Presserückschau (Juli 2017)

1
Die Göttin wartet
“In sich ruhend und ganz auf die eigene Person konzentriert sind die Skulpturen von Magorzata Chodakowska. Insofern passen die Werke der polnischstämmigen Künstlerin (…) sehr gut in das Konzept der Stille, dem sich die Hitdorfer Galerie Flowfineart verschrieben hat. (…) Inspiriert vom modernen Ausdruckstanz treibt sie ein Urbedürfnis nach Schönheit und Ästhetik an. Die starke Körperspannung vermittelt das Selbstbewusstsein einer Göttin. Zwei der weiblichen Akte von Magorzata Chodakowska sind diesen Sommer in Hitdorf zu Gast, eine Stehende im Erdgeschoss und eine Sitzende, mit einer Art Handtuchturban auf dem Kopf, liegt im oberen leeren Raum, als warte sie hier auf ihr Bad im Rhein, der in Sichtweite vor dem Fenster vorbei fließt. Die Figuren sind in Holz gearbeitet und anschließend in Bronze abgegossen.” (Rheinische Post)

2
Rosaroter Rhein
“Die Wasserschutzpolizei Mainz konnte (…) schnell Entwarnung geben: Es sind keine Chemikalien, die für die rosafarbenen Schimmer des Rheins gesorgt haben. Die Polizisten sind sich stattdessen sicher, dass die Verfärbung vom Roten Hang in Nierstein kommt. Dort besteht der Boden aus rotem Sandstein, Geologen nennen das „Rotliegend“. (…) Die Wasserschutzpolizei spricht von einem etwa fünf Meter breiten und 50 Meter langen Teppich. Der trieb dann Richtung Mainz, wo er nur noch teilweise gesehen wurde und sich dann auflöste. Die Wasserschutzpolizei sagt, das käme immer wieder mal vor, gerade wenn es lange trocken war und dann kräftig regnen würde.” (SWR)

3
Selfie
“Dieses Selfie wird sie wohl nie mehr vergessen: Eine (…) Touristin ist (…) in Chur während des Abdrückens mit der Handykamera in den Rhein gestürzt. (…) Das Missgeschick geschah unterhalb der Rheinbrücke beim Rheinsand (…). Beim Selfie-Machen verlor die 26-Jährige das Gleichgewicht und fiel in den Fluss. Rund einen Kilometer wurde sie von der Strömung mitgerissen. Bei einer Sandbank konnte sie sich auf einen Felsbrocken in Sicherheit bringen. Ein Rega-Helikopter befreite schliesslich die durchnässte Frau aus ihrer misslichen Lage. (…) Die Touristin wurde nach der ärztlichen Untersuchung an ihr Aufenthaltsdomizil zurückgeführt.” (Thurgauer Zeitung)

4
Synthetischer Strand
“Am Rheinufer in Sürth wurden (…) jede Menge winziger Plastikkügelchen angeschwemmt, höchstens fünf Millimeter groß sind sie im Durchmesser und überwiegend weiß. In einer Bucht nördlich des Godorfer Hafens (…) ist der Granulatstreifen besonders dicht gestreut. Aber auch noch rund fünf Kilometer weiter nördlich in Rodenkirchen liegen die Plastikpellets vereinzelt im Sand; sie sind von kleinen Kieselsteinen kaum zu unterscheiden. (…) Das nahe gelegene Chemieunternehmen Lyondell Basell stellt im Industriegebiet in Wesseling/Godorf solches Kunststoffgranulat her. (…) LB hat nach eigenen Angaben am Rheinufer in der vergangenen Woche eine Granulatprobe genommen und analysiert. (…) Es sei möglich, dass aufgrund der starken Regenfälle auch Plastikpartikel aus den Rückhalteeinrichtungen des Werkes herausgespült worden seien.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

