Bad RagARTz

Auf der Suche nach Ersatz für meine hochalpin final zu Klump gewanderten Citytreter in Bad Ragaz gestrandet. Natürlich gibt`s in diesem poshen Örtchen nichts annähernd Bezahlbares, von Schuhwerk ganz zu schweigen – dafür aber jede Menge Skulpturales zum Gratis-Anschauen: es läuft die „4. Schweizerische Triennale der Skulptur in Bad Ragaz und Vaduz“, bedeutet: enormes Skulpturenaufkommen in Vorgärten, an Straßen, Promenaden, im Kurpark, vorm Bahnhof, selbst über der rheinwärts hetzenden Tamina sind Gruppen geflügelter Kamele (?) aufgespannt, lauter artiges Kunstwerk, mal spielerisch (Blau Miau: ein schlankes Riesenkätzchen toute en bleue), mal intellektuell unterfedert – und es scheinen schier mehr Skulpturen als Einwohner pro Quadratmeter anzutreffen im für die Triennalen-Periode hochoriginell in „Bad RagARTz“ umbenannten Dörfli, auch wenn, das sei fairerweise angemerkt, Einwohner von Skulpturen, nebst der üblichen Gartenzwerge, oft nicht klar voneinander unterscheidbar sind für den auswärtigen Besucher, selbst wenn er all diese Bemühungen absichtlich differenzierend zu wägen und zu schätzen sucht. Über Bad Ragaz weht desweitern ein dünner Hauch ale- und edelparfumgesättigten Schweißes der aktuellen Spielertruppe des großen FC Liverpool, dessen Premier League-Kader in dieser Atmosfäre traditionell sein Sommer-Trainingslager abhält: entsprechend tollen Kinder und Jugendliche in Fernando Torres-Shirts über die Straßen, trimmen ihr Schwyzerdütsch auf Merseyside-Scouse. Allem Schuhklump an meinen Füßen zum Trotz folge ich den Wegweisern zur Taminaschlucht, einem weiteren zivilisatorisch moderierten Naturversprechen der Alpen. Bergan, bergan. Mit geschlossenen Augen vorwärtstorkelnd in den Schluchtenrausch. Rinnselnde schwitzende Berge. Badenixen in coolem Naturpool. Am Bodenbach-Sturz führt der Pfäferser Steg ins Wilde. Pfiffige Grilliertipps am Schwattenfall. Bergan, bergan. Nach rund einer Stunde erreicht: das barocke Bäderhaus von Bad Pfäfers, einst wirkte Paracelsus dort, 1969 wurde der Badebetrieb eingestellt, heuer dients als Multiplex-Ausflüglerlokal mit hübsch arrangiertem Glockenspiel und Rössliposcht-Revivalwägeli; belinst von sinistren Insekten die Bierbänkler und Rauschen, Rauschen, Rauschen. (Auf der Umgebungskarte ein Ort namens Fluppe, kann leider diesmal aus Zeitgründen nicht besichtigt werden.)