Der Rhein für die gebildeten Stände (3)

Der Rhein durchfließt zuerst Graubündten, macht die Grenze zwischen dem vorarlbergischen Kreise und dem schweizer. Cantone St.-Gallen, scheidet dann, nachdem er den Bodensee verlassen hat, das Großherzogthum Baden und die Schweiz, von Basel an, wo er sich nördl. wendet, dasselbe Großherzogthum und die franz. Departements des Ober- und Niederrheins, sowie den Rheinkreis des Königreichs Baiern; durchströmt nun das Großherzogthum Hessen, das Herzogthum Nassau, die preuß. Provinz Rheinland und zuletzt die Niederlande. Die vornehmsten in denselben sich ergießenden Flüsse sind: die Aar, die Jll, die Kinzig, Murg, der Neckar, der Main, die Nahe, Lahn, Mosel, Erft, Ruhr und Lippe. Viele beträchtliche Städte liegen an seinen Ufern, so in der Schweiz und Deutschland: Konstanz, Schaffhausen, Basel, Alt-Breisach, Speier, Manheim, Worms, Mainz, Bingen, Koblenz, Neuwied, Bonn, Köln, Düsseldorf, Wesel und Emmerich. An Fischen ist der Rhein sehr reich. Man fängt darin Salmen, welche im Frühlinge im Hinaufsteigen aus der See Lachse, hernach aber, wenn sie sich gegen den Herbst wieder nach dem Meere zu wenden, Salmen genannt werden, Rheinstöre, Neunaugen, Hechte, Karpfen, oft zu 20 Pfund schwer u.s.w. An Federwildpret hält sich auf den unzähligen Rheininseln und dessen Ufern eine Menge verschiedener, oft seltener Gattungen auf. Auch führt der Rhein etwas Gold unter seinem Sande, welches theils aus dem Gebirge Helvetiens, theils aus dem des Schwarzwaldes kommt. Eine vorzügliche Wichtigkeit, besonders für das westl. Deutschland, hat der Rhein durch die Schiffahrt. (S. Rheinschiffahrt und Rheinhandel.) Er wird von Chur in Graubündten an befahren; unter Schaffhausen fängt die bequemere Schiffbarkeit des Stromes an; allein die größere Rheinschiffahrt mit schwer beladenen Schiffen beginnt erst bei Speier. Von Strasburg bis Mainz gehen Schiffe, die 2000—2500 Ctr. laden, von Mainz bis Köln Schiffe von 2500—4000 Ctr., und von Köln bis Holland Schiffe, welche 6000 —9000 Ctr. tragen. (S. Flöße.) Außer den Rheinfällen hält man für die Schiffahrt gefährlich: 1) Das Bingerloch, bei Bingen, sechs Stunden unterhalb Mainz. Hier nähern sich die Berge, welche den Rhein einschließen, von beiden Seiten so, daß man bis an das Flußbett hinein den ehemaligen Zusammenhang der gegenseitigen Felsen gewahr werden kann. Diese Felsenwand, die sich von einem Ufer zum andern erstreckte, wurde wahrscheinlich im Laufe von Jahrhunderten durch die Gewalt des Wassers oder durch eine Erdrevolution zum Theil zertrümmert und ließ nun dem Strom eine zwar freie, aber enge Bahn. Karl der Große ließ diese Öffnung erweitern, doch blieb sie noch immer so enge, daß nur ganz kleine Fahrzeuge die Fahrt machen konnten. Erst unter dem Kurfürsten Sigismund von Mainz wurde der Weg für größere Schiffe fahrbar und minder gefährlich. Die einzige Durchfahrt, welche man das Bingerloch nennt, war bis zum J. 1834, wo die preuß. Regierung durch Sprengen dieselbe erweitern ließ, nur 50 F. breit, und auch jetzt ist dieselbe bei niedrigem Wasser nicht ohne Gefahr zu passiren. Daselbst steht auch mitten im Wasser auf einem Felsen Hatto’s Thurm oder der Mäusethurm. (S. Hatto.) 2) Das wilde Gefährt bei Bacharach, wo der Strom im Thalwege mit fürchterlichem Gefälle des Wassers zwischen Felsen und Banken eine Art Trichter bildet. Dasselbe ist nur für die den Strom hinabfahrenden Schiffe gefährlich. 3) Die sogenannte Bank von St.-Goar, wo des Flusses Wellen an eine Gruppe theils sichtbarer, theils verborgener Klippen anprallen und einen Strudel bilden. 4) Der kleine und große Unkelstein bei dem Städtchen Unkel, eine Gruppe Basaltsäulen, die theils unter dem Wasser verborgen sind, theils hervorragen. Die größere Gruppe, der große Unkelstein genannt, ist unter der franz. Herrschaft hinweggeräumt worden, und auch die kleinen Gruppen können bei hohem Wasser von leeren Schiffen überfahren werden.