5
Herzlich willkommen zurück
“Ein letztes Mal kehrte er zurück an seinen Sehnsuchtsort: Helmut Kohl, aufgebahrt im Dom zu Speyer. Ein Ort, der Kohl als Privat- und als Staatsmann immer wichtig war. In der Totenmesse (…) im Dom erinnerte auch der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann an Kohls persönliche Beziehung zu dem Gotteshaus. Sie hatte damit begonnen, dass Kohl hier mit seiner Mutter im Zweiten Weltkrieg Zuflucht vor Fliegerbomben fand. Als Kanzler führte Kohl Staatsgäste aus aller Welt nach Speyer. (…) Zur (…) Totenmesse nach Speyer kam der Sarg (…) mit dem Schiff. Der Leichnam des Altkanzlers wurde mit der “MS Mainz” von Reffenthal über den Rhein gebracht. Eskortiert von mehreren Polizeibooten legte das Schiff (…) am Rheinufer in unmittelbarer Nähe des Speyerer Doms an. Am Zielort warteten schon mehrere Hundert Bürger. “Danke Helmut. Herzlich willkommen zurück in Speyer”, hatte ein 48-jähriger Speyerer mit roter Farbe auf ein weißes Leintuch geschrieben, das er an einer Brücke am Rhein aufgehängt hat.” (SWR)

6
Störfaktor
“Im NSU-Untersuchungsausschuss des Landtags von Baden-Württemberg haben am Montag zwei Polizisten den Austausch der Sicherheitsbehörden über Ländergrenzen hinweg als unzureichend kritisiert. “Der Rhein ist ein störender Faktor”, sagte ein 55-jähriger Staatsschützer aus dem rheinland-pfälzischen Ludwigshafen über die Zusammenarbeit mit baden-württembergischen Kollegen. “Was unsere Leute in Baden-Württemberg wissen, wüsste ich auch gerne.”" (Badische Zeitung)

7
Kampf der Giganten
“Seit acht Millionen Jahren kämpfen zwei Giganten im Schwarzwald. Sie ringen langsam, aber stetig und erbarmungslos. Zunächst ging es um das größere Gebiet, mittlerweile geht es um die Existenz. Die Rede ist von Rhein und Donau, (…) die im Schwarzwald den Kampf um die europäische Wasserscheide austragen. Experten räumen der Donau schlechte Chancen ein, denn der Rhein gräbt ihr beständig die Zuflüsse und Quellgebiete ab. Wer beim Wandern die Augen offen hält, kann mancherorts Schauplätze dieses Kampfes erkennen. (…)” (Badische Zeitung)

8
Seilbahn-Drama
“Nach der Rettung von 65 Menschen aus der Kölner Seilbahn sollen (…) die Untersuchungen zu dem Notfall beginnen. (…) Eine Gondel der Seilbahn hatte sich (…) verkeilt. Die Kölner Feuerwehr startete eine spektakuläre Rettungsaktion. Da ein Großteil der Kabinen über dem Rhein festhing, mussten zahlreiche Fahrgäste aus großer Höhe auf ein Feuerwehrschiff abgeseilt werden. Andere Passagiere wurden über Drehleitern vom Ufer oder der Zoobrücke aus der beängstigenden Lage gerettet.” (Spiegel)

9
Rheintote
“Der nach dem Schwimmen im Rhein vermisste 18-Jährige ist tot. Er sei in Höhe des Mainzer Rathauses am Donnerstag aus dem Fluss geborgen worden, teilte die Polizei (…) mit. Der 18-Jährige hatte (…) mit anderen Jugendlichen und Betreuern einer Hilfeeinrichtung für unbegleitete Flüchtlinge einen Ausflug an den Rhein unternommen. Als ein Binnenschiff vorbei fuhr, ging er im Wasser unter. Eine Obduktion soll nun die genaue Todesursache klären.” (Hessenschau)

