiedeter Ketten, die von den Ufern aus von 400 Männern durch den Rhein gezogen wurden, und aus London angereister Taucher zu bergen, schlugen fehl. Sie geriet langsam in Vergessenheit und galt anderthalb Jahrhunderte lang als verschollen.” (SWR)

2
Digitalisierung
“Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes hat eine Befliegung des Rheins von Frankenthal bis Biblis beauftragt, um die digitale Bundeswasserstraßenkarte anhand von Luftbildern aktualisieren zu können. Für diese Kartenerstellung werden Markierungsarbeiten in unmittelbarer Nähe zum Rhein durchgeführt. Diese Signalisierungsarbeiten beinhalten die farbliche Markierung von Lampen, Treppen, Einlaufrohren, Durchlässen oder Stromkästen mit weißer Farbe oder weißen Plastikstreifen, die mit Nägeln befestigt werden. Beschäftigte der beauftragten Firma führen die nötigen Arbeiten vor Ort aus. Die Bevölkerung wird gebeten, die Markierungen nicht zu entfernen.” (Echo-Online)

3
Rheingolf
“Die vier Credos der Rheingolf Messe 2017 lauten: Testen, informieren, shoppen und verreisen.” (Golfpost)

“Ein Golfball nach dem anderen fliegt im hohen Bogen in den Rhein. Einer verfehlt nur haarscharf den Kopf eines Kanufahrers, ein anderer zielt auf das beliebte Ausflugsschiff „Moby Dick“. Vor dem Bonner Amtsgericht muss sich jetzt ein 34-Jähriger verantworten. Er ist für sein außergewöhnliches Golfspiel wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung und Beeinträchtigung des Schiffsverkehrs angeklagt.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

4
Geburtstagsgeschenk
“Sieben Jahre ist Mika erst alt, aber er hat schon eine eigene Kamera, “die ist in Tarnfarbe”, erzählt er ein bisschen schüchtern. Mika steht nicht gern im Rampenlicht. Sein Hund Erni dafür umso mehr. Am liebsten macht der Schüler Bilder von ihm, am Rhein, wenn er mit Mama (…) dort spazieren geht. Er dokumentiert die Natur und das Wetter, Erni natürlich, und den Wasserstand. In letzter Zeit aber findet Mika immer mehr Müll am Rhein, in den Buchten am Wasserwerk, dort, wo die Familie gerne unterwegs ist. Plastiktüten und Eierkartons, ausrangierte Gartenmöbel und vor allem Glas. (…) Manchmal schnappt der Siebenjährige sich eine Mülltüte und räumt auf am Rhein. (…) Als Opa Edgar jetzt am Wochenende seinen 80. Geburtstag feierte, haben Mika und seine beiden älteren Brüder Joshua (12) und Jannis (12) ihm einen Müllsammel-Tag am Rhein geschenkt.” (Rheinische Post)

5
Rhein Vikings
“Die Zeit des Kleckerns ist vorbei, jetzt wird geklotzt. Und weil weder der Neusser HV noch der ART Düsseldorf dazu allein in der Lage sind, gründen sie eine Handballspielgemeinschaft, die in der kommenden Saison als HC Rhein Vikings für Furore sorgen will. Ob das in der zweiten oder der dritten Liga sein wird, ist allerdings noch offen.” (Rheinische Post)

6
Refurbishment
“Die (Ludwigshafener; Anm. rheinsein) Rhein-Galerie war im September 2010 eröffnet worden, nach knapp zwei Jahren Bauzeit. Das Einkaufszentrum auf dem ehemaligen Gelände des Zollhofhafens hatte damals am Rheinufer einen neuen Zugang geschaffen, dem Einzelhandel zusätzliche 130 Geschäfte beschert und war mit großen Hoffnungen in die kommenden Jahre gestartet – auch mit dem Wunsch, dass täglich 25 000 Kunden in das Center strömen. Heute kommen im Schnitt 13 290 Besucher pro Tag in die Mall. Und das, obwohl die Einkaufscenter Entwicklungs Gmbh (ECE), die das Haus betreibt, 939 037 erreichbare Kunden im Einzugsgebiet zwischen Worms und Landau sowie Mannheim und Speyer angibt. Das in unmittelbarer Nähe gelegene Rathauscenter, das ebenfalls unter ECE-Ägide steht und 1979 eröffnet wurde, besuchen pro Tag 32 000 Kunden. Dort gibt es 75 Läden. Um die Differenz zwischen Prognose und Realität zu verringern, hat die ECE ein „umfangreiches Refurbishment“ angekündigt. (…) Die Außenterrasse direkt am Rhein wird (…) verschönert – das bislang eher triste Kantinen-Ambiente soll eine neue Optik erhalten: „Grundidee des neuen Designkonzepts ist es, eine besondere Atmosphäre mit echtem Hafen-Flair am Rhein entstehen zu lassen.“ (…) Im Außenbereich sind außerdem zwei neue Anleger für Flusskreuzfahrtschiffe geplant, die ebenfalls im Jahr 2017 gebaut werden sollen.” (Echo)

