Presserückschau (März 2017)

1
Methadon-UFO
“In der Rheinüberwachungsstation (RÜS), die auf der deutschen Seite unterhalb der Palmrainbrücke in Weil liegt, werden (…) Wasserproben dem Rhein entnommen. Die Analytik erfolgt im Labor des Amts für Umwelt und Energie Basel-Stadt (AUE BS). Dort hat man einen Katalog von 670 Stoffen, von denen man weiss, dass sie in Industrie, Haushalt und Landwirtschaft flussaufwärts zum Einsatz kommen. Nach 380 dieser Substanzen fahndet man täglich. Überschreiten sie einen Grenzwert, wird Alarm ausgelöst. Die Konzentration der 290 weiteren Verbindungen wird in anderen Zeitabständen überprüft. (…) Parallel zu dieser Überwachung bekannter Substanzen schaut man mittels eines sogenannten Screenings, was sonst noch im Wasser vorkommt. Mit der Kombination verschiedener Messmethoden (…) bekommt man wie bei einem Radar auf dem Bildschirm gewisse Signale. Bei einigen weiss man aus Erfahrung, um was es geht. Andere sind buchstäblich «Unbekannte Flugobjekte». Ein solches chemisches UFO war (…) Methadon, das man im Rhein nicht erwartete.” (BZ)

2
Rhein im Mittelmeer
“Nach monatelangen Vorbereitungen hat der Tender “Rhein” (…) seinen Heimathafen Kiel verlassen, um sich im Mittelmeer am internationalen Kampf gegen Schleusernetzwerke zu beteiligen. Die “Rhein” steuert zunächst den Hafen von Augusta in Italien an. Sie wird dort den Tender “Main” aus Eckernförde ablösen, der sich seit Oktober an der EU-Operation “Sophia” beteiligt. Laut Marine wechselt in Augusta ein Teil der Besatzung des Tenders “Main” auf die “Rhein”. An Bord werden dann insgesamt mehr als 100 Frauen und Männer sein, darunter Militärpolizei, Ärzte und Sanitätspersonal.” (NDR)

3
Goldfische
“Walter Hirschmann (…) ärgert sich (…): «Manche setzen ­ihre Goldfische im Rhein aus, wohl, bevor sie in die Ferien fahren wollen und niemanden für die Fütterung finden» (…). Er habe selber Goldfische im Unterland, am Übergang der Glatt zum Rhein, gesehen. «Sie fallen einem wegen ihrer roten Farbe sofort auf», sagt Hirschmann. Vom Verzehr rät er aber ab: Sie seien zwar nicht giftig, jedoch schmeckten sie bitter. (…) Das kantonale Amt für Landschaft und Natur (…) be­stätigt, dass Aquariumfische im Rhein zu beobachten sind: (…) Es gebe vereinzelt Goldfische und Koikarpfen, Blaubandbärblinge und amerikanische Sonnenbarsche. Bei den genannten Fischen vermutet der Kanton, dass sie im Rhein «entsorgt» oder aus falscher Tierliebe ausgesetzt werden. «Möglicherweise stammen auch die zahlreichen Kamberkrebse im Rhein ursprünglich aus Aquarien» (…). Zahlen zu diesen ausgesetzten Aquariumfischen erfasst der Kanton nicht.” (Der Landbote)

4
Nicht immer grün
“»Der Rhein und Meißenheim« – dieses »Paar« stand beim zweiten Abend mit Geschichten am Stammtisch im »Eventhaus Sonne« im Mittelpunkt. (…) Es gibt vor und es gibt nach Tulla. Johann Gottfried von Tulla (1770 bis 1828) ist bekannt für seine Rhein-Regulierung. Davor waren sich Fluss und Mensch nicht immer grün. Der wilde Strom mit seinen immer neuen Armen trat oft über seine Ufer. Der Arm, der nach einem Hochwasser ein tieferes Bett geschaufelt hatte, war der Talweg, der die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich bildete – außer wenn das Elsass gerade Deutsch war. Staatsgrenze und Gemarkungsgrenze waren nicht identisch. Meißenheim hatte – wie alle Gemeinden am Rhein – auch Land jenseits des Flusses. Das schlimmste Hochwasser gab es (…) 1876. Bei Wittenweier brach ein Damm. Die Massen flossen übers Land. 1480 war auch gewaltig. 40 Kilometer um Straßburg stand alles unter Wasser. Nach Tulla wurde einiges anders. (…) Die ersten Dampfschiffe tauchten auf dem Rhein auf. Bis dahin undenkbar, musste doch vor der Regulierung manche Schiffe vom Ried bis nach Straßburg von Menschen gezogen werden. Erst danach konnten Pferde eingesetzt werden.” (Baden Online)

5
Mary Roos
“Die Schlagersängerin ist Patin und Namensgeberin für eine neue Event-Autofähre in Bingen. Diese kann man buchen und Partys auf ihr feiern, zum Beispiel eine Schlagerparty.” (ARD)

“Während im Rheingau und im Mittelrheintal wieder über den Bau von Rheinbrücken bei Rüdesheim und nördlich von St. Goar diskutiert und gestritten wird, setzt die Bingen-Rüdesheimer Fähr- und Schifffahrtsgesellschaft ein Zeichen. Mit der „Mary Roos“ hat das traditionsreiche Binger Unternehmen die modernste Autofähre am Rhein in Dienst gestellt. (…) Die Besonderheit ist ihre Zulassung als Fahrgastschiff. Die „Mary Roos“ kann nicht nur quer über, sondern auch längs auf dem Rhein. Dafür ist sie wie ein Ausflugsschiff ausgerüstet und ausgestattet und erfüllt die Auflagen wie beispielsweise Schwimmwesten für bis zu 600 Passagiere.” (FAZ)

6
Atmosferischer Techno
“The ninth release on the DSR-C series comes from Rhine. A new name with his roots in atmospheric techno steps up for his first solo EP. ‘De Storm’ opens the account with a loose collage of textured drums and scuffed-up synths. It makes for a bubbly groove that journeys far off into the night while ‘De Bron’ is more rooted underground, with cavernous echo chambers run through by supple bass synths and icy hi hat trails. Spooky and haunting, its a track to send shivers down your spine. Last of all, ‘Het Meer’ is a watery affair, with aqueous drips and drops, radiant pads and then more tightly coiled drums brushing up against one another to make for something atmospheric but also nicely driven. All three tracks are characterised by a rather tender and reflective mood that makes them all the more unique.” (deejay.de)

7
Distanz und Interesse
“Die Engländer schwanken in ihrem Verhältnis zum Kontinent seit je zwischen Distanz und Interesse. Der romantische Rhein zum Beispiel ist eine touristische Entdeckung reiselustiger Briten. Zu ihren Protagonisten gehört auch der Offizier und Zeichner Robert Batty, von dem ein opulentes Exemplar des ersten mit Stahlstichen illustrierten Rheinbuches Scenery of the Rhine (1826) in der Frühjahrsauktion von Venator & Hanstein aufgerufen wird. Das in vier große Foliobände gebundene Werk beinhaltet Stiche mit Abzügen auf Chinapapier vor der Schrift und die Originalzeichnungen zu 60 Stahlstichen. Die Taxe liegt bei 30.000 Euro. Bewunderer des Rheins gab es auch andernorts. In Wien erschienen 1798 Fünfzig malerische Ansichten des Rhein-Stromes von Speyer bis Düsseldorf von dem Landschafts­malers Laurenz Janscha. Das Spitzenlos der Auktion sollte den Interessenten mindestens 50.000 Euro wert sein.” (Weltkunst)

8
Grundelgruppe
“Seit einigen Jahren verbreiteten sich im Rhein bei Basel invasive Fischarten aus dem Schwarzmeerraum, schreibt der Bundesrat (…). Wahrscheinlich seien die Grundeln als Larven mit grossen Transportschiffen eingeschleppt worden. Die Schwarzmeergrundeln sind eine Konkurrenz für die einheimischen Arten. Besonders betroffen ist die Groppe. Aber auch Alet, Barben und Salmoniden seien bedroht (…). Die Fischfauna habe sich bereits stark verändert. Fünf Arten von Schwarzmeergrundeln werden nun auf die Liste der invasiven gebietsfremden Arten gesetzt. Die Haltung dieser Grundeln in Teichanlagen oder Aquarien wird damit bewilligungspflichtig, und ihre aktive Verbreitung ist verboten. (…) An der Universität Basel (MGU) gibt es eine Grundelgruppe, die sich mit den Bioinvasoren im Rhein beschäftigt.” (Basler Zeitung)

9
Neubürger
“Ihr Name geht darauf zurück, dass sie ihre Vorderpfoten wie beim Händewaschen bewegen, wenn sie etwas Essbares gefunden haben und sich daran machen, es zu verzehren. Waschbären suchen oft an Bachläufen nach Futter. Die Tiere sind possierlich anzuschauen. Doch ihr Aussehen täuscht darüber hinweg, dass mit ihnen nicht unbedingt gut Kirschen essen ist, denn sie sind Raubtiere. Der kluge und anpassungsfähige deutsche Neubürger ist auch im Rhein-Sieg-Kreis auf dem Vormarsch. (…) In der Jagdsaison 2010/2011 wurde ein Waschbär erlegt, fünf Jahre später 2015/2016 waren es schon 15. (…) Darum hat sich der BUND im Rahmen der Landesjagdgesetznovelle dafür ausgesprochen, den Waschbären von der Liste der jagdbaren Arten zu nehmen. Bisher sei es ohnehin nicht gelungen, die Kleinbären durch die Jagd zu dezimieren. Laut Naturschutzbund Deutschland (NABU) liegt das daran, dass sich die Tiere, je stärker sie bejagt werden, umso stärker vermehren.” (Kölnische Rundschau)

10
Kalkschlammabdeckung
“Rund 2500 Kubikmeter Kalkschlamm, den der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF in den 1950er-Jahren im Rhein nördlich von Frankenthal entsorgt hat, werden gut sechs Jahrzehnte später mit einem Deckel aus Spezialkunststoff abgedeckt. (…) Der auf einer Fläche von 2900 Quadratmetern verteilte Produktionsabfall ist (…) für Fische giftig und kann, wenn Menschen oder Tiere mit ihm in Berührung kommen, ätzend wirken. Dass die BASF sich jetzt zu dem aufwendigen Sanierungsverfahren entschlossen hat, hängt mit dem inzwischen häufigen Niedrigwasser im Rhein zusammen.” (Rheinpfalz)

