Presserückschau (Januar 2013)

„Houston am Rhein“ (Kölner Stadt-Anzeiger) oder „Schilda am Rhein“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung): die Einschätzungen Kölns klaffen weiterhin auseinander. Langweilig wird es in der Stadt, die auf altem Rheinsand steht, so schnell nicht. Seit Jahren sorgt der U-Bahnausbau in Köln für bundesweite Schlagzeilen, in diesem Monat wieder (siehe unten, 4). Doch au woannerschter am Rhoi isch ebbes los:

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„Im Herzen Europas, wo der Rhein Frankreich, Deutschland und die Schweiz verbindet, liegt das Upper Rhine Valley. Die Region ist mit über 21.000 qkm fast so groß wie die Toskana. Wie diese lockt sie seit Jahrhunderten Touristen an, die Kunst, Kultur und gutes Essen lieben. Upper Rhine Valley ist eine kompakte, landschaftlich und kulturell enorm vielfältige Region. In den sehens- und liebenswerten Städten Baden-Baden, Basel, Colmar, Freiburg, Karlsruhe, Mulhouse und Strasbourg sowie zahlreichen weiteren Städtchen und Dörfern auf beiden Seiten des Rheintals lassen sich Natur, Kunst und Kultur erleben und das Leben genießen. Und: Die wirtschaftlich prosperierende Region mit rund 6 Millionen Einwohnern ist leicht erreichbar und gut erschlossen. Drei Länder in einem Tag, auch das ist hier leicht machbar.“ (regiotrends.de)

2
Über essentielle Unterschiede zwischen Biber und Mensch im Verhältnis zum Rhein (in Grenzach) schreibt die Badische Zeitung: „Während man bei der Gemeinde darüber nachdenkt, wie man den Rhein als Standortvorteil nutzen, wie der Fluss mehr in den Alltag der Bürger rücken könnte, geht der Biber viel spontaner vor. Die Nagetiere, die sich seit den 90er Jahren wieder am Hochrhein wohlfühlen, sind vor vier Jahren auch in Grenzach angekommen. Statt die Regionalplanung zu bemühen und Bebauungspläne erstellen zu müssen, haben sie sich nur wenige Meter vom Hochrheinwanderweg einen Bau errichtet, dessen Größe auch die Biberexpertin des Regierungspräsidiums beeindruckt.“

3
Infolge der Sperrung der Leverkusener Brücke für den Schwerlastverkehr im vergangenen Dezember ist nun auch die benachbarte Mülheimer Brücke für größere Transportfahrzeuge teilgesperrt, nachdem das Kölner Amt für Brücken und Stadtbahnbau festgestellt hatte, daß der Schwerlastverkehr auf die Nachbarbrücke ausgewichen war, wie der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet: „Man müsse (…) jetzt reagieren, um zu vermeiden, dass an der Mülheimer Brücke ähnliche Schäden entstehen wie an der Leverkusener Autobahnbrücke.“

4
Das Zittern des Kölner Domes ist sogar bis hoch in den Norden zu spüren, wo das Ereignis vom Hamburger Abendblatt verbreitet wird: „Eine neue U-Bahn-Verbindung lässt den Kölner Dom erzittern. Deshalb seien Gebäudeschäden zu befürchten, sagte Dompropst Norbert Feldhoff (…). Das historische Gemäuer sei “für derartige Belastungen nicht ausgelegt”. Man könne ein Zittern wahrnehmen und auch ein Rauschen. Es sei unstrittig, dass dies auf den U-Bahn-Verkehr zurückgehe, sagte Feldhoff.“ (Anm. rheinsein: Unser Test im Dominnern fiel, was U-Bahn-induziertes Zittern und Rauschen belangt, negativ aus. Es kann aber gleichwohl spirituell induziertes Zittern und Rauschen auftreten, weniger am Dom, als vielmehr im Schädel des/der Dombesuchenden.)

5
„In Deutschland, China und anderen Industrienationen macht sich der stark angestiegene Verbrauch von Seltenen Erden nun auch verstärkt in der Umwelt bemerkbar. Hochtechnologie-Metalle, die zu den Seltenen Erden gehören, sind zum Beispiel ein wichtiger Bestandteil von Windturbinen und anderer moderner Elektronik; ihr Verbrauch steigt weltweit. Flüsse sind mittlerweile in vielen Ländern auch mit dem in der medizinischen Diagnostik verwendeten Kontrastmittel Gadolinium belastet. Eine neue Studie der Geochemiker Michael Bau und Serkan Kulaksiz zeigt, dass der Rhein darüber hinaus mit Lanthan und seit einigen Monaten auch mit Samarium verschmutzt ist. Der Rhein ist damit von den großen Flüssen der Erde derjenige, der am deutlichsten mit Seltenen Erden kontaminiert ist. Wie die Jacobs-Geochemiker nachweisen konnten, gelangen pro Jahr mehrere Tonnen dieser Hochtechnologie-Metalle mit Industrieabwässern nördlich von Worms ins Flusswasser und werden dann in die Nordsee, aber auch ins Trinkwasser von Rheinanliegern eingetragen.“ (idw-online)

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„Der Verein Schwanenschutzkomitee Hochrhein ist am Hochrhein und darüber hinaus bis Breisach im Einsatz. (…) Aktuelle Situation: Der Rhein ist derzeit so sauber wie noch nie. Fischbestände und Artenvielfalt werden reduziert. Das Wachstum von Wasserpflanzen, die Nahrungsgrundlage der meisten Wasservögel, geht zurück. Das Schwanenkomitee findet bereits im Herbst abgemagerte Schwäne und Wasservögel, die aufgebaut werden müssen.“ (Südkurier)

Außerdem erinnert die Klever Ausgabe der Rheinischen Post an die Geschehnisse im Januar vor 50 Jahren, als der Rhein von der Loreley bis zur holländischen Grenze „zum Stehen kam“: bei bis zu minus 32 Grad war der Fluß Mitte Januar 1963 zum bisher letzten Mal zugefroren. Auch der Bonner General-Anzeiger ruft das Ereignis mit seiner damaligen Titelschlagzeile wach: „Auf dem Rhein tanzen und flüstern die Schollen“ und die FAZ legt nach: „Glühweinstände mitten auf dem Rhein“.