Rheinische Seher und Propheten

Eine bisher zwar auch unerklärte, aber jetzt doch schon von vielen zugegebene Erscheinung ist das sogen. „Zweite Gesicht“, d. h. das Vermögen, wirkliche Begebenheiten der Gegenwart oder Zukunft fernschauend wie mit leiblichem Auge zu erkennen. Die „Vorgesichte“ – in Westfalen und am Niederrhein „Vorgeschichten“ genannt – sind, abweichend z. B. vom somnambulen Hellsehen, stets mit Rückerinnerung verbunden und nehmen nie eine religiöse oder übersinnliche Richtung, sondern halten sich ganz in der Sphäre des gewöhnlichen bürgerlichen Lebens, meist Todesfälle und Leichenbegängnisse, aber auch Brände, Hochzeiten, Geburten, Freundschaften, das Ankommen von (dem Seher oft ganz unbekannten) Fremden und dgl. betreffend. Die Gabe findet sich weit mehr bei Männern als bei Frauen, ist aber an kein besonderes Alter und keine bestimmte Zeit gebunden. Im Augenblick des Schauens ist der Seher ganz von seinem Bilde eingenommen, sieht und denkt nichts anderes und nimmt keine Notiz von seiner Umgebung: die Augenlider oft krankhaft einwärts gekehrt, sieht er starr vor sich hin. „Es giebt wenig Städte am Rhein,“ – wird 1822 berichtet – „wo nicht solche Geschichtler anzutreffen wären, und daß man bisher so wenig davon geredet hat, liegt in der nicht bloß am Rhein bekannten Erfahrung, daß die Aufklärung der Schriftgelehrten bereits so weit fortgeschritten ist, daß man in ihrer Gegenwart schon kein Faktum mehr erwähnt, was nicht durch sie anerkannt worden“. (…)

Schon im Jahre 1668 trieb in Andernach zur Zeit einer pestartigen Krankheit der Geisterseher Cornelius Schnegell sein Unwesen, indem er gegen das Verbot des Magistrats angebliche Geistererscheinungen in Umlauf setzte und dadurch Trauer und Schrecken über manche Familie brachte. Von erster Kindheit an – erzählte er – habe ich Geister geschaut, und in der letzten Matthiasnacht sind mir plötzlich die Augen derart erleuchtet, daß ich des Nachts ebenso klar sehe, wie bei Tage. Namentlich in den Prozessionen, die zur Abwendung der Pest gehalten werden, sehe ich im voraus das Schicksal meiner Mitbürger: die ich fallen und nicht wieder aufstehen sehe, müssen sterben; solche, welche nach dem Falle sich wieder erheben, werden zwar krank, sterben aber nicht; endlich diejenigen, welche bloß straucheln, werden nur von einem leichten Anfall getroffen. Ich sehe die Geister in weißen und schwarzen Kleidern und halte dafür, daß jene selig, diese verdammt werden. Wenn sie erscheinen, verbleibe ich bisweilen im Bette, häufig aber muß ich aufstehen und sie bis zur Thür begleiten. Diese Erklärung setzte den Rat, der selbst überall Spuk und Zauberei witterte, in nicht geringe Verlegenheit, obschon bekannt war, daß der Geisterseher mitunter freilich in seinen Vorhersagungen die Wahrheit getroffen, öfter aber „schändlich sich vertretten und seiner Zungen Zoll verfahren“ hatte. Man wandte sich deshalb um Auskunft an die gelehrten Franziskaner in Köln und legte ihnen die Frage vor, ob dergleichen Erscheinungen begründet und glaubwürdig seien oder nicht. Daß es kein bloßes Spiegelgefecht und keine Narrheit ist, fügt der Rat seiner Anfrage bei, kann man daraus abnehmen, daß oft in Kirchen, adligen und anderen Häusern Gespenster gehört oder gesehen werden und bald darauf Leichen folgen. Diese Erscheinungen haben auch solche, denen man nichts Böses nachsagen kann, ja die Heiligen haben solche absonderlich oft gehabt. Es ist ferner bekannt, daß in einigen Klöstern Patres eine Zeitlang vor ihrem Tode im Chor ohne Haupt erschienen sind. Dazu ist zu beachten, daß gemeldeter Cornelius von den Geistern genötigt wird, die Visionen bekannt zu machen und daß die Offenbarungen vielen zum besten gereichen, da diejenigen, welche noch nicht sterben werden, unnötige Arzneien sparen, solche dagegen, die bald sterben müssen, desto besser auf den Tod sich vorbereiten können. (…)

In der Vaterstadt eines Rheinländers lebte zu Anfang dieses Jahrhunderts ein unbemittelter Tagelöhner, den man, weil er für die Metzger die gekauften Kälber herbeiholte, „Kälber-Gerhard“, seiner Gesichte halber aber meist „Geisterseher“ nannte. Gewöhnlich um Mitternacht, doch zuweilen auch bei Tage, erblickte er die Gestalt derjenigen Person, die binnen weniger Tage sterben sollte, an derjenigen Stelle, wo sie den Geist aufgab, bald in ihren gewöhnlichen Kleidern, bald im Leichengewand, bald sitzend, bald liegend, und es trieb ihn dann mit Gewalt in die Wohnung, wo die betreffende Person wohnte, oder auf die Straße, wo der Leichenzug vorüberkam und er alle Leidtragenden genau erkannte. Nur einigemal hat er infolge übergroßer Müdigkeit dem Triebe, dem Gesicht zu folgen, gewaltsam widerstanden und sein Bett nicht verlassen; da aber – so erzählte er – sei ihm zur Strafe seines Ungehorsams der „Geist“ reitend auf die Schultern gesprungen und habe ihn durch Straßen und Felder so peinigend umhergetrieben, daß er in kaltem Schweiße gebadet und vor Erschöpfung krank nach Hause gekommen sei. Anfangs machte er aus der leidigen Gabe, die er dem Umstande zuschrieb, daß er in der St. Andreas-Nacht genau um 12 Uhr geboren sei, kein Hehl und offenbarte arglos, wen er des Nachts gesehen; da aber die von ihm genannten Personen stets bald darauf verstarben, bemächtigte sich der Einwohner eine solche Angst, daß sie ihm möglichst aus dem Wege gingen und er ihre Häuser schließlich selbst am hellen Tage und in Geschäften nicht ohne Furcht vor Prügeln betreten durfte. (…)

Auch für das sogenannte Sichselbstsehen sind Fälle genug vorhanden. Noch aus der Mitte dieses Jahrhunderts wird in Führt bei Neuß erzählt, daß der Küster abends in die Kirche gegangen, um dort die ewige Lampe zu schüren. Während er den Sohn erwartete, welcher ihm das notwendige Oel bringen sollte, hatte der Ermüdete sich in einen Beichtstuhl gesetzt und war darin unversehens eingenickt. Plötzlich wurde er durch den Ausruf: „Hier hast du deinen Rock!“ geweckt und sah eine dunkle Gestalt, die einen Sarg vor ihm hinstellte, dann aber mit dem Sarge eben so rasch wieder verschwand. Erschüttert kehrte der Küster heim und lag wirklich wenige Tage später als Leiche im Sarge. (…)

Schneider und Näherin hören die Schere schnippeln, wenn sie bald ein Totenhemd fertigen sollen; doch kannte Florentin v. Zuccalmaglio (1803 bis 1869) in seiner Jugend auch eine Näherin, die ihm oft blaue Male an ihren Armen zeigte, die sie Geesterpetsche (Geisterkniffe) nannte und für Anzeichen hielt, durch die sich die Verstorbenen bei ihr anmeldeten. (…)

Der Stadt Koblenz droht eine alte prophetische Sage: „Wehe! Wehe! Wo Rhein und Mosel zusammenfließen, wird gegen Türken und Baschkiren eine Schlacht geschlagen werden, so blutig, daß der Rhein 25 Stunden Wegs rot gefärbt sein wird“; auch Johann Peter Knopp meint: „Es wird hart hergehen, besonders bei Koblenz.“

Das Schlimmste jedoch soll Köln bevorstehen, das außer Knopp auch Rembold, Jasper und ein anderer westfälischer Spökenkieker als Schauplatz einer großen Schlacht bezeichnet haben. Der Magister Heinrich v. Judden, Pastor an Klein St. Martin zu Köln, fand um 1460 in einem alten Buche des dortigen Karmeliterklosters folgende Prophezeiung: „O glückliches Köln, wenn du wirst gut gepflastert sein, wirst du untergehen in deinem eigenen Blute. O Köln, du wirst untergehen wie Sodom und Gomorrha; deine Straßen werden von Blute fließen und deine Reliquien dir genommen werden. Wehe dir, reiches Köln, weil deine Einwanderer an deinen Brüsten saugen und an denen deiner Armen, die gemartert und gequält werden für dich.“ (…)

Gerade in bedrängten Zeiten tauchen prophetische Stimmen am ehesten auf, und so erschienen Anfang April 1761 plötzlich auch in Köln zwei alte Männer von ehrwürdigem Aussehen, die auf eine sonderbare Art gekleidet und barfuß waren und nur Wasser und Brot genossen. Sie verkündeten auf öffentlichen Gassen den Zorn Gottes über die Menschen und weissagten, daß im Jahre 1765 sich in allen vier Weltteilen ein allgemeiner Krieg entzünden, 1766 Konstantinopel zerstört werden, 1767 England im Wasser untergehen, 1768 die ganze Welt den wahren Gott erkennen und 1769 ein großer Mann ein wichtiges Zeugnis davon ablegen, 1770 ein allgemeines Erdbeben stattfinden, 1771 Sonne und Mond samt den Sternen vom Himmel fallen, 1772 die Welt in Flammen untergehen und endlich 1773 das allgemeine Weltgericht einbrechen werde. Man verbot ihnen sogleich, ihre Mission fortzusetzen; sie aber widersetzten sich diesem Befehle und gaben sich für Propheten aus, die der Himmel abgesendet, die Menschen zu schleuniger Buße zu ermahnen. Dieserhalb gefänglich eingezogen, wurden sie von den Jesuiten einem Verhör unterworfen; sie antworteten in lateinischer, griechischer, hebräischer, chaldäischer und anderer Sprache und gaben vor, 700 Jahre alt und aus der Gegend von Damaskus gebürtig zu sein. Mit Erlaubnis der Obrigkeit von den Jesuiten gefesselt nach Rom geschickt, wollten sie dort die Richtigkeit ihrer Mission erweisen.

