Venlo

venlo_tritsmansvenlo_lucebertWandgedichte sind in den Niederlanden eine Spezialität der Universitätsstadt Leiden. Doch auch in anderen niederländischen Städten längs der Rheinarme fanden wir Gedichtzeilen an exponierten oder geschmackvoll verborgenen Stellen in die Stadtbilder integriert. Sin poesía no hay ciudad, ohne Poesie keine Stadt, lautete jüngst ein bedenkenswerter Slogan auf Werbebildschirmen im spanischen Cádiz. Das limburgische Venlo hat in dieser Hinsicht wohlweislich vorgesorgt. Bereits im Bahnhof prangt ein Wandgedicht von Marc Tritsmans. Und unweit des Bahnhofs ist Luceberts (1924-1994) uiterst klein rond deel am Eingang zur Innenstadt auf der Betonumfassung eines Baums angebracht.

venlo_paul snoekVon unten nach oben zu lesen, also in umgekehrter Versfolge auf die Hauswand appliziert, ist dieses titellose Gedicht von Paul Snoek (1933-1981), einem belgischen Dichter.

venlo_jac van hattumZeilen von Jac. van Hattum (1900-1981) an der Stadtbibliothek setzen die augenscheinliche Venloer Vorliebe für nicht allzu lang verstorbene Dichtergenerationen fort.

Nijmegen

nijmegen_bombardementIn Nijmegen lassen sich, über die Stadt verteilt, aus verschiedenen Anlässen offiziell applizierte Gedichte entdecken. Nicht so viele wie in Leiden, wo über hundert muurgedichten als integraler Bestandteil des öffentlichen Raums fungieren. Aber doch eine erstaunliche Anzahl: die ersten drei fielen uns bei der Anreise mit dem Bus von Emmerich ins Auge. In einem Schaufenster bei einer Bushaltestelle war großflächig die “Route Brandhaarden Bombardement Nijmegen 22 Feb 1944″ annonciert, mit Begehungsplan und drei Gedichten, die auf das Ereignis Bezug nehmen. Die Bombardierung der Stadt, die an die 800 Menschenleben kostete, ging von amerikanischen Lufteinheiten aus, die Nijmegen mit der deutschen Nachbarstadt Kleve verwechselten.

nijmegen_maulwurfEin Gedicht von Victor Vroomkoning ist auf einer Wandtafel an der Außenmauer der Stevenskerk anzutreffen. Es stellt den heldenhaften Widerständler “tegen een onmenselijke staat” als nachtaktiven, namen- und gesichtslosen Maulwurf dar, der sich selbst keinesfalls als Held versteht, dieweil er sein Leben für die Freiheit der Stadt einsetzt.

nijmegen_marikenMit Mariken van Nieumeghen befaßt sich das Gedicht des Belgiers Louis Paul Boon, der zu den bedeutendsten Autoren niederländischer Sprache der Neuzeit gezählt wird. Mariken ist eine aus dem Mysterienspiel (hier der vollständige Text) bekannte Figur der Stadtgeschichte aus dem frühen 16. Jahrhundert. Nach einer Kränkung, die ihr zuteil wurde, verschreibt sich Mariken dem Teufel und sündigem Lebenswandel. Später findet sie auf den christlichen Weg zurück. Heute stehen gleich zwei Mariken-Skulpturen in der Nijmeger Innenstadt.

nijmegen_spielplatz“wij willen een handvol kinderen, wijn, en / een speelplaats flink door de zon afgerost” (Gedichtzeilen an einer Spielplatzmauer von Hans Lodeizen)

Leyden (2)

Weiter sind in Leyden zu sehen ein schönes Spital für alte verlebte Leute, wie auch eines für die Fremden, imgleichen das Tollhaus, Findelhaus, Zucht= und Waisenhaus, welches letztere an Schönheit und Sauberkeit viele Fürstliche Häuser übertrift, daß also seines gleichen in den ganzen Niederlanden nicht mehr anzutreffen. Es fehlet auch dieser Stadt keinesweges an guter Anstalt für die Armen, indem schon öfters über 11000. Personen zugleich darinnen sind versorgt worden, ohne diejenigen, die sich in gedachtem Waisenhaus befunden haben. Wie denn in solchem mehrentheils bei 700. Kinder umsonst erhalten und erzogen werden. Ueber das tragen die Holländer durchgehends für die Verpflegung der Armen die herrlichste Vorsorge.