“(Speyer) Schrecklicher Fund (…) im Rhein: Beim Angeln wird im Hafenbecken eine männliche Leiche (41) im Wasser entdeckt! (…) Nur ein paar hundert Meter weiter befindet sich auch das Großaquarium „Sea Life“. Nach der Bergung durch die Feuerwehr kann der hinzugezogene Notarzt nur noch den Tod des Mannes feststellen. Wie der Leitende Oberstaatsanwalt (…) mitteilt, handelt es sich bei dem Toten um einen 41-jährigen Mann aus Bellheim. Er konnte eindeutig anhand seines Personalausweises identifiziert werden. Aufgrund des Zustands der Leiche, ist von einer kurzen Verweildauer im Wasser auszugehen (…). Während die Kriminalpolizei die Ermittlungen vor Ort aufgenommen hat, wurde die Leiche sichergestellt und in ein Bestattungsinstitut gebracht. Die Staatsanwaltschaft Frankenthal hat die Obduktion der Leiche angeordnet.” (Mannheim24)

“Ein Mann (54) ist (…) im Rhein ertrunken. Er war zusammen mit sieben weiteren Männern auf einem Motorboot auf dem Fluss unterwegs, als dieses (…) in der Nähe von Schaffhausen kenterte. Alle acht Passagiere fielen ins Wasser. Sieben Männer konnten sich selbstständig ans Ufer retten und blieben unverletzt (…). Der 54-Jährige blieb jedoch im Rhein zurück und konnte erst nach umfangreicher Suche mit Polizeitauchern nur noch tot aus dem Rhein geborgen werden. Gefunden wurde die Leiche (…) rund 1,5 Kilometer flussabwärts bei der Feuerthalen-Brücke (…). Der Unfall geschah offenbar bei einem Anlegemanöver, wie die Polizei in einer Mitteilung schreibt. Beim Bootsführer wurde eine Blut- und Urinprobe angeordnet.” (Blick)

“In Höhe des Fähranlegers bei Rheinberg-Orsoy ist (…) eine im Rhein treibende Wasserleiche entdeckt und geborgen worden. Die Identität der Person ist noch unklar. (…) Neben der Wasserschutzpolizei, dem Rettungsdienst und der Rheinberger Feuerwehr (Löschgruppe Orsoy) war auch der Rettungshubschrauber Christoph 9 am Einsatzort. Die Feuerwehr konnte die Leiche von einem Boot aus bergen. Ob es sich um eine männliche oder um eine weibliche Leiche handelt, war noch nicht zu erfahren.” (Rheinische Post)

“Traurige Gewissheit zum Schicksal des Mannes, der (…) von der Mülheimer Brücke in den Rhein gesprungen war: Im Duisburger Stadtteil Alt-Walsum haben Passanten seinen toten Körper im Rhein treibend entdeckt. Die Wasserleiche ist (…) bereits obduziert und auch identifiziert worden. Es handelt sich um einen 38-Jährigen aus Köln.” (Express)

Presserückschau (Oktober 2015)

Mutmaßliche Verseuchungen des Rheins mit Industriestoffen und umgehende Dementi der angeblichen Verursacher dominierten die Rhein-Schlagzeilen des ersten Monatsdrittels: berichtet wurde u.a. von Einleitungen der Chemikalien Pyrazol bei Dormagen und PFT (Perfluorierte Tenside) bei Düsseldorf, desweiteren von einer großflächigen Ölverschmutzung bei Basel. Weitere Einzelheiten unterschlagen wir an dieser Stelle und gehen über zu den bemerkenswertesten Meldungen des Oktobers:

1
Die Bedeutung des Rheins für Köln beleuchtet der Kölner Stadt-Anzeiger. 600 Schiffe, bis zu 135 Meter lang und 17 Meter breit, passieren täglich die deutsch-niederländische Grenze und etablieren den Fluß als eminente Handelsroute: “Die Bedeutung des Rheins und der Binnenschifffahrt dürfte sogar weiter wachsen. Denn die „Zara“-Häfen (Zeebrügge, Antwerpen, Rotterdam, Amsterdam) werden derzeit kräftig ausgebaut. Was in den belgischen und niederländischen Seehäfen ankommt, wird dort umgeschlagen und oft auf Rheinschiffen nach Deutschland transportiert – und umgekehrt. Der Warenverkehr zwischen Holland und Deutschland gehört mit einem Umfang von jährlich 160 Milliarden Euro zu den größten Handelsvolumina in der Welt.” Die NRW-Binnenhäfen erreichen dabei gemeinsam nahezu das Umschlagsvolumen des Hamburger Seehafens. Als Transportweg nehmen die Wasserstraßen in Deutschland bisher hinter Straße und Schiene den dritten Rang ein: “Trotz einiger aufsehenerregender Havarien gehört das Binnenschiff zu den sichersten Transportmitteln. Fast ein Viertel der darauf im ersten Halbjahr 2015 beförderten Güter fiel deshalb in den Bereich Gefahrgut wie Benzin, Heizöl, Methanol, Säuren, Ammoniak. Am häufigsten verschifft werden auf dem Rhein aber Erze, Steine und Erden. Es folgen Kokerei- und Mineralölerzeugnisse sowie Kohle, Rohöl, Gas und chemische Produkte. Ford lässt per Schiff Neuwagen ins Ausland verfrachten.”

2
“Weil er Phosphor mit Bernstein verwechselt hat, erlitt ein Mann in Neuss schwere Verbrennungen. (…) Am Rhein fand er einen tischtennisball-großen, feuchten Gegenstand. Diesen hielt er nach eigener Aussage für Bernstein. Der Mann nahm den vermeintlichen Bernstein laut Feuerwehr Neuss in seiner Hosentasche mit. Als er im Auto bereits auf dem Weg nach Hause war, entzündete sich die Kugel. Der Rentner erlitt schwere Verbrennungen am Oberschenkel sowie an Hand und Arm. Mit einem Rettungshubschrauber wurde er in eine Spezialklinik für Verbrennungen nach Köln-Merheim geflogen.” In Neuss handelte es sich um den ersten bekannt gewordenen Phosphorfund. Insgesamt sei der hochgiftige und entzündliche Weiße Phosphor, der von Bernstein optisch nicht zu unterscheiden sei, am Rhein extrem selten. Bisher gefundenes Material stamme aus durchgerosteten Fliegerbomben. Weitaus häufiger tauchten komplette Kampfmittel in Flußnähe auf, berichtet die WAZ.

3
Ein ungewöhnlicher Todesfall beschäftigt die Kölner Polizei zur Monatsmitte. Auf der Zoobrücke hatte sich ein Auffahrunfall mit Blechschaden ereignet: “Als Polizisten hinzukamen, sicherten sie die Unfallstelle ab und sprachen mit dem Seat-Fahrer. Der 39-Jährige sei langsam zum Brückengeländer gegangen, plötzlich über die Brüstung gestiegen und hinunter gesprungen. Er war sofort tot. Es gebe nicht den geringsten Hinweis darauf, dass der Mann sich womöglich einer Polizeikontrolle entziehen wollte, berichtete ein Ermittler. Im Polizeicomputer habe der Kölner keinen einzigen Eintrag gehabt.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

4
Eine mysteriöse Autofahrt in den Rhein bei Urmitz vermeldet das Netzportal Arcor: “Zeugen hatten (…) beobachtet, wie nahe der ehemaligen Nato-Rampe auf Höhe des Atomkraftwerks ein Wagen in den Rhein fuhr, abgetrieben wurde und unterging.” Das von Rettungskräften geborgene Vehikel wies keinen Insassen auf.

5
Rheinapplizierte Mietvehikel meldet die Kölner Lokalpresse (Express, Xtra): “Fahrradfahren macht fit, man ist an der frischen Luft – und landet manchmal im Rhein! Das versicherte uns zumindest die KVB-App (…): Einige Meter nördlich von der Mülheimer Brücke stand laut KVB-App ein Leihrad im Rhein. Seit Mai bietet die KVB einen Leihrad-Service für die Stadt an. Einloggen, losradeln und einfach am Ende seiner Tour irgendwo in Köln abstellen. Per GPS lassen sich die Räder orten, auf einer interaktiven Karte kann man nach Rädern in seiner Umgebung suchen.” Für die “im Rhein” abgestellten Mieträder ist die fehlerhafte GPS-Ortung des KVB-Systems verantwortlich, welche Standorte ungenau, im berichteten Fall um 150 Meter verschoben, angibt. Die KVB sind in Köln allerdings nicht die einzigen Anbieter mit feherhafter Ortung. Auch Mietautos der Firma DriveNow wurden potentiellen Abholern auf Smartfone-Apps schon als “im Rhein parkend” angegeben.

