Das Lachen der Hühner

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Die Entstehensgeschichte von Das Lachen der Hühner unterschied sich in einigen Punkten maßgeblich vom Entstehen früherer Gedichtbände. Zu diesen Punkten gehörte unter anderem die für uns ungewöhnliche Gelingens-Fürbitte bei lokal situierten höheren Mächten im Vorfeld der Arbeit an Text und Bild. In diesem Fall wandten wir uns, veranlaßt von der einheimischen Künstlerin Helena Becker, welcher der Bildpart zugedacht war und die auch die für solche Fürbitten notwendigen katholischen Rituale kannte und für alle Beteiligten vollzog, an die wohl- und heiltätige Heilige Muttergottes von Lourdes zu Bendern (oben im Bild). Die Bendner Lourdes-Grotte ist der originalen, heißt es, 1:1 nachempfunden. Mehrere in der Grotte angebrachte Votivtafeln (nicht im Bild) zeugen von erhörten Gebeten. Unser Band kam nun ebenfalls zustande. Zum Dank erhielt die Madonna einen Strauß weißer Tulpen (unten im Bild) niedergelegt und Kerzen (nicht im Bild) angezündet. Kaum hatten wir die Grotte verlassen, sprang uns im liechtensteinischen Galeriewaldkorridor ein Dutzend Rehe entgegen: ganz offenbar ein Zeichen – das wir zwar nicht genau zu deuten wissen, das jedoch in seiner Komposition aus Scheu und frühlingshafter Energie gefühltermaßen eher eine positive Auflösung der uns so gänzlich ungewohnten Fürbittensituation darzustellen schien.

Liechtenstein-Gedichtband ab sofort erhältlich

Zur Leipziger Buchmesse erscheint in der Kölner parasitenpresse ein neues Substrat unseres großen Forschungs- und Neubeschreibensprojekts zur rheinischen Kulturgeschichte und Gegenwart: Das Lachen der Hühner, ein Gemeinschaftsband mit Helena Becker, versammelt in zwei nebeneinander laufenden Zyklen aus Papierschnitten und Sonetten Eindrücke aus dem Fürstentum Liechtenstein.
Helena Becker lebt seit jeher in Liechtenstein. Ihre nach Sujet reduzierten oder dynamischen Papierschnitte zeigen vornehmlich architektonische Aspekte der elf Landesgemeinden. Die Stimmung der einzelnen Bilder wird von ortstypischen einheimischen Tieren variiert.
Die Gedichte hingegen stehen als Außensicht auf den Kleinstaat, in dem wir, teils stipendiert, Wochen und Monate verbrachten. Sie handeln von einem sagenumwobenen Flecken in Zentraleuropa, in dem die sogenannte ländliche Idylle, die selten tatsächlich eine war, gegen neue Lebensformen vertauscht wurde: Gottesreste und Straßenlärm, Almrausch und Geldkäfer spielen hierbei tragende Rollen, nicht zuletzt der verbliebene Einfluß einer von Bergen und Rhein geprägten Landschaft auf den modernen Weltprovinz-Menschen.

Stan Lafleur / Helena Becker: Das Lachen der Hühner. Liechtenstein-Gedichte und Papierschnitte, parasitenpresse, Köln 2011. 24 Seiten, ca. DIN A5-Format. Keine ISBN-Nummer.

Bestellbar über den lyrikvertreibenden Buchhandel oder direkt beim Verlag: parasitenpresse@hotmail.com
Bei Rheinsein eingehende Bestellungen werden an den Verlag weitergeleitet.
In Liechtenstein werden die Bände voraussichtlich in Bälde im Buchhandel und im Kunstmuseum vorrätig sein.