Von den weltlichen Gebäuden ist das Rathaus, als ein neues, grosses und zierliches Werk, in Augenschein zu nehmen. Ueber dem Eingang stehen schöne holländische Verse, welche auf die Belagerung, Hungersnoth und Erlösung der Stadt des Jahres 1574. verfertigt sind. In der Bürgermeister=Kammer sind sehr kostbare Gemälde, worunter das jüngste Gericht, durch Lucas von Leyden gemalt, ein so kunstreiches Stück ist, daß Kaiser Rudolph der Zweyte für solches soviel Ungarische Ducaten geboten, als zu dessen Bedeckung nöthig wäre. Auf dem Thurm dieses Rathhauses hängt ein schönes Glockenspiel, auf welchem vier Tage in der Woche unterschiedene Psalmen gespielt werden. (…) Die Glocken werden mit einem grossen eisernen Draht gezogen, welcher die Claves der Glocken mit einem hölzernen Hammer schlägt, und dieselbigen rührt, daß sie ihren ordentlichen Ton geben, und kan solches ein Knabe spielen. Die dasige sogenante Burg, oder alte Schloß, so ungefehr mitten in der Stadt neben der St. Pancratius=Kirche, am Ufer des Rheinstroms auf einem Hügel stehet, ist ein rundes und altes Gebäude, so von den Römern, oder wie andere wollen, von dem oben gedachten angelsächsischen Herzog Hengst soll seyn erbauet worden. Es begreift im Umkreis 500. Ruthen und ist mit einer sehr starken Mauer umgeben, liegt anbey so hoch, daß man davon alle umliegende Oerter deutlich übersehen kan. Es gehen bequeme Staffeln von unten bis oben hinauf, vermittelst welchen man auf einen Gang von Blumen und Laubwerk gelangt. In dessen Mitte ist ein Irrgarten und ein sehr tiefer Brunnen, der aber nun ohne Wasser ist, es sind jedoch von dieser Burg nur noch die Mauern übrig. (…)

(aus Dielhelm: Rheinischer Antiquarius)

Donau-Postkarte, erhalten am Nieuwe Rijn in Leiden

“Eine Postkarte.
Von oben sah die Donau inmitten von all dem grauen Schutt wie ein toter oder demnächst toter Regenwurm aus. An einer Stelle führte eine verlockend breite weiße Brücke hinüber. An beiden Ufern gab es kleine schwimmende Häuschen, außerdem, umgeben von viel Grün, eine Art Festung oder Kastell. Kalemegdan stand unten rechts auf dem Bild. Abgestempelt war das ganze in Belgrad.”

(aus Eduardo Halfon: Der polnische Boxer, München 2014)

Globalisierungsfänomene: Halfon, ein guatemaltekisch-amerikanischer Autor mit Wurzeln im Libanon, in Ägypten, Polen und Syrien schreibt über den Schwesterfluß des Rheins, die serbische Donau und wir lesen seine Zeilen einer imaginären Postkarte am Bruderfluß der Donau, am niederländischen Rhein, in Leiden, in einem Café, das auf und unter dem Wasser und in den verregneten Himmeln zugleich sich zu befinden scheint und gleichen also die Regenwurm-Donau mit dem plakettenartigen Firmenemblem ab, das sich, von oben betrachtet, aus den Linien der Rheine und sonstigen Leidener Wasserwege ergibt, ein Abzeichen, den Umrissen zufolge, wie es als Wappen zu einem britischen Traditions-Fußballclub paßte oder vielleicht der Grundriß eines etwas verqueren Karnevalsordens oder eines minimal aus der Zeit gefallenen Biosiegels, Assoziationen, aus denen sich Bedeutungen herleiten ließen, die in einer Welt, die sämtliche Querverbindungen akzeptiert, für bare Münze genommen werden dürften. Wen mag interessieren, inwiefern das Belgrader Schuttgrau mit dem Leidener Himmelsgrau korrespondiert und warum die eine Flußstadt mit der anderen so wenig offensichtliche und soviele nicht offensichtliche Gemeinsamkeiten teilt?

Nieselspaziergang durch Leiden

Vor dem Leidener Bahnhof steht, mit zahlreichen niederländischen Flaggen geschmückt, der mobile Fischstand von Kees Hartevelt. Er bietet Lekkerbek, Kibbeling und Garnelenkroketten, die typischen Fischschnellgerichte aus der Fritteuse, und weitere unprätentiöse Häppchen, von denen nicht immer klar ist, ob sie aus der nahen Nordsee stammen, deren Frische den Schluß jedoch nahelegt und die so in Deutschland, leider, kaum zu bekommen sind. Ein Hinweisschild an der Theke warnt vor Attacken diebischer Vögel, insbesondere Möwen, welche auf die offensichtlich hochbeliebten schnellen Pausenmahlzeiten schielen.

