Presserückschau (Februar 2014)

Ein Monat geheimnisvoller Vorfälle am Rhein war der ausgehende Februar. Die interessantesten Meldungen auf einen Blick:

1
Von einer mysteriösen, 500 oder 591 oder über 600 Meter langen (die Angaben in den Artikeln variieren), zunehmend kräftigeren und gegen Ende taumelnden Blutspur in Leverkusen-Rheindorf berichten Express und der Kölner Stadt-Anzeiger: “Die Spur beginnt an der Peenestraße in Rheindorf-Nord und zieht sich über einen Wirtschaftsweg an der Autobahnbrücke zu A 59 bis an einem Hitdorfer See. Dort endet sie. Die Polizei suchte die Gegend zunächst mit einem Hubschrauber ab. Auch ein Fährtenhund wurde eingesetzt. Der Spürhund, ein amerikanischer Bloodhound, ist speziell auf diese Fälle ausgebildet.” Eine Tauchersuche blieb ergebnislos. Unterdessen hatte ein anonymer Anrufer beim Notruf behauptet, die Spur stamme von ihm, nachdem er “sich geschnitten” hätte. Für die Polizei bleibt der Fall weiterhin ungeklärt.

2
FAZ-Reporter Dieter Bartetzko wurde von einem Rentner in Bingerbrück zu einem alten Gewölberaum geführt, in dem ein versteckter Kunstschatz lag. In “zweiundzwanzig faulenden Bananenkartons” lagerten Kannen, Krüge und Schalen, die der Reporter dank seines Kunstgeschichtsstudiums als spätmittelalterlich einstufte. Da viele der Gefäße mit Inventarnummern gezeichnet sind, dürfte es sich bei dem Schatz, so Bartetzko, um Diebesgut, womöglich aus dem Landesmuseum Mainz, handeln. Neben mittelalterlichen Gefäßen umfaßt der Fund auch Fliesen, die nach Bartetzkos Einschätzung aus der Renaissance oder dem Frühbarock stammen könnten. In einem Karton stieß der Reporter auf zwei Totenschädel und Knochen, die nun von der Polizei untersucht werden müssen. Für den Nibelungenhort dürfte der Schatz deutlich zu jung sein. Im Mainzer Landesmuseum werden indessen keine Stücke der gefundenen Art vermißt.

3
“Rocker-Arm im Rhein gefunden” titelt die BILD und zeichnet eine Landschaft mit Körperteil: “Das Rheinufer im Duisburger Stadtteil Mündelheim, Schafe grasen, ein Spaziergänger geht mit seinem Hund Gassi. An diesem idyllischen Ort machte ein Angler eine grausige Entdeckung: Am Ufer wurde ein abgetrennter Arm angespült. Als Gerichtsmediziner das Körperteil untersuchen, wird schnell klar: Es handelt sich um ein grausames Verbrechen. Denn der Arm wurde nicht durch eine Schiffsschraube abgetrennt, sondern mit einem scharfen Messer.” Polizei und Staatsanwalt hielten sich mit der Preisgabe von Informationen bedeckt, schreibt die BILD, weiß jedoch, daß der Arm posthum abgetrennt wurde und welcher Gemeinschaft er angehörte: “(…) Auf dem Unterarm prangt die Tätowierung „AFFA“ (Angel forever, forever Angel). Im Klartext: Der Arm gehörte einem Hells Angel.”

4
Drei Personen verschwanden Mitte des Monats im Rhein bei Köln, zwei tauchten wieder auf. Der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet, “eine 30-Jährige Frau (sei) mit einem neun Monate alten Jungen unter der Mülheimer Brücke in den Rhein gestiegen. Eine Passantin bemerkte dies und konnte das Kind noch aus dem Wasser ziehen. Sie zog es aus und wärmte es unter ihrem Mantel. Die Mutter des Jungen konnte vom Boot einer Segelschule gerettet werden. (…) Kurz vorher war von der Deutzer Brücke ein dunkel gekleideter Mann mit kurzen roten Haaren in den Rhein gesprungen. Er konnte in den Fluten nicht gefunden werden.” Eine spätere Version des Artikels bezeichnete den “dunkel gekleideten Mann” als “47-jährige Frau”.

