Presserückschau (Dezember 2017)

1
Faule Vögel
“Schon die Kraniche hatten sich in diesem Herbst viel Zeit gelassen. Die Zugunruhe, in die sich die Vögel hineinsteigern, wenn sie sich in Massen sammeln und die sich natürlich durch den Futterdruck verstärkt, wenn zu viele Schnäbel an der gleiche Stellen nach Nahrung suchen, hat auch einen Temperaturregler. Der Thermostat klemmt, und die Vögel sind sich unschlüssig. Statt mit einem großen Startschuss gemeinsam in gewaltigen Formationen aufzubrechen, die uns am Boden staunen lassen, tröpfeln sie in kleineren Marschkolonnen über Land. Da kommt auch beim Beobachter nicht das typische Fernweh und die Herbstwehmut auf, die die „Schneegänse“ früher auslösten. (…) Am Niederrhein überwintern vor allem die Blässgänse, die in der europäischen und sibirischen Tundra brüten. Die auch bei uns als Brutvogel eingesessenen Graugänse hingegen, die früher an den Guadalquivir, nach Tunesien oder Algerien verzogen, machen jetzt gerade noch die Tour bis Holland. Die Saatgans macht schon Pause an der Ostseeküste, verstärkt aber auch die großen Winterpopulationen in Holland und am Niederrhein. Man merkt an dieser Aufstellung schon, dass man bei uns eigentlich nur mit der Graugans rechnen kann, und die ist zugfaul geworden.”
(Kölner Stadt-Anzeiger)

2
Schiffsunfall
“Auf dem Rhein bei Duisburg hat ein Hotelschiff eine Autobahnbrücke gerammt. Fast 30 Menschen wurden verletzt (…). Während des zunächst unübersichtlichen Großeinsatzes hatte es zuvor unterschiedliche Angaben über die Zahl der Verletzten gegeben. (…) Die 129 Menschen an Bord des Hotelschiffs „Swiss Crystal“ stammten (…) mehrheitlich aus Benelux-Staaten. Demnach war das Schiff in Richtung Niederlande unterwegs. (…) Das Schiff wurde bei dem Aufprall am Bug beschädigt. Ein zweites Passagierschiff kam der havarierten „Swiss Crystal“ zu Hilfe und nahm die 26 Besatzungsmitglieder und 103 Passagiere an Bord. Der Unfall sei angesichts der vielen Menschen an Bord vergleichsweise glimpflich ausgegangen, sagte ein Polizeisprecher in Duisburg.” (Handelsblatt)

3
50 Jahre San Bernardino-Tunnel
“Vor fünfzig Jahren wurde der San-Bernardino-Tunnel eröffnet. Es war damals mit 6,6 km der längste Tunnel durch die Alpen. Er veränderte das Leben im Dorf Hinterrhein nachhaltig. (…) Augenzeugen erinnern sich an die siebenjährige Bauzeit und daran, wie das Verkehrsaufkommen ständig zugenommen hat. (…) Auch das Postauto verkehrte nun häufiger, und so war es möglich, mal nach Thusis zum Einkaufen oder nach Bellinzona in den Ausgang zu gehen oder im Nachbartal eine Lehre zu machen. (…) Doch schon nach wenigen Jahren wich die Begeisterung der Ernüchterung. Die Autobahn brachte nämlich auch viel Lärm und Gestank. Die meisten Reisenden brausten an den Dörfern vorbei auf dem Weg ins Tessin oder ans Mittelmeer. Besonders in Hinterrhein erfüllte sich die Hoffnung auf eine neue goldene Ära des Tourismus nicht. Denn dort führt die Autobahn unmittelbar am Dorf vorbei. Wer mit offenem Fenster schlafen will, braucht Ohrstöpsel. Das Bild des idyllischen Bergdorfs ging so verloren.” (SRF)

4
Rheinwald
“Per 1. Januar 2019 werden die Gemeinden Hinterrhein, Nufenen und Splügen eine neue Gemeinde mit dem Namen Rheinwald bilden. An den (…) in den Gemeinden Hinterrhein, Nufenen und Splügen gleichzeitig stattfindenden Gemeindeversammlungen sagten die Stimmbürger sämtlicher drei Gemeinden Ja zur Fusion. Während in Hinterrhein 31 für und 7 Stimmberechtigte, bei einer Enthaltung, gegen den Zusammenschluss votierten, sagten in Splügen 70 Ja und nur zwei Nein. Sogar die mit Spannung erwartete Zitterpartie in Nufenen blieb aus, obwohl der Gemeindevorstand sich im Vorfeld der Abstimmung gegen eine Fusion starkgemacht hatte und in der Botschaft der Bevölkerung ein Nein zum gemeinsamen Weg empfahl. Nichtsdestotrotz sagte dennoch die Mehrheit der Nufner, nämlich 39:21, Ja zur Gemeinde Rheinwald.” (Südostschweiz)

5
Das einzige Dreiländer-Tram der Welt
“Alles ging schnell an der Landesgrenze (…): Der Basler Baudirektor (…) und weitere Honoratioren durchschnitten das obligate blaue Band. Nebenan hinter Gittern schwenkten ein paar elsässische Autonomisten von “Unser Land” rot-weisse Fahnen; ein Transparent hiess “Willkomma em Elsass”. Und dann ging’s in drei Sonder-Trams über das jungfräuliche Schienenpaar auf Elsässer Boden weiter: Vorbei am sanften Schutzwall zur Reha-Klinik, wo auch Wachkoma-Patienten liegen, einer EBM-Energiezentrale, dem Lycée Jean Mermoz in eleganten Winkeln bis zum Bahnhof der Stadt St-Louis. Knallkörper, leuchtende Raketen, ein poetisches Stelzenballet grüssten die rund 300 Offiziellen, die bei der Einfahrt auf den Bahnhofplatz, wo sich die Wendeschlaufe befindet, von zahlreichen nostalgisch kostümierten Passanten und einer Seifenblasen-Kanone empfangen wurden.” (Onlinereports)

6
Gänseprobleme
“Im Zusammenhang mit den Gänseproblemen an Rhein und Neckar haben sich jetzt auf Einladung der Stadt Ladenburg (…) Vertreter betroffener Gemeinden und beteiligter Behörden zu einem Informationsaustausch getroffen. (…) Auslöser der Problematik in Ladenburg, Hemsbach sowie in zahlreichen weiteren Städten und Gemeinden, ist eine Zunahme der Populationen invasiver Nil- und Kanadagänse und damit einhergehend eine Verkotung der Sport- und Freizeitanlagen sowie Fraßschäden auf landwirtschaftlichen Flächen mit zum Teil erheblichen finanziellen Auswirkungen. Dazu kommt noch die Verdrängung heimischer Wasservögel.” (Rhein-Neckar-Zeitung)

7
Echte Seilbahn
“Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) hat sich für eine Seilbahn zwischen Altstadt und Messe ausgesprochen. Ihr würde es gefallen, „wenn wir eine echte Seilbahn über den Rhein bauen würden“, sagte Reker (…). Neben einer weiteren Gondel-Strecke sei auch eine Fußgängerbrücke über den Rhein im Gespräch. Zwischen dem Kölner Zoo und dem Rheinpark auf der gegenüberliegenden Flussseite gibt es bereits eine Seilbahn. Im Sommer hatte sich dort eine Gondel verkeilt. 65 Menschen musste von Höhenrettern aus den stillstehenden Kabinen geholt werden. Seitdem ist die Seilbahn außer Betrieb.” (General-Anzeiger)

8
Ali-Kurt-Weg
“Die Tat ist unvergessen. Sie war heldenhaft und endete tragisch. Mit letzter Kraft versuchte Familienvater Ali Kurt (47) die damals sechsjährige Claudette aus dem Rhein zu ziehen (…) – dafür bezahlte der Familienvater mit seinem eigenen Leben. Jetzt erinnert eine Straße, die zum Rheinufer führt, an das Drama und den selbstlosen Kölner, Vater von drei Kindern. (…) Fast vier Jahre nach dem tödlichen Drama, das gleich zwei Familien ins Unglück stürzte, wurde nun ein Teil der Wiesdorfer Straße zu seinen Ehren in „Ali-Kurt-Weg“ umbenannt.” (Express)

Presserückschau (September/Oktober/November 2017)

1
Etwas ganz Seltsames
“Eigentlich dürften wir den Rhein (…) natürlich nicht zu den Errungenschaften des Abendlandes zählen. Wenn, dann müsste es sich umgekehrt verhalten, denn er ist ja viel älter als dieses. Sucht man nach seinem Ursprung (was übrigens eine original abendländische Vorgehensweise ist), dann landet man im Oligozän, einem eher unromantischen und völlig menschenleeren Zeitalter vor etwa 30 Millionen Jahren. Der Rheingraben entstand damals als Randprozess brutaler Erdplattenverschiebungen, ein Faltenwurf auf dem Grund des Tethysmeers. All das klingt so bizarr, als würde es auf dem Jupiter spielen, und wirklich sind Flüsse, nüchtern betrachtet, etwas ganz Seltsames, das sich schwer festhalten oder (wie wir das im Abendland nennen) definieren lässt: Massen von Wassermolekülen, die sich linienförmig über mineralische Oberflächen hinwegbewegen und dabei, obwohl sich ihre Elemente permanent austauschen, etwas mit sich selbst Identisches bilden, das über Jahrhunderte, ja sogar Jahrtausende hinweg besteht und mit einem Namen anrufbar ist, als wäre es ein lebendiger Mensch.” (Die Welt)

2
Wasserfontänen
“Jubilare müssen zusammenhalten. Und zusammen feiern. Dieser Devise folgt der Chempark Dormagen. Das Werk am Rhein feiert in diesen Tagen sein 100-jähriges Bestehen, die Rheinschifffahrt bei Monheim mit dem Piwipper Böötchen sogar ihr 800-jähriges. Zum Festakt (…) an der Monheimer Fähranlegestelle will die die Werksfeuerwehr einen ganz besonderen Geburtstagsgruß übersenden: Die Kanonen auf ihrem Löschboot werden gigantische Wasserfontänen in die Luft schießen. Bis zu 8000 Liter pro Minute können sie auswerfen, ein beeindruckendes Schauspiel.” (Rheinische Post)

3
Ryybutzete
“Über 200 Helfer tragen im und am Wasser dazu bei, dass der Rhein wieder ein grosses Stück sauberer wird. Dass dabei nicht nur der üblichen Müll der ungezogenen Sommergäste des Affenfelsens “auftaucht”, sondern auch zahlreiche kuriose, teils unerklärbare Objekte, geborgen werden, macht die Sache nicht weniger ernst, aber führt immer wieder auch zum Schmunzeln. (…) Bereits am frühen Morgen wurde heute ein vier Meter langer Stahlträger aus der Kleinbasler Rheinseite gehoben (…). Der hat wohl den Seegang auf einem Frachtschiff nicht gut überstanden. In den vergangenen Jahren kam auch einmal ein Kupferkessel voller römischer Sesterzen zum Vorschein. In Anbetracht dessen, dass die Römer nun schon einige Jahre nicht mehr in unserer Region verweilen, ein durchaus merkwürdiger Fund. Das grösste Aufsehen verursachte jedoch eine Tauchergruppe flussaufwärts in Birsfelden. Die fanden doch tatsächlich einen Kleinwagen – wohl auch ein Frachtschiff-Ausreisser.” (Barfi)

4
Aliens
“Wie die Wollhandkrabbe sind heute 95 Prozent der größeren wirbellosen Fluss-Tiere des Rheins Einwanderer. Sie stammen ursprünglich aus unterschiedlichen Regionen wie dem Schwarzen Meer, Nordamerika oder Ostasien, von wo sie meist per Schiff in den Rhein gelangten. (…) Die Engländer nennen sie »Aliens« (…) – und für manche heimische Art waren die Neuankömmlinge ähnlich vernichtend wie die Weltraummonster. So haben amerikanische Flusskrebse die europäischen Arten zur Strecke gebracht, weil sie eine gefährliche Krankheit, die Krebspest, mitbrachten, gegen die die heimischen Tiere nicht gewappnet waren. Der Große Höckerflohkrebs kommt aus dem Donaudelta und frisst nun kleinere Arten im Rhein weg.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

5
Gemälde aus Duisburg
“Die neue Ausstellung des Künstlers Michael Vogt in der Galerie Liestmann zeigt „Fluss- und Hafenbilder“. Den Rhein malt Vogt gerne in Duisburg. (…) Seine Gemälde, die den Rhein und den Duisburger Hafen zum Thema haben, sind in der Galerie Liestmann noch bis Anfang Januar zu sehen. (…) In der Galerie sind bekannte Motive wie Deichlandschaften, die Homberger Rheinbrücke, Hafenansichten und der Rhein bei Wittlaer zu sehen. Vogt malt vor Ort, setzt sich an den Rhein oder sucht sich den passenden Platz im Duisburger Hafen. Für die dort angefertigten Bilder finden schnell trocknende Farben Verwendung, großformatige Landschaftsbilder malt Vogt mit Ölfarben.” (WAZ)