7
Baggervorhaben
“Die wichtigste Wasserstraße in Deutschland ist der Rhein. „80 Prozent aller Güter in der deutschen Binnenschifffahrt werden über den Rhein transportiert“, sagt Jens Schwanen, Geschäftsführer des Verbands der Deutschen Binnenschiffer. „Die Transporteure sind dringend auf den Ausbau der Wasserstraße angewiesen“, fügt er hinzu. Bei Niedrigwasser komme es regelmäßig zu Beeinträchtigungen. Der Klimawandel werde das Problem extremer Pegelschwankungen perspektivisch verstärken. Abhilfe soll in NRW die geplante Vertiefung des Rheins zwischen Duisburg und Dormagen bringen. Das Vorhaben mit der Projektnummer W 27 ist seit 2016 im Bundesverkehrswegeplan als „vordringlich“ eingestuft. Bis 2030 soll der Rhein zwischen Stromkilometer 722,5 und 769 um zirka 30 Zentimeter ausgebaggert werden. Zwischen Duisburg uns Neuss ist eine Fahrrinnentiefe von 2,80 Meter geplant, zwischen Neuss und Dormagen-Stürzelberg ist eine Rinne von 2,70 Meter vorgesehen. Die Gesamtkosten werden mit 201 Millionen Euro veranschlagt.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

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Rheintote
“Zahlreiche Einsatzkräfte sind (…) Richtung Rheinufer nördlich von Sandhofen gefahren. Eine Spaziergängerin hatte dort im Bereich zwischen Kläranlage und Kirschgartshausen eine im Wasser treibende Person gesichtet und den Notruf gewählt. Daraufhin rückten der Wasserrettungszug der Berufsfeuerwehr ebenso wie deren Feuerlöschboot und die Wasserschutzpolizei aus, auch die DLRG Mannheim, Heddesheim, Ladenburg und Weinheim wurden alarmiert. Schon bald sichtete aber der Rettungshubschrauber “Christoph 53″, der ebenso in den Mannheimer Norden beordert worden war, die im Rhein treibende Person. Polizisten zogen sie dann aus dem Wasser. Der Notarzt konnte nur noch den Tod feststellen. Todesursache und Todeszeitpunkt sind aber noch nicht geklärt.” (Bergsträßer Anzeiger)

“In Höhe der Zoobrücke hat die Feuerwehr (…) eine Leiche aus dem Rhein geborgen. Spaziergänger hatten den leblosen Körper (…) im Fluss treiben sehen und die Rettungskräfte alarmiert. Laut Polizei handelt es sich bei dem Toten um einen Mann im Alter von etwa 30 Jahren oder jünger.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

“Die Suchaktion im Rhein bei Wörth ist zu Ende: Taucher fanden (…) die Leiche eines Mannes, die Polizei geht von Selbstmord aus. Zuvor lief eine großangelegte Suchaktion mit Hubschrauber und Feuerwehr. Die Wörther Polizei unterstützte das federführende Polizeipräsidium Karlsruhe bei der Suche. Auf der Rheinbrücke zwischen Wörth und Karlsruhe kam es wegen des Einsatzes zu Verkehrsbehinderungen.” (Rheinpfalz)

Em alde Dom zu Nüss

Mer lotte d’r Dom en Kölle,
denn do jehöt-e hin.
Mer mösse nit no Kölle,
öm ens ne Dom ze sen.

Wo kam-mer lecker suffe?
Em alde Dom zu Nüss.
Och he kam-mer bütze, knutsche, knuffe,
dröm sa’mer Köln at-tschüss.

He wöd wie’er lecker Alt jebraut
on Nüsser Platt jeschwad.
Sech nit met Kölsch d’r Doosch versaut,
he simmer selvs parad.

Mer sind doch alles Nüsser Jonge
un wolle stolz drup sin.
Mer hand em wie’er jefunge,
no’m Nüsser Dom, do jom-mer hin.

Un och die Nüsser Mädche,
die möje Nüsser Tön.
Se blieve jetz em Städche
un jont och wie’er als Möhn.

Mer lotte d’r Dom en Kölle,
denn do jehöt-e hin.
Doch wat solle mer in Kölle?
Dat mot jetz nimie sin.

