Wie die Römer vor zeiten so hart vnd lang wider das Teütsch land gestritten haben.

MJt was grosser müh vnd arbeit / ia kosten vnd verlust die Römer vorzeiten haben gestritten wider das Teütsch land / ist niemand on wissen der echter gelesen hat die alte historien. Es ist jnen gering gewesen vnder jren gewalt zubringen Hispaniam / Galliam / Britanniam / Greciam / Asiam / Egypten / Macedoniam vn ander villänder / aber Teütsch land wolt sich nit also liederlich ergeben / besunder das Teütsch land das der Rhein von occident / vnnd die Tonaw gegen mittag als starcke rinckmauren beschleüßt. Es hat manch tausent man müssen darüber zu grund ghan zu beiden seiten / wie du hören wirst. Dan die Teütschen theten solichen gewaltigen widerstand den Römern vnd allen jren fyenden / das vnder jren nachbauren ein solich sprichwort auß gieng. Will einer übel streiten / so reib er sich an die. Teütschen. Vnd wil einer streich lösen / so fahe er an ein zäck mit den Teütschen. Es habe die grausamme vnnd stäte überfäl der Teütsche gegen jren nachbauren den Römern so vil zu schaffen geben / das sie an eroberug Germanien offtermals verzweifflet / allein understünden jre prouintzen gegen den Teütschen vor überfal zu beschirmen / deshalb sie beide flüß Rhein vnd Tonaw auff jrer seiten mit vil trefflichen stetten vnd befestigungen verwaretend / als dan seind am Rhein / Bingen / Bopparten / Jngelheim / Mentz / Wormß / Speier / Rheinzabern / Seltz / Straßburg / Augst ob Basel / Keyserstul / Costentz / Arbon / vnd an der Tonaw / Augspurg / Regenspurg / Passaw / etc. Durch dies stett habe die Römer verhütet / das die Teütschen mit den jren / noch sie hinwider mit den Teütschen kein gemeinschafft dorffte haben. Der starck vnd namhafftig held Julius der erst keyser / legt sich zum ersten wider die Teütschen / vnd nam jnen die stett so an dem Rhein gelegen waren / die vor zeiten vnder den Galliern waren gewesen / aber durch die Teütsche erobert vnnd den Galliern ab getrungen / alsdann fürhin gemeldet ist / wie die Teütschen mit grossen scharen über den Rhein gefaren / die besten länder yngenommen vnd besessen haben. Do nun die Römer begerten des Rheinstroms vn den mit gewalt jnen zuziehen wolten / haben sich die Teütsche nit gesaumpt / sunder jnen fräuenlichen widerstand gethan. Doch mochte sie den Rheinstrom vo Basel an biß ghen Mentz nit behalten / sunder die Römer brachte jn zeitlich vnder jren gewalt / vnd besetzten alle stett vnd vn wärhafftige flecken mit haupleüten vnd kriegern. Die machten prouintzen darauß vnd vogteien / vnnd gaben den eroberten Teütschen ländern herzliche tittel vnd setzten grauen vnd hertzogen daryn. Die erst vnd gröst prouintz begreifft in jr Heluetiam / Sequanos vnd Rauracos/ das ist / Schweytzerland gegen Burgud / das Sunggöw biß ghen Bisantz vnd Baßler ladschafft biß ghen Colmar. Der hauptman diser prouintz hielt sich zu Bisantz / vnnd der vnder jm ander hauptleüt / vnder welchen einer sich hielt / bey Basel im Hole / der wartet das die Teütschen nitt über Rhein kämen / vnd den Römern in das land fielen. Nach diser prouintz kam Tractus Argentoratensis / das ist der Straßburger strich / vnd fieng an ob Schletstatt vnd gieng biß vnder Straßburg / wölche landschafft wir ietz zumal das vnder Elsaß nennen. Jr vorweser hieß der Straßburger graue / vnd was dem hertzogen zu Mentz vnderworffen. Do gieng an das erst Germania vnd begriff vnder jm das Straßburger land / Speirer land / Wormsser land vn Mentzer land. Die andern nennen es das ober Germaniam / vnd strecket sich biß in Lothringen. Ptolemäus streckt es biß an die Mosel / die er Obrincam nent. Sein oberster vorweser oder hauptman saß zu Mentz / vn her vnder jm eylff vögt / die hatten jre sitz / einer zu Salerion / das ist Seltz / einer zu Zabern / einer zu Vico Julio / jch acht es sey Weyssenburg oder Landaw / einer zu Speier / einer zu Alta ripa vnder Speier / das jetz heißt Altrip / einer zu Worms / einer zu Mentz / einer zu Bingen / einer zu Bodobriga / jetzunt Boppart / einer zu Confluentz oder Cobolentz / vn einer zu Antonaco / jetzunt Andernach. (Aus Sebastian Münsters Cosmographia)

