Aus den Tagebüchern von Marcel Crépon

Die Volksweisheit findet Gefallen am Glauben, dass die vergangenen Tage angenehmer waren als die diejenigen, die heute ablaufen oder darauf warten, es noch zu tun; wenn das tatsächlich der Fall wäre, sollte ich nicht ein retro-aktives Tagebuch führen?

Worte. Ich habe weniger das Gefühl zu schreiben als abzutropfen, Wort für Wort, mich abzuworten.

Gerne spaziere ich durch die Straßen, wenn ich keinen Grund habe, der mich daran hindert raus zu gehen, weil ich immer einen guten Grund habe es zu tun, sei es nur um Fotos zu machen. Bleibe ich drin, widme ich mich meinem Tagebuch. Es ist ratsam, diese Arbeit beim Aufstehen zu erledigen: es ist noch nichts geschehen, und war die Nacht traumlos, ist der Eintrag schnell erledigt.

Nach jedem Waschgang: die Wäsche im Garten, vom Wind befummelt, wedelt Gebete, die sich in Stoff wickeln, sich an Drähten strangulieren, sich zusammenrollen und zuletzt schweigen.

Je weniger ich schlafe, desto weniger träume ich. Der Vorteil ist eindeutig: je weniger ich träume, desto länger die Zeit, während der mein Hirn keinerlei Aktivität ausübt. Eine Länge, die jedoch durch die relative Kürze des Schlafs verringert wird.

“Das ist das größte Loch der Welt”, sagte A., und zeigte auf eine Kohlengrube mit gigantischen Baggern, die den Horizont klein hackten. So ein Krater könnte einen Asteroiden eifersüchtig machen, dachte B.

Tage habe ich erlebt, ja, von exemplarischer Geschmacksneutralität. Vor Langeweile verdutzt.

Rheinsein. Rhein sein… Ich weiß nicht, warum mich das an dieses Lehrerpaar erinnert, die Velloins…, vor langer Zeit. Ich erinnere mich nur halb. Ungefähr zu dieser Zeit übte ich an einer Schule zwei Tätigkeiten aus. Im Rahmen der ersten sollte ich den Schülern die Geheimnisse der Fotografie (Aufnahme, Entwicklung, Abzüge, etc) beibringen. Fakultativer Unterricht – niemand nahm daran teil. Für die zweite Tätigkeit (Dokumentarlisten, Gehilfe, sic!), verbrachte ich meine Zeit mit dem Durchblättern von Lexika und Enzyklopädien, da die Schüler im allgemeinen den Ort mieden. Worte habe ich gesehen wie andere Dinge von der Welt sehen!

Wer sagte: Auch seine Vergänglichkeit muss man finanzieren können?

Wie reiste wohl Herodot? Sicher zu Fuß, vielleicht an Bord einer Galeere, wahrscheinlich auf einem Pferd oder Esel. Wie viele Kilometer legte er zurück? Mit ihm verglichen reiste Sebastian Münster weniger, doch besaß er ungefähr 120 Augenpaare.

In der Accademia, der Zyklus der Heiligen Ursula. Ihre Ankunft auf dem Rhein in Köln. Die Segelboote mit imposanten Masten, dunkel wie Bestattungsgondeln. Der Hund auf dem Ponton, bewaffnete Männer vor den Befestigungen, die an den Arsenale erinnern (Carpaccio soll von Reuwich (selbst von Bellini beeinflusst) inspiriert worden sein, der den Peregrinatio in Terram Sanctam von Breydenbach illustrierte). Die Figur, die mit ausgestreckten Armen, schlafwandlerisch oder blind, auf dem betürmten Pier vorankommt. Der im Vordergrund sitzende Soldat, träumend, einen Bogen in Händen (?). Auch im Vordergrund, aber rechts, in einer Gruppe, die Figur, die einen Brief hält und auf die Schiffe zeigt. Ist der Brief eine Beschreibung Ursulas? Die Frau, die es abzuschießen gilt… Ein Armbrustschütze zielt auf – was? eine Taube? ein Rebhuhn? Die Ankündigung kann das dem Heiligen vorbehaltene Schicksal sein. Vielleicht. Aber wer tötet wen? Die Familie Loredan, die die Bruderschaft unterstützte, für die Carpaccio den Zyklus der Heiligen Ursula schuf, engagierte sich im Kampf gegen die feindlichen Königreiche von Venedig (angeführt von Sultan Mehmet). Diese waren mit drei Kronen bezeichnet (die wie das Rot und das Weiß auch auf dem Wappen von Köln erscheinen). Carpaccio erzählt etwas anderes als das, was er malt …

Der Taikonaut Yang Liwei erzählte, dass er während seiner Reise im Weltraum an Bord des Shenzhou 5 Shuttles ein Geräusch hörte, dessen Quelle er nicht bestimmen konnte und das ihn an den Lärm erinnerte, welchen ein gegen einen Eimer schlagender Holzhammer machen würde. Die Shuttle-Astronauten von Shenzhou 6 und Shenzhou 7 behaupteten später, die gleiche Art von Lärm gehört zu haben.

Wenn ich also richtig verstanden habe, wäre diese weiße Substanz Carbid oder Carbid-Calcium. Mit Wasser vermischt erzeugt sie ein explosives Gas. Dieses Carbid ist vor allem der für Acetylenlampen verwendete Brennstoff. Carbidschießen-Wettkämpfe gibt es auch, und da hört mein Interesse an der Sache auf.

Auf dem Weg nach Rotterdam ein Hausboot namens “Paradox”. Am Ufer scheint eine Läuferin nicht mehr als eine Mütze, eine Sonnenbrille, ein MP3-Player, ein T-Shirt, Shorts und ein paar Tennisschuhe zu sein. Sie hatte sich gründlich zu Tode gejoggt, zu nichts.

Jenseits des Flusses, diesseits. Die Löwin und der Löwe. Der Ruf der Löwin, der Tod des Löwen (1).

Das Fenster weit offen und das ist es, die Landschaft breitet sich aus, mit rechts und links verstreuten Häusern. Und ich sage mir, dass der Weg, den ich gehen musste, um definitiv mit der Natur zu brechen, zweifellos so lange ist, wie der, den ich wieder aufnehmen müsste, um mich wirklich wieder mit ihr zu verbinden.

Im Allgemeinen schlafe ich zu wenig, um Zeit zum Träumen zu haben.

Zeit kauen.

Fixiert man eine Weile die kleinen Wellen, die gegen die Basaltblöcke springen, glaubt man tatsächlich, dass eine von ihnen uns etwas übermittelt, ohne zu wissen, was es ist.

