Schiedam

schiedamDas prachtgebäudehohe Schnapsglas deutet Schiedams Erbe an. Die wie ein Vorort westlich an Rotterdam und seine rheindurchflossenen Häfen anschließende Stadt ist die Zentrale der niederländischen Genever-Produktion. Einst galt Schiedam, zumindest im Englischen und Französischen (so z. B. bei Erckmann-Chatrian und Thomas Hood), als gebräuchliches Synonym für Genever, einen Ginvorläufer und kontinentalen Wacholderschnaps mit diversen Gewürznoten, die ursprünglich zum Überdecken des Fuselgeschmacks beigefügt worden sein sollen. Herstellung und Vernichtung des Getränks bestimmten die Geschicke der Stadt auf Jahrhunderte, besonders aber zu Zeiten der Industrialisierung und brachten ihr den Spitznamen Zwart Nazareth (Schwarzes Nazareth) ein. Die BNG-Bank zeichnete Schiedams Erbe gerade aus, als wir auf der Autobahn den sagenhaften Ort passierten, und verhinderte mit ihrer potemkinsch-piktografischen Stellwand das Durchdringen der Oberfläche. Zwar schien der Himmel meerisch zu schwelen, von höllenrosenbekränzten schwarzen Vulkanausbrüchen, mit denen Ferdinand Bordewijk 1944 den Zustand Schiedams beschrieb, war an diesem Sommertag jedoch nichts mehr zu erblicken: “Des zomers lag zij te midden van het sappigst Hollands weidelandschap te braken als een zwarte vulkaan. De felle vuren der glasblazerijen omkringden haar in een krans helse rozen.”