Presserückschau (Mai 2014)

Von Gefahr für den Äschenlaich, rheinischem Whisky, einer verdächtigen Ansammlung unter der Severinsbrücke, einem Welsmensch bzw Menschwels, den Hochwasserexperten vom Mekong, und der geplanten Ansiedlung von Wasserbüffeln erzählte der diesjährige Wonnemat am Rhein:

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Höherstau, Protest und Äschen: “Aus Sorge um den Rhein demonstrierten (…) rund 100 Weidlingfahrer am Ufer bei der Schaarenwiese bei Schlatt. Anlass für die Demonstration ist die Abstimmung vom 18. Mai im Kanton Schaffhausen. Die Revision des Wasserwirtschaftsgesetzes soll das Höherstauverbot des Rheins aufheben. Das soll dem Schaffhauser Kraftwerk den Weg ebnen, das Wasser höher zu stauen – und mehr Strom zu produzieren. Geplant ist ausserdem ein Kraftwerk am Rheinfall. Die Gegner der Höherstauung fürchten um die einzigartige Rheinlandschaft. Die “Aktion Rhy”, die 1973 eine Autobahn über den Rhein beim Schaaren verhindert hatte, ist wieder zum Leben erweckt. Die damaligen (…) zeigten gestern, welche Auswirkungen ein Höherstau von 40 Zentimetern hätte. Unter anderem würde das Naturschutzgebiet Schaaren stark beeinträchtigt. Und im Naturschutzgebiet Petri beim Klostergut Paradies würden bei einem Höherstau die Laichplätze der Äschen zerstört. Gerade auf dem Flussabschnitt zwischen Stein am Rhein und Schaffhausen lebe eine der grössten Äschenpopulationen des gesamten Rheins.” (Tagblatt)

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Während die mittelrheinischen Winzer sich mit amerikanischen Weinproduzenten herumschlagen, die Bezeichnungen wie “Rhine” und “Moselle” auf ihre Etiketten drucken, ist schottischen Whiskyproduzenten eine rheinische Produktion Dorn im Auge: “Wie bereits im vergangenen Jahr in Deutschland klagt die Scotch Whisky Association nun auch gegen Ostschweizer Whisky-Produzenten. Beim Whisky der Mosterei Kobelt in Marbach geht den Schotten die Bezeichnung “Glen” gegen den Strich.” “Glen” sei als indirekte geographische Herkunftsangabe für in Schottland hergestellten Whisky aufzufassen: “Das von der Mosterei Kobelt & Co. unter der Bezeichnung vertriebene Produkt stammt nicht aus Schottland”, wie die Thurgauer Zeitung berichtet.

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Verdächtiges Verhalten am Kölner Rheinufer meldet das Boulevardblatt Express unter dem Titel “Rätsel um Regenschirm-Truppe” und klärt selber auf: “Bei schönstem Wetter steht eine kleine Menschengruppe unter der Severinsbrücke auf der Schäl Sick und alle haben Regenschirme aufgespannt – als wollten sie sich vor neugierigen Blicken schützen. Und das nicht nur mal vorübergehend. Angeblich rühren sie sich seit dem vergangenen Freitag nicht vom Fleck (…). Auch eine Polizeistreife interessierte sich für das Grüppchen und sah sich das Ganze mal aus der Nähe an. Und siehe da: Die Menschen sind gar nicht echt. Es handelt sich um lebensgroße Figuren – offenbar aus einer Art Gummi oder Schaumstoff.”

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Von ähnlich hintergründigem Kaliber erweist sich eine weitere Express-Meldung. Ein Schwimmer in Not habe am Niehler Ufer in Köln eine großangelegte Rettungsaktion mit Helikopter und Suchbooten ausgelöst. Die alarmierten Rettungskräfte von DLRG, Wasserschutzpolizei und Feuerwehr hätten jedoch keinen Schwimmer ausmachen können und stattdessen den Kadaver eines großen Welses entdeckt, der den Einsatz ausgelöst haben dürfte.

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“Zum ersten Mal trafen Gewässerkundler aus dem Rheineinzugsgebiet auf Fachleute aus den Anliegerstaaten des Mekong. Obwohl beide Einzugsgebiete ca. 9000 km von einander entfernt liegen, gibt es doch große Gemeinsamkeiten bei den Aufgaben aber auch bei den Problemstellungen. (…) Die Präsidenten der Mekong River Commission (MRC), der Internationalen Kommission für die Hydrologie des Rheins (KHR) und der Internationalen Kommission zum Schutze des Rheins (IKSR) sowie Regierungsvertreter und Experten trafen sich (…) in Koblenz zum ersten Rhein-Mekong-Symposium. (…) Das Symposium bestätigte, dass der Klimawandel sowohl am Rhein als auch am Mekong bereits Einfluss auf das hydrologische Regime sowie das Leben und die Wirtschaft an beiden Flüssen genommen hat. In beiden Einzugsgebieten ist ein Anstieg der Temperaturen zu beobachten sowie veränderte Niederschläge. Dies bedeutet erhöhte Niederschläge in der feuchten Jahreszeit, geringere Niederschläge in der trockenen Jahreszeit. Naturkatastrophen, vor allem Hochwasser und Dürren, treten ebenfalls in beiden Regionen auf. Allerdings sind die Risiken in Europa eher ökonomischer Natur, während in Süd-Ost-Asien unmittelbar die Existenzgrundlage der Bevölkerung gefährdet ist”, vermeldet das Netzportal Juraforum. Zum Austausch zwischen Rhein und Mekong paßt auch folgende Meldung:

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“Ein Aussichtsturm als neue Landmarke im Rheinbogen, Wasserbüffel, die in Nähe des Rheinufers weiden, ein ausrangierter Schlepper ankert als Restaurantschiff an der neuen Anlegestelle, der Berliner Ring als grüne Brücke zwischen Rhein und Siedlung. Das sind einige der Ideen aus dem Entwicklungskonzept, mit dessen Hilfe das Rheinvorland zwischen Haus Bürgel im Norden bis zu Gut Blee im Süden aufgewertet werden soll. Dahinter steht das strategische Ziel der Stadt Monheim, ihre Lage direkt am Rhein mehr in den Vordergrund zu rücken.” (Rheinische Post) Ob mit der Kultivierung von Wasserbüffeln am (und somit womöglich auch im) Rhein die Produktion eines speziellen Monheimer Mozzarellas einhergehen soll, verschweigt der Artikel.

Die Süddeutsche über Literaturblogs

Florian Kessler schreibt in der Süddeutschen Zeitung von heute in einem recht launigen Artikel über Autorenwebsites und Literaturblogs. Besondere Erwähnung findet darin litblogs.net, ein loser Verbund diverser deutschsprachiger literarischer Blogs, dem auch rheinsein assoziiert und verbunden ist. Wir geben den Artikel hier in Ausschnitten wieder:

“(…) Die karge Landschaft deutscher Autorenhomepages bietet so ein geradezu spektakulär trostloses Panorama unversuchter Möglichkeiten. Obwohl sich vermutlich die meisten ihrer Besitzer als Schreibtischtäter viele Stunden täglich durch ihren Literaturbetrieb hindurch klicken, hat in den vergangenen Jahren geradewegs eine Regression hin zum schnöden reinen Arbeits-Portfolio stattgefunden. Begraben worden ist so nicht bloß die Hoffnung, im und durch das Netz anders schreiben zu können, sondern ebenso jeder Anflug, Autorschaft in einem alles prägenden, aufmerksamkeitszentrierten Massenmedium anders und neu zu denken.
Wo bleibt denn etwa das deutschsprachige Literaturprojekt, bei dem falsche Foren-Freunde, Phantom-Webseiten und echte Romane erfundener Autoren den Leser so in den Irrealis führen, wie das im vergangenen Jahr der “My Darklyng”-Vampirroman des amerikanischen Slate-Magazins versuchte, der sich live auf Facebook vollzog? (…)
Es muss Gründe dafür geben, warum die deutschsprachigen Autoren ihre Autorenseiten vor allem anderen dazu benutzen, möglichst stumpfe und eindeutige Images ihrer selbst zu entwerfen, verkörpert in den lediglich graduellen Abweichungen der Gestaltungen und der Wahl der Bildmotive. (…)
Ein Autor, der seine Webseite danach ausrichtet, ein möglichst nachvollziehbares Image von sich zu entwerfen, bibliographische Information zu gewährleisten und außerdem auf die nächste Lesung in der Stadtbibliothek hinzuweisen, vertritt diesen Betrieb in seiner derzeitigen Spätphase. Literaturarchiv Marbach, übernehmen Sie! Die Trostlosigkeit dieser Webseitenwüste bietet ein Sittenbild zwischen alter Bundesrepublik und digitaler Zukunft, das unbedingt abgespeichert gehört.
Womit wir bei den Ausnahmen wären (…). Die gut zwei Dutzend avantgardistischen, sperrigen, oft einfach grandios verstiegenen literarischen Blogs nämlich, die Christiane Zintzen und Hartmut Abendschein unter litblogs.net kuratieren, werden schon lange komplett vom Literaturarchiv Marbach gesammelt. Sie werden aber gerade umgekehrt archiviert, weil sie die allgemeine Aufmerksamkeit vollkommen unterschneiden, mit keinem Bein im herkömmlichen Print- und Förderlager stehen. (…)”

Auf rheinsein, auch auf andere bei litblogs.net versammelte Blogs, trifft der letzte Satz im Übrigen genau (bis teilweise auch ungenau) nicht zu. Es gibt (unseres Wissens) keine klare Sammelansage Marbachs und es gibt bei den meisten Kollegen sicherlich keine Abneigung gegenüber dem Print, sondern vielmehr durchaus Print- und sonstige herkömmliche Erzeugnisse derselben. Selbst Fördergelder bezieht der ein oder die andere gelegentlich. Daß sich die “allgemeine Aufmerksamkeit” seltenst auf literarische Werke richtet, ist wohl kaum mehr als ein Gemeinplatz, der sich natürlich mit Leichtigkeit unterschneiden läßt. Und in unserem Falle zieht die Webpräsenz, ob das nun erstrebenswert ist oder nicht, sicherlich (noch) deutlich mehr Leser an als unsere Printprodukte. Den gesamten Artikel gibts heute bei der SZ Online in der Rubrik Kultur.

Randnotiz (4)

Rheinsein wird nun auch vom Deutschen Literaturarchiv Marbach archiviert.

Rheinsein als Kartonbuch (2)

rheinsein_kleinDergestalt also sehen die ersten Kartoncover in etwa aus. Dieses Exemplar ist nicht mehr zu haben, es geht nach Marbach. (Foto: Timo Berger)