Silhouetten von Bäumen, von Häusern, im Gegen-Licht, im Gegen-Leben…

Als er die Quelle des Nils erblickte, dachte Bruce (2) an die Rhône, den Rhein und die Saône; Gabriel Bonvalot (3), der in Tibet reiste, verglich die Ruinen, die hier und dort zu sehen waren, mit denen von Schlössern, die bei Touristen entlang des Rheins oder des Neckars so beliebt sind. In gleicher Art finden wir in Cécile de Rodt (4): “Der Hudson, der der amerikanische Rhein genannt wird”, “Der Ganges in Benares hat etwa die Breite des Rheins in Köln”, in Montesquieu (5): “… unter den letzten Kaisern, das auf die Vorstädte von Konstantinopel reduzierte Reich, endet wie der Rhein, der nicht mehr ist als ein Bächlein, wenn er im Ozean verloren geht.” Oder in einem Gedicht von Hermann Hesse, die Reise nach Indien (?). (6)

Langsam schlendernd, den Rumpf im zerfetztes Leder eingepackt, die Beine in eine abgenutzte Drillhose, der ausgebleichte Kamm, gefolgt von einem Bastard an der Leine, der seinem Zustand angemessen war: ein pensionierter Punk.

“Der Perückenmacher kommt herein. Er wirft einen Blick auf meine Perücke und weigert sich, sie zu berühren. Sie scheint etwas oberhalb oder unterhalb seiner Kunst. “Aber was dann tun?”, sagte ich zu ihm. “Monsieur, Sie müssen eine von mir nehmen, es sind welche da, fertig.” “Aber ich fürchte, mein Freund”, sagte ich und untersuchte die, die er mir zeigte, “dass diese Schleife nicht aufrechterhalten werden kann.” “Sie könnten”, sagte er, “sie ins Meer tauchen, sie würde halten.”
In dieser Stadt wird alles in großem Maßstab gemessen, sagte ich mir. Das größte Ausmaß der Ideen eines englischen Perückenmachers wäre niemals weiter gegangen, als ihn dazu zu bringen, zu sagen: “Tränken Sie sie in einem Eimer Wasser.” Was für ein Unterschied! Es ist wie die Zeit in der Ewigkeit. [...] Ein Eimer Wasser macht zweifellos eine traurige Figur neben dem Meer; aber er hat den Vorteil, zur Hand zu sein, und Sie können die Schleife in kürzester Zeit eintauchen…” (7)

Das Laub fegen, es langsam zu Haufen schieben, dann mit einer Schubkarre transportieren, um es schließlich zu begraben. Das ist es, was mir beim Fotografieren in den Sinn kommt. In der Tat sind Fotos nichts anderes als die toten Blätter des Waldes, durch die wir uns wohl oder übel bewegen. Wenn alles mit Glanz untergeht, wird die Gelassenheit, mit der wir dem Fall der Welt folgen können, aufsteigende Verzweiflung genannt.

***

(1) s. Jacques Brel, Le lion.
(2) James Bruce, Voyage aux sources du Nil, en Nubie et en Abyssinie, Tome VI (Paris, 1790).
(3) Gabriel Bonvalot, L’Asie inconnue : à travers le Tibet (Paris, 1896).
(4) Cécile de Rodt, Voyage d’une Suissesse autour du monde (Neuchâtel, 1904).
(5) Charles-Louis de Secondat Montesquieu, Oeuvres complètes, De l’esprit des lois, Grandeur et décadance des Romains (Paris, 1834).
(6) Tatsächlich in: Hermann Hesse, Aus Indien (Aufzeichnungen, Tagebücher, Gedichte, Betrachtungen und Erzählungen), Berlin 1913.
(7) Laurence Sterne, Yoricks empfindsame Reise durch Frankreich und Italien, Die Perücke – Paris.

Den Sommer singen

Als ich am ersten Sonntage, den ich als Einwohner Heidelbergs erlebte, durch die Straßen ging, begegneten mir immer häufiger Kinder, ganz kleine und ganz große, die einen merkwürdigen Stecken trugen: auf einen geschälten, oben zugespitzten Stab war oben eine Bretzel fast immer gleicher Form gesteckt, zwischen die Bretzel ausgeblasene Eier oder Apfel, und um den ganzen Stecken herum buntes Papier und bunte Bänder. Ich wurde alle Augenblicke von Buben angelaufen, die in Blechbüchsen Geld schüttelten und dazu immer dieselben Verse sangen:

Strieh Strah Stroh, der Summerdag is do,
Der Sommer und der Winter
Das sinn Geschwisterkinder,
Summerdag Staab aus
Blost em Winter die Aage aus,
Strieh Strah Stroh, der Summerdag is do.

Ich hör’ die Schüssel klinge,
Was were se uns denn bringe,
Rote Wein un Bretzl drein,
Was noch dazu? Paar neue Schuh,
Strieh Strah Stroh, der Summerdag is do,
Heut übers Johr do sinn mer widr do.

Wer nichts bekam, sang:

O du alter Stockfisch,
Wenn mer kommt, do hoscht nix,
Gibscht uns alle Johr nix,
Strieh Strah Stroh, der Summerdag is do.

Weiterhin sah ich dann den großen „Sommertagszug”, in dem hundert und aber hundert Kinder mit Stecken, wie ich sie beschrieb, das Lied singend, das ich angab, durch Hauptstraße und Anlage zogen. Dieser Zug am Sonntag Lätare, denn der war es, ist erst im Jahre 1893 wieder neu eingerichtet worden, aber die Hauptzüge des Brauches sind alt; nachweislich z. B. auch am Ende des 17. Jahrhunderts aus den Briefen der Liselotte, die ihn mehrfach erwähnt, oder z. B. aus einem Eintrag in einem Ausgabenbuch des Pfalzgrafen Karl Ludwig: „Zwei Jungen, welche den Sommer gesungen, 1 Gulden 30 Kreuzer.“ In dem Zuge gingen denn auch in einer ganzen Reihe von Exemplaren der „Sommer“ und der „Winter”: Jungen, die, darunter versteckt bis auf die Füße, pyramidenartige Gestelle trugen, mit Stroh umwickelt, wenn sie den Winter, mit allerlei Tannengrün, wenn sie den Sommer darstellen sollten. Bis vor kurzem, so erfuhr ich, haben außerdem noch Kämpferpaare mit hölzernen Schwertern fechtend den Kampf des Sommers und Winters dargestellt. Das alte Motiv des Kampfes ist auch dann noch deutlicher zum Ausdruck gebracht, wenn die Knaben einen hölzernen Degen in der rechten Hand, die Bretzel in der Linken trugen und nun mit dem Degen den Winter austreiben halfen. So ist es an anderen Orten der Pfalz noch heute Brauch. Dort wird auch (in der Hinterpfalz) der Sommer mit Efeu umzogen, den erwachsene Burschen morgens in Körben aus dem Walde geholt haben. Mit Sommer und Winter ziehen wohl auch einher die „Rußebutzen”, die ihrem Namen entsprechend Gesicht und Hände stark überrußt haben. An manchen Orten — auch an Orten des Odenwaldes und Neckartales — gehen die Mädchen von 6—12 Jahren, mit Kränzen von Buchsbaum oder Efeu, mit Blumen und Bändern geziert, im Dorfe von Haus zu Haus und kündigen durch ihren Gesang den Frühling an. Das Lied, das dabei vielfach gesungen wird, will ich nur in einigen Wendungen hier wiederholen:

Heut ist Mitten Fasten,
Da leeren die Bauern den Kasten,
Tun sie die Kasten schon leeren,
Gott will was Neues bescheren…
Im Sommer da deihen die Früchte wohl,
Da kriegen sie Scheuern und Kasten voll…
Da schaut ein Herr zum Fenster heraus,
Er schaut hinaus und wieder hinein,
Er schenkt uns was ins Beutelein nein;
Wir wünschen dem Herrn ein goldenen Tisch,
Auf jedem Eck ein backenen Fisch,
Und mitten drein ‘nein
Eine Kanne voll Wein,
Da kann der Herr recht lustig sein.

(Albert Dieterich: Kleine Schriften, Leipzig 1905)

Presserückschau (Dezember 2017)

1
Faule Vögel
“Schon die Kraniche hatten sich in diesem Herbst viel Zeit gelassen. Die Zugunruhe, in die sich die Vögel hineinsteigern, wenn sie sich in Massen sammeln und die sich natürlich durch den Futterdruck verstärkt, wenn zu viele Schnäbel an der gleiche Stellen nach Nahrung suchen, hat auch einen Temperaturregler. Der Thermostat klemmt, und die Vögel sind sich unschlüssig. Statt mit einem großen Startschuss gemeinsam in gewaltigen Formationen aufzubrechen, die uns am Boden staunen lassen, tröpfeln sie in kleineren Marschkolonnen über Land. Da kommt auch beim Beobachter nicht das typische Fernweh und die Herbstwehmut auf, die die „Schneegänse“ früher auslösten. (…) Am Niederrhein überwintern vor allem die Blässgänse, die in der europäischen und sibirischen Tundra brüten. Die auch bei uns als Brutvogel eingesessenen Graugänse hingegen, die früher an den Guadalquivir, nach Tunesien oder Algerien verzogen, machen jetzt gerade noch die Tour bis Holland. Die Saatgans macht schon Pause an der Ostseeküste, verstärkt aber auch die großen Winterpopulationen in Holland und am Niederrhein. Man merkt an dieser Aufstellung schon, dass man bei uns eigentlich nur mit der Graugans rechnen kann, und die ist zugfaul geworden.”
(Kölner Stadt-Anzeiger)

2
Schiffsunfall
“Auf dem Rhein bei Duisburg hat ein Hotelschiff eine Autobahnbrücke gerammt. Fast 30 Menschen wurden verletzt (…). Während des zunächst unübersichtlichen Großeinsatzes hatte es zuvor unterschiedliche Angaben über die Zahl der Verletzten gegeben. (…) Die 129 Menschen an Bord des Hotelschiffs „Swiss Crystal“ stammten (…) mehrheitlich aus Benelux-Staaten. Demnach war das Schiff in Richtung Niederlande unterwegs. (…) Das Schiff wurde bei dem Aufprall am Bug beschädigt. Ein zweites Passagierschiff kam der havarierten „Swiss Crystal“ zu Hilfe und nahm die 26 Besatzungsmitglieder und 103 Passagiere an Bord. Der Unfall sei angesichts der vielen Menschen an Bord vergleichsweise glimpflich ausgegangen, sagte ein Polizeisprecher in Duisburg.” (Handelsblatt)

3
50 Jahre San Bernardino-Tunnel
“Vor fünfzig Jahren wurde der San-Bernardino-Tunnel eröffnet. Es war damals mit 6,6 km der längste Tunnel durch die Alpen. Er veränderte das Leben im Dorf Hinterrhein nachhaltig. (…) Augenzeugen erinnern sich an die siebenjährige Bauzeit und daran, wie das Verkehrsaufkommen ständig zugenommen hat. (…) Auch das Postauto verkehrte nun häufiger, und so war es möglich, mal nach Thusis zum Einkaufen oder nach Bellinzona in den Ausgang zu gehen oder im Nachbartal eine Lehre zu machen. (…) Doch schon nach wenigen Jahren wich die Begeisterung der Ernüchterung. Die Autobahn brachte nämlich auch viel Lärm und Gestank. Die meisten Reisenden brausten an den Dörfern vorbei auf dem Weg ins Tessin oder ans Mittelmeer. Besonders in Hinterrhein erfüllte sich die Hoffnung auf eine neue goldene Ära des Tourismus nicht. Denn dort führt die Autobahn unmittelbar am Dorf vorbei. Wer mit offenem Fenster schlafen will, braucht Ohrstöpsel. Das Bild des idyllischen Bergdorfs ging so verloren.” (SRF)

4
Rheinwald
“Per 1. Januar 2019 werden die Gemeinden Hinterrhein, Nufenen und Splügen eine neue Gemeinde mit dem Namen Rheinwald bilden. An den (…) in den Gemeinden Hinterrhein, Nufenen und Splügen gleichzeitig stattfindenden Gemeindeversammlungen sagten die Stimmbürger sämtlicher drei Gemeinden Ja zur Fusion. Während in Hinterrhein 31 für und 7 Stimmberechtigte, bei einer Enthaltung, gegen den Zusammenschluss votierten, sagten in Splügen 70 Ja und nur zwei Nein. Sogar die mit Spannung erwartete Zitterpartie in Nufenen blieb aus, obwohl der Gemeindevorstand sich im Vorfeld der Abstimmung gegen eine Fusion starkgemacht hatte und in der Botschaft der Bevölkerung ein Nein zum gemeinsamen Weg empfahl. Nichtsdestotrotz sagte dennoch die Mehrheit der Nufner, nämlich 39:21, Ja zur Gemeinde Rheinwald.” (Südostschweiz)

