Weihnachtshochwasser 1993, beruhigende Rheinstills

Gestern zeigte der WDR eine Doku zum Weihnachtshochwasser von 1993. Besetzung: der später vom Boulevard insignierte Hochwasserpapst (also seinerzeit noch: Hochwasserkardinal) Reinhard Vogt; Schürmann-Bau-Architekt Joachim Schürmann; Kölns Ex-Polizeipräsident Winrich Granitzka; Hochwasseropfer; widerliche Gaffer; der Rhein. Der Film von Meike Hemschemeier zeichnet die Ereignisse des berühmten Hochwassers nach. Anwohner erinnern sich, wie Rheinwasser durch die Steckdosen in ihre Häuser einbrach, wie sie Heilig Abend auf dem Speicher vebrachten und wie eine schöne Wohnungseinrichtung zunichte ging. Der Polizeipräsident bringt dem Leiter der Hochwasserschutzzentrale in höchster Not zwei Teddybären aus dem Präsidium mit, da letzterer im ganzen Brassel keine Zeit erübrigte, seinen Kindern Geschenke zu besorgen. Architekt Schürmann erklärt unterdessen die Flutung seines unflutbaren Baus zu Bonn. Insgesamt ein Lehrfilm zur kölschen Lebensart: mit rheinvernichteten Existenzen lebt sichs gar nicht so übel, denn echte Fründe stonn zesamme. Et kütt wie et kütt – un wenn et dä Rhing es. Offene Fragen bleiben offen. Schuld trägt letztlich nur der Nubbel.

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Gestern beim Zahnarzt. Im Wartezimmer an der Wand und im Behandlungsraum an der Decke sind Monitore angebracht, die im wohlkoordinierten Wechsel Standbilder offerieren, deren Einsatz der Patientenberuhigung dienen soll: Kölner Dom vor Feuerwerk; ein Frachter transportiert ein Space Shuttle oder dergleichen zum Technikmuseum Speyer, etc… durchgängig also Rheinmotivik, vermischt mit Explosivem und Schallmauerdurchbrechendem, zu mittleren Ewigkeitsanblicken gefroren. Draußen spielt dazu (laut Sprechstundenhilfe: seit Monatsbeginn) ein Leierkastenmann ununterbrochen dasselbe Lied. Drinnen Sirren die Bohrer.