Lörick, Limerick, Bingerick

Aus Düsseldorf erreichte uns die unscharfe Kunde vom Lörick. Lörick sei im vorwiegend rechtsrheinischen Düsseldorf nämlich nicht nur der linksrheinische Stadtteil gleichen Namens, sondern auch ein Versmaß bzw eine Gedichtform. Ein nicht näher bestimmbarer Dichter soll, inspiriert von eben jenem Stadtteil Lörick, der lautlich so praktisch zwischen den Begriffen Lyrik und Limerick schwebt, vor wenigen Jahrzehnten die neue Versform geschaffen haben. Lörick spricht sich in und um Lörick mit Doppel-R, der Düsseldorfer sagt also Lörrick bzw Lörreck, und, zu Karneval, wenn er völlig jeck ist, vertauscht und verringert er im Scherz die Buchstabenfolge, und auf den Fahrtzielanzeigen der Rheinbahn steht dann statt Lörick Likör angeschrieben. Leider haben wir für den Lörick keinen literarischen Beleg. Weswegen wir die Düsseldorfer Leserschaft um Mithilfe bitten: Sollten Sie Zugriff auf mindestens einen Lörick besitzen oder ihren Erfinder kennen, bitte melden!

Der rheinische Limerick unterdessen, ein Geschäft des Kölner Dichters Dieter Höss, wird von Höss selbst offenbar auch als Bingerick, nach der Stadt Bingen, bezeichnet. Dies legt zumindest ein von Höss im Jahre 2002 erstelltes und mit Limericks/Bingericks übersätes Karten-Leporello des Welterbeabschnitts Oberes Mittelrheintal nahe, das wir gerade in Händen halten. Höss bedenkt die einzelnen Sehenswürdigkeiten des Abschnitts, als da wären der sogenannte Vierseenblick, jede Menge Burgen, die Rheinpfalz, der Mäuseturm, die Loreley natürlich, etc, etc, mit Limericks/Bingericks, sodaß sich die Karte als gebrauchslyrische Bestaunensanweisung für eine touristische Schiffstour empfiehlt.

Dieter Höss: Ein Limerickdichter auf Rheintour

Schon lange schätzen wir Dieter Höss als gewitzten Zeitungsreimer zu aktuellen Themen. Nun hat Höss einen Limerick-Band über den Rhein herausgebracht, präziser gesagt scheint es sich dabei um Städte-Limericks zu handeln, welche ihre Reime auf Städtenamen entlang des Rheins beziehen. So ist es zumindest den Badischen Neuesten Nachrichten von gestern zu entnehmen. Die außerdem zu verkünden wissen, daß Höss keine Reime auf ihren Redaktionssitz Karlsruhe fand (oder finden wollte) und zum gesamtmittelbadischen Ausgleich stattdessen Verse über eine heikle Tante in Rastatt zitieren. Und auch zum nordbadischen Mannheim fiel Höss ein gut durchgeschüttelter Fünfzeiler ein:

Ein Ehemann kehrte nach Mannheim
Von Dienstreisen meist irgendwann heim.
Die Frau zahlte die Zeit
Seiner Abwesenheit
Ihm dann mit dem Mann nebenan heim.

Welche sonstigen badischen Rheinorte und welche außerbadischen Höss noch bedichtete, wissen wir bisher nicht. Interessenten bestellen beim Dichter selbst:

Dieter Höss: Ein Limerickdichter auf Rheintour
Eigenverlag, Marsdorfer Str. 58-60, 50858 Köln
98 Seiten; 9,80 Euro plus zwei Euro Versandkosten