Fünf Fußminuten vom Bahnhof entfernt warten Rundfahrtboote auf Touristen, die sich im Novemberniesel nicht so recht blicken lassen mögen. Einer unserer Korrespondenten hatte im Vorfeld von niedrigen Brückendurchfahrten berichtet, bei denen der Kopf ziemlich tief einzuziehen sei. Einige an der Anlegestelle wartende Boote besitzen Panoramadächer, vermutlich aus Plexiglas, die tatsächlich sehr flach über den Sitzreihen aufgespannt wirken. Jahreszeitlich bedingt ist das Rundfahrtenangebot stark limitiert. Um Leiden vom Wasser aus zu betrachten, werden wir wiederkehren müssen.

Auffällig sind die vielen Gastronomiebetriebe, die Stühle und Tische an Bord gegenüber ihren Räumlichkeiten vor Anker liegender Schiffe aufgestellt haben. Auch im Regen bleibt das Mobiliar im Freien. Unter schmalen Markisen testen mehrere Cafébesucher die Angriffslust des Wetters. Wir verziehen uns ins Café van Engelen, das sich als großartige Alternative zum Gepläster vor der Tür entpuppt: hervorragende Getränke und eine zum Verlieben freundliche, aufmerksame Bedienung, perfekte Sitzgelegenheiten, auf den Punkt temperiertes Licht und entspannte Kundschaft, am liebsten hätten wir die Location nach Köln mitgenommen.

Der rote Klinker ist die Gesichtsfarbe praktisch aller niederländischen Städte. In Leidens Zentrum formen sich die Straßen zu gewachsener luftiger Harmonie, Neubauten fügen sich wie von selbst in die Ensembles, die modernen Gebäude am Stadtrand bilden die Abstufung zu einer nicht übermäßig erquicklichen, vom Straßenverkehr dominierten Landschaft mit Kühen, Schafen, Möwen, Nilgänsen und noch mehr Wasser, bis hinter Kanälen und Dünen das Meer hörbar sich selbst nachschüttet, eine vibrierende blaugraue Megaseele, an deren Rand wir stehen, über deren pulsierende, salzig-algig aromatisierte Vorgänge wir ins Nichts hinausschauen können, aus dem der Wind uns anspeit, mit seinem Gesprüh und seiner ewig herbstlichen Energie.

Catwik

Von diesem Orte komt der Rhein auf die Dörfer Valkenburg, so ein altes Schloß hat, ferner auf Morsdam und Catwick op Rhin, ein schönes Dorf anderthalb Meilen von Leyden, welches von Burgern, die von ihren Renten leben, und zu mehrerer Gemüthsberuhigung aus der Stadt gezogen sind, hingegen aber das Landleben erwehlet haben, stark bewohnet wird. Es ist mit einer schönen Kirche versehen, die in allen Unruhen verschonet geblieben und niemals, wie andern geschehen, geplündert worden.

Von Catwik op Rhin vollführt unser Rhein, der aber nunmehro, wie leicht zu erachten, keinem Strom oder schifbaren Fluß mehr gleich sieht, seinen Lauf noch ein Stük Wegs fort bis Catwik op Zee, ein Dorf in den Sandhügeln oder Dünen, ohnweit dem Gestade des Meers, drey Meilen, (einige sagen nur zwey) unterhalb Leyden, allwo er sich, eh er das Dorf erreichet, in die Dünen oder sandhügel dergestalt verkrieget und verlieret, daß man nicht sehen kan, wo er hingekommen. Folglich thut es dieser Strom heutiges Tages dem gemeinen Lauf der meisten Hauptflüsse nicht nach, wenn sich dieselben bey ihrem Ausfluß wiederum in das Meer ergiessen, aus dem sie vorher ihren Ursprung genommen haben. Inzwischen ist dieses von unserm Rheinstrom nicht zu verwundern, weil er nach so vielfältiger Abzapfung seines Wassers, so ihm nach und nach zu seinem gänzlichen Untergang gereichet, in seinem schwachen Lauf endlich fast ganz ohnmächtig wird, und sich daher auch 860. oder, nach anderer Vorgeben, 1170. und, wie die gewissesten sagen, 1360. wider die damals wütende und gewaltsam tobende See nicht beschützen konte; weswegen sein Einlauf ins Meer durch die viele ausgeworfene Sandhaufen, so die Holländer Duynen nennen, damals gänzlich verstopfet wurde.