Preis für Besteller aus Deutschland: 9 Euro (inklusive Porto und Verpackung)
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Blick in den Himmel im Rhein bei Liechtenstein

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(Bild: Helena Becker)

Buchs

Radfahrt nach Buchs, einem zusammengestoppelten Schweizer Grenzstädtchen im St Galler Rheintal, dessen Städtchen allesamt als Grenzstädtchen durchgehen. Buchs gilt als Lädela- (=Shopping-)Metropole für das gegenüberliegende Fürstentum Liechtenstein, die (den Ort symbol- bzw synonymisierende) Fußgängerzone wartet mit den üblichen Ladenketten und Sonntagsverkäufen auf, im wärmeren Halbjahr brutzeln die Supermärkte vor ihren automatischen Glasschiebetüren Kalbsbratwürste und Cervelat. Außerhalb der Zone existieren zwei Brockenhäuser, eine ordentliche Quote. Wikipedia erklärt, Buchs sei mittels einer Brücke mit dem Fürstentum verbunden, tatsächlich sind es drei, eine mehr als ordentliche Quote. Parallel zum Rhein fließt der Werdenberger Binnenkanal, teils durch ein irritierend individuelles, sauber verplanquadrateltes Potpourri an Wohnhausarchitektur. Dazwischen finden sich, bevorzugt auf Parkplätzen und Verkehrsinseln, schräge, auf den ersten Blick unpassende, auf den zweiten das Gesamtbild sinnvoll abrundende Skulpturen, darunter der Orandschimann, ein über und über warnwestenorange lackierter Bauarbeiter samt Karette auf dem Flachdach des im Containerstil erbauten Polizeigebäudes, einem betongerahmten, längsbetonten, kompakten Kubus, der einen wunderbar schlichten Futurismus ausstrahlt. Das Gemeindegebiet streckt sich die Hänge aufwärts bis weit über 2000 Meter. Nebst der Fußgängerzone gibt es noch die daueremissionierende Kehrrichtverbrennungsanlage („Kleintiere und Kadaver hier entlang“) als beherrschendes Merkmal; deren Rauchsäule dient über viele Kilometer hinweg als Windindikator. Die Konfessionen sind gemischt, die reformierte Kirche besitzt einen sehenswert schlankspitzen Turmaufsatz. Die freie evangelische Gemeinde wirbt mit einem Plakat, das, sobald es nur bekannter wird, noch zu Diskussionen führen dürfte: neben dem Bibelspruch „Das ist Liebe, dass wir nach Gottes Geboten leben“ prangt das Antlitz eines sympathischen jungen Mannes beim Orgasmus. Was noch? Morgens und abends glühen die Berge – je nach Sicht. Was noch? Der Miterfinder des Rastertunnelmikroskops Heinrich Rohrer stammt aus dieser Fußgängerzone mit Wohnumgebung und Bergblick. Was noch: als zentraler Versammlungsort dient die rückwärtige Mauer einer Zweiautoparkgarage plus die davor liegenden sechs Freiluftparkplätze.