6
Kostümierte Schwimmer
“Da staunten Spaziergänger, als sie kostümierte Schwimmer im Rhein an sich vorbeiziehen sahen: Dazu eingeladen hatte der “Deutsche Unterwasserclub Köln” (DUC Köln). Die Schwimmer starteten an den Poller Wiesen und waren rund eine Stunde lang stromabwärts nach Merkenich unterwegs. Die Sicherheitsvorkehrungen waren hoch, da Schwimmen im Rhein eigentlich verboten ist. Der DUC hatte eigens ein gesondertes Sicherheitskonzept entwickelt. Die Schwimmer trugen alle Neoprenanzüge, eine Marke, Schnorchel und Flossen. Die Wasserschutzpolizei begleitete und umkreiste die Schwimmer mit vielen Booten.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

7
Rhein im Rhein
“Die Dienstzeit der 1852 bei der Maschinenbau-Gesellschaft Emil Keßler in Karlsruhe gebauten Dampflokomotive RHEIN hatte noch gar nicht begonnen, da versank sie für nunmehr 165 Jahre bei Germersheim in den Fluten des Rheins. Als sie mit einem Segelboot über den Rhein von Karlsruhe bis Deutz transportiert werden sollte, geriet dieses in einen Sturm – die Lokomotive rutschte von der Ladefläche, und so gilt sie bis heute als verloren. Ein Forscherteam hat sich nun aufgemacht, die wohl älteste erhaltene Dampflokomotive Deutschlands wiederzufinden und hoffentlich auch bald bergen zu lassen. 2012 gelang es ihnen, den genauen Unfallort der Lokomotive mit Hilfe modernster Messtechnologien zu lokalisieren. Prof. Dr. Bernhard Forkmann, Mitautor des Buches “Lok im Rhein”, gewährt in seinem Vortrag Einblicke in die langwierige Suchaktion und die neusten Forschungsergebnisse zur Lokomotive RHEIN.” (Lok Report)

8
Sanaziun cumpletta
“La renovaziun totala dals implants da las ovras electricas Hinterrhein SA è terminada. Dapi la fin d’avust èn tut ils implants puspè en funcziun ed ils custs da 300 milliuns francs èn tegnids en, uschia communitgeschan las ovras electricas Rain posteriur. Gia il 2005 han ils responsabels fatg ponderaziuns davart ina sanaziun cumpletta, il 2011 han cumenzà las emprimas lavurs. En tut eran radund 50 interpresas participadas vid il project. Dal temp cun la pli auta activitad da lavur han radund 300 persunas lavurà il medem mument vid la renovaziun.” (RTR)

9
Rheinunterquerung
“Auf sieben Brücken kann man in Köln den Rhein überqueren – unterqueren kann man ihn nur an einer Stelle. Rund fünf Meter unter der Rheinsohle befindet sich ein begehbarer Tunnel (…). Zwei große Stahltüren mit mehreren Riegeln muss der Mitarbeiter der Rhein-Energie öffnen, um den Weg ins unterirdische Köln freizugeben. Es geht zu einem hochmodernen Bauwerk unter dem Rhein, der genau an Kilometer 688,6 untertunnelt ist. Der 461 Meter lange Fernwärmetunnel beginnt auf Höhe der Messe, nahe der Hohenzollernbrücke und führt auf direktem Weg auf die andere Seite unter den Musical-Dome.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

10
Bücher als Schlüssel
“Jemanden in der Schule zu erleben, der sechs Sprachen beherrscht, das ist beeindruckend. Und dann noch jemanden zu erleben, dessen Leben in einer slumähnlichen Vorstadt von Lyon begonnen hat und der jetzt Romanautor ist und ehemaliger französischer Minister war, das ist dann richtig beeindruckend. Und so fielen dann auch die Bewertungen von Schülerinnen und Schülern der Graf-Anton-Günther Schule aus, in deren Forum Azous Begag kürzlich zu Gast war, um über sich, seine Bücher und sein Leben zu erzählen. In seinem Leben habe es eine erstaunliche Entwicklung gegeben. Und dafür seien Bücher der Schlüssel gewesen und natürlich die Möglichkeit, sich in so vielen Sprachen verständigen zu können. Sprache wird hier als Schlüssel für den sozialen Aufstieg deutlich, aber auch als Schlüssel für Integration in eine fremde Kultur. „Witzig und locker drauf“ sei er gewesen, meinten zwei Schülerinnen, und das macht wohl auch seinen Erfolg aus, wenn er auch vielleicht etwas zu wenig an seinem für das Abitur in Französisch wichtige Roman „Et tranquille, coule le Rhin“ orientiert hat.” (Nordwestzeitung)

11
Rheinspange
“Wenn irgendwo im Land NRW ein neues Stück Straße eröffnet wird, bleibt selten der Hinweis auf die lange Planungsdauer aus. Oft sind 20 Jahre, 30 Jahre, gar 40 Jahre vergangen. Das soll sich ändern – ausgerechnet beim größten Neubauprojekt, das seit Jahrzehnten in der Region ansteht. Die Rede ist von der Rheinquerung, die nun offiziell „Rheinspange“ heißt und als neue Autobahn die A 59 bei Spich mit der A 555 bei Godorf verbinden soll. Die Beteiligung der Öffentlichkeit begann (…), ohne dass die Planer auch nur eine Skizze vorweisen konnten. Genau das ist der neue Ansatz, den das Landesverkehrsministerium und der Landesbetrieb Straßen NRW erstmalig verfolgen: erst reden, dann planen.” (General-Anzeiger)

12
Alleinstellungsmerkmal Maislabyrinth
“Aus einer ursprünglich dünnen Tagesordnung ergab sich im Dalheimer Gemeinderat eine grundsätzliche Debatte darüber, wie sich die Gemeinde künftig in Sachen Tourismus ausrichten soll. Vor einem Jahr hatte man, zunächst für zwölf Monate auf Probe, den Beitritt zum Verein Rhein-Selz Tourismus beschlossen. Nun schob Ortsbürgermeister Willhard Leib (FWG) nachträglich die Diskussion über die Fortsetzung der Mitgliedschaft in den Sitzungsplan. Die Mitgliedschaft kostet 50 Cent pro Einwohner, im Falle Dalheims also rund 500 Euro. Dass dafür eine hinreichende Gegenleistung erbracht wird, war im Rat umstritten. Außer dem Maislabyrinth habe man, so Gertrud Henning (BfD), eigentlich wenig zu bieten. „Ich kann den Nutzen für Dalheim nicht erkennen, 500 Euro auszugeben, um einen Hochglanz-Flyer für die Rheinfront zu finanzieren“, hielt René Muth (CDU) fest. Da die Gemeinde nicht allzu solvent sei, tue dieser Betrag bereits weh. „Unser Angebot ist nicht überreich“, stieß der Erste Beigeordnete Engelbert Sauter (CDU) zunächst ins selbe Horn, verwies dann aber neben dem „Alleinstellungsmerkmal“ Maislabyrinth auch auf die Weinbergsrundfahrten, das für den gesamten Landkreis bedeutsame Germania-Denkmal sowie den Multifunktionsplatz. Das alles über die Gemeindegrenzen hinaus zu bewerben, könne durchaus nützlich sein.” (Allgemeine Zeitung)

13
Little Britain
“Viele Wanderer im Kasbachtal in der Nähe von Koblenz sind verblüfft. Aus heiterem Himmel kommen sie an roten Telefonzellen, einer lebensgroßen Queen-Figur, einer vollbusigen Hexe mit Wildschweinen an der Leine und einem britischen 52-Tonnen-Panzer vorbei. Das spleenige Privatgelände “Little Britain” in Linz am Rhein, hat schon Landtag und Innenministerium von Rheinland-Pfalz beschäftigt. Nachbarn sind erbost.(…) Der nach Deutschland eingewanderte Brite Gary Blackburn (…) ist 2016 “not amused” bei der Brexit-Entscheidung in seiner Heimat. Als Antwort darauf beginnt er, sein kleines kostenloses Freilichtmuseum auf seinem Betriebsgelände an einem Wanderweg zum Rheinsteig aufzubauen. Die Hütte des legendären Räubers Robin Hood, Palast-Wachsoldaten, ein roter Briefkasten, Ritterrüstungen und alte englische Autos zeugen vom britisch-skurrilen Humor des 53-jährigen Baumchirurgen aus dem Hinterland.” (T-Online)

14
R3
“Der Rheinhafen Lauterbourg ist mit einem etwa 40 Hektar großem Gewerbegebiet und neuen Hafenanlagen Standort der neuen trimodalen Logistikplattform R3FLEX des Straßburger Hafens. (…) Diese Investition trägt der steigenden Nachfrage vor allem durch den wachsenden Containerverkehr am Standort Straßburg Rechnung. (…) Am Oberrhein gilt die Erweiterung des Lauterbourger Hafens als eine der letzten Möglichkeiten zum Ausbau von Arealen am Rheinufer. 40 Stunden Schifffahrt von Rotterdam und Antwerpen entfernt haben sich bereits Unternehmen wie Dow Chemicals France, Comptoir Agricole de Hochfelden, Béton Fehr oder auch Eiffage Métal in Lauterbourg angesiedelt. (…) Die Marke R3FLEX unterstreicht durch ihre Namensgebung und die Abkürzung R3 (Rhine, Rail, Road) die Multimodalität des Hafenareals durch die parallele Anbindung an Rhein, Schiene und Straße.” (Pressebox)

15
Tender Rhein
“Fünf Monate ist der Tender “Rhein” im Mittelmeer vor der libyschen Küste im Einsatz gewesen – um Menschen zu retten und Schleuserkriminalität zu bekämpfen. (…) 25.000 Seemeilen legte das Schiff während seiner Mission zurück – das entspricht einer Erdumrundung. Die “Rhein” war Teil der humanitären Operation “Sophia”. Die 67-köpfige Besatzung der “Rhein” rettete 2.100 Menschen aus dem Mittelmeer. (…) Die Deutsche Marine hat mit ihren Schiffen in den vergangenen zwei Jahren nach eigenen Angaben mehr als 22.000 Flüchtlinge im Mittelmeer aus Seenot gerettet.” (NDR)

16
Maghrebiner am Rhein
“Maghrebiner stellten römische Kaiser, frühchristliche Denker und waren Wegbereiter eines Wissenstransfers, an dessen Ende die Zeit der Aufklärung in Europa stand. Die scheinbar zusammenhangslos ausgewählten Exponate der Ausstellung (Anm.: „Drucke und Handschriften aus fünf Jahrhunderten. Die Sammlung der Gesellschaft für Kultur und Wissenschaft des Maghreb” im Romaneum zu Neuss) – wertvolle alte Handschriften und Drucke, in lateinischer, deutscher, französischer und arabischer Sprache – stehen in einem großen Sinnzusammenhang: Sie spiegeln den offenen und durchlässigen Kulturraum Maghreb wider, der vermeintlich fremde Elemente absorbierte und dabei in der Lage war, sich selbst neu zu erfinden. Auch in Neuss hat der Maghreb Spuren hinterlassen: Vor fast 2.000 Jahren errichten die ersten Maghrebiner die Erftmündung am Rhein. Die Ala Afrorum, eine ursprünglich aus Nordafrikanern aufgestellte römische Kavallerieeinheit, war Ende des 1. Jahrhunderts im römischen Novaesium stationiert und hatte ihre Wurzeln in Africa proconsularis, dem heutigen Algerien, Tunesien und Libyen.” (neuss.de)

17
Archäologische Sensation
“Eine 9,7 Millionen Jahre alte Entdeckung sorgt für Kopfzerbrechen bei deutschen Wissenschaftlern. (…) Wie das Mainzer Naturhistorische Museum (…) mitgeteilt hat, entdeckten ein Team deutscher Archäologen im ehemaligen Flussbett des Rheins ein rätselhaftes Gebiss. Die Zähne scheinen keiner in Europa oder Asien entdeckten Art zu gehören. Sie ähneln am ehesten denen der frühen Homininskelette von Lucy (Australopithecus afarensis) und Ardi (Ardipithecus ramidus), die in Äthiopien entdeckt wurden. Doch der neue Fund aus Eppelsheim bei Mainz ist mindestens vier Millionen Jahre älter als die afrikanischen Skelette. Diese Tatsache irritierte die deutschen Wissenschaftler dermaßen, dass sie die Veröffentlichung des Fundes zunächst für ein Jahr zurückhielten.” (RT Deutsch)

18
Notlandung
“Es hätte ein kurzer Rundflug zur Loreley werden sollen – und wurde ein ziemliches Abenteuer. Ein vom Flughafen in Finthen gestartetes Klein-Flugzeug mit drei Insassen ist (…) aufgrund eines Defekts auf dem Rhein bei St. Goar notgelandet.” (Allgemeine Zeitung)

19
Irre Verfolgungsjagd
“Auf der Flucht vor der Polizei ist ein 24 Jahre alter Mann in den Rhein gesprungen, um von Frankreich nach Deutschland zu schwimmen. Während ihm ein französischer Polizist in der Dunkelheit nachschwamm, verfolgte ihn ein zweiter Beamter mit einem Kanu, das er am Ufer entdeckt hatte (…). Als die Kräfte des 24-Jährigen nachließen, fasste ihn ein Beamter und brachte ihn auf deutscher Seite bei Weil am Rhein ans Ufer. Dort wurde der unterkühlte Mann vom Notarzt versorgt und danach in eine Klinik nach Frankreich gebracht.” (Berliner Kurier)