De Rynstroom (3)

Ghy schijnt een aerdsche regenboogh
Gekleed met levendige kleuren,
En tart den hemelschen om hoogh,
Die hierom nydigh schijnt te treuren.
De blaeuwe en purpre en witte druif
Verciert uw stedekroon en locken,
En muscadelle wijngerdkuif,
De vlieten staen met wijngerdstocken
Rondom u, druipende van `t nat,
En offren elk hun watervat.

Daer is de Main, een pijnberghs soon,
De Moesel met haer appelvlechten,
De Maes, die met een myterkroon
Om d`eer met onsen Rijn wil vechten,
De Roer, die `t hair met riet vertuit,
De Necker, met een` riem van trossen,
De Lip, gedost met mosch en kruid
Van overhangende eicke bosschen,
En duisend andren, min van roem,
Bekranst met loof en korenbloem.

Ghy streckt de voeten aen `t geberght,
Daer sich de Zwitsers in bescharmen,
Wanneermen hen om oorloogh verght:
Ghy grijpt de Noordzee met uw armen,
Waerin het heldeneiland leit,
Daer Bato sich ter nedersette,
En dat soo schuw van dienstbaerheid
D` uitheemsche beckeneelen plette,
En deê gevoelen, dat de Rijn
Geschapen was om vry te zijn.

Rheindaumenkino

Der Daumenkinograf Volker Gerling ist den Rhein entlang von Konstanz bis ans Meer gewandert und hat dabei für die Ausstellung “Rhein und Gelber Fluss” 2008 im Wissenschaftszentrum Bonn Menschen auf dem Weg portraitiert: in 36 schnell hintereinander geschossenen Bildern, die schließlich als Daumenkino fungieren. Gerling schreibt selbst auf seiner Website: „(…) Am Rheinfall treffe ich den Tuareg aus der Sahara, der zum ersten Mal den Rhein sieht und sich sorgfältig notiert, wie viel Wasser in jeder Sekunde hinabstürzt. Im Elsass begegne ich dem Koch, der die Stelle im Restaurant am Rhein erst vor fünf Tagen bekommen hat und vorher im Obdachlosenheim gelebt hat. In Koblenz dem Fährmann, der seit vielen Jahren Menschen über die Mosel fährt und sich nicht viel aus dem Rhein macht, der direkt vor seinen Augen vorbeifließt. (…)“ Doch bei der Ausstellung bleibt es nicht, die gesamte Aktion erfährt eine poetische Auflösung: „Mit den Geschichten und Bildern, die ich meiner Reise entlang des Rheins zu verdanken habe, kehre ich später an den Fluss zurück. Ich blättere die Daumenkinos auf einer Brücke stehend ab und lasse sie anschließend fallen. Sie wirbeln durch die Luft und schwimmen davon, den Rhein hinab (…). Bis die Fotos das Meer erreicht haben werden, wird das Flusswasser die Bildschicht vom Papierträger weggewaschen haben. (…) Die Nordsee erreichen weiße Bilder. So weiß und leer, wie die Seiten meiner Notizbücher am Anfang der Reise.“

