Nebelfluß

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Die Aufnahme zeigt das Alpenrheintal, gesehen von Triesenberg, das normalerweise deutlich mehr als 300 Höhenmeter über dem Liechtenrhein thront. Zu Silvester schwoll ein Nebelfluß über dem angestammten einher, brandete wattig an Hügel und Berge, schwappte, unter einigen Eruptionen, gefräßig über weite Teile Triesenbergs und machte insgesamt einen recht großartigen Eindruck. Aus der Höhe kommend, genehmigten wir uns eine abenteuerliche Schußfahrt in und durch die Dunstzone mitten hinein ins subnebulöse Alltagsgrau, das sich über Nacht (formal durchaus gemäß dem Energieerhaltungssatz) dann wieder verdünnisierte, weiß der Teufel wohin.

Zwischenbilanz (3)

Am weihnachtlichen Liechtenrhein spazierend, kamen uns unvermittelt drei Rehe durch den Schnee entgegengesprungen, grüßten verhalten, aber nicht unpersönlich („hoi!“), antworteten nach kurzem Zögern auf unsere verblüffte Ansprache, erzählten, schnell lockerer werdend, von ihrer abenteuerlichen Flußquerung, orakelten uns sogar was fürs kommende Jahr, stürzten sich endlich den Damm hinab und verschwanden in eleganten Sätzen, ihre typischen herzförmigen Stapfen hinterlassend, in Richtung der mit verwesendem Kohl bestandenen Äcker.
Was die Rehe uns weissagten ist vertraulich und dürfen wir an dieser Stelle daher nicht weitergeben, andernfalls die Profezeihung sich kaum erfüllen wird. Was wir aber sehr wohl dürfen, können und sogar sollten, weil es ansteht (ua auch daran erinnerte uns die Begegnung mit den Rehen im Schaaner Niemandsland), ist: Zwischenbilanz zu ziehen. Denn Rheinsein steht (zumindest in seiner Ausprägung als Weblog) kurz vor Vollendung seines zweiten Lebensjahres. Und will gern auch ins dritte driften, schriften, sehen, gehen.
Das Jahr 2010 brachte nebst den bereits ausführlicher hier vorgestellten Derivaten „Kartonbuch“ und „Hörspiel“ die erste wissenschaftliche Beschäftigung mit unserer (selbst nicht ganz unwissenschaftlichen) Tätigkeit hervor: in Form eines Symposion-Vortrags, den wir in nächster Zeit zu präsentieren hoffen. Desweiteren entwickelten Bonner Grundschüler unter unserer Leitung in Pionierarbeit (unter Einsatz weltweit einzigartiger Tangible User Interfaces) ein szenisches Bühnenstück zum Rheinthema und brachten es im November in einem Bonner Theater zur Aufführung. Daß Rheinsein in viele/n Richtungen dehn- und anwendbar ist, weil die (Grundlagen)Arbeit mit rheinischer Kultur letztlich vor kaum einer Sparte halt macht, war die maßgebliche Erkenntnis des auspendelnden Jahres.
Ansonsten finden sich auf diesen Seiten mittlerweile bald 700 Artikel mit insgesamt rund 2000 verschiedenen Schlagworten zur gesamtrheinischen Kulturgeschichte, Tendenz steigend.
Für Frühjahr 2011 ist das Erscheinen eines kleinen Gedichtbands avisiert, der sich mit einem seltenen Teilabschnitt des Rheinstroms beschäftigt: interessierte Leser mögen bitte noch ein wenig die genauere Ankündigung abwarten. Überhaupt möchten wir uns – nicht zuletzt eingedenk einiger sibyllinischer Worte oberwähnter Rehe – mit Vorschauen zurückhalten. Nur soviel sei verraten: daß wir das ein oder andere rheinisch grundierte Projekt auf der Hinterhand halten.
Ganz herzlich bedanken möchten wir uns schließlich bei allen Korrespondenten, Zuträgern, Lesern und Begleitern im Jahr 2010!
Rheinsein wünscht Dir/Ihnen einen guten Rutsch und ein gesundes und glückliches Jahr 2011, in dem wir uns hoffentlich wiedersehen!

Rheinische Weihnacht

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(Bild: Frooshaasspuren am Liechtenrhein)