20
Jamaika am Rhein
“Am Bonner Hauptbahnhof haben sie das Schild „Bundesstadt Bonn“ durch eines ersetzt, auf dem „Stadt der Vereinten Nationen“ steht. Das bringt mehr fürs Bonner Selbstbewusstsein. Im November findet am Rhein der Klimagipfel statt. Danach aber wäre es höchste Zeit, wieder mal ein neues Schild anzubringen: „Bonn – Hauptstadt von Jamaika“. Wenn im 600 Kilometer entfernten Berlin wirklich eine Koalition aus Union, FDP und Grünen zustande kommt, hat das viel mit der alten Hauptstadt am Rhein zu tun. In der saturierten Bürger- und Studentenstadt haben alle drei Jamaika-Parteien ihre gefestigten Milieus: Grüne und FDP sammelten bei der Bundestagswahl 16 und 14 Prozent der Zweitstimmen, für die CDU blieben da noch 30 Prozent. Im Bonner Rathaus regiert seit 2014 eine Jamaika-Koalition, die ein schwarz-grünes Bündnis ersetzt hat.” (Neue Presse)

21
Rheintote
“Nachdem Ende August Arbeiter im Rhein Teile einer verstorbenen Person gefunden haben, ist die Identität der Toten nun mithilfe eines DNA-Vergleichs geklärt. Die Arbeiter hatten die Leichenteile bei Baggerarbeiten im Rhein bei Rees gefunden.
Wie die Polizei mitteilt, handelt es sich bei der Frau um eine 72-jährige, in Köln geborene Frau. Die Seniorin war am am 22. Dezember 2016 aus einem Krankenhaus in Dormagen verschwunden war und galt seitdem als vermisst.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

“Eine Joggerin hat (…) eine Person entdeckt, die im Rhein trieb. Sie löste einen Großalarm aus, bei dem auch ein Hubschrauber zum Einsatz kam. Doch jede Hilfe kam zu spät. Um 7.35 Uhr habe die Joggerin eine leblose Person im Rhein entdeckt, als sie über die Theodor-Heuss-Brücke lief. Am linken Rheinufer treibe ein Körper im Wasser. Wenig später sei sie aus einem Polizeihubschrauber heraus lokalisiert worden. In Höhe der Rotterdamer Straße sei die Leiche dann auf der linksrheinischen Seite von Feuerwehrleuten in Spezialanzügen aus dem Wasser gezogen worden. Es handelte sich um einen 66-Jährigen aus Düsseldorf. “Er war bekleidet und hatte einen Ausweis dabei”, sagte ein Polizeisprecher auf Anfrage. Ein Notarzt habe dann um 8.20 Uhr versuchte, den Mann wiederzubeleben. Doch der Arzt konnte nur noch dessen Tod feststellen.” (NRZ)

“Die 91-Jährige Senioren aus Rheinberg, die (…) vermisst wurde, ist (…) im Rhein tot aufgefunden worden. (…) Die Leiche wurde im Rhein bei Ossenberg gefunden. Angaben zur Todesursache konnte die Polizei (…) noch nicht machen. Die Polizei hatte (…) unter anderem mit einem Hubschrauber nach ihr gesucht.” (NRZ)

“Duisburg. Ein Arbeiter (43) ist (…) auf dem Gelände der Hüttenwerke Krupp Mannesmann mit einem Minibagger in den Rhein gestürzt. Zunächst fehlte jede Spur von dem Mann, jetzt ist er tot geborgen worden. Wie die Polizei berichtet sei der Arbeiter der Firma „Buss Imperial“ ins Hafenbecken gestürzt.” (Der Westen)

Presserückschau (März 2017)

1
Methadon-UFO
“In der Rheinüberwachungsstation (RÜS), die auf der deutschen Seite unterhalb der Palmrainbrücke in Weil liegt, werden (…) Wasserproben dem Rhein entnommen. Die Analytik erfolgt im Labor des Amts für Umwelt und Energie Basel-Stadt (AUE BS). Dort hat man einen Katalog von 670 Stoffen, von denen man weiss, dass sie in Industrie, Haushalt und Landwirtschaft flussaufwärts zum Einsatz kommen. Nach 380 dieser Substanzen fahndet man täglich. Überschreiten sie einen Grenzwert, wird Alarm ausgelöst. Die Konzentration der 290 weiteren Verbindungen wird in anderen Zeitabständen überprüft. (…) Parallel zu dieser Überwachung bekannter Substanzen schaut man mittels eines sogenannten Screenings, was sonst noch im Wasser vorkommt. Mit der Kombination verschiedener Messmethoden (…) bekommt man wie bei einem Radar auf dem Bildschirm gewisse Signale. Bei einigen weiss man aus Erfahrung, um was es geht. Andere sind buchstäblich «Unbekannte Flugobjekte». Ein solches chemisches UFO war (…) Methadon, das man im Rhein nicht erwartete.” (BZ)

2
Rhein im Mittelmeer
“Nach monatelangen Vorbereitungen hat der Tender “Rhein” (…) seinen Heimathafen Kiel verlassen, um sich im Mittelmeer am internationalen Kampf gegen Schleusernetzwerke zu beteiligen. Die “Rhein” steuert zunächst den Hafen von Augusta in Italien an. Sie wird dort den Tender “Main” aus Eckernförde ablösen, der sich seit Oktober an der EU-Operation “Sophia” beteiligt. Laut Marine wechselt in Augusta ein Teil der Besatzung des Tenders “Main” auf die “Rhein”. An Bord werden dann insgesamt mehr als 100 Frauen und Männer sein, darunter Militärpolizei, Ärzte und Sanitätspersonal.” (NDR)

3
Goldfische
“Walter Hirschmann (…) ärgert sich (…): «Manche setzen ­ihre Goldfische im Rhein aus, wohl, bevor sie in die Ferien fahren wollen und niemanden für die Fütterung finden» (…). Er habe selber Goldfische im Unterland, am Übergang der Glatt zum Rhein, gesehen. «Sie fallen einem wegen ihrer roten Farbe sofort auf», sagt Hirschmann. Vom Verzehr rät er aber ab: Sie seien zwar nicht giftig, jedoch schmeckten sie bitter. (…) Das kantonale Amt für Landschaft und Natur (…) be­stätigt, dass Aquariumfische im Rhein zu beobachten sind: (…) Es gebe vereinzelt Goldfische und Koikarpfen, Blaubandbärblinge und amerikanische Sonnenbarsche. Bei den genannten Fischen vermutet der Kanton, dass sie im Rhein «entsorgt» oder aus falscher Tierliebe ausgesetzt werden. «Möglicherweise stammen auch die zahlreichen Kamberkrebse im Rhein ursprünglich aus Aquarien» (…). Zahlen zu diesen ausgesetzten Aquariumfischen erfasst der Kanton nicht.” (Der Landbote)

4
Nicht immer grün
“»Der Rhein und Meißenheim« – dieses »Paar« stand beim zweiten Abend mit Geschichten am Stammtisch im »Eventhaus Sonne« im Mittelpunkt. (…) Es gibt vor und es gibt nach Tulla. Johann Gottfried von Tulla (1770 bis 1828) ist bekannt für seine Rhein-Regulierung. Davor waren sich Fluss und Mensch nicht immer grün. Der wilde Strom mit seinen immer neuen Armen trat oft über seine Ufer. Der Arm, der nach einem Hochwasser ein tieferes Bett geschaufelt hatte, war der Talweg, der die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich bildete – außer wenn das Elsass gerade Deutsch war. Staatsgrenze und Gemarkungsgrenze waren nicht identisch. Meißenheim hatte – wie alle Gemeinden am Rhein – auch Land jenseits des Flusses. Das schlimmste Hochwasser gab es (…) 1876. Bei Wittenweier brach ein Damm. Die Massen flossen übers Land. 1480 war auch gewaltig. 40 Kilometer um Straßburg stand alles unter Wasser. Nach Tulla wurde einiges anders. (…) Die ersten Dampfschiffe tauchten auf dem Rhein auf. Bis dahin undenkbar, musste doch vor der Regulierung manche Schiffe vom Ried bis nach Straßburg von Menschen gezogen werden. Erst danach konnten Pferde eingesetzt werden.” (Baden Online)

5
Mary Roos
“Die Schlagersängerin ist Patin und Namensgeberin für eine neue Event-Autofähre in Bingen. Diese kann man buchen und Partys auf ihr feiern, zum Beispiel eine Schlagerparty.” (ARD)

“Während im Rheingau und im Mittelrheintal wieder über den Bau von Rheinbrücken bei Rüdesheim und nördlich von St. Goar diskutiert und gestritten wird, setzt die Bingen-Rüdesheimer Fähr- und Schifffahrtsgesellschaft ein Zeichen. Mit der „Mary Roos“ hat das traditionsreiche Binger Unternehmen die modernste Autofähre am Rhein in Dienst gestellt. (…) Die Besonderheit ist ihre Zulassung als Fahrgastschiff. Die „Mary Roos“ kann nicht nur quer über, sondern auch längs auf dem Rhein. Dafür ist sie wie ein Ausflugsschiff ausgerüstet und ausgestattet und erfüllt die Auflagen wie beispielsweise Schwimmwesten für bis zu 600 Passagiere.” (FAZ)

6
Atmosferischer Techno
“The ninth release on the DSR-C series comes from Rhine. A new name with his roots in atmospheric techno steps up for his first solo EP. ‘De Storm’ opens the account with a loose collage of textured drums and scuffed-up synths. It makes for a bubbly groove that journeys far off into the night while ‘De Bron’ is more rooted underground, with cavernous echo chambers run through by supple bass synths and icy hi hat trails. Spooky and haunting, its a track to send shivers down your spine. Last of all, ‘Het Meer’ is a watery affair, with aqueous drips and drops, radiant pads and then more tightly coiled drums brushing up against one another to make for something atmospheric but also nicely driven. All three tracks are characterised by a rather tender and reflective mood that makes them all the more unique.” (deejay.de)

7
Distanz und Interesse
“Die Engländer schwanken in ihrem Verhältnis zum Kontinent seit je zwischen Distanz und Interesse. Der romantische Rhein zum Beispiel ist eine touristische Entdeckung reiselustiger Briten. Zu ihren Protagonisten gehört auch der Offizier und Zeichner Robert Batty, von dem ein opulentes Exemplar des ersten mit Stahlstichen illustrierten Rheinbuches Scenery of the Rhine (1826) in der Frühjahrsauktion von Venator & Hanstein aufgerufen wird. Das in vier große Foliobände gebundene Werk beinhaltet Stiche mit Abzügen auf Chinapapier vor der Schrift und die Originalzeichnungen zu 60 Stahlstichen. Die Taxe liegt bei 30.000 Euro. Bewunderer des Rheins gab es auch andernorts. In Wien erschienen 1798 Fünfzig malerische Ansichten des Rhein-Stromes von Speyer bis Düsseldorf von dem Landschafts­malers Laurenz Janscha. Das Spitzenlos der Auktion sollte den Interessenten mindestens 50.000 Euro wert sein.” (Weltkunst)

8
Grundelgruppe
“Seit einigen Jahren verbreiteten sich im Rhein bei Basel invasive Fischarten aus dem Schwarzmeerraum, schreibt der Bundesrat (…). Wahrscheinlich seien die Grundeln als Larven mit grossen Transportschiffen eingeschleppt worden. Die Schwarzmeergrundeln sind eine Konkurrenz für die einheimischen Arten. Besonders betroffen ist die Groppe. Aber auch Alet, Barben und Salmoniden seien bedroht (…). Die Fischfauna habe sich bereits stark verändert. Fünf Arten von Schwarzmeergrundeln werden nun auf die Liste der invasiven gebietsfremden Arten gesetzt. Die Haltung dieser Grundeln in Teichanlagen oder Aquarien wird damit bewilligungspflichtig, und ihre aktive Verbreitung ist verboten. (…) An der Universität Basel (MGU) gibt es eine Grundelgruppe, die sich mit den Bioinvasoren im Rhein beschäftigt.” (Basler Zeitung)

9
Neubürger
“Ihr Name geht darauf zurück, dass sie ihre Vorderpfoten wie beim Händewaschen bewegen, wenn sie etwas Essbares gefunden haben und sich daran machen, es zu verzehren. Waschbären suchen oft an Bachläufen nach Futter. Die Tiere sind possierlich anzuschauen. Doch ihr Aussehen täuscht darüber hinweg, dass mit ihnen nicht unbedingt gut Kirschen essen ist, denn sie sind Raubtiere. Der kluge und anpassungsfähige deutsche Neubürger ist auch im Rhein-Sieg-Kreis auf dem Vormarsch. (…) In der Jagdsaison 2010/2011 wurde ein Waschbär erlegt, fünf Jahre später 2015/2016 waren es schon 15. (…) Darum hat sich der BUND im Rahmen der Landesjagdgesetznovelle dafür ausgesprochen, den Waschbären von der Liste der jagdbaren Arten zu nehmen. Bisher sei es ohnehin nicht gelungen, die Kleinbären durch die Jagd zu dezimieren. Laut Naturschutzbund Deutschland (NABU) liegt das daran, dass sich die Tiere, je stärker sie bejagt werden, umso stärker vermehren.” (Kölnische Rundschau)

