Jerusalem am Rhein

Schum-Städte lautet ein Sammelbegriff für Speyer, Worms und Mainz, geformt aus den Anfangslauten der hebräischen Namen der Städte. „Schum“: gilt, obgleich die älteste jüdische Siedlung am Rhein in Köln verortet wird, als Geburtsstätte des europäischen Judentums. „Jerusalem am Rhein“ lautet örf (öffentlich-rechtlich-folgerichtig) der Titel eines Films von Dietmar Schulz (aus diesem Jahr für das ZDF) auf den Spuren der Aschkenasim. Die Informationen bleiben spärlich. Der Film nennt Moses ben Kalonymos, Gerschom ben Jehuda und Raschi: Gesetztüftler, Bibelinterpreten, Stammväter der rheinisch-jüdischen Lehre im 10. und 11. Jahrhundert. Mehrfach der Hinweis, daß Juden nicht in Zünfte eintreten durften, daher ihre Synagogen von Christen gebaut wurden und erstere sich hauptsächlich auf Handel und Geldgeschäfte verlegen mußten. Im Vorfeld des ersten Kreuzzugs 1096 kam es zu Pogromen: auf dem Ritt nach Jerusalem übten nordwestfranzösische Kreuzritter das Morden, Plündern und Christianisieren vorab an den jüdischen Schum-Gemeinden. Weitere Pogrome zur großen Pestwelle ab 1300, etc, der lange üble Bogen zu Reichskristallnacht und Auschwitz. Dann wieder: Programmierer, Historiker, Architekten beim virtuellen Nachbau der alten Synagogen an der TU Darmstadt. Trotz Hightech-Einsatz mäßig erfolgreiche Schriftentzifferer vor uralten jüdischen Grabmälern. Die sehr sehenswerte neue Mainzer Synagoge von Manuel Herz. Gelegentliche Flußwasser-Takes. Das wars. Öffentlich-rechtlicher Dokumentarfilm, wie er ein wenig an Informationsdürre leibt und von trocken eingestreuten Redundanzen lebt. Dafür bleiben die zentralen Informationen umso besser haften. Bildungsfernsehen der alten Schule. Zuletzt noch abrufbar gewesen in der ZDF-Mediathek.