Urrhein

Sehr zurückhaltend beging Rheinsein vor rund drei Wochen den zehnmillionsten Geburtstag des Rheins – nicht zuletzt, weil die Quellenlage (so z.B. Ernst Probst in „Rekorde der Urzeit“) u.a. auch von mindestens zwölf Millionen Jahren Rhein spricht. Damit wäre der Rhein nicht der älteste deutsche Fluß, wilde erste Ströme ohne Namen schossen, soweit bekannt bis behauptet, bereits im Kambrium (vor ungefähr 570 bis 510 Millionen Jahren) durch Süddeutschland und Mecklenburg. Ein Großteil des heutigen Deutschland lag damals noch unter Wasser. Im Gebiet des heutigen Oberrheins verlief das Gefälle im Eozän (vor ungefähr 45 Millionen Jahren) von Norden nach Süden. Ein Vor-Urrhein floß dort hinab, wo wir heute zu sagen hätten: hinauf. (Landschaften sind schon unzuverlässige Gebilde/Gebolde/Täuschkörper.) Die Grube Messel mit ihren fossilen Funden wie Prachtkäfern, Ibissen, Schwanzprimaten, der Messelralle oder dem Propalaeotherium (einem Zwergpferdchen) gehört zu den Seen seines Systems. Wie die meisten großen der gegenwärtig verfügbaren Flüße der Alten Welt bildete sich der Rhein im Miozän. An seinen Ufern tranken, grasten und rissen Bärenhunde, krallenfüßige Huftiere, Prägorrhoiden, Riesenrüßler, Säbelzahntiger, großäugige Insekten, Panzergnarle und die vorgeblich letzten Menschenaffen Deutschlands, das freilich noch nicht so hieß. Als Urrhein soll er am Kaiserstuhl entsprungen sein, dieweil die Alpen wie eh und je fleißig mit Falten beschäftigt ihre Wasser bevorzugt gen Thetys sandten. Die Urmosel mochte, so schwer vorstellbar das auch klingt, bis vor gut zwei Millionen Jahren sogar mächtiger als der Rhein gewesen sein. In den Warmzeiten des frühen Eiszeitalters beherbergte der Rhein Flußpferde – wo sind sie gebliehieben? Die Donau wurde als des Rheins jüngere Schwester übrigens erst fünf Millionen Jahre später kreationistisch designt. Ebenfalls natürlich mit ganz anderen Quellen und Verläufen als den heutigen. So wurde die Donau zwischen Miozän und Pliozän von der Aare gespeist, die gerne da und dort als der „eigentliche“ Rhein angepriesen wird, weil sie diesen so kräftig bezuschußt, was die Donau deutlich dezenter und unterirdisch erledigt. Ein brüllender Inzest unter Flußgottheiten ist es dennoch. Und wohin mit dem ganzen Wasser? Ernst Probst: „Das größte Flußdelta der letzten Eiszeit vor etwa 115.000 bis 10.000 Jahren lag östlich von Südengland. In dieser Gegend mündeten damals der Rhein, die Maas und die Themse ins Meer.“