Bey oben gedachtem Dorfe Catwik op Zee, welches von dem Meer und dessen Aufschwellen oftmals ziemlich Anstoß leidet, allwo auch unterhalb der Rhein, ehe dessen Ausfluß, wie gemeldet, ganz mit Sand verstopfet worden, in die See gelauffen, sieht man annoch ohnweit von dannen dessen äussersten Canal, den man den alten Rhein nennet. Aus diesem hatten ehemals die Herrn von Leyden auf einen Musketenschuß weit von der See, einen Graben geführt, in der Meinung, den alten Ausfluß dadurch wieder zu öfnen. Es wird aber selbiger Ort Het Mallegat oder das närrische Loch genant, weil dieser Anschlag nicht angegangen ist, indem man befunden haben soll, daß der Grund der See in selbiger Gegend höher als das Land selber gelegen sey, und zwar wegen des allda überaus vielen in dem Grund befindlichen und von Zeiten zu Zeiten zusammengehäuften Sandes. Inzwischen wollen andere behaupten, man habe vielmehr deswegen von diesem Vorhaben abgelassen, weil allzugroße Unkosten darzu erfordert worden, den Graben, welchen man durch lauter Sandberge geführet habe, für Verschüttungen zu verwahren und zu erhalten. Zwar wolllen auch noch einige andere wissen, als sey solches wegen der Stadt Amsterdam verboten worden, indem man besorget, wenn dieser Fluß wieder in seinen vorigen Gang käme, so möchte solches der Handlung selbiger Stadt zum Nachtheil gereichen. Inzwischen wird doch noch auf diesem Graben aus der See zum Salzsieden Wasser zugeführet.

(aus Dielhelm: Rheinischer Antiquarius)

Leyden

Es ist aber eine schöne, feste, grosse, wohlerbaute und volkreiche Stadt in der Graffschaft Holland, wie auch die Hauptstadt im Rheinland, (*) an dem alten Rheincanal. Ihren Anfang soll sie dem tapfern Römer Druso Germ. zu danken haben, ohngeachtet einige wollen, daß sie Hengst, der Angelsachsen Herzog, im Jahr 450. erbauet habe. Anbey ist sie mehr länglicht, als ganz rund erbauet. Ihre Mauern sind ganz von Ziegelsteinen, aber nicht hoch aufgeführt, darzwischen stehen viele Thürne, hinter welchen man die von Erde aufgeworfene Wälle, imgleichen die breiten tiefen mit Wasser angefüllten Gräben erblikt, welche mit einem Damm umgeben sind, worauf zwey Reihen grosser Bäume stehen, unter welchen zwischen zweyen Canälen ein überaus langes Malliespiel zu sehen ist. Obwohl im übrigen Leyden so ziemlich verwahrt ist, so hat es doch keine regelmäßige Festungswerker.

Ueberhaupt ist dieser Ort ohnstreitig eine der saubersten Städte in Holland, weswegen man ihn auch das Auge der holländischen Städte nennen kan, man mag nun desselben lustige und bequeme Lage, oder die Reinlichkeit der dasigen Gassen und die Schönheit der Gebäude, oder aber die grosse Menge der Einwohner und allerhand daselbst üblicher Künste und Handwerker in Betrachtung ziehen. Es steht auch diese Stadt fast in der Mitten der übrigen Städte. Denn sie liegt drey Meilen von Delft, viere von Harlem, Goude und Rotterdam, sieben von Amsterdam, Dortrecht und Utrecht, nur zweye aber vom Haag. Sie wird von vielen Canälen durchschnitten, so sie in ein und dreyßig Inseln abtheilen, und worauf man an unterschiedenen Orten mit kleinen Schiffen von einer zur andern fahren kan. Es sind dieselben zum wenigsten mit hundert fünf und vierzig Brücken überlegt, worunter bey hundert und vier steinerne sind. Dahero pflegen auch allda die Gassen viel säuberer, als oftmals anderswo die Privathäuser gehalten zu werden. Sie sind anbey mehrentheils lang, und auf beyden Seiten mit grossen Lindenbäumen besezt.

Ausser dem hat Leyden viele prächtige Häuser, so meistens von gebackenen Steinen mit schönen Erkern gebaut sind. Die Sparre, so von Harlem herkomt, fliest mitten durch den Rhein, und die dasige Luft ist anmuthig und leidlich.