(Heinz Gilges im Jahr 2008 zur Wiedereröffnung des Brauhauses Im Dom zu Neuss. Dieses und mindestens ein weiteres Mundartgedicht hängt nebst schriftlich niedergelegten Erlebnisberichten vom Tresen und Zeitungsartikeln mit lokalgeschichtlichen Meldungen gerahmt an den Wänden der Gaststätte. Eine dieser Meldungen spricht von einer neun Kilogramm schweren und über zwei Meter langen Zigarre, welche die Firma Dannemann den Neussern zum Schützenfest im Jahr 2000 leihweise überlassen habe, woraufhin zahlreiche Schaulustige das Exponat aufgesucht hätten und der Tabakkonsum in der Stadt vorübergehend spürbar angestiegen sei. Dem Gedicht zu entnehmen ist, daß die Neusser sich, ähnlich wie die Düsseldorfer, gern gegen Köln abgrenzen, indem sie ihr Altbier preisen, das dem Kölsch überlegen sei – was Blindverkostungen geflissentlich infrage stellen. Zudem bezieht die Neusser Dom-Hausbrauerei ihr Gerstenmalz, in dem das Geschmacksgeheimnis der derzeit einzigen Neusser Altbiersorte begründet liegt, aus Köln.)

Neusser Heimatlied

Als ich noch ein kleiner Junge war,
sagte Mutti einst zu mir:
schau dir uns’re schöne Stadt mal an
und dann merke dir,
schöner kann’s woanders auch nicht sein,
zieht es dich ins fremde Land,
einmal treibt das Heimweh dich doch heim
und du hast erkannt:

Refrain:
Dort, wo die Erft den Rhein begrüßt
einst meine Wiege stand.
Wo stolz Quirin den Himmel mißt,
da ist mein Heimatland.
Ich grüße dich Novesia
mit Herz und frohem Sinn
und singe dir ein Gloria,
weil ich ein Neusser bin
und singe dir ein Gloria,
weil ich ein Neusser bin.

Römer zogen einst durch unser Land,
bauten eine schöne Stadt,
die auch heute noch in junger Zeit
einen Namen hat.
Stolz und groß ist die Vergangenheit,
die aus deinen Mauern spricht,
Gott beschütze dich für alle Zeit,
Dich vergeß’ ich nicht.

Heimatstadt, Du mein Novesia,
Du liegst mir doch nur im Sinn.
Treu sein will ich Dir ein Leben lang,
wo ich immer bin.
Grüßt von weitem dann das Obertor
und ich seh’ mein Elternhaus,
sing vor Freude ich ein Lied Dir vor
in die Welt hinaus.

Text und Musik: Hubert Derrez (1922-1996)

Presserückschau (November 2015)

1
“Rhein – wo bist Du? Ein Vergleich der Wasserstände am Kölner Pegel zeigt, dass der Fluss in den vergangenen Jahren kontinuierlich schmaler geworden ist. Das Wasser- und Schifffahrtsamt Duisburg hat für den Zeitraum von 1981 bis 1990 für Köln einen Durchschnittspegel von 3,55 Metern errechnet. Im Messungszeitraum von 2001 bis 2010 fiel der Wert im Schnitt auf 3,21 Meter. Differenz: 34 Zentimeter. Also schrumpft der Wasserstand des Rheins um etwa einen Zentimeter pro Jahr.” (Express)

2
Noch fließt der Rhein, doch kommen bei anhaltendem Niedrigwasser zunehmend gefährliche (Minen und Granaten aus dem Zweiten Weltkrieg) und seltene Fundstücke aus der Versenkung zum Vorschein: “Düsseldorfer Feuerwehrleute haben (…) einen Tresor aus dem Rhein geborgen. Gefunden wurde der schwere Behälter im Bereich des Fähranlegers im Stadtteil Urdenbach. (…) Der Eigentümer soll nun ermittelt werden. Wie die Düsseldorfer Polizei (…) bestätigte, wurden in dem Tresor vornehmlich Papiere gefunden. Wertgegenstände seien an der Fundstelle zunächst nicht entdeckt worden. Ob der Tresor im geöffneten Zustand im Rhein versenkt wurde, blieb noch unklar.” (Rheinische Post)