Zehn Millionen Jahre Rhein

Vor geraumer Zeit erreichte Rheinsein folgende Pressemitteilung des Kölner Künstlers Georg Joachim Schmitt: „Am 23. September 2009 feiert der Rhein ein denkwürdiges Jubiläum: Genau zehn Millionen Jahre zuvor bahnte sich zaghaft der erste Rinnsal des Urrheins seinen Weg an Köln vorbei. Aus diesem Anlaß soll dem Rhein widerfahren, was Menschen seit Urzeiten selten verweigert wurde: An diesem Tag soll der Rhein getauft werden. Da sich sein Name in allen Kulturen und zu allen Zeiten bewährt hat, wird sein offzieller Taufname „Rhein“ lauten. In einer feierlichen Zeremonie am linksrheinischen Ufer unweit des Niehler Hafens, inmitten eines Hains, auf feinsandigen Boden, am seichten Gestade einer weit ausholenden Bucht, wird die Rheintaufe stattfinden. Die Taufsubstanz wird Wasser sein, das seinen Zuflüssen entnommen wurde, bevor es die Gelegenheit hatte, Rhein zu werden. Die Tatsache, daß ein sehr großer Teil des Rheins sich aus Zuflüssen speist, die eben noch gar nichts davon wissen, daß ihre Flüssigkeit demnächst einen anderen Namen tragen wird, wird bei der Rheintaufe genossen. Wenn der Rhein zu dem getauft wird, was er ist, fließt Wasser aus einer Taufkaraffe in den Rhein, das eigentlich längst Rhein geworden wäre: Er wird aus sich selbst getauft, in seinem Namen, auf seinen Namen. Seine Namen: Das sind die Quellbächlein, der namenlose Regen, Gischt, Nebel, tiefliegende Wolken, kleine Flüsse, geschmolzenes Gletschereis, Seen. Es wäre unmöglich, all das aufzuzählen, was den Rhein zum Rhein macht, ihn seit nunmehr 10 Millionen Jahren zu dem macht, was er ist: der schönste Fluß der Welt. Stellvertretend für alle anderen wurde die altehrwürdige Mosel auserwählt, als derjenige Zufluß zu dienen, der Taufwasser mit sich führt, ebenso ihr Zufluß Sauer, deren Zufuß Our, deren Zufluß Ulf und deren Zuflüsse Thommerbach, Huscheiderbach und Mühlenbach in den regenreichen Niederungen der Ardennen. All dies hilft sich gegenseitig zum „einen“ Rhein zu werden, indem es Namen annimmt und seine Namen wechselt.“ Womöglich ist Herr Schmitt aus Naturschutzgründen mit einer nibelungischen Tarnkappe zur Taufzeremonie erschienen, Rheinsein konnte ihn heute Nachmittag auf dem bezeichneten Areal jedenfalls nicht ausmachen. Das natürliche Rheinspektakel war aber auch nicht von schlechten Eltern: changierende Wetter prangten über den sandigen Niehler Buchten, die Sonne: mal brüllte sie unhörbar hochfrequent, dann hielt sie sich wieder bedeckt, am Bootsanleger gegenüber machte sich ein Schwarzgekleideter ritualartig zu schaffen, Schiffe und Vögel zogen Linien durch den Tag und auf dem Hafengelände spielten die Container Stapeldich. Südlich des Cranachwäldchens besprach eine Zehnergruppe protestantisch aussehender älterer Menschen im Kreis stehend und vom Blatt einen abgesägten Baumstumpf. Im Schwimmbad gab es Zwiebelkuchen und Pfälzer Federweißen, der auch für Traubensaft durchgegangen wäre, und als Rheinsein ob solcher Verlockung der letzten Wespe mit drastischen Worten die Jahreszeit klarmachen mußte, beging das erschreckte Tier umgehend im nächsten verblühten Zierstrauch Seppuku.

Melville in London

“X X X I last wrote in my journal on the banks of the Rhine – & now after the lapse of a few days, I resume it on the banks of the Thames, in my old chamber that overlooks it, on Saturday the 15th of Dec: `49. – I broke off at Coblentz on Monday night, Dec: 10th. The same night I fell in with a young Englishman at a cigar shop & had a long talk with him. He had been in America, & was related to Cunard of the Steamers. Next morning, Tuesday Dec 11th, I again rambled about the town – saw the artillery-men & infantry exercise on the parade ground. Very amusing indeed. Saw a squadron of drumers. Walked down & up the river, & while waiting for the Cologne boat spent at least two hours standing on a stone peir, at the precise junction of the Rhine & Moselle. At 3 o´clock started for Cologne on a Dusseldorf boat. It was intensely cold. Dined at the table d`hote in the cabin. Fine dinner & wine. Drank Rhenish on the Rhine. Saw Drachenfells & the Seven Mountains, & Rolandseck, & the Isle of Nuns. The old ruins & arch are glorious – but the river Rhine is not the Hudson. In the evening arrived at my old place – Hotel de Cologne. Recognized Drachenfells in a large painting on the wall. Drank a bottle of Steinberger with the landlord, a Rhinelander & a very gentlemanly, well-informed man, learned in wines. At 1/2 past 6 P.M went to the Theatre. Three vaudevilles acted. Audience smoking & drinking & looking on. Stopped in a shop on my way home & made some purchases for presents, & was insidiously cheated in the matter of a breast-pin, as I found out after getting to London, & not before. God forgive the girl – she was not very pretty, either – which makes it the more aggravating.”

