Presserückschau (April 2017)

1
Blick in den Himmel
“Auf drei „Himmelsliegen“ bequem Platz nehmen und den Blick zum Himmel oder über den Rhein richten können Spaziergänger neuerdings am Skulpturenweg in der Schmittenau. Die im Übergangsgebiet zwischen Rhein-Camping und VfB-Platz erhöht über dem Rheinufer stehenden Liegen sind ein weiteres Teil des Projekts „Perlen an Rhein und Wutach“, mit dem das Stadtplanungsamt Punkte in den Blick der Öffentlichkeit rückt, welche die städtischen Freiräume besonders prägen.

2
Fleischschmuggel in der Tram
“Nicht nur auf die Autofahrer, die nach dem Einkauf in Weil am Rhein und Umgebung zurück in die Schweiz fahren, werfen die Grenzwächter ein besonderes Auge, sondern auch auf die Fahrgäste in der Straßenbahn auf der grenzüberschreitenden Tramlinie 8. Dies verdeutlicht Patrick Gantenbein, Informationsbeauftragter der Grenzwachtregion I in Basel (…). Ja, es ist leider so, dass (…) regelmäßig versucht wird, Waren vom Ausland an der Schweizer Grenzwache vorbei nach Basel zu bringen, ohne die entsprechende korrekte Zollabfertigung zu machen. Die Bandbreite der Schmuggler ist dabei wirklich groß. Die setzt sich zusammen aus Schweizer und in der Schweiz wohnenden Ausländern, aus Frauen und Männern aus allen sozialen Schichten und aus allen Altersgruppen. (…) Bei unseren Kontrollen ertappen wir regelmäßig Schmuggler in der Tramlinie 8. (…) Da werden schon mal mehrere Kilogramm Fleisch in einem Einkaufstrolly verstaut und versucht, diese unverzollt über die Grenze bringen. (…)” (Weiler Zeitung)

3
Deutsch-französische Tram
“Zu den Klängen der Europahymne haben die Grenzstädte Straßburg und Kehl am Rhein ihre gemeinsame Tram gestartet. Es sei heute, wo Europa in Frage gestellt wird, wichtiger denn je, starke Signale zu geben, sagte Kanzleramtsminister Peter Altmaier auf Französisch vor der Jungfernfahrt. Er betonte, dass man trotz der wegen der Flüchtlingskrise wieder eingeführten Grenzkontrollen den Grundsatz offener Grenzen verteidigen müsse.” (Südost-News)

4
Atomkatastrofenprofylaxe
“In Belgien ist es keine Frage. Dort wird bereits an einem Plan gearbeitet, Jodtabletten prophylaktisch zu verteilen. Dies ist eine Sicherheitsvorkehrung, denn die Angst vor einem nuklearen Unfall im maroden Atomkraftwerk Tihange bei Lüttich wächst. Aber nicht nur der belgischen Bevölkerung ist mulmig. Auch im deutsch-belgischen Grenzgebiet werden Katastrophenszenarien erörtert und Vorsorgepläne geschmiedet. Im Zentrum steht dabei derzeit die Verteilung von Kaliumiodidtabletten, im Volksmund schlicht Jodtabletten genannt. Alle Umland-Kreise, die Stadt Aachen, die Städteregion, die Kreise Düren, Euskirchen und Heinsberg beabsichtigen, die Tabletten schon vor einem möglichen Unfall an die Bevölkerung auszugeben.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

5
Bonner Blubbern
“Es plätschert und blubbert mitten im Rhein. Am (…) Ostersonntag war vom Rheinufer aus auf Höhe des Kameha Grand Hotels ein rätselhaftes Phänomen zu beobachten. Fast sieht es so aus, als hätte jemand den Stöpsel im Rheinbett gezogen. 8…) War etwa der weiße Beluga-Wal zurückgekehrt, der sich am 18. Mai 1966 im Rhein verirrt hatte und auf den Namen Moby Dick getauft wurde? Versteckt sich in den Tiefen des Rheinbetts etwa ein Ungeheuer, gar ein ferner Verwandter des Monsters von Loch Ness? Oder gibt es gar ein Gasleck in einer Leitung, die sich unter dem Rhein verbirgt? Des Rätsels Lösung ist glücklicherweise weitaus weniger spektakulär. Nach sorgsamer Recherche erklärt die Stadt, das “Geblubber” werde durch den Ablauf der Kläranlage Bad Godesberg verursacht.” (General-Anzeiger)