3
Die Niedrigwasserfunde setzen sich fort. Bei Rüdesheim barg das Wasserschifffahrtsamt einen vor vier Jahren in Baden-Baden gestohlenen Peugeot. Ein Fundstück bei Neuss erinnert an eine alte Geschichte: “Vor 17 Jahren spielte sich unterhalb der Fleher Brücke auf Neusser Seite ein echtes Drama ab. Ein Mann war in den Rhein gesprungen, eine Mannschaft der DLRG mit dem Rettungsboot ausgerückt. Doch plötzlich brauchten die Retter selbst Hilfe: Ihr Boot sank, die DLRG-Männer kamen zum Glück alle mit dem Leben davon. Ihr Boot tauchte jedoch nie wieder auf.(…) Eine Erklärung dafür gab es nie. Jetzt ist das Rätsel gelöst: Das historische Niedrigwasser des Rheins hat das Wrack wieder freigegeben. Unweit der Zufahrt zum Neusser Sporthafen in Grimlinghausen wurde das zerfledderte Boot – ein sogenannter „Rheinadler“ – (…) gefunden. (…) Viel anfangen kann man bei der DLRG mit dem Schrott nicht. Aber zumindest ist nun ein ungeklärtes Kapitel der Rettungsgeschichte abgeschlossen.” (Express)

4
In den rheinnahen Städten des Ruhrgebiets stellt sich den Einwohnern die Identitätsfrage: Ruhrpottler oder Niederrheiner? So liegt Duisburg sowohl beidseits des Rheins, als auch der Ruhr. Welchem Fluß, somit welcher Mentalität fühlen sich die Duisburger zugehörig? Die WAZ antwortet: “Mehr als ein Viertel der von der Uni Duisburg-Essen Befragten, nämlich 27 Prozent, sehen sich als beides. Die Ruhrpottler machen eindeutig den größten Anteil aus: 39 Prozent fühlen sich eher dem Ruhrgebiet verbunden. Deutlich weniger, nämlich 23 Prozent, rechnen Duisburg eher dem Niederrhein zu. Elf Prozent der Befragten hatten dazu keine Meinung.”

5
“Ein Spaziergang am Rhein ist genauso ungesund wie einer in unmittelbarer Nähe der Autobahn. Dieselmotoren verursachen in Binnenschiffen die gleichen gesundheitsschädlichen Luftschadstoffe wie im Straßenverkehr. Betrachtet man den Fluss nach den freigegebenen Schadstoffmengen, so sei er mit einer Autobahn durchaus vergleichbar: „Die Luft am Rheinufer ist in etwa so verunreinigt wie an der stärkstbefahrensten Stelle der A 3“, stellt Andreas Brandt vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz klar. Schiffe könnten jedoch mit modernen Abgasreinigungsanlagen für einen erheblich geringeren Schadstoffausstoß sorgen. Pflicht ist eine entsprechende Umrüstung allerdings noch nicht.” (WAZ)

6
“Mit Schmackes” habe ein Autofahrer die Schranke durchbrochen und sei im Rhein gelandet, zitiert die WAZ den Fährkapitän und schreibt von “einem verhängnisvollen Fahrfehler”: “Beim Auffahren auf die Rheinfähre, die zwischen Orsoy und Walsum pendelt, ist ein Autofahrer (…) durch die geschlossene Schranke am Bug der Fähre gefahren und in den Rhein geplumpst. Nur dem beherzten Eingreifen des Kapitäns, seines Schiffsführers und eines Kunden der Fähre verdankt der ältere, gehbehinderte Autofahrer, dass er unverletzt aus dem Wagen entkommen konnte.”

Presserückschau (Oktober 2015)

Mutmaßliche Verseuchungen des Rheins mit Industriestoffen und umgehende Dementi der angeblichen Verursacher dominierten die Rhein-Schlagzeilen des ersten Monatsdrittels: berichtet wurde u.a. von Einleitungen der Chemikalien Pyrazol bei Dormagen und PFT (Perfluorierte Tenside) bei Düsseldorf, desweiteren von einer großflächigen Ölverschmutzung bei Basel. Weitere Einzelheiten unterschlagen wir an dieser Stelle und gehen über zu den bemerkenswertesten Meldungen des Oktobers:

1
Die Bedeutung des Rheins für Köln beleuchtet der Kölner Stadt-Anzeiger. 600 Schiffe, bis zu 135 Meter lang und 17 Meter breit, passieren täglich die deutsch-niederländische Grenze und etablieren den Fluß als eminente Handelsroute: “Die Bedeutung des Rheins und der Binnenschifffahrt dürfte sogar weiter wachsen. Denn die „Zara“-Häfen (Zeebrügge, Antwerpen, Rotterdam, Amsterdam) werden derzeit kräftig ausgebaut. Was in den belgischen und niederländischen Seehäfen ankommt, wird dort umgeschlagen und oft auf Rheinschiffen nach Deutschland transportiert – und umgekehrt. Der Warenverkehr zwischen Holland und Deutschland gehört mit einem Umfang von jährlich 160 Milliarden Euro zu den größten Handelsvolumina in der Welt.” Die NRW-Binnenhäfen erreichen dabei gemeinsam nahezu das Umschlagsvolumen des Hamburger Seehafens. Als Transportweg nehmen die Wasserstraßen in Deutschland bisher hinter Straße und Schiene den dritten Rang ein: “Trotz einiger aufsehenerregender Havarien gehört das Binnenschiff zu den sichersten Transportmitteln. Fast ein Viertel der darauf im ersten Halbjahr 2015 beförderten Güter fiel deshalb in den Bereich Gefahrgut wie Benzin, Heizöl, Methanol, Säuren, Ammoniak. Am häufigsten verschifft werden auf dem Rhein aber Erze, Steine und Erden. Es folgen Kokerei- und Mineralölerzeugnisse sowie Kohle, Rohöl, Gas und chemische Produkte. Ford lässt per Schiff Neuwagen ins Ausland verfrachten.”

