Presserückschau (August 2015)

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Anfang August beobachtet die Presse das Niedrigwasser im Rheinland, so der EXPRESS bei Bonn: “„Immer mal wieder taucht bei Niedrigwasser auch Kurioses auf“, so ein Sprecher der Wasserschutzpolizei (…). In Urfeld habe man 2003 sogar einmal ein komplettes Auto an einem Schiffsanleger gefunden. „Zum Glück saß niemand mehr drin“, so der Wasserpolizist. Auch Fahrräder, entsorgte Autobatterien, geknackte Zigarettenautomaten oder aufgebrochene Tresore gab der Rhein schon mehrfach frei.”

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In Alphen aan den Rijn ist ein Bauteil für die Julianabrücke über den Oude Rijn von einem Schiff gekippt und zog die Baukräne nach sich. Die Großteile stürzten in eine Häuserfront, ein Hund soll bei dem Unglück getötet worden sein, die Meldungen schwanken desweiteren zwischen null und ungefähr zwanzig verletzten Menschen: “Waardoor de kranen omvielen, is nog onduidelijk. De kranen stonden op een drijvend dek en vervoerden samen het brugdeel. Volgens een ooggetuige wiebelde de ponton voordat hij omviel enorm. Een woordvoerder van de Veiligheidsregio zei dat het erop lijkt dat het brugdeel is gaan schuiven en dat daardoor de kranen omvielen.” (Nederlandse Omroep Stichting)

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Das Rheinschwimmbad in Schwörstadt ist neuerdings durch einen Zaun vom Rhein abgegrenzt – aus Haftungsgründen, wie der SWR in einem dreiminütigen TV-Beitrag berichtet. In den sechzig Jahren seit sie, von ihrer Kindheit an, das Bad besuche, sei dort “noch nie jemand versoffe”, erzählt eine ältere Dame vor der Kamera, andere Badegäste fordern Aufstand und Rabatz, zum wenigsten jedoch ein Drehkreuz mit Haftungshinweisen, um nicht den weitläufigen Zaun umgehen zu müssen. Nach der Badesaison wollen sich die Schwörstädter Gemeindeverantwortlichen intensiver mit der Einzäunung beschäftigen.

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Auf dem Rhein bei Düsseldorf sind bei einer Frontalkollision elf Menschen verletzt worden: “Die Feuerwehr zählte 230 Menschen an Bord (eines Kreuzfahrtschiffes), davon 180 Passagiere und 50 Besatzungsmitglieder. In der Gegenrichtung war ein mit Mais beladener Frachter unterwegs. Um 10.20 Uhr kam es dann zwischen dem Fähranleger in Langst-Kierst und der Flughafenbrücke zum frontalen Zusammenstoß. Angaben des Frachtschiffführers zufolge soll das Bugstahlruder versagt haben.” (Rheinische Post)

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Über Szenen, die einem Actionfilm entstammen könnten, berichtet der Sarganserländer in typisch eidgenössischer Diktion: “Bei einem spektakulären Selbstunfall in Mastrils ist eine 25-jährige Lenkerin mit ihrem Auto in den Rhein gestürzt. (…) Die 25-Jährige fuhr von Mastrils kommend in Richtung Tardisbrücke. Auf der Höhe des Restaurant Tardis geriet sie mit ihrem Fahrzeug über den rechten Fahrbahnrand hinaus, steifte einen parkierten Lieferwagen, überquerte die Bushaltestelle und kollidierte mit einem Fahnenmasten. Von dort stürzte der Personenwagen die Rheinböschung hinunter, prallte auf das Rheinufer, worauf es das Fahrzeug überschlug und im Wasser auf dem Dach liegend zum Stillstand kam. Die Lenkerin, welche alleine im Fahrzeug sass, konnte den Unfallwagen verlassen. Glücklicherweise hörte ein Anwohner den Unfall, eilte zu Hilfe und konnte die Verunfallte aus dem Wasser ziehen.”

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Noch mehr Presseaufmerksamkeit als bei seinem Abgang vor rund zwei Jahren erfuhr die Bergung eines Polizeiautos, das bei einer Personenkontrolle aufgrund loser Handbremse in den Rhein bei Bad Säckingen gerollt, untergegangen und von Polizeisuchtrupps nicht geortet werden konnte. Ein Schweizer Hobbytaucher, der das Fahrzeug an einer tiefen Rheinstelle bei Mumpf ausmachte und die deutsche Polizei informierte, soll am Telefon zunächst abgewiesen worden sein, bis er die Beamten auf Umweltschäden, die vom Wrack ausgehen könnten, aufmerksam machte. Über die Bergungsaktion berichtet das Boulevardblatt Blick: “Das versunkene deutsche Polizeiauto ist endlich gehoben – mit enormem Aufwand. Rund 50 Pontoniere des Schweizer Militärs mussten bei Mumpf AG mit einer Schwimmbrücke aushelfen. Daneben: ein Dutzend deutsche Polizisten. Unter Wasser: deren Taucher. Die Aktion war ein Kraftakt. Erst nach sechs Stunden hing das Wrack am Haken, landete endlich auf dem Trockenen. Die Deutschen wollten ihren Streifenwagen nicht lange begutachten und schickten ihn umgehend zum Verschrotten.”