11
Der Rhein als Person
“Wird nach den Flüssen Ganges und Yamuna in Indien bald auch der Rhein rechtlich zu einer Person ernannt? Wenn es nach der Deutschen Umwelthilfe geht: Ja. Sie schlägt vor, den Rhein in einer symbolischen Aktion als Lebewesen einzustufen und ihn so vor Verschmutzung zu schützen. (…) Die beiden heiligen Flüsse der Hindus in Indien genießen künftig die gleichen Rechte wie natürliche Personen. Das heißt: Wer ihnen Schaden zufügt, wird juristisch so belangt, als hätte er einem Menschen geschadet. Umweltschützer in Indien zweifeln aber, ob das Urteil dem Schutz der extrem verschmutzten Flüsse helfen wird. Das neuseeländische Parlament hatte vor kurzem den Fluss Whanganui zur Rechtsperson erklärt, damit die „Interessen“ des 290 Kilometer langen Wasserlaufs vor Gerichten eingeklagt werden könnten.” (Augsburger Allgemeine)

12
Rheintote
“Die Polizei ist (…) zu einem Einsatz nach Unkel ausgerückt. Am Rheinufer war dort (…) eine Wasserleiche entdeckt worden. Die Polizei musste sie aus dem Fluss bergen. Wie die Beamten in Koblenz mitteilten, handelt es sich um eine weibliche Person. Nähere Einzelheiten sind noch nicht bekannt. So gebe es nach Angaben der Polizei derzeit keine Hinweise auf die Identität der Frau. Auch sei noch unklar, wie lange der Körper dort schon gelegen habe, bevor er gefunden wurde.” (General-Anzeiger)

“In Niederkassel haben Spaziergänger (…) eine Leiche im Rhein entdeckt. Die Feuerwehr barg den Leichnam im seichten Wasser am Ufer und brachte ihn an Land. Bisher ist nur bekannt, dass es sich bei der Leiche um einen Mann handelt.” (WDR)

“Bei Schaan trieb (…) eine leblose Frau im Rhein. Zuerst war nicht klar, ob die Person noch lebt oder nicht. Kurze Zeit später liess die Liechtensteinische Polizei wissen: «Die Person konnte nur noch tot geborgen werden.» Der leblose Körper sei bei einer Fussgängerbrücke auf der Höhe des Ortes Schaan entdeckt worden. Wie die Landespolizei am Abend mitteilte, handelt sich um eine noch unbekannte Frau. Das Fürstliche Landgericht hat eine Obduktion angeordnet. Noch ist völlig unklar, ob es sich um einen Unfall, ein Verbrechen oder einen Suizid handelt.” (Vaterland)

“Drei Wochen nach seinem Sturz von einer Brücke in den Rhein ist ein 32-jähriger Mann tot aus dem Fluss geborgen worden. Die Leiche des Mannes wurde (…) bei Mannheim von zwei Jetski-Fahrern entdeckt (…). Die Wasserschutzpolizei brachte den Toten an Land. Es handele sich um den aus Mannheim stammenden Mann, der Anfang März bei Ludwigshafen von einer Brücke in den Rhein gestürzt war. Er wurde seither vermisst, auch umfangreiche Suchaktionen waren ergebnislos geblieben. Die Polizei geht von einem Unglück aus. Hinweise auf ein Verbrechen oder die Beteiligung anderer Personen gebe es nicht.” (Stuttgarter Nachrichten)

Presserückschau (November 2016)

1
30 Jahre Sandoz-Katastrofe
“In der Nacht auf den 1. November 1986, kurz nach Mitternacht, ereignete sich die schlimmste Katastrophe in der Geschichte der Basler Pharmaindustrie: In der Lagerhalle 956 des Chemiekonzerns Sandoz (heute Novartis) brach ein riesiges Feuer aus.
Am Morgen heulten die Katastrophensirenen in Basel zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Menschen durften ihre Häuser nicht verlassen und wurden mit Polizeidurchsagen aufgefordert, ihre Fenster zu schliessen und Radio zu hören. Über 1300 Tonnen hochgiftige Chemikalien verbrannten in jener Nacht. Die Flammen und der orangegefärbte Himmel waren in der ganzen Region sichtbar. (…) Um 5 Uhr am Morgen hatten die Feuerwehrleute den Brand im Griff. (…) Das Löschwasser wurde vom Brandort mitsamt 20 Tonnen Chemikalien direkt in den Rhein geschwemmt. Der Fluss verfärbte sich rot, es kam zum grossen Fischsterben. Bis zur Nordsee war das Wasser vergiftet. Die gesamte Aalpopulation auf einer Länge von 400 Kilometern wurde ausgelöscht. (…) Das frische Wasser aus den Alpen spülte den Strom durch und die meisten Organismen konnten sich innerhalb einiger Monate erholen. (…) Doch der Dreck ist immer noch da. Nach 30 Jahren sind immer noch Spuren des Pestizides Oxadixyl im Boden messbar. (…) 2017 soll entschieden werden, ob die Messungen weitergeführt oder abgeschlossen werden, oder ob zusätzliche Massnahmen zur Bodensanierung vorgenommen werden müssen.” (Blick)

“Sandoz war ein Unglück, in gewisser Hinsicht aber auch ein Glücksfall. Das Bewusstsein für Umweltschutz stieg, Industrie und Politik wurden wachgerüttelt. Ich habe 1971 angefangen zu fischen. Damals roch man den Rhein, bevor man ihn sah. Als ich meinen ersten Fisch nach Hause brachte, sagte meine Mutter: Den essen wir nicht. Die Situation hat sich gebessert. Sandoz war aber ein gewaltiger Einschnitt. Die Äsche, die ganz empfindlich ist, war zum Beispiel schlagartig weg – der Bestand hat sich nie erholt. (…) Sandoz hat die Fischer hart getroffen. Es ging zwei Jahre, bis man wieder fischen konnte.” (Hans-Dieter Geugelin im Interview mit der Badischen Zeitung)

2
Eierstöcke
“Das größte Problem des Rheins sind mittlerweile die diffusen Schadstoffeinträge. Fast alle Pflanzenschutzmittel und gut die Hälfte der Schwermetalle, die im Fluss nachgewiesen werden können stammen aus diffuse Quellen. (…) Es machen sich mehr und mehr Hormone, Antibiotika, Schmerzmittel oder übermäßiges Blutfett, im Oberflächenwasser breit. Ein Teil dieser Wirkstoffe scheidet der Körper unverändert aus und es gelangt so ins Abwasser und in die Flüsse. Obendrein werfen viele Menschen überzählige Pillen in das Abwasser. Prof. Dr. Frank Sirocko vom Institut für Geowissenschaften der Universität Mainz verweißt auf männliche Fische in Flüsse, denen Eierstöcke wachsen. Menschen scheinen noch nicht darunter zu leiden, denn im Trinkwasser sind die Dosierungen bislang zu gering für einen nachweisbaren Effekt.” (report-K)

3
Berliner Mauer
“Wegen des Hochwasserrückhalteraum Bellenkopf/Rappenwört, das voraussichtlich 186 Millionen Euro kosten wird, streitet man derweil schon seit Monaten teilweise leidenschaftlich über die Knackpunkte: In Karlsruhe treibt Bürger vor allem das Vorhaben um, das an den Rhein grenzende Rheinstrandbad bei Daxlanden – ein beliebtes Erlebnisbad mit Rutsche – mit einer vier Meter hohen stählernen Spundwand zu „ummanteln“. Eine solche Wand ist auch für das angrenzende, in den 1930-er Jahren im Bauhausstil gebaute Naturschutzzentrum Rappenwört geplant. Erst im Sommer nannte Robert Mürb, der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Oberrheinischer Waldfreunde, das Vorhaben eine neue Berliner Mauer.” (Stuttgarter Nachrichten)

4
Frankfurt am Rhein
“Kalkutta liegt am Ganges, Paris liegt an der Seine, und irgendwo am Vater Rhein liegt plötzlich Frankfurt/Main.“ So muss man den ollen Schlager von Vico Torriani selig wohl künftig singen. Und in der Commerzbank-Arena, pardon: Natürlich im Waldstadion schallt es künftig von den Rängen: „Eintracht vom Rhein, nur du sollst heute siegen…“ (…) Heutzutage befragt doch jedes Kind und jeder Weltreisende Google zum Beispiel danach, welcher Fluss da gerade an einem vorbeimäandert, während man am Ufer die Seele baumeln lässt, den Kölner Dom im Rücken. Wie also kommt der Rhein hier in den Main? Ganz einfach: Weil ein Online-Reisevermittler offensichtlich einen kleinen Vogel hat. „TravelBird“ heißt das niederländische Unternehmen. Und weil das Internet nun mal ein Dorf ist und Sydney von Santiago de Chile nur ein Klick entfernt, haben sich die Reisevögel aus Amsterdam halt mal im Fluss vertan. Ist nicht so schlimm.” (Frankfurter Neue Presse)

5
Nippeser Volksgarten
“Dass zwischen Nippeser Tälchen und Schillstraße einst ein Weiher lag, ist heute fast in Vergessenheit geraten. Dieser war aus einer ehemaligen Rheinrinne entstanden, maß etwa 300 Meter in der Länge und 20 Meter in der Breite und wurde vom Grundwasser gespeist. Belegt ist der Teich, der mal größer, mal kleiner war, seit dem 13. Jahrhundert, vermutlich gab es ihn aber schon zur Römerzeit. Lange wurde der Weiher nur als Fischteich genutzt, mitunter brachen im Winter Brauereien Eis aus dem vereisten Gewässer heraus, um ihr Bier zu kühlen.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

6
Bürgerliche Kampfschrift
“Die Deichwächter haben ein Buch zur Düsseldorfer Rheinlandschaft herausgebracht. Es dokumentiert deren Schönheit, widmet sich aber vor allem ihrer ständigen Bedrohung – durch ehrgeizige Planer und die Politik. (…) Und so führt das Buch auch durch eine selbst den meisten Düsseldorfern unbekannte Landschaft, die aus Löwenzahn, Storchenschnabel, aus dem Frühlingshungerblümchen dem Wiesenfuchsschwanz und dem Knaulgras besteht. Eine Miniatur-Welt, die das Biotop Rheinwiese bildet, die Grüne Lunge der Stadt Düsseldorf. Der Leser erfährt aber auch, wie die Menschen sich dem Fluss genähert haben und weiter nähern. Die Autoren beschreiben lohnende Ausflugsziele, architektonische Höhepunkte und widmen den Düsseldorfer Brücken ein Kapitel. Sie dokumentieren den Bau der Rheinuferpromenade und des Medienhafens und würdigen noch einmal den Schäfer Gerhard Siegfried, der jahrelang mit seiner Herde von Heerdt nach Lörick zog und 2015 verstarb.” (Rheinische Post)