2
“Weil er Phosphor mit Bernstein verwechselt hat, erlitt ein Mann in Neuss schwere Verbrennungen. (…) Am Rhein fand er einen tischtennisball-großen, feuchten Gegenstand. Diesen hielt er nach eigener Aussage für Bernstein. Der Mann nahm den vermeintlichen Bernstein laut Feuerwehr Neuss in seiner Hosentasche mit. Als er im Auto bereits auf dem Weg nach Hause war, entzündete sich die Kugel. Der Rentner erlitt schwere Verbrennungen am Oberschenkel sowie an Hand und Arm. Mit einem Rettungshubschrauber wurde er in eine Spezialklinik für Verbrennungen nach Köln-Merheim geflogen.” In Neuss handelte es sich um den ersten bekannt gewordenen Phosphorfund. Insgesamt sei der hochgiftige und entzündliche Weiße Phosphor, der von Bernstein optisch nicht zu unterscheiden sei, am Rhein extrem selten. Bisher gefundenes Material stamme aus durchgerosteten Fliegerbomben. Weitaus häufiger tauchten komplette Kampfmittel in Flußnähe auf, berichtet die WAZ.

3
Ein ungewöhnlicher Todesfall beschäftigt die Kölner Polizei zur Monatsmitte. Auf der Zoobrücke hatte sich ein Auffahrunfall mit Blechschaden ereignet: “Als Polizisten hinzukamen, sicherten sie die Unfallstelle ab und sprachen mit dem Seat-Fahrer. Der 39-Jährige sei langsam zum Brückengeländer gegangen, plötzlich über die Brüstung gestiegen und hinunter gesprungen. Er war sofort tot. Es gebe nicht den geringsten Hinweis darauf, dass der Mann sich womöglich einer Polizeikontrolle entziehen wollte, berichtete ein Ermittler. Im Polizeicomputer habe der Kölner keinen einzigen Eintrag gehabt.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

4
Eine mysteriöse Autofahrt in den Rhein bei Urmitz vermeldet das Netzportal Arcor: “Zeugen hatten (…) beobachtet, wie nahe der ehemaligen Nato-Rampe auf Höhe des Atomkraftwerks ein Wagen in den Rhein fuhr, abgetrieben wurde und unterging.” Das von Rettungskräften geborgene Vehikel wies keinen Insassen auf.

5
Rheinapplizierte Mietvehikel meldet die Kölner Lokalpresse (Express, Xtra): “Fahrradfahren macht fit, man ist an der frischen Luft – und landet manchmal im Rhein! Das versicherte uns zumindest die KVB-App (…): Einige Meter nördlich von der Mülheimer Brücke stand laut KVB-App ein Leihrad im Rhein. Seit Mai bietet die KVB einen Leihrad-Service für die Stadt an. Einloggen, losradeln und einfach am Ende seiner Tour irgendwo in Köln abstellen. Per GPS lassen sich die Räder orten, auf einer interaktiven Karte kann man nach Rädern in seiner Umgebung suchen.” Für die “im Rhein” abgestellten Mieträder ist die fehlerhafte GPS-Ortung des KVB-Systems verantwortlich, welche Standorte ungenau, im berichteten Fall um 150 Meter verschoben, angibt. Die KVB sind in Köln allerdings nicht die einzigen Anbieter mit feherhafter Ortung. Auch Mietautos der Firma DriveNow wurden potentiellen Abholern auf Smartfone-Apps schon als “im Rhein parkend” angegeben.