(Rheinische Seher und Propheten. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte von Dr. Paul Bahlmann, Münster 1901)

Presserückschau (Januar 2018)

1
Mikroplastik
“Der Rhein transportiert jede Menge Mikroplastik. Von der Quelle in den Graubündener Alpen abwärts fließen jedes Jahr allein im Oberflächenwasser acht bis zehn Tonnen Kleinstkunststoffteile in die Nordsee. “Dies ist nur die Spitze des Eisberges”, erklärt Prof. Andreas Fath (…). “Die tatsächliche Belastung des Rheins mit Mikroplastik dürfte noch um ein Vielfaches höher sein.” Denn der überwiegende Teil sinkt in die unteren Schichten des Flusswassers oder ins Sediment ab. Die Meere werden also reichlich mit Kunststoff versorgt: Im Jahr 2050 soll nach einer Studie der Ellen Mac Arthur Stiftung gewichtsmäßig mehr Plastik als Fische in unseren Ozeanen schwimmen.” (WDR)

2
Wildschwein
“Das war schon eine fast filmreife Verfolgungsjagd, die sich ein Wildschwein (…) mit der Polizei im Bonner Stadtgebiet lieferte. (…) Das einzelne Wildschwein war erstmals (…) von Anwohnern in der Königsheimstraße in Beuel gesichtet und der Polizei gemeldet worden. Anschließend lief der Schwarzkittel in Richtung Drachenfelsweg, wo es (…) mit einem 61 Jahre alten Fahrradfahrer zusammenstieß. Der Mann war gerade mit dem Rad an seinem Grundstück angekommen, als das Schwein ihn über den Haufen rannte. (…) Danach ging die Jagd durch Beuel weiter über die Dietrich-Bonhoeffer-Straße in Richtung Rhein. Dort sprang das Tier dann vor seinen Häschern in den Fluss, wo es (…) leicht mit dem Schiff „Hansestadt Hamburg“ kollidierte. Dabei wurde das Schwarzwild aber offensichtlich nicht schwerer verletzt, denn danach trieb es am Römerbad vorbei, um im Bereich der Nordbrücke wieder an Land zu gehen.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

3
Hasen und Kaninchen
“Wenn der Rhein Hochwasser hat, verwandeln sich die Wiesen an der Rheinbiegung im Schatten der Leverkusener Brücke in kleine Inseln. Förster (…) fahren dann mit dem Boot von Insel zu Insel. Ihre Mission: Die Inselbewohner, Hasen und Kaninchen, vor dem Ertrinken zu retten. „Hasen können ungefähr 100 Meter weit schwimmen, Kaninchen halten etwa 20 Meter durch“, erklärt Förster Scheer. „Wenn die Fluten des Hochwassers kommen, haben die Tiere kaum eine Chance.“ Das Rettungsteam ist ausgerüstet mit Keschern und Kisten in denen sie die Hasen und Kaninchen unterbringen. „Wenn wir die Tiere eingefangen haben, bringen wir sie danach an einen sicheren Fleck“, sagt Scheer.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

4
Wo Möwen in Krefeld kostenlos Karussell fahren können
“Zu den Top 10 der häufigsten Wo-Fragen auf Google in Deutschland zählte 2017: “Wo können Möwen in Krefeld kostenlos Karussell fahren?” (…) Die Lösung nehmen wir hier schon mal vorweg: Umsonst Karussell fahren können die Krefelder Möwen auf der Hafen-Drehbrücke, die über den Linner Mühlenbach führt.” (Rheinische Post)

5
Insel der Obdachlosen
“Wegen des Hochwassers musste die Neusser Feuerwehr (…) zu ihrem ersten, flutbedingten Rettungseinsatz ausrücken. Die Einsatzkräfte (kamen) zwei Männern zur Hilfe, die auf der Ölgangsinsel vom Wasser überrascht wurden. Nach einer kurzen Suche, erreichte die Wasserrettungseinheit die beiden Hilfesuchenden. Mit dem Mehrzweckboot „Marne“ wurden die zwei vermutlich obdachlosen Männer (44/57) aufgelesen und sicher an Land gebracht. Laut Polizei hatte das Duo zusammen mit ihren zwei Hunden und ihrem gesamten Hab und Gut auf der Halbinsel am Rheinkilometer 739 übernachtet. Am Morgen wären sie dann von Wasser überrascht und den steigenden Pegel vom „Festland“ abgeschnitten worden.” (Express)

6
Gaffer
“Der Rhein macht sich breit – die Touristen auch. (…) Sie stehen teils in Zweier- und Dreierreihen entlang der Mauer und halten ihre Kameras oder Handys in Richtung Rhein. Auch wenn die erste große Flut des Jahres 2018 Leverkusen vermutlich nicht in größere Bedrängnis bringen wird, so wollten doch Dutzende Hochwassertouristen gestern die Situation vor dem Erreichen des Höchststandes für sich dokumentieren. Auch aus weiter entfernten Städten kamen sie mit ihren Autos nach Hitdorf und postierten sich an verschiedenen Aussichtspunkten. Dabei hatte die Stadt (…) an allen Zufahrtstraßen zum Rhein Barrikaden errichtet. An einigen Stellen wachte zusätzlich Personal über die Zufahrt. Das hielt die Gaffer jedoch nicht ab.” (Rheinische Post)

7
Hochwasser-Depp
“Ein Mann am Rheinufer in Worringen hat (…) kollektives Kopfschütteln bei den Rettungskräften im Hochwasser-Einsatz ausgelöst. Beim Versuch treibende Autoreifen aus dem Wasser zu fischen, verlor der 53-Jährige am rutschigen Ufer den Halt und stürzte in den Fluss. Passanten riefen die Feuerwehr. (…) „Hier schwimmt einer und sammelt dabei Reifen ein. Der kommt allein aber nicht mehr raus“, berichtete ein Zeuge am Telefon. Mindestens sechs alte Autoreifen, einige samt Felge, trieben im überfluteten und extrem schlammigen Uferbereich. Der „Sammler“ hatte das Risiko bei seinen Angelversuchen offenbar unterschätzt und kam nun ohne fremde Hilfe nicht mehr an Land. Minuten später trafen Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Worringen und Beamten der Kölner Berufsfeuerwehr an der Einsatzstelle ein. „Wir haben den stark unterkühlten Mann aus dem Wasser ziehen können. Anschließend wurde er im Rettungswagen vom Notarzt untersucht und ins Krankenhaus gebracht“, so ein Beamter.” (Express)

8
Vermutete Personen
“In Höhe des Evonik Werks in Lülsdorf treibe eine Person im Rhein – diese Meldung erreichte die Retter (…) und löste einen umfangreichen Feuerwehreinsatz aus. Einsatzkräfte der Niederkasseler Feuerwehr suchten das Gebiet vom Ufer ab, während die Feuerwehr Mondorf und die Feuerwehr Bonn den Rhein mit Booten abfuhren. Strömungsberger des Deutschen Roten Kreuzes ließen ihr Boot in Lülsdorf ins Wasser und begaben sich wegen der erheblichen Fließgeschwindigkeit des Wassers in Richtung Köln-Langel auf die Suche. Ein Notarzt vor Ort griff genauso wenig ein wie die Rettungstaucher.” (General-Anzeiger)

“Mit Hubschraubern, Wasserschutzpolizei und Einsatzfahrzeugen suchten Kölner Polizei und Feuerwehr (…) das Rheinufer bei Sürth ab. Ein Zeuge hatte vermutet, eine Person im Wasser gesehen zu haben. (…) Der Rhein führt derzeit wegen starker Regenfälle der vergangenen Tage im Einzugsgebiet Hochwasser. Daher ist es zurzeit besonders gefährlich, sich am Rheinufer aufzuhalten. Durch die starke Strömung schwimmen auch vermehrt größere Gegenstände im Fluss.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

“Polizei und Feuerwehr suchten (…) nach einer Person im Rhein. Eine Frau hatte zuvor gemeldet, dass jemand von der Rheinbrücke in Germersheim geprungen oder gefallen sei. (…) Die Autofahrerin war auf der Rheinbrücke bei Germersheim unterwegs, als ihr Blick auf dem Rhein fiel. Dort will sie eine Person treiben gesehen haben, die sich zuvor ins Wasser gestürzt haben soll oder hineingefallen ist.” (Regio-News)

9
Rheintote
“Die Kölner Feuerwehr hat (…) eine Leiche aus dem Rhein geborgen. In Höhe der Ford-Werke in Niehl wurde ein ca. 40 Jahre alter Mann leblos aufgefunden. (…) Die Kölner Polizei ermittelt nun die Identität des Toten. Bislang gibt es, laut Polizei, keine Hinweise darauf, dass der Fall mit dem Hochwasser zu tun hat. Von Feuerwehr und Rettungsdienst waren insgesamt 67 Kräfte im Einsatz, die unter anderem von zwei Feuerwehrbooten und Hubschraubern unterstützt wurden.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

“Schrecklicher Fund am Joseph-Beuys-Ufer an den Rheinterrassen in Düsseldorf. Ein Passant hatten (…) einen Körper auf dem Rhein treiben sehen. Sofort wurde die Feuerwehr alarmiert. Die konnte nur noch die Leiche einer 30 bis 50 Jahre alten Frau bergen. Auf Nachfrage (…) sprach die Polizei in Düsseldorf zunächst von einem toten Mann.” (Der Westen)

“Wasserschutzpolizei und Feuerwehr haben (…) eine männliche Wasserleiche aus dem Rhein geborgen. Ein Anrufer hatte der Polizei mitgeteilt, dass auf der Höhe des RTL-Gebäudes in Deutz etwas im Wasser aufgefallen sei. Dabei könne es sich um einen Mensch handeln. Die Retter eilten zum Einsatzort und fanden im Uferbereich die Männerleiche.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

“Knapp zwei Monate nach dem Verschwinden eines 35-Jährigen in Düsseldorf ist die Leiche des Mannes 114 Kilometer entfernt im niederländischen Nijmegen gefunden worden. Wie der Mann ums Leben gekommen ist, sei noch unklar, teilte die Polizei (…) mit. Vermutlich ist er in den Rhein gefallen und mit dem Fluss bis in die Niederlande getrieben. Der Oberhausener war seit dem 3. Dezember 2017 als vermisst gemeldet, nachdem er nach einer Weihnachtsfeier mit einem Arbeitskollegen in der Düsseldorfer Altstadt alleine nach Hause gegangen war.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

Presserückschau (September/Oktober/November 2017)

1
Etwas ganz Seltsames
“Eigentlich dürften wir den Rhein (…) natürlich nicht zu den Errungenschaften des Abendlandes zählen. Wenn, dann müsste es sich umgekehrt verhalten, denn er ist ja viel älter als dieses. Sucht man nach seinem Ursprung (was übrigens eine original abendländische Vorgehensweise ist), dann landet man im Oligozän, einem eher unromantischen und völlig menschenleeren Zeitalter vor etwa 30 Millionen Jahren. Der Rheingraben entstand damals als Randprozess brutaler Erdplattenverschiebungen, ein Faltenwurf auf dem Grund des Tethysmeers. All das klingt so bizarr, als würde es auf dem Jupiter spielen, und wirklich sind Flüsse, nüchtern betrachtet, etwas ganz Seltsames, das sich schwer festhalten oder (wie wir das im Abendland nennen) definieren lässt: Massen von Wassermolekülen, die sich linienförmig über mineralische Oberflächen hinwegbewegen und dabei, obwohl sich ihre Elemente permanent austauschen, etwas mit sich selbst Identisches bilden, das über Jahrhunderte, ja sogar Jahrtausende hinweg besteht und mit einem Namen anrufbar ist, als wäre es ein lebendiger Mensch.” (Die Welt)