5
Das einzige Dreiländer-Tram der Welt
“Alles ging schnell an der Landesgrenze (…): Der Basler Baudirektor (…) und weitere Honoratioren durchschnitten das obligate blaue Band. Nebenan hinter Gittern schwenkten ein paar elsässische Autonomisten von “Unser Land” rot-weisse Fahnen; ein Transparent hiess “Willkomma em Elsass”. Und dann ging’s in drei Sonder-Trams über das jungfräuliche Schienenpaar auf Elsässer Boden weiter: Vorbei am sanften Schutzwall zur Reha-Klinik, wo auch Wachkoma-Patienten liegen, einer EBM-Energiezentrale, dem Lycée Jean Mermoz in eleganten Winkeln bis zum Bahnhof der Stadt St-Louis. Knallkörper, leuchtende Raketen, ein poetisches Stelzenballet grüssten die rund 300 Offiziellen, die bei der Einfahrt auf den Bahnhofplatz, wo sich die Wendeschlaufe befindet, von zahlreichen nostalgisch kostümierten Passanten und einer Seifenblasen-Kanone empfangen wurden.” (Onlinereports)

6
Gänseprobleme
“Im Zusammenhang mit den Gänseproblemen an Rhein und Neckar haben sich jetzt auf Einladung der Stadt Ladenburg (…) Vertreter betroffener Gemeinden und beteiligter Behörden zu einem Informationsaustausch getroffen. (…) Auslöser der Problematik in Ladenburg, Hemsbach sowie in zahlreichen weiteren Städten und Gemeinden, ist eine Zunahme der Populationen invasiver Nil- und Kanadagänse und damit einhergehend eine Verkotung der Sport- und Freizeitanlagen sowie Fraßschäden auf landwirtschaftlichen Flächen mit zum Teil erheblichen finanziellen Auswirkungen. Dazu kommt noch die Verdrängung heimischer Wasservögel.” (Rhein-Neckar-Zeitung)

7
Echte Seilbahn
“Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) hat sich für eine Seilbahn zwischen Altstadt und Messe ausgesprochen. Ihr würde es gefallen, „wenn wir eine echte Seilbahn über den Rhein bauen würden“, sagte Reker (…). Neben einer weiteren Gondel-Strecke sei auch eine Fußgängerbrücke über den Rhein im Gespräch. Zwischen dem Kölner Zoo und dem Rheinpark auf der gegenüberliegenden Flussseite gibt es bereits eine Seilbahn. Im Sommer hatte sich dort eine Gondel verkeilt. 65 Menschen musste von Höhenrettern aus den stillstehenden Kabinen geholt werden. Seitdem ist die Seilbahn außer Betrieb.” (General-Anzeiger)

8
Ali-Kurt-Weg
“Die Tat ist unvergessen. Sie war heldenhaft und endete tragisch. Mit letzter Kraft versuchte Familienvater Ali Kurt (47) die damals sechsjährige Claudette aus dem Rhein zu ziehen (…) – dafür bezahlte der Familienvater mit seinem eigenen Leben. Jetzt erinnert eine Straße, die zum Rheinufer führt, an das Drama und den selbstlosen Kölner, Vater von drei Kindern. (…) Fast vier Jahre nach dem tödlichen Drama, das gleich zwei Familien ins Unglück stürzte, wurde nun ein Teil der Wiesdorfer Straße zu seinen Ehren in „Ali-Kurt-Weg“ umbenannt.” (Express)

Presserückschau (Juni 2017)

1
Handballmeister
“Die Rhein-Neckar Löwen sind erneut deutscher Handball-Meister. Der Bundesligist aus Mannheim (…) ist zwei Spieltage vor Saisonende nicht mehr von der Tabellenspitze zu verdrängen. Die Löwen profitierten davon, dass Verfolger SG Flensburg-Handewitt kurz zuvor überraschend (…) bei Frisch Auf Göppingen verloren hatte. Die nun fünf Punkte Rückstand auf die Nordbadener kann die SG nicht mehr einholen. Für die Löwen von Trainer Nikolaj Jacobsen ist es nach dem Erfolg im Vorjahr der insgesamt zweite Meistertitel der Vereinsgeschichte. Die Meisterschale bekamen die Löwen (…) aber noch nicht überreicht. Das soll nach dem letzten Saisonspiel am 10. Juni gegen die MT Melsungen nachgeholt werden.” (Süddeutsche Zeitung)

2
Grünes Wasser
“Bei der BASF-Kläranlage in Ludwigshafen ist seit mindestens Pfingstsonntag (…) grün gefärbtes Wasser in den Rhein gelaufen. Verantwortlich dafür sei der Farbstoff Tinolux BBS aus einem Betrieb im Werksteil Süd. Die Produktion dort sei gestoppt worden. (…) Die zuständigen Behörden seien informiert. Die Wasserschutzpolizei hatte die Grünfärbung bemerkt und die BASF informiert. Die in Waschmitteln eingesetzte Chemikalie Tinolux BBS gilt als schwach wassergefährdend. Eigene Messungen der BASF und der Rheingütestation in Worms hätten keine toxikologischen Auffälligkeiten ergeben.” (Rheinpfalz)

3
Plastic Soup Surfer
“Gewissenhaft verschnürt Merijn Tinga seine Taschen und Beutel auf dem Surfboard. Besonders tief verstaut wird der wasserdichte Beutel mit Smartphone und anderen Elektrogeräten. Viel hat der Plastic-Soup-Surfer gar nicht dabei. Tinga paddelt auf dem Surfboard den Rhein von Konstanz bis zur Nordsee hinab. Insgesamt 1035 Kilometer Strecke will er in 28 Tagen zurücklegen und damit auf die Verschmutzung der Meere und Flüsse mit Plastikmüll aufmerksam machen. Plastic Soup ist der englische Begriff für die großen Plastikmüllansammlungen in den Ozeanen.” (Badische Zeitung)

4
Schwimmender Luchs
“Der erst vor einigen Wochen im Pfälzerwald freigelassene Luchs „Cyril“ hat seine neue Heimat schon wieder verlassen. Tierschützer vermuten, dass er durch den Rhein geschwommen ist und sich nun auf rechtsrheinischem Gebiet irgendwo nördlich von Speyer aufhält. (…) „Die Luchse haben ein GPS-Halsband um, das Signale von beiden Seiten des Rheins senden kann“, sagte Jochen Krebühl, Geschäftsführer der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz. Da es an der Stelle, an der Cyril den Rhein überquert hat, keine Brücke gibt, vermuten die Tierschützer, dass er auf die andere Seite geschwommen ist.” (Südwest Presse)