Bürger-Schützenfest Neuss

neuss_costaNeuss, Schütze aufgesessen. (Foto: Costa “Quanta” Costa)

“Das Neusser Bürger-Schützenfest ist das Schützenfest der Stadt Neuss am Rhein. Es wird jährlich am letzten Augustwochenende ausgerichtet. Mit mehr als 7.000 marschierenden Schützen und Musikern (ca. 1600 Musiker) ist es zwar kleiner als das Schützenfest Hannover, gilt aber als das weltweit größte Schützenfest, das von einem einzigen Schützenverein organisiert wird und bei dem keine Gastzüge aus anderen Städten teilnehmen. Im Jahr 2012 wurde die Rekordzahl von über 7200 Marschierern erreicht. Das Schützenfest ist mit seiner Königsparade, den Festzügen, dem Königsschießen sowie etlichen Begleitveranstaltungen ein gesellschaftlicher Höhepunkt in Neuss sowie der näheren und weiteren Umgebung und zieht bis zu einer Million Besucher an.” (Wikipedia)

Presserückschau (Februar 2014)

Ein Monat geheimnisvoller Vorfälle am Rhein war der ausgehende Februar. Die interessantesten Meldungen auf einen Blick:

1
Von einer mysteriösen, 500 oder 591 oder über 600 Meter langen (die Angaben in den Artikeln variieren), zunehmend kräftigeren und gegen Ende taumelnden Blutspur in Leverkusen-Rheindorf berichten Express und der Kölner Stadt-Anzeiger: “Die Spur beginnt an der Peenestraße in Rheindorf-Nord und zieht sich über einen Wirtschaftsweg an der Autobahnbrücke zu A 59 bis an einem Hitdorfer See. Dort endet sie. Die Polizei suchte die Gegend zunächst mit einem Hubschrauber ab. Auch ein Fährtenhund wurde eingesetzt. Der Spürhund, ein amerikanischer Bloodhound, ist speziell auf diese Fälle ausgebildet.” Eine Tauchersuche blieb ergebnislos. Unterdessen hatte ein anonymer Anrufer beim Notruf behauptet, die Spur stamme von ihm, nachdem er “sich geschnitten” hätte. Für die Polizei bleibt der Fall weiterhin ungeklärt.

2
FAZ-Reporter Dieter Bartetzko wurde von einem Rentner in Bingerbrück zu einem alten Gewölberaum geführt, in dem ein versteckter Kunstschatz lag. In “zweiundzwanzig faulenden Bananenkartons” lagerten Kannen, Krüge und Schalen, die der Reporter dank seines Kunstgeschichtsstudiums als spätmittelalterlich einstufte. Da viele der Gefäße mit Inventarnummern gezeichnet sind, dürfte es sich bei dem Schatz, so Bartetzko, um Diebesgut, womöglich aus dem Landesmuseum Mainz, handeln. Neben mittelalterlichen Gefäßen umfaßt der Fund auch Fliesen, die nach Bartetzkos Einschätzung aus der Renaissance oder dem Frühbarock stammen könnten. In einem Karton stieß der Reporter auf zwei Totenschädel und Knochen, die nun von der Polizei untersucht werden müssen. Für den Nibelungenhort dürfte der Schatz deutlich zu jung sein. Im Mainzer Landesmuseum werden indessen keine Stücke der gefundenen Art vermißt.

3
“Rocker-Arm im Rhein gefunden” titelt die BILD und zeichnet eine Landschaft mit Körperteil: “Das Rheinufer im Duisburger Stadtteil Mündelheim, Schafe grasen, ein Spaziergänger geht mit seinem Hund Gassi. An diesem idyllischen Ort machte ein Angler eine grausige Entdeckung: Am Ufer wurde ein abgetrennter Arm angespült. Als Gerichtsmediziner das Körperteil untersuchen, wird schnell klar: Es handelt sich um ein grausames Verbrechen. Denn der Arm wurde nicht durch eine Schiffsschraube abgetrennt, sondern mit einem scharfen Messer.” Polizei und Staatsanwalt hielten sich mit der Preisgabe von Informationen bedeckt, schreibt die BILD, weiß jedoch, daß der Arm posthum abgetrennt wurde und welcher Gemeinschaft er angehörte: “(…) Auf dem Unterarm prangt die Tätowierung „AFFA“ (Angel forever, forever Angel). Im Klartext: Der Arm gehörte einem Hells Angel.”

4
Drei Personen verschwanden Mitte des Monats im Rhein bei Köln, zwei tauchten wieder auf. Der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet, “eine 30-Jährige Frau (sei) mit einem neun Monate alten Jungen unter der Mülheimer Brücke in den Rhein gestiegen. Eine Passantin bemerkte dies und konnte das Kind noch aus dem Wasser ziehen. Sie zog es aus und wärmte es unter ihrem Mantel. Die Mutter des Jungen konnte vom Boot einer Segelschule gerettet werden. (…) Kurz vorher war von der Deutzer Brücke ein dunkel gekleideter Mann mit kurzen roten Haaren in den Rhein gesprungen. Er konnte in den Fluten nicht gefunden werden.” Eine spätere Version des Artikels bezeichnete den “dunkel gekleideten Mann” als “47-jährige Frau”.