2
Wasserfontänen
“Jubilare müssen zusammenhalten. Und zusammen feiern. Dieser Devise folgt der Chempark Dormagen. Das Werk am Rhein feiert in diesen Tagen sein 100-jähriges Bestehen, die Rheinschifffahrt bei Monheim mit dem Piwipper Böötchen sogar ihr 800-jähriges. Zum Festakt (…) an der Monheimer Fähranlegestelle will die die Werksfeuerwehr einen ganz besonderen Geburtstagsgruß übersenden: Die Kanonen auf ihrem Löschboot werden gigantische Wasserfontänen in die Luft schießen. Bis zu 8000 Liter pro Minute können sie auswerfen, ein beeindruckendes Schauspiel.” (Rheinische Post)

3
Ryybutzete
“Über 200 Helfer tragen im und am Wasser dazu bei, dass der Rhein wieder ein grosses Stück sauberer wird. Dass dabei nicht nur der üblichen Müll der ungezogenen Sommergäste des Affenfelsens “auftaucht”, sondern auch zahlreiche kuriose, teils unerklärbare Objekte, geborgen werden, macht die Sache nicht weniger ernst, aber führt immer wieder auch zum Schmunzeln. (…) Bereits am frühen Morgen wurde heute ein vier Meter langer Stahlträger aus der Kleinbasler Rheinseite gehoben (…). Der hat wohl den Seegang auf einem Frachtschiff nicht gut überstanden. In den vergangenen Jahren kam auch einmal ein Kupferkessel voller römischer Sesterzen zum Vorschein. In Anbetracht dessen, dass die Römer nun schon einige Jahre nicht mehr in unserer Region verweilen, ein durchaus merkwürdiger Fund. Das grösste Aufsehen verursachte jedoch eine Tauchergruppe flussaufwärts in Birsfelden. Die fanden doch tatsächlich einen Kleinwagen – wohl auch ein Frachtschiff-Ausreisser.” (Barfi)

4
Aliens
“Wie die Wollhandkrabbe sind heute 95 Prozent der größeren wirbellosen Fluss-Tiere des Rheins Einwanderer. Sie stammen ursprünglich aus unterschiedlichen Regionen wie dem Schwarzen Meer, Nordamerika oder Ostasien, von wo sie meist per Schiff in den Rhein gelangten. (…) Die Engländer nennen sie »Aliens« (…) – und für manche heimische Art waren die Neuankömmlinge ähnlich vernichtend wie die Weltraummonster. So haben amerikanische Flusskrebse die europäischen Arten zur Strecke gebracht, weil sie eine gefährliche Krankheit, die Krebspest, mitbrachten, gegen die die heimischen Tiere nicht gewappnet waren. Der Große Höckerflohkrebs kommt aus dem Donaudelta und frisst nun kleinere Arten im Rhein weg.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

5
Gemälde aus Duisburg
“Die neue Ausstellung des Künstlers Michael Vogt in der Galerie Liestmann zeigt „Fluss- und Hafenbilder“. Den Rhein malt Vogt gerne in Duisburg. (…) Seine Gemälde, die den Rhein und den Duisburger Hafen zum Thema haben, sind in der Galerie Liestmann noch bis Anfang Januar zu sehen. (…) In der Galerie sind bekannte Motive wie Deichlandschaften, die Homberger Rheinbrücke, Hafenansichten und der Rhein bei Wittlaer zu sehen. Vogt malt vor Ort, setzt sich an den Rhein oder sucht sich den passenden Platz im Duisburger Hafen. Für die dort angefertigten Bilder finden schnell trocknende Farben Verwendung, großformatige Landschaftsbilder malt Vogt mit Ölfarben.” (WAZ)

6
Kostümierte Schwimmer
“Da staunten Spaziergänger, als sie kostümierte Schwimmer im Rhein an sich vorbeiziehen sahen: Dazu eingeladen hatte der “Deutsche Unterwasserclub Köln” (DUC Köln). Die Schwimmer starteten an den Poller Wiesen und waren rund eine Stunde lang stromabwärts nach Merkenich unterwegs. Die Sicherheitsvorkehrungen waren hoch, da Schwimmen im Rhein eigentlich verboten ist. Der DUC hatte eigens ein gesondertes Sicherheitskonzept entwickelt. Die Schwimmer trugen alle Neoprenanzüge, eine Marke, Schnorchel und Flossen. Die Wasserschutzpolizei begleitete und umkreiste die Schwimmer mit vielen Booten.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

7
Rhein im Rhein
“Die Dienstzeit der 1852 bei der Maschinenbau-Gesellschaft Emil Keßler in Karlsruhe gebauten Dampflokomotive RHEIN hatte noch gar nicht begonnen, da versank sie für nunmehr 165 Jahre bei Germersheim in den Fluten des Rheins. Als sie mit einem Segelboot über den Rhein von Karlsruhe bis Deutz transportiert werden sollte, geriet dieses in einen Sturm – die Lokomotive rutschte von der Ladefläche, und so gilt sie bis heute als verloren. Ein Forscherteam hat sich nun aufgemacht, die wohl älteste erhaltene Dampflokomotive Deutschlands wiederzufinden und hoffentlich auch bald bergen zu lassen. 2012 gelang es ihnen, den genauen Unfallort der Lokomotive mit Hilfe modernster Messtechnologien zu lokalisieren. Prof. Dr. Bernhard Forkmann, Mitautor des Buches “Lok im Rhein”, gewährt in seinem Vortrag Einblicke in die langwierige Suchaktion und die neusten Forschungsergebnisse zur Lokomotive RHEIN.” (Lok Report)

8
Sanaziun cumpletta
“La renovaziun totala dals implants da las ovras electricas Hinterrhein SA è terminada. Dapi la fin d’avust èn tut ils implants puspè en funcziun ed ils custs da 300 milliuns francs èn tegnids en, uschia communitgeschan las ovras electricas Rain posteriur. Gia il 2005 han ils responsabels fatg ponderaziuns davart ina sanaziun cumpletta, il 2011 han cumenzà las emprimas lavurs. En tut eran radund 50 interpresas participadas vid il project. Dal temp cun la pli auta activitad da lavur han radund 300 persunas lavurà il medem mument vid la renovaziun.” (RTR)

9
Rheinunterquerung
“Auf sieben Brücken kann man in Köln den Rhein überqueren – unterqueren kann man ihn nur an einer Stelle. Rund fünf Meter unter der Rheinsohle befindet sich ein begehbarer Tunnel (…). Zwei große Stahltüren mit mehreren Riegeln muss der Mitarbeiter der Rhein-Energie öffnen, um den Weg ins unterirdische Köln freizugeben. Es geht zu einem hochmodernen Bauwerk unter dem Rhein, der genau an Kilometer 688,6 untertunnelt ist. Der 461 Meter lange Fernwärmetunnel beginnt auf Höhe der Messe, nahe der Hohenzollernbrücke und führt auf direktem Weg auf die andere Seite unter den Musical-Dome.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

10
Bücher als Schlüssel
“Jemanden in der Schule zu erleben, der sechs Sprachen beherrscht, das ist beeindruckend. Und dann noch jemanden zu erleben, dessen Leben in einer slumähnlichen Vorstadt von Lyon begonnen hat und der jetzt Romanautor ist und ehemaliger französischer Minister war, das ist dann richtig beeindruckend. Und so fielen dann auch die Bewertungen von Schülerinnen und Schülern der Graf-Anton-Günther Schule aus, in deren Forum Azous Begag kürzlich zu Gast war, um über sich, seine Bücher und sein Leben zu erzählen. In seinem Leben habe es eine erstaunliche Entwicklung gegeben. Und dafür seien Bücher der Schlüssel gewesen und natürlich die Möglichkeit, sich in so vielen Sprachen verständigen zu können. Sprache wird hier als Schlüssel für den sozialen Aufstieg deutlich, aber auch als Schlüssel für Integration in eine fremde Kultur. „Witzig und locker drauf“ sei er gewesen, meinten zwei Schülerinnen, und das macht wohl auch seinen Erfolg aus, wenn er auch vielleicht etwas zu wenig an seinem für das Abitur in Französisch wichtige Roman „Et tranquille, coule le Rhin“ orientiert hat.” (Nordwestzeitung)

11
Rheinspange
“Wenn irgendwo im Land NRW ein neues Stück Straße eröffnet wird, bleibt selten der Hinweis auf die lange Planungsdauer aus. Oft sind 20 Jahre, 30 Jahre, gar 40 Jahre vergangen. Das soll sich ändern – ausgerechnet beim größten Neubauprojekt, das seit Jahrzehnten in der Region ansteht. Die Rede ist von der Rheinquerung, die nun offiziell „Rheinspange“ heißt und als neue Autobahn die A 59 bei Spich mit der A 555 bei Godorf verbinden soll. Die Beteiligung der Öffentlichkeit begann (…), ohne dass die Planer auch nur eine Skizze vorweisen konnten. Genau das ist der neue Ansatz, den das Landesverkehrsministerium und der Landesbetrieb Straßen NRW erstmalig verfolgen: erst reden, dann planen.” (General-Anzeiger)

12
Alleinstellungsmerkmal Maislabyrinth
“Aus einer ursprünglich dünnen Tagesordnung ergab sich im Dalheimer Gemeinderat eine grundsätzliche Debatte darüber, wie sich die Gemeinde künftig in Sachen Tourismus ausrichten soll. Vor einem Jahr hatte man, zunächst für zwölf Monate auf Probe, den Beitritt zum Verein Rhein-Selz Tourismus beschlossen. Nun schob Ortsbürgermeister Willhard Leib (FWG) nachträglich die Diskussion über die Fortsetzung der Mitgliedschaft in den Sitzungsplan. Die Mitgliedschaft kostet 50 Cent pro Einwohner, im Falle Dalheims also rund 500 Euro. Dass dafür eine hinreichende Gegenleistung erbracht wird, war im Rat umstritten. Außer dem Maislabyrinth habe man, so Gertrud Henning (BfD), eigentlich wenig zu bieten. „Ich kann den Nutzen für Dalheim nicht erkennen, 500 Euro auszugeben, um einen Hochglanz-Flyer für die Rheinfront zu finanzieren“, hielt René Muth (CDU) fest. Da die Gemeinde nicht allzu solvent sei, tue dieser Betrag bereits weh. „Unser Angebot ist nicht überreich“, stieß der Erste Beigeordnete Engelbert Sauter (CDU) zunächst ins selbe Horn, verwies dann aber neben dem „Alleinstellungsmerkmal“ Maislabyrinth auch auf die Weinbergsrundfahrten, das für den gesamten Landkreis bedeutsame Germania-Denkmal sowie den Multifunktionsplatz. Das alles über die Gemeindegrenzen hinaus zu bewerben, könne durchaus nützlich sein.” (Allgemeine Zeitung)

