Venlo (3)

venlo_maasDas limburgische Venlo als rheinisch zu bezeichnen ist zum Mindesten gewagt, auch wenn es direkt an der Landesgrenze ins niederrheinische Kaldenkirchen übergeht und zahlreiche Ecken der Fußgängerzone direkt der Düsseldorfer Altstadt entnommen wirken. Rheinisch mag an Venlo zudem der Karneval sein, die Stadt ist katholisch geprägt und gilt als Hochburg des niederländischen Karnevals. Rheinisch wirkt an Venlo vor allem die Maas, deren Anblick an die niederländischen Rheinarme, mit deren südlicheren sie sich verbinden wird, erinnert. In Venlo heißt sie Mooder Maas (Mutter Maas), der Rhein kommt in Miniaturgestalt als Rijnbeek (Rheinbach), im Venloer Dialekt auch t Rienke (das Rheinchen) vor.

venlo_2 brüderFür rheinische Stimmung sorgen in Venlo desweiteren Touristenhorden aus dem Grenzland. Der Tourismus teilt sich in zwei Gruppen mit geringen Schnittmengen: die Senioren zielen vornehmlich auf Die 2 Brüder von Venlo, einen weithin berühmten, etwas unorthodox sortierten Supermarkt mit ungeheurer Kaffeeabteilung, die Junioren streben eher diverse Coffeeshops an. Insbesondere an Samstagen entwickeln sich der grenzüberschreitende Regionalzug sowie der Supermarkt zu Kampfzonen: Hackenporsches überfrachten Gepäckablagen und Korridore, generalstabsmäßig werden über Sitzreihen hinweg Fluchtwege ausbaldowert, Veteraninnen des Wochenendeinkaufs erzählen unter Gelächter Anekdoten früherer Schlachten, die kurz darauf im Supermarkt nachgestellt und neuinterpretiert werden.

venlo_jan klaassensHinter dem Schaufenster eines ehemaligen Tabakladens in der Fußgängerzone verbirgt sich “das wahrscheinlich kleinste Museum der Niederlande” (Selbstbeschreibung) bzw. “een piepklein museum” (Wikipedia). Gewidmet ist es dem Venloer Fußballer und niederländischen Nationalspieler Jan Klaassens (1931-1981), “der nicht rauchte und kein Glas Alkohol trank, dieweil er selbst Tabakwaren verkaufte und sein Vater eine Kneipe betrieb”.

Rhein-Kreis Neuss (2)

rkn_fenster im himmelAus Kraftwerkschloten gequollene Wolkenbäusche verteilen sich auf gefensterte Himmel

Über die Felder geht es von Köln mit dem Zug in den Rhein-Kreis Neuss, der erst seit 2003 so heißt und seither mit grafisch eigenständiger Beschilderung verblüfft. Verblüffend desweiteren, falls das zügig vorüberziehende Landschaftsbild nicht trügt: bei Pulheim wird neuerdings Wein angebaut. Je weiter sich die Landschaft von Köln wegbewegt, desto flacher, ausgeglichener, leerer erscheint das offene Feld. In der Ferne arbeiten die Wolkenmaschinen des Braunkohlegebiets auch am Wochenende. Wir erreichen Rheydt: der Rhein ist in diesem Teil des Rheinlands mindestens 20 Kilometer entfernt, hier fließt die Niers, die in der niederländischen Provinz Limburg in die Maas mündet. Im Rhein-Kreis Neuss dominieren das Schützenfest, die Enge in der Weite und die Miniatur: so berichtet uns ein Bäckermeister im Ruhestand wie er in Ermangelung akzeptabler Rheinnähe in der Niers, die an seinem Wohnort kaum einen halben Meter Wasserstand erreicht, das Schwimmen erlernt habe. Entlang der Straßen ziehen sich niersgespeiste Wasserrinnen, die Entengrütze, Eisvogel und Bisam beheimaten. Abends konnte man in dieser Gegend einst die Tage mit einem dicken Wumms umkippen hören.