6
Schafrettung
“Die Kölner Feuerwehr ist (…) zum Rhein gerufen worden. Ein Schaf stand bis zu den Schultern im Wasser. Es kam nicht mehr allein heraus. (…) Das Schaf hing in Höhe der Westhovener Aue in den Steinen der Uferbefestigung mit einem Bein fest. Es konnte sich laut Feuerwehr nicht selbst befreien und war schwer erschöpft, als die Einsatzkräfte eintrafen. Die Feuerwehrleute retteten das Tier aus seiner misslichen Lage und umwickelten es mit Decken, damit es sich aufwärmen konnte. Der Schäfer nahm es schließlich wieder in Empfang.” (Rheinische Post)

7
Brennendes Auto
“Ein brennendes Auto ist in Köln-Merkenich (…) in den Rhein gerollt und von der Feuerwehr geborgen worden. Ein Schiffskapitän habe beobachtet, wie der Wagen am Hitdorfer Fährweg neben der Zufahrt zur Autofähre Langel ins Wasser gefallen sei (…). Der Vorfall ereignete sich (…) gegen 3.20 Uhr. (…) Das Auto sei bei der Bergung leer gewesen (…). Bei Eintreffen der Rettungskräfte sei ein weiteres Auto weggefahren.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

8
Adenauers letzter Weg
“Die meisten anderen Ereignisse am Sterbeort finden vor den Augen der Rhöndorfer statt – und finden sofort ihre Kanäle in die Weltöffentlichkeit. Vielfach wird etwa beschrieben, wie der Kölner Kardinal Frings vor der Überführung ins Palais Schaumburg am 22. April (1967; Anm.; rheinsein) am Wohnhaus eintrifft, um mit der Familie am Sarg zu beten. Ins Kanzleramt bringt den Toten die einzige Lafette, über die der Bundesgrenzschutz verfügt. Adenauer nimmt denselben Weg wie zu seiner Amtszeit als Kanzler: Königswinter, Dollendorf, mit der Fähre über den Rhein und durch Plittersdorf zum Bundeskanzleramt. Tausende Menschen säumen die Strecke. Schulklassen, Sportvereine, Bergleute stehen Spalier. Schützen bilden unter Trommelwirbel die Ehrenwache an der Einfahrt zum Palais Schaumburg, wo der Leichnam übers Wochenende aufgebahrt und in der Nacht zu Montag über die Autobahn in den Kölner Dom überführt wird. Vor dem Vierungsaltar bleibt der Sarg stehen. Zehntausende Kölner nutzen dort die Gelegenheit, von ihrem Ehrenbürger Abschied zu nehmen.” (General-Anzeiger)

9
Rheintote
“Einsatzkräfte der Feuerwehr haben (…) eine Wasserleiche aus dem Rhein geborgen. Passanten (auf der Kennedybrücke) bemerkten den leblosen Körper im Wasser. (…) Dank eines Kayakfahrers, der ebenfalls auf die Person aufmerksam geworden war und die Fundstelle markierte, konnten Löschboote aus Bonn und Niederkassel den Mann schnell an Land bringen. (…) Vermutlich (…) sei der Tote bereits längere Zeit im Rhein getrieben. Die Polizei ist nun dabei, die Identität der Wasserleiche zu klären.” (General-Anzeiger)

“Die Feuerwehr Köln hat (…) eine Person leblos aus dem Rheinauhafen geborgen worden. Trotz sofortiger Reanimation durch Rettungskräfte und Notarzt starb der Mann noch im Rettungswagen. Ein Zeuge hatte die Feuerwehr alarmiert, nachdem die Person im Wasser verschwunden war. Mehrere Löschfahrzeuge inklusive einer Tauchergruppe, das Lösch- und Rettungsboot sowie der Rettungshubschrauber waren im Einsatz. (…) Ob es sich um einen Suizid oder Leichtsinn handelt, ist nicht bekannt.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