7
Leistungsfähigerer Rheinkorridor
“„Der Rhein – die europäische Wasserstraße“ war das Leitmotiv der dritten Rheinanliegerkonferenz, auf der Politiker und Experten aus der Hafen- und Logistikbranche in den Düsseldorfer Rheinterrassen über Zukunft des Rheinkorridors für die Transport- und Logistikketten diskutierten. (…) Die Verkehrsminister der Rheinanliegerländer forderten zum verstärkten Ausbau des Rheins als Europas bedeutendste Verkehrs- und Wirtschaftsachse, dass die Infrastrukturprojekte des aktuellen Bundesverkehrswegeplans zügig umgesetzt werden müssten. So seien zur Steigerung der Transportkapazitäten auf dem Rhein vor allem bei Niedrigwasser die Beseitigung von Hindernissen und Untiefen in der Fahrrinne schnellstmöglich anzugehen. Dazu müsse das Planungspersonal der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) projektorientiert, das heißt räumlich und zeitlich konzentriert, eingesetzt werden.” (Bundesverkehrsportal)

8
Nilgans
“Die Nilgans, deren ursprüngliche Heimat die afrikanische Fluss- und Binnenseenlandschaft ist, breitet sich in den letzten Jahren immer stärker in Europa aus. Sie gilt als sehr erfolgreiches Neozoen, welches zunehmend heimische Arten aus deren Lebensraum verdrängt. Über die Niederlande und Belgien, wo die Nilgans in Parks und Vogelgehegen gehalten wird, hat sich die Nilgans ausgewildert und verbreitet sich nun sprunghaft, vor allem entlang der Flusslandschaft des Rheins (Südkurier)

9
Seidenstraße
“Die Neue Seidenstraße endet in Duisburg – und somit in unmittelbarer Nachbarschaft des Rhein-Kreises. Gemeint ist die Schienenverbindung, auf denen Güterzüge mehrmals pro Woche Waren von China nach Europa bringen – und umgekehrt. Die Transportzeit gegenüber dem Schiff wird halbiert, die Preise für Luftfracht deutlich unterboten. Die Neue Seidenstraße ist ein Lieblingsprojekt der chinesischen Regierung, insbesondere von Staatspräsident Xi Jinping, der 2014 eigens nach Duisburg reiste, um den ersten chinesischen Handelszug am Rhein zu begrüßen.” (Rheinische Post)

10
Wilde Schafsjagd
“Eine Herde von 30 Schafen hat (…) von der französischen Seite aus den Rhein in der Nähe des Altenheimer Hafens schwimmend überquert und damit einen Feuerwehreinsatz ausgelöst. Vier der Tiere habe die freiwillige Feuerwehr Neuried mit ihrem Mehrzweckboot retten müssen, berichtete (…) der Pressesprecher der freiwilligen Feuerwehr Neuried. Zwei Schafe konnten die 15 Feuerwehrleute am Wehr in Richtung Kehl nur noch tot bergen. Wieso die Tiere den Rhein überquert haben sei noch nicht bekannt.” (Baden Online)

Oder anders gezählt: “Vier der sechs Tiere konnten die Feuerwehrleute lebend an Land bringen, zwei davon mussten von einer herbeigerufenen Tierärztin wegen mehrerer Knochenbrüche noch am Einsatzort eingeschläfert werden. Außerdem fand die Feuerwehr auf dem Rhein noch zwei weitere tote Tiere.” (Badische Zeitung)

11
Reifenfriedhof
“In einer gemeinsamen Aktion haben die Stadtverwaltung und die Mondorfer Niederlassung des Wasser- und Schifffahrtsamts Köln jetzt zahlreiche Autoreifen beseitigt, die kürzlich im Rhein zwischen Rheidt und Niederkassel-Ort entdeckt worden waren. „Acht Mitarbeiter des städtischen Bauhofs und des Wasser- und Schifffahrtsamtes haben einen ganzen Arbeitstag benötigt, um rund 150 Reifen aus dem Schlamm des Uferbereichs zu bergen, das sind etwa 80 Prozent der Altreifen, die dort vermutlich liegen“, schildert der städtische Beigeordnete Sebastian Sanders. Auf welche Weise die Reifen an das Niederkasseler Rheinufer gelangt sind, konnte bislang nicht geklärt werden. „Von der Lage der Reifen spricht aber einiges dafür, dass ein Großteil angeschwemmt wurde“, so Sanders. „Der Bereich ist vom Land aus nur schwer zugänglich, wir halten es deshalb für unwahrscheinlich, dass jemand alte Reifen in größerem Stil vom Land aus in den Fluss entsorgt hat.“” (Kölner Stadt-Anzeiger)

12
Rheintoter
“Der Mannheimer Grünen-Politiker Wolfgang Raufelder ist tot. Der 59-Jährige war Landtagsabgeordneter in Baden-Württemberg. Von Polizei und Staatsanwaltschaft hieß es, seine Leiche sei am Montagmorgen in Brühl bei Mannheim gefunden worden. Ein Passant hat sie am Rheinufer entdeckt. (…) Die Polizei geht von einem Suizid aus. Die Obduktion habe keine Hinweise auf ein Fremdverschulden ergeben. Nach Informationen der “Bild”-Zeitung soll Raufelder in Flammen gestanden haben. Seine Leiche sei weniger Meter von seinem Fahrzeug entfernt gefunden worden.” (n-tv)

Presserückschau (März 2015)

1
Tod durch Bahnlärm: “30.000 Todesfälle und 75.000 zusätzliche Erkrankungen jährlich – so viele Opfer soll die Lärmbelastung durch den Schienengüterverkehr entlang des Rheins kosten. Die Zahlen stammen aus einer Studie des Bremer Epidemiologen Eberhard Greiser (…). Besonders belastend für die betroffenen Anwohner sei es, dass der Schienengüterverkehr vor allem nachts abgewickelt werde (…). Auf der Rheinstrecke verkehrten Züge oft im Intervall von drei bis acht Minuten. Teilweise liege der von Güterzügen verursachte Lärmpegel um das Zehnfache über dem vom Flugverkehr verursachten Krach. (…) Dabei wurden Effekte wie die von den Zügen verursachten Erschütterungen noch nicht einmal bei den Berechnungen berücksichtigt. (…) Die Dauerbelastung durch Bahnlärm rund um die Uhr führt laut Studie bei Anwohnern zu einem drastischen Anstieg von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenproblemen, Depressionen und Psychosen.” (Kölnische Rundschau)

2
Calciumchlorid: “Die Behörden des Rhein-Maas-Beckens planen derzeit die Einleitung von Calciumchlorid-Rückständen aus der Salzindustrie Lothringens über eine Pipeline in den Rhein. Mittels dieser Pipeline sollen jährlich 990.000 Tonnen des Salzes eingeleitet werden. Hauptverantwortliche Unternehmen, die diese Rückstände verursachen werden vom trinationalen Parlament der Oberrheinregion aufgefordert, diese Rückstände an der Quelle zu beseitigen. Derzeit werden drei Varianten geprüft, wie mit dem Calciumchlorid umgegangen werden soll. Hierbei werden Einleitungen in die Mosel, Einleitung in den Rhein unterhalb von Straßburg und Aufbereitung der Salzeinleitungen geprüft.” (Metropolregion Rhein-Neckar News)

3
3Land: Ein trinationaler Stadtteil namens 3Land ist im Dreiländereck von Frankreich, Deutschland und der Schweiz in Planung. Dort sollen ungefähr 10.000 Arbeitsplätze für noch einmal soviele Einwohner entstehen: “Den Anstoß für die Vision 3Land hat die Hafenentwicklung Basel gegeben, in deren Zug sich Basel dann an die Nachbarn gewandt hat. 2011 folgte der städtebauliche Entwurf „Entwicklungsvision 3Land“, den Kritiker auch mit „Rheinhatten“ bezeichneten (…). Auf dem Rhein wurde im Herbst 2012 dann eine trinationale Planungsvereinbarung über die grenzüberschreitend abgestimmte Entwicklung des Gebiets rund um das Dreiländereck unterzeichnet, welche mit einem Zeithorizont von bis zu 30 Jahren ausgerichtet ist.” (Weiler Zeitung)

4
Wasserqualität: Eine gemeinsame Untersuchungsstation, die den Rhein rundum überwacht, betreiben die Bundesländer Hessen und Rheinland-Pfalz, wie die Frankfurter Rundschau berichtet: “Aufgabe der Untersuchungsstation in Mainz ist es, Tag für Tag die Wasserqualität zu dokumentieren und die Konzentration von Schadstoffen zu beobachten. Für den Main übernimmt das vor der Mündung eine Station in Bischofsheim. Rund 300 Substanzen haben die Experten dort pro Monat im Blick.” Demnach gehe es dem Rhein in chemischer Hinsicht gut, die mikrobiologische Belastung sei aber insbesondere nach Regenfällen (und entsprechend überlasteter Kanalisation) so hoch, daß das Rheinwasser weder zum Trinken noch zum Baden geeignet sei.

5
Rheinangeln in NRW: “Mehr als 30.000 Hobbyangler pro Jahr geben 34 Euro für einen Angelschein aus und dürfen dafür ihre Rute in den Rhein auswerfen. Studien hätten gezeigt, dass diese Nutzung für den Fischbestand unbedenklich sei (…). Bis auf den Aal könnten alle knapp 50 Fischarten bedenkenlos verzehrt werden, Probleme mit Schadstoffen gebe es nur punktuell. Derzeit seien zwar noch rund 15 Genehmigungen für Berufsfischerei mit Netz und Reusen erteilt, jedoch würden die höchstens im Nebenerwerb genutzt. „Nur noch zwei oder drei Fischer legen Netze im Rhein aus. Das ist auch sehr gefährlich”. (…) Die Fischereirechte für den Rhein teilen sich in NRW etwa 25 Inhaber – darunter Privatleute, die Kirche, Industrieunternehmen aber auch Städte, Land und Bund.” (Aachener Zeitung)

Bacharacher Bräuche und ein Wanderteufel aus der Eifel

Bacharach gehört zu den ältesten Städten am Rhein. Es war auch das ganze Mittelalter hindurch einer der berühmtesten Orte. Die Stadt scheint fast der bedeutendste Ort in dem alten Trach- oder Trachirgau, der sich lang und schmal am Rheine hinzog, gewesen zu sein. Die Dörfer Staag, geschützt durch die Burg Stalberg, Mauerbach sowie Oberund und das zu ihm gehörige Rheindiebach bildeten mit Bacharach den kleinen Staat der “vier Thäler”, wobei denn auch Bacharach als “Thal” mit eingerechnet wurde. Dieser Bereich war ein kleiner Staat für sich mit einer eigentümlich freien Verfassung, einer merkwürdigen Selbstregierung und einer mehr oder weniger vollständigen Abgeschlossenheit in sich. Die gesetzliche Regierung bildete der Vier-Thälerrat. Nach der Ordnung der Kurfürsten von der Pfalz von 1356 bestand er aus 24 Männern. Davon lieferte jedes Thal oder wie man es nannte jeder Thal drei und drei die Stadt Bacharach. Einer aus den Dreien, welche die Stadt Bacharach stellte, saß dem Vier-Thälerrate als Bürgermeister vor. Neben dem Rate bestand das Gericht aus 14 Schöffen, welchem der kurkölnische Saalschultheiß und der kurpfälzische Stadtschreiber beiwohnten. Der letztere sollte die Hoheitsrechte des Pfalzgrafen wahren und saß auf einem ihm besonders gesetzten Stuhle. Alle diese gerechnet, wird freilich die Zahl 24 überstiegen. Die eigentlichen Erwählten versahen ihr Amt bis ans Grab. Es galt in dieser Beziehung die Ansicht: Es sind brave Männer und sie wissen einmal die Gänge.