Presserückschau (Februar 2014)

Ein Monat geheimnisvoller Vorfälle am Rhein war der ausgehende Februar. Die interessantesten Meldungen auf einen Blick:

1
Von einer mysteriösen, 500 oder 591 oder über 600 Meter langen (die Angaben in den Artikeln variieren), zunehmend kräftigeren und gegen Ende taumelnden Blutspur in Leverkusen-Rheindorf berichten Express und der Kölner Stadt-Anzeiger: “Die Spur beginnt an der Peenestraße in Rheindorf-Nord und zieht sich über einen Wirtschaftsweg an der Autobahnbrücke zu A 59 bis an einem Hitdorfer See. Dort endet sie. Die Polizei suchte die Gegend zunächst mit einem Hubschrauber ab. Auch ein Fährtenhund wurde eingesetzt. Der Spürhund, ein amerikanischer Bloodhound, ist speziell auf diese Fälle ausgebildet.” Eine Tauchersuche blieb ergebnislos. Unterdessen hatte ein anonymer Anrufer beim Notruf behauptet, die Spur stamme von ihm, nachdem er “sich geschnitten” hätte. Für die Polizei bleibt der Fall weiterhin ungeklärt.

2
FAZ-Reporter Dieter Bartetzko wurde von einem Rentner in Bingerbrück zu einem alten Gewölberaum geführt, in dem ein versteckter Kunstschatz lag. In “zweiundzwanzig faulenden Bananenkartons” lagerten Kannen, Krüge und Schalen, die der Reporter dank seines Kunstgeschichtsstudiums als spätmittelalterlich einstufte. Da viele der Gefäße mit Inventarnummern gezeichnet sind, dürfte es sich bei dem Schatz, so Bartetzko, um Diebesgut, womöglich aus dem Landesmuseum Mainz, handeln. Neben mittelalterlichen Gefäßen umfaßt der Fund auch Fliesen, die nach Bartetzkos Einschätzung aus der Renaissance oder dem Frühbarock stammen könnten. In einem Karton stieß der Reporter auf zwei Totenschädel und Knochen, die nun von der Polizei untersucht werden müssen. Für den Nibelungenhort dürfte der Schatz deutlich zu jung sein. Im Mainzer Landesmuseum werden indessen keine Stücke der gefundenen Art vermißt.

3
“Rocker-Arm im Rhein gefunden” titelt die BILD und zeichnet eine Landschaft mit Körperteil: “Das Rheinufer im Duisburger Stadtteil Mündelheim, Schafe grasen, ein Spaziergänger geht mit seinem Hund Gassi. An diesem idyllischen Ort machte ein Angler eine grausige Entdeckung: Am Ufer wurde ein abgetrennter Arm angespült. Als Gerichtsmediziner das Körperteil untersuchen, wird schnell klar: Es handelt sich um ein grausames Verbrechen. Denn der Arm wurde nicht durch eine Schiffsschraube abgetrennt, sondern mit einem scharfen Messer.” Polizei und Staatsanwalt hielten sich mit der Preisgabe von Informationen bedeckt, schreibt die BILD, weiß jedoch, daß der Arm posthum abgetrennt wurde und welcher Gemeinschaft er angehörte: “(…) Auf dem Unterarm prangt die Tätowierung „AFFA“ (Angel forever, forever Angel). Im Klartext: Der Arm gehörte einem Hells Angel.”