(aus: Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände. Conversations-Lexikon, Band 9, F.A. Brockhaus Verlag, Leipzig 1836)

Mit der Schwarzwaldbahn von Offenburg nach Konstanz (2)

Weiter durchs Zweidichterdorf Hausach, das eigentlich fast ein Dreidichterdorf zu nennen wäre, weil es sich jedes Jahr über Monate hinweg zu den beiden ortsansässigen noch einen zusätzlichen Gastdichter leistet. Am Kinzigufer weiden Bungalows aus mallorquinischen Feriensiedlungen. Kein Mensch weiß wie sie dort hingelangt sind. Jetzt glotzen sie aus quadrischen Fensteraugen auf das reine saftig grüne Tal. Oh, wohnten wir doch gelegentlich dorten! (Wir glotzten ebenfalls aufs Tal und über die Hügel und in den Himmel sowieso und erhöhten die Hausacher Dichterdichte.) Es geht auf halb zwei Uhr nachmittags zu und schon senkt sich der Tag zur Neige, der folgende stundenlange neblicht-zwielichternde Abenddämmer gilt weithin als Spezialität und Alleinstellungsmerkmal des Schwarzwalds; unter einigem Zinnober („Sehr geehrte Fahrgäschte!“) wird der Zustieg der langersehnten Minibar samt fescher Oberkellnerin verkündet, der Zug schlängt sich in einem Anfall von Selbstmärklinisierung mitten durchs Freilichtmuseum Vogtsbauernhof, in/ab Hornberg (wo das berühmte Schießen stattfand und eine der größten begehbaren Toilettenschüsseln der Welt steht) beginnen die 17.000 Tunnel, deren jeder seinen eigenen Namen trägt, die wir an einem unerfüllten Tag vielleicht einmal in den Fußnoten nachreichen werden. Hornbergs beheiztes Freibad wirkt tief im November so veralgt wie vergessen, die Kinzig umschäumts mit silbrig aufgeworfenen Parolen aus ihren wildwassernden Jugendtagen. Aus fernen und nahen Schwarzwaldritzen nebelts, dampfts und rauchts in vorbildhafter Urigkeit, schön ebenmäßig grau asfaltiert folgt die Landstraße ihrem Dao, das sie zwingt, bisweilen mit der Kinzig die Klingen zu kreuzen. Rasende Wechsel aus Tunneln und Tannengerippen machen die Reise zur Geisterbahnfahrt, umgeben von brütenden Nebelküchen, aus deren senkrecht entweichenden Schwaden wir nicht zu lesen vermögen, was wohl dort auf dem Herde steht. Triberg taucht auf, ein amerikanischer Vergnügungspark mit einigen der größten begehbaren Kuckucksuhren der Welt und zugefrorenen Wasserfällen (den höchsten Deutschlands). Im Triberg-Ambiente wird plötzlich klar, was die kräftig in ihrer Nebelbrühe rührenden Schwarzwaldtannen da auskochen: Schnee! Zum Beflocken ihrer selbst! Um wiederum ein Vorbild abzugeben für Schneekugelinventare. Eigenwillig und rätselhaft ist und bleibt die Natur. Doch schon dringt die Bahn in was ebeneres, beginnt die Baar, mit fast schon städtisch anmutendem Bebau, auch riechts nach früher Donau: St. Georgen. Ein Bächlein klein und fein und kühl mäandert die Brigach um Industriehallen, vorbei an Forellenhöfen mit holzrauchenden Schornsteinen, torft vor sich hin, wildert, salamandert, wächst und hält die Abgeschiedenheit, ihr gleichzeitig entfliehend, aus. Auf Villingen zu, wo der Neckar bei- und entspringt, um dem Rhein ein paar Brocken Schwäbisch beizubringen.