5
In Köln und Leverkusen werden rund 300 Löcher ins Erdreich gebohrt, um die Bodentragfähigkeit für eine neue Autobahn-Rheinbrücke zu eruieren: “Mit einem gut 40 Meter langen Bohrer durchlöchern die Straßenbauer ab sofort den Boden in Ufernähe, um dessen Beschaffenheit zu prüfen. Auf diese Weise soll der spätere Verlauf der Trasse bestimmt werden. In den kommenden sechs Monaten werden (…) Bohrungen zwischen Köln-Niehl und Leverkusen-West durchgeführt (…). Um Fahrer nicht abzulenken, ist das Bohrfeld von einem Sichtschutz verdeckt.” (Kölnische Rundschau)

Neues aus dem Sommerloch (3)

Die Nachrichtenlage nähert sich in hiesigen Gefilden bereits seit Mitte Mai mit Ansage ihrer alljährlichen Sauregurkenzeit, dem gefürchteten Sommerloch, weswegen der Rhein als Themengenerator wieder stärker in den Fokus der Tagespresse gerät. Da werden plötzlich exotische Tiere im Fluß ausgemacht, die eigentlich schon recht lange zugewandert sind. Krokodile, die sich alsbald als hölzerne erweisen, sind bisher noch keine drunter. (Dabei wurde bereits im März bei Duisburg-Mündelheim, taktisch wohl etwas zu früh, ein solches gefilmt und auf Youtube eingestellt.) In einem Artikel „Darum ist es am Rhein nicht so schön“ konstatiert der Kölner Stadt-Anzeiger nach all den Jahren längst in vielfältigen Publikationen von uns bedichtete Fänomene wie die Graffiti an der Zoobrücke, die vermüllten Pfade, die verwilderte Uferböschung und darüberhinaus noch (bisher von uns unbedichtete) Blumenbeete ohne Blumen. Die Autoren beziehen sich dabei aber nicht auf unsere Texte, sondern auf die deutlich älteren Kollegen Adolf von Bergsattel und Franz Suppan, die in den 1920ern in ihrem populären gleichnamigen Lied fragten „Warum ist es am Rhein so schön?“. Darin heißt es unter anderem „weil die Mädel so lustig / und die Burschen so durstig / darum ist es am Rhein so schön“. Diese wiederum altbekannten rheinischen Tugenden beklagt ein weiterer Artikel desgleichen Blattes, übertitelt „Ballermann am Rhein“, der nun erstmals von der ebenfalls seit Jahren und Jahrzehnten in der Stadt zu beobachtenden Entwicklung zum Ganzjahreskarneval handelt, indem er die Junggesellenabschiede in der Altstadt entdeckt und warnt: „(…) Ein (…) Risiko gehen die Anbieter von schicken Flusskreuzfahrtschiffen ein, wenn sie sich dafür entscheiden, in Köln gleich am Altstadt-Ufer Station zu machen. Als im neuen Vorzeigeschiff von TUI bei der Jungfahrtfahrt den fein gemachten, zahlenden Gästen das aufwendige Sechs-Gang-Abendessen serviert wurde, turnte ein Junggesellenabschied anderthalb Stunden mit einem aufblasbaren Riesenpenis vor den Panoramascheiben herum. (…)“ Die Rheinische Post wiederum scheint sich, als Rüstzeug für das dräuende Sommerloch, auf Meldungen zum Schiffsverkehr zu konzentrieren: „Es war ein lautes Krachen, das in der Nacht (…) viele Emmericher weckte: Gegen 1 Uhr kollidierte das Tankerschiff „Margaux“ mit dem Passagierschiff „River Concerto“ in Höhe des Segelflughafens aus noch bislang unbekannter Ursache. (…) Die 132 Fahrgäste, die bei dem Unfall aus dem Schlaf gerissen wurden, mussten ihre Kabinen verlassen. In Bademänteln und mit Rettungswesten standen sie mit den 36 Besatzungsmitgliedern an Deck, als das Schiff aus eigener Kraft den städtischen Steiger ansteuerte, damit Rettungskräfte an Bord kommen konnten.“ Die Passagiere wurden dann im Kernwasser-Wunderland Kalkar untergebracht, was bei uns einige Verwunderung darüber auslöste, was unter einem Kernwasser-Wunderland zu verstehen sei. Eine weitere Meldung der Rheinischen Post betraf den Düsseldorfer Hafen, in dem ein Kohlefrachter aus Rotterdam auf Grund gelaufen war und für mehrere Stunden die Einfahrt blockierte. Das Schiff hatte für den niedrigen Wasserstand zuviele Kohlen geladen, weshalb die Hafeneinfahrt für einen Tag gesperrt werden mußte. Conclusio: „Von der Sperrung waren jedoch nur zwei Binnenschiffe betroffen.“