Topographia Germaniae

Haufenweise frühe Informationen über Orte längs des Rheins liefert (ab 1642) die Topographia Germaniae von Matthäus Merian (Stiche) und Martin Zeiller (Texte), wobei sich letzterer auffällig oft auf Münster und Freher beruft. Im Netz fehlen bisher die Teilstücke Topographia Helvetiae, Rhaetiae et Valesiae und Topographia Circuli Burgundici, wodurch der bisher im Internet vorhandene frühtopografierte Rhein hauptsächlich auf einen deutsch-elsässischen reduziert bleibt, wobei der schwäbische Part nebst eigentlich sehr Badischem auch noch Vorarlbergisches und Liechtensteinisches umfaßt. Die Texte sind schön ediert bei Wikipedia vorhanden, weswegen an dieser Stelle nicht sonderlich viel daraus zitiert werden soll. Sie bieten neben vielen historischen und geografischen Hinweisen vergleichsweise (s. Dielhelm) wenig Anekdotisches, eine Stelle über Germersheim fiel mir jedoch sofort ins Auge: kannte ich Germersheim doch zunächst, bei einer Annäherung per Fahrrad in den achtziger Jahren, als einen jenseits der Landstraße liegenden Ort im Hitzenebel der Müllverbrennung, deren ekelhaft süßer Gestank nach Erbrochenem meinen Besuch vollkommen vereitelte und für mehrere Jahrzehnte aufschob, bis ich mich vergangenes Jahr schließlich von der anderen Rheinseite heranwagte. Umso schöner diese die (offenbar auch prä-MVA-)typische Germersheimer Luft behandelnde Stelle aus der Topographia Palatinatus Rheni: „Es gibt gute Jagten / auch Fischereyen herumb / und wird das Gold da auß dem Rhein gebracht / und gewaschen; hergegen die Lufft / wegen Außlauff deß Rheins / und Morasts / so den Orth daher befestigt / nicht sonderlich gesund ist.“

Rheinfische (2)

Gefunden im Vorbericht des Rheinischen Antiquarius: „Es hegt sonst dieser Strom allerhand Arten von Fischen in großem Ueberfluß, und man fängt darinnen unter andern leckerhaften Gattungen die wohlschmeckende Salmen / welche, wenn sie im Frühling aus der See, allwo sie klein und mager sind, heraufkommen, Lachse / hernach aber, wenn sie sich gegen den Herbst zu nach dem Meer wieder zuruckbegeben, erst Salmen genennet werden. So bald diese Fische in den Rheinstrom einlauffen, nehmen sie auch zu, und je höher sie steigen, je größer und zärter pflegen sie zu werden, so, daß ein Cöllnischer Lachs vor einem Dordrechtischen, und ein Maynzer vor einem Cöllnischen leicht zu erkennen, diesen allen aber ein Baßler vorzuziehen ist. Auch sind die Rheinstöre nicht unbekannt. Wie denn Marquart Freher schreibt, daß diese in der Pfalz nur auf die Fürstentafel gehörten. Zu Rom wurden diese Störe, welche man zu latein Acipenseres nennet, ehemals als eine sehr seltsame, dabey aber kostbare Speise, wie Athenäus und Macrobius bezeugen, nicht anders, als im Gepränge mit Pfeiffen und Kränzen auf die Kayserliche Tafel getragen. Sie werden sonderlich in Holland ohngefehr vom ersten April an, ein ganzes viertel Jahr hindurch, so häufig gefangen, daß man sie theils in Pückel schlägt und einsalzt, theils frisch an nahgelegene Nationen, insonderheit nach Engelland, verhandelt. Wenn der große Störfang aufhört, so geht es nochmals das ganze Jahr hindurch über die kleinen Störgen her, welche so schmackhaft sind, daß auch die Italiäner, wie ein gewisser Verfasser meldet, die Finger darnach lecken. Nebst diesen liefert der Rhein noch viele niedliche Fische auf der reichen Leute Tafel, worunter die namhaftesten zweyerley Arten Neunaugen sind, die man eingemacht in Deutschland Bricken und in Holland Muräl nennet. Die erste Art davon ist sehr groß und schön, die andere klein, nichts destoweniger aber von gutem Geschmack. Eigene Arten Rheinfische sind die stachelichten Hechte / die herrlichen Rheinkarpfen / deren einige mehrmalen wohl bey zwanzig Pfund schwer gefangen worden; ferner die gar großen, mittelmäßigen und kleinen köstlichen Barben oder Rothbärte, die starken und großen Aale, die Forellen / Schwalen, Weißfische, Bersing oder Persen / Nößling / Aalruppen, Schleyen / Grundeln, Kressen / Kroppen / Bißgurren oder Meergrundeln, Stinden / Zauen, u. d. gl. Aeschen oder Aschen hat der Rheinstrom sehr wenige, und zwar daher, weil diese Fische lieber in harten, frischen und felsigten Wassern gehen, so kalt sind und aus hohen Felsengebürgen herab fliessen. Dieweil auch dieser Fisch das ganze Jahr hindurch gesund und gut zu speisen ist; So soll daher das Sprüchwort von ihm entsprungen seyn: Der Aesch ist ein Rheingraf.“ Soweit der Antiquarius, der weiters von kommenden und gehenden Krebsen im Rhein berichtet, von Bibern und Fischottern, Schildkröten und sogar verirrten Wunderfischen aus weit entlegenen Meeren, auch Seehunde (die nicht etwa “Roggen oder Eyergen” legen, sondern anlande Welpen werfen, welche im Safte ihrer Jugend ein Achttagegeheul starten) und junge Meerschweine werden als Flußbewohner verzeichnet, bevor Dielhelm aufs rheinische Federwildbret kommt.