Mit der Schwarzwaldbahn von Offenburg nach Konstanz

Von Rhein zu Rhein solls gehen, durch flußgebende Spannungsfelder. Gschwind noch e Fleischkäsweckle beim Offeburger Bahnhofsbäcker, wo mehr en zugige Verschlag halber hauße ausm Bahnhof isch. Vom Bahnsteig aus läßt sich gut beobachten wie das Schienenkraut die Gleise entlangwächst. Offenburg ist unter Zugreisenden bekannt für seine Anschluß-Wartezeiten. Der Bahnsteig ansonsten völlig leer, bis auf uns und einen Schwarzen, die wir auf derselben Sitzbank an unsern Fleischbrötchen kauen. Kaum haben wir uns fünf Meter von der Bank entfernt, um Serviettöses zu entsorgen, erschallt mit Wucht eine Lautsprecherdurchsage: „Ein wichtiger Hinweis der Bahn: achten Sie auf Taschendiebe und lassen Sie Ihr Gepäck nicht unbeaufsichtigt stehen!“ Welcher wichtige Hinweis würde wohl erschallen, wenn der Schwarze sich nun unser Gepäck schnappte und damit die Biege machte? „Das war prompt“, sagen wir in Richtung des jungen Mannes, „wir beide müssen gut aufpassen, was wir hier tun, wir werden videoüberwacht“. „Noi, die hen koi Kameras, nur Ferngläser, woisch, die moine mich, ich bin z`schwarz.“ Nur noch eine halbe Stunde und der Anschlußzug dürfte auftauchen. Allmählich füllt sich der Bahnsteig mit Frierenden. Ein freundlicher Rentner von der Bahnhofsmission begrüßt sie alle per Handschlag und mit aufmunternden Worten. Falls jemand zusammenbreche, werde er sich kümmern – und falls innert der nächsten beiden Stunden kein Zug käme, heißen Tee bringen. Der Zug kommt auf die Minute pünktlich. Offenburg zu verlassen, ist immer wieder schön. Sogleich meldet sich der charismatisch dialekttreue Zugbegleiter mit expressiven, diesmal reimfreien Erklärungen. Draußen Möschle Behälterbau (ja, b`halte denn die B`hälter au?) und Schulschluß in Gengenbach mit seinem kinzigenen „Flössermuseum“ (Dreisam, Kinzig, Murg etc – die hübschen Schwarzwaldaus(fall)flüßchen: wie geschwisterlich sie sich ähneln in ihren rasenbegrünten Eingedeichtheiten!). Ha! Schon tauchen sie auf: hübsche, nitzefitzelige, wie für Sagenländer erdachte Hügelchen und spürbar wirkt der Sog des Rhein-Donau-Neckar-Kraftfelds. Außerplanmäßige Stops der Panoramabahn: Tribute an heute selten gewordene Fänomene: aus den Hügeln über Biberach/Baden etwa steigt, vom Zugbegleiter plastisch moderiert, echter Köhlerhaufenrauch. Zudem muß der Lokführer auf dieser Strecke die Bahnübergänge eigenhändig sichern. Haslach („in Haslach gräbt man Silbererz“) heute: stellt man dort Präzisionsdrehteile her und das Zentrum besteht aus drei Supermarkthallen: ALDI, REWE, edeka.