“Eine Leiche ist (…)aus dem Rhein bei Geiswasser (Höhe Niederrimsingen) geborgen worden. Dabei handelt es sich nach Angaben der deutschen Polizei mit großer Wahrscheinlichkeit um den vermissten 36-jährigen Gleitschirmflieger aus Freiburg. Taucher der französischen Polizei haben eine männliche Person vier Kilometer nördlich von Geiswasser auf französischem Hoheitsgebiet im Rheinseitenkanal gefunden. Derzeit klären die französischen Behörden die Identität der Person.” (Badische Zeitung)

“Bei einem Ruder-Ausflug (…) ist ein 69-jähriger Mann in Köln-Stammheim tödlich verünglückt. Der Polizei zufolge wollte das Opfer gegen zehn Uhr in ein Boot einsteigen und mit den Vereinsmitgliedern von „RTHC Bayer Leverkusen“ über den Rhein rudern. Plötzliche Krämpfe führten dazu, dass er ins Wasser stürzte. Eine Kollegin sprang ihm hinterher. Doch erst 50 Meter weiter stromabwärts bekam sie den Ruderer zu fassen. Passanten halfen der Frau den 69-Jährigen ans Ufer zu ziehen. Ein Notarzt wurde per Rettungshubschrauber hinzugerufen. Die Wiederbelebungsversuche durch eine Herzrythmusmassage blieben erfolglos.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

Ein guter Spießbürger

15 VIII 14 Samstag
(…) An einem Kupee zweiter Klasse steht angekreidet „Hier werden noch Kriegserklärungen angenommen.“ – In der Industriegegend an Ruhr u. Wupper, durch die ich draußen auf dem Bock eines Vorratswagens fuhr, erreichte die Begeisterung des Volks ihren Höhepunkt; auf allen Plätzen, Straßen, Brücken drängten sich Tausende, die winkten und riefen; in den Bahnhöfen spielten Musikkappellen, allerlei Eßbares und Rauchbares wurde Einem von jungen Mädchen und Gymnasiasten geradezu aufgedrängt. Nachts, als wir uns Köln näherten, tasteten die Strahlen mächtiger Scheinwerfer den Himmel nach Fliegern ab; dagegen lag die große Rheinbrücke alle Lichter gelöscht, in tiefer Dunkelheit; auch die noch vor vierzehn Tagen so bunt erleuchtete Werkbund Ausstellung. Der große Bahnhof war bis auf die Rote Kreuz Frauen und Knaben und das Bahnhofspersonal ganz leer. Während wir hielten kam ein Transport französischer Gefangener, fünf höhere Offiziere und Mannschaften, durch.