Die Gänge, welche der Vierthälerrat zu machen hatte, bestanden nämlich darin, daß er auch die “Gabelung” auf dem Weinmarkt vorzunehmen hatte. So begaben sich denn je vier Glieder des Vierthälerrates, begleitet von einigen Zechern, in den ihnen “zugewiesenen Thal”, um die Weine des Jahrganges zu probieren. Das geschah um Frühlingsanfang, wenn der Wein von den Hefen abgelassen war. Der bei der Gabelung festgestellte Weinpreis wurde den Käufern mitgeteilt. Der Weinmarkt zu Bacharach wurde bei gutem Wetter am Rheine auf dem freien Raume zwischen der Stadtmauer und dem Erdaufwurfe am Ufer des Stromes abgehalten. Die Verkäufer brachten noch einmal ihre Weinproben mit auf den Markt. Der Vierthälerrat stellte die silbernen Schalen zum Probieren für die Käufer. Unter dem gegabelten Preise durfte nicht verkauft werden, wohl aber darüber. Der Markt wurde ein- und ausgeläutet. Er war ein Volksfest, auf dem besonders die Winzer selbst sich gütlich thaten. Waren die Weine der vier Thäler verkauft, so kamen die “Franzischen” und “Hunischen” an die Reihe. Denn der Bacharacher Weinmarkt war durch Jahrhunderte der Stapelort und der Verkaufsort der sämmtlichen Weine des Rheingaues, bis die bevorzugten “Ebersbacher grauen Mönche” ihr köstliches “Gräfen-” und “Steinberger” Produkt und das des berühmten “Marcobrunn” von ihrem Stapelorte, dem “Reichharthäuser Hofe”, nach Köln selbst hinab zu verschiffen begannen und somit das uralte Herkommen durchbrochen wurde.

Zu den Weinmärkten in Bacharach kamen die Käufer bis von der Weichsel her. Die Bremenser “Weinherren” hielten hier in jedem Jahre eine gute Auslese für ihren Ratskeller. Windtmann hat daher in seiner musikalischen Kurzweil von 1623 die Reime:

“Zu Klingenberg am Main,
Zu Würzburg an dem Stein,
Zu Bacharach am Rhein
Hab’ ich in meinen Tagen
Gar oftmals hören sagen,
Soll’n sein die besten Wein’.”

An das Rathaus, in dessen Bürgersaale bei schlechtem Wetter der Weinmarkt abgehalten wurde, knüpft sich die folgende Sage. In dem Hause, welches links an das Rathaus stößt, wohnte ein Mann Namens Minola. Er war unverheiratet und hatte eine mürrische alte Haushälterin. Diese konnte einst in der Nacht nicht schlafen. Da es gerade Neumond war, so meinte sie, es sei schon Tag, sie könne aufstehen und für sich und ihren Herrn ein Zwiebelsüpplein kochen. Es war aber zur Winterszeit und recht kalt. Sie wickelte sich fest in ihre Kleidungsstücke und wollte Feuer anschlagen. Allein die Finger waren ihr zu steif und sie bekam durchaus kein Feuer. Da öffnete sie den Fensterladen und wollte am Markt umherschauen, ob nicht in einem Hause schon Feuer wäre. Aber alle Häuser waren noch dunkel. Nur von dem “Bogen” des Rathauses her fiel ein roter Feuerschein auf den Markt. Da nahm die Alte ihr “Feuerstoofchen” und ging aus dem Hause dem Feuerscheine nach. Als sie vor dem Bogen stand, der noch von dem älteren Rathause herrührt, sah sie einen hohen Kohlenhaufen mitten unter dem Bogen. Ein großer schwarzer Mann saß dabei und neben ihm lag ein großer schwarzer Hund. Es wurde ihr zwar bei dem Anblicke etwas gruselich, sie dachte aber, es wäre einer von den wandernden Spenglern oder Löffelgießern, die aus der Eifel kommen. Wie auch der Hund knurrte, so bot sie doch dem Schwarzen einen guten Morgen und bat um ein paar Kohlen, damit sie Feuer anmachen könne. Der Schwarze winkte nur und blickte auf das Feuer. Da ergriff die Alte das Schüreisen, welches bei dem Feuer lag, legte einige Kohlen in das Feuerstoofchen, dankte und ging rasch davon. Zuhause schüttete sie die Kohlen auf den Herd, aber sie waren völlig erloschen. Die Alte fürchtete sich nun vor dem Hunde und vor dem groben Gesellen, aber dennoch ging sie zum zweiten male zum Feuer am Rathausbogen. Zwar entschuldigte sie sich damit, daß die Kohlen erloschen seien. Aber der Mann aus der Eifel sah sie gräulich an und der Hund knurrte noch lauter als das erste mal. Auch ergriff der vermeinte Spengler jetzt das Wort und drohte der Alten den Hals umzudrehen, wenn sie zum dritten male käme. “Dann behaltet auch jetzt Eure Kohlen und laßt sie Euch einpökeln!” rief die Alte. Sie kannte ja keine Furcht und ihre verstellte Freundlichkeit hatte nur den Zweck gehabt, zu bewirken, daß sie in den Besitz der Kohlen käme. Nachdem diese Hoffnung gescheitert war, entsagte sie der Höflichkeit und ging mit einem derben Schimpfwort davon. Da fuhr der Hund auf sie los, und auch der Schwarze geberdete sich noch grimmiger als zuvor. Die Alte aber sprang mit einer Lebendigkeit, welche man nicht mehr von ihr hätte erwarten sollen, davon. Sie war froh, als sie die Thür ihres Hauses hinter sich verschlossen hatte. Eben schlug es Eins vom Turme, und da die Stunde von Zwölf bis Eins bei Vielen für die Geisterstunde gilt, so merkte sie, daß sie fast dem Satan in die Krallen und beinahe dem Höllenhunde in den Rachen gelaufen sei. Nun schauderte sie denn doch zusammen, als sie wieder unter ihrer Bettdecke lag; auch vermochte sie nicht wieder einzuschlafen. So hörte sie jeden Glockenschlag von 2-6. Um sechs stand sie auf. Es war noch ganz dunkel, aber mit Leichtigkeit konnte sie jetzt Feuer anschlagen. Sie zündete die Ampel an und leuchtete auf den Herd. Da hatten sich die Kohlen in Gold verwandelt. Sie beriet sich mit Herrn Minola, dieser aber zog einen Geistlichen zu, und so wurde von dem Teufelsgolde das Hospital zum heiligen Geiste gestiftet.

(aus: Heinrich Pröhle: Rheinlands schönste Sagen und Geschichten, Berlin 1886)

Auf den Flügeln des Stahls

Der ganze Rhein fest mit einer Decke Spiegeleises bedeckt und mit einem Gewimmel von Tausenden von Menschen. Der Rhein hatte sich zwischen Castel und Mainz am frühesten gestellt, es war also da die dickste Eisdecke. Alt und Jung, Mann und Weib vergnügte sich hier mit Schleifen, mit Schlittschuhlaufen, im Schlitten und im Caroussell. Buden mit Speisen und Getränken waren da eingerichtet. Der Jubelruf der Tausende schwamm wie in dem seligen Ton einer Riesenorgel zusammen und drüben lächelte die Sonne und spiegelte sich in dem erstarrten Silber des Rheines.

Wir waren mit dem Stolze von Eroberern herangefahren; da hörten wir, es sei schon Jemand von Oppenheim herabgekommen und den Rhein weiter hinuntergefahren.

„Also es geht noch weiter?“

„Ja, bis Walluf.“

„Hurrah!“

Bald ist auch Mainz hinter uns. In Biebrich wird ausgeschnallt und ein Imbiß genommen. Die Bahn war eine Viertelstunde weit durch Scholleneis unterbrochen. Dann schnallten wir wieder an. Was aber jetzt kam, dagegen trat alles Bisherige in den Hintergrund. Kaum hatten wir uns an den Anblick des breiten zu Eiswellen erstarrten Stromes gewöhnt, als wir auf dem bald schmaleren, bald breiteren Pfad, welchen das Schwellwasser geebnet, uns Schriesheim näherten und hier nach Recognoscirung des Hafens entdeckten, daß zwischen da und Walluf ein ganzer See grasgrünen, spiegelblanken, fußdicken Eises sich ausdehnte, auf welchem eine fröhliche Jugend sich tummelte. Härte und Glätte des Eises waren so groß, daß wir anfangs mit den Stahlschuhen ausglitten. Dann schwebten wir beim Abschiedsleuchten der Sonne, die auf der Bahn sich goldig grün spiegelte, unter künstlichem Curvenschneiden langsam, wonnig, beglückt dahin, um den Tag bei einen Becher duftenden Rheinweines zu schließen, der am ganzen Strom in keinem Wirthshaus besser zu finden ist, als in der Schenke zu Walluf. – Um zehn Uhr Nachts langten wir mit der Eisenbahn wieder in Frankfurt an, nachdem wir einen der herrlichsten Tage verlebt. Und ebenso ging es einen zweiten und einen dritten Tag! Die Geschäfte wurden an den Nagel gehängt; das Wetter richtete sich ja nicht nach den Geschäften. Am vierten Tag beabsichtigten wir unsere Expedition bis Worms auszudehnen, weil wir gehört hatten, daß die Bahn bis dahin frei sei, allein das Wetter schlug um. Es kam Schnee und dann Regen, welcher bald die Eisdecke des Maines brach. Auch die des Oberrheins ging fort.

Nur am Binger Loch hatte sich merkwürdiger Weise bis auf den Grund eine solche Eismasse gethürmt und gestopft, daß dieselbe bis zum März nicht durchbrochen wurde und man Wassersnoth fürchtete; jedoch lief Alles noch glücklich ab. Uns aber gelang es noch am 3. März, indem wir eines Nachmittags von Frankfurt aus mit Eisenbahn bis in die Nähe des Johannisbergs eilten, den Rhein von da bis Bingen mit Schlittschuhen zu überschreiten, ein paar Stunden bis Abend auf dem Binger Loch herum zu fahren und nach Einkehr bei einem unserer gastfreien Rüdesheimer Freunde mit dem letzten Zug zurückzukehren. Das Thauwetter hatte nämlich die Oberfläche des Rheins zwischen Rüdesheim und Bingen nivellirt, und da die Decke viele Schuh dick war und von unten herauf gefrieren half, so hatte ein gelinder Märzfrost genügt, um eine brauchbare Bahn herzustellen.