4
Drei Personen verschwanden Mitte des Monats im Rhein bei Köln, zwei tauchten wieder auf. Der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet, “eine 30-Jährige Frau (sei) mit einem neun Monate alten Jungen unter der Mülheimer Brücke in den Rhein gestiegen. Eine Passantin bemerkte dies und konnte das Kind noch aus dem Wasser ziehen. Sie zog es aus und wärmte es unter ihrem Mantel. Die Mutter des Jungen konnte vom Boot einer Segelschule gerettet werden. (…) Kurz vorher war von der Deutzer Brücke ein dunkel gekleideter Mann mit kurzen roten Haaren in den Rhein gesprungen. Er konnte in den Fluten nicht gefunden werden.” Eine spätere Version des Artikels bezeichnete den “dunkel gekleideten Mann” als “47-jährige Frau”.

5
In Köln und Leverkusen werden rund 300 Löcher ins Erdreich gebohrt, um die Bodentragfähigkeit für eine neue Autobahn-Rheinbrücke zu eruieren: “Mit einem gut 40 Meter langen Bohrer durchlöchern die Straßenbauer ab sofort den Boden in Ufernähe, um dessen Beschaffenheit zu prüfen. Auf diese Weise soll der spätere Verlauf der Trasse bestimmt werden. In den kommenden sechs Monaten werden (…) Bohrungen zwischen Köln-Niehl und Leverkusen-West durchgeführt (…). Um Fahrer nicht abzulenken, ist das Bohrfeld von einem Sichtschutz verdeckt.” (Kölnische Rundschau)

Presserückschau (Januar 2013)

„Houston am Rhein“ (Kölner Stadt-Anzeiger) oder „Schilda am Rhein“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung): die Einschätzungen Kölns klaffen weiterhin auseinander. Langweilig wird es in der Stadt, die auf altem Rheinsand steht, so schnell nicht. Seit Jahren sorgt der U-Bahnausbau in Köln für bundesweite Schlagzeilen, in diesem Monat wieder (siehe unten, 4). Doch au woannerschter am Rhoi isch ebbes los:

1
„Im Herzen Europas, wo der Rhein Frankreich, Deutschland und die Schweiz verbindet, liegt das Upper Rhine Valley. Die Region ist mit über 21.000 qkm fast so groß wie die Toskana. Wie diese lockt sie seit Jahrhunderten Touristen an, die Kunst, Kultur und gutes Essen lieben. Upper Rhine Valley ist eine kompakte, landschaftlich und kulturell enorm vielfältige Region. In den sehens- und liebenswerten Städten Baden-Baden, Basel, Colmar, Freiburg, Karlsruhe, Mulhouse und Strasbourg sowie zahlreichen weiteren Städtchen und Dörfern auf beiden Seiten des Rheintals lassen sich Natur, Kunst und Kultur erleben und das Leben genießen. Und: Die wirtschaftlich prosperierende Region mit rund 6 Millionen Einwohnern ist leicht erreichbar und gut erschlossen. Drei Länder in einem Tag, auch das ist hier leicht machbar.“ (regiotrends.de)

2
Über essentielle Unterschiede zwischen Biber und Mensch im Verhältnis zum Rhein (in Grenzach) schreibt die Badische Zeitung: „Während man bei der Gemeinde darüber nachdenkt, wie man den Rhein als Standortvorteil nutzen, wie der Fluss mehr in den Alltag der Bürger rücken könnte, geht der Biber viel spontaner vor. Die Nagetiere, die sich seit den 90er Jahren wieder am Hochrhein wohlfühlen, sind vor vier Jahren auch in Grenzach angekommen. Statt die Regionalplanung zu bemühen und Bebauungspläne erstellen zu müssen, haben sie sich nur wenige Meter vom Hochrheinwanderweg einen Bau errichtet, dessen Größe auch die Biberexpertin des Regierungspräsidiums beeindruckt.“