10
Kalkschlammabdeckung
“Rund 2500 Kubikmeter Kalkschlamm, den der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF in den 1950er-Jahren im Rhein nördlich von Frankenthal entsorgt hat, werden gut sechs Jahrzehnte später mit einem Deckel aus Spezialkunststoff abgedeckt. (…) Der auf einer Fläche von 2900 Quadratmetern verteilte Produktionsabfall ist (…) für Fische giftig und kann, wenn Menschen oder Tiere mit ihm in Berührung kommen, ätzend wirken. Dass die BASF sich jetzt zu dem aufwendigen Sanierungsverfahren entschlossen hat, hängt mit dem inzwischen häufigen Niedrigwasser im Rhein zusammen.” (Rheinpfalz)

11
Der Rhein als Person
“Wird nach den Flüssen Ganges und Yamuna in Indien bald auch der Rhein rechtlich zu einer Person ernannt? Wenn es nach der Deutschen Umwelthilfe geht: Ja. Sie schlägt vor, den Rhein in einer symbolischen Aktion als Lebewesen einzustufen und ihn so vor Verschmutzung zu schützen. (…) Die beiden heiligen Flüsse der Hindus in Indien genießen künftig die gleichen Rechte wie natürliche Personen. Das heißt: Wer ihnen Schaden zufügt, wird juristisch so belangt, als hätte er einem Menschen geschadet. Umweltschützer in Indien zweifeln aber, ob das Urteil dem Schutz der extrem verschmutzten Flüsse helfen wird. Das neuseeländische Parlament hatte vor kurzem den Fluss Whanganui zur Rechtsperson erklärt, damit die „Interessen“ des 290 Kilometer langen Wasserlaufs vor Gerichten eingeklagt werden könnten.” (Augsburger Allgemeine)

12
Rheintote
“Die Polizei ist (…) zu einem Einsatz nach Unkel ausgerückt. Am Rheinufer war dort (…) eine Wasserleiche entdeckt worden. Die Polizei musste sie aus dem Fluss bergen. Wie die Beamten in Koblenz mitteilten, handelt es sich um eine weibliche Person. Nähere Einzelheiten sind noch nicht bekannt. So gebe es nach Angaben der Polizei derzeit keine Hinweise auf die Identität der Frau. Auch sei noch unklar, wie lange der Körper dort schon gelegen habe, bevor er gefunden wurde.” (General-Anzeiger)

“In Niederkassel haben Spaziergänger (…) eine Leiche im Rhein entdeckt. Die Feuerwehr barg den Leichnam im seichten Wasser am Ufer und brachte ihn an Land. Bisher ist nur bekannt, dass es sich bei der Leiche um einen Mann handelt.” (WDR)

“Bei Schaan trieb (…) eine leblose Frau im Rhein. Zuerst war nicht klar, ob die Person noch lebt oder nicht. Kurze Zeit später liess die Liechtensteinische Polizei wissen: «Die Person konnte nur noch tot geborgen werden.» Der leblose Körper sei bei einer Fussgängerbrücke auf der Höhe des Ortes Schaan entdeckt worden. Wie die Landespolizei am Abend mitteilte, handelt sich um eine noch unbekannte Frau. Das Fürstliche Landgericht hat eine Obduktion angeordnet. Noch ist völlig unklar, ob es sich um einen Unfall, ein Verbrechen oder einen Suizid handelt.” (Vaterland)

“Drei Wochen nach seinem Sturz von einer Brücke in den Rhein ist ein 32-jähriger Mann tot aus dem Fluss geborgen worden. Die Leiche des Mannes wurde (…) bei Mannheim von zwei Jetski-Fahrern entdeckt (…). Die Wasserschutzpolizei brachte den Toten an Land. Es handele sich um den aus Mannheim stammenden Mann, der Anfang März bei Ludwigshafen von einer Brücke in den Rhein gestürzt war. Er wurde seither vermisst, auch umfangreiche Suchaktionen waren ergebnislos geblieben. Die Polizei geht von einem Unglück aus. Hinweise auf ein Verbrechen oder die Beteiligung anderer Personen gebe es nicht.” (Stuttgarter Nachrichten)

Presserückschau (Oktober 2016)

1
Paradies auf Erden
“Forscher wollen in einer badischen Kleinstadt das Paradies auf Erden schaffen. Acht Jahre lang soll in Gaggenau (Kreis Rastatt) ausgelotet werden, welche Lebensumstände ein besonders hohes Alter ermöglichen. Die Wissenschaftler wollen verschiedene Maßnahmen in Kitas, Schulen, Seniorenheimen und bei ansässigen Betrieben testen. Es geht beispielsweise um städtische Strukturen, mit denen Ältere vor Vereinsamung bewahrt werden können. Oder um eine für Körper und Seele möglichst optimale Arbeitswelt. Hinter dem Projekt stehen die Uni-Kliniken in Mannheim und Tübingen sowie das Mannheimer Zentrum für seelische Gesundheit.” (Spiegel)

2
Marathonrudern
“42 Kilometer über den Rhein mit seinen teils tückischen Windungen: Das 45. Düsseldorfer Marathonrudern war eine große Herausforderung, die diesmal 180 Mannschaften aus ganz Europa annahmen. Sie starteten (…) beim RTHC Bayer Leverkusen und ruderten von dort zum Gelände des RC Germania in Düsseldorf-Hamm. “Der Schmerz geht, und der Stolz kommt” lautete das Motto.”" (Rheinische Post)

3
Fahrradfriedhof
“Es sind traurige Bilder, die der Rhein da zum Vorschein bringt… Bei niedrigem Wasserstand kommt so allerlei verloren geglaubtes Hab und Gut wieder ans Licht. Aktuell kursieren unter anderem im Kölner NETT-Werk Fotos, die einen regelrechten Fahrrad-Friedhof im Rhein zeigen.” (Express)

4
Reifenfriedhof
“Mit einem Fall von Umweltkriminalität muss sich die Niederkasseler Stadtverwaltung jetzt beschäftigten. Unbekannte haben im Rhein zwischen Rheidt und Niederkassel-Ort zahlreiche alte Autoreifen entsorgt. Die Reifen, die offenbar bereits vor längerer Zeit in unmittelbarer Ufernähe in den Fluss geworfen worden waren, wurden kürzlich von Spaziergängern entdeckt. Begünstigt wurde der Fund durch das derzeitige Niedrigwasser des Rheins.” (Kölnische Rundschau)

5
Lachse und Kontrastmittel
“30 Jahre nach dem Großbrand im Schweizer Chemieunternehmen Sandoz bei Basel tummeln sich wieder viele Lachse im Rhein. 2015 seien rund 800 dieser sensiblen Wanderfische gezählt worden, teilte die Internationale Kommission zum Schutz des Rheins (…) mit. Der Bau vieler weiterer Kläranlagen und andere millionenschwere Investitionen hätten gezeigt, «dass es möglich ist, aus der Kloake Rhein wieder einen weitgehend sauberen Strom zu machen». Weltweit gelte dies in der Fachwelt als ein positives Beispiel der Umweltpolitik. Dennoch bleibt laut der IKSR viel zu tun. Beispielsweise gebe es neben der Verschmutzung mit Mikroplastik noch viele Mikroverunreinigungen wie Medikamente, Hormone der Antibabypille, Insektizide, Duftstoffe aus Reinigungsmitteln und Röntgenkontrastmittel.” (proplanta)

6
Mundartdichtung
“Die Sprache und der Einsatz für den Dialekt verbinden: Das zeigte sich bei der Autorenbegegnung (…) im Weiler Kesselhaus. Auf dem Podium saßen sieben Dichterinnen und Dichter aus drei Ländern, die Kostproben aus ihrer aktuellen Lyrik und Prosa vortrugen (…). Roter Faden bei dieser Mischung aus Lesung und Talkrunde war der grenzüberschreitende Dreyland-Dichterweg. Auf dieser Strecke vom Rheinpark in Friedlingen über Hüningen bis zum Voltaplatz in Basel sind 24 Bronzetafeln angebracht, auf denen ausgewählte Mundartautoren aus dem Dreiland vorgestellt werden. (…) Den Anfang machte der Elsässer Edgar Zeidler. “Was wir gemeinsam haben, ist die alemannische Sprache, die alemannische Kultur”, sagte der Mundartforscher, “diese Wurzeln sollten wir nicht verleugnen.” Zeidlers Texte sind politisch, kritisch, nachdenklich, gehen auf zeitgemäße Themen ein. So las der Autor auf den Punkt gebrachte Gedichte über offene Grenzen, offene Herzen, offene Arme, aber auch über den aufkeimenden gefährlichen Nationalismus, die globalisierte Welt und die Internetgeneration, die nicht mehr kocht, nicht mehr backt, nicht mehr strickt. Als “Grande Dame” begrüßte (Kulturamtsleiter; Anm.: rheinsein) Paßlick die Baslerin Hilda Jauslin, die in Allschwil lebt. Ihre Inspirationen holt sie aus dem Alltag, aus Beobachtungen in der Natur. Hilda Jauslin las sensible Gedichte über das Dreiland: “Drei Länder, drei Dialekte, drei Belchen”, über Grenzen, Schlagbäume, Stacheldraht, Überwachung und den Rhein, der unaufhörlich weiter fließt. Beim Blick auf den “Ryy” werden die Gedanken leicht und weit, heißt es in einem Gedicht der Baslerin, die auch eine anspielungsreiche Geschichte über einen alten Mann und den Dreiländerblick las.” (Badische Zeitung)

7
Neozoon
“Sie sieht aus wie eine Tarantel, ist aber keine. Die haarige Kräuseljagdspinne breitet sich derzeit im Süden von Deutschland aus. Wissenschaftler der Zoologischen Staatssammlung München haben den genetischen Code der Spinne entschlüsselt, die kürzlich erstmals in München entdeckt wurde (…). Eigentlich ist die haarige Spinne, die bis zu fünf Zentimeter groß werden kann, im Mittelmeer-Raum zu Hause, soll aber inzwischen das gesamte Oberrheintal besiedelt haben. Seit etwa zehn Jahren ist sie angeblich in Deutschland auf dem Vormarsch. Forscher vermuten, dass das Tier von Menschen eingeschleppt wurde, weil die ersten Funde an Nord-Süd-Hauptverkehrsachsen belegt sind.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

8
Grenzfunktionen
“Als die Alemannen den zugefrorenen Rhein um das 5. Jahrhundert herum überquerten und sich auf der anderen Seite des Flusses niederließen, schufen sie einen gemeinsamen linguistischen Raum, in dem man alemannische Dialekte spricht. Paradoxerweise wurde der Rhein noch nie so leicht überquert wie heute, die badischen und elsässischen Dialektsprechenden scheinen jedoch ihre sprachliche Nähe nicht wahrzunehmen. Noch erstaunlicher: Die Dialekte des Elsass’ und Baden-Württembergs folgen verschiedenen Entwicklungen. Das zeigt jedenfalls eine erste deutsch-französische Studie, an der Pascale Erhart, Dozentin an der Unistra und Leiterin des Département de dialectologie alsacienne et mosellane, beteiligt ist. „Thema des Forschungsprojekts“, erklärt sie, „ist es, zu verstehen, wie der Rhein als Landesgrenze diesen gemeinsamen Raum trennt. Tatsächlich verschwinden die lokalen Dialektcharakteristika gerade unter dem Druck nationaler Standards. (…) Es verhält sich tatsächlich so, als würde eine sprachliche Grenze die politische ablösen.“” (Unistra)

9
Rheintote
“Rettungskräfte haben (…) in Wesel eine Leiche aus dem Rhein geholt. (…) Wie die Polizei (…) mitteilte, meldete eine Anruferin (…) eine im Rhein treibende Person. Polizei, Feuerwehr und Notarzt rückten zum Rhein bei Wesel aus. Mit einem Hubschrauber wurde nach der Person gesucht. Gegen 13.10 Uhr fand man einen leblosen und unbekleideten Mann. Die Polizei geht davon aus, dass der Mann Ende 40 oder Anfang 50 Jahre alt ist. Die Ermittlungen der Polizei laufen. Es gilt herauszufinden, wer der Mann ist und woran er gestorben ist.” (Rheinische Post)

“Mindestens zwei Tote, mehrere Verletzte und ein hoher, noch nicht absehbarer Sachschaden – das ist die vorläufige Bilanz einer gewaltigen Explosion und mehrerer Brände auf dem Gelände des Chemieriesen BASF in Ludwigshafen. Bei den Getöteten handelt es sich dem Unternehmen zufolge um zwei Mitarbeiter. Außerdem würden noch zwei Menschen vermisst, teilte BASF am Abend mit. Zunächst war von sechs Vermissten die Rede gewesen. (…) Es gebe auch noch keine näheren Erkenntnisse, welcher chemische Stoff in Brand geraten sei. In dem Hafen würden Flüssiggase, aber auch brennbare Flüssigkeiten verladen. (…) Nach der Explosion wurden demnach Wassersperren zwischen dem Landeshafen Nord und dem Rhein errichtet.” (SHZ)

Victor Hugo am Rheinfall in seinem Gehirn

Mon ami, que vous dire ? Je viens de voir cette chose inouïe. Je n’en suis qu’à quelques pas. J’en entends le bruit. Je vous écris sans savoir ce qui tombe de ma pensée. Les idées et les images s’y entassent pêle-mêle, s’y précipitent, s’y heurtent, s’y brisent, et s’en vont en fumée, en écume, en rumeur, en nuée. J’ai en moi comme un bouillonnement immense. Il me semble que j’ai la chute du Rhin dans le cerveau.

