Es gibt keine Singles in Köln

Im vorangegangenen Beitrag erwähnten wir einen Artikel für die Welt von Michael Lentz. Er beschreibt darin u.a. das fangemeinschaftliche Schöntrinken einer Niederlage des 1. FC Köln in einer Kneipe, um das Gefühl, einen “Schlaach mit de Pann” erhalten zu haben, während unter der Gaststubendecke ein Gewitter dräut, von innen zu kurieren. Im Folgenden fallen im Stakkato einige gültige, zitierfähige Statements über den Rheinländer-an-sisch und sein Jeschwaad:

“Rheinländer ist der, der den anderen nicht zu Wort kommen lässt.”

“Rheinländer, die als Rheinländer immer recht haben und das nicht nur im Rheinland, kennen keine Geheimnisse. Sie erbrechen ihre Geheimnisse in Ehren. Sie erwecken oft den Eindruck, etwas mitzuteilen. Es ist ihnen schlechterdings nur eben, als wenn sie einmal laut mit sich selber sprechen könnten. Geselliger Zufall, dabei anwesend zu sein.”

“Zwei Naturgesetze: Der Dom gehört dem Dom, das Wort ist beim Rheinländer.”

Und am Schönsten wohl dieses über die “Single-Hauptstadt” Köln:

“Es gibt keine Singles in Köln. Das Reden eines Kölners ist eine ganze Familie.”

Doch leichter wird der Rhein verbrennen

Den Neid der Dichter untereinander berührt Daniel Trillers kräftiges Sinnbild, das nach seinem Eingang ins Deutsche Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm mit etwas Verspätung nun über den am Ende abrupt verschlungenen Umweg eines fast schon abgestandenen Artikels von Michael Lentz über den 1. FC Köln in der Welt, welchen die Lyrikzeitung heute anteaserte, zu rheinsein, wo es jedenfalls hingehört, fand:

(…)
Ob ich ein großer Dichter wär,
Ob keiner, dieser eitlen Ehr
Wollt ich mich gern verlustig schätzen.
Ich suchte noch, so viel an mir,
Dem edlen Brockes nachzuahmen,
Und zöge seinen großen Namen
Noch ferner andern Dichtern für.
Wer könnte mich daran verhindern?
Die Armen geben sich zu bloß!
Sie wären gern alleine groß,
Und wollten andrer Ruhm vermindern.
Doch leichter wird der Rhein verbrennen,
Als ihr verwünschter Wunsch geschehn:
Sie werden die Erfüllung sehen,
Wenn sich die Elementen trennen.
(…)

(aus: Daniel Triller – Poetische Betrachtungen über verschiedene aus der Natur- und Sittenlehre hergenommene Materien, Band 2, Seite 26, Hamburg 1746)