Schweizerisch-österreichisches rheinsein

“Freitag 7. Juli bis Sontag 9. Juli 2017
Rheinbrücke Widnau/Lustenau

Während drei Tagen wird der Rhein zum Sein. Auf beiden Seiten bei der Rheinbrücke Widnau/Lustenau finden verschiedene Auftritte von Künstlern/innen statt. Umrahmt wird das Ganze mit Aktionen fürs Publikum und Gastronomie.

Tanzen, Musik hören, essen, erleben, chillen, fühlen, sehen, begegnen und einfach da sein und den Moment geniessen.”

Informationen zu den Programmpunkten auf der nun zweiten rheinsein-Website des deutschsprachigen Raumes.

Haldenstein

Rheinseins Ankunft in Haldenstein vollzieht sich in der Gaststube Calanda bei netten Einweisungen der charmanten Vorstipendiatin, Kalbsbratwurst und einem ersten Kübel Calanda, wie überhaupt unterm Calanda alles Calanda scheint und der bündnergrüne Rhein eine nachgeordnete, bestenfalls als Calandarhein einzunehmende Rolle zu spielen. Später am Abend schmeißt der Chäschpi im Hinterzimmer eine Runde Zwetschgenpunsch und erzählt vom Höhepunkt seiner Touren als Reisebusfahrer, dem Apenheul in Apeldoorn, desweiteren vom Museum Rhein-Schauen in Lustenau, einem verstorbenen Pater-Unikum in Disentis und einer dramatischen Rettungsaktion im Rhein bei Ilanz, seiner Heimatstadt, der ersten am Rhein; während Haldenstein immerhin die erste Oper am Rhein besitzt – im August wurde im Schloßhof Carmen aufgeführt. Am Morgen steht die Besichtigung der Ruine Haldenstein an, der markantesten von gleich drei Burgruinen auf der kleinen Gemarkung ob des Rheins bzw nid des Calanda, „des Herablassenden“. Der Anmarsch steht mit 25 Minuten ausgeschildert, die zügig einen derart steilen Aufstieg darstellen, daß ich nach fünf Minuten denke: „wenn das so weitergeht, kommst du bestenfalls als toter Mann oben an“. Es geht so weiter, doch nur fünf Minuten, nun auf schmalem Pfad längs eines trockenen Sturzbachs, schon ist die Ruine erreicht. Schafsglocken lockern den aufdringlichen Verkehrslärm des mehrfach trassendurchfurchten Tals, Esel eseln daneben, vom gezackten Himmel schenkt eine schwer überhitzte Sonne ihre Novemberreserven her. Die Ruine balanciert ihre Imposanz auf unzugänglichem Felsspitz, hinter den Mauern dreschen zwei ewige Raubritter aufeinander ein, fügen sich schwere Scharten zu, prosten sich sportlich mit Calanda-Bräu zu in den Kampfpausen; unten eilt derweil der Rhein, als wolle er sich selbst überholen und wisse keineswegs, wohin. Wanderschilder weisen auf poetisch klingende Ziele wie Bärenhag, Batänja (ein Maiensäß), Ruine Grottenstein (deren Name von Kröten, nicht von Grotten rühren soll), Ruine Lichtenstein, Arella, Funtanolja, Altsäss.