13
Little Britain
“Viele Wanderer im Kasbachtal in der Nähe von Koblenz sind verblüfft. Aus heiterem Himmel kommen sie an roten Telefonzellen, einer lebensgroßen Queen-Figur, einer vollbusigen Hexe mit Wildschweinen an der Leine und einem britischen 52-Tonnen-Panzer vorbei. Das spleenige Privatgelände “Little Britain” in Linz am Rhein, hat schon Landtag und Innenministerium von Rheinland-Pfalz beschäftigt. Nachbarn sind erbost.(…) Der nach Deutschland eingewanderte Brite Gary Blackburn (…) ist 2016 “not amused” bei der Brexit-Entscheidung in seiner Heimat. Als Antwort darauf beginnt er, sein kleines kostenloses Freilichtmuseum auf seinem Betriebsgelände an einem Wanderweg zum Rheinsteig aufzubauen. Die Hütte des legendären Räubers Robin Hood, Palast-Wachsoldaten, ein roter Briefkasten, Ritterrüstungen und alte englische Autos zeugen vom britisch-skurrilen Humor des 53-jährigen Baumchirurgen aus dem Hinterland.” (T-Online)

14
R3
“Der Rheinhafen Lauterbourg ist mit einem etwa 40 Hektar großem Gewerbegebiet und neuen Hafenanlagen Standort der neuen trimodalen Logistikplattform R3FLEX des Straßburger Hafens. (…) Diese Investition trägt der steigenden Nachfrage vor allem durch den wachsenden Containerverkehr am Standort Straßburg Rechnung. (…) Am Oberrhein gilt die Erweiterung des Lauterbourger Hafens als eine der letzten Möglichkeiten zum Ausbau von Arealen am Rheinufer. 40 Stunden Schifffahrt von Rotterdam und Antwerpen entfernt haben sich bereits Unternehmen wie Dow Chemicals France, Comptoir Agricole de Hochfelden, Béton Fehr oder auch Eiffage Métal in Lauterbourg angesiedelt. (…) Die Marke R3FLEX unterstreicht durch ihre Namensgebung und die Abkürzung R3 (Rhine, Rail, Road) die Multimodalität des Hafenareals durch die parallele Anbindung an Rhein, Schiene und Straße.” (Pressebox)

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Tender Rhein
“Fünf Monate ist der Tender “Rhein” im Mittelmeer vor der libyschen Küste im Einsatz gewesen – um Menschen zu retten und Schleuserkriminalität zu bekämpfen. (…) 25.000 Seemeilen legte das Schiff während seiner Mission zurück – das entspricht einer Erdumrundung. Die “Rhein” war Teil der humanitären Operation “Sophia”. Die 67-köpfige Besatzung der “Rhein” rettete 2.100 Menschen aus dem Mittelmeer. (…) Die Deutsche Marine hat mit ihren Schiffen in den vergangenen zwei Jahren nach eigenen Angaben mehr als 22.000 Flüchtlinge im Mittelmeer aus Seenot gerettet.” (NDR)

16
Maghrebiner am Rhein
“Maghrebiner stellten römische Kaiser, frühchristliche Denker und waren Wegbereiter eines Wissenstransfers, an dessen Ende die Zeit der Aufklärung in Europa stand. Die scheinbar zusammenhangslos ausgewählten Exponate der Ausstellung (Anm.: „Drucke und Handschriften aus fünf Jahrhunderten. Die Sammlung der Gesellschaft für Kultur und Wissenschaft des Maghreb” im Romaneum zu Neuss) – wertvolle alte Handschriften und Drucke, in lateinischer, deutscher, französischer und arabischer Sprache – stehen in einem großen Sinnzusammenhang: Sie spiegeln den offenen und durchlässigen Kulturraum Maghreb wider, der vermeintlich fremde Elemente absorbierte und dabei in der Lage war, sich selbst neu zu erfinden. Auch in Neuss hat der Maghreb Spuren hinterlassen: Vor fast 2.000 Jahren errichten die ersten Maghrebiner die Erftmündung am Rhein. Die Ala Afrorum, eine ursprünglich aus Nordafrikanern aufgestellte römische Kavallerieeinheit, war Ende des 1. Jahrhunderts im römischen Novaesium stationiert und hatte ihre Wurzeln in Africa proconsularis, dem heutigen Algerien, Tunesien und Libyen.” (neuss.de)

17
Archäologische Sensation
“Eine 9,7 Millionen Jahre alte Entdeckung sorgt für Kopfzerbrechen bei deutschen Wissenschaftlern. (…) Wie das Mainzer Naturhistorische Museum (…) mitgeteilt hat, entdeckten ein Team deutscher Archäologen im ehemaligen Flussbett des Rheins ein rätselhaftes Gebiss. Die Zähne scheinen keiner in Europa oder Asien entdeckten Art zu gehören. Sie ähneln am ehesten denen der frühen Homininskelette von Lucy (Australopithecus afarensis) und Ardi (Ardipithecus ramidus), die in Äthiopien entdeckt wurden. Doch der neue Fund aus Eppelsheim bei Mainz ist mindestens vier Millionen Jahre älter als die afrikanischen Skelette. Diese Tatsache irritierte die deutschen Wissenschaftler dermaßen, dass sie die Veröffentlichung des Fundes zunächst für ein Jahr zurückhielten.” (RT Deutsch)

18
Notlandung
“Es hätte ein kurzer Rundflug zur Loreley werden sollen – und wurde ein ziemliches Abenteuer. Ein vom Flughafen in Finthen gestartetes Klein-Flugzeug mit drei Insassen ist (…) aufgrund eines Defekts auf dem Rhein bei St. Goar notgelandet.” (Allgemeine Zeitung)

19
Irre Verfolgungsjagd
“Auf der Flucht vor der Polizei ist ein 24 Jahre alter Mann in den Rhein gesprungen, um von Frankreich nach Deutschland zu schwimmen. Während ihm ein französischer Polizist in der Dunkelheit nachschwamm, verfolgte ihn ein zweiter Beamter mit einem Kanu, das er am Ufer entdeckt hatte (…). Als die Kräfte des 24-Jährigen nachließen, fasste ihn ein Beamter und brachte ihn auf deutscher Seite bei Weil am Rhein ans Ufer. Dort wurde der unterkühlte Mann vom Notarzt versorgt und danach in eine Klinik nach Frankreich gebracht.” (Berliner Kurier)

20
Jamaika am Rhein
“Am Bonner Hauptbahnhof haben sie das Schild „Bundesstadt Bonn“ durch eines ersetzt, auf dem „Stadt der Vereinten Nationen“ steht. Das bringt mehr fürs Bonner Selbstbewusstsein. Im November findet am Rhein der Klimagipfel statt. Danach aber wäre es höchste Zeit, wieder mal ein neues Schild anzubringen: „Bonn – Hauptstadt von Jamaika“. Wenn im 600 Kilometer entfernten Berlin wirklich eine Koalition aus Union, FDP und Grünen zustande kommt, hat das viel mit der alten Hauptstadt am Rhein zu tun. In der saturierten Bürger- und Studentenstadt haben alle drei Jamaika-Parteien ihre gefestigten Milieus: Grüne und FDP sammelten bei der Bundestagswahl 16 und 14 Prozent der Zweitstimmen, für die CDU blieben da noch 30 Prozent. Im Bonner Rathaus regiert seit 2014 eine Jamaika-Koalition, die ein schwarz-grünes Bündnis ersetzt hat.” (Neue Presse)

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Rheintote
“Nachdem Ende August Arbeiter im Rhein Teile einer verstorbenen Person gefunden haben, ist die Identität der Toten nun mithilfe eines DNA-Vergleichs geklärt. Die Arbeiter hatten die Leichenteile bei Baggerarbeiten im Rhein bei Rees gefunden.
Wie die Polizei mitteilt, handelt es sich bei der Frau um eine 72-jährige, in Köln geborene Frau. Die Seniorin war am am 22. Dezember 2016 aus einem Krankenhaus in Dormagen verschwunden war und galt seitdem als vermisst.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

“Eine Joggerin hat (…) eine Person entdeckt, die im Rhein trieb. Sie löste einen Großalarm aus, bei dem auch ein Hubschrauber zum Einsatz kam. Doch jede Hilfe kam zu spät. Um 7.35 Uhr habe die Joggerin eine leblose Person im Rhein entdeckt, als sie über die Theodor-Heuss-Brücke lief. Am linken Rheinufer treibe ein Körper im Wasser. Wenig später sei sie aus einem Polizeihubschrauber heraus lokalisiert worden. In Höhe der Rotterdamer Straße sei die Leiche dann auf der linksrheinischen Seite von Feuerwehrleuten in Spezialanzügen aus dem Wasser gezogen worden. Es handelte sich um einen 66-Jährigen aus Düsseldorf. “Er war bekleidet und hatte einen Ausweis dabei”, sagte ein Polizeisprecher auf Anfrage. Ein Notarzt habe dann um 8.20 Uhr versuchte, den Mann wiederzubeleben. Doch der Arzt konnte nur noch dessen Tod feststellen.” (NRZ)

“Die 91-Jährige Senioren aus Rheinberg, die (…) vermisst wurde, ist (…) im Rhein tot aufgefunden worden. (…) Die Leiche wurde im Rhein bei Ossenberg gefunden. Angaben zur Todesursache konnte die Polizei (…) noch nicht machen. Die Polizei hatte (…) unter anderem mit einem Hubschrauber nach ihr gesucht.” (NRZ)

“Duisburg. Ein Arbeiter (43) ist (…) auf dem Gelände der Hüttenwerke Krupp Mannesmann mit einem Minibagger in den Rhein gestürzt. Zunächst fehlte jede Spur von dem Mann, jetzt ist er tot geborgen worden. Wie die Polizei berichtet sei der Arbeiter der Firma „Buss Imperial“ ins Hafenbecken gestürzt.” (Der Westen)

Presserückschau (August 2017)

1
Grusel-Schleim
“Ein gelber Schleim löste (…) einen Großeinsatz am Düsseldorfer Rhein aus. Die Feuerwehr rätselte, um was es sich bei der Substanz handeln könne, die kilometerweit am Ufer klebte. Das Landesumweltamt entnahm Proben (…). Jedoch berichtet die „Bild“, dass es sich bei dem Schlamm wahrscheinlich um Motoren-Fett handele. Die bestätigte ein Sprecher des Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (…).” (Der Westen)
“Tagelang sorgte eine widerliche Schleim-Brühe am Rheinufer für Aufsehen (…). Lange war unklar, um was es sich bei der klebrigen Masse handelte. Besonders bei Düsseldorf, Dormagen, Monheim und Leverkusen wurde die Substanz angespült. (…) Eine Untersuchung von Proben durch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz hat ergeben: Es ist ein Gemisch verschiedener Fette. Allerdings handelt es sich offenbar nicht um Betriebsfette von Schiffen, sondern um eine Zusammensetzung, die in ganz alltäglichen Produkten vorkommen wie etwa Butter, Olivenöl, Sonnenblumenöl und ähnlichem. Wie die Fettspur ins Wasser gelangen konnte, ist unterdessen noch unbekannt.” (Express)