(aus: Max Wirth: Auf den Flügeln des Stahls, in: Die Gartenlaube, Illustrirtes Familienblatt, Leipzig 1867)

Fließtheorie

(…) Die Verhältnisse, welche zu berücksichtigen sind, wenn ein Hauptfluß ansehnliche Nebenflüsse empfängt, verdienen ebenfalls Beachtung. Wiebeking hat auch hierüber lehrreiche Bemerkungen mitgetheilt. Der Winkel, unter welchem die Ströme einander treffen, hat einen bedeütenden Einfluß auf den Stand und die Geschwindigkeit beider, und besonders des letztern. Soll die Vereinigung so von Statten gehen, daß daraus für beide keine Beschränkung oder Hemmung entsteht, so muß dieser Winkel, wie sich aus den Gesetzen der Hydrodynamik ergiebt, ein möglichst spitzer sein; denn in diesem Falle zieht der große Strom den kleinen an sich, ohne Unregelmäßigkeiten zu veranlassen, und vermischt sein Material mit dem seinigen. Ist aber der Winkel, unter dem sie sich treffen, ein rechter, oder gar stumpf, so wirft der Hauptstrom den Nebenstrom von sich, und der letztere wird zurückgestaut und kann nur langsam abfließen. Dieses Verhältniß steigert sich, wenn der Hauptstrom anschwillt und mächtiger wird; dann kann er wol den Nebenstrom weit hinauf zum Austreten bringen. So zeigt Wiebeking, daß der Rhein früher den Main bei hohem Stande drei Stunden oberhalb seiner Mündung über das Ufer zu treten nöthigte, ein Übel, welches auch noch gegenwärtig vorkommt, und dem man nur durch Erhöhung der Deiche steüern kann, da der Main seine alte spitzwinklige Mündung bei Cassel (Mainz gegenüber) noch nicht wieder erhalten hat. So sah auch Saussure einst die Wasser der Arve bei einem Anschwellen des Rhone rückwärts fließen. Ein großer Übelstand waltet in diesen Fällen ob: da nämlich die Kraft der Nebenflüsse plötzlich gebrochen wird, so lassen diese ihr Material schnell fallen und verursachen eine Versandung der Mündungen und des Hauptflusses. Wiebeking erlaütert dieses durch Beispiele und rügt sehr kräftig den Unverstand, welcher bei vielen Anlagen der künstlichen Leitung der Flußmündungen, namentlich am Rhein, begangen worden, wo man die Nebenflüsse zu einem Kampf mit dem Hauptfluß gezwungen hat, da doch die Gewalten beider so ungleich sind.
Es giebt indeß noch eine andere sehr verbreitete Ansicht über das Verhalten der Vereinigung zweier Flüsse, wovon wir noch etwas hinzufügen müssen. Man hat nämlich oft gesagt, daß, wenn ein Hauptstrom einen bedeütenderen Nebenfluß empfängt, seine Breite unterhalb dieser Vereinigung sich nicht merklich vermehrt und wenigstens wol selten in dem Verhältniß der beiden Durchmesser der Ströme, da sie noch getrennt waren. Bossut will dies dadurch erklären, daß nach der Vereinigung die Geschwindigkeit sich im Verhältniß der Wassermasse vermehre, und also kein weiteres Bette erforderlich sei; nicht genug hieran, hat man behauptet, daß die Hauptflüsse sich nicht erhöhen, wenn die Nebenflüsse selbst beträchtlich anschwellen, indem immer die Geschwindigkeit der vermehrten Wassermenge proportional sei. So soll u. a. der Main den Rhein nicht anschwellen, und eben so der Rhein umgekehrt nicht schmäler werden, wo er sich in die Waal und den Rhein scheidet, ja es ist hierauf sogar ein sonderbarer Vorschlag gegründet worden, wie die versandeten Flüsse Hollands zu reinigen sein würden. Wiebeking hat hierauf geantwortet, daß, wenn diese Ansicht richtig wäre, gar keine Überschwemmungen eintreten könnten, weil dann immer die vermehrte Geschwindigkeit des Flusses hinreichen würde, die vergrößerte Wassermenge abzuführen. Er fügt zugleich hinzu, daß, wenn auch in vielen einzelnen Fällen ausgezeichnete Abweichungen von der Regel vorkommen, es doch noch viel zu sehr an Beobachtungen fehle, um hierüber von irgend einem Strome etwas Vollständiges anführen zu können; so fließen z. B. alle Flüsse Baierns, der Inn, die Jser, der Lech u. s. w. bedeutend schneller als die Donau, in welche sie münden; und so weit Wiebekings Erfahrungen reichen, ist fast immer die Geschwindigkeit des Hauptflusses geringer, als die seiner Nebenflüsse, sobald beide niedrig stehen; erhöht sich aber einer von beiden, so ändert sich dieses Verhältniß. Bei niedrigem Wasserstande ist z. B. die Geschwindigkeit des Rheines geringer, als die der Sieg; schwillt dagegen der Rhein durch die Mosel und Ahr an, so tritt der umgekehrte Fall ein. Dabei ist es nicht zu übersehen, daß, wenn dieses Verhältnis; in aller Strenge begründet wäre, die Geschwindigkeit der Ströme endlich doch gegen ihre Mündungen am größten sein müßte, was aber, wie wir oben schon gesehen haben, nicht der Fall ist, so sehr auch die Theorie dafür zu sprechen scheint. (…)

(Heinrich Karl Wilhelm Berghaus: Allgemeine Länder- und Völkerkunde: Nebst einem Abriß der physikalischen Erdbeschreibung: ein Lehr- und Hausbuch für alle Stände, Stuttgart 1837)

27.07.1832 Das erste Dampfschiff in Neuenburg am Rhein auf seinem Weg nach Basel

raddampfer stadt frankfurtRaddampfer “Stadt Frankfurt”. (Bild: Institut für Stadtgeschichte Frankfurt/Main)

Das Oberrheingebiet war einst eine dschungelartige Auenlandschaft mit mehreren vernetzt strömenden Wasserarmen. Alljährliche Hochwasser formten eine schlaufenförmige Flusslandschaft mit vielen Inseln und Sandbänken. Eine schiffbare Fahrrinne, auch Talweg genannt, war für größere Boote nur in wasserreichen Monaten befahrbar. Stromaufwärts mussten diese von Menschenhand, über oft unbefestigte Uferwege, gezogen werden.
Ab 1816 befuhren Dampfschiffe den Rhein, anfänglich aber nur von Rotterdam bis Mannheim. Freiherr Cotta von Cottendorf, ein einflussreicher Stuttgarter Verleger, Unternehmer, Diplomat, Freund von Schiller und Goethe, war ein überzeugter Förderer der noch jungen Dampftechnik. Er nutzte seine weitläufigen Beziehungen, um Investoren für den Bau und Betrieb von Dampfschiffen zu gewinnen. Eine erste Oberrhein-Erkundungsfahrt nach Basel scheiterte im Jahre 1827 hinter Mannheim, am zu großen Tiefgang des Dampfers “Ludwig”, gebaut vom niederländischen Ingenieur G. M. Roentgen.
Fünf Jahre später versuchte man es erneut, wieder mit einem von G. M. Roentgen konstruierten Schiff, welches eine neue Aufgabe suchte, nachdem die Schifffahrtslinie auf dem Main, zwischen Mainz und Frankfurt, wegen Unrentabilität eingestellt wurde. Dieses eiserne Schiff mit dem Namen “Stadt Frankfurt” hatte 10 Mann Besatzung, war 28,50 m lang, 5,70 m breit und hatte nur 48 cm Tiefgang. Die hölzernen Schaufelräder wurden von einer 52 PS starken Brunel-Dampfmaschine angetrieben. Gefahren wurde ausschließlich bei Tageslicht. Teile der Besatzung und alle Passagiere, darunter Cotta, Roentgen, mehrere Geschäftsleute aus Köln mit ihren Frauen, übernachteten in Hotels und Gasthöfen.
Am 22. Juli 1832 legte das Schiff in Kehl ab, um vier Tage später in Breisach einzutreffen. Zur selben Zeit inspizierte der Landkommissär Wilhelm Geigy, als Beauftragter des Handels-Komitees der Schweizer Rheinstadt, mit den Schiffermeistern David und Hindenlang, auf einem Holzkahn bis Neuenburg fahrend, die Wasserverhältnisse. In der Zähringerstadt wurde übernachtet und sich nach eventuellen Gefahrenstellen stromabwärts erkundigt. Niemand im Ort wusste von der bevorstehenden Ankunft eines Dampfschiffes. Am 26. Juli trafen sich die Basler und die Dampfschiffer in Breisach. Schiffermeister David wurde zuvor in die Schweiz zurückgeschickt, um eine Ladung Steinkohle nach Neuenburg zu bringen. Geigy und Hindelang gingen als Lotsen an Bord des Dampfers. So konnte die Reise stromaufwärts fortgesetzt werden. Wegen Gegenwind und starker Strömung konnte das Tagesziel Neuenburg nicht erreicht werden. Nach 15 Stunden mühevoller Fahrt, wurde vor dem Dorf Zienken in einem Nebenarm geankert. Die Passagiere wurden mit Kutschen zur Übernachtung nach Neuenburg gefahren. Am Morgen fuhr die Besatzung das Schiff die restlichen Kilometer stromaufwärts, um die gerade eingetroffene Kohle zu übernehmen. Diese Pause nutzten einige der Gesellschaft, um einen Ausflug nach Badenweiler zu unternehmen. Diejenigen sollten aber erst wieder am nächsten Tag vor dem Dorf Märkt an Bord gehen. In Abwesenheit entging ihnen nun, wie sechzehn starke Bauern, das angekettete Boot über eine reißende Stelle zwischen Kleinkems und Istein ziehen mussten. Danach wurde das letzte Mal die Anker geworfen. Am nächsten Tag, man schrieb den 28. Juli 1832 mittags halb zwölf Uhr, kam Basel in Sicht und man legte unter Kanonendonner und bejubelt von einer großen Zuschauermenge an der Schifflände an.

(Ein Gastbeitrag von Bruno Haase. rheinsein dankt!)

