Von der Durstschlangen

Dise schlang hatt den nammen vom dursten bekommen / denn sie entzündt den menschen / so sie in sticht / dermassen daß er durste stirbt / daher sie auch brandschlang (…) genant / die hitzen nemmen dermassen überhand daß der kranck nach dem wasser sicht / nichts denn wasser fordert / un sich selb dara zutodt trinckt. Ettlich der alten scribenten zelen sie den becknatern zu / andere den apsiden. Es ist aber doch nit vil hieran gelegen. (…)
Dise durstschlang ist von leyb kleiner den die becknater / se gifft aber vil tödtlicher unnd vergiffter / unnd bringt den menschen gschwinder umbe läben. Sonst ist sie kurtz / ohngfähr einer spann lang (…) von farben weys mit gelben und schwartzen punckten besprengt / der schwantz ist zugespitzt mit zwen schwartzen strichen oder linien bezogen (…) der kopff ist nit breit anzusehen. Ja sie ist überal nit dick / sonder klein un ran / also daß man sie offt trit / und von ir umkomt eh man sie ersicht.
Dise vergiffte und grusame art ist darneben den menschen auch auffsetzig / unnd vebirgt sich neben der straussen eyer / wartende daß sie betruglich die leüt anfalle un erwürge. (…)
Dises giffte natur ist scharpff hitzig trucken undd einer dicken substantz / welche die inerliche glider deß leybs entzündt / verbrent / trocknet / zusamen ziecht / daß sie von der hitz glych wie daß leder vom fheür zusamen strupffen. Darauff dan ein hefftiger unersettigter durst volget. Desgleychen weyl das geäder zusame laufft / auch die pori (daß ist / die schweißlöcher) sich beschliessen / so mag er weder harnen noch schwitzen / und wirt im darzu das brechen schwer. Derhalbe schreyt der kranck / leydet so grosse hitz und durst als leg er im fheür / und muß zu letst dursts sterben unnd verbrünnen / oder aber trinckt so vil biß daß im der bauch (…) zerspringt. Den je mehr er trinckt und inn sich saufft je mehr der durst zunimpt. Und wenn er schon den gantzen Rhein oder die Donaw außsuffe / so möchte er doch den grausamen durst nit löschen und stillen / dieweyl die hitzen vom trincken gleych wies fheür vom öl nur gemehret angezündt unnd erhalten werden. Der Poet Lucanus erzelt die zeichen darbey man disen bisß erkennen soll / in diser history / da er sagt:

Aulus der jungling ohn geferdt
Ein dipsas schlang getretten hett /
Die bisß jn / doch hatt er kein acht
Der wunden / so kein schmertzen bracht /
Was geschicht: daß gifft bringt ungeheüwr
In gantzen leyb / brennt wie ein fheür /
Verzehreth jhm all feüchtigkeit /
So zu dem läben was bereit /
Die zung fieng an am rachen kleben
Von hitz / der schweiß bstünd auch darneben /
Kein aug sach man jm übergahn /
Der leyb was gar verdorret schon /
Er lieff im vald entzündt umbher /
Nach wasser stund all sein beger /
Kein gwalt kein ernst mocht nit darwider /
So gar verbrannt das gifft die glider /
Das wenn er schon in Rheyn gesenckt /
Hett er sich doch nit gnug getrenckt /
Er sucht im sand ein brunnen quell /
Kein wasser floß im gantzen vald.
Zletst tranck er auß dem gsalznen meer /
Dardurch der durst zunam vil mehr /
Wußt nit das von der schlangen har
Sein läben stund in diser gfahr /
Er meint es kem vom durst allein
Das er müßt leyden dise peyn /
Darumb thet er ein ader auff /
Und sog sein eigen blut darauß.

(aus Conrad Gesner, Conrad Forer, Christoph Froschauer: Fischbuch / Das ist ein kurtze / doch vollkommne beschreybung aller Fischen so in dem Meer und süssen wasseren / Seen, Flüssen, oder anderen Bächen jr wonung habend, sampt jrer waaren conterfactur: zu nutz und gutem allen Artzeten / Maleren / Weydleüten und Köchen gestelt: insondere aber denen so ein lust habend zu erfaren und betrachten Gottes wunderbare werck in seinen geschöpfften. Zürich 1563)

Montaigne über Caesars Rhein

“Parlant à eux, il les appelloit du nom du compaignons que nous usons encore : ce qu’Auguste son successeur reforma, estimant qu’il avoit fait pour la necessité de ses affaires et pour flatter le coeur de ceux qui ne le suyvoient que volontairement,
 
// Rheni mihi Caesar in undis
Dux erat, hic socius : facinus quos inquinat aequat;*
 [...]
 
Là où il parle de son passage de la rivière du Rhin vers l’Allemaigne, [César, La guerre des Gaules, Livre IV, Chap. XVI - XVIII] il dit qu’estimant indigne de l’honneur du peuple Romain qu’il passast son armée à navires, il fit dresser un pont afin qu’il passat à pied ferme. Ce fut là qu’il bâtist ce pont admirable de quoy il dechiffre particulierement la fabrique : car il ne s’arreste si volontiers en nul endroit de ses faits, qu’à nous representer la subtilité de ses inventions en telle sorte d’ouvrages de main.”
 
*Sur les ondes du Rhin, César était pour moi un chef; ici, c’est un complice : le forfait rend égaux ceux qu’il souille. Lucain, Pharsale, V, 289.
 
(aus: Montaigne, Les Essais, Livre II, Chap. XXXIV : Observations sur les moyens de faire la guerre de Julius Caesar; hervorgetrüffelt und übermittelt von Roland Bergère.)