J’écris au hasard, comme cela vient. Vous comprendrez si vous pouvez.

On arrive à Laufen. C’est un château du treizième siècle, d’une fort belle masse et d’un fort beau style. Il y a à la porte deux guivres dorées, la gueule ouverte. Elles aboient. On dirait que ce sont elles qui font le bruit mystérieux qu’on entend.

On entre.

On est dans la cour du château. Ce n’est plus un château, c’est une ferme. Poules, oies, dindons, fumier ; charrette dans un coin ; une cuve à chaux. Une porte s’ouvre. La cascade apparaît.

Spectacle merveilleux !
Effroyable tumulte ! Voilà le premier effet. Puis on regarde. La cataracte découpe des golfes qu’emplissent de larges squames blanches. Comme dans les incendies, il y a de petits endroits paisibles au milieu de cette chose pleine d’épouvante ; des bosquets mêlés à l’écume ; de charmants ruisseaux dans les mousses ; des fontaines pour les bergers arcadiens de Poussin, ombragées de petits rameaux doucement agités. ― Et puis ces détails s’évanouissent, et l’impression de l’ensemble vous revient. Tempête éternelle. Neige vivante et furieuse.

Le flot est d’une transparence étrange. Des rochers noirs dessinent des visages sinistres sous l’eau. Ils paraissent toucher la surface et sont à dix pieds de profondeur. Au-dessous des deux principaux vomitoires de la chute, deux grandes gerbes d’écume s’épanouissent sur le fleuve et s’y dispersent en nuages verts. De l’autre côté du Rhin, j’apercevais un groupe de maisonnettes tranquilles, où les ménagères allaient et venaient.

Pendant que j’observais, mon guide me parlait. ― Le lac de Constance a gelé dans l’hiver de 1829 à 1830. Il n’avait pas gelé depuis cent quatre ans. On y passait en voiture. De pauvres gens sont morts de froid à Schaffhouse. ―

Je suis descendu un peu plus bas, vers le gouffre. Le ciel était gris et voilé. La cascade fait un rugissement de tigre. Bruit effrayant, rapidité terrible. Poussière d’eau, tout à la fois fumée et pluie. À travers cette brume on voit la cataracte dans tout son développement. Cinq gros rochers la coupent en cinq nappes d’aspects divers et de grandeurs différentes. On croit voir les cinq piles rongées d’un pont de titans. L’hiver, les glaces font des arches bleues sur ces culées noires.

Le plus rapproché de ces rochers est d’une forme étrange ; il semble voir sortir de l’eau pleine de rage la tête hideuse et impassible d’une idole hindoue, à trompe d’éléphant. Des arbres et des broussailles qui s’entremêlent à son sommet lui font des cheveux hérissés et horribles.

A l’endroit le plus épouvantable de la chute, un grand rocher disparaît et reparaît sous l’écume comme le crâne d’un géant englouti, battu depuis six mille ans de cette douche effroyable.

Le guide continue son monologue. ― La chute du Rhin est à une lieue de Schaffhouse. La masse du fleuve tout entière tombe là d’une hauteur de « septante pieds ». ―

L’âpre sentier qui descend du château de Laufen à l’abîme traverse un jardin. Au moment où je passais, assourdi par la formidable cataracte, un enfant, habitué à faire ménage avec cette merveille du monde, jouait parmi des fleurs et mettait en chantant ses petits doigts dans des gueules-de-loup roses.

Ce sentier a des stations variées, où l’on paie un peu de temps en temps. La pauvre cataracte ne saurait travailler pour rien. Voyez la peine qu’elle se donne. Il faut bien qu’avec toute cette écume qu’elle jette aux arbres, aux rochers, aux fleuves, aux nuages, elle jette aussi un peu quelques gros sous dans la poche de quelqu’un. C’est bien le moins.

Je suis parvenu par ce sentier jusqu’à une façon de balcon branlant pratiqué tout au fond, sur le gouffre et dans le gouffre.

Là, tout vous remue à la fois. On est ébloui, étourdi, bouleversé, terrifié, charmé. On s’appuie à une barrière de bois qui tremble. Des arbres jaunis, ― c’est l’automne, ― des sorbiers rouges entourent un petit pavillon dans le style du café turc, d’où l’on observe l’horreur de la chose. Les femmes se couvrent d’un collet de toile cirée (un franc par personne). On est enveloppé d’une effroyable averse tonnante.

De jolis petits colimaçons jaunes se promènent voluptueusement sous cette rosée sur le bord du balcon. Le rocher qui surplombe au-dessus du balcon pleure goutte à goutte dans la cascade. Sur la roche qui est au milieu de la cataracte, se dresse un chevalier troubadour en bois peint appuyé sur un bouclier rouge à croix blanche. Un homme a dû risquer sa vie pour aller planter ce décor de l’Ambigu au milieu de la grande et éternelle poésie de Jéhovah.

Les deux géants qui redressent la tête, je veux dire les deux plus grands rochers, semblent se parler. Ce tonnerre est leur voix. Au-dessus d’une épouvantable croupe d’écume, on aperçoit une maisonnette paisible avec son petit verger. On dirait que cette affreuse hydre est condamnée à porter éternellement sur son dos cette douce et heureuse cabane.

Je suis allé jusqu’à l’extrémité du balcon ; je me suis adossé au rocher.

L’aspect devient encore plus terrible. C’est un écroulement effrayant. Le gouffre hideux et splendide jette avec rage une pluie de perles au visage de ceux qui osent le regarder de si près. C’est admirable. Les quatre grands gonflements de la cataracte tombent, remontent et redescendent sans cesse. On croit voir tourner devant soi les quatre roues fulgurantes du char de la tempête.

Le pont de bois était inondé. Les planches glissaient. Des feuilles mortes frissonnaient sous mes pieds. Dans une anfractuosité du roc, j’ai remarqué une petite touffe d’herbe desséchée. Desséchée sous la cataracte de Schaffhouse ! Dans ce déluge, une goutte d’eau lui a manqué. Il y a des cœurs qui ressemblent à cette touffe d’herbe. Au milieu du tourbillon des prospérités humaines, ils se dessèchent. Hélas ! C’est qu’il leur a manqué cette goutte d’eau qui ne sort pas de la terre, mais qui tombe du ciel, l’amour !

Dans le pavillon turc, lequel a des vitraux de couleur, et quels vitraux ! Il y a un livre où les visiteurs sont priés d’inscrire leurs noms. Je l’ai feuilleté. J’y ai remarqué cette signature : Henri, avec ce paraphe : (hier im Original die Abbildung eines einfachen verschnörkelten handgezeichneten, vielleicht lateinischen, vielleicht auch griechischen Buchstabens; Anm. rheinsein) Est-ce un V ?

Combien de temps suis-je resté là, abîmé dans ce grand spectacle ? Je ne saurais vous le dire. Pendant cette contemplation, les heures passeraient dans l’esprit comme les ondes dans le gouffre, sans laisser trace ni souvenir.

Cependant on est venu m’avertir que le jour baissait. Je suis remonté au château, et de là je suis descendu sur la grève d’où l’on passe le Rhin pour gagner la rive droite. Cette grève est au bas de la chute, et l’on traverse le fleuve à quelques brasses de la cataracte. On s’aventure pour ce trajet dans un petit batelet charmant, léger, exquis, ajusté comme une pirogue de sauvage, construit d’un bois souple comme de la peau de requin, solide, élastique, fibreux, touchant les rochers à chaque instant et s’y écorchant à peine, manœuvré comme tous les canots du Rhin et de la Meuse, avec un crochet et un aviron en forme de pelle. Rien n’est plus étrange que de sentir dans cette coquille les profondes et orageuses secousses de l’eau.

Pendant que la barque s’éloignait du bord, je regardais au-dessus de ma tête les créneaux couverts de tuiles et les pignons taillés du château qui dominent le précipice. Des filets de pêcheurs séchaient sur les cailloux au bord du fleuve. On pêche donc dans ce tourbillon ? Oui, sans doute. Comme les poissons ne peuvent franchir la cataracte, on prend là beaucoup de saumons. D’ailleurs dans quel tourbillon l’homme ne pêche-t-il pas ?

Maintenant je voudrais résumer toutes ces sensations si vives et presque poignantes. Première impression : on ne sait que dire, on est écrasé comme par tous les grands poèmes. Puis l’ensemble se débrouille. Les beautés se dégagent de la nuée. Somme toute, c’est grand, sombre, terrible, hideux, magnifique, inexprimable.

De l’autre côté du Rhin, cela fait tourner des moulins.

Sur une rive, le château ; sur l’autre, le village, qui s’appelle Neuhausen.

Tout en nous laissant aller au balancement de la barque, j’admirais la superbe couleur de cette eau. On croit nager dans de la serpentine liquide.

Chose remarquable, chacun des deux grands fleuves des Alpes, en quittant les montagnes, a la couleur de la mer où il va. Le Rhône, en débouchant du lac de Genève, est bleu comme la Méditerranée ; le Rhin, en sortant du lac de Constance, est vert comme l’océan.

Malheureusement le ciel était couvert. Je ne puis donc pas dire que j’aie vu la chute de Laufen dans toute sa splendeur. Rien n’est riche et merveilleux comme cette pluie de perles dont je vous ai déjà parlé, et que la cataracte répand au loin ; cela doit être pourtant plus admirable encore lorsque le soleil change ces perles en diamants et que l’arc-en-ciel plonge dans l’écume éblouissante son cou d’émeraude, comme un oiseau divin qui vient boire à l’abîme.

De l’autre bord du Rhin, d’où je vous écris en ce moment, la cataracte apparaît dans son entier, divisée en cinq parties bien distinctes qui ont chacune leur physionomie à part et forment une espèce de crescendo. La première, c’est un dégorgement de moulins ; la seconde, presque symétriquement composée par le travail du flot et du temps, c’est une fontaine de Versailles ; la troisième, c’est une cascade ; la quatrième est une avalanche ; la cinquième est le chaos.

Un dernier mot, et je ferme cette lettre. À quelques pas de la chute, on exploite la roche calcaire, qui est fort belle. Du milieu d’une des carrières qui sont là, un galérien, rayé de gris et de noir, la pioche à la main, la double chaîne au pied, regardait la cataracte. Le hasard semble se complaire parfois à confronter dans des antithèses, tantôt mélancoliques, tantôt effrayantes, l’œuvre de la nature et l’œuvre de la société.

(aus Victor Hugo: Le Rhin, Lettres à un ami, 1842)

Leuchttürme des Rheins: die Wacht zu Bregenz – Hüterin des Deltas

Erhaben stürzt der Strom von den Ausläufern des Alpengebirges – kurz verlässt er die Gefilde der Eidgenossenschaft und quert die Bezirke der Ostmark.
„Brigantium“ nannten die Söhne Roms die Ansiedlung, wo der Rhein sich vielfältigst verzweigend in den Bodensee – auch gerne schelmisch „das schwäbische Meer“ genannt – ergießt.
Heute benennt man sie „Bregenz“.
Aber schon der weise und weltgewandte Römer wusste, viel halblebiges Gelichter nutzt das Gebirg für seine Zwecke – Versteck und Hinterhalt – zu schweigen von weglosem Sumpf und trügerischem Morast, wo nur Tier und Pflanz ihr Auskommen finden – aber keines Menschen Fuß zu setzen ist, respektive ist selbiger verloren, so er es wider allen Sinn und Verstand versucht -
Vom Berg her kommt der Zwerg. Klein an Gestalt, grenzenlos in seinem Hass wider die Sterblichen. Hass und Verblendung. Vom Sumpf herauf steigt der seelenlose Untote nebst dem Wiedergänger. Und ungezählt und namenlos ist alles Gelichter dazwischen – Blutsauger, Wechselbalg, Höllenbrut und überhaupt alle Kostgänger des Leibhaftigen -
Schon vor der Ankunft der Söhne der Wölfin hielt man am Alpenabgang Wacht gegen die Geschöpfe der Nacht. Manch Zeichen ward geschlagen, manch zaubermächtiger Spruch gesagt und und nicht wenige Jünglinge und Jungfrauen zur Abwehr des Bösen im Sumpf versenkt…
Der Römer als solcher war stets auf der Hut gegen alles, was sich gegen sterbliche Menschen und die ewigen Götter verschworen – mancher Turm und Mauer ward errichtet -
Als das Reich der Mittelmeerkinder im Westen fiel, blieb den Hintersassen nichts, als die Füße in die Hand zu nehmen – vor der Mitternacht noch geweihten Boden zu gewinnen …
Erst als wieder Recht und Ordnung Einzug gehalten – unter dem zu lobenden Landesherren Freimut Ritter zu Bürzelpracht – belehnt vom seinerzeitigen Kaiser Otto dem Schleimnasigen – wurde ein mächtiger Turm mit einem großen Licht errichtet – die Kleinhirnigen tönten voll des Spottes, man wollten den Flößen, Schaluppen und Kähnen einen gar zu großen Leuchtturm errichten – da, wo der noch jugendliche Strom vom Gebirg herabströmt, seinen Verzweigungen im Dickicht der Niederungen zum Schwäbischen Meere hin – aber die, mit den großen Gehirnen Gesegneten, wissen – es geht nicht darum, dem Fahrensmann und Schiffer den Weg zu weisen, sondern das Gelichter des Derherrseibeiuns in seine Schranken…

(Ein Gastbeitrag von Bdolf. rheinsein dankt!)