2
Rhi-Schwumm
“Unter dunklen Gewitterwolken und bei schwüler Hitze haben sich in Basel 4500 Schwimmer in den Rhein gestürzt. Beim 37. Rheinschwimmen ließen sie sich (…) im 21 Grad warmen Wasser knapp zwei Kilometer flussabwärts zur Johanniterbrücke treiben. Blitze und Regen blieben aus und alle Teilnehmer sind unversehrt wieder an Land gekommen, wie die Organisatoren mitteilten.
Das Rheinschwimmen veranstaltet die Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG). Sie will damit für das Schwimmen in natürlichen Gewässern werben, aber auch auf damit verbundene Gefahren hinweisen.” (Südkurier)

3
Sprung
“Weil sich ein Tankschiff seinem Sportboot bedrohlich näherte, ist ein Angler in den Rhein gesprungen. Der Motor seines Bootes sei (…) in der Nähe von Bingen ausgefallen – ausgerechnet auf Höhe des Tankers, teilte die Wasserschutzpolizei mit. Versuche, den Motor zu starten, scheiterten. Als das Schiff noch rund 20 Meter von ihm entfernt war, ging der Angler von Bord. Ein Tourist am Ufer des Flusses sprang daraufhin mit einem Treibholz in den Rhein. Er habe den total erschöpften Mann gerettet, so die Polizei. Das Boot des Anglers wurde wenig später in einen Hafen gebracht.” (Welt)

4
Canyoning
“Viamala heißt „schlechter Weg“. Für die römischen Legionäre war der „schlechte Weg“ die Alternative zur Brennerroute, um an die nordischen Grenzen ihres Weltreiches zu gelangen. Später versuchten mittelalterliche Kaufleute, ihre Ochsenkarren entlang der steil aufragenden Felsen durch die Schlucht zu bugsieren. Manche stürzten in die Schlucht hinab. Heute nehmen die Reisenden nicht mehr den „schlechten Weg“ durch die Schlucht, sondern die schweizerische Autobahn A13. Manche fahren in Thusis-Süd ab und machen einen Zwischenstopp an der Aussichtsplattform, die an einer der spektakulärsten Stellen der Viamala hoch über dem Hinterrhein liegt. Wer an diesem sonnigen Sommermorgen hinabblickt in die Schlucht, sieht sechs Gestalten in Neoprenanzügen, die auf steilen Treppenstufen zum Fluss hinabsteigen. Von oben ist kaum vorstellbar, dass sich Sportler tatsächlich gefahrlos in das sprudelnde Wasser begeben können. Tatsächlich gehört die Viamala-Schlucht zu jenen Stellen in den Alpen, an denen Outdoor-Anbieter Canyoning-Touren veranstalten.” (Schwäbische)

5
Jahrmillionen
“Bis der Rhein seine heutige Fließrichtung gefunden hat, vergehen Millionen von Jahren. (…) Gemessen am Alter der Erde formt die geologische Erdneuzeit nur eine bescheidene Zeitspanne von rund 60 Millionen Jahren. Doch gerade in der jüngsten Tertiärstufe, vor etwa zehn Millionen Jahren, nahmen unsere umgebenden Gebirge, die Alpen, der Tafeljura, Kaiserstuhl und Hegauvulkane Gestalt an. Zwischen den ursprünglich zusammenhängenden Vogesen und dem Schwarzwald brach der Oberrheingraben ein. Erst danach veränderten sich die alten Flusssysteme mehrmals. Es bildeten sich unsere Flüsse in der heutigen Fließrichtung (…). Im Quartär überzogen vier Kaltzeiten weite Teile Europas. Sie modellierten durch Gewicht und Druck die unter dem Eis liegenden Landschaften. Die eisfreien Zonen wurden durch Regen und Schmelzwässer gestaltet und Stürme formten die heutigen Lössgebiete. Die Maximalvereisung der Risskaltzeit (etwa 340 000 bis 130 000 Jahre vor heute) brachte den riesigen Rhein-Aare-Gletscher von den Alpen bis in die Gegend von Möhlin, zwölf Kilometer unterhalb Bad Säckingen, wo die äußersten Moränen nachgewiesen wurden. (…) Der aus dem abtauenden Gletscher abströmende Fluss (Rhein) querte das Stadenhauser Feld nach Westen und floss durch das heutige Laufenburg/AG südlich der heutigen SBB-Linie ab.”
(Südkurier)

6
Fiktive Stadt
“Oberucken, ein idyllisches Städtchen, liegt im Herzen des Rhein-Sieg-Kreises zwischen Niederkassel und Sankt Augustin.
(…) Doch wer Oberucken sucht, wird es nicht finden: Die fiktive Stadt am Rhein steht lediglich im Zentrum einer gleichnamigen Comedy-Serie. Die handelt von der fettleibigen Witwe Adelheid und ihrem Lebensgefährten Bernd, der seit einem „Arbeitsunfall“ außerhalb der Arbeit frühverrentet ist. Die beiden werden auf eine harte Probe gestellt, nachdem Adelheids Schwester und Schwager bei einem Hausbrand versterben und ihr Neffe Niklas bei ihnen einzieht. Die Serie ist eine sogenannte Mockumentary, also eine offensive Karikatur der klassischen Dokumentation.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

7
Tinker Belles
“Rund 500 Tinker aus Irland sind aktuell in NRW unterwegs. Erst waren sie in Kevelaer, dann in Neuss. (…) Die irischen Landarbeiter aus Irland campen ohne Genehmigung mit ihren Caravans nahe der Rheinkniebrücke. Knapp bekleidete junge Mädchen und ihre Luxuskarossen sorgen für Aufsehen. Erlaubt ist das nicht.” (Der Westen)

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Kindertheater
“Am (…) 1. Oktober 2017 (…) bringt das pappmobil Kindertheater das Theaterstück “Bin im Bett! Vater Rhein” auf die Bühne des Kindertheaters in Wanne Eickel (…). Vater Rhein selber beauftragt den Theaterdiener, die herrlichen Geschichten von den Ufern des größten deutschen Flusses zu erzählen.” (halloherne)

9
Rheintote
“Ein neun Jahre altes Mädchen ist (…) bei Duisburg in den Rhein gerutscht und untergegangen. Es sei wenig später in einem Krankenhaus gestorben, teilte die Polizei mit. Das Mädchen war mit seiner 35-jährigen Mutter und seinem sechs Jahre alten Bruder am Rheinufer unterwegs. Die Neunjährige saß den Angaben nach bei Friemersheim auf einem Stein und rutschte plötzlich ins Wasser.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

“Beim Baggern im Rhein machten Arbeiter in Rees (…) einen gruseligen Fund. Sie zogen einen menschlichen Oberkörper aus dem Wasser! Die Arbeiten fanden in einem mit dem Rhein verbundenen Baggerloch statt, als plötzlich der stark verweste Oberkörper auftauchte. Wohl weil die Leiche wohl schon länger im Rhein trieb, waren Unterkörper und Arme abgefallen, nur Torso und Kopf sind übrig. Die Identität der Leiche ist noch ungeklärt, genauso das Geschlecht. Die Kriminalpolizei Kleve hat Ermittlungen eingeleitet, die menschlichen Überreste werden zeitnah obduziert.” (Der Westen)

Das Hungertuch

Ein zweijährlicher Preis, der von Künstlern an Künstler vergeben wird, die “mit experimentellem Pioniergeist im 21. Jahrhundert” zu neuem künstlerischen Terrain aufbrechen ist Das Hungertuch, vor 16 Jahren von Ulrich Peters initiiert. Bedacht werden die Sparten Bildende Kunst, Musik und Literatur mit besonderem Fokus auf interdisziplinär arbeitende Künstler. Dieses Jahr zählen zwei ständige rheinsein-Autoren zu den Preisträgern: Roland Bergère und Stan Lafleur, eine Auszeichnung also auch für rheinsein wie die Rheinische Post in einem Vorbericht zur heute in Neuss stattfindenden Preisverleihung schreibt:

“Das Hungertuch im Bereich Literatur wird der bekannte Spoken-Word-Performer und Lyriker Stan Lafleur (…) bekommen. Neben zahlreichen Buchveröffentlichungen, zuletzt: “Mini Welt”, gestaltet er seit 2009 sein gigantisches Netzprojekt rheinsein.de. Das Projekt strebt “eine komplexe, neuartige, literarisch basierte Hybridform um Faktisches und Fiktives zum Thema Rhein und zugleich die umfassendste zusammenhängende, stets wachsende Sammlung rheinischer Kulturgeschichte im Internet” an, wie er selbst es beschreibt. Dieser Blog enthält inzwischen über 2000 Beiträge, auch von anderen Autoren.”

Presserückschau (Februar 2017)

1
Versunkene Lokomotive
“Die Suche nach der im Jahr 1852 im Rhein versunkenen Lok geht weiter. (…) Zwar hatte sich die Hoffnung, dass ein Teil der metertief im Kiesboden vermuteten Lok möglicherweise bis an die Oberfläche des Rheinbodens ragen könnte, nach einer Suchexpedition rheinland-pfälzischer Polizeitaucher Mitte August 2015 zerschlagen. Das ändere jedoch nichts an der Tatsache, so die beteiligten Wissenschaftler, dass genau an dieser Stelle in einigen Metern Tiefe unter dem Rheinboden ein rund 20 Tonnen schwerer und etwa sechs Meter langer Eisenkörper läge. Bereits vor einigen Jahren hatten sie nach zwei Jahrzehnten intensiver Suche mithilfe von Magnetresonanz-Messungen den vermuteten Unglücksort entdeckt. Die 1852 gebaute Lok wäre heute die älteste noch erhaltene deutsche Dampflokomotive. Sie war in den Anfangsjahren der deutschen Eisenbahngeschichte von der Fabrik Emil Kessler in Karlsruhe gebaut worden und sollte mangels Schienenstrecke auf einem Lastensegler an die Düsseldorf-Elberfelder Eisenbahngesellschaft ausgeliefert werden. Bei einem Unwetter riss sich die sechs Meter lange und 20 Tonnen schwere Lok los und fiel von Bord des Schiffes in den Rhein. Mehrere Versuche, sie mit Hilfe speziell geschmiedeter Ketten, die von den Ufern aus von 400 Männern durch den Rhein gezogen wurden, und aus London angereister Taucher zu bergen, schlugen fehl. Sie geriet langsam in Vergessenheit und galt anderthalb Jahrhunderte lang als verschollen.” (SWR)

2
Digitalisierung
“Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes hat eine Befliegung des Rheins von Frankenthal bis Biblis beauftragt, um die digitale Bundeswasserstraßenkarte anhand von Luftbildern aktualisieren zu können. Für diese Kartenerstellung werden Markierungsarbeiten in unmittelbarer Nähe zum Rhein durchgeführt. Diese Signalisierungsarbeiten beinhalten die farbliche Markierung von Lampen, Treppen, Einlaufrohren, Durchlässen oder Stromkästen mit weißer Farbe oder weißen Plastikstreifen, die mit Nägeln befestigt werden. Beschäftigte der beauftragten Firma führen die nötigen Arbeiten vor Ort aus. Die Bevölkerung wird gebeten, die Markierungen nicht zu entfernen.” (Echo-Online)