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Als Jahrhundertwerk feiert die WAZ in einem enthusiastischen Artikel die neue Reeser Flutmulde: “Fast sah es aus wie in Papenburg, wenn ein Kreuzfahrtschiff die Meyer-Werft verlässt. Die Köln-Düsseldorfer RheinFantasie, immerhin 85 Meter lang und 14 Meter breit, fuhr in die Flutmulde ein. Nur das Freideck war noch vom Reeser Ufer aus hinter dem Deich zu erkennen. Währenddessen näherte sich von der anderen Seite die Fähre einem über die Flutmulde gespannten schwarz-rot-goldenen Band. An Bord zum Festakt viel Prominenz, Minister, Staatssekretär, Bürgermeister, Verantwortliche der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung und Gäste.”

Presserückschau (August 2012)

Nachdem noch im Juli die DLRG verschiedentlich gemeldet hatte, daß Schwimmen im Rhein nirgendwo sicher sei, veranstaltete sie im August wieder ihre traditionellen Rheinschwimmen zwischen Heidenfahrt und Ingelheim (136 Teilnehmer, Erbsensuppe), in Rheinfelden (44 Naturfreaks, ein Biber), und in Kooperation mit den Schweizer Kollegen zwischen Mumpf und Bad Säckingen (327 Schwimmbegeisterte, Fischessen): Hasardeure! Die weiteren Meldungen des Augusts:

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Die Dreiländerbrücke (zwischen den Partnerstädten Huningue und Weil; Anm.: rheinsein) ist mit 248 Metern die längste Radfahrer- und Fußgängerbrücke der Welt“, konstatiert die Badische Zeitung und befragt Passanten zu ihren Nachbarschaftsgefühlen. Nicole Kebel (79) aus Saint Louis: “Ich (mache) fast jeden Tag einen Spaziergang auf der Brücke und trinke dann in Weil einen Kaffee. Ich habe den Krieg erlebt, diese Partnerschaft hat eine sehr starke Bedeutung für mich. Sogar wenn ich auf der Brücke gehe, bin ich sehr gerührt.” Hingegen Audrey Allgeyer (31) aus Village-Neuf: “Wir mögen die Stadt Weil am Rhein und die Läden dort nicht, deshalb ist es uns egal, wenn es Veranstaltungen gibt und dass Weil am Rhein und Huningue Partnerstädte sind.”

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Die ortsansässige Schildkröte Rheini wurde von einem Mann aus dem Konstanzer Rheinstrandbad gestohlen, berichtet der Südkurier: „Der Unbekannte sei bei seiner Tat beobachtet worden. Trotz Protests der Badegäste habe er sich von seinem Vorhaben nicht abbringen lassen. Die Rheini-Fans bitten ihn darum, das Tier wieder zurückzubringen, sonst werde Strafanzeige gestellt. Schließlich sei es nicht erlaubt, einfach ein wildes Tier nach Hause zu nehmen.“ Die Hintergründe dürften in einem Streit um artgerechte Tierhaltung liegen, wie die Kommentarspalte vermuten läßt.

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Am Gotthardpass ist der Vier-Quellen-Weg, eine Wanderroute, welche die Quellen von Rhein, Reuss, Rhône und Ticino berührt/verbindet, eröffnet, meldet der Tagesanzeiger. Zur Einweihung sprach Ueli Maurer. „Der Gotthard, das zentrale Massiv der Strecke, stehe für Freiheit, den Gründungsgedanken der Eidgenossenschaft und die direkte Demokratie. Der Bundesrat hofft, dass Wanderer entsprechende Emotionen durchleben werden.“ (Aber hallo, das muß unbedingt ausprobiert werden! Gilt das auch für Ausländer?)

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Bizarre Tiernachricht aus den Tiefen des Sommerlochs: Weil er seine Mischlingshündin mit Paketschnur an den Vorderfüßen gefesselt in den Rhein geworfen habe, wurde ein Kölner wegen Tierquälerei zu einer Geldstrafe verurteilt, berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger. Das Tier indes überlebte. „Winselnd, das Fell völlig durchnäßt“ wurde Bonnie von einer Passantin am Stammheimer Ufer entdeckt. (Wir fühlten uns umgehend an die (durchaus noch ein Quentchen bizarrere) Hundeszene in Guy Helmingers Etwas fehlt immer erinnert und gedachten für einen weiteren Moment der so oder so zustandegekommenen Gequältheit diverser Gottesgeschöpfe.)