19 VIII Mittwoch Lüttich
Um ¾ 7 über Grenze. Allee rote Rosen kurz vor Grenze. Erste Stellungen in Richtung Masta. Kdo telephoniert Nachricht xxx, daß Armee Obercommando in Lüttich.
In aufsteigender Waldschlucht Francorchamps ganz zerstört, man scheint die Häuser einzeln gesprengt zu haben. Nur ein Lazarett und ein Hotel stehen noch. Im Hotel, dem Bahnhof gegenüber, gefrühstückt, Kaffee, Eier, gute Butter, weißer Bordeaux. Die Wirtin zuvorkommend und gedrückt; konnte sich nicht darüber beruhigen, daß ich so gut französisch spreche. Einzelne gestrandete Sommergäste, eine alte Dame, die fröstelnd einen gestrickten Shawl sich anlegt, und mit mir über kalte Witterung zu sprechen anfängt. Ein kleiner Junge aus Antwerpen, 11 Jahre alt, der mir zulächelt und sagt, jetzt habe er beide Arten von Soldaten gesehen, die Belgier und die Deutschen. Die Einwohner sind alle geflüchtet. In den Wäldern zwischen hier und Spa soll sich eine Bande von 500 Industriearbeitern gebildet haben. Der Transportführer läßt vor der Abfahrt laden.- In Spa sehr viel Militär. Die Bevölkerung macht einen eher freundlichen Eindruck, Einzelne winken unserem Zuge zu; bei der Ausfahrt spielt sogar vor einem Häuschen ein Junge zu Ehren des vorbeifahrenden Zuges ein Stück auf der Ziehharmonika. Der Bahnhofskommandant in Spa meldet aber, daß das Dorf Theux, zwischen Spa und Pepinster, einen Überfall auf die Eisenbahn vorhabe. In Theux langer Halt. Im „Hotel de Cologne“ gefrühstückt. Deutsches Mädchen; die jungen Leute hier schimpften auf Deutschland, würden aber nicht Soldaten. – In Pepinster auf dem Bahnhof eine österreichische schwere Mörserbatterie, die ersten Österreicher. Sie sehen frisch und nett aus, grüßen lächelnd. Ein Kanonier, den ich fragte, sagte mir sie kämen direkt aus Triest. Später ebenfalls in Pepinster, wo wir mehrere Stunden liegen blieben, ein Transport belgischer Gefangener nach Deutschland abfahrend. Wir halten die Nacht vor Lüttich, fünfhundert Meter vor der Maasbrücke. Gegen ein Uhr steigen zwei mächtige Feuersäulen aus den Häusern der Lütticher Vorstadt diesseits der Maas auf und stehen die ganze Nacht am Himmel.

23 VIII 14. Sonntag.
Ruhetag in Lüttich. Mein Friseur erzählt mir Folgendes. Bei der Schießerei am Donnerstag sei ein guter Bekannter von ihm sicher unschuldig standrechtlich erschossen worden. Es sei ein guter Spießbürger gewesen, der auf dem Platz vor der Universität eine Südfruchthandlung hatte. Über seiner Handlung im ersten Stock, sei der Club der Russischen Studenten gewesen; aus diesem sei geschossen worden. Die Soldaten stürmten das Haus, und mit den anderen wurde auch der Händler herausgeschleppt und erschossen. Er habe vielleicht nicht einmal gewußt daß über ihm ein Studentenclub sei. (…)

(Harry Graf Kessler: Das Tagebuch 1880 – 1937. Die Einträge stammen aus dem August 1914, dem ersten Monat des Ersten Weltkriegs, den das Rheinland vor allem als Durchzugsgebiet für Truppentransporte sah.)

Johanna Schopenhauer quert das Rheinland im Eilverfahren und setzt zu einigem Westfalenbashing an

“(…) In Lille ließ ich ein paar Tage von unsern Freunden wie ein verzogenes Kind mich pflegen; in Lüttich, wo keine uns bekannte Seele lebte, mußte ich zum ersten Mal seit wenigstens zehn Jahren einen ganzen Tag im Bette zubringen, weil das schnelle Reisen meine Kräfte erschöpft hatte. Dann ging es nach dem nahen Aachen. Dort verbrannte ich in einem frisch aus der heißesten Quelle geschöpften Glase Wasser aus kindischer Neugier mir die Finger und verlor darüber einen nicht kostbaren, aber mir sehr werthen Ring; weiter weiß ich für diesmal von der uralten berühmten Kaiserstadt nichts zu bemerken.

Von der vortrefflichen Kunststraße, die jetzt von Köln nach Mainz längs dem Rhein durch das Paradies von Deutschland führt, war vor fünfzig Jahren noch keine Spur vorhanden; der Weg war theils unfahrbar, theils gefährlich und in keinem Fall uns zu empfehlen. Wir wandten uns also von Aachen geradezu nach Düsseldorf, um von dort aus durch Westphalen den kürzesten Weg nach Berlin einzuschlagen, ohne das wegen seiner Düsterheit damals verschrieene Köln mit seinen dreihundert Kirchthürmen, welche die Sage der frommen Stadt zuschrieb, zu berühren.