5
Jobmaschine
“Nordrhein-Westfalen, Rheinbahn, Rheinknie, Rheinmetall – kein Wort prägt Düsseldorfer Institutionen so sehr, wie der Name des Stroms, an dem die Landeshauptstadt liegt. Für das Heimatgefühl der Düsseldorfer ist der Rhein, der einem Karnevalsschlager zu Folge der Stadt 20 Kilometer seines Stromverlaufs ganz allein schenkt, wichtiger als jedes andere geografische Element. Das wurde schon früh deutlich, als das nahe Ruhrgebiet sich industrialisierte und Düsseldorfs Lage am Rhein eine andere Rolle bekam. Denn Düsseldorfs vielleicht bekanntester Arbeitgeber Henkel stammt eigentlich von ganz woanders. Als Waschmittelfabrik Henkel & Cie wurde sie 1876 in Aachen gegründet. “Wegen besserer Verkehrsanbindungen und höherer Absatzchancen verlegte Henkel seine Firma 1878 nach Düsseldorf”, so steht es in der Firmenchronik. Und mit besserer Verkehrsanbindung ist einzig und allein der Rhein gemeint. Denn Wurm, Kupfer- oder Goldbach, die größten Gewässer Aachens, können es nicht mal mit der Düssel aufnehmen.” (Rheinische Post)

6
Verbrechen
“In Bonn soll ein Mann (27) versucht haben, eine 25-Jährige zu vergewaltigen. (…) Die Frau schrie laut um Hilfe. Eine Zeugin rief die Polizei. Als der mutmaßliche Vergewaltiger den Streifenwagen bemerkte, ließ er sein Opfer los und rannte zum Rhein. Schließlich sprang er in den Fluss und versuchte, schwimmend zu entkommen. Die Polizei fuhr neben ihm den Rhein entlang, irgendwann konnte sie den Mann mit Hilfe der Feuerwehr aus dem Wasser fischen.” (Der Westen)

7
Ingo
“Eine im Rhein treibende Gummipuppe hat in Mainz einen Großeinsatz ausgelöst. Mehrere Bürger hätten einen leblosen Menschen im Wasser gemeldet, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Daraufhin seien die Einsatzkräfte mit einem Großaufgebot angerückt. Es habe sich dann schnell herausgestellt, dass es sich nur um eine Gummipuppe handle. Für den vermeintlichen Rettungseinsatz war auch ein Hubschrauber alarmiert worden. Allein die Feuerwehr schickte 40 Einsatzkräfte zum Rhein. Die Herkunft der Gummipuppe blieb unklar.” (Stern)
“Der vermeintliche Mensch war bei genauerem Hinsehen eine aufblasbare Puppe. Sie sei männlich, etwa ein Meter 50 groß und mit Pflastern beklebt, so ein Sprecher der Mainzer Feuerwehr. Auf ihrer Schulter stehe der Name “Ingo”.” (SWR)

8
Schwimmnudeln
“Die Polizei will mit einer neuen Kampagne Unfälle auf dem Rhein verhindern. Mit orangen Schwimm­nudeln sollen Schwimmer besser sichtbar werden. (…) Im Rahmen der Kampagne wurden allen Badis am Rhein, ab Eschenz rheinabwärts, orange Schwimmnudeln verteilt. Insgesamt stehen 2000 Stück zur Verfügung. Diese können von den Badegästen gratis mitgenommen werden. Dank diesen Nudeln sollen Schwimmer von Bootsführern besser gesehen werden. Ein Ersatz für Schwimmwesten seien sie aber nicht, betont die Polizei. Die Kosten für die Kampagne belaufen sich auf rund 10 000 Franken. Diese werden von den Kantonspolizeien Thurgau und Schaffhausen getragen.” (Schaffhauser Nachrichten)

9
Biber-Alarm
“Beim Baden im Rhein bei Schaffhausen (Schweiz) sind zwei Schwimmer gebissen worden. Vermutlich war es ein Biber. Ein achtjähriger Junge sei mit dem Schreck und oberflächlichen Wunden davongekommen, doch bei einer Frau habe die Wunde genäht werden müssen (…). Die Schaffhauser Jagdverwaltung wollte deshalb diese Woche südöstlich von Schaffhausen am Rhein Richtung deutsche Grenze Warnschilder noch aufstellen. „Vorsicht Biber, vom Baden wird abgeraten“ soll darauf stehen (…).” (Südkurier)

10
König am Rhein
“Der Wachtelkönig ist kaum zu entdecken, aber dafür um so besser zu hören. In der Emmericher Ward gibt diesen Vogel.
Eine der wohl bemerkenswertesten Arten der Emmericher Ward ist der Wachtelkönig. Auch wir Biologen der Nabu-Naturschutzstation Niederrhein, die das Gebiet naturschutzfachlich betreuen, bekommen ihn nur selten zu sehen. Wenn, dann hört man ihn eher. Er hat ein bräunliches Gefieder und ist etwa so groß wie eine Wachtel. Zudem lebt er versteckt dort, wo die Vegetation sehr dicht und hoch ist. Darin ist er kaum zu entdecken, selbst wenn man genau neben einem Wachtelkönig steht. Darum achten wir auf seine Balz- und Paarungsrufe. Der Wachtelkönig ruft in der Nacht – und ist dann nicht zu überhören. Seine Rufe – ein rhythmisches, schnarrendes Knarren – sind unverwechselbar und auch von weitem zu hören. Bis in die 90er Jahre des letzten Jahrhunderts konnten noch bis zu vier Brutpaare des Wachtelkönigs in unserem Betreuungsgebiet in Fachsprache „verhört“ werden. Auch wenn die Rheinaue Emmericher Ward mit ihren großflächig extensiven Überflutungswiesen und -weiden bis heute ein Rückzugsgebiet für den gefährdeten Vogel bietet, ist es heute selten mehr als ein Paar.” (NRZ)

11
Rheintote
“Leichenfund am Rhein in Leverkusen! (…) Am Pfingstsonntag meldete sich ein Angler, der den leblosen Körper im Fluss entdeckt hatte, bei der Feuerwehr. Sofort machten sich die Rettungskräfte auf den Weg und zogen die männliche Leiche ans Ufer. Ein Notarzt konnte nur noch den Tod des Unbekannten feststellen. Die Identität des Mannes war zunächst unklar – ebenso, wie er ums Leben kam. Die Kölner Polizei hat die Ermittlungen übernommen.” (Express)