Ferner sind allda zu sehen: Die grosse Kirche, zu St. Petri, als eine der vornehmsten und schönsten in Holland, so wohl gewölbt und sehr hell ist. Das Chor hat auf jeder Seite drey Reihen Pfeiler. Man zeigt ein Brod darinnen, welches soll zu Stein worden seyn, und zwar auf den Wunsch einer reichen Frauen, die ihre arme Schwester mit vielen Kindern in einer grossen Theurung, welche sie um ein Brod gebeten, abgewiesen, und gesagt habe: Wenn sie Brod hätte, so wolte sie, daß es zu Stein werde, welches auch geschehen. (…)

Sonderlich aber befindet sich die dasige medicinische Facultät in nicht geringer Aufnahme. Allhier muß ich eine Begebenheit anmerken, welche sich mit dem Prinzen Wilhelm dem III. von Oranien, und einem Bauren von Cattwiek allda begeben hat. Denn als besagter Prinz in seiner Jugend auf dasiger Universität studirte, so lies er sich von gedachtem Bauren für zwey Stüber Krabben geben, und hies ihn nachgehends, als er sein Geld forderte, mit diesen Worten sich fortpaken: Ik betael niet, ik ben de Prins; Worauf dieser dem Prinzen eine Maulschelle gab, er würde ihm auch noch weiter übel begegnet haben, wenn nicht eine gute alte Frau die zwey Stüver aus ihrem Sak hervor gelangt, und sie diesem groben Bauern gegeben hätte.

(*) Das Rheinland ist ein Theil von Südholland, welcher sich ober- und unterhalb Leyden in die Weite zwischen des Rheins beyden Ufern hinstrecket, anbey schön, eben, sehr lustig, und über die Massen fruchtbar ist. In derselben Gegend wird die beste holländische Butter gemacht, sie ist voller schöner Dörfer, welche ihrer Lage und schöner Gebäude wegen manchem Städtgen nichts nachgehen. Die vornehmsten darunter sind Rhinburg, Valkenburg, Caudekerk, Catwik, Nortwik, Sevenhuysen, u.a.m. Es kan sie ein neugieriger Reisender insgesamt in einem Tage ganz gemächlich besehen.

(aus Dielhelm: Rheinischer Antiquarius)

Die Wandgedichte von Leiden

Eine Besonderheit der südholländischen Universitätsstadt Leiden sind die muurgedichten, mehr als hundert an den Wänden der Stadt angebrachte Gedichte aus aller Welt und durch die Zeiten, von Sappho über Arthur Rimbaud bis zur jung verstorbenen bulgarischen Dichterin Danila Stoyanova. Häufig fügen sie sich so dezent und organisch ins Stadtbild ein, als wären sie bereits beim Bau der Häuser berücksichtigt gewesen.

Das Projekt existiert auch im Netz, eine Website listet sämtliche Verfasser und Adressen. In niederländischer Sprache wird dort eine zwei- bis dreistündige Wanderung vorgeschlagen, ein als PDF-Datei verfügbarer Rundgang, der vom Hauptbahnhof ausgehend gut 20 Wandgedichte beinhaltet und darüberhinaus viele Leidener Sehenswürdigkeiten am Wegrand erklärt.

Die Wanderung dürfte lohnen, soweit wir das beurteilen können, denn wir mußten sie aufgrund widrigen Wetters nach einer guten Viertelstunde abbrechen. Da führte sie bereits durch einige Winkel, die der Ortsfremde nicht unbedingt als erste betritt. Die Wandgedichte, erwies sich, sind bisweilen so angebracht, daß sie ohne speziellen Hinweis leicht übersehen werden können.

Digital StillCameraDie Idee der Wandgedichte scheint die Leidener zu weiteren Gedichtaktionen zu inspirieren. An mehreren Fenstern fanden wir Zettel mit Versen angeklebt, eines der häufig unverhängten Wohnzimmerfenster zur Straße zierte ein mit weißer Wandfarbe in expressiver Handschrift angepinseltes Gedicht. Auf ihren Straßen und zugleich im Netz dauerhaft von Lyrik schwingende Städte sind weltweit äußerst rar gestreut. Leiden scheint die unaufdringliche, gekonnt eingesetzte Lyrikpräsenz bestens zu bekommen: trotz grauen Nieselwetters beschlichen uns mehrfach Anwandlungen, Leiden als die freundlichste und schönste aller rheinischen Städte zu bezeichnen.