Zur Entstehung des Karlsruher Dialekts

Es gibt überhaupt keinen Karlsruher Dialekt, behaupten ernstzunehmende Experten. “Was mer in Karlsruh’ babbelt”, sei weder schwäbisch, noch pfälzisch, noch alemannisch, sondern nur eine schwer definierbare Mischung dieser drei Mundarten.
Oberflächlich betrachtet, hat es diesen Anschein. Niemand nördlich der Mainlinie (aber auch schon südlich der Donau) vermag aus dem phonetischen Klang unseres Dialekts seine spezifischen Eigenheiten herauszuhören. Für die Leute aus dem großen Vaterland reden wir schwäbisch (diese Feststellung erfüllt zwar den Tatbestand der Beleidigung, stellt aber auch den einzigen Fall dar, wo Unwissenheit vor Strafe schützt).
Wer jedoch die badische Landschaft kennt, den Raum zwischen Main und Bodensee, der weiß, daß die Murg ihre Bedeutung als Sprachgrenze zwischen dem alemannischen und fränkischen Landesteil noch immer nicht verloren hat.
Etwa 20 Kilometer nördlich dieser die badischen Sprachgrenzen trennenden Linie wurde 1715 Karlsruhe gegründet, inmitten der sprachlichen Übergangszone, die den Raum zwischen Murg- und Pfinzmündung ausmacht.
Von Einwohnern aller Landesteile besiedelt, wurde Karlsruhe zum Mixbecher der Dialekte. Ununterbrochen gequirlt, aufgekocht und durchpassiert, blieben in seinem Filter jene Bestandteile zurück, die, in über 250jähriger Geschichte teils ausgeschieden, teils gehärtet, die unverkennbaren Eigenheiten eines selbständigen “Karlsruher Gschwätzgebabbels” ergaben.
Die Bedeutung Karlsruhes als sprachliches Auffangbecken in der Übergangszone der Mundarten machte uns unser Deutschlehrer, Dr. Schickedanz selig, an folgendem einleuchtenden Beispiel klar.
“Ihr Herre Buwe”, sagte er, “Ihr missed eich unser scheens badisch Lendle wie en Mensch vorschdelle: De Kopf isch’s Madonnelendle do hinne an de Tauber; de Bruschdkorb, schdolz gschwelld, isch d’Bergschdrooß mit’m Kraichgauer Hiegelland.
Weidernunner kommt e gutgmeschds Renzle: ‘s middelbadisch Rebgebied mit de Ortenau; de Schwarzwald ischs Rickgrad; un uff zwoi schdramme Fieß schdehn-mer mit’m Markgreflerland Basel zu, un mit’m annere, de Baar, am Bodesee.
Middeldrin awer ischs Lendle mit-eme Girdel gschniert. Un do, wo beim Soldat ‘s Kobbelschloß sitzd, do liggd Karlsruh’. Ergo, misseder verschdehe: vom Kopf bis zu de Girdellinie isch frenkisch-pfelzisches Sprochgebied; ab de Girdellinie alemannisches.
Nun hat des Lendle ain gsunde Kreislauf; von aim Herz agedriewe pulsierds ruff un nunner, ruff un nunner. Un do, wo d’Girdellinie isch, do ligge a d’Niere. Un d’Niere hen d’Fungzion vonnere Abscheidung.
Ergo: was do abgschiede werd zwische frenkisch un alemannisch – odder sage-mer besser: deschdillierd werd -, des isch kai S…, sondern unser Dialekt! Un des isch en ganz aigener Organschdoff, mit nix annerem zu verwechsle!”

(Kurt Kranich: Brigandedeutsch für Anfänger, Karlsruhe 1967)

Der Rhein hat seinen vrsprunng in dem sybenden berg auff eim allerhoehsten gipffel des gepirgs

Bey erklerung der gelegenheit vnd pildnus Germanie oder Teuetscher nation hernach entworffen ist zemercken der spruch Strabonis also sagende. Die Teuetschen der Gallischen nation nachfolgende sind gerads leibs vnd weysser oder roeßleter farb. vnd in andern dingen an gestalt. geperde vnd sytten den Gallischen gleich. darumb haben inen die roemer disen namen billich gegeben do sye sie brueder der Gallier nennen wolten. dann nach roemischer rede haißen die Teuetschen Germani das ist souil als eelich oder recht brueedere. Nw ist Germania oder Teuetsche nation von den alten gschihtbschreibern vil versawmbt. dann dermals waren ire innere vnd haymliche gegent oder zugeng mit wasserfluessen verhindert. der welde vnd see halben vnwegsam in grobem hirttischem sytten vnd nyndert denn an beruembten namhaftigen fluessen erpawt. Aber nach hinlegunng der abgoettereischen anbettung vnd nach annemung cristenlichs wesens ist dise teuetsch nation zuechtiger worden vnd zu grosser auffung komen. Sie ist gar prayt vomb auffgang. Das Polnisch vnd nyderhungerisch land von mittemtag. das Algew oder gepirg. vom nydergang die Gallier. gegen mitternacht das Teuetsch meer habende. In Germania sind gantzer Europe die beruembtisten fluess der Rhein. die Thonaw. die Elbe vnd andere vnzallich vnd gedechtnuswirdig. Der Rhein hat seinen vrsprunng in dem sybenden berg auff eim allerhoehsten gipffel des gepirgs. in des nehe entspringen die fluess Rhodanus. die Lyonische vnd Narbonensischen gallischen gegent. vnd Padus oder der pfat Welschßland befeuechtigende. Tranus. der bey Papiaz einflewßt. Die Etsch die durch das Trientisch vnnd Bernnisch land zu letst in das Adriatisch meer rynnet. aber der Rhein fleueßt gegen mitternacht mit girigem lawff durch die tale vnd gehe perg. vnd so er durch die Curiensischen landschaft komt so wirdt er schiffreich. Alßpald darnach macht er zwen see (die man bodensee vnd zellersee nennt) die statt Constentz in dem mittel lassende. vnd fueroan mit widerwendigem vmbreyssen der gestadt von manchen spitzigen gehen felsen der berg gezwenngt ershröckenlich sawßende vnd seine gestadt stettigclich außhoelerende. vnd rynnet dann fuerohin durch Basel. die ime widersteende gestadt hynreyssende vnd newe genng mit grossem schaden der anwoner suchende. vnd fuer Straßburg Speyr Wurms Mayntz Coblentz vnd Coelne die edeln stett Teuetscher nation fließende. mit auffnemung in sich vil schiffreicher fluess. als des Mayns Neckers Lymag Musel Masa vnd andrer. vnd geueßt sich dann auß on vil oerttern in das Teuetsch meer innseln machende. dero ettlich von den Friesen. ettlich von den Gellrischen. ettlich von den Hollendern bewonet werden. Zumb andern ereueget sich die Thonaw der beruembtist fluss Europe. entspringt auß dem Arnobischen berg bey anfanng des Schwartzwalds in eim dorff Doneschingen genant. vnd fleueßt vom nydergang gein dem orient oder aufgang erstlich auff zwu tagrayss bis gein Vlme langksamm. alda mit der Plaw. yler vnd andern flueßen gesterckt wirdt sie schiffreich vnd rynnet von dannen hin durch vil land vnd neben vil stetten mit vberschwencklicher auffung der wasser. Sechtzig des mereren tayls schifreiche fluess in sich nemende. Zu letst an sechs grossen oerttern in das Euximsch meer. Zum dritten begegnet die Elbe entspringende in den bergen die Schlesier land von Beheim tayln. Die fleueßt mit der Multa durch Behmer land von dannen durch den Behmischen wald. fueroan durch Meichßen Maydeburg vnd andere stett der Marck vnd des Sechsischen lannds bis hinab bey Hamburg in das Teuetsch meer. Sunst sind andere namhaftige fluess der ich hie von der kuertze wegen geschweigen wil. Zum vierden erscheint ein wald Hercinia genat. den hewtbytag bey anfanng vnnd vrsprunng der Thonaw die vmbsessen daselbst den Schwartz waldt nennen. Der ist (als Pomponius mella setzt) sechtzig tagrays lang vnd grosser vnd bekantter denn andere weld. vnd hat mancherlay namen. auch vil est. hoerner vnd außstreckung. den die innlender andere vnd andere namen geben. dann von anfang seins vrsprungs bis zu dem Necker behelt er den namen Schwartzwald. vnnd vom Necker bis an den Mayn haißt er Ottenwald. aber vom Mayn bis an den fluss Lonam bey Coblentz Westerwaldt. Darnach wendet er sich gegen dem orient vnd taylt Franckenland von Hessen vnd Thueringen. vnd darnach thut er sich in der mittel wider auff vnd vmbrinnget zirckels weyse das Behmisch land vnd strecket sich fueran in dem Merherrischem gepirg durch mittel der Hungern auff der rechten vnd der Poln auff der lingken seyten bis zu dem Dacischen vnd Getischen volck ye andere vnd andere namen empfahende. Nw ist Germania gar ein grosse gegent europe. die dann auß nachpawrschaft vnd geselschaft der roemer vnd auch mit dem heilligen glawben zu senftmueetigkeit vnd guotsyttigkeit gebracht worden ist. Germania ist ein edle gegent vornemlich da sie mit fluessen befeuechtigt wirdt. dann alda ist grosse vnd selige wolluestigkeit. gemassigter luft. fruchtpere felldung. wunnsame berg. dicke welde vnd allerlay getrayds vberflussigkeit. weinrebtragende puehel. gnuogsammkeit der fluess vnnd prunnen die gantzen gegent durchgießende. allenthalben mit hanttirungen vnd kawffhandlungen mechtig. den gesten guot. den bittenden senftmueetig vnnd an synnschicklichkeiten. syttlichkeit. kreften vnnd mannen zuuoran in kriegs sachen keiner nation weichende. Sie weicht auch an reichthuemern aller metall keinem ertreich. dann alle Welsche Gallische Hispanische vnd andere nation haben schier alles silber auß den Teuetschen kawflewten. Dise Teuetsch nation vermag allain on eueßere hilff souil manschaft zu roß vnd zu fueß das sie eueßern nationen leichtigclich widersteen mag. Mer grosse treffenliche ding weren zesagen von dem cristenlichen wesen. gerechtigkeit. glawben vnd trew die ich doch von kuertze wegen fuergeen muoß.

(Schedel’sche Weltchronik von 1493)

Bayerischer Rhein

“100. Fr. Welches sind die Hauptflüsse Deutschlands?
Antw. Es sind folgende: 1. der Rhein; 2. die Donau; 3. die Weser; 4. die Elbe; 5. die Oder.

101. Fr. Woher kömmt der Rhein?
Antw. Er kömmt aus der Schweiz vom St. Gotthards-Berge, hat 3 Quellen, fließt durch den Bodensee und ergießt sich theilweise in den Niederlanden in die Nordsee.

102. Fr. Wo entspringt die Donau?
Antw. Sie entspringt im Großherzogthum Baden im Schwarzwalde, fließt durch Würtemberg, Bayern, Oesterreich, Ungarn, die Türkei, und ergießt sich in das schwarze Meer.