Melville in Koblenz

“Monday Dec: 10th 1849. Coblentz. Embarked last night about 9 1/2 PM for Coblentz. But before so doing went out after tea to take a final stroll thro` old Cologne. Upon returning to the hotel, found a large party assembled, filling up all the tables in the Dining Saloon. Every man had his bottle of Rhenish, and his cigar. It was a curious scene. I took the tall spires of glasses for castles & towers, and fancied the Rhine flowed between. I drank a bottle of Rudenshimer (?) (Anm: oder Rusheshiemer?). When the boat pushed off it was very dark, & I made my way into the 2d cabin. There I encountered a German, who was just from St: Louis in Missouri. I had a talk with him. From 9 1/2 P.M. till 5. A.M., I laid down & got up, shivering by turns of the cold. Thrice I went on deck, & found the boat gliding between the tall black cliffs & crags. – A grand sight. At last arrived at Coblentz in the dark, & got into a bed at the “Giant Hoff” near the quay. At ten o`clock in the morning descended to breakfast, & after that took a valet de place & crossed the Bridge of Boats to the famous Quebec fortress of Ehrbrincedstein. A magnificient object, truly. The view from the summit is superb. Far away winds the Rhine between its castellated mountains. Crossed the river again, & walked about the town – entering the curious old churches – half Gothic, half Italian – and crossed the Moselle at the stone bridge – near where Prince Metternich was born. Singular that he was born so near the great fortress of Germany – Still more curious that the finest wine of all the Rhine, is grown right under the guns of Erhbreistein. At one´o´clock dined at “The Giant” at the table d`hote. There were some six or eight English present, two or three ladies & many German officers. The dinner was very similar to the dinner at the Hotel de Cologne yesterday. After dinner, walked out to the lower walls & into the country along the battlements. The town is walled entirely. At dinner I drank nothing but Moselle wine – thus keeping the counsel of the “Governor of Coney Island” whose maxim it is, “to drink the wine of the country in which you may be travelling.” Thus at Cologne on the banks of the Rhine, & looking at the river thro` the window opposite me – what could I imbibe but Rhenish? And now, at Coblentz – at the precise junction of the Moselle – what regale myself with but Moselle? – The wine is blueish – at least tinged with blue – and seems a part of the river after which it is called. At dusk I found myself standing in the silence at the point where the two storied old rivers meet. Opposite was the frowning fortress – & some 4000 miles was America & Lizzie. – Tomorrow I am homeward-bound! Hurrah & three cheers!”