Rheinmägen

Weise Vorausschau ist oft Rückschau, z.B. in den Rheinischen Antiquarius von Dielhelm, der sich bei Google Books sogar nach einzelnen Suchbegriffen durchforsten läßt. Doch die Suche nach Burg Rolandseck bzw Rolandsbogen zeitigt kein Ergebnis. Vor der Romantik hatten romantische Burgruinen offenbar so etwas wie landschaftlich-kulturhistorischen Müllhaldenstatus und als solche, weit vor der Ära des Trash, noch keinen literarischen Mehrwert. Immerhin gibt es ein paar schwungvolle Passagen über die Gegend: „Von Linz rauschet der Rhein fort auf Rheinmägen, Rymagen oder Rimögen, einen Flecken so unter andern zu den jülichischen Landen gerechnet wird. Er liegt gleich unterhalb Zinzig auf einem Hügel am Rhein, und wie M. Freher in Orig. Palat. Part II. C. 8. p. 32. berichtet, soll Rheinmägen oder Regiomagum mit der Zeit auf verketzerte Art Regiomagium seyn genennet worden. Desgleichen sagt man, daß bey diesem Städtgen noch verschiedene alte römische Ueberbleibsel an Häusern, Steinen und Säulen mit unterschiedlichen Figuren gezieret hin und wieder zu sehen wären. Es werden auch von den Einwohnern noch allerhand guldene und eherne Münzen, so allda gefunden worden, ausgewiesen, wie erwähnter Freher berichtet. Das Kloster bey diesem Orte steht auf einem Felsen, und ist mit vier starken Thürnen versehen. Dieses Rheinmägen hält auch zwey Märkte, den ersten montags nach Oculi, und den zweyten auf St. Barbarä. Gleich unterhalb Rheinmägen am Rhein liegt der sogenante St. Apollinarisberg, auf welchem im Kloster das Haupt gedachten Heiligen verwahret wird, welches, der Catholiken Vorgeben nach, wider die fallende Seuche helfen soll. Nebst diesem wird auch der S. Chuno, so Bischof zu Regenspurg und Abt zu Siegeberg gewesen, darinnen verehret. Bey diesem Orte zwischen dem Gebürge heißt man es in der Arsbrücke, welches ein schlimmer und gefährlicher Paß ist. Von Rheinmägen begiebt sich der Rhein auf das ohnweit von dannen liegende churcölnische Städtgen Erpel, allwo zu oberst auf dem Berge das Hochgerichte zu sehen ist. So dann benätzet er das auf einer Insel gelegene Nonnenkloster Nonnenwerth, cisterzienser Ordens, und ohnweit diesem das churcölnische Städtgen Unkel, von dem weiter nichts merkwürdiges zu melden ist, als daß sich unterhalb demselben im Rhein ein Felsen zeigt, auf welchen oftermals ein in einer lustigen Gesellschaft munterer Reisender vornen aus dem Schif springt, ein Glaswein auf Gesundheit der Reisegefehrten darauf ausleeret, und sodann hinten ins Schif wieder hineinsteigt. Es wird dieser Felsen von der Stadt, weil er nahe dabeyliegt, gemeiniglich der Unkelstein benamet.“ Marquard Frehers Origines Palatinae allerdings sind leider nicht verfügbar.