Franc ou Franq; France, François, Français

[...]
Il y a bien longtemps que l’on a cru que les Francs venaient des Troyens. Ammien Marcellin, qui vivait au IVe siècle, dit [Ammien Marcellin, Livre XII] “Selon plusieurs écrivains, des troupes de Troyens fugitifs s’établirent sur les bords du Rhin alors déserts.” Passe encore pour l’Enée : il pouvait aisément chercher un asile au bout de la Méditérranée; mais Francus, fils d’Hector, avait trop de chemin à faire pour aller vers Düsseldorf, Vorms, Ditz, Aldved, Solms, Ehrenbreistein, etc…

(Voltaire, Dictionnaire philosophique)

O Beyspiel für die Welt

Albrecht von Haller kommt in seinem epochalen Gedicht Die Alpen, das für die Entdeckung der Naturschönheiten der Schweizer Berge zumindest von Seiten der Germanistik verantwortlich gemacht wird, auf die Quellregion des Vorderrheins und zieht aus deren Höhen einen weitblickenden Vergleich mit der Sahara heran, deren Sandwehen in der Tat den einen oder anderen Alpenhang erreicht haben sollen:

„Dann hier, wo Gotthards Haupt die Wolken übersteiget,
Und der erhabnen Welt die Sonne näher scheint,
Hat, was die Erde sonst an Seltenheit gezeuget,
Die spielende Natur in wenig Land vereint:
Wahr ists, das Lybien uns noch mehr neues giebet,
Und jeden Tag sein Sand ein frisches Unthier sieht:
Allein der Himmel hat dieß Land noch mehr geliebet,
Wo nichts, was nöthig, fehlt, und nur was nutzet, blüht:
Der Berge wachsend Eiß, der Felsen steile Wände,
Sind selbst zum Nutzen da, und tränken das Gelände.“

Haller hatte als 19-Jähriger, nach Abschluß seiner Studien im Ausland, im Jahre 1728 eine Reise durch die heimatliche Schweizer Bergwelt unternommen, die ursprünglich botanischen Forschungen zugedacht war. Er schrieb dann allerdings keine wissenschaftliche Abhandlung, sondern besagtes Langgedicht, dem er voranstellt, daß es sein schwierigstes gewesen sei: „(…) ich wählte eine beschwerliche Art von Gedichten, die mir die Arbeit unnöthig vergrösserte. Die zehensilbigen Strophen, die ich brauchte, zwangen mich so viel besondre Gemählde zu machen, als ihrer selber waren, und allemahl einen ganzen Vorwurf mit zehen Linien zu schliessen. Die Gewohnheit neuerer Zeiten, daß die Stärcke der Gedanken in der Strophe allemahl gegen das Ende steigen muß, machte mir die Ausführung noch schwerer. Ich wandte die Nebenstunden vieler Monate zu diesen wenigen Reimen an, und da alles fertig war, gefiel mir sehr vieles nicht. Man sieht auch ohne mein warnen noch viele Spuren des Lohensteinischen Geschmaks darinn.“ Ganz so wenige Reime sind es dann doch nicht geworden. Ein paar exemplarische, die sich dem Aarelauf widmen, seien an den Schluß gestellt. Der komplette Text ist bei Google Books verfügbar.

„Aus Furkens kaltem Haupt, wo sich in beyde Seen
Europens Wasser=Schatz mit starken Strömen theilt,
Stürzt Nüchtlands Aare sich, die durch beschäumte Höhen,
Mit schreckendem Geräusch und schnellen Fällen eilt;
Der Berge reicher Schacht vergüldet ihre Hörner,
Und färbt die weisse Flut mit Königlichem Erzt,
Der Strom fließt schwer von Gold, und wirft gediegne Körner,
Wie sonst nur grauer Sand gemeines Ufer schwärzt:
Der Hirt sieht diesen Schatz, er rollt zu seinen Füssen,
O Beyspiel für die Welt, er siehts, und läßt ihn fliessen.“

Vom Mittelmeer verwöhnte Froschmänner

Von einem Geheimnis, das der Rhein hüte, handelt ein Artikel in der Zeit von 1957. Zugrunde lag ein Streit zwischen einer französischen Reederei und der Wasserstraßendirektion Koblenz. Er ging um das Motorgüteschiff „Caillac“, dessen Planken in der Rheinschleife am Unkelstein von einem unbekannten Gegenstand aufgeschlitzt worden waren und um die Sicherheit der Passage, denn bereits zwei Jahre zuvor war dort ein deutscher Frachter gegen ein Hindernis geprallt. Versicherungen bezahlten bei Zusammenstößen mit natürlichen Hindernissen nicht, aber ein Mann namens Albert Krahe wußte von einer Geschichte, welche die Franzosen ermutigte, auf Schadensersatz zu klagen:

„Dieser Albert Krahe hatte zu jenen Einwohnern gehört, die zu Beginn des Jahres 1945 aus der zerschossenen Stadt Remagen evakuiert worden waren. Albert Krahe fand damals Zuflucht in der Villa Heimann am Unkelstein und hielt sich just zu jener Stunde des 8. oder 9. März am Rheinufer auf, in der eine Gruppe deutscher Kampfmaschinen einen Angriff auf die Remagener Brücke flog – die einzige Rheinbrücke, die den Alliierten unversehrt in die Hände gefallen war. Während sich Albert Krahe vor den Splittern der amerikanischen Flakgeschosse duckte, sah er, wie zwei Flugzeuge in den Rhein stürzten: eine Ju 88 und eine Ju 87. Albert Krahe konnte den Typ ganz genau angeben, denn er hatte drei Jahre lang Junkers-Maschinen repariert.“

Die Reederei verlor den Prozeß, entsandte jedoch einige Spezialisten, um die Flugzeugmotoren ausfindig zu machen. Das Unternehmen scheiterte, der Artikel gibt schönen Aufschluß über die damaligen Arbeitsweisen.

„Mitte Dezember brachte ein Kombi-Wagen vier Froschmänner an den Rhein, Mitglieder der Société Generale de Traveaux Maritimes et Fluviaux, einer Art Genossenschaft von etwa 80 ehemaligen Amateurtauchern, die aus ihrer Neigung im Lauf der Zeit ein gutes Geschäft gemacht haben. Froschmänner, beweglicher als die herkömmlichen Taucher mit ihren schweren Bleischuhen, so mutmaßten die Franzosen, müßten das Strombett spielend durchkämmen können. Das war nun freilich eine Fehlspekulation. Die Rheintaucher arbeiten gewöhnlich im Schutz eines schweren Schildes, der sie davor bewahrt, von den mit zwei bis drei Meter je Sekunde dahinströmenden Fluten abgetrieben zu werden. Die Froschmänner, ans Meer gewöhnt, versuchten es mit einem Unterwasserschlitten namens Aquaplan. In der ersten Nacht (um die Schiffahrt nicht zu stören, wurde nachts gearbeitet) trieben die Markierungsbojen ab, und das Unternehmen wurde verschoben. In der zweiten Nacht, in der das Tauchen dann glückte, brach sich der Lichtstrahl der Stablampen im aufgewirbelten Schlamm. Die Froschmänner, vom Mittelmeer verwöhnt, konnten statt fünfundzwanzig Meter kaum einen einzigen Meter weit sehen. In der dritten Nacht lief das Aquaplan auf eine heimtückische Felsnase – die nun allerdings in der Schiffahrtskarte eingezeichnet ist.“

Heute übernimmt solche Einsätze in der Regel das Tauchglockenschiff  ”Carl Straat”, das auf Rhein und Mosel pendelt, um den Flußgrund nach Hindernissen abzusuchen, Bodenproben zu entnehmen oder dem Tatort als rare Showdown-Kulisse zu dienen. In der mit Überdruck versehenen Tauchglocke der “Carl Straat” läßt sich trockenen Fußes über den Rheingrund schreiten. Alle paar Monate berichten die Medien über das Schiff, aktuell das Wiesbadener Tagblatt:

“Meist sind es abgerissene Anker, aber die Carl Straat hat zusammen mit dem Kampfmittelräumdienst auch schon Bomben geborgen oder Autowracks. Durch die starke Strömung verändert sich das Kiesbett des Rheins – und Gegenstände damit ihre Position. Hier zwischen Rüdesheim und Bingen geht es vor allem um die Kontrolle der Tonnenverankerungen, die die Fahrrinne für die Rheinschifffahrt markieren. Über GPS weiß die Besatzung genau, wo die Verankerung liegt. Auch die Hindernisse werden der Carl Straat von den Peilbooten der Wasser- und Schifffahrtsämter mit GPS-Daten übermittelt.”

(Und sollten wir eine Prognose über orthografische Veränderungen der deutschen Sprache wagen, so dürfte sich Schifffahrt in ca. 60 bis 500 Jahren, so sich die deutsche Sprache bis dahin hält, mit vier “f” in der Mitttte schreiben.)

Die Schweiz 2.0

Die Menge des hier
in der Freiburger Kaiser-Joseph-Straße
aufgehäuften Schweizer Einkaufsgeldes
hat eine kritische Grenze überschritten –
es kommt…
zu spontanen seelischen Vereisungen…
ein Vorgang nicht unähnlich dem
bei einer nuklearen: Kettenreaktion –

Seien wir doch ehrlich –
Wer glaubt heute noch an die Schweiz?
Die Schweiz, die Schweiz, die gibt es nicht
Es gibt keine Schweiz, da ist keine Schweiz
Die Schweiz, ein virtuelles Land
Niemand glaubt doch heut noch an die Schweiz
Die Schweiz hat keine Gläubigen…
Die Schweiz hat vielleicht Gläubiger, hahahaha

Wir zieh’n nach Süden –
Es kommt keine Schweiz
Es kommt Italien – das Meer – Algerien –
Die Pyramiden – Wüsten – Oasen
Der Frühling…

Nach dem Rheinfall kommt der Reinfall
Da kommt keine Schweiz
Es kommt keine Schweiz
Die Schweiz ist ein schwarzes Loch
Im Käse der Raum-Zeit
Die Schweiz: Zahlen auf toten Briefkästen
Die Schweiz: Nummernfolgen auf Bankschließfächern
Die Schweiz: verschlüsselte Überweisungen

Wir zieh’n nach Süden –
Es kommt keine Schweiz
Es kommt Italien – das Meer – Algerien –
Die Pyramiden – Wüsten – Oasen

Wüstenzürich!
Totengotthard…

Wir grooven auf den Sound der Steuer-CDs
Es kommt der heiße Sound der Steuer-CDs
Ein Tänzchen auf den Sound der Steuer-CDs
Wir grooven zum Sound der Steuer-CDs
Wir grooven zum Franken
Sklaven für den Schweizer Franken

Die Schweiz ist eine Gefahr,
denn sie ist nicht da
Die Schweiz ist durchsichtig und getüpfelt
Die Schweiz läßt uns auf den Franken tanzen
Tanz’ den Frankenpogo! Tanz’ den Frankenpogo!
Sklaven für den Schweizer Franken…

Die Schweiz: Nummern auf toten Briefkästen
Zahlen auf Überweisungsformularen
Codes auf Bankschließfächern
Wir sind die Stehler
Die Schweiz ist der Hehler
Wir sind die Stehler
Die Schweiz ist der Hehler
Die Schweiz – Welthehler

Wir zieh’n nach Süden –
Es kommt keine Schweiz
Es kommt Italien – das Meer – Algerien –
Die Pyramiden – Wüsten – Oasen

Wüsten – Franken – kein Franken mehr

(Die Schweiz 2.0 ist die A-Seite der brandneuen Fleischlego-Single, und bietet krautigen Neopunkrock zu Bdolfs, des dunkelsten Denkers, hegelianischen Lyrics (s.o.). Mit der Schweiz ist der guten alten Welt ihr bewährtes Zentrum abhanden gekommen, die B-Seite lautet somit währschaft-kontrapunktisch-logisch (nach dem alten und neuen Weltenzentrum) Berlin: “Du bist ja verrückt mein Kind, geh doch nach Berlin” variiert die Schlüsselzeile einen alten Volksmund-Gassenhauer um 1900. Nun, um 2000, die Refrainzeile hat ihre Gültigkeit inzwischen mittels zahlreicher epochaler Beglaubigungen verstärkt, regiert Voodoo-Angela im Hosenanzug die chancenlosen Zombie-Hipster, welche mit irrer Dabeiseinsfreude die Revolution der Klolüftung beglotzen.

Informationen und Bestellmöglichkeit über Flight 13 Records. rheinsein dankt Fleischlego fürs Überlassen der Lyrics!)