Stille Rijn

Die südholländische Universitätsstadt Leiden wird durchflossen vom Oude Rijn (Alter Rhein), der sich auf dem Stadtgebiet in den Nieuwe Rijn (Neuer Rhein) abspaltet, ein Teilstück des Leidener Rheins wird als Stille Rijn (Stiller Rhein) bezeichnet. Was an Rheinwasser die Stadt verläßt, um wenige Kilometer westlich bei Katwijk in die Nordsee zu münden, wird erneut Oude Rijn genannt, wenngleich dessen letzte Meter wiederum technische Bezeichnungen wie Uitwateringskanaal, Berghaven, Binnenwatering und Buitenwatering tragen.

So verwirrend das niederländische Gewässersystem erscheint, soviel Schönheit strahlt es aus. Neben den Rheinabspaltungen dominieren Leidens Stadtbild zahlreiche Grachten, Singels und Kanäle, auf denen Hausboote und Gastronomieschiffe ankern. Selbst im diesig-vernieselten Novemberwetter wirken die wasserdurchzogenen Straßen einladend und geben der Stadt ein freundliches, entspanntes Gesicht. Das Bild entstand auf der Kippenbrug (Hühnerbrücke) und zeigt den Stille Rijn wie er seinem Namen zur Ehre gereicht.

Bemerkung über den wahren Lauf des Rheins, und über die physischen Ursachen seiner Dauer.

Nach Emiland Estienne’s Aufsatz im 2ten Bande der Annales de Statistique S. 14

Man ist in Frankreich ganz allgemein der Meinung, dass der Rhein am Gotthardsberge entspringt: das ist ein Irrthum. Wenn man sagt, dass man über den Gotthardsberg geht, so versteht man, wie Saussure und alle Alpenbewohner, jenen erhabenen Rücken, welcher das Thal Urseren von dem Thale Levantine, zwischen dem Dorfe l’Hopital gegen Norden, und dem Dorfe Ayrolo gegen Süden scheidet. Nun, die berge, auf welchen die Quellen des Rheins liegen, sind vom Gotthardsberge ganz unterschieden, welcher wenigstens drey Myriameter (beynahe 6 Meilen) von der nächsten Rheinquelle entfernt ist.
Der Rhein, lateìnisch Rhenus, entspringt auf den Bergen von Graubünden, wo er drey unterschiedliche Quellen hat, welche aber durch die regelmässige Schmelzung des Eises und durch die Herabsenkung der Wolken, die der Wind dahin treibt und der beeiste Gipfel dieser hohen Berge anzieht, ihre Entstehung und Dauer erhalten.
Die erste dieser Quellen , oder vielmehr jene, die am meisten gegen Norden liegt, ist unter dem deutschen Namen Vorderrhein, Nieder- und Unterrhein bekannt; diese Quelle entsteht aus vielen kleinen Bächen, welche durch ihre Vereinigung einen Gussbach formiren, in einer Spalte des Cima del Badur, welches der höchste von allen jenen Bergen ist, die zusammen das, was man Crispalta nennet, das ist, jene Gebirgskette ausmachen, welche gegen Westen Graubünden von dem Thale Urseren scheidet.
Die zweyte Quelle, welche den Namen Mittel-Rhein fUhret, kömmt vom Cadelin, der einen Theil des schrecklichen Luch- Mannier ausmacht.
Nach einem Laufe von sieben bis acht Meilen fällt diese Quelle in den Unter-Rhein, nahe bey der Abtey Disenty. Endlich die dritte Rheinquelle, oder der Hinter-Rhein (hohe Rhein), welche am meisten gegen Süden, und eben desswegen von seiner Mündung am weitesten entfernt liegt, entspringt am Vogelberge, Colme dell’Uccello, und vereiniget sich mit den andern zwey Aesten bey dem Schlosse und der Brücke Reichenau, von wo der Rhein seinen natürlichen Lauf gegen Coire nimmt, wo er anfängt schiffbar zu werden, das Rheinthal von Tyrol scheidet, und sich in den Konstanzersee ergiesst, bey Stein aus diesem See herausgeht, von hier seinen Lauf gegen Westen nimmt, dann bey den Mauern von Diessenhofen und Schaffhausen vorbeyfliesst, eine kleine Weile unterhalb dieser letzten Stadt den berühmten Wasserfall zu Lauffen bildet, wo das Wasser bey 15 metres hoch sich mit sehr grossem Geräusch zwischen Felsen hinabstürzt, Waldshut, Lauffenbourg, Seckingen und Rheinfelden bewässert, nach Basel kömmt, welches er in zwey sehr ungleiche Theile vertheilet, dann die Sçhweitz verlässt und indem er seinen Lauf nach Norden richtet, Frankreich von Deutsehland scheidet bis auf die Gränzen Bataviens, wohin er noch bis drey Kilometres über die Schenkenschanz hinausgehet.
Kaum kommt der Rhein in das Batavische Gebieth, so theilt er sich in zwey Arme , einen südlichen und einen nördlichen, mittels eines Kanals (der, neue Kanal genannt) der im Anfange des letzten Jahrhunderts bey Panderen, einem beylaufig einen Myriameter oberhalb Niwegen gelegenen Dorfe, errichtet worden ist.
Der südliche Arm, oder der Waal, nach einen Lauf von einigen Meilen über Niwegen, Thiel und Bommel, vereinigt sich bey Fort André mit der Maas, und bildet durch diese Vereinigung die Insel Bommel, unterhalb welcher der Waal und die Maas sich neuerdings vereinigen und unter dem Namen der Merwe fortfliessen, die sich nachdem sie bis unterhalb Gorcum gekommen, südlich in eine grosse Anzahl Aeste ausbreitet, welche eine Menge kleiner unter dem flamandischen Namen Waarden bekannter Inseln machen, hernach fliesst dieser Fluss nordwestlich gegen Rotterdam, wo er den Namen Maas wiederum annimmt, und gegen Briel geht, und sich da in das Meer ergiesst. Der nördliche Arm erhält den Namen Rhein. Kaum kömmt er auf die Höhe von Arnheim, dem vornehmsten Orte des batavischen Départements von Geldern, so zertheilt er sich neuerdings, um den neuen Yssel zu formiren, der seinen Lauf nördlich gegen Doesburg richtet, wo der alte Yssel, der von den westphälischen Gebirgen herabkömmt, sich mit ihm zu einem einzigen Flusse vereiniget, welcher dann in den Zuiderzée fällt.
Der zweyte Theil des Rheins aber theilet sich bey Utrecht wieder in zwey Arme, deren einer sich gegen Norden unter dem Namen Vecht wendet, und bey Veesp und Muyden vorbeyfliesst, und in den Zniderzée fällt.
Der andre Arm, der den Namen Rhein behält, geht seinen natürlichen Lauf durch Woerden, und entladet sich, ehe er nach Leiden kömmt, eines beträchtlichen Theils seines Wassers, das durch drey verschiedene Gänge iu den Harlemersee ausfliesst.
1) Durch den Heimans-Water, einen Kanal, welcher beym Dorfe Oudshorn N. Oe. von Alpher anfängt, und an den Drasemersee endet, der mit dem Harlemer durch einen eine halbe Meile langen Kanal verbunden ist.
2) Durch den Does, einen andern Kanal, der westlich eine Meile von Leyden anfängt, und gleichfalls an den Brasemersee endet.
3} Endlich durch den Kromezyl bey Leyden, der in das Kager-Meer, oder in den Kagersee fällt, welcher ein Busen oder eine Ausdehnung des Leydnersees ist, der einen Theil des grossen Harlemersees ausmacht.
Also geht der Rhein, nachdem er 0,900 seines Wassers vertheilet, nach Leyden, und verliert fich in den Catwykschen Sandhügeln, deren Entstehung im Jahre 860 den Aussluss dieses Flusses ins Meer zerstöret hat.