3
Rheingolf
“Die vier Credos der Rheingolf Messe 2017 lauten: Testen, informieren, shoppen und verreisen.” (Golfpost)

“Ein Golfball nach dem anderen fliegt im hohen Bogen in den Rhein. Einer verfehlt nur haarscharf den Kopf eines Kanufahrers, ein anderer zielt auf das beliebte Ausflugsschiff „Moby Dick“. Vor dem Bonner Amtsgericht muss sich jetzt ein 34-Jähriger verantworten. Er ist für sein außergewöhnliches Golfspiel wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung und Beeinträchtigung des Schiffsverkehrs angeklagt.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

4
Geburtstagsgeschenk
“Sieben Jahre ist Mika erst alt, aber er hat schon eine eigene Kamera, “die ist in Tarnfarbe”, erzählt er ein bisschen schüchtern. Mika steht nicht gern im Rampenlicht. Sein Hund Erni dafür umso mehr. Am liebsten macht der Schüler Bilder von ihm, am Rhein, wenn er mit Mama (…) dort spazieren geht. Er dokumentiert die Natur und das Wetter, Erni natürlich, und den Wasserstand. In letzter Zeit aber findet Mika immer mehr Müll am Rhein, in den Buchten am Wasserwerk, dort, wo die Familie gerne unterwegs ist. Plastiktüten und Eierkartons, ausrangierte Gartenmöbel und vor allem Glas. (…) Manchmal schnappt der Siebenjährige sich eine Mülltüte und räumt auf am Rhein. (…) Als Opa Edgar jetzt am Wochenende seinen 80. Geburtstag feierte, haben Mika und seine beiden älteren Brüder Joshua (12) und Jannis (12) ihm einen Müllsammel-Tag am Rhein geschenkt.” (Rheinische Post)

5
Rhein Vikings
“Die Zeit des Kleckerns ist vorbei, jetzt wird geklotzt. Und weil weder der Neusser HV noch der ART Düsseldorf dazu allein in der Lage sind, gründen sie eine Handballspielgemeinschaft, die in der kommenden Saison als HC Rhein Vikings für Furore sorgen will. Ob das in der zweiten oder der dritten Liga sein wird, ist allerdings noch offen.” (Rheinische Post)

6
Refurbishment
“Die (Ludwigshafener; Anm. rheinsein) Rhein-Galerie war im September 2010 eröffnet worden, nach knapp zwei Jahren Bauzeit. Das Einkaufszentrum auf dem ehemaligen Gelände des Zollhofhafens hatte damals am Rheinufer einen neuen Zugang geschaffen, dem Einzelhandel zusätzliche 130 Geschäfte beschert und war mit großen Hoffnungen in die kommenden Jahre gestartet – auch mit dem Wunsch, dass täglich 25 000 Kunden in das Center strömen. Heute kommen im Schnitt 13 290 Besucher pro Tag in die Mall. Und das, obwohl die Einkaufscenter Entwicklungs Gmbh (ECE), die das Haus betreibt, 939 037 erreichbare Kunden im Einzugsgebiet zwischen Worms und Landau sowie Mannheim und Speyer angibt. Das in unmittelbarer Nähe gelegene Rathauscenter, das ebenfalls unter ECE-Ägide steht und 1979 eröffnet wurde, besuchen pro Tag 32 000 Kunden. Dort gibt es 75 Läden. Um die Differenz zwischen Prognose und Realität zu verringern, hat die ECE ein „umfangreiches Refurbishment“ angekündigt. (…) Die Außenterrasse direkt am Rhein wird (…) verschönert – das bislang eher triste Kantinen-Ambiente soll eine neue Optik erhalten: „Grundidee des neuen Designkonzepts ist es, eine besondere Atmosphäre mit echtem Hafen-Flair am Rhein entstehen zu lassen.“ (…) Im Außenbereich sind außerdem zwei neue Anleger für Flusskreuzfahrtschiffe geplant, die ebenfalls im Jahr 2017 gebaut werden sollen.” (Echo)

7
Baggervorhaben
“Die wichtigste Wasserstraße in Deutschland ist der Rhein. „80 Prozent aller Güter in der deutschen Binnenschifffahrt werden über den Rhein transportiert“, sagt Jens Schwanen, Geschäftsführer des Verbands der Deutschen Binnenschiffer. „Die Transporteure sind dringend auf den Ausbau der Wasserstraße angewiesen“, fügt er hinzu. Bei Niedrigwasser komme es regelmäßig zu Beeinträchtigungen. Der Klimawandel werde das Problem extremer Pegelschwankungen perspektivisch verstärken. Abhilfe soll in NRW die geplante Vertiefung des Rheins zwischen Duisburg und Dormagen bringen. Das Vorhaben mit der Projektnummer W 27 ist seit 2016 im Bundesverkehrswegeplan als „vordringlich“ eingestuft. Bis 2030 soll der Rhein zwischen Stromkilometer 722,5 und 769 um zirka 30 Zentimeter ausgebaggert werden. Zwischen Duisburg uns Neuss ist eine Fahrrinnentiefe von 2,80 Meter geplant, zwischen Neuss und Dormagen-Stürzelberg ist eine Rinne von 2,70 Meter vorgesehen. Die Gesamtkosten werden mit 201 Millionen Euro veranschlagt.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

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Rheintote
“Zahlreiche Einsatzkräfte sind (…) Richtung Rheinufer nördlich von Sandhofen gefahren. Eine Spaziergängerin hatte dort im Bereich zwischen Kläranlage und Kirschgartshausen eine im Wasser treibende Person gesichtet und den Notruf gewählt. Daraufhin rückten der Wasserrettungszug der Berufsfeuerwehr ebenso wie deren Feuerlöschboot und die Wasserschutzpolizei aus, auch die DLRG Mannheim, Heddesheim, Ladenburg und Weinheim wurden alarmiert. Schon bald sichtete aber der Rettungshubschrauber “Christoph 53″, der ebenso in den Mannheimer Norden beordert worden war, die im Rhein treibende Person. Polizisten zogen sie dann aus dem Wasser. Der Notarzt konnte nur noch den Tod feststellen. Todesursache und Todeszeitpunkt sind aber noch nicht geklärt.” (Bergsträßer Anzeiger)

“In Höhe der Zoobrücke hat die Feuerwehr (…) eine Leiche aus dem Rhein geborgen. Spaziergänger hatten den leblosen Körper (…) im Fluss treiben sehen und die Rettungskräfte alarmiert. Laut Polizei handelt es sich bei dem Toten um einen Mann im Alter von etwa 30 Jahren oder jünger.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

“Die Suchaktion im Rhein bei Wörth ist zu Ende: Taucher fanden (…) die Leiche eines Mannes, die Polizei geht von Selbstmord aus. Zuvor lief eine großangelegte Suchaktion mit Hubschrauber und Feuerwehr. Die Wörther Polizei unterstützte das federführende Polizeipräsidium Karlsruhe bei der Suche. Auf der Rheinbrücke zwischen Wörth und Karlsruhe kam es wegen des Einsatzes zu Verkehrsbehinderungen.” (Rheinpfalz)

Em alde Dom zu Nüss

Mer lotte d’r Dom en Kölle,
denn do jehöt-e hin.
Mer mösse nit no Kölle,
öm ens ne Dom ze sen.

Wo kam-mer lecker suffe?
Em alde Dom zu Nüss.
Och he kam-mer bütze, knutsche, knuffe,
dröm sa’mer Köln at-tschüss.

He wöd wie’er lecker Alt jebraut
on Nüsser Platt jeschwad.
Sech nit met Kölsch d’r Doosch versaut,
he simmer selvs parad.

Mer sind doch alles Nüsser Jonge
un wolle stolz drup sin.
Mer hand em wie’er jefunge,
no’m Nüsser Dom, do jom-mer hin.

Un och die Nüsser Mädche,
die möje Nüsser Tön.
Se blieve jetz em Städche
un jont och wie’er als Möhn.

Mer lotte d’r Dom en Kölle,
denn do jehöt-e hin.
Doch wat solle mer in Kölle?
Dat mot jetz nimie sin.

(Heinz Gilges im Jahr 2008 zur Wiedereröffnung des Brauhauses Im Dom zu Neuss. Dieses und mindestens ein weiteres Mundartgedicht hängt nebst schriftlich niedergelegten Erlebnisberichten vom Tresen und Zeitungsartikeln mit lokalgeschichtlichen Meldungen gerahmt an den Wänden der Gaststätte. Eine dieser Meldungen spricht von einer neun Kilogramm schweren und über zwei Meter langen Zigarre, welche die Firma Dannemann den Neussern zum Schützenfest im Jahr 2000 leihweise überlassen habe, woraufhin zahlreiche Schaulustige das Exponat aufgesucht hätten und der Tabakkonsum in der Stadt vorübergehend spürbar angestiegen sei. Dem Gedicht zu entnehmen ist, daß die Neusser sich, ähnlich wie die Düsseldorfer, gern gegen Köln abgrenzen, indem sie ihr Altbier preisen, das dem Kölsch überlegen sei – was Blindverkostungen geflissentlich infrage stellen. Zudem bezieht die Neusser Dom-Hausbrauerei ihr Gerstenmalz, in dem das Geschmacksgeheimnis der derzeit einzigen Neusser Altbiersorte begründet liegt, aus Köln.)

Neusser Heimatlied

Als ich noch ein kleiner Junge war,
sagte Mutti einst zu mir:
schau dir uns’re schöne Stadt mal an
und dann merke dir,
schöner kann’s woanders auch nicht sein,
zieht es dich ins fremde Land,
einmal treibt das Heimweh dich doch heim
und du hast erkannt:

Refrain:
Dort, wo die Erft den Rhein begrüßt
einst meine Wiege stand.
Wo stolz Quirin den Himmel mißt,
da ist mein Heimatland.
Ich grüße dich Novesia
mit Herz und frohem Sinn
und singe dir ein Gloria,
weil ich ein Neusser bin
und singe dir ein Gloria,
weil ich ein Neusser bin.

Römer zogen einst durch unser Land,
bauten eine schöne Stadt,
die auch heute noch in junger Zeit
einen Namen hat.
Stolz und groß ist die Vergangenheit,
die aus deinen Mauern spricht,
Gott beschütze dich für alle Zeit,
Dich vergeß’ ich nicht.

Heimatstadt, Du mein Novesia,
Du liegst mir doch nur im Sinn.
Treu sein will ich Dir ein Leben lang,
wo ich immer bin.
Grüßt von weitem dann das Obertor
und ich seh’ mein Elternhaus,
sing vor Freude ich ein Lied Dir vor
in die Welt hinaus.