3
Infolge der Sperrung der Leverkusener Brücke für den Schwerlastverkehr im vergangenen Dezember ist nun auch die benachbarte Mülheimer Brücke für größere Transportfahrzeuge teilgesperrt, nachdem das Kölner Amt für Brücken und Stadtbahnbau festgestellt hatte, daß der Schwerlastverkehr auf die Nachbarbrücke ausgewichen war, wie der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet: „Man müsse (…) jetzt reagieren, um zu vermeiden, dass an der Mülheimer Brücke ähnliche Schäden entstehen wie an der Leverkusener Autobahnbrücke.“

4
Das Zittern des Kölner Domes ist sogar bis hoch in den Norden zu spüren, wo das Ereignis vom Hamburger Abendblatt verbreitet wird: „Eine neue U-Bahn-Verbindung lässt den Kölner Dom erzittern. Deshalb seien Gebäudeschäden zu befürchten, sagte Dompropst Norbert Feldhoff (…). Das historische Gemäuer sei “für derartige Belastungen nicht ausgelegt”. Man könne ein Zittern wahrnehmen und auch ein Rauschen. Es sei unstrittig, dass dies auf den U-Bahn-Verkehr zurückgehe, sagte Feldhoff.“ (Anm. rheinsein: Unser Test im Dominnern fiel, was U-Bahn-induziertes Zittern und Rauschen belangt, negativ aus. Es kann aber gleichwohl spirituell induziertes Zittern und Rauschen auftreten, weniger am Dom, als vielmehr im Schädel des/der Dombesuchenden.)

5
„In Deutschland, China und anderen Industrienationen macht sich der stark angestiegene Verbrauch von Seltenen Erden nun auch verstärkt in der Umwelt bemerkbar. Hochtechnologie-Metalle, die zu den Seltenen Erden gehören, sind zum Beispiel ein wichtiger Bestandteil von Windturbinen und anderer moderner Elektronik; ihr Verbrauch steigt weltweit. Flüsse sind mittlerweile in vielen Ländern auch mit dem in der medizinischen Diagnostik verwendeten Kontrastmittel Gadolinium belastet. Eine neue Studie der Geochemiker Michael Bau und Serkan Kulaksiz zeigt, dass der Rhein darüber hinaus mit Lanthan und seit einigen Monaten auch mit Samarium verschmutzt ist. Der Rhein ist damit von den großen Flüssen der Erde derjenige, der am deutlichsten mit Seltenen Erden kontaminiert ist. Wie die Jacobs-Geochemiker nachweisen konnten, gelangen pro Jahr mehrere Tonnen dieser Hochtechnologie-Metalle mit Industrieabwässern nördlich von Worms ins Flusswasser und werden dann in die Nordsee, aber auch ins Trinkwasser von Rheinanliegern eingetragen.“ (idw-online)

6
„Der Verein Schwanenschutzkomitee Hochrhein ist am Hochrhein und darüber hinaus bis Breisach im Einsatz. (…) Aktuelle Situation: Der Rhein ist derzeit so sauber wie noch nie. Fischbestände und Artenvielfalt werden reduziert. Das Wachstum von Wasserpflanzen, die Nahrungsgrundlage der meisten Wasservögel, geht zurück. Das Schwanenkomitee findet bereits im Herbst abgemagerte Schwäne und Wasservögel, die aufgebaut werden müssen.“ (Südkurier)

Außerdem erinnert die Klever Ausgabe der Rheinischen Post an die Geschehnisse im Januar vor 50 Jahren, als der Rhein von der Loreley bis zur holländischen Grenze „zum Stehen kam“: bei bis zu minus 32 Grad war der Fluß Mitte Januar 1963 zum bisher letzten Mal zugefroren. Auch der Bonner General-Anzeiger ruft das Ereignis mit seiner damaligen Titelschlagzeile wach: „Auf dem Rhein tanzen und flüstern die Schollen“ und die FAZ legt nach: „Glühweinstände mitten auf dem Rhein“.