Illspitz

Nördlich Ruggells wird der kanalisierte Rhein unversehens von Wiesenstreifen flankiert, weitet sich das Tal in erfrischender Manier, steht die Sonne auf einmal mitten am Himmel, klebt nicht mehr wie ein modisches Zusatztool am ewig tagezerdreschenden Fels. Von Nord durchpustet schwallweise Frischluft den bergverengten Schädel. In den Boden gelassene Weideroste verklanglichen beim Überfahren die landschaftlichen Veränderungen, ein verloren wirkender Grenzpoller markiert den Übertritt vom Fürstentum Liechtenstein in die Republik Österreich. Kaum ist diese Linie überschritten, begegnet uns unter Gottes nun so freier Sonne auf Matschelser Gebiet ein wackerer Trupp fröhlich singender kompakter Österreicher, auch wird wieder vernünftig starckdeutsch gegrüßt („hallo“, „grüßgott“, „servus“). Damit nicht genug. Aus dem Unterholz skwrrts und skwrrts, immer schön doppelt, dh zwiefach aus klandestiner Kehle, ein erstes vorarlbergisches Tier, zwar passen weder Uhr- noch Jahreszeit, doch besteht kaum Zweifel, daß sich solcherart der Wiesenknarrer meldet, ein seltener schräger Vogel, auch Wachtelkönig genannt. Auf den Rheinwiesen tummeln sich Hunde mit ihren Besitzern, bald mündet der Spiersbach naturativiert in den Rhein. Unmittelbar hinter diesem Spektakel donnern, gleich dem Rhein eingedeicht, die algenführenden Wasser der Ill. Kurz vor der Einmündung wird die reißende Ill über zwei Sohlrampen geleitet, was ein attraktives Geschäume und Getöse gibt, das, anders als manch durchaus noch attraktivere Site des Alpenrheins, erkleckliche Mengen Ausflügler lockt – in diesem Fall kleinere Horden pummeliger Österreicher, die angesichts des rasenden Wassers hochtönende Schreie von sich geben. Ab dem Spätmittelalter wurde die Illmündung nach und nach auf ein Zehntel ihrer Breite von einst rund 300 Metern reduziert. Bei dieser alpinen Schußfahrt springen die Illkiesel auf bezeichneten Spitz, ein trianguläres Gebiet. Was dort mit schwimmschwachen Fischen geschehen mag: nicht auszudenken! Die Steine selbst sind mit allerlei Kritzelbotschaften versehen, ihre Sprache noch wenig entschlüsselt. Insgesamt scheint der Illspitz aus einem überbordenden Roman zu bestehen. Wo der Bewuchs solch literarischer Halde beginnt, reckt früher Flattich seine dottergelben Köpflein lyrisch aus letztjährigem Fahlgras. Ein angeschwemmtes Wegkreuz gemahnt zur inneren Einkehr, bevor es zurück geht, in die bergverengten Gefilde des Fürstentums.

Vorschau: Das Lachen der Hühner

Mitte März erscheint ein weiteres Rheinsein-Derivat in Buchform – diesmal in der Kölner parasitenpresse:

Das Lachen der Hühner. Liechtenstein-Gedichte und Papierschnitte

Der Band wird elf Sonette über typisch liechtensteinische Konstanten wie Geld, Autos, Gott, Rasenmäher, Überwachungskameras, die Berge und den Rhein aus unserer ausländischen Sicht enthalten, denen jeweils ein Papierschnitt der Schaaner Künstlerin Helena Becker gegenübersteht, in dem sich ihr indigener Blick auf die heimatlichen Gemeinden entfaltet. Auf diese Weise wird das Fürstentum Liechtenstein einem künstlerischen Spannungsfeld ausgesetzt, in dem es, wenn schon nicht in allen, so doch in vielen seiner außerhalb Liechtensteins bisher wenig bekannten Facetten oszillieren mag.

Das Lachen der Hühner kann ab sofort vorbestellt werden. Der Preis beträgt voraussichtlich 9 Euro / 12 Schweizer Franken.

Bestellungen bitte an: parasitenpresse@hotmail.com

Des Land isch nur luuter Schtrooss

Rheinsein bestreitet aktuell die Monatskolumne des KuL-Magazins des Liechtensteiner Vaterlands:

“Wenn ich in Deutschland gefragt werde, wie es denn in Liechtenstein so wäre, antworte ich meist banal: „Es ist das Paradies. Das heißt, es eigentlich genauso wie bei uns – nur sind dort die Autos wesentlich größer, die Häuser voluminöser (insbesondere ihre Garagen), der Verkehr dichter, der allgemeine Lärmpegel höher und die Leute glauben noch offiziell an Gott.“ Oder, wie die Einheimischen sagen: „Des Land isch nur luuter Schtrooss.“ Natürlich sollten solche Aussagen relativiert werden. Ich rede so, weil ich meinen unwissenden Gesprächspartnern gern das gängige Klischee von friedlich zwischen Treuhandfirmen, Stiftungssitzen (den Stiftungssinn umkehrender Stiftungen) und Bankhäusern grasenden Kühen in Unordnung bringe, welches das Liechtensteinbild der Deutschen für lange Zeit irreparabel durchseucht hat.
Zugegebenermaßen bin ich bei meinen Aufenthalten im Fürstentum nicht bis in die hintersten Täler der liechtensteinischen Seele vorgedrungen. Dafür habe ich die Oberflächenstrukturen des Landes mit der Pinzette abgetastet. Ich kenne die hübschen Almen, welche der Liechtensteiner als sein Naturerlebnis hegt, indem er sie, von Murmeln angepfiffen, mit dem Mountainbike erklimmt und hinabrast. Ich kenne aber auch all die mit höchstem Eifer genutzten asfaltierten Strecken, welche den Alltag des Liechtensteiners vom Morgen in den Abend schieben, während er an ihrem Seitenrande mit einer Hartnäckigkeit, die den deutschen Vorgartenmichel zum demokratisch übersättigten Faulpelz degradiert, den Rasen trimmt, stutzt, vertikutiert, als gäbe es kein Morgen und hätte Gestern niemals stattgefunden.
Von der vielbefahrenen, von Dopplereffekten nur so surrenden Straße fällt mein Blick über den mit gewaltigen Mähmaschinen bearbeiteten Vorgarten hinweg in eine Baulücke – die auf den zweiten Blick bereits keine mehr ist. Hinterm infernalischen Motorenlärm der Gartengeräte kündet zähes Klopfen von der Tätigkeit des pünktlich hinzugeeilten lückenschließenden liechtensteinischen Bauarbeiters. Sein Hammer gibt den Takt an: die Betonmischer stimmen ein. Allradgetriebene Benzinschleudern jaulen auf. Überm Tal erhebt sich die Landessinfonie. Unterm Schloß setzen die Laubbläser ein. Mählich sich steigernder Stakkatogesang einer Flex. Dieweil das Rollgitter vorm Schloßtor donnernd erzittert: ein absoluter Höhepunkt: der Fürst (oder ein sonstiges Mitglied der Familie) verläßt sein Domizil.
Es ist erstaunlich, daß der moderne Lärm noch keinen Widerhall in der zeitgenössischen Kunst des Landes erfahren hat. Dezibel Art. Tönende Ölschinken. Naive Bauernmalerei mit höllischen Motorsounds kombiniert. Kannibalistische Vertikutiererskulpturen. Grasfressende Maschinen mit zwiespältigen Botschaften. Der Hilti-Bohrhammer ersetzt die Fürstenkrone in der Landesflagge. Wer das Kunstmuseum betritt, hat die Wahl zwischen mindestens fünf landestypischen Sounds: per Knopfdruck läßt sich, sublime Interaktion, allerdings nur auf Höchstlautstärke, der Nächste mit Arbeitsgeräuschen beschallen. Alles im Rahmen der Kunst natürlich. Die ja ihre Epoche abbilden, erbauen und zum Nachdenken anregen soll. Was nicht ist, kann ja noch werden.
Aber vielleicht wäre das auch des Guten zuviel. Das Kunstmuseum als Refugium der Stille hat jedenfalls seinen – schützenswerten – Reiz. Drum hocke ich auch dort, bis es dunkelt. Ab abends gibt es weitere Orte der Ruhe, sogar in der Metropole Vaduz: so suche ich das berühmte ehemalige LGT-Geheimportal in der Gemeindetiefgarage auf. Meditiere davor bis Mitternacht. Über Geldflüsse, Gott und die Welt. Schlag Zwölfe mache ich mich auf. Im Land ist es, bis auf das viertelstündliche Erschallen der Kirchglocken, das nun nicht mehr vom Tageslärm übertönt wird, paradiesisch ruhig geworden.”