Text und Musik: Hubert Derrez (1922-1996)

Presserückschau (November 2015)

1
“Rhein – wo bist Du? Ein Vergleich der Wasserstände am Kölner Pegel zeigt, dass der Fluss in den vergangenen Jahren kontinuierlich schmaler geworden ist. Das Wasser- und Schifffahrtsamt Duisburg hat für den Zeitraum von 1981 bis 1990 für Köln einen Durchschnittspegel von 3,55 Metern errechnet. Im Messungszeitraum von 2001 bis 2010 fiel der Wert im Schnitt auf 3,21 Meter. Differenz: 34 Zentimeter. Also schrumpft der Wasserstand des Rheins um etwa einen Zentimeter pro Jahr.” (Express)

2
Noch fließt der Rhein, doch kommen bei anhaltendem Niedrigwasser zunehmend gefährliche (Minen und Granaten aus dem Zweiten Weltkrieg) und seltene Fundstücke aus der Versenkung zum Vorschein: “Düsseldorfer Feuerwehrleute haben (…) einen Tresor aus dem Rhein geborgen. Gefunden wurde der schwere Behälter im Bereich des Fähranlegers im Stadtteil Urdenbach. (…) Der Eigentümer soll nun ermittelt werden. Wie die Düsseldorfer Polizei (…) bestätigte, wurden in dem Tresor vornehmlich Papiere gefunden. Wertgegenstände seien an der Fundstelle zunächst nicht entdeckt worden. Ob der Tresor im geöffneten Zustand im Rhein versenkt wurde, blieb noch unklar.” (Rheinische Post)

3
Die Niedrigwasserfunde setzen sich fort. Bei Rüdesheim barg das Wasserschifffahrtsamt einen vor vier Jahren in Baden-Baden gestohlenen Peugeot. Ein Fundstück bei Neuss erinnert an eine alte Geschichte: “Vor 17 Jahren spielte sich unterhalb der Fleher Brücke auf Neusser Seite ein echtes Drama ab. Ein Mann war in den Rhein gesprungen, eine Mannschaft der DLRG mit dem Rettungsboot ausgerückt. Doch plötzlich brauchten die Retter selbst Hilfe: Ihr Boot sank, die DLRG-Männer kamen zum Glück alle mit dem Leben davon. Ihr Boot tauchte jedoch nie wieder auf.(…) Eine Erklärung dafür gab es nie. Jetzt ist das Rätsel gelöst: Das historische Niedrigwasser des Rheins hat das Wrack wieder freigegeben. Unweit der Zufahrt zum Neusser Sporthafen in Grimlinghausen wurde das zerfledderte Boot – ein sogenannter „Rheinadler“ – (…) gefunden. (…) Viel anfangen kann man bei der DLRG mit dem Schrott nicht. Aber zumindest ist nun ein ungeklärtes Kapitel der Rettungsgeschichte abgeschlossen.” (Express)

4
In den rheinnahen Städten des Ruhrgebiets stellt sich den Einwohnern die Identitätsfrage: Ruhrpottler oder Niederrheiner? So liegt Duisburg sowohl beidseits des Rheins, als auch der Ruhr. Welchem Fluß, somit welcher Mentalität fühlen sich die Duisburger zugehörig? Die WAZ antwortet: “Mehr als ein Viertel der von der Uni Duisburg-Essen Befragten, nämlich 27 Prozent, sehen sich als beides. Die Ruhrpottler machen eindeutig den größten Anteil aus: 39 Prozent fühlen sich eher dem Ruhrgebiet verbunden. Deutlich weniger, nämlich 23 Prozent, rechnen Duisburg eher dem Niederrhein zu. Elf Prozent der Befragten hatten dazu keine Meinung.”

5
“Ein Spaziergang am Rhein ist genauso ungesund wie einer in unmittelbarer Nähe der Autobahn. Dieselmotoren verursachen in Binnenschiffen die gleichen gesundheitsschädlichen Luftschadstoffe wie im Straßenverkehr. Betrachtet man den Fluss nach den freigegebenen Schadstoffmengen, so sei er mit einer Autobahn durchaus vergleichbar: „Die Luft am Rheinufer ist in etwa so verunreinigt wie an der stärkstbefahrensten Stelle der A 3“, stellt Andreas Brandt vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz klar. Schiffe könnten jedoch mit modernen Abgasreinigungsanlagen für einen erheblich geringeren Schadstoffausstoß sorgen. Pflicht ist eine entsprechende Umrüstung allerdings noch nicht.” (WAZ)

6
“Mit Schmackes” habe ein Autofahrer die Schranke durchbrochen und sei im Rhein gelandet, zitiert die WAZ den Fährkapitän und schreibt von “einem verhängnisvollen Fahrfehler”: “Beim Auffahren auf die Rheinfähre, die zwischen Orsoy und Walsum pendelt, ist ein Autofahrer (…) durch die geschlossene Schranke am Bug der Fähre gefahren und in den Rhein geplumpst. Nur dem beherzten Eingreifen des Kapitäns, seines Schiffsführers und eines Kunden der Fähre verdankt der ältere, gehbehinderte Autofahrer, dass er unverletzt aus dem Wagen entkommen konnte.”

Presserückschau (Oktober 2015)

Mutmaßliche Verseuchungen des Rheins mit Industriestoffen und umgehende Dementi der angeblichen Verursacher dominierten die Rhein-Schlagzeilen des ersten Monatsdrittels: berichtet wurde u.a. von Einleitungen der Chemikalien Pyrazol bei Dormagen und PFT (Perfluorierte Tenside) bei Düsseldorf, desweiteren von einer großflächigen Ölverschmutzung bei Basel. Weitere Einzelheiten unterschlagen wir an dieser Stelle und gehen über zu den bemerkenswertesten Meldungen des Oktobers:

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Die Bedeutung des Rheins für Köln beleuchtet der Kölner Stadt-Anzeiger. 600 Schiffe, bis zu 135 Meter lang und 17 Meter breit, passieren täglich die deutsch-niederländische Grenze und etablieren den Fluß als eminente Handelsroute: “Die Bedeutung des Rheins und der Binnenschifffahrt dürfte sogar weiter wachsen. Denn die „Zara“-Häfen (Zeebrügge, Antwerpen, Rotterdam, Amsterdam) werden derzeit kräftig ausgebaut. Was in den belgischen und niederländischen Seehäfen ankommt, wird dort umgeschlagen und oft auf Rheinschiffen nach Deutschland transportiert – und umgekehrt. Der Warenverkehr zwischen Holland und Deutschland gehört mit einem Umfang von jährlich 160 Milliarden Euro zu den größten Handelsvolumina in der Welt.” Die NRW-Binnenhäfen erreichen dabei gemeinsam nahezu das Umschlagsvolumen des Hamburger Seehafens. Als Transportweg nehmen die Wasserstraßen in Deutschland bisher hinter Straße und Schiene den dritten Rang ein: “Trotz einiger aufsehenerregender Havarien gehört das Binnenschiff zu den sichersten Transportmitteln. Fast ein Viertel der darauf im ersten Halbjahr 2015 beförderten Güter fiel deshalb in den Bereich Gefahrgut wie Benzin, Heizöl, Methanol, Säuren, Ammoniak. Am häufigsten verschifft werden auf dem Rhein aber Erze, Steine und Erden. Es folgen Kokerei- und Mineralölerzeugnisse sowie Kohle, Rohöl, Gas und chemische Produkte. Ford lässt per Schiff Neuwagen ins Ausland verfrachten.”

2
“Weil er Phosphor mit Bernstein verwechselt hat, erlitt ein Mann in Neuss schwere Verbrennungen. (…) Am Rhein fand er einen tischtennisball-großen, feuchten Gegenstand. Diesen hielt er nach eigener Aussage für Bernstein. Der Mann nahm den vermeintlichen Bernstein laut Feuerwehr Neuss in seiner Hosentasche mit. Als er im Auto bereits auf dem Weg nach Hause war, entzündete sich die Kugel. Der Rentner erlitt schwere Verbrennungen am Oberschenkel sowie an Hand und Arm. Mit einem Rettungshubschrauber wurde er in eine Spezialklinik für Verbrennungen nach Köln-Merheim geflogen.” In Neuss handelte es sich um den ersten bekannt gewordenen Phosphorfund. Insgesamt sei der hochgiftige und entzündliche Weiße Phosphor, der von Bernstein optisch nicht zu unterscheiden sei, am Rhein extrem selten. Bisher gefundenes Material stamme aus durchgerosteten Fliegerbomben. Weitaus häufiger tauchten komplette Kampfmittel in Flußnähe auf, berichtet die WAZ.

3
Ein ungewöhnlicher Todesfall beschäftigt die Kölner Polizei zur Monatsmitte. Auf der Zoobrücke hatte sich ein Auffahrunfall mit Blechschaden ereignet: “Als Polizisten hinzukamen, sicherten sie die Unfallstelle ab und sprachen mit dem Seat-Fahrer. Der 39-Jährige sei langsam zum Brückengeländer gegangen, plötzlich über die Brüstung gestiegen und hinunter gesprungen. Er war sofort tot. Es gebe nicht den geringsten Hinweis darauf, dass der Mann sich womöglich einer Polizeikontrolle entziehen wollte, berichtete ein Ermittler. Im Polizeicomputer habe der Kölner keinen einzigen Eintrag gehabt.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

4
Eine mysteriöse Autofahrt in den Rhein bei Urmitz vermeldet das Netzportal Arcor: “Zeugen hatten (…) beobachtet, wie nahe der ehemaligen Nato-Rampe auf Höhe des Atomkraftwerks ein Wagen in den Rhein fuhr, abgetrieben wurde und unterging.” Das von Rettungskräften geborgene Vehikel wies keinen Insassen auf.

5
Rheinapplizierte Mietvehikel meldet die Kölner Lokalpresse (Express, Xtra): “Fahrradfahren macht fit, man ist an der frischen Luft – und landet manchmal im Rhein! Das versicherte uns zumindest die KVB-App (…): Einige Meter nördlich von der Mülheimer Brücke stand laut KVB-App ein Leihrad im Rhein. Seit Mai bietet die KVB einen Leihrad-Service für die Stadt an. Einloggen, losradeln und einfach am Ende seiner Tour irgendwo in Köln abstellen. Per GPS lassen sich die Räder orten, auf einer interaktiven Karte kann man nach Rädern in seiner Umgebung suchen.” Für die “im Rhein” abgestellten Mieträder ist die fehlerhafte GPS-Ortung des KVB-Systems verantwortlich, welche Standorte ungenau, im berichteten Fall um 150 Meter verschoben, angibt. Die KVB sind in Köln allerdings nicht die einzigen Anbieter mit feherhafter Ortung. Auch Mietautos der Firma DriveNow wurden potentiellen Abholern auf Smartfone-Apps schon als “im Rhein parkend” angegeben.