Nepomuk

Der Kölner Nepomuk wirkt leicht versetzt unter der Mülheimer Brücke über der flußzugewandten Mauerbrüstung von St. Clemens und Liebfrauen, dem Dreh- und Angelpunkt der berühmten Mülheimer Gottestracht, die mannsgroße Statue aus Belgisch Granit hat etwas von einer Gallionsfigur, Einsamkeit umweht den heimatfernen Heiligen an steinerner Reling, man kommt nicht recht an ihn heran, er bleibt ganz bei sich, im Windzug der Rheinschneise, unter seinen Anti-Grafitti-Imprägnierschichten, seine Nase trennt alle Himmel, er starrt fotogen in die Ferne. Dieser hiesige Nepomuk ist kein Einzeltäter, sondern nur einer aus einer ganzen Reihe von Klonen, wie sie die katholische Kirche seit der Erfindung ihrer Heiligen bekanntermaßen mit voller Absicht und ohne bestimmbares Limit produziert. Vage meine ich mich zu erinnern, woanders am Rheinlauf durchaus und immer wieder auf weitere Nepomuks gestoßen zu sein, und sei es nur im Traum. Die Vorlage des kühlen Mülheimer Götzen, ein bärtiger Kerl namens Johann Nepomuk aus dem 14. Jahrhundert, ursprünglich Böhme mit angeblich deutschen Wurzeln, wurde, kurz zusammengefaßt, nachdem er sich in einem kircheninternen Konflikt gegen den Bischof auflehnte, nach den seinerzeit üblichen Folterungen von der Karlsbrücke in die Moldau gestürzt, was er zunächst nicht überlebte. Seine Katholiken sprachen ihn später dann heilig, setzten ihn sinnigerweise als Schutzpatron der Brücken ein und riefen seinen wohlklingenden Namen seitdem an bei jeglichen Wassergefahren. (Sie sollen das bis heute tun.) Die Bewohner der rechtsrheinischen Stadtteile heißen dem linksrheinischen Kölner auf klassisch-verniedlichend-ausgrenzende Weise Pimokken (Polen) und so steht der heilige Pomukke schließlich auch sprachbasiert auf der gebührenden Seite. Zu den herkömmlichen Wassergefahren gehörten natürlich die vorchristlichen Rheinbewohner wie Nixe und Nixen – hier liegt einiges Potential für wagnerianische Verfilmungen zur heimatlichen Sagenwelt offen (Nepomuk vs. Wellgunde, Woglinde und Flußhilde), wie überhaupt die Kolonialisierung der Rheinvölker durch die Römer und ihre Christianisierung durch Iren noch jener bombastischen Aufarbeitung in den modernen Medien harren, die ausländische bis außerirdische Monster (King Kong, Godzilla, Predator, Alien) so populär gemacht und das deutsche Urviech derzeit klar ins Abseits gestellt haben.

muelheimer bruecke

auch diese bruecke: stahlkoloss
buckliger betoncharon, durch jede
andre ersetzbar: heut wird das eh
alles am computer gemacht. cad-
bauten, den satellitenbildern nach-
traeglich implementiert, verwischte
welt wie in den fadenkreuzmustern
alter heeresfolklore. nur auf der
schääl sick liegt nach wie vor das
alte unabtraeglich schoene polen

Unter der Mülheimer Brücke

Die ablaufenden Wellen, angefroren im Kies liegt
ein toter Weihnachtsmann. Perfekt nach Lehrbuch
der Schwingenschlag des Kormorans, tropft ihm
das Öl ausm Gefieder, die Schwimmflossen wolln
sich nicht lösen von der scheißkalten Wasserhaut
(s. Fotostrecke auf: groszerschwarzervogel.com)
Unter der Mülheimer Brücke stiefelt Heines geistes-
abwesender Geist, schlägt sich durch, grüßt nicht
äugt, unter taumelnden Möwenmobilés, schnee-
verweht quillt zwischen den Ufern der Strom, der
seine Farbe verschweigt, einzig klare Aussage im
Schönwinterwetterschwindel lärmt dat hillige Kölle
von seitwärts und von oben fadet die Atmosfäre
Blau in Blau in Blau in Blau in Blau in Blau in Blau