Schweiz ohne Schweiz

„Schweiz ohne Schweiz“ lautet der für manchen wohl leicht provokante, wir würden sagen: lustige Titel einer Kunstausstellung, die derzeit und noch bis zum 26. September 2010 im Schaffhauser Museum zu Allerheiligen läuft, und sich, wie der Beititel „Alpenlose Landschaften“ nahelegt, jener wenig bekannten Schweiz diesseits bzw jenseits der Alpen widmet, wie sie sich ua in unmittelbarer Rheinnähe zwischen Basel und Bodensee findet. Kuratiert hat die Ausstellung Markus Stegmann, bis vor Kurzem eine virtuelle Bekanntschaft aus gemeinsamen Zeiten im Forum der 13, der für den Ausstellungskatalog, welcher neben Abbildungen ausgewählter Exponate einige literarische, insbesondere lyrische Texte versammelt, auch bei Rheinsein fündig wurde: Rheinfallgedichte von Mörike und lafleur, eine freundliche Gegenüberstellung schwäbisch-euforischen Scheinbiedermeiers und badisch-bodenständigen Hochleistungstrashs, von genau den wuchtigen Wasserstürzen, deren Sinn und Kraft zur jeweils herrschenden Zeit die Gedichte in Worte zu fassen suchen, umbildert. Ansichten vom Rheinfall markieren denn auch den ersten und thematisch kompaktesten Schwerpunkt der Ausstellung, von klassischer Landschaftsmalerei bis hin zu Michael Lios spektakulärem, an ein Youtube-Still erinnernden Foto eines Känzeligumpers, der sich kopfüber in die schäumenden Wasser stürzt. Desweiteren zu sehen: entidyllisierte Idyllen, Agglomerationscharme, alleinerziehende Natur, himbeerfarbene Wälder, ein verwirrendes Servelatpicknick und ein ziemlich überraschender Otto Dix.