Marksburg

marksburg 2002_klAls Briefe noch ausschließlich analog versendet wurden diente die Marksburg als Motiv eines Postwertzeichens der Deutschen Bundespost. Die Dauermarke im Wert von 60 Pfennigen kam 1977 heraus und repräsentierte in der Serie Burgen und Schlösser die alten Gemäuer am Rhein. Das Porto für einen Standardbrief betrug damals 50 Pfennige, das für eine Postkarte 40 Pfennige. Unsere Aufnahme der Marksburg stammt von einer Radtour im Jahr 2002 – dem Jahr, in dem der Euro als Barzahlungsmittel eingeführt wurde. Unsere Korrespondenz lief zu diesem Zeitpunkt bereits maßgeblich über E-Mail. Doch Fotos schossen wir bis ca 2007 vorwiegend analog. Die Farben des Rheins haben sich seither geändert. Interessant wäre zu klären, wieweit die Farben der Wiedergabe (auf Gemälden, in analoger und digitaler Fotografie) sich auf Erinnerung und Wahrnehmung auswirken. Während auf analogen Bildern besonders die romantischen Eigenschaften der Flußlandschaft zum Tragen kommen, werden digital aufgenommene Bilder bevorzugt mithilfe von Filtern “auf romantisch” getrimmt. Ist der Wendepunkt von analoger zu digitaler Wiedergabe gleichzusetzen mit dem 200 Jahre lang verschleppten Ende der Rheinromantik?
Die Marksburg indes gibt es nicht nur am Rhein, sondern – seit 1996 – auch auf Miyako-jima, einer japanischen Insel mit Tropenklima. Für einen Deutschland-Themenpark wollte eine japanische Delegation das Gebäude ursprünglich kaufen, abtragen, verschiffen und in Japan wiederaufbauen. Der Plan scheiterte an der deutschen Gesetzgebung. Stattdessen vermaßen die Japaner die Marksburg – die einzige historische Burg des Mittelrheins, die nie zerstört wurde – und bauten sie detailgetreu ein zweites Mal im Deutschen Kulturdorf Ueno auf.