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Es war wohl wenig los im August. Bei Lorch lief das 105 Meter lange Schiff Karola auf Grund. Der Frachter hatte Eisenplatten geladen (SWR). Beim U-Bahn-Bau in der Düsseldorfer Innenstadt trat ein Mammut-Stoßzahn zutage – bei weitem nicht der erste in der Gegend (Rheinische Post). Weil also wenig passierte, verlegte sich die Presse stärker auf Ankündigungen: „178-Millionen-Euro-Projekt: Die neue Schiersteiner Brücke soll in zwei Abschnitten bis 2018 entstehen. Sie wird fast 1,3 Kilometer lang und 44 Meter breit sein.“ (FAZ) Ab 9. September wird das große Binger Weinfest unter dem Motto “Schon Hildegard von Bingen lobte den Wein – drum lasst beim Winzerfest am Wein uns erfreun” eröffnet (business-on). Und nicht zuletzt: „Gedichte sollen den Rheinuferweg bei Basel säumen“ – was für Gedichte genau, werde sich noch herausstellen (Tageswoche).

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Schließlich erregte noch eine Meldung von einer jungen Schweizerin größeres Aufsehen, die von der Karlsruher Wasserschutzpolizei aus der Iffezheimer Schleuse gefischt wurde (ka-news, Focus): in ihrem Schlauchboot, das sie mit Schwimmflossen an den Beinen manövrierte. Besondere Erwähnung gewährte die Presse ihrer Kopfbedeckung, einer Kapitänsmütze. Seit Biel (Aare) hatte die 26jährige innert 14 Tagen bereits über 200 km in dieser Fortbewegungsart absolviert, gab das Schlauchbootflosseln nach einer polizeilichen Gefahrenaufklärung jedoch auf und will nun versuchen, per Schiffsanhalterin an ihr Ziel, die Nordsee, zu gelangen.

Bad Säckingen (2)

Bad Säckingen auf den ersten Blick: Brunnen, Parkbänke, Kurkliniken und -cafés, sowie eben: Trompeter. Ein wenig Grillbudensumpf um den Bahnhof herum. Ein Müllmuseum soll es hier geben. Für einen Kurort dürfen erstaunlich viele Laubbläser, Steinbohrer und Preßlufthämmerer ihren stumpfen Industrial-Sound entfalten. Dazu die Cabriofahrer: je undifferenzierter der Musikgeschmack, desto weiter nach rechts gedreht ihre Volumenregler. Flucht ins Münster mit seinen sehenswerten Fresken, Skulpturen und Reliquienschreinen. Plötzlich bin ich der führende Lärmproduzent: das Quietschen der Gummisohlen meiner Dachdeckerschuhe scheint sich im heiligen Raume von selbst zu verstärken. Raus in die Natur. Auch die kleine Schweiz am anderen Ufer des flaschengrünen Hochrheins produziert ein fettes Pfund Verkehrslärm. Nach einer halben Stunde erreiche ich den Fähranleger für Rheinquerungen hinüber ins eidgenössische Mumpf. Die Fähre geht nur zu wenigen Stunden die Woche. Schade. Auf Schweizer Seite mumpft Mumpf stoisch im Schienen- und Straßenlärm, auch das Gekrächze eines Mumpfer Kleinkinds trägt das Wasser herüber, NDB sind alle Hurensöhne, hat eine jugendliche Hand in das Wartehäuschen gekritzelt, flach eilt der Rhein von dannen und entkommt sich nicht. Eine Eidechse wuselt durchs Ufergebüsch. Unter der Autobrücke mit Spraylack: „people not profit“ – der Sinn wechselt mit der Betonung. Auf der Schnellimbißmeile zum Aufgang der Holzbrücke herrscht chicque`s Apostrofieren: im Rhybrugg gibt’s „Cocktail`s Und Und Milch-Shake`s – Latte M. – Cappu. – Säfte – Biere“, das Menü im Imbiss an der Holzbrücke lautet wie eine mathematische Gleichung „Currywurst mit Pommes und 0,2 lt. Cola = 4,80“, das passende Motto „Kebap und Pizza`s“. Über Scholle`s Croque Laden galoppiert ein fescher Bronzetrompeter auf füsslilike wieherndem Roß. „Gegen Wasser und Feind im Jahre 1343 erbaut wurde der Gallusturm im Jahre 1973 von der Narrenzunft Saeckingen wiederhergestellt als Bollwerk gegen Truebsal.“ Etwas rheinauf das EnBW-Bollwerk zur Energieerzeugung, das Wehr des Laufwasserkraftwerks, aus dessen einzig offener Schleuse ein mörderisch anmutender Teilrhein strömt. Im Haus der Fischerzunft eine eigentlich geschlossene Fotoausstellung mit Motiven vom Bergsee. Doch der Fotograf lauert auf Besucher, erzählt von seinen monetschen Ansätzen. Ach ja, der Bergsee, dorthin machte doch das halbe Säkkingen einen Picknickausflug, in Scheffels Trompeter, und bald trat der mißmutige Waldgeist Meisenhartus in Erscheinung. Durch die Unterführung hinterm Bahnhof („das Geld wird töten“), vorbei an alten Mühlsteinen und Hanfreiben, sowie eher neuzeitlich ausschauenden Kurkliniken und Altenheimen entere ich den Hotzenwald.