So viel ich von Düsseldorf, das ich seitdem nicht wieder gesehen, mich erinnere, machte die Stadt einen recht freundlichen Eindruck auf mich; die berühmte, damals noch nicht nach München abgeführte Bildergallerie war die erste bedeutende, die ich seit Berlin und Potsdam, oder vielmehr überhaupt gesehen, und staunend über den Reichthum, der hier sich mir offenbarte, schlich ich langsam durch die weiten Räume, bis ich vor Rubens’ jüngstem Gerichte stand. Auch dieses weltberühmte Gemälde habe ich seitdem nicht wieder erblickt, aber den gewaltsamen, ich kann sagen fürchterlichen Eindruck, den es auf mich machte, haben die fünfzig Jahre, die seitdem verstrichen sind, nicht völlig auslöschen können.

Alle diese wunderseltsam in einander verschlungenen nackten Leiber verzweifelnder oder zu Paradiesesseligkeit entzückter Menschen, die wilden Teufelsfratzen, die holden Engelsbilder, die alle zusammen rings um das kolossale Gemälde zu einem schauerlichen Kranz sich gleichsam verflechten! ich konnte vor innerem Grauen den Anblick kaum ertragen und auch nicht mich davon abwenden. Lange hat er wachend und im Traume mich verfolgt. Ich wünsche, das Gemälde jetzt wieder zu sehen, um es in der Wirklichkeit mit dem zu vergleichen, das noch immer meiner Phantasie davon vorschwebt.

Aber wie soll ich es anfangen, um die tragikomischen, oft unüberwindlich, oft unaushaltbar scheinenden Mühseligkeiten unserer ferneren Reise durch Westphalen gebührend zu beschreiben? diese mit großen rohen Feldsteinen überschütteten Straßen, welche die Leute Chausseen nannten, auf welchen wir Tage lang uns fortschleppen lassen mußten, wollten wir nicht zur Abwechselung auf dem daneben hinlaufenden sogenannten Sommerwege bis über die Achse in Koth versinken! (…)”

(aus: Johanna Schopenhauer – Jugendleben und Wanderbilder)

Ah quel chien de pays!, schimpft die Schopenhauer gleich im Anschluß an obigem Textausschnitt auf Westfalen und berichtet wortreich über die Unbill dieses Landstrichs. rheinsein hingegen zieht sich vornehm aus der Berichterstattung zurück und verweist Interessenten an frühem Westfalenbashing auf das Projekt Gutenberg.

Belgisch-rheinische Sprachforschung

In Belgien scheinen alle beachtlichen, aufsehenerregenden Dinge wie nebenbei zu geschehen. Mitte der 90er, als sich kuriose (und meist schauerliche) Meldungen aus Belgien häuften, begannen wir, die entsprechenden Zeitungsausschnitte zu sammeln, die sich bald zu einem sehr speziellen Gruselordner fügten. So berichtete, mitten in der Klon-Debatte, die an Tieren wie dem Schaf Dolly sich entfachte und mit der Angst hantierte, daß bald auch Menschen geklont werden könnten, der Express davon, daß letzteres bereits geschehen sei, und zwar versehentlich in Belgien. Den Artikel schmückten Bilder zweier Lütticher Wissenschaftlerinnen, die freimütig über ihr Laborversehen plauderten. Die Geschichte fiel danach flugs unter den Tisch – ob in Belgien heute tatsächlich geklonte Jugendliche unterwegs sind: darüber läßt sich nur spekulieren. Ein anderer Bericht (ebenfalls aus dem Express) handelte von einer kleinen Gruppe enthusiastischer junger Belgier, welche sich die Love Parade zum Vorbild genommen hatten und auf der heftig beschallten Ladefläche eines (einzigen) LKWs tanzend durch Brüssel düsten, bis ihnen bei einer zufälligen Tunneldurchfahrt aufgrund der niedrigen Bauweise derselben die Köpfe abgetrennt wurden. Unser Interesse an Meldungen aus Belgien flachte um die Jahrtausendwende zugunsten rheinischer Vorkommnisse ab, welche sich jedoch gelegentlich nicht ganz voneinander trennen lassen. Im Folgenden geben wir einen Bericht des belgischen Publikationsorgans de redactie vom 21. Februar 2012 wider, der sich mit einem der letzten Rätsel der niederländischen Sprachwissenschaft befaßt hat – und wieder von einem Zufall gesteuert wurde. Es geht um die etymologische Abstammung des Wortes „fiets“ (dt: Fahrrad):