(…)

117. Fr. Wie heißen die Hauptflüsse in Bayern?
Antw. Sie heißen: 1. der Rhein 2. die Donau, 3. der Main.

118. Fr. Woher kömmt der Rhein und wohin ergießt er sich?
Antw. Er kömmt aus der Schweiz vom St. Gotthards-Berge, fließt durch den Bodensee, und ergießt sich in den Niederlanden in mehreren Armen in die Nordsee.

119. Fr.  Inwiefern gehört der Rhein zu Bayern?
Antw. So lange er die Pfalz bespült.

120. Fr. Was für bayerische Städte liegen am Rhein?
Antw. Am Rhein liegen: Germersheim und die Hauptstadt Speyer.

121. Fr. Wo entspringt der Main?
Antw. Er entspringt in Oberfranken auf dem Fichtelgebirge, fließt durch Ober- und Unterfranken, und ergießt sich bei Mainz in den Rhein.”

(aus: J. Offner, Fragen aus der vaterländischen (bayerischen) Geschichte und Geographie: Mit beigefügten Antworten: zum Gebrauche für die Schuljugend in den höhern Klassen der deutschen Werk- und Sonntagsschulen (1840))

Johanna Schopenhauer wagt sich, obschon früher vieles besser war, auf einen Rheindampfer

“Die Luft mit ihren Stürmen ungerechnet, mit Wasser und Feuer zugleich es aufnehmen? mit den beiden in ihrer Zerstörungskraft furchtbarsten Elementen? Nimmermehr! Das wäre ein Wagstück ohne Noth, während die schönste Chaussee in Deutschland auf die sicherste und angenehmste Art mich zum Ziel meiner Reise bringen kann. So sprach ich oft, und die mehresten meiner Freunde, die, wie ich eben auch, noch kein Dampfschiff gesehen, stimmten mit mir ein.

Sind doch alle Augenblicke die Zeitungen mit Nachrichten von Unglücksfällen angefüllt, die bei der Dampfschifffahrt sich zugetragen. Ja, wäre es noch die alte ehrliche Wasserdiligence von Mainz, die freilich ein wenig langsam geht; aber sie ist jetzt aus der Mode gekommen, von der Neuheit verdrängt, wie vieles an und für sich gute Alte. Sie setzt zwar ihren gewohnten Lauf noch immer rüstig genug fort, doch die Gesellschaft, die man auf ihr antrifft, ist jetzt anderer Art, als wol früher; auch soll sie, wenigstens im Aeußern, etwas gebrechlich geworden sein. (…)

In Frankfurt kam es aber Niemand in den Sinn, daß man anders als mit dem Dampfschiff den Rhein hinunterreisen wollen könne, und es fehlte nicht viel, so hätten meine dortigen Freunde über meine von der Zerstörungskraft der beiden mächtigsten Elemente hergenommenen Gründe gegen diese Art zu reisen geradezu gelacht. Auslachen ist eine der kräftigsten Waffen gegen Vorurtheil, und Beispiel übt über Jung und Alt eine unwiderstehliche Gewalt. Täglich sah ich Freunde und Bekannte, die mehreremale blos zum Vergnügen das große Wagniß mit dem Dampfschiffe zu gehen ganz ungefährdet überstanden hatten; kommen so Viele glücklich davon, dachte ich endlich, nun so werde ich allein doch nicht bestimmt sein, mit der Geschichte meines traurigen Unterganges einen Zeitungsartikel füllen helfen zu müssen.

Das kleine frankfurter Dampfschiff, welches nach Mainz führt, war eben einer nothwendigen Reparatur wegen nicht im Gange, doch habe ich späterhin die Fahrt mit demselben versucht. Ich fand es höchst zierlich und bequem, zu einer Lustfahrt trefflich geeignet; aber schneller als zu Wagen gelangt man mit demselben nicht nach Mainz, und fällt dann sogleich beim Aussteigen, gewöhnlich in der Abenddämmerung, der Mauth in die unbarmherzigen Hände, muß halb im Dunkeln, unter freiem Himmel, von der Straßenjugend und andern zudringlichen Zuschauern auf das unverschämteste umdrängt, Koffer und Kisten öffnen lassen und läuft Gefahr, mit sinkender Nacht die halbe Stadt durchwandern zu müssen, ehe man in einem der vom Strom nicht zu weit entfernten Gasthöfe ein erträgliches Unterkommen findet, denn diese sind gewöhnlich alle von den das Dampfschiff erwartenden Reisenden überfüllt. Ich legte diesesmal den wirklich sehr angenehmen Weg von Frankfurt nach Mainz mit einem Miethwagen in kaum vier Stunden zurück. Der unbeschreiblich prächtige Anblick des Zusammenflusses der beiden mächtigen Ströme und der in der Abendsonne wunderbar leuchtenden Thürme von Mainz entzückte mich von Neuem, so oft ich ihn auch schon genossen. Die lustige Ceremonie am Mauthhause, der man nun einmal nicht entgehen kann, läßt sich im Wagen weit bequemer und ruhiger abmachen; man ist dabei wenigstens des unangenehmen Gefühls überhoben, dem neugierigen Pöbel ein Schauspiel geben zu müssen, und braucht nicht auf dem schlechten Steinpflaster von Mainz sich müde zu laufen, wenn man nicht sogleich in einem guten Gasthofe Platz finden sollte. (…)”

(aus: Johanna Schopenhauer – Ausflug an den Niederrhein und nach Belgien im Jahr 1828, Kapitel 4: Das Dampfschiff)

the best river, next the Danube, in Europe

“(…) I left Francfort the 10th of October, 1657, intending to pass down the river Rhine, into Holland, and so again into France. Some German gentlemen and myself took a boat at Francfort, which carried us six miles that afternoon, to Mentz, the usual residence of the elector of that name, were he hath a great castle adjoining to the church, esteemed to have the largest and best painted windows of any in Germany.
Here the river Maine runs into the Rhine, the best river, next the Danube, in Europe, of whose head or fountain I have formerly made mention, having passed near unto it, as I entered into Rhaetia. The stream of this river is so violent, that it is only navigable downwards, which made our journey expeditious and pleasant.
The 11th, we refreshed ourselves at a place called Baccaract (quasi Bacchi Ara) from an altar anciently erected to Bacchus, (whose ruins are yet apparent) which makes it of a long standing, and anciently famous for the best wine, growing upon the banks of that river, which reputation it still preserves; this is within the palatinate.
Some few leagues further, we passed by an ancient tower, built almost in the middle of the river, called Ratts` Tower, near unto Bingen, which the people tell you is so called, upon this occasion: – in the pear 968, Hatto, second duke of Franconia, afterwards chosen Archbishop of Mentz, in a time of great famine and scarcity, summoned together a great number of poor people, with promise of relief, but instead thereof, put them all into a barn, and set it on fire, saying, they were the rats which devoured the food of the land; whereupon the vengeance of Heaven pursued him with so great an army of those animals, that they fell upon him in the closest rooms, finding passage through the chimneys and the least crannies, till at last, flying to this tower, which he caused to be made for his security, they followed him one night through the water in great droves, and devoured him.
That night we lodged at St. Verre, and the next day, being the 13th of October, we dined at Coblentz, a large town, situated where the river Mose falls into the Rhine. Here the Mose is very large, having over it a stately bridge of fourteen large arches; at one end of this bridge stands the town, at the other a fort belonging to the Elector of Treves, called Hermersten, with a freestone palace after the modern mode, adjoining thereto.
Thereabout, the country was in their vintage, to the prejudice of a gentleman of our company, who surfeited with eating those delicious grapes growing upon the banks of this river. That night we lodged at an obscur village called Hamestean.
The next morning we passed by a great town called Bon, belonging to the Elector of Cologne, where he then was, and that night we reached Cologne. (…)”

(aus: The Memoirs and Travels of Sir John Reresby)

Presserückschau (Februar 2013)

Die Schlagzeilen des Februars beherrschte in rheinischer Hinsicht erwartungsgemäß der Karneval, der sich, inklusive diverser alkoholkatalysierter Sprünge und Stürze in den winterkalten Fluß, allerdings nicht maßgeblich vom Karneval der Vor-, Vorvor- und Vorvorvorjahre unterschied, weswegen wir auf diesbezügliche Pressezitate verzichten.

1
Was der Rhein so alles schluckt: „Im BASF-Werk (Ludwigshafen) sind 600 Kilogramm der Chemikalie Trilon B in den Rhein geflossen. Die Substanz gelangte durch eine undichte Stelle in das Kühlwasser und darüber in den Fluss. Sie kann schwere Augenreizungen und Gesundheitsschäden beim Einatmen hervorrufen. Das Unternehmen geht aber davon aus, dass in dem Fluss keine Schäden entstehen, weil die Menge gering gewesen und verdünnt worden sei.“ (Bild)

2
Über die invasiven Grundeln ist in den letzten Monaten viel berichtet worden. Neueste Feldforschungen ergaben, daß die Grundeln ihr Futter, Flohkrebse und einen Parasiten, den Plattwurm Pomphorhynchus tereticollis, gleich aus der ponto-kaspischen Region mitgebracht haben: „Die Grundel und ihre Lieblingsspeise, der Höckerflohkrebs, fungieren dabei für den Parasiten als Zwischenwirte: Den Flohkrebs benötigt er zur Entwicklung, die Grundel nutzt er als Transportwirt zur Verbreitung. Der Zielwirt dieses Parasiten sind jedoch größere Fische. Das aber bedeutet: Raubfische, die im Rhein die kleineren Grundeln fressen, infizieren sich dadurch ebenfalls mit dem Wurm. So verbreitet sich der Wurm stetig weiter“ schreibt das Wissensmagazin scinexx.de.