5
In Köln und Leverkusen werden rund 300 Löcher ins Erdreich gebohrt, um die Bodentragfähigkeit für eine neue Autobahn-Rheinbrücke zu eruieren: “Mit einem gut 40 Meter langen Bohrer durchlöchern die Straßenbauer ab sofort den Boden in Ufernähe, um dessen Beschaffenheit zu prüfen. Auf diese Weise soll der spätere Verlauf der Trasse bestimmt werden. In den kommenden sechs Monaten werden (…) Bohrungen zwischen Köln-Niehl und Leverkusen-West durchgeführt (…). Um Fahrer nicht abzulenken, ist das Bohrfeld von einem Sichtschutz verdeckt.” (Kölnische Rundschau)

Den Überlebenden der Maggikalypse

oder auch des Armaggiddon, wie Michael Schönen in einem berühmten sozialen Medium schrieb, ist die maggikalyptische Geschichte des gestrigen Tages von den herkömmlichen Medien inzwischen ausführlich und zureichend erklärt worden: gegen 14 Uhr war am Dienstag von Seiten der Kölner Feuerwehr Entwarnung gekommen. Beim Aromenhersteller Silesia in Neuss-Allerheiligen seien bei einem Destillierprozeß in der Nacht zuvor vier Kilogramm Sotolon, ein künstlicher Aromastoff, entwichen und mit dem Nordwind Richtung Köln gezogen. Als im Laufe des Vormittags der Wind drehte, wanderte der Geschmacksstoff ein wenig links und rechts des Rheins entlang und schließlich an seinen Herkunftsort zurück. Sotolon riecht in hoher Konzentration nach Liebstöckel, dem sogenannten Maggikraut. Gesundheitsschädlich sei Sotolon nicht, verlautbarten Experten. Mit dieser Feststellung dürften auch die Spötter über die Besorgten gesiegt haben. Denn während eine Hälfte Kölns die Leitungen von Feuerwehr und Katastrofenschutz heiß laufen ließ, ergingen sich abgebrühtere Bürger in Kreativität. Ob sie sich dabei von den Protesten am Istanbuler Taksim-Platz inspirieren ließen, blieb zunächst ungewiß. In Istanbul, das u.a. mit dem Slogan „Taksim ist überall!“ in den vergangenen Tagen weltweit zum Synonym für einen kreativen Aufstand mit Galgenhumor geworden ist, kursieren zahlreiche Sprüche und Lieder zum maßlosen Tränengaseinsatz der Exekutive, der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan hat von seinen geliebten çapulcu-Bürgern den neuen Kosenamen „Gasvater“ erhalten. In Köln bewiesen die Medien wie sich eine funktionierende Demokratie nicht zuletzt auch in der Berichterstattung bewährt. Wo die türkischen Mainstream-Medien sich bis auf die Knochen blamierten, schaltete der Stadt-Anzeiger umgehend einen Katastrofen-Liveticker, der zum WDR gehörige Radiosender 1 Live beließ es nicht bei der Berichterstattung, sondern übernahm sogar die Rolle des Sponti-Protestlers und entwarf im Eilverfahren ein höchst anschauliches Domposter mit zwei Maggiflaschentürmen:
maggikalypse

Und ein via Twitter kursierender T-Shirt-Entwurf für den noch zu überlebenden Tag kündete bereits mitten im Maggidunst profetisch-optimistisch vom Verwinden des Weltuntergangs:
maggikalypse überlebt

Das Rheinland riecht nach Maggi

Maggikalypse now: zahlreiche Online-Medien berichten heute von einem „würzigen, ätzenden Geruch“, der, seit den frühen Morgenstunden von Köln ausgehend, sich via Leverkusen, Dormagen und Neuss über das Rheinland breite und mittlerweile (Stand: High Noon) in den südlichen Düsseldorfer Stadtteilen angekommen sei. Herkunft und Bestandteile des Geruches seien unklar, die Feuerwehr ermittle fieberhaft, aber bisher ergebnislos mit Massenspektrometer und Luftgas-Chromatografen. Die in der Gegend ansässigen Farmaunternehmen „wüßten von nichts“. Zuerst am Niehler Ei, dann in ganz Köln sei das Fänomen aufgetreten, das nach Maggi oder Majoran rieche. Im Laufe des Vormittags konnte rheinsein einen leichten Maggi-Geruch auf unserem Kölner Balkon bestätigen. Ein Mitarbeiter des benachbarten Nippeser Bürgeramtes habe Übelkeit beklagt und sich ins Krankenhaus bringen lassen. Inzwischen wirkt zumindest die Balkonluft wieder rein bis geschwängert von schweren Hollerblütenschwaden aus dem Hinterhof. Richtung und Tempo des bizarren Maggi-Wandergestanks nach zu schließen, scheint er sich an die Vorgaben des Rheins zu halten. Ob er bis in die Niederlande vorzudringen gedenkt, ist bis dato noch ebenso unklar wie ob er Köln, seine offenkundige Homebase, bereits vollständig verlassen hat.