Romantische Vorfälle

Jane, die Ehefrau des Dichters Thomas Hood berichtet in einem Brief im Jahre 1836 an ihre Freundin Ms. Elliot aus dem Zentrum der Rheinromantik: „(…) Supposing you have not forgotten the Lurlei, imagine that narrow passage blocked up with a storm of ice; for the immense pressure has heaved it up in huge waves and furrows, eight or ten feet high, each ridge composed of massive slabs of ice tossed about in all directions. At every bend of the river there had been a dreadful scuffle, and the fragments were thrust upwards and end-ways. But the mighty river would not be dammed up – you saw it now and then in a narrow slip rushing like a mill stream – then it plunged under the ice and boiled up again a hundred yards farther. At one bend of the river a green orchard was covered with great blocks hurled over the bank, one could not suppose how. There were some ridges, or rather ruts, so straight and evenly shaved down, that one fancied some giant of the mountain had driven his car through the middle of the ice, and that his wheels had left these traces and deep furrows. But on considering it, Hood discovered that the middle ice had moved, while that on the sides was stationary, and the friction had worn it as smooth as if cut with a knife. We went to Oberwesel, part of which was under water. We had not time to proceed farther, though we both agreed that we could have gone on, and on, and on, to see more. We hear that higher up a church was surrounded with masses of ice so that only the steeple was perceptible. The Moselle ice carried away a youth of sixteen, who has playing on it, and a similar and somewhat romantic incident occurred on the Rhine. On the island just above the bridge resides the Countess of P., who walking out by herself to see the ice floating down, managed to fall in; perhaps she was pushing the loose bits of ice as the children do. (…) As Hood says „some German cherub that sits up aloft“ brought a willow bough to her assistance, and there she hung, well preserved in ice, a good long spell – till a young man (…) came in a boat and rescued her. (…) Unfortunately the young lady is not a beauty; or even interesting. (…) Hood foretells she will give her preserver a lock of her tow-coloured hair (…). This is his splenetic idea of German gratitude. (…)“

Jane Hood in: Memorials of Thomas Hood, London 1860

Bissula

Der erste bekannte Donau-Rhein-Mosel-Dichter war Ausonius. Von ihm stammen u.a. die folgenden Verse über Bissula, eine hübsche germanische Gefangene, die sich mit den Römern zu arrangieren versteht. Bissula: welch ein Name. Direkt sehe ich einen Sandalenfilm vor mir, geölte Bodybuilder in knappen Fetzen und leichten Panzern, Kurzschwerter, stromlinienförmige Vollbärte, Blicke, als gälte es damit Löcher in Bergwände zu bohren. Dann Umblende auf Scharen ausgesuchter Mädchen mit Kakaobutter- oder Rosenmilchhaut, ebenfalls nur von wenigem leichten Tuch bedeckt. Desweiteren standardmäßig ausgestattet mit himmelblauen oder tiefbraunen Augen und mittels modernsten Shampoos und Spülungen gepflegtem schimmernden Haupthaar, das in perfekter Harmonie zu gezupften Wimpern und Brauen fließt. Das ganze sinnliche Styling korrespondiert mit dem schauspielerischen Einsatz einer raffinierten Kombination aus rehhafter Verschrecktheit mit katzenhaftem Mut, der Film läuft in jeder Szene, etwas holprig zwar, aber doch mit voller Wucht und Absicht hinaus auf das Zurschaustellen hocherotischer Archetypen, plaziert vor dem, was an bombastischen Kulissen, und ergänzt von dem, was an bombastischer Orchestrierung eben so zu bekommen war. Auftritt Bissula (in etwa: die junge Senta Berger), die in Gefangenschaft ihr Wald- und Höhlenleben abstreift, auch wenn sie es bisweilen schmerzlich vermißt, vor allem, solange sie an einen jungen, aber bereits sehr vollbärtigen Germanen denkt, doch die Zivilisation bezähmt mehr als die Hälfte ihres wilden Herzens, so wie es auch uns, den Nachfahren Bissulas, ergangen ist (offiziell zumindest), das ganze in rauschförderndem Technicolor:

Decimus Magnus Ausonius
Ubi nata sit Bissula et quomodo in manus domini venerit

Bissula, trans gelidum stirpe et lare prosata Rhenum,
conscia nascentis Bissula Danuvii,
capta manu, sed missa manu dominatur in eius
deliciis, cuius bellica praeda fuit.
matre carens, nutricis egens nescivit ere…
illico inexperto libera servitio,
sic Latiis mutata bonis, germana maneret
ut facies, oculos caerula, flava comas.
ambiguam modo lingua facit, modo forma puellam
haec Rheno genitam praedicat, haec Latio.