Achill in Vaduz

Manchmal, wenn ich die Straße
vor dem Kunstmuseum in Vaduz überquere,
rüber will in den Laden, um mir ein Brot
zu kaufen, steht Achill vor mir, er
der Krieger, Sohn der Thetis, ein Halbgott,
bis auf die berühmte Ferse unverwundbar.
Er ist ein freundlicher Herr, gekleidet
in einen dunklen Anzug, er grüßt, lüpft
seinen Hut wie zum Scherz, dann nimmt er
den Speer, der neben ihm auf dem Boden
liegt, schleudert ihn leichthin, hoch,
mit seiner Rechten, an seinem Schild,
den er über dem Anzug in seiner Linken hält,
vorbei – eine grazile Bewegung, ganz
hoch hinauf, und ich sehe ihn fliegen,
höher und höher, aufblitzen im Licht,
der Sonne entgegen – dort hält er sich,
er scheint zu schweben, ganz langsam,
fast ohne Bewegung, da oben am Himmel,
bevor er dann gleitend verschwindet,
weit, hinter Nebel und Wolken,
Bergen und Schnee – auf dass er falle und lande,
auf der Landkarte irgendwo unten, seicht,
an des Mittelmeers kultreichen Stränden.

***

Achill in Vaduz markiert den Auftakt des gleichnamigen Bandes mit Gedichten und Zeichnungen von Wolfgang Heyder. Das unvermittelte Erscheinen des antiken Helden als freundlicher Anzugträger im Städtle, der Vaduzer Fußgängerzone, mag verblüffen. Verweist es auf eine der zahlreichen Skulpturen, mit denen das Städtle so vollgepackt ist, daß ihre Zahl diejenige der Passanten häufig überschreitet und die, als Kunstwerke, geflissentlich über sich selbst hinausweisen sollen? Oder handelt es sich um einen veritablen Liechtensteiner aus Fleisch und Blut, einen intellektuellen vielleicht gar, und seine Sehnsüchte, dem engen Nord-Süd-Korridor des von hohen Bergwänden begrenzten Rheintals zu entfliehen? Wo mag der Speer einschlagen? In Monaco vielleicht, einem weiteren Kleinststaat? ”Doch schwerseufzend begann der mutige Renner Achilleus / Mutter, du weißt das alles; was soll ichs Dir noch erzählen?” (Homer, Ilias, herausgegeben von Johann Heinrich Voss) Gedichte sind selten dafür geschaffen, erklärt zu werden. Sie rühren in unserem Wissen. Gelingen sie, fügen sie einen frischen Schlag Sonstewas hinzu. Wolfgang Heyder zieht aus der Geschichte literarische Personen und Persönlichkeiten hervor und setzt sie im heutigen liechtensteinischen Alltag aus. Orpheus aus der Tiefgarage “(…) hat den Autoschlüssel vergessen / (…) noch im Dunkeln greift er zum Handy / (…)”, Kuhportraits gehören zwingend zu einer liechtensteinischen Dichtung: der heilige Stier beunruhigt Triesen, später am Abend löscht Hamlet seinen Durst auf der Schweizer Rheinseite in einer Buchser Beiz mit Fernet Branca.  Heyder geht in seinen Texten auch über die straff gezogenenen liechtensteinischen Landesgrenzen hinaus, die er mit dem texte trouvé Eine Werbung für Liechtenstein beschließt, einer Autoreklame der Marke Chrysler, die verkündet: “Das Leben vergeht viel / zu schnell. Holen Sie es ein.”

Wolfgang Heyder: Achill in Vaduz. Liechtensteiner Gedichte und Lieder mit Zeichnungen des Autors, Corvinus Presse, Berlin 2013, 132 Seiten, 25 Euro. ISBN 978-3-942280-22-8. Das Buch kann auch direkt bei der Corvinus Presse bestellt werden.
(Achill in Vaduz mit freundlicher Genehmigung des Autors. rheinsein dankt!)

Eine andere Version des Hadrian (Texte trouvé)

Eine andere Version des Hadrian wäre die Wand der Rhein gewesen. In 9 n. Chr. haben drei römische Legionen ein Hauptschlagen von Arminius genommen; Hermann auf Deutsch. (Oder als Leute im amerikanischen Süden sagen würde, „Sie haben einen whuppin erhalten.“) Stellen Sie sich römische Soldaten von Mittelmeerklimas am Silvester, vor starrend über den Rhein in den dunklen Wald. Der jüngere Soldat fragt das ältere, nicht wahr dadraußen? Sie sollten das wissen, Junge. Wir haben drei Legionen dort verloren. Herrenduft, Koln, Colonia sind unser sicherer Ort. Wir gehen nicht dort. Selbstverständlich eine Montyriesenschlange, wie Drehung in dies stattfinden muss. Ein jüdisches Paar, das von Israel nach die Rebellion von 70 rausgewerft wird, n. Chr. und die Zerstörung des Zweiten Tempels wandert zum römischen Grenzgebiet. Solomon, ich haben Ihnen erzählt, sich zu benehmen, aber nein, Sie mussten die Leutefront des Judea anschließen, schließen die Eiferer an und verliert es alle. Jetzt können wir nicht zurückkehren, und wir sind hier. Sie schulden mir viele Pelzmäntel und gelbe Juwelen. Solomon fragt die Soldaten, kann ich dort gehen und kann den Bernstein suchen? Es ist Ihre Beerdigung, Gegenstück.

Raum – Zeit – Rhein

(I)
In seinem Buch Der Rhein. Ein europäischer Fluß und seine Geschichte faßt Horst Johannes Tümmers die geologische Entstehung des Rheins auf Höhe der frühen 90er Jahre zusammen: „Während der 80 Millionen Jahre des Tertiärs hatten sich wichtige geologische Strukturen herausgebildet, denen der Rhein später folgen sollte.“ Der deutsche Wikipedia-Eintrag zum Tertiär verlautbart im September 2012: „Das Tertiär begann vor 65 Millionen Jahren (…)“ Zwischen beiden Zitaten liegen rund 20 Jahre, die eine Erkenntniskluft bzw -verschiebung von rund 17 bis 18 Millionen Jahren aufwerfen. Und wenn genau in dieser Kluft Außerirdische die Erde entdeckt, bewohnt und lieber spurlos wieder verlassen haben? Die Richtungen der Kluftenprogression lassen sich nur schwer bestimmen, da sie dem Humanfaktor huldigen. Bis eben galt noch dies und jenes, nun wird Göbekli Tepe freigelegt. Warten wir auf den Tag, an dem Gottes handschriftliche Tagebücher auftauchen, in denen er die Flüsse als seine Pissstrahlen notiert, fein säuberlich mit Jahr, Tag und Uhrzeit versehen.

(II)
Der Urrhein sei 10 Millionen oder 20 Millionen Jahre alt und dereinst ins Mittelmeer geflossen, steht in anderen, wandernden Quellen geschrieben. Der Rhein, wie wir ihn kennen sei ca. 10.000 Jahre alt und wahlweise zw 500 und 1000 bzw 1320 oder 1233 Kilometer lang. Strabon schrieb, der Rhein verlaufe parallel zu den Pyrenäen. Strabon kannte Flüsse, die wir nicht mehr kennen, aber hatte er sie gesehen? Wenn nicht und wenn es diese Flüsse niemals gab, so gab es sie dennoch, in Schriftzeichen gebannt. Die je aktuelle Wissenschaft gibt den Diskursstand vor, der vorgibt, daß er abgelöst werden muß.

(III)
Was sehen wir heute und was sehen wir nicht? Fraglos breitet sich Wissen derzeit rasend aus, dh, es strömt von der bewußten Stelle seines Ursprungs, und muß in Zeiten von erfolgreicher Raumfahrttechnologie und Internet in den elektronischen Arealen unseres Planeten nur aus der Steckdose gekeschert werden. Doch solange der technologische Fortschritt dem spirituellen Fortschritt vorauseilt, bleiben die eigentlichen Fragen die alten.

(IV)
Wie wäre Zeit zu messen? Mit der Uhr. Mit Bäumen. Innerhalb eines Menschenlebens. Vom Auftauchen bis zum Verschwinden eines Flusses. Indem ich ein paar Millionen Jahre die Sternkonstellationen betrachte und die Erkenntnisse auf die Ewigkeit hochrechne. Parteiisch, damit die Fördermittel weiter an die richtige Stelle fließen. Wenn der Maya-Kalender endet, ist die Zeit vorbei. Die Deutungshoheit über die Zeit muß als Machtmittel verwendet werden: 40-Stunden-Woche mit Stechuhr. Als Prinzip des Werdens und Vergehens: Werdens- und Vergehenseinheiten, -zweiheiten, -piheiten; warum überhaupt Heiten? (Heute häuten!)
Geberen, enden, werden, vergehen: alles auf e, den Nivellierungsvokal, der das a und das o ins geldene Mettel petscht, zwengt, drengt.

(V)
„Der Rhein ist an einem üblichen Dienstag um Punkt 9 Uhr entsprungen. Um 12 Uhr machte er eine halbe Stunde Mittagspause, um 18 Uhr Feierabend.“

(VI)
Zeit ohne Raum, wie soll das gehen? Raumlose Vorstellungen erscheinen generell schwierig. Zeit=pure Vorstellung oder Traum? Vom Gefühl her: eher nein. Raumentbundene Zeit: das könnte etwas Schlaffes sein, etwas Qualliges. Der Oktopus ist ein weithin unterschätztes Tier.

(VII)
Toulouse, Jardin du Grand Rond, frühe 90er Jahre. Während einer lysergischen Erfahrung öffnet sich das Raum-Zeit-Verhältnis. Zwei Kubikmeter des Parks werden von einem Geleemeer lebendiger Ewigkeit durchschwappt. Alle Zeiten überlagern sich in diesem Raumausschnitt, ohne aus ihm herauszuplatzen. Bei diesem Anblick entdecke ich die vorübergehende Fähigkeit, bis zu drei Gedanken gleichzeitig-parallel zu denken. Wenn mein Gehirn, wie die Hirnforschung vermutet, nur zu zehn bis 15 Prozent seiner Kapazität nutzbar ist, wäre ich ab spätestens 20 Prozent Nutzungsabruf reif für die Klapse.

(VIII) Pelé hebt in einer alten Aufnahme die Raumgesetze im gegnerischen Strafraum auf, Günter Netzer flankt gekrümmt durchs niederrheinische Mittelfeld.

(IX)
Außerirdischer Rhein. Rover „Curiosity“ hat im September 2012 erstmals von Wasser geformte Kiesel auf dem Mars fotografiert. „Über den Mond kriecht ein Käfer hin / die Welt hat drei Beine die ziehen / ihr eines Bein ist ein Hintern / ihr anders Bein ist ein Arm / das dritte würde gern fliehen / (…)“ (Sándor Weöres, 1913 -1989)

Quellenangabe

rheinquelle

Direkt am Einstieg zum Tomasee ist ein Schild RHEIN-URSPRUNG angebracht, an seinem Nordufer ein weiteres: RHEINQUELLE. Beide Schilder tragen den gleichsam untertitelnden Hinweis 1320 km bis zur Mündung: Quellenangaben ohne nähere Quellenangabe. Der durchschnittliche Besucher fühlt sich offiziell behinweist und sucht nach der Quelle vergeblich. Weil es aber da steht, wird sie schon irgendwo sein. (Häufig am Ufer, von leicht hilflosem Unterton getragen, zu hören: “Der See ist die Quelle.”) Diverse Autoren (etwa Sererhard) behaupten, der Tomasee berge einen unterseeischen Rheinborn. Tauchgänge, diese Theorie zu überprüfen, unterließen wir jedoch.
Die Länge eines Flußorganismus` anzugeben, muß naturgemäß ein ungefähres Unterfangen bleiben. Aktuellen Meldungen zufolge, soll der Rhein eine ungefähre Länge von 1233 km aufweisen. Solche Zahlen schwanken, je nachdem, von wo bis wo (von wem) gemessen wurde. (Erst neulich lasen wir im Stadt-Anzeiger von Kölner Studenten, die der Meinung waren, der Rhein münde ins Mittelmeer.) Bis ins 18. Jahrhundert, lesen wir nun auf rheintal.de, schwankten die Längenangaben zum noch unbegradigten Rhein zwischen 550 km und 1100 km.

Le Rhin réunit tout

“Saint-Goar, 17 août.

Vous savez, je vous l’ai dit souvent, j’aime les fleuves. Les fleuves charrient les idées aussi bien que les marchandises. Tout a son rôle magnifique dans la création. Les fleuves, comme d’immenses clairons, chantent à l’océan la beauté de la terre, la culture des champs, la splendeur des villes et la gloire des hommes.

Et, je vous l’ai dit aussi, entre tous les fleuves, j’aime le Rhin. La première fois que j’ai vu le Rhin, c’était il y a un an, à Kehl, en passant le pont de bateaux. La nuit tombait, la voiture allait au pas. Je me souviens que j’éprouvai alors un certain respect en traversant le vieux fleuve…

…Ce soir-là… je contemplai longtemps ce fier et noble fleuve, violent, mais sans fureur, sauvage, mais majestueux. Il était enflé et magnifique au moment où je le traversais. Il essuyait aux bateaux du pont sa crinière fauve, sa barbe limoneuse, comme dit Boileau. Ses deux rives se perdaient dans le crépuscule. Son bruit était un rugissement puissant et paisible. Je lui trouvais quelque chose de la grande mer.