Rheinische Revolution: die RBTA

Die Revolution findet im Internet statt. Nicht nur, aber auch. Der lange so genannte “virtuelle Raum” hat die Realität längst absorbiert. Innerhalb der Virtualität des Netzes bilden sich indessen reale und virtuelle Subkategorien und verbinden sich wiederum mit prä-, semi- und vollelektronischen Lebensformen der Erstwelt. Enno Stahl führt nun die seit Jahren vermutete rheinische Revolution auf allen Ebenen fort: rundumdieuhr via Hector Pandotero auf seinem neuen Blog und, wie es sich für eine zünftige Revolution hierzulande gehört, auch pünktlich und höchstselbst zu festgesetzten Uhrzeiten (inklusive Sommerpause) im Zentrum der Bewegung in Neuss:

2pac-amaru-hector

“auf diesem blog wird commandante hector pandotero, anführer der “rheinischen bewegung 2pac amaru” (rbta), regelmäßig über bevorstehende aktionen berichten. wir fordern die deutsche bevölkerung auf, sich aktiv an diesem blog zu beteiligen. wir werden jeden kontakt ernstnehmen und fragen zu unserem vorgehen offen beantworten. wer wir sind und wie unsere aktionen verlaufen erleben sie am sa.6.7.(premiere) / fr.12.7. / sa.13.7. / fr.6.9. / sa.7.9. / fr.13.9. / sa.14.9., jeweils um 20 uhr im kulturforum “alte post”, neuss.”

Wolken bauen

(bâtir des nuages – building clouds) lautet der Titel der kommenden Samstag eröffnenden neuen Ausstellung von Roland Bergère in Neuss. Monsieur Bergère ist nicht nur von Beginn an als rheinsein-Chefkorrespondent für frankorheinische Angelegenheiten unermüdlich tätig, sondern mindestens ebenso und noch sehr viel länger als in Köln und weit darüberhinaus wohlbekannter Künstler. Mit Wolken bauen bezieht Bergère sich auf ein Zitat Ludwig Wittgensteins: „Wolken kann man nicht bauen. Und darum wird die erträumte Zukunft nie wahr.“ Eine Aussage, die tatkräftigen Widerspruch geradezu herausfordert.

Nebst dem Wolkenbau widmet sich die Ausstellung u.a. den universellen Prinzipien der Expansion und des Auseinanderdriftens. Bergères Ausstellungen sind von langer Hand vorbereitet. In den Planungen für die aktuelle Präsentation spielte auch der Rhein eine maßgebliche Rolle. So werden Bilder von Anschwemmseln aus der Serie “Strandgüter des Hubble-Flusses” zu sehen sein, die Bergère während eines Jahres bei seinen Uferspaziergängen fotografierte, auf handgeschöpftes Papier bannte und wiederum vom Rhein beschwemmen ließ.

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Zwei Einsichten in den Rheingüter-Produktionsprozeß Höhe Rodenkirchen.

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Die Ausstellung findet vom 26. Januar bis zum 6. April 2013 im ebenfalls rheinverbundenen amschatzhaus, Hauptstr. 18, Neuss-Holzheim statt.
Vernissage ist am 26. Januar um 16.30 Uhr.

Linke Schuhe

Heute rheinsein-Jahreskonferenz mit unserem Chefkorrespondenten für alles Frankorheinische, Roland Bergère. Spazierten bei wechselndem Wetter mehrere Stunden am linken Kölner Rheinufer. Gab viel zu besprechen. Trafen unterwegs immer wieder auf angeschwemmte, ausschließlich linke Schuhe. Bergère fotografierte sie und meinte geheimnisvoll, daß diese Aktivität mit einem Projekt zur Ausdehnung des Universums zu schaffen habe. Die Ausstellung dazu fände in wenigen Monaten in Neuss statt. Plötzlich der Gedanke, daß die zugehörigen rechten Schuhe auf der anderen Rheinseite zu finden sein müßten. Dort aber nur Prallhang. Speisten hernach ausgiebig Muscheln.