Die Biber

Die gestrige Folge der vierteiligen ARTE-Rheindoku rauschte, bis auf das bemerkenswerte Zitat, daß die Macht des Wassers eine brutale sei und die Sequenz mit Bettina Sättele, der Biber-Beauftragten des Regierungsbezirks Freiburg, aufgrund einer Programmstörung ruckhaft an uns vorüber. Biber-Beauftragte (wahlweise Biber-Managerin, Biber-Beraterin, Biberflüsterin): es gibt also doch noch schöne und wunderbare Berufe auf dieser verkommenen Welt. Als dieselbe noch in Ordnung war und der Autor dieser Zeilen ein Kind, lebten in Deutschland keine freien Biber. Bestrebungen, sie anzusiedeln fanden hinter Schutzzäunen an künstlichen Gewässern statt. So geschehen vor rund 30 Jahren im Karlsruher Oberwald. Geredet wurde viel über diese Biber, gesehen hat sie keiner. Ein ausgeklügelteres Biber-Management mußte sich erst noch selbst erfinden. Oft genug hatten wir vergebens an den eigens eingerichteten Beobachtungshütten ausgeharrt. Biber lassen sich allerdings auch nicht gerne bei ihren illegalen Bautätigkeiten auf den Zahn fühlen. Und so rührt das Wissen der Freiburger Biber-Beauftragten um heutige Populationen weiterhin eher aus Fußspuren und sonstigen Indizien (wir selbst sahen vor wenigen Monaten bei unseren Streifzügen durch Liechtenstein erstmals mit eigenen Augen den typischen Biberverbiß am Rhein) als aus konkreten Stückzählungen, die Bestände weiß sie nur zu schätzen, auch sähen sich die Tiere unglaublich ähnlich, wie die Badische Zeitung vermeldet, die Bettina Sättele vor zwei Jahren in die Bibergründe des Schwarzwalds begleitet hat und der sie die Grundlagen des Biber-Managements auseinandersetzt: “Das Zusammenleben von Mensch und Biber funktioniert nicht immer reibungslos.” Die selbstbestimmte Rückkehr des freien Bibers nach Baden-Württemberg begann laut der Expertin vor rund 20 Jahren. Er kam aus der Schweiz, Frankreich und Bayern, entlang der Läufe von Donau, Rhein und Wörnitz und ist weiter auf dem Vormarsch. Mindestens 1000 Individuen, schrieb Frau Sättele, umfaßte der Gesamtbestand Ende 2006. Das entspricht schon fast einer Armee. Kein Wunder, daß es bei solchen Ausmaßen zu Mensch-Biber-Konflikten kommt. Zumal der Badener, womöglich zu Unrecht, nicht als der weltoffenste Menschenschlag gilt. Die Biber-Beauftragte rät: „Wichtigstes Instrument zum Umgang mit dem Biber ist die langfristige Kommunikation und Kooperation mit Betroffenen, die ihre Betroffenheit jeweils sehr individuell und nach eigener Lebenserfahrung definieren. Garant für den Erfolg von Lösungsansätzen bei Problemfällen ist die möglichst exakte Einschätzung des Verhaltens der Biber vor Ort und die Einstufung des Konfliktpotentials.“ Das klingt vernünftig und auch für Amtspersonen verständlich. Wir wünschen dem Biber und den Menschen in den vom Biber eroberten Territorien eine friedliche Koexistenz. Und wünschen uns noch viel mehr Planstellen für Beauftragte, die mit dem notwendigen Ernst sich ans Glätten unserer vielfältigen gesellschaftlichen Konflikte begeben.

Miss Liechtenstein

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Beim Besuch der Wahlen zur Miss Oberland im Rahmen des Vaduzer Jahrmarkts hatten wir uns eine radikale Kuhgrippe zugezogen, an der wir bis heute laborieren. Deshalb konnten wir auch nicht den Eschener Jahrmarkt besuchen, auf dem Miss Unterland, Miss Euter und Miss (Gesamt-)Liechtenstein (Siegerin Kenia oben im Bild) gekürt wurden – sodaß wir die Geschehnisse im Nachhinein den Zeitungen entnehmen mußten. Auch nach Eschen (wie zuvor schon nach Vaduz) waren demnach eigens neutrale Schweizer Kuhsachverständige geladen, die schärfsten, modernsten Kühe ausfindig zu machen. Kuhadäquate Fachbegriffe (Unteranlage, Drittlaktation, Rot- und Schwarzflecken, Cheibli, Vählatr) gehen uns nun wie auch immer locker von der Zunge. Und einige neue Kuh- (Amanda, Alwina, Andorra, Bella, Edelweiß, Elektra, Enzian, Gämsli, Hanni, Malta, Para, Primel, Tiffany, Toplady, Venus, Zora) stehen fürder neben nicht minder feschen Stiernamen (Eros, Glenn, Prinz, Zaster) auf der Bedichtungsliste.