Oui, mon ami, c’est un noble fleuve, féodal, républicain, impérial, digne d’être à la fois français et allemand. Il y a toute l’histoire de l’Europe considérée sous ses deux grands aspects, dans ce fleuve des guerriers et des penseurs, dans cette vague superbe qui fait bondir la France, dans ce murmure profond qui fait rêver l’Allemagne.

Le Rhin réunit tout. Le Rhin est rapide comme le Rhône, large comme la Loire, encaissé comme la Meuse, tortueux comme la Seine, limpide et vert comme la Somme, historique comme le Tibre, royal comme le Danube, mystérieux comme le Nil, pailleté d’or comme un fleuve d’Amérique, couvert de fables et de fantômes comme un fleuve d’Asie.

Avant que l’histoire écrivait, avant que l’homme existait peut-être, où est le Rhin aujourd’hui fumait et flamboyait une double chaîne de volcans qui se sont éteints en laissant sur le sol deux tas de laves et de basaltes disposés parallèlement comme deux longues murailles. À la même époque, les cristallisations gigantesques qui sont les montagnes primitives s’achevaient, les alluvions énormes qui sont les montagnes secondaires se desséchaient, l’effrayant monceau que nous appelons aujourd’hui les Alpes se refroidissait lentement, les neiges s’y accumulaient; deux grands écoulements de ces neiges se répandirent sur la terre: l’un, l’écoulement du versant septentrional, traversa les plaines, rencontra la double tranchée des volcans éteints et s’en alla par là à l’Océan; l’autre, l’écoulement du versant occidental, tomba de montagne en montagne, côtoya cet autre bloc de volcans expirés que nous nommons l’Ardèche et se perdit dans la Méditerranée. Le premier de ces écoulements, c’est le Rhin; le second, c’est le Rhône…

…Le Rhin, dans les destinées de l’Europe, a une sorte de signification providentielle. C’est le grand fossé transversal qui sépare le Sud du Nord. La providence en a fait le fleuve-frontière; les forteresses en ont fait le fleuve-muraille. Le Rhin a vu la figure et a reflété l’ombre de presque tous les grands hommes de guerre qui, depuis trente siècles, ont labouré le vieux continent avec ce soc qu’on appelle pépée. César a traversé le Rhin en montant du midi; Attila a traversé le Rhin en descendant du septentrion. Clovis y a gagné sa bataille de Tolbiac. Charlemagne et Bonaparte y ont régné. L’empereur Frédéric-Barberousse, l’empereur Rodolphe de Hapsbourg et le palatin Frédéric Ier y ont été grands, victorieux et formidables. Gustave-Adolphe y a commandé ses armées du haut de la guérite de Caub. Louis XIV a vu le Rhin. Enguien et Condé l’ont passé. Hélas! Turenne aussi. Drusus y a sa pierre à Mayence comme Marceau à Coblenz et Hoche à Andernach. Pour l’œil du penseur qui voit vivre l’histoire, deux grands aigles planent perpétuellement sur le Rhin, l’aigle des légions romaines et l’aigle des régiments français.

…Ce noble Rhin que les Romains nommaient Rhenus superbus, tantôt porte les ponts de bateaux hérissés de lances, de pertuisanes ou de baïonnettes qui versent sur l’Allemagne les armées d’Italie, d’Espagne et de France, ou reversent sur l’ancien monde romain, toujours géographiquement adhérent, les anciennes hordes barbares, toujours les mêmes aussi; tantôt charrie pacifiquement les sapins de la Murg et de Saint-Gall, les porphyres et les serpentines de Bâle, la potasse de Bingen, le sel de Karlshall, les cuirs de Stromberg, le vif-argent de Lansberg, les vins de Johannisberg et de Bacharach, les ardoises de Caub, les saumons d’Oberwesel, les cerises de Salzig, le charbon de bois de Boppart, la vaisselle de fer blanc de Coblenz, la verrerie de la Moselle, les fers forgés de Bendorf, les tufs et les meules d’Andernach, les tôles de Neuwied, les eaux minérales d’Antoniustein, les draps et les poteries de Wallendar, les vins rouges de Taar, le cuivre et le plomb de Linz, la pierre de taille de Kœnigswinter, les laines et les soieries de Cologne; et il accomplit majestueusement à travers l’Europe, selon la volonté de Dieu, sa double fonction de fleuve de la paix, ayant sans interruption sur la double rangée de collines qui encaisse la plus notable partie de son cours, d’un côté des chênes, de l’autre des vignes, c’est-à-dire d’un côté le nord, de l’autre le midi; d’un côté la force, de l’autre la joie…”

(aus: Victor Hugo: Le Rhin, lettre XIV; Hugos Rheinbriefe sind komplett zu finden auf Google Books)

Die Grünfarbe

des mittelländischen Meeres, der Schweizerseen, selbst des Rheins, wird wohl daher kommen, daß diese Gewässer eine gelbliche Tiefe haben, worin sich das Blau des Himmels spiegelt.

(Arthur Schopenhauer, Der handschriftliche Nachlaß, Band 4,1 – Die Manuskriptbücher der Jahre 1830–1852, 2. Teil, Spicilegia (1846))

Vom Fliegen der Murmeltiere oder: Neue Schifffahrtswege über die Alpen

Über einen in mehrerlei Hinsicht kolossal erscheinenden, vor 100 Jahren in Italien ernsthaft diskutierten Plan des Bündner Ingenieurs Pietro Caminada berichtet Till Hein für die Zeitschrift mare in ihrer aktuellen Ausgabe (Nr. 84): eine Schifffahrtstrasse über die Alpen! Zu Beginn des längeren Artikels konstatiert der Autor, daß es zwar Naturgesetze gäbe, die besagten, daß etwa Murmeltiere nicht fliegen könnten, begeistert sich im Verlaufe des Artikels nichtsdestotrotz für einen Plan, der am Aufheben von Naturgesetzen kratzen dürfte:

„(…) Caminada (…) will Lastschiffe in einem Kanal über die Alpen schwimmen lassen, über den 2113 Meter hohen Splügenpass in Graubünden. Caminada schwebt ein durchgängiger Wasserweg von der Nordsee bis zum Mittelmeer vor – eine viele hundert Kilometer lange Wasserstraße, die von der Hafenstadt Genua über Alessandria, Mailand, Como, Chiavenna, den Splügenpass, den Bodensee bis nach Basel führt und von dort über den Rhein bis in die Nordsee.“

1907, als Caminada an die Öffentlichkeit ging, wird über Umweltbelange wohl kaum diskutiert worden sein. Denn die natürliche Umwelt gilt noch eher als feindlich und bezwingens-, anstatt erhaltenswert. Wenige Jahrzehnte zuvor wurde die große Rheinbegradigung vollzogen, vermutlich galt der, immerhin nicht selten bedichtete, Rheinfall, für ein Handelswegprojekt als wenn schon nicht sprengens-, dann doch sicherlich umbuddelnswert. Den Hinterrhein, der bis heute trotz diverser Eingriffe Naturschönheiten (Rofla, Via Mala, Domleschg) aufweist, wollte Caminada mit einem Röhrensystem beehren, das, mithilfe von Wasserkraft und Spezialschleusen, 50 Meter langen Schiffen mit einer Lastenkapazität von 500 Tonnen das Überwinden der örtlichen Steigung von fast einem Kilometer ermöglichen sollte.

Auch wenn Murmeltiere nicht aus eigener Kraft fliegen können, ist es (nicht erst) mit heutigen technischen Gerätschaften unzweifelhaft möglich, sie fliegen zu lassen. Es wird ihnen als eingefleischten Troglodyten nur nicht sonderlich bekommen. In den Alpen fließt das Wasser seit Menschengedenken aus Fels und Gletscher zu Tal. Wer jemals sah, wie die, teilweise gebändigten, Rheine sich zu Tal bewegen, kann sich Schifffahrt an Vorder- oder Hinterrhein nur unter erheblichen Schmerzen vorstellen. Ohnehin schon durchbohrte Berge indes könnten statt Eisenbahntrassen natürlich auch druckregulierte Wasserleitungen für die Schifffahrt führen. Solche müßten einfach nur noch länger, größer, breiter gebohrt werden. Befürworter der Alpenflußfahrt jedenfalls finden sich bis heute: der Südtiroler Albert Mairhofer, „ein Wasserkraftaktivist und pensionierter Staatsbeamter, hat sich von Caminadas Projekt inspirieren lassen. Die Entwürfe des Pioniers seien “sehr beeindruckend”, schwärmt er, “aber etwas zu kompliziert”. Sein eigener Vorschlag kommt denn auch ohne raffinierte Doppelkammerschleusen oder hydraulische Schiffshebewerke aus: Statt über die Alpen will er mittendurch.“

Rhenus tropicus

Der Rhein sei wärmer als das Mittelmeer, befand und titelte das Kölner Boulevardblatt EXPRESS vor wenigen Tagen in seiner Printausgabe. Das nötige Kleingeld nicht zur Hand, ließen wir die Sensationsnachricht im Sichtrahmen ihres roten Straßenkastens weitertiteln, wohl ahnend, daß im zugehörigen Artikel über Meßstellen und -methoden nicht allzu präzise Angaben zu finden sein würden. Doch eine schnelle Internetrecherche entzog unserer Ahnung einige Quadratzentimeter Bodens. Die messenden Expressreporter legitimierten ihre Angaben mit einer „30 Meter vom Ufer entfernten Meßstelle „in der fließenden Welle“ – wie vom Umwelt-Landesamt empfohlen“: 26,5°C bei Rodenkirchen, im Gegensatz zu mallorquinischen, allerdings nicht selbst gemessenen (vielleicht jedoch selbst manipulierten?) Meerestemperaturen von lediglich 23°C bis 26°C. Falls die Reporter den hauseigenen Wettermeldungen (die immer eine Spur optimistischer ausfallen, als jene des vom selben Verlagshaus verantworteten, „seriöseren“ Kölner Stadt-Anzeigers) getraut haben mögen (ohne sie zuvor zu manipulieren) und falls bei den Messungen alles mit rechten Dingen zugegangen sein sollte, schoß uns durch den Schädel bis ins detaillierte Kraut, dürften künftige Schlagzeilen wohl tropisch-exotischen Neozoenwelten im Rhein und seinen Nebenflüssen gelten, aus denen ja nicht selten schon Piranhas gezogen wurden.

Rheinverläufe

Es kursieren, in der Zweiten stärker als in der Ersten Welt, durchaus ernstzunehmende Gerüchte, der Rhein sei nicht schon immer dort lang geflossen, wo er eben schulkundlich und augenscheinlich heut gewohntermaßen lang fließt – und beziehen sich weniger auf die weithin im Volksglauben akzeptierten, menschengemachten Rektifizierungen (Domleschg, Alpenrhein, Oberrhein), die ja lediglich Korrekturen am gewohnten Bett darstellen, als vielmehr auf gewaltige Ausbrüche aus dem so normal erscheinenden Verlauf, welche größere Regionen trockenzulegen imstande gewesen sein mußten, und Kulturgeschichte umgeschrieben hätten, hätte denn damals schon Kultur bestanden. Die ganze Wirksamkeit solcher Behauptungen zeigt sich in der Verunsicherung selbst von Natur aus standhafter Bergvölker, wie z.B. dem Liechtensteiner Oberländer beim Panoramablick auf sein eingedeichtes Tal: „Stell dir das mal vor, es heißt, der Rhein wär einstens beinah Richtung Walensee abgeflossen, dann hätten die Walenstädter ihn gehabt und wir nicht, das wär ja furchtbar, das will man sich ja garnicht vorstellen.“ Auch das Tal auf den Walensee zu ist im Gesamtblick enthalten, ganz ohne Rhein scheint es dennoch zu funktionieren. Um den Oberländer zu beruhigen, entgegne ich: „Das war sowieso mal alles Wasser hier.“ Denn de facto behaupten Geologen, auch wenn diese Stimmen im breiten Volk nicht immer ankommen, der Rhein sei bereits einstens Richtung Walensee abgeflossen, um sich dann auf Höhe der Aaremündung wieder zu treffen. Auch sei Liechtenstein einst nichts weiter als Bodenseeboden gewesen, in vorvorvorfürstlicher Zeit. Ein weiteres Geologengerücht geht von Rhein und Rhône, die beide (der Rhein mit seinem Vorderteil zumindest) dem Gotthardmassiv entspringen. Kurz hinter Basel sei der Rhein einst einfach nordseeunlustig umgebogen, um sich der Rhône, somit dem Mittelmeer zu mengen. Wahrscheinlich gab es damals Holland noch nicht, und keine Menschen, Theorien, Webcams dergleichen. Eine Zeit also, über die sich recht viel behaupten läßt. Heute gibt es allerdings den Canal du Rhône au Rhin, anhand dessen eine solche Katastrofe für alle Rheinländer modellhaft vorstellbar zu machen wäre; letztendlich wollen die Rheinländer sich ohne Rhein jedoch rein garnichts vorstellen.