Zechenstillegung am Niederrhein

Am Freitag wurde das letzte Steinkohlebergwerk am Niederrhein stillgelegt: die Verbundzeche West mit Standorten in der Umgebung von Kamp-Lintfort. Damit ist das viertletzte Steinkohlebergwerk Nordrhein-Westfalens dicht – und das letzte am Rhein. Der Abbau ist bereits gestoppt, in den kommenden Wochen wird noch das Gerät über Tage verfrachtet, um voraussichtlich ins Ausland weiterverkauft zu werden. Das entnehmen wir der Website von Kamp-Lintfort, später fanden wir u.a. noch einen Artikel im Kölner Stadt-Anzeiger.

Bevor wir auf diese Nachricht stießen, wußten wir nicht, daß am Rhein überhaupt noch Kohle abgebaut wurde. Um die Steinkohle ist es sehr still geworden, die Subventionszahlungen an den deutschen Bergbau, der wegen der hierzulande in 1000 Metern und tiefer unter der Erde gelegenen Kohleschichten, dem hohen technischen Standard unter Tage und den daraus resultierenden Kosten international nicht konkurrenzfähig sei, sollen nach und nach eingespart, das Energiemodell Kohle soll weiterhin abgelöst werden. Bis 2018, heißt es nun, werden auch die letzten Bergwerke (Bottrop, Marl, Ibbenbüren) schließen.

Daß uns diese Nachricht berührte und irritierte, ist nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, daß wir gerade, parallel zu unseren rheinischen Aktivitäten, über die Folgen der Zechenschließungen in Nord-Pas-de-Calais arbeiten und heute ein Zeitungsartikel aus der Bergbauregion Oberschlesien in der rheinsein-Zentrale eintraf, der in kohleverbundartigem internationalen Schulterschluß über diese Arbeit berichtet. Während wir also gerade über eine Region schreiben, in der die letzte Zeche vor 20 Jahren stillgelegt wurde, passiert diegleiche Geschichte heute (immer noch) am Rhein, und zwar ohne großes Aufsehen. Die Ministerpräsidentin hält eine Rede, die Bergleute werden je nach Alter in den Ruhestand geschickt oder auf die verbleibenden Zechen verschoben. Eine halbwegs elegante Lösung.

Was bleibt, sind gigantische Tunnelsysteme, die nach und nach einstürzen und manchmal auch Trichter zur Erdoberfläche aufwerfen. Es bleiben die Abraumhalden, von denen einige innerlich glimmen, und die zu neuartigen literarischen Techniken inspirieren. Was bleibt, sind auch die teilweise unglaublichen Geschichten der Bergleute, die wir jedoch vornehmlich an anderer Stelle zu plazieren gedenken.

Dat berühmte Nix

bratzlolle

Aus Marl erreichte uns zur aktuellen Loreleyserie eine Zuschrift mit angehängter “Volkskunst”. Wir präsentieren also Bratzenkarls Zeichnung samt Schlabberlyrik und hoffen auf weitere Leserzuschriften, um das klassisch romantische Loreleybild abzurunden bzw auf einen Stand zu hieven, der auch jüngeren und jüngsten Zeitläuften entspricht.