Rheinzitat (3)

“Abgesehen davon, daß der Rhein hier Neckar heißt, haben Sie recht.”
(Kommissar Sebastian Bootz, in der Stuttgarter Tatort-Folge “Hart an der Grenze”)

Der Rhein bei Maurice Genevoix: die weltweit immergleiche Heidelbergerinnerung

Fortgesetzt bürgerlich-akademisch-romantische Vorstellungswelten bringt Genevoix in der Heidelberg-Passage seines Lorelei-Romans zum Klingen. Die restliche Handlung spielt wohl deswegen großteils in Offenbach am Main, um proletarische Perfidie gegenüber dem sinnsuchenden jungen Bürgerhelden aufbauen zu können. In Heidelberg aber geht es ideal und idealer zu: „Die Universität hatte ihre Tore der Ferien wegen geschlossen. Die Straßen der Altstadt waren fast leergefegt. Unter dem Gasthausschild vom „Roten Ochsen“ (…) fanden sie die Weinstube halb offen, verschlafen in der Straßensonne und drinnen absolut still. Sie waren dann wiederum unter dem Brückentor zum rechten Neckarufer hinübergegangen und noch einmal zum Philosophenweg aufgestiegen. Der Abend tauchte jetzt das ganze Tal in ein durchsichtiges, vergoldetes Licht. Unter einem Behang von Zweigen und über Blumenbeeten und Rasen genossen sie die Aussicht auf den langsam und majestätisch fließenden Fluß. Ruderboote, bunt angestrichen, glitten vorüber; wenn die Ruder aus dem Wasser tauchten, gleißte Sonnenuntergangslicht auf ihren Blättern.“ War das Idyll vor der Epoche idyllenbestätigender kamerabehängter Touristenhorden wirklich ein Idyll (für wen)? Der Neckar ein majestätischer Fluß? Brentano, Arnim, Hölderlin nicht eher Schwärmer mit fehlender Wahrnehmungsgabe für schweißige Unterströme rheinischen Elends? Die Heidelberger Tourismusindustrie schien lt. Genevoix jedenfalls bereits vor dem Ersten Weltkrieg mit Raffinesse angelaufen: „Im großen fenstertürigen Speisesaal aßen sie vorzüglich vorbereitete Flußforellen, hielten in langstieligen Gläsern einen feurigen Johannisberger im Gegenlicht hoch. Dabei schauten sie zu, wie eine fröhlich schwatzende Menschenmenge sich den Weg herabwälzte und auf die Alte Brücke losmarschierte. Unmerklich war es unterdessen über Wasser und Hügeln dunkler geworden. Von Zeit zu Zeit fuhr ein flacher Schleppkahn auf dem Fluß dahin, geriet in einen seidenglatten Strudel. (…)“ Unter Ahs und Ohs betrachtet die Reisegruppe nun eine Schwanenfamilie. Doch es kommt noch dicker: „Die drei Schwäne entschwanden in der Dunkelheit. Gleichzeitig wurden die Wälder um Heiligenberg von einer Geschoßgarbe von Raketen beleuchtet; sie stiegen in den Himmel empor, fielen als Regen roter, grüner, blauer Sterne herab, wurden ein Stückchen abgetrieben, ein kosmisches Geknatter am Himmel, indes eine letzte, irgendwo hinverirrt, losging und durch die Nacht dröhnte. (…)“ Der Fokus wechselt alsbald auf den unvermeidlichen Höhepunkt eines solchen Heidelbergbesuchs, die allabendliche Gothic-Show am Schloß: „Bengalische Feuer hatten die gewaltige Fassade lichterloh erhellt. Zugleich wurden ganze Reihen von leeren Fensterhöhlen illuminiert. Die beleuchteten Dächer der einzelnen Bauten, der Turmspitzen, dann wieder Winkel und Ecken in unheimlichem Dunkel, das plötzlich tausendfältige Zischen der Raketen und Leuchtkugeln – man hätte glauben können, ein riesiges Ölgemälde, magisch aus dem Nichts heraufgeholt, eine feenhafte Theaterkulisse, erscheine ihnen vor Augen. Der Stadt unten, ihren Dächern, ihren Türmen, ihren Kirchturmspitzen, dem Fluß, ja den Menschen selber haftete, wenn sie sie anschauten, etwas Phantastisches, Festliches an: ein Traum von einem Deutschland, außerhalb aller Zeiten.“

Von den fliessenden wässern Teütsches lands.