„Gunnar de Boel, Professor für vergleichende Sprachwissenschaft an der Genter Universität, kippte mit einem deutschen Freund aus dem “südlichen Rheinland” zusammen Apfelwein. Im Gespräch nannten sie das Getränk „Viez“ (ein uns bekannter saarländischer Begriff für den Most, Anm. rheinsein): „Vize-Wein“ sozusagen, befanden die Trinker, bzw: Weinersatz. De Boel stellte dabei die Verbindung zum niederländischen Wort „fiets“ her und vertiefte die Hypothese gemeinsam mit seinem Kollegen Luc de Grauwe: im Deutschen sei das neuartige (in seiner Urform, der Draisine, am Rhein erfundene, Anm. rheinsein) Fahrrad laut der bahnbrechenden Theorie seinerzeit „Vize-Pferd“ (also: „Zweiterklasse-Pferd“, „Ersatz-Pferd“) genannt und später mit „Viez“ abgekürzt worden, ganz so wie „Automobil“ später zu „Auto“ wurde. Das Wort müsse dann nach Belgien und in die Niederlande geschwappt sein. 1870 sei „fiets“ zum ersten Mal im Niederländischen aufgetaucht, seit 1886 aber stritten sich die Sprachkundigen über dessen Herkunft, ohne eine angemessene Theorie hervorgebracht zu haben – was nun endlich der Vergangenheit angehöre.“
(Wenn wir an dieser fantastischen Hypothese etwas zu bemängeln haben, dann allenfalls, daß der erhellenden Kraft des Apfelmosts in der Berichterstattung deutlich zu wenig Referenz erwiesen wird. Desweiteren hätten wir eine eigene Schnelletymologie in die Debatte zu werfen, eine Idee, die uns auf gleichsam belgische Weise während einer Trance zufiel: könnte sich aus dem weithin bekannten Urbegriff “Vize-Pferd” nicht direkt das Wort “Fahrrad” entwickelt haben? Man achte nur auf den jeweils gemeinsamen An- (V gesprochen wie F) und Ablaut (d). Nein? Aber dann gewiß doch der Begriff Veloziped (Pääd: rheinisch für Pferd, Velozi enthält dieselben Buchstaben wie Vize). Und jetzt belegen Sie mal, wie Sie vor rheinsein auf diesen sensationellen sprachwissenschaftlichen Zusammenhang gekommen sind!)

Wie die Römer vor zeiten so hart vnd lang wider das Teütsch land gestritten haben. (2)