3
Die Havarie des Säuretankers „Waldhof“ auf Höhe der Loreley ist nach zwei Jahren und vielen Computeranimationen aufgeklärt, meldet die Frankfurter Rundschau: „Unter dem Säuretanker „Waldhof“ brodelte in der Nacht zum 13. Januar 2011 eine bedrohliche Strömung. Als er unterhalb der Loreley in die scharfe Kurve geht, sich zur Seite neigt und sich die flüssige Schwefelsäure in Bewegung setzt, kommt aus der Tiefe der entscheidende Stoß. Das Kentern des Schiffes kostet zwei Matrosen das Leben und zählt damit zu den folgenschwersten Unfällen am Rhein seit Jahrzehnten. Akribisch haben die Experten der Bundesanstalt für Wasserbau in Karlsruhe das Rheinbett im Computer nachgeformt, das an dieser Stelle bis zu 22 Meter tief ist. (…) Auf einer dreidimensionalen Grafik sieht man schnelle rote und langsamere gelbe Strömungsstreifen unter dem Schiffsrumpf hindurchflitzen. Sie haben eine Art Unterdruck erzeugt und damit das bereits schrägliegende Schiff endgültig zum Kentern gebracht.“

4
„Aale fahren mit dem Taxi zum Rhein“ titelt die Hannoversche Allgemeine Zeitung. Gemeint sind Main-Aale, die bei ihrer Wanderung zur Sargassosee im Rahmen des Programmes „Catch & Carry“, aufgelegt vom Fischerverband Unterfranken und der Rhein-Main-Donau-AG, vor den Turbinen der Main-Wasserkraftwerke gerettet und in Bottichen auf dem Landweg zum Rhein transportiert werden. Ähnliche Programme existieren an Mosel und Neckar. Ab dem Rhein ist der Weg der Aale turbinenfrei: „Für die Fischer war das neue Programm eine erlösende Nachricht. Seit 2008 dürfen sie keinen Aal mehr verkaufen, weil das fetthaltige Fleisch des Fisches EU-Grenzwerte bei Umweltgiften wie Dioxin überschreitet.“

5
Unsere liebste rheinische Mauer, die der Schleuse von Vogelgrun, wurde von einem niederländischen Tanker funktionsuntüchtig gerammt, vermeldet das Nachrichtenportal von t-online: „Ein Tankschiff hat eine Rheinschleuse bei Breisach in Südbaden gerammt und so stark beschädigt, dass sie nicht mehr funktioniert. Damit können Schiffe den Rhein bei Kilometer 224,54 erst einmal nicht mehr passieren. (…) Das Schiff geriet außer Kontrolle und krachte bei der Einfahrt erst gegen die Schleusentore und dann gegen die Mauer. Dabei wurde auch der Tanker schwer beschädigt (…). Menschen wurden nicht verletzt. Die Höhe des Schadens lässt sich bislang schwer schätzen. Die Ermittlungen führt die deutsch-französische Wasserschutzpolizei.“

6
„Irrer Architekten-Plan“ titelt in gewohnter Manier der Kölner Express. Der zur Überschrift gehörige Artikel handelt von ausrangierten Rheinschiffen, die zu schwimmenden Kindergärten umgebaut werden sollen: „Alte Kutter werden schicke Kitas – erste Entwürfe liegen der Stadtverwaltung bereits vor. Demnach soll der Bauch des Schiffsrumpfs als Grün- und Spielfläche dienen. Im Heck und Bug sollen helle Räume für die Pänz entstehen. Ein besonderer Clou des Konzeptes ist: Die Kita-Schiffe sind entlang des Rheins flexibel einsetzbar. Sie können dort vor Anker gehen, wo sie gerade gebraucht werden, etwa wenn in Rodenkirchen der Betreuungsbedarf akut wird.“

7
Der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet zum Abriß des Düsseldorfer Tausendfüßlers vom „Marsch der 35.000“: „Mit einem Spaziergang über die Hochstraße haben (…) rund 35 000 Menschen Abschied von dem abrissbereiten „Tausendfüßler“ in Düsseldorf genommen. Das Denkmal mitten in der Stadt war zuvor für den Autoverkehr gesperrt worden. Über die nächsten Monate soll der „Tausendfüßler“ (…) Stück für Stück abgetragen werden. Düsseldorfer und Auswärtige nutzten die Gelegenheit, über die skurrile Stelzenstraße zu flanieren und sich mit Hammer und Meißel einen Teil des außergewöhnlichen Bauwerks herauszuschlagen.“

Was reimt sich auf Rhein?

Von Besuchern als passender Reim bewertet:
Anschein (17), überein (12), Kunstverein (9), Freundin (8), Fräulein (6), Holstein (5), Rhein (5), Traunstein (4), Schleswig-Holstein (4), Geschäftspartnerin (4), allein (3), Assistentin (3), Hannover-Termin (3), Ausweichtermin (3), Gattin (2), kein (2), Ingenieurin (2), Besuchstermin (1), Fahrschein (1), Kollegin (1), Erste-Klasse-Fahrschein (1), Leiterin (1), Rückreisetermin (1), mein (1), Auswärtstermin (1), Zeittermin (1)

Von Besuchern vorgeschlagene Reime:
Wein (6), main (4), bein (3), uhr (2), bein (2), klein (1), schwein (1), cool (1), müde (0), schon (0)

Wörter die auf “ein” enden und noch nicht bewertet sind:
Rotwein, Schwein, irgendein, nein

Von Besuchern als NICHT passender Reim bewertet: (vielleicht falsch?)
rein (-1), fein (-1), Gesprächstermin (-1), Dezembertermin (-1), Flugtermin (-1), sein (-1), herein (-1), Berlin (-1), Dienstagstermin (-2), Bein (-2), Arzttermin (-2), Kundentermin (-2), Ersatztermin (-2), vornherein (-2), Klein (-2), Einzeltermin (-2), Augenschein (-2), Tagestermin (-2), Kurztermin (-2), Reisetermin (-3), Abfahrtstermin (-3), ein (-3), Rückfahr-Termin (-3), Königstein (-3), Schützenverein (-3), Autofahrerin (-3), allgemein (-3), Junitermin (-3), klein (-3), Folgetermin (-4), Besprechungstermin (-4), Gerichtstermin (-4), dein (-4), Maitermin (-4), Haupttermin (-4), Februartermin (-5), Abflugtermin (-5), Freitagstermin (-5), hinein (-7), Abendtermin (-7), Wal (-8)

(Reimemaschine, Stand: 26. Oktober 2012)

Presserückschau (September 2012)

Schreckensnachricht in der Welt: “Ein gefräßiger Chinese wütet am Rhein”. Gemeint ist vorderhand der Asiatische Laubholzbockkäfer, der bereits vor sieben Jahren in Bonn eingefallen ist und dort mit seiner Guerillataktik den alten Ahornbestand bedroht. Die militärische Berichterstattung über die Invasion derselben Käferart in Weil scheint unterdessen zu ruhen. Weitere ausgewählte Nachrichten des Septembers:

1
Über das in Basel populäre Rheinschwimmen berichtet ausführlich die Zeit und holt aus, daß der Fluß in den 80er Jahren auch und insbesondere in Basel als Kloake galt: „Luftaufnahmen aus dieser Zeit zeigen drei Farbströme im Wasser: einer aus den Chemieanlagen, einer aus den Haushalten und einer von der Schlachterei.“ Rhodamin hieß der fluoreszierende rote Farbstoff, der bei der Sandoz-Katastrofe 1986 nebst tonnenweise Giften mit dem Löschwasser der Feuerwehr in den Rhein gelangte.

2
François Hollande kündigt die Stillegung Fessenheims, des ältesten Atomkraftwerks Frankreichs für 2016 an. „Erst am Mittwoch vergangener Woche hatte es wieder einen Zwischenfall gegeben. Bei Routinearbeiten mit nicht radioaktivem Wasserstoffperoxid kam es nach Angaben des Betreibers EDF zu einer Dampfentwicklung, die einen Brandalarm auslöste. Zahlreiche Sicherheitskräfte und die Feuerwehr rückten aus. Im April war in einem Maschinenraum des Reaktors II ein Feuer ausgebrochen.“ (Welt)

3
Irischer Rhein: „Nach jetzt fünf Jahren bekommt dieses Festival in der Region einen immer besseren Namen und großen Bekanntheitsgrad.“ (lokalkompass.de) Die frohe Ankündigung handelt vom „Irish Rhine Festival“ am letzten Septemberwochenende im Keekener Schützenhaus. Für irische Stimmung sollte u.a. der zweimalige niederländische (!) Meister im Dudelsack(!)spiel, Ewald Verhoeven sorgen, nebst „Guinness und Whisky sowie Cider“ und „einem besonderen Leckerli (!)“ (Niederrhein Nachrichten)

4
Eine Reportage über den kleinen Gernsheimer Hafen, den einzigen Rheinhafen Hessens, brachte die FAZ. Täglich knapp ein Schiff landet in Gernsheim an, ca anderthalb könnten derzeit gleichzeitig beladen/gelöscht werden.

5
Eine Bilanz nach 20 Jahren Rhein-Main-Donau-Kanal zieht nordbayern.de: Das Stahlwerk Maxhütte in der Oberpfalz gäbe es nun nicht mehr, ebensowenig die großen Kohlekraftwerke in Erlangen und Nürnberg, hingegen geblieben seien trocken gefallene Natur und eine Maximierung des Betons – soweit der Bund Naturschutz. Die zuständigen bayerischen Ministerien sehen das erwartungsgemäß anders. Bundesverkehrsminister Volker Hauff (SPD) immerhin meinte seinerzeit zum CSU-geführten Durchstich zwischen Main und Donau: „Das ziemlich dümmste Projekt seit dem Turmbau zu Babel“. (Welchen er letztlich ebenfalls nicht genehmigt hatte.)

6
„Die Regierungsgeschäfte von the Rhine, ehemals Deutschland, wurden im Frühling 1990 durch den Regenten Jefka übernommen. Beobachter klassifizieren den mittelgroßen Staat als progressive neoliberale Parteiendemokratie, bekannt für seine hohe Verdienstmöglichkeit und die niedrige Kriminalität. Die Mehrzahl der gebildeten und vernünftigen Bewohner ist glücklich mit den Verhältnissen. Sie genießen den Ruf, sportlich und freiheitsliebend zu sein, und erfreuen sich einer hervorragenden Infrastruktur. Der größte Unterschied zu anderen Ländern besteht im Bereich Zuwanderung. Der Regent konnte seinen Einfluss gegenüber dem Vorjahr steigern. the Rhine ist nicht Mitglied in einem Bündnis.“ (ars regendi)

7
„Nach 35 Jahren gibt es jetzt wieder eine direkte Fährverbindung zwischen Monheim und Dormagen (…). Im September wird das Piwipper Böötchen samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr im Testbetrieb über den Rhein pendeln. Es können bis zu zehn Personen mitfahren. Die Überfahrt ist kostenlos, Spenden sind erbeten.“ (lokalkompass.de) Ein Userkommentar: „mit der piwipp sind wir schon als schulkinder rübergefahren und nach zons gegangen, zurück haben wir den kapitän geärgert indem wir alle auf einer seite standen und die piwipp in schräglage brachten.“

8
Der Brand in Krefeld dürfte es bis in die Tagesschau geschafft haben: „Eine riesige Rauchwolke ist (…) über mehrere Städte am Niederrhein und im Ruhrgebiet hinweggezogen. Entstanden war sie durch einen Großbrand in einer Krefelder Düngemittelfabrik. Im betroffenen Gebiet wurden die Bewohner gewarnt, ihre Häuser zu verlassen, Krisenstäbe tagten, kilometerweit war Sirenengeheul zu hören.“ (Rheinische Post) “Der Rhein wurde wegen der starken Rauchentwicklung zwischen Düsseldorf und Duisburg auf einer Strecke von fast 40 Kilometern zeitweise für den Schiffverkehr gesperrt, ebenso eine wichtige Rheinbrücke zwischen Krefeld und Duisburg. Der Flugverkehr war leicht beeinträchtigt (…)” (Süddeutsche Zeitung)