Einfalte Delineation

„Einfalte Delineation aller Gemeinden gemeiner dreyen Bünden nach der Ordnung der Hochgerichten eines jeden Bunds, ihren Nammen, Nachbarschafften, Höfen, Situationen, Landsart, Religion und Landsprach nach kurz entworfen, Samt beygefügten etwelchen merkwürdigen Begebenheiten auch Seltsamkeiten der Natur verfast durch einen Liebhaber guter Freunden Nicolin Sererhard einem Bundsmann, beschrieben im Prettigeu auf Seewis des Loblichen X Gerichten Bunds im Jahr unsers Heils 1742“ lautet der vollständige Titel eines lang gesuchten und nun in der Ausgabe von 1944 in der Liechtensteinischen Landesbibliothek vorgefundenen Bandes, dessen Entstehen in Dielhelms Zeit fällt, ohne daß zwischen beiden Werken direkte Bezüge auszumachen wären. Wohl aber finden sich Überschneidungen einiger Anekdoten „vom Hörensagen“ und Vorgriffe auf die Geistergeschichten aus Büchlis 200 Jahre jüngerer Mythologischen Landeskunde. Sererhards bisweilen launische Kommentare funkeln lustig im Zeitkolorit. Dergleiche berühmte Alpenföhn, der seinerzeit bisweilen Sererhards Gedankengänge beeinflußt haben mag, hat uns folgende Ausschnitte ins Netz geweht:

Der graue Bund
„Dieser Bund wird der graue Bund genennet, wie man meynet von dem Lugnezer Landwasser Gloin har, welches bey Ilanz, allwo es sich in den vordern Rhein ergießet, eine graue Farb praesentirt. Von diesem so genanten Bund La Liga Grisa werden alle Bündner mit einem General Nammen bey den Ausländischen benamset Grisonei, oder die Grau Bündner.
Ja, weil bey dem Zusammenfluß des Rheins und Glorin oder Gleners der Rhein weiser Farb und der Glener grauer Farb ist, soll auch der Ober Bund diese zwei Farben zu seiner Liberei angenommen haben.
Dieser Bund ist das erste mahl geschworen worden anno 1424 zu Trünß under einer Linden. Dazu sind die gute Leuth veranlaßt worden durch die unmenschliche Proceduren und Tyraney ihrer Oberherren und deren Vogten, danachen sie sich bemüssiget befunden, sich zum gemeinen Schutz wider die unbilliche Gewalt zusammen zu verbinden.
Von viel Exemplen nur eines zu bemerken, so ist bekannt, wie der Vogt zu Bernburg in Schamß einen Baur gezwungen, mit den Hennen und salvo honore Schweinen aus ihren Trögen zu essen. – Doch hernach als die Bauren Meister worden, ist eben diesem ein gleiches wiederfahren, und er zu gleicher Näscherey gezwungen worden. Dergleichen Exempel noch manche beyzubringen wären.“

Heute heißts, der Bund sei unter einem Ahorn geschworen worden, von dem ein Teil in Truns noch zu besichtigen sei. Linde oder Ahorn, Ahorn oder Linde? Zu den Baumauswirkungen auf Schwüre: Rita Lüthy-Schwöri – Naturwesen, Baumfeen, Berggeister. Unsere unsichtbaren Freunde, Maienfeld 1977. Die Geschichte des Vogts von der Bärenburg und dem Bauern Johannes Caldar gibts auch in einer anderen Version, die stark an jene von Pidder Lüng auf Sylt erinnert.