(Archiv für Geographie und Statistik, ihre Hülfswissenschaften und Litteratur mit vorzüglicher Rücksicht auf die österreichischen Staaten: Verfasset von einer Gesellschaft Gelehrten u. Hrsg. Von Joseph Marx Freiherrn von Liechtenstern, Wien 1802)

Nicht übel, Mr. Hubble!

Im April 1925 erschien in der amerikanischen Zeitschrift Popular Astronomy der Bericht eines Vortrags, welchen Edwin Hubble im Januar desselben Jahres unter dem Titel Cepheid Variables in Spiral Nebulae an der George Washington University gehalten hatte, gefolgt von einem Nachdruck in der britischen Zeitschrift Observatory. Mit dieser Pubikation wurde der Astronom weltbekannt.

Im Juli 1928 unternahm Hubble mit weiteren Teilnehmern der 3. Generalversammlung der Internationalen Astronomischen Union in Leiden eine Reise zu wissenschaftlichen Zentren in den Niederlanden, in Deutschland und in England. Während dieser Reise nahm sich Hubble, ein begeisterter Angler, Zeit, um in Schaffhausen seinem Hobby nachzugehen: Forelle, Barsch, Äsche, Hecht, Zander, Rotauge, Brasse und Karpfen schienen ihm Gründe genug für einen Besuch des Rheinfalls. Beim Weidlingsangeln wurde er seinerzeit von Josef Mändli, Journalist bei den Schaffhauser Nachrichten (damals noch: Schaffhauser Intelligenzblatt), fotografiert:

hubble1

Als im März 1929 Hubbles sechsseitiger Artikel A Relation between Distance and Radial Velocity among Extra-Galactic Nebulae erschien, erinnerte sich Josef Mändli seiner Aufnahmen vom Vorjahr. Unter der Überschrift Nicht übel, Mr. Hubble! erklärte Mändli seinen Lesern ausführlich und kompetent den neuen Meilenstein der Astronomie-Geschichte. Zur Illustration verwendete er nochmals seine Aufnahme von Hubble am Rheinfall, allerdings nun in einer bearbeiteten Version, welche den Expansionsgedanken an einem heimatlichen Beispiel illustrieren sollte:

hubble2

La Pêche miraculeuse (5)

(…) D’après les règles de la grande partie, celui des deux combattants qui sort victorieux de cette épreuve a le droit de choisir la boisson qui lui convient, et de l’imposer à son adversaire.
Hérode avait déposé sa pipe sur le comptoir. Il prit le fil et l’aiguille que lui présentait Van den Brock, et, soulevant sa lourde masse, les yeux écarquillés, le bras haut, il ajusta; mais, soit que sa main fût réellement alourdie, ou que le vacillement des chandelles lui troublât la vue, il fut obligé de s’y reprendre à deux fois, ce qui parut faire une grande impression sur les assistants, car ils se regardèrent entre eux tout stupéfaits.
«A votre tour, Cappelmans!» dit le bourgmestre.
Alors maître Andreusse se levant, prit l’aiguille, et du premier coup il passa le fil.
Des applaudissements frénétiques éclatèrent dans la salle; on aurait dit que la baraque allait s’écrouler.
Je regardai Gambrinus: sa large figure charnue était bouffie de sang, ses joues tremblaient.
Au bout d’une minute, le silence étant rétabli, Van den Brock frappa trois coups sur la table et s’écria d’un ton solennel:
«Maître Cappelmans, vous êtes glorieux en Bacchus!… Quelle est votre boisson?
- Du skidam! répondit maître Andreusse, du vieux skidam! Tout ce qu’il y a de plus vieux et de plus fort!»
Ces mots produisirent un effet surprenant sur le tavernier.
«Non! non! s’écria-t-il; de la bière, toujours de la bière: pas de skidam.»
Il s’était levé tout pâle.
«J’en suis fâché, dit le bourgmestre d’un ton bref; mais les règles sont formelles: qu’on apporte ce que veut Cappelmans.»
Alors Gambrinus se rassit comme un malheureux qui vient d’entendre prononcer sa condamnation à mort, et l’on apporta du skidam de l’an XXII, que nous goûtâmes, Van Rasimus et moi, afin de prévenir toute fraude ou mélange.
Les verres furent remplis et la lutte continua.
Toute la population d’Osterhaffen se pressait aux fenêtres.
On avait éteint les chandelles. Il faisait grand jour.
A mesure que la lutte approchait du dénoûment fatal, le silence devenait plus grand. Les buveurs, debout sur les tables, sur les bancs, les chaises, les tonnes vides, regardaient attentifs.
Cappelmans s’était fait servir une andouille et mangeait de bon appétit; mais Gambrinus ne se ressemblait plus à lui-même; le skidam le stupéfiait! Sa large face cramoisie se couvrait de sueur, ses oreilles prenaient des teintes violettes, ses paupières s’abaissaient, s’abaissaient. Parfois un tressaillement nerveux lui faisait relever la tête; alors, les yeux tout grands ouverts, la lèvre pendante, il regardait d’un air hébété ces figures silencieuses pressées les unes contre les autres; puis il prenait sa cruche à deux mains et buvait en râlant.
Je n’ai rien vu de plus horrible en ma vie. Tout le monde comprenait que la défaite du tavernier était certaine.
«Il est perdu! se disait-on. Lui qui se croyait invincible, il a trouvé son maître; encore une ou deux cruches, et tout sera fini!»
Cependant quelques-uns prétendaient le contraire; ils affirmaient qu’Hérode pouvait tenir encore trois ou quatre heures, et Van Rasimus offrait même de parier une tonne d’aele, qu’il ne roulerait sous la table que vers le coucher du soleil; lorsqu’une circonstance, en apparence insignifiante, vint précipiter le dénoûment.
Il était près de midi.
Le garçon de cave Nickel Spitz emplissait les cruches pour la quatrième fois.
La grande Judith, après avoir essayé de mettre de l’eau dans le skidam, venait de sortir