Die ander oder vnder Germania / ist gewesen von Cöln abhin biß an das möre / vnd hat sich gegen vndergang gestreckt biß zu der Mas / vnd waren jre fürnempste stett / Agrippina Vbiorum / das ist Cöln / vn Tungri / do nachmals ein bisthum auffgericht ward / aber jetzunt zu Lüttich ist. Des gleichen hetten die Römer auff der Tonaw auch jre prouintzen / nemlich Rhetia / Norico vnd Pannonia. Sie vnderschieden Rhetiam in zwo prouintzen / die erst Rhetia begreifft in jr den Bodensee / vnd waren diß die fürnempsten stett darin / Bregentz / Arben / vnd was den Rhein hinauff biß ghen Chur zu gelegen ist / vnd item das Lintzgöw vn Allgöw biß an den Lech. Das ander Rhetia ist gangen von dem Lech biß an den Yn / vnd hat in jm begriffen Augustam Vindelicam / das ist Augspurg / do sich gehalten hat der schatzbehalter der selbige prouintz. Darnach seind zwo andern prouintzen komen / die haben geheissen prouintie Noricorii / die haben sich gestreckt über Oestereich biß in Ungerland / das laß ich hie anston / vnd kom widerumb auff vnsern Rheinstrom. Do Julius der erst keyser lag in Sequania bey Bisantz / kam gegen jm gezogen Ariouistus der hohen Teütschen künig / mit eine grossen hore das er über Rhein gefürt hat / aber er ward von dem keyser in die flucht geschlagen / vnd kamen wenig mit jrem leben daruon / die über den Rhein schwumen / oder sunst mit kleinen schifflin daruber kamen / vnd dem fyend entrunen. Dise schlacht sol geschehen sein ein meil wegs fern von Basel an dem ort das jetz heißt Apollinaris. Darnach legt sich diser Julius mit seine kriegßuolck auff de Rhein vnd schwam offt mit jnen darüber / vnd strit wider die Teütschen. Jm Niderland bey den Vbijs vnd Menapijs / das ist bey Cöln / vnd im Gellerlad / macht er zwo brucken von holtz über den Rhein / domit er mit gewalt möcht an die Schwaben setzen / die dozumal herschere biß an die Elb / vnd den überrheinische vil trangs anthete. Aber wan er sie ergriff / ertrunen sie jm vnd verlieffen sich vnd verborge sich in dem Hartzwald oder in den lachen / vnnd hülen / das er jnen nichts oder gar wenig mocht abgewinnen. Aber was über dem Rhein gegen Franckreich / vnd über der Tonaw gegen dem Alpgebirg ligt / bracht er vnd sein nachkommen Augustus alles vnder der Römer gewalt. Zum aller ersten überkamen sie das ober theil an dem Bodensee / darnach das Sunggöw vmb Bisantz / darnach den Straßburger strich vnnd das ober Germaniam / mit der reuier vmb Metz vnd Trier / darnach das ander Germania / vnd dar zwischen brachten sie auch vnder jren gewalt beide Rhetiam vnd Noricum vn Pannoniam / das ist das Allgöw / Lechgöw / Baierland / Oestereich / Steiermarck biß in Ungern / aber von dem rechten Teütschen land / zwischen dem Rhein vnd der Tonaw begriffen / hetten sie nichts. Sie strebte aber lange zeit mit allem vermögen darnach / vnd hetten es gerings vmb an disen wässern vmblägert mit kriegern vnd hauptleüten / vnder wölche der keyser Julius der erst was der sie anfieng zu kriegen. (Aus Sebastian Münsters Cosmographia)

Auguste Duméril sur les bords du Rhin

Copie d’une lettre que j’ai écrite à Joseph Fabre, après mon voyage sur les bords du Rhin, en 1846, et qui peut servir de journal abrégé de ce voyage.

