Quietscheentchen Nadia (2)

Der Zuschauerfrage, wie viele Tage Reisezeit das Rheinwasser von der Quelle zur Mündung benötige, nahm sich die ARD-Sendung Kopfball (die heute ausgestrahlt wurde und bereits als Podcast zur Verfügung steht) an – wir berichteten. Das Kopfball-Team setzte Nadia, eine doppelte Quietscheente, auf dem Rheinstrom aus, ließ sie von Wasserwachtlern begleiten, stoppte und addierte Nadias Schwimmzeiten, um sie mit differenzierteren wissenschaftlichen Meßmethoden abzugleichen. Schweizer und deutsche Hydrologen erklären vor der Kamera die unterschiedlichen Fließgeschwindkeiten des Rheins. Der Bodensee wird von den Enten-Messungen ausgenommen, weil der Rhein in den See abtaucht, was eine Oberflächenmessung verunmöglicht. Daß das Rheinwasser sich (ganz im Gegensatz zu Ammianus` Einschätzung) weit in den See verteile, erfahren wir von einem heutigen Fachmann, und daß es von der Eintrittsstelle in den Bodensee bis zur Austrittsstelle, je nach Jahreszeit, mindestens drei Wochen benötige. Die übrige Wasserreisezeit vom Tomasee bis Hoek van Holland (wo die Ente nur bei Ebbe das offene Meer zu entern vermag) maß das Kopfball-Team mit rund zehn Tagen, was insgesamt (also die Bodensee-Querung hinzugerechnet) eine Mindestreisezeit von einem Monat ergäbe. Die Live- und Vorberichterstattung des medial beachteten Experiments auf den Internetseiten des WDR hatten wir seinerzeit lediglich überflogen; die für die halbstündige, kurzweilige Sendung zusammengeschnittenen Ergebnisse schienen uns jedenfalls von den ersten Auswertungen abzuweichen, was alles in allem eine schöne Unsicherheit bzgl der vorgestellten Resultate beläßt. Ob ein Quellwasser immer diegleiche Reisegeschwindigkeit aufnimmt oder ob es, je nach Geburtsdatum und -charakter eher als Trödelwasser, Eilwasser, Streb-, Verweil- oder Wechselwasser (in kausalarmen Tempointervallen) und in wievielen Tagen der Nordsee zustrebt: diese Frage wäre erst noch zu stellen und ließe sich in weiteren Experimenten eingrenzen bzw ausweiten.

Quietscheentchen Nadia

Die Zuschauerfrage, wie lange ein Wassertropfen von der Quelle bis zur Mündung des Rheins brauchen würde, veranlaßte das Team der WDR-Sendung Kopfball zu einem vielbeachteten Quietscheenten-Experiment. Die Frage, wo Quelle und Mündung des Rheins liegen, wollen wir an dieser Stelle nicht erneut erörtern. Kopfball startete das Experiment am Tomasee. Eine wissenschaftliche Berechnung zu diesem Thema sei noch nicht vorhanden gewesen, lediglich Einzelstrecken seien gemessen, woraus sich die Gesamtflußdauer jedoch einigermaßen ergäbe. Ein auf der Wasseroberfläche schwimmendes Teil sei einem Rhein-Wassertropfen in dieser Hinsicht gleichzusetzen. Nun könnten wir entgegnen, daß schon die Frage nach der Wassertropfenwanderleistung sozusagen einen Modellwassertropfen voraussetze, einen idealen Tropfen im Sinne des Meßrekords, und keinen individuellen, Schilfrasten bevorzugenden oder mit den Fischen haschenden. Das Kopfball-Team wurde jedoch selbst mit diversen Schwierigkeiten der modernen Rheinforschung konfrontiert und geht offensiv damit um. So handelt es sich bei der für das Experiment verwendeten Quietscheente nicht um eine einzige authentische Quietscheente, sondern, den alpinen Gegebenheiten angemessen, zunächst um eine handelsübliche kleine, bevor, sobald das Rheinbett an Tiefe gewinnt, eine etwa fußballgroße, präparierte, kielgesteuerte mit GPS-Implantat zum Einsatz kommen konnte. Beide Enten neigten zum Hängenbleiben an Hindernissen wie Steinen oder Ufersäumen, weswegen ihre Reise- und Rastzeiten mit Stoppuhren genommen wurden. Auch mußte die größere der beiden Enten, die irgendwann auf den Namen Nadia getauft wurde, bei Dunkelheit gelegentlich aus dem Wasser geholt werden, bewältigte zwar schadenfrei den Rheinfall und Kollisionen mit Schiffen, längst jedoch nicht jede Schleuse – allein die Querung des Bodensees hätte „bis zu vier Jahren“ in Anspruch nehmen können, weil der den Bodensee durchfließende Rhein eben doch einen gewaltigen Unterschied zwischen Haupt- und Oberflächenströmung macht. Die Genauigkeit des Experiments mußte also eine ungefähre bleiben. Und so entspricht das praktische Ergebnis dem trocken aus Einzelsummen errechenbaren von „etwa 12 Tagen“, ein Ergebnis zudem, daß wir durchaus schon irgendwo einmal gelesen zu haben meinen (bei Tümmers?) und auf daß sich – ungefähr – auch kommen läßt, wenn eine durchschnittliche Fließgeschwindigkeit von rund vier bis fünf Stundenkilometern angenommen wird, wie sie sich zb pi mal Daumen aus dem Abgleich von normaler Fußgängergeschwindigkeit mit Treibgut ergibt. (Soviel dann doch nochmal zur Glaubwürdigkeit von Zahlen, welche vorgeben, natürliche Vorgänge korrekt widerzugeben.) Das Ergebnis wurde im Internet veröffentlicht, die eigentliche Sendung steht noch aus. Die Zahl der Quietscheentenfreunde in Deutschland ist hoch, die populäre Ansprache dürfte gelingen, zumal Nadias Begleitteam (Kamera, Ortung, Aufdemwegerhalten) von ähnlichen Entbehrungen zu berichten weiß, wie wir sie auf unserer jüngsten Bibersafari erlitten. Der Film zum Experiment soll am 21. Oktober gezeigt werden.