“Auf dem Rhein in Hessen ist ein Kajakfahrer während eines Gewitters von einem Blitz erschlagen worden. Der Mann wurde am Samstag kopfüber im Wasser treibend bei Lorch aufgefunden, wie die Wasserschutzpolizei (…) in Rüdesheim mitteilte. Der Blitz war der Polizei zufolge direkt in seinen Körper eingeschlagen.” (Stuttgarter Zeitung)

“Ein Mann (73) treibt bewusstlos mit seinem Segelyacht auf dem Rhein (…) bei Rheinkilometer 435. Als die Feuerwehr eintrifft, haben Helfer das Sportboot bereits im Schlepp eines weiteren Sportbootes. Doch der Mann liegt leblos an Deck. Die Feuerwehr versucht während der Schleppfahrt den Mann zu reanimieren, bis sie an der BASF-Anlegestelle ankommen. Dort wartet bereits ein Notarzt der BASF. Der Einsatz wird dabei von der Wasserschutzpolizei Ludwigshafen begleitet. (…) Leider stirbt der 73-jährige Mann trotz aller Reanimationsversuche um 20 Uhr im Krankenhaus. Er hat offenbar einen Herzinfarkt erlitten (…). Die genaue Todesursache ist Gegenstand eines Todesermittlungsverfahrens der Staatsanwaltschaft Frankenthal und der Kriminalpolizei Ludwigshafen.” (Heidelberg24)

“Passanten haben (…) im Rhein bei Köln-Niehl eine Leiche im Wasser treiben sehen. Dabei handelt es sich sehr wahrscheinlich um den (…) vermissten 16-jährigen Flüchtling. Der junge Mann war (…) in Rodenkirchen zum Schwimmen in den Rhein gegangen und abgetrieben. Nach Angaben der Polizei ist die Identifikation des Toten noch nicht zu 100 Prozent abgeschlossen, allerdings habe der Tote eine dunkle Hautfarbe, wie der aus Guinea stammende 16-jährige Flüchtling. Sein Begleiter sagte (…), dass der Jugendliche nicht schwimmen konnte, aber trotzdem ins Wasser gegangen sei.” (WDR)

Presserückschau (Mai 2016)

1
“Es wurde an alles gedacht bei der Filmpremiere zu “Mannheim – Neurosen zwischen Rhein und Neckar”. An den roten Teppich, an Sekt, an “Meet & Greet” sogar an einen Pressebereich. Und so verwandelte sich das Cinemaxx-Kino (…) in eine Szenerie, der man einen winzigen Hauch Hollywood nicht verleugnen kann. Die (…) eher unbekannten Schauspieler und Filmemacher mutierten zu kleinen Stars, wurden gefilmt, fotografiert, interviewt und nach Autogrammen gefragt. (…) Nach ein paar einführenden Worten und den zwei Live-Songs “Seelenlied” und “Mannemer Dreck”, die auch im Film eine Rolle spielen, ging es direkt los. (…) Rund eine Stunde und 15 Minuten später dann tosender Applaus. Ja, der Film kam an. Es wurde viel gelacht. Auch gestaunt über die Qualität des Streifens, der immerhin mit nur knapp über 30 000 Euro Budget entstanden ist und dennoch (…) einen Filmverleih gefunden hat, der ihn deutschlandweit in die Kinos bringt. Und damit ein Stück Mannheim-Atmosphäre, Charme und Lebensart.” (Rhein-Neckar-Zeitung)

2
“Im Rhein ist jetzt eine Industriechemikalie aufgetaucht, die nie zuvor in Gewässern gefunden worden ist und mit der auch niemand gerechnet hat. (…) “Bei den Substanzen geht’s um Triphenylphosphonium-Verbindungen. Das sind Chemikalien, die großtechnisch bei der Synthese von organischen Molekülen wie zum Beispiel Vitamin A oder Beta-Carotin eingesetzt werden können (…).” Klar sei bisher nur, dass es sich um biologisch schwer abbaubare Stoffe handele, die sich im Sediment von Flüssen anreichern. Und dass die Phosphonium-Salze die Abwasserbehandlung in den Betrieben überstehen, aus denen sie stammen.” (Deutschlandfunk)

3
“Wenn das Channel-Netzwerk comTeam zur Systemhauskonferenz einlädt, stehen ITK-Trends genauso im Fokus wie entspanntes Networking. Die „R(H)EINGOLD-TOUR 2016“ kombiniert beides als Flussfahrt auf dem Rhein mit anschließender Beachparty. (…) Ob zielgerichtete Kundenansprache, Servicesteuerung oder Fokusthemen wie Transformation und managed service – die Beispiele aus der Praxis bieten für die Systemhäuser spannenden Mehrwert. Als Keynote Speaker „entert“ Top-Schiedsrichter Dr. Markus Merk die Bühne, um unter dem Motto „Hier und Jetzt – Das Leben findet heute statt“ interessante Impulse jenseits des Berufsalltags zu geben.” (electronicpartner.com)

4
“Der Stör steht in NRW auf der Roten Liste unter der Kategorie Null, weil er zu den Arten gehört, die sich nicht mehr vermehren und verschollen sind. Wiederansiedlungsprogramme für den Stör machen im Rhein nach Meinung von Fachleuten so lange keinen Sinn, so lange die Verbindung zum Meer durch die Schleusen des Haringvlietdamms unterbrochen ist, der 1971 zum Schutz vor Hochwasser und Sturmflut im Rheinmündungsdelta errichtet wurde. Die Stauwerke stellen für Wanderfische ein großes Hindernis dar. Die Niederländer sind aber dabei, die Öffnungszeiten zu optimieren, damit der Stör die Barriere ungehindert passieren kann. Weil der Stör in NRW als verschollen gilt, hat ist er nicht von planungsrelevanter Bedeutung, etwa bei Hafenausbauten.” (WAZ)

5
“Das letzte Mal hat man so einen Anblick 1977 in dem Bond-Streifen “Der Spion, der mich liebte” gesehen, als 007 alias Roger Moore in einem Lotus, der auch ein Boot und U-Boot war, einen Strand hochfuhr. Und so staunten (…) Spaziergänger am Uerdinger Rheinufer nicht schlecht, als sie (…) auf dem Rhein Gefährte entdeckten, die sich wie Schiffe benahmen, aber wie Autos aussahen: Über Pfingsten fand in Krefeld ein Bundestreffen der sogenannten “Amphicars” statt, also schwimmfähiger Autos. Rund 30 Wagen waren angemeldet. (…) Amphicars wurden zwischen 1958 und 1963 in Berlin und Lübeck gebaut (…). Geplant war der Bau von 25.000 Wagen; da der Verkauf aber nicht den Erwartungen entsprach, war nach Nummer 3878 Schluss. Die weitaus meisten Fahrzeuge gingen in die USA.” (Rheinische Post)