Le soir du jour où vous m’avez embarqué au chemin de fer, c’est-à-dire, lundi 14 Septembre, je suis arrivé, à 2 h ½ environ, à Bruxelles, et là, suivant le conseil de M. V. Cumont, je me fis immédiatement conduire à la diligence de Namur, qui allait partir, et je me trouvai le lendemain matin à Namur, à 6 h.: à 6 h ½, une autre diligence, se mettant en route pour Liège, je m’installai sur une banquette surnuméraire, adossée au cabriolet de l’impériale, et de là, comme d’un observatoire, d’où ma vue pouvait s’étendre de tous côtés, j’ai parfaitement joui de la vue des bords pittoresques de la Meuse, dont la grande route suit presque constamment le cours, de sorte que je n’aurais pas mieux vu, je crois, à bord du bateau, si j’avais suivi mon premier plan, qui était d’aller par eau, de Namur à Liège, où je ne serais arrivé que le mardi soir, tandis que j’y étais à une heure, et qu’à 5 h, je me trouvais à Aix-la-Chapelle, où je me mis en rapport avec M. Darancourt, qui ne savait pas l’Allemand plus que moi. Nous passâmes notre soirée au café de la source Elise, au théâtre, et à la redoute, où nous ne vîmes pas de joueurs trop acharnés, mais où je pus prendre une idée de ce que sont la Roulette et le 31. Le lendemain matin, nous avons visité l’hôtel de ville, la cathédrale, dont je fus très frappé, car c’était le premier exemple que je voyais de cette architecture byzantine, dont je devais voir de si beaux échantillons à Bonn, mais surtout à Mayence: les fameuses reliques, et la jolie montagne du Louisberg. Ce même jour, nous avons visité Cologne, dont j’ai extrêmement admiré la magnifique cathédrale, malheureusement inachevée, mais pour laquelle on dépense maintenant 500 000 F par an: si elle est jamais achevée, ce sera, je crois, une des plus belles églises gothiques qui se puissent voir. L’Eglise Ste Marie du capitole, curieuse par des restes de constructions romaines; l’église des Jésuites, richement ornée, surtout par un banc de communion, de marbre blanc, couvert de charmante sculpture, et l’église de St Pierre, où se voit le curieux tableau de Rubens, représentant le crucifiement de St Pierre, qui est vu la tête en bas. Le soir de ce même jour, nous vînmes coucher à Bonn. Ici, commence le magnifique spectacle qu’offre le Rhin, et la matinée du jeudi, passée, ainsi que je vais vous le raconter, a été pour moi pleine d’enchantement. Nous prîmes un guide, et après avoir visité, dans la ville, la cathédrale, d’un aspect particulier, et la statue de Beethoven, nous nous dirigeâmes, en voiture, vers le Kreutzberg, montagne élevée, où existe une église, avec un escalier de marbre, qui ne se monte qu’à genoux, et dont un caveau contient des moines momifiés, par la sécheresse du lieu, et l’absence complète pendant des siècles, du contact de l’air extérieur: physiologiquement, c’est un fait, qui ne manque pas d’intérêt: la peau est parfaitement intacte et dure, comme du cuir tanné. De là, la vue est déjà belle, mais elle est plus belle encore, du Godesberg, où nous allâmes ensuite, et où se voient des ruines assez considérables: elle l’est certainement davantage, sur le Rolandseck, où se voient quelques ruines, et d’où la vue plonge sur le Rhin, et sur les îles considérables qui existent dans ce point, et sur l’une desquelles est construit un grand bâtiment qui, de monastère qu’il était autrefois, est devenu un hôpital.

Après être descendus, nous avons traversé le Rhin, en bateau: il a, dans ce point, une largeur extrême: sur l’autre rive, est la haute montagne du Drachenfels, que nous avons également gravie, et d’où nous avons joui du plus admirable point de vue, car on a, autour de soi, les autres monts; qui forment ce que l’on nomme les 7 monts, le Rhin, et, de l’autre côté, les monts qui bordent la rive. En redescendant, on arrive à la petite ville de K, où mon compagnon de voyage me quitte, pour prendre le bateau à vapeur, qui devait le conduire à Coblentz, et moi, je traversai le Rhin, sur un pont volant, pour rejoindre la voiture qui me ramènera à Bonn, que je ne voulais pas quitter sans avoir visité l’Université. Les 6 heures environ passées dans cette ravissante excursion, si elles furent accompagnées d’une assez grande fatigue, qui me dura 2 ou 3 jours, furent vraiment délicieuses, car je n’avais jamais eu encore l’occasion de voir la nature sous un si magnifique et si imposant aspect; mais je ne savais pas encore quels enchantements m’étaient réservés, pour le lendemain. A Bonn, tous les professeurs étaient absents: je visitai cependant avec assez de détails Cl., ancienne résidence d’été des électeurs, où se voient une belle collection d’anatomie, mais surtout, de magnifiques collections d’histoire naturelle, renfermées dans des salles, de l’aspect le plus grandiose. J’ai visité la clinique d’accouchement, composée de 12 lits, d’une collection curieuse de bassins vicieux, et d’instruments d’obstétrique, qui me furent montrés par l’aide de clinique du professeur Kilian. Il y a là une douche ascendante de 2 mètres ½ environ de hauteur, pour les accouchements prématurés: il paraît qu’on obtient de bons résultats de ce procédé, qui n’est jamais mis en usage chez nous, à ce que je crois.

(Quelle: http://correspondancefamiliale.ehess.fr/)