rkn_horizontEinminütiges Horizontgold am Rande des Braunkohlegebiets Garzweiler

Auch nach Dormagen im Rhein-Kreis Neuss geht es von Köln aus über die Felder, diesmal mit dem Fahrrad, entlang des Rheins. Die kleineren Ortschaften um Köln wirken in ihrer provinziellen Mittelmäßigkeit gefangen. Daß Köln längst selbst provinziellen Anstrich trägt, scheint ihrer Ausrichtung gen Dom keinen Abbruch zu tun. In der Dormagener Fußgängerzone Kölner Straße findet, wie bei jedem unserer Besuche, ein Flohmarkt statt. Vergessen hatten wir, das Dormagen das wahrscheinlich am wenigsten fotogene Städtchen am gesamten Rheinlauf vorstellt: nichts, aber auch garnichts am Dormagener Zentrum bewirkt den Wunsch, den Auslöser zu betätigen. Unsere Frage nach touristischen Sehenswürdigkeiten beantwortet eine Einwohnerin mit Schulterzucken, besinnt sich aber und erzählt mit sorgsam bedachten Worten: daß die Kirche, der Pfarrer habe das einmal erwähnt, wegen ihres freistehenden Turms etwas Besonderes sei, worüber ein Schild genauere Auskunft gebe; daß, falls wir uns neu einkleiden wollten, dafür ein für Dormagener Verhältnisse gar nicht so schlechter Laden existiere, den sie guten Gewissens empfehlen könne; daß es bei den Ladenflächen zwar viel Leerstand gebe, man aber einen guten Latte Macchiato bekommen könne wie man ihn auch außerhalb Dormagens, sie sei erst vor zwei Jahren zugezogen, kenne; daß ihr einzig ein kleiner Lebensmittelladen fehle, der türkisches Fladenbrot und Antipasti biete, „etwas zum Schnubbeln“ wie sie es nenne. Mit diesen Hinweisen ausgestattet, machen wir uns zügig auf den Rückweg. Am ChemPark zücken wir in einem Anflug von Verzweiflung doch noch die Kamera, um die Stadt nicht völlig unabgebildet zu verlassen.

rkn_dormagen chemparkEs gibt nichts zu fotografieren in Dormagen

Reisje langs de Rijn (Wat drijft er in de Rijn)

Laatst maakten we op de mooie Rijn een tochtje
Bij Bazel zagen we al meteen in ’t eerste bochtje
De sjemische fabrieken daar, oh indrukwekkend
Hoe al die afval onverpoosd
In het water werd geloosd
En de club op de boot
Die zong van klein tot groot

Refrain:
Kijk wat drijft daar in de Rijn, Rijn, Rijn
Blinkend in de zonneschijn, -schijn, -schijn
Jongens heb ik het nou mis, mis, mis
Nee, dat is, is, is
Dooie vis, vis, vis
Door ’t vergif zo bant van kleur, kleur, kleur
En met zo’n aparte geur, geur, geur
Allerlei en allerhand, -hand, -hand
Komt bij Lobith in ons land

Bij Mannheim lag een Rijnaak stil die had een lekje
En daardoor kwam op de rivier een nieuw paars plekje
Bij Koblenz zagen wij veel schuim in witte vlokken
Dat dreef aan onze Lorelei
Zo prachtig mooi voorbij
En de hele schuit
Die zong het toen weer uit

Refrain:
Kijk wat drijft daar in de Rijn, Rijn, Rijn
Blinkend in de zonneschijn, -schijn, -schijn…

Wij dronken er een wijntje op
Ja, menig glaasje
En ’s avonds lag daar op de Rijn
Een mooi blauw waasje
De flessen gooiden we overboord bij Oberhausen
Dat zelf bepaald niet achterbleef
Te zien aan wat er dreef
En de club op het dek
Zong bij elke nieuwe vlek

Refrain:
Kijk wat drijft daar in de Rijn, Rijn, Rijn
Blinkend in de zonneschijn, -schijn, -schijn…

(Der hier bereits vorgestellte Text von Louis Davids, verballhornt von Michel van der Plas, laut muzikum.eu bereits 1975 – elf Jahre vor der Sandoz-Katastrofe – veröffentlicht und von Adèle Bloemendaal gleichsam als Quadratur des niederländischen Karnevals zu Berliner Luftböen auf die Bühne gebracht. Daß in den Niederlanden Karneval begangen wird, mag überraschen. Vor allem in den überwiegend katholischen Südprovinzen Limburg und Brabant, informiert das Touristikportal holland.com, würden “die meisten Einwohner Karneval feiern. Obwohl manche Menschen die Karnevalstraditionen sehr ernst nehmen, halten es die meisten einfach und trinken, singen und tanzen in bunten Kostümen. (…) Narren begeben sich von Kneipe zu Kneipe und grüßen Prinz Karneval mit einem kräftigen, dreifachen „Alaaf“.” Was insgesamt sehr rheinisch klingt wie auch der abschließende Ratschlag an den am niederländischen Karneval interessierten Touristen, der sich einfach ein “verrücktes Kostüm” anziehen möge: er würde dann “perfekt integriert”.)