6
Im Rhein ertrunken: “Die Leiche des Mannes war (…) am Ufer an der Kreisgrenze in der Nähe des “Stummen Deichs” entdeckt und geborgen worden. Die Polizei geht von einem tragischen Unglücksfall aus. Nach den bisherigen Ermittlungen kam der Mann zusammen mit zwei Freunden auf die Idee, durch das Duisburger Hafenbecken zu schwimmen. Während die beiden Kollegen das andere Ufer erreichten, verließen den 37-Jährigen unterwegs offenbar die Kräfte. Er versank in den Fluten. Die Strömung trieb den Körper ab, der viele Kilometer weiter dann zwischen Haffen-Mehr und Bislich ans Ufer gespült wurde. Die Polizei obduzierte den Leichnam und stellte fest, dass es sich nicht um ein Verbrechen handelt.” (Rheinische Post)

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“Wegen “gemeinschädlicher Sachbeschädigung” hat die Polizei in Laufenburg zwei 15 und 18 Jahre alte Tatverdächtige angezeigt. Das Duo wurde nach einer Pressemitteilung der Polizei (…) beschuldigt, am Pfingstmontagabend bei der Codmananlage eine Sitzbank in den Rhein geworfen zu haben. Ein Zeuge hatte die Polizei darüber unterrichtet. Die beiden Jugendliche wollten gemäß den Schilderungen gerade eine zweite Bank versenken, als zwei Mädchen hinzukamen. Daraufhin hätten sie von ihrem Vorhaben abgelassen. Die herbeigerufene Polizei traf die beiden vor Ort an.” (Badische Zeitung)

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“Der Text, den Christian Mueller in das Gesetz schreiben will, ist einfach: «Von der Johanniterbrücke in den Rhein führt auf Kleinbasler Seite eine Wasserrutschbahn.» (…) Sein Wahlkampf-Thema – die Rhein-Rutschbahn – könnte ihm beim Sprung ins Parlament helfen. Die Rutschbahn soll über drei Spuren verfügen und in einem Auslaufbecken über dem Rhein enden. Nur so könne die Rutschbahn auch von Nicht-Schwimmern und Kindern benutzt werden. Die Kosten schätzt Mueller auf rund eine Million Franken. Beim ersten Projekt ging er noch von einer halben Million aus.” (Tageswoche)

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“Die Obduktion der Leiche, die (…) aus dem Rhein in Lüttingen geborgen worden war, hat keine Hinweise auf eine Todesursache durch Gewalteinwirkung ergeben. (…) Die Ermittler halten unteressen einen Zusammenhang mit einem Fall in Bonn (…) für möglich. Damals (im vergangenen April; Anm. rheinsein) beobachteten Zeugen (…) einen unbekannten Mann, der von der Kennedybrücke in den Rhein gesprungen sein soll. Eine Suche durch Polizeikräfte, Feuerwehr, DLRG und einem Polizeihubschrauber verlief ergebnislos. Nach Aussagen von Zeugen in Bonn könnte es sich vielleicht um den in Höhe von Schloß Lüttingen entdeckten Leiche übereinstimmen, so die Polizei. Eine Vermisstenanzeige, die auf die Beschreibung des Brückenspringers passen könnte, liegt bis heute nicht vor.” (Rheinische Post)

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“Fünf Passanten, die einem in Not geratenen Schwimmer (…) im Rhein bei Bonn zu Hilfe eilen wollten, sind selbst in Not geraten. Nach Angaben der Feuerwehr (…) wollten sie einem waghalsigen Schwimmer helfen, der im Wasser trieb. Mit einem Rettungsboot und über Land konnten Einsatzkräfte von Feuerwehr und DLRG schließlich alle Personen retten. Nach ersten Erkenntnissen hatte der Mann ein Bad nehmen wollen, seine Kräfte aber überschätzt. Die Einsatzkräfte seien durch viele Schaulustige behindert und bedrängt worden (…). Mehr als 200 Unbeteiligte (…) seien zeitweise am Ufer gewesen.” (WDR)

Presserückschau (Januar 2016)

1
Das hinterste Eck Deutschlands verortet die Welt am Rhein anbetrachts eines Aufsehen erregenden Sexualdelikts: “”Ein Center zum Verlieben” – mit diesem Slogan wirbt das Rhein Center im Stadtteil Friedlingen von Weil am Rhein. Das ockergelbe Shoppingparadies schmiegt sich direkt an die Schweizer Grenze, im Westen, auf der anderen Rheinseite, beginnt dann auch gleich schon Frankreich. Es ist eine abgeschiedene Hafen- und Handelsgegend, mit viel Logistikfirmen und Industrie. 88 Prozent der Einwohner in dem sozial schwachen Stadtteil haben Migrationshintergrund, schon lange klagt Friedlingen über Probleme mit Kriminalität und Verwahrlosung. In diesem hintersten Eck von Deutschland gibt es vor allem für junge Leute nicht viel zu tun und zu erleben. Ein McDonald’s, ein kleiner Park, ein Sportplatz, ein kleines Kulturzentrum, das war’s.”

2
Vage vom Fischfang inspiriert erscheint ein Bericht des Leverkusener Anzeigers über den Fund einer Rheinleiche: “Ein Angler hat (…) am Wiesdorfer Rheinufer eine Wasserleiche gefunden. Etwa bei Kilometer 702, nahe der Schiffsbrücke Wuppermündung, hatte der Mann in Ufernähe in etwa gummistiefel-tiefem Wasser einen leblosen Körper bemerkt und die Polizei alarmiert. Der Einsatzleiter der Feuerwehr sagte, der Angler habe den dümpelnden Körper im Auge behalten und den Notruf gewählt. Er soll später selbst beim Bergen des Toten geholfen haben. Die Leiche zog man an einer Buhne aus dem Strom. Der Einsatzleiter sagte, es handele sich wahrscheinlich um einen Mann, nicht mehr ganz jung, und dass es ihm schien, dass der Körper nicht nur kurze Zeit im Wasser gelegen habe.” Bei der Leiche handelte es sich schließlich um eine seit Tagen als vermißt geltende ältere Frau aus dem Ruhrgebiet.

3
Rheinfluchten: zwei Kriminaltouristen aus Frankreich, schreibt die Aargauer Zeitung, haben sich in Basel auf eine halsbrecherische Flucht vor der Polizei begeben: “Sie rasten durch Quartierstrassen und missachteten ein Rotlicht. Die Polizei verzichtete auf eine Verfolgung, um nicht noch mehr andere Autos zu gefährden (…). Auch durch eine Sperre an der Grenze zu Deutschland liessen sich die beiden nicht aufhalten. Die Barriere, die Grenzwächter beim Zollamt Grenzach-Wyhlen aufstellten, durchbrachen sie und setzten ihre Flucht in Rheinfelden auf deutscher Seite mit stark übersetzter Geschwindigkeit weiter (…). Als sie in Warmbach in einer 30er-Zone ein deutsches Polizeiauto erblickten und bremsen wollten, verlor der Lenker aber die Kontrolle über sein Auto. Es kam zum Zusammenstoss mit zwei parkierten Autos und einem Gebäude. Ein letzter Versuch zu entkommen, unternahmen die Männer zu Fuss. Einer der beiden sprang gar in den kalten Rhein.” Parallel dazu sprang auch in Köln ein Mann auf der Flucht in den Fluß, wie der WDR berichtet: “In Köln ist (…) ein Mann nach einer Verfolgungsjagd mit der Polizei in den Rhein gesprungen. Der 28-Jährige hatte im Stadtteil Deutz versucht, ein Haus in Brand zu stecken. Ein Augenzeuge hatte die Polizei gerufen. Daraufhin war der Mann zu Fuß vor den Beamten zum Rhein geflohen und dort ins Wasser gesprungen. Die Besatzung eines Feuerwehrbootes fischte ihn aus dem Rhein.”

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Am Tag vor Silvester war ein Spaziergänger nahe der Neckarmündung auf große Blutlachen gestoßen. Die Frankfurter Rundschau berichtet, daß es sich dabei um Hinterlassenschaften eines Gewaltverbrechens handelte: “Vier Wochen nach dem Fund von Blut am Neckarufer in Mannheim hat die Polizei am Sonntag in Südhessen eine tote Frau aus dem Rhein geborgen. Eine Untersuchung habe die genetische Übereinstimmung ergeben, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch in Mannheim mit. Die 31 Jahre alte Frau aus Mannheim sei Opfer eines Gewaltverbrechens geworden. Das ergebe sich aus dem Verletzungsmuster. Das Polizeipräsidium habe eine Sonderkommission mit 40 Beamten unter dem Namen “Basalt” gebildet.”

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Dem Plastikanteil des Rheins wenden sich immer mehr Studien zu, die Auswirkungen der zunehmenden Plastikbelastung stehen unter Beobachtung: “Im Rhein bei Düsseldorf schwimmt jede Menge Plastik in kleinster Form. Wissenschaftler haben dort eine hohe Anzahl an Mikropartikeln gemessen. Das sind Teilchen, die bis zu fünf Millimeter im Durchmesser groß sind. (…) In Düsseldorf-Flehe wurde eine Konzentration von rund vier Partikeln pro Kubikmeter Wasser gemessen. In Bad Honnef liegen die Werte noch unter einem Partikel, an der Ruhrmündung bei Duisburg bereits bei über 160. (…) Die derzeitige Untersuchung lässt hingegen offen, wie gefährlich die Plastikpartikelchen für die Gesundheit von Mensch und Tier sind. (…) Im Rhein finden sich in vielfacher Zahl natürliche Partikel ähnlicher Größe, die von dort lebenden Tieren verschluckt werden. (…) Strategien zur Reinigung sind bislang Fehlanzeige: Die Klärwerke können die Konzentration der Teilchen im Fluss nicht verringern. (…) Am hilfreichsten sei es, Plastik wo es geht im Vorfeld zu vermeiden.” (Westdeutsche Zeitung)

Leuchttürme des Rheins: das Große Delta

Nördlich des Rheinknies windet sich der gewaltige Strom durch ein wildes, fast grenzenloses Delta, bei genauer Betrachtung zieht es sich bis weit hinter den Zusammenfluss mit dem Neckar, wenn sich bald das vereinigte Paar Rhein und Neckar durch die felsigen Klüfte und Abgründe Rheinhessens windet…
Kundige erinnern sich, der geniale Konstrukteur und Ingenieur Tulla habe in der markgräflichen Gewerbeakademie zu Mannheim einen Entwurf erarbeitet, den Fluss nördlich des Rheinknies bis weit hinter die markgräfliche Residenzstadt in ein künstliches Bett zu zwingen, einerseits wegen besserer Beschiffbarkeit, andererseits um weitere Flächen für Bevölkerung, Landwirtschaft, Industrie und allgemeines Gewerbe zu gewinnen – allein, ein unglücklicher Ehrenhändel, der im Tod des genialen Konstrukteurs ausging, habe das kühne Projekt verhindert – bis heute wagte sich niemand mehr an eine derartige Herausforderung…
Ein Weniges hinter dem Rheinknie sitzt der Pralle Hans-Erwin, der erste einer langen Reihe mächtiger Leuchttürme, die, aufgereiht wie eine Perlenschnur, die mäandrierende Fahrrinne ausweisen und sowohl dem Fracht- wie dem Personenschiffer den Weg weisen, im Besonderen zur Nacht, wenn die Orientierung im konfusen Delta sonst praktisch unmöglich –
Das nächste Schifffahrtszeichen ist dem weiblichen Geschlechte gewidmet – die Dulle Greet steht in einer Entfernung, die den Austausch lichttelegraphischer Zeichen ermöglicht, ein weiterer Gewinn neben dem alleinigen Stromverkehre –
Die Leuchttürme sind mit einem auffälligen Gewirr dicker und dickster elektrischer Stränge verbunden, muss doch die Elektrizität im Historischen Kraftwerk zu Rheinfelden-Lauffenburg gewonnen werden und vermittels Überlandleitung an ihren Einsatzort transportiert werden, am Prallen Hans-Erwin wird sie eingespeist und in der Folge von Turm zu Turm weitergereicht.
Stromabwärts reihen sich in sinnfälliger Folge der Fidele Hanspeter; der Lässige Kasper; die Grüne Minna; der Heilige Sei-Bei-Uns; der Helle Gunki; die Fette Metze; der Horige Hudeli; und am Ende der Stromtrasse Fidelia mit den breiten Schenkeln; dort sind wir schon auf Höhe Hardtheims – aber das ist eine andere Geschichte…

(Ein Gastbeitrag und zehnter Teil der Exklusivserie “Leuchttürme des Rheins” von Bdolf. rheinsein dankt!)