Bürger-Schützenfest Neuss

neuss_costaNeuss, Schütze aufgesessen. (Foto: Costa “Quanta” Costa)

“Das Neusser Bürger-Schützenfest ist das Schützenfest der Stadt Neuss am Rhein. Es wird jährlich am letzten Augustwochenende ausgerichtet. Mit mehr als 7.000 marschierenden Schützen und Musikern (ca. 1600 Musiker) ist es zwar kleiner als das Schützenfest Hannover, gilt aber als das weltweit größte Schützenfest, das von einem einzigen Schützenverein organisiert wird und bei dem keine Gastzüge aus anderen Städten teilnehmen. Im Jahr 2012 wurde die Rekordzahl von über 7200 Marschierern erreicht. Das Schützenfest ist mit seiner Königsparade, den Festzügen, dem Königsschießen sowie etlichen Begleitveranstaltungen ein gesellschaftlicher Höhepunkt in Neuss sowie der näheren und weiteren Umgebung und zieht bis zu einer Million Besucher an.” (Wikipedia)

Presserückschau (Februar 2014)

Ein Monat geheimnisvoller Vorfälle am Rhein war der ausgehende Februar. Die interessantesten Meldungen auf einen Blick:

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Von einer mysteriösen, 500 oder 591 oder über 600 Meter langen (die Angaben in den Artikeln variieren), zunehmend kräftigeren und gegen Ende taumelnden Blutspur in Leverkusen-Rheindorf berichten Express und der Kölner Stadt-Anzeiger: “Die Spur beginnt an der Peenestraße in Rheindorf-Nord und zieht sich über einen Wirtschaftsweg an der Autobahnbrücke zu A 59 bis an einem Hitdorfer See. Dort endet sie. Die Polizei suchte die Gegend zunächst mit einem Hubschrauber ab. Auch ein Fährtenhund wurde eingesetzt. Der Spürhund, ein amerikanischer Bloodhound, ist speziell auf diese Fälle ausgebildet.” Eine Tauchersuche blieb ergebnislos. Unterdessen hatte ein anonymer Anrufer beim Notruf behauptet, die Spur stamme von ihm, nachdem er “sich geschnitten” hätte. Für die Polizei bleibt der Fall weiterhin ungeklärt.

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FAZ-Reporter Dieter Bartetzko wurde von einem Rentner in Bingerbrück zu einem alten Gewölberaum geführt, in dem ein versteckter Kunstschatz lag. In “zweiundzwanzig faulenden Bananenkartons” lagerten Kannen, Krüge und Schalen, die der Reporter dank seines Kunstgeschichtsstudiums als spätmittelalterlich einstufte. Da viele der Gefäße mit Inventarnummern gezeichnet sind, dürfte es sich bei dem Schatz, so Bartetzko, um Diebesgut, womöglich aus dem Landesmuseum Mainz, handeln. Neben mittelalterlichen Gefäßen umfaßt der Fund auch Fliesen, die nach Bartetzkos Einschätzung aus der Renaissance oder dem Frühbarock stammen könnten. In einem Karton stieß der Reporter auf zwei Totenschädel und Knochen, die nun von der Polizei untersucht werden müssen. Für den Nibelungenhort dürfte der Schatz deutlich zu jung sein. Im Mainzer Landesmuseum werden indessen keine Stücke der gefundenen Art vermißt.

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“Rocker-Arm im Rhein gefunden” titelt die BILD und zeichnet eine Landschaft mit Körperteil: “Das Rheinufer im Duisburger Stadtteil Mündelheim, Schafe grasen, ein Spaziergänger geht mit seinem Hund Gassi. An diesem idyllischen Ort machte ein Angler eine grausige Entdeckung: Am Ufer wurde ein abgetrennter Arm angespült. Als Gerichtsmediziner das Körperteil untersuchen, wird schnell klar: Es handelt sich um ein grausames Verbrechen. Denn der Arm wurde nicht durch eine Schiffsschraube abgetrennt, sondern mit einem scharfen Messer.” Polizei und Staatsanwalt hielten sich mit der Preisgabe von Informationen bedeckt, schreibt die BILD, weiß jedoch, daß der Arm posthum abgetrennt wurde und welcher Gemeinschaft er angehörte: “(…) Auf dem Unterarm prangt die Tätowierung „AFFA“ (Angel forever, forever Angel). Im Klartext: Der Arm gehörte einem Hells Angel.”

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Drei Personen verschwanden Mitte des Monats im Rhein bei Köln, zwei tauchten wieder auf. Der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet, “eine 30-Jährige Frau (sei) mit einem neun Monate alten Jungen unter der Mülheimer Brücke in den Rhein gestiegen. Eine Passantin bemerkte dies und konnte das Kind noch aus dem Wasser ziehen. Sie zog es aus und wärmte es unter ihrem Mantel. Die Mutter des Jungen konnte vom Boot einer Segelschule gerettet werden. (…) Kurz vorher war von der Deutzer Brücke ein dunkel gekleideter Mann mit kurzen roten Haaren in den Rhein gesprungen. Er konnte in den Fluten nicht gefunden werden.” Eine spätere Version des Artikels bezeichnete den “dunkel gekleideten Mann” als “47-jährige Frau”.

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In Köln und Leverkusen werden rund 300 Löcher ins Erdreich gebohrt, um die Bodentragfähigkeit für eine neue Autobahn-Rheinbrücke zu eruieren: “Mit einem gut 40 Meter langen Bohrer durchlöchern die Straßenbauer ab sofort den Boden in Ufernähe, um dessen Beschaffenheit zu prüfen. Auf diese Weise soll der spätere Verlauf der Trasse bestimmt werden. In den kommenden sechs Monaten werden (…) Bohrungen zwischen Köln-Niehl und Leverkusen-West durchgeführt (…). Um Fahrer nicht abzulenken, ist das Bohrfeld von einem Sichtschutz verdeckt.” (Kölnische Rundschau)

Den Überlebenden der Maggikalypse

oder auch des Armaggiddon, wie Michael Schönen in einem berühmten sozialen Medium schrieb, ist die maggikalyptische Geschichte des gestrigen Tages von den herkömmlichen Medien inzwischen ausführlich und zureichend erklärt worden: gegen 14 Uhr war am Dienstag von Seiten der Kölner Feuerwehr Entwarnung gekommen. Beim Aromenhersteller Silesia in Neuss-Allerheiligen seien bei einem Destillierprozeß in der Nacht zuvor vier Kilogramm Sotolon, ein künstlicher Aromastoff, entwichen und mit dem Nordwind Richtung Köln gezogen. Als im Laufe des Vormittags der Wind drehte, wanderte der Geschmacksstoff ein wenig links und rechts des Rheins entlang und schließlich an seinen Herkunftsort zurück. Sotolon riecht in hoher Konzentration nach Liebstöckel, dem sogenannten Maggikraut. Gesundheitsschädlich sei Sotolon nicht, verlautbarten Experten. Mit dieser Feststellung dürften auch die Spötter über die Besorgten gesiegt haben. Denn während eine Hälfte Kölns die Leitungen von Feuerwehr und Katastrofenschutz heiß laufen ließ, ergingen sich abgebrühtere Bürger in Kreativität. Ob sie sich dabei von den Protesten am Istanbuler Taksim-Platz inspirieren ließen, blieb zunächst ungewiß. In Istanbul, das u.a. mit dem Slogan „Taksim ist überall!“ in den vergangenen Tagen weltweit zum Synonym für einen kreativen Aufstand mit Galgenhumor geworden ist, kursieren zahlreiche Sprüche und Lieder zum maßlosen Tränengaseinsatz der Exekutive, der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan hat von seinen geliebten çapulcu-Bürgern den neuen Kosenamen „Gasvater“ erhalten. In Köln bewiesen die Medien wie sich eine funktionierende Demokratie nicht zuletzt auch in der Berichterstattung bewährt. Wo die türkischen Mainstream-Medien sich bis auf die Knochen blamierten, schaltete der Stadt-Anzeiger umgehend einen Katastrofen-Liveticker, der zum WDR gehörige Radiosender 1 Live beließ es nicht bei der Berichterstattung, sondern übernahm sogar die Rolle des Sponti-Protestlers und entwarf im Eilverfahren ein höchst anschauliches Domposter mit zwei Maggiflaschentürmen:
maggikalypse

Und ein via Twitter kursierender T-Shirt-Entwurf für den noch zu überlebenden Tag kündete bereits mitten im Maggidunst profetisch-optimistisch vom Verwinden des Weltuntergangs:
maggikalypse überlebt

Das Rheinland riecht nach Maggi

Maggikalypse now: zahlreiche Online-Medien berichten heute von einem „würzigen, ätzenden Geruch“, der, seit den frühen Morgenstunden von Köln ausgehend, sich via Leverkusen, Dormagen und Neuss über das Rheinland breite und mittlerweile (Stand: High Noon) in den südlichen Düsseldorfer Stadtteilen angekommen sei. Herkunft und Bestandteile des Geruches seien unklar, die Feuerwehr ermittle fieberhaft, aber bisher ergebnislos mit Massenspektrometer und Luftgas-Chromatografen. Die in der Gegend ansässigen Farmaunternehmen „wüßten von nichts“. Zuerst am Niehler Ei, dann in ganz Köln sei das Fänomen aufgetreten, das nach Maggi oder Majoran rieche. Im Laufe des Vormittags konnte rheinsein einen leichten Maggi-Geruch auf unserem Kölner Balkon bestätigen. Ein Mitarbeiter des benachbarten Nippeser Bürgeramtes habe Übelkeit beklagt und sich ins Krankenhaus bringen lassen. Inzwischen wirkt zumindest die Balkonluft wieder rein bis geschwängert von schweren Hollerblütenschwaden aus dem Hinterhof. Richtung und Tempo des bizarren Maggi-Wandergestanks nach zu schließen, scheint er sich an die Vorgaben des Rheins zu halten. Ob er bis in die Niederlande vorzudringen gedenkt, ist bis dato noch ebenso unklar wie ob er Köln, seine offenkundige Homebase, bereits vollständig verlassen hat.

Rheinische Revolution: die RBTA

Die Revolution findet im Internet statt. Nicht nur, aber auch. Der lange so genannte “virtuelle Raum” hat die Realität längst absorbiert. Innerhalb der Virtualität des Netzes bilden sich indessen reale und virtuelle Subkategorien und verbinden sich wiederum mit prä-, semi- und vollelektronischen Lebensformen der Erstwelt. Enno Stahl führt nun die seit Jahren vermutete rheinische Revolution auf allen Ebenen fort: rundumdieuhr via Hector Pandotero auf seinem neuen Blog und, wie es sich für eine zünftige Revolution hierzulande gehört, auch pünktlich und höchstselbst zu festgesetzten Uhrzeiten (inklusive Sommerpause) im Zentrum der Bewegung in Neuss:

2pac-amaru-hector

“auf diesem blog wird commandante hector pandotero, anführer der “rheinischen bewegung 2pac amaru” (rbta), regelmäßig über bevorstehende aktionen berichten. wir fordern die deutsche bevölkerung auf, sich aktiv an diesem blog zu beteiligen. wir werden jeden kontakt ernstnehmen und fragen zu unserem vorgehen offen beantworten. wer wir sind und wie unsere aktionen verlaufen erleben sie am sa.6.7.(premiere) / fr.12.7. / sa.13.7. / fr.6.9. / sa.7.9. / fr.13.9. / sa.14.9., jeweils um 20 uhr im kulturforum “alte post”, neuss.”