ES ist kein land in dem gantzen Europa / darin man so vil vnd so gros wässer findt als in Germania oder Teütschland. Under denen ist das erst vn das gröst die Tonaw / die im Schwabeland oder im Schwartzwald im dorff Doneschingen entspringt / vnnd laufft gegen Orient in das Pontisch möre / vnd schöpfft in sich sechtzig andere große vn schiffreiche wässer / ehe sie in das mör lanfft. Die alten nennen den berg darauß sie entspringt Abnobam / wie wol mer dan auff ein halbe meyl kein berg bey jrem vrsprug ist / sunder sie quelt mit einem grossen fluß auß einem bühel / der über zwo oder drey closster hoch nit ist / wie jch das eigentliche vnd wol besehen hab / vnd ein besunder tafel darüber gemacht. Es ist bey den alten gelerten männern ein gros begird gewesen den vrsprung dises wassers zu sehen / darumb auch ettlich von Rom härauß zogen / domit sie gesehen möchten seinen vrsprüngliche brunnen. Wir lesen auch von Tiberio / do er ein mal komme was zu dem Bodensee / nam er für sich ein tagreiß zu besichtigen den anfang der Tonaw.
Das ander groß wasser ist der Rhein / vnnd der entspringt hinder Chur im höchsten Schweytzer gebirg / Strabo nent den selbigen berg Adulam / vnd hat der Rhein daselbst zwen vrsprüng / vnd werden auch beide der Rhein genant / lauffen zusammen ein Teütsch meil ob Chur. Einer heißt der vorder vn der ander der hinder Rhein. Von vrsprung des vordern Rheins ist es ongeferlich drei stund fußgangs biß an vrsprung des Rhodans rechter distantz vnd nit weiter / wo es vor den obersten bergspitzen der richte nach zu wandlen möglich were. Do entzwischen in gerader lini ligt der berg Gotthart / vor zeite Sume Alpes / das ist das höchst Alp gebirg genant / darin entspringt Ticinus / laufft gegen mittag in Italiam. An der gegen seite die Rüß / laufft durch Vry in Lucerner see / vnd darauß gegen mitternacht in Rhein. Aber der obgenant Rhodan laufft anfangs gegen vndergag / vnd der vorder Rhein von seinem vrsprug biß ghen Chur gegen auffgang. Vnd also geben dies flüß alle vier bey jrem vrsprung auß fliessende / ein creütz / deß halb nit onbillich die höhe des gebirgs doselbst / Summe alpes genant werden. Der Rhein laufft anfangs biß ghen Chur / demnach wendt er sich gegen mitnacht / vn macht zwen grosse seen / der erst heißt der Brigantzer oder Costentzer oder Bodensee. Etlich meinen das er vorzeite Lemannus hab geheissen / aber mögen das nit gnügsam probieren. Diser see geüßt wider auß jm bey der statt Costentz den Rhein / vn nit fern von der statt theilt sich der Rhein in ein andern see / den die alten haben genent lacum Venetum / aber ietzundt nent man jn den Undersee oder den Cellersee / vnd do krümpt sich der Rhein gegen vndergang / vnd behalt auch den lauff biß ghen Basel / do kert er sich gegen mitnacht / etc. Das dritt wasser ist der Necker vn des vrsprung ist nit über drey oder vier stund fußgangs von dem anfang der Tonaw. Er wirt auch zimlich gros / ehe er in den Rhein kompt / durch andere vil wässer / die allenthalben von dem Schwartzwald daryn rinen / vnder wölchen die fürnempste seind die Entzg / die von Pfortzen härab kompt / der Cochar vnd die Jagt / die von Elbangen durch Schwaben vnd durch den Otenwald fliessen / vnd bey Wimpffen in Necker fallen. Das vierd schiffreich wasser ist der Mayn / der hinder Bamberg in Voitland entspringt / vnd darnach mit grossen krümmen durch das Francken land dem Rhein zu laufft. Das fünfft ist Amasus die Emß / die druch Frießland laufft / die Weser / die aus Hessen läd durch Brunschweigerland dem mör zu laufft. Das siebend ist Albis die Elb / von die kompt auß Behmer land und laufft durch Meyßen und Sachsen dem mör zu. Das acht Suenus / die Spre. Das neündt Viadus / die Oder. Das zehend Vistula die Wixel. Vnd über dem Rhein Obrinca / das ist die Mosel. On dise schiffreiche wässer / seind sunst onzelich andere wässer im Teütsch land / die jre beywonern nit zu kleinem nutz dienen / als die Nahe bey Creütznach / die Brüsch vnd Jll zu Sraßburg / die Murg in der Marggraueschafft / die Kintzig zu Offenburg / die Ar / die Limmat / vnd Rüsch im Schweytzerland / der Lech bey Augspurg / der vor zeiten die Baiern hat gescheiden von den Alemannern / die Vindelici hiessen. Die Jser bey München vnd Landshut / der Jn von Jnspruck gegen Passaw / item Anisus der Ens / der vor zeiten die Hunen hat gescheide von den Baiern. Gang jch über die Thonaw in das Mortgöw zu dem Fichtelberg / so find ich ein gantzen hauffen wasser die daraus fliessen vn do sein vrsprung nemen / als nemlich die Nab / die Sal / der Eger / vnd die Pegnitz.

(Soweit Sebastian Münster in seiner Cosmographia, hier zitiert nach der Ausgabe von 1550. Die Cosmographia liegt nun digitalisiert vor, in zwei deutschen (davon der hier zitierten, recht lesefreundlichen, der Uni Köln) und einer lateinischen Version.)

Auguste Duméril sur les bords du Rhin (3)

Voilà, sans contredit, une des plus belles choses que j’ai vues, pendant ce voyage, où j’ai eu si souvent à partager mon admiration, entre les spectacles offerts par une admirable nature, et de magnifiques travaux, dus à la main de l’homme. Rien de plus imposant, que ces ruines gigantesques, dont le bombardement, ordonné par Louis XIV ; et la foudre, qui a détruit une aile, ont fait une des choses les plus curieuses qu’on puisse voir. Construit sur des montagnes, qui bordent le Neckar et dominant la ville, cette masse imposante de constructions, à demi-détruites, mais qui cependant laissent encore dominer l’ancienne ordonnance, semble témoigner de la puissance des anciens ducs palatins. D’une ancienne plate-forme, d’où la vue plonge sur la ville, sur le Neckar, si pittoresque, et au loin, sur le Rhin, et les montagnes qui le bordent, j’ai joui du ravissant spectacle du coucher du soleil. Ce vieux château, que l’on conserve avec tant de soin, je l’ai visité dans tous ses détails, et vous comprenez que je n’ai pas manqué de visiter les magnifiques caves où se voit le célèbre tonneau monstre, et qui contient je ne sais plus combien de centaines de milliers de bouteilles: c’est curieux, mais un peu prosaïque, au milieu de tout cet ensemble si pittoresque. Le lendemain matin, j’ai voulu voir le lever du soleil, sur une autre montagne, double au moins, en hauteur, de celle où est construit le château: j’étais en route à cinq heures et ¼, mais une fois en haut, le brouillard était tellement épais que j’en fus pour ma peine, mais n’en n’ai pas moins fait une charmante promenade, en redescendant la montagne, du côté du Neckar, et de là, on a de délicieux points de vue. Sur la rive opposée de cette rivière, et mi-côte, Fiedemann, alors absent, possède une charmante maison de campagne. J’ai vu, de loin, la maison où les étudiants vont se balafrer la figure: c’est une espèce de cabaret, où les combats ont lieu dans une grande salle: ils sont sévèrement interdits, mais l’amour de la balafre fait braver aux étudiants toutes les défenses. En rentrant en ville, en petit bateau, sur lequel j’ai descendu le Neckar, j’ai été visiter les collections d’anatomie, et j’ai reconnu, dans les préparations, celles qui ont servi aux ouvrages de Fiedemann: il y a de fort belles choses, mais vous comprenez que je n’ai vu tout cela que très rapidement, pas tellement cependant, que je n’aie pu prendre une idée de l’ensemble. A dix heures ½ du matin, ce jour-là (mardi) j’étais en route pour Karlsruhe: trois heures m’ont suffi pour voir cette ville, de construction bizarre, dont la régularité, non moins parfaite que celle de Mannheim, est cependant un peu différente. A la convexité de la demi lune, qui ferme le château, viennent aboutir une vingtaine d’allées, qui traversent le parc et la forêt du Harz, comme les lames d’un éventail. En avant de la concavité de cette demi-lune, et à une certaine distance du château, est construit un rang de maisons formant également un arc de cercle, dont la concavité répond à celle du château: ce rang de maisons est coupé par onze rues, qui s’en vont en divergeant, et en formant aussi un éventail: les rues transversales sont en demi-lune. On saisit parfaitement cette disposition, du haut d’une tour, située au centre du château: c’est vraiment quelque chose de tout particulier, et qui est peut-être plus agréable à l’œil que le damier de Mannheim. Le château est très beau, ainsi que le parc: c’est une petite ville peu animée, qui l’est cependant assez, je crois, pendant la résidence du duc de Baden-Baden, en hiver. Le soir, de ce même jour, je venais coucher à B.-B., où j’arrivai assez tôt pour aller voir, le soir, le lieu de réunion, qui présente un aspect tout à fait propre à un lieu de réunion de baigneurs. Le lendemain, j’ai fait une énorme promenade, de près de 6 heures, au Curiem, vieux château, d’où l’on jouit d’une admirable vue, et sur les autres montagnes, qui bordent la délicieuse vallée, au fond de laquelle est construite la ville, qui se trouve ainsi parfaitement abritée. En revenant de la promenade, j’ai été entendre un excellent concert en plein air, devant la salle de conversation, et qui se donne chaque jour, deux fois, aux frais du grand-duc, et après le dîner à table d’hôte: curieux, par le bizarre assemblage des gens de toute nation qui s’y voient, et par la somptuosité qui y règne: j’ai été à un bal de souscription, où j’ai retrouvé toute l’élégance parisienne, et je me suis donné l’émotion de risquer une vingtaine de florins, dont heureusement je n’ai laissé aucun, sur le tapis, mais je n’ai rien gagné: si j’avais dû rester plusieurs jours à Baden, je n’aurais pas joué, car je crois qu’on doit facilement se laisser entraîner. Le lendemain jeudi, je suis allé, de Baden, à Fribourg-en-Brisgau, où je ne suis resté que quelques heures, temps suffisant pour visiter la cathédrale gothique, l’aspect de la ville, qui est petit et assez triste, et les collections d’anatomie, qui sont fort belles. De là, je suis revenu sur mes pas, pour visiter Strasbourg, où j’ai passé 24 heures à peine, ayant bien des choses à y voir: la magnifique cathédrale, l’Eglise protestante de St Thomas, où est le beau tombeau du maréchal de Saxe; la maison gothique, près de l’Eglise, et enfin, les riches collections d’anatomie normale et pathologique de la faculté de médecine. Je suis revenu directement par la malle, en 36 heures, de sorte que j’étais ici le dimanche 27, à 4 heures du matin.

(aus: Journal de voyage d’Auguste Duméril sur les bords du Rhin 1846, aufgespürt und Rheinsein zugespielt von Roland Bergère.  Der Autor war seinerzeit Zoologe mit Spezialisierung auf Kriechtiere, Lurche und Fische und schön wärs sicherlich gewesen, er hätte dem Rhein auf seiner Reise auch solche entlockt und näher beschrieben – damals, zu Beginn der hochspannenden Übergangszeit von Fabelwesen hin zur modernen, von zahlreichen Tiersendungen im Fernsehen dokumentierten Gegenwartsfauna.
(Quelle: http://correspondancefamiliale.ehess.fr/))

De Rynstroom (3)

Ghy schijnt een aerdsche regenboogh
Gekleed met levendige kleuren,
En tart den hemelschen om hoogh,
Die hierom nydigh schijnt te treuren.
De blaeuwe en purpre en witte druif
Verciert uw stedekroon en locken,
En muscadelle wijngerdkuif,
De vlieten staen met wijngerdstocken
Rondom u, druipende van `t nat,
En offren elk hun watervat.

Daer is de Main, een pijnberghs soon,
De Moesel met haer appelvlechten,
De Maes, die met een myterkroon
Om d`eer met onsen Rijn wil vechten,
De Roer, die `t hair met riet vertuit,
De Necker, met een` riem van trossen,
De Lip, gedost met mosch en kruid
Van overhangende eicke bosschen,
En duisend andren, min van roem,
Bekranst met loof en korenbloem.

Ghy streckt de voeten aen `t geberght,
Daer sich de Zwitsers in bescharmen,
Wanneermen hen om oorloogh verght:
Ghy grijpt de Noordzee met uw armen,
Waerin het heldeneiland leit,
Daer Bato sich ter nedersette,
En dat soo schuw van dienstbaerheid
D` uitheemsche beckeneelen plette,
En deê gevoelen, dat de Rijn
Geschapen was om vry te zijn.

Westfalen im Odenwald am Rhein

Und kaum erschallte Rittershaus` Westfalenlied ein zwei Dekaden, was wenig ist vor dem Auge der Geschichte, wurde es via Odenwald zurück an den Rhein beordert, von Jakob Klassert, mit folgender Adaption:

Ihr mögt den Rhein, den stolzen preisen
und seiner Ufer goldne Pracht,
ihr möget schön die Alpen heissen
und, wo Italiens Sonne lacht.
Ich lobe mir mein Heimatland
das Land, wo meine Wiege stand,
wo über sonnbeglänzten Höh´n
die grünumrankten Burgen stehn.
Dir ruf´ ich zu, dass laut es schallt:
O grüss´ dich Gott, mein Odenwald!

Nach deinen Eichen, deinen Buchen
sehnt sich mein Herz im fremden Land,
und in die Ferne schweifend suchen
dich die Gedanken unverwandt.
Und kehr´ ich endlich dann zurück
und sieht in blauer Fern´ mein Blick
die Berge tauchen all hervor
da jauchzt mein ganzes Herz empor.
Aus voller Brust mein Ruf erschallt:
O grüss dich Gott, mein Odenwald!

Vom klaren Neckar bis zum Maine
der träg und trüb sich dahin zieht,
entbieten Gruss dem Vater Rheine
die Gipfel übers feuchte Ried!
der trunkne Blick schaut nah´ und weit
hoch über alle Herrlichkeit,
die Wälder, Dörfer, Burgen all
die Wiesen, Bächlein ohne Zahl!
O du mein liebster Aufenthalt!
O grüss dich Gott, mein Odenwald!

Nicht bergen Silber unsere Schluchten
nicht Gold – doch mehr als solchen Tand
schon manche in den Bergen suchten
und mancher in den Bergen fand.
Schön wie der Tag im Morgenstrahl
flink wie die Reh im Felsental,
fromm wie ein Engel, treu wie Gold
dies Lob man unsern Mädchen zollt.
Gott segne, schütze und erhalt
mein teures Lieb im Odenwald!

Gorrh (4)

Gorrhs früheres und späteres Denken entwickelte sich aufgrund einer Initialzündung, die er noch im Larvenstadium, geborgen im Asfalt der A5, im Jahre 2009 n. Chr., mittels seismofysischer Nervenanwandlung seinem Wesen überschirmte und im Laufe seiner Frühstentwicklung sich neurologisch einverleibte. Gott, Darwin, Hölderlin, Nietzsche, Freud und Konsorten streiten seitdem über die Deutungshoheit: Mit einer Prügelei haben eine Frau und ein Mann versucht, nach einem Unfall auf der A5 die Schuldfrage zu klären. Die beiden hatten sich in die Wolle bekommen, nachdem die Frau den Wagen des Mannes bei Weinheim (Rhein-Neckar-Kreis) gestreift hatte. Daraufhin stoppten beide auf dem Standstreifen und tauschten statt der Personalien Schläge aus. Stimmen (wie jene von Schwuttke und Strondtner), die Gorrhs Aufderweltsein nicht mit klassischer Metamorfose, sondern eher mit Schnittstellengeburt erklären, schreiben seine Eigenschaften elektromagnetischen Fänomenen zu. Daß der Faustschlag einer Frau oder eines Mannes auf dem Standstreifen der A5 bei Weinheim globale Folgen nach sich ziehen kann, ist jedenfalls seit Gorrhs was auch immer geschuldetem Erscheinen einer der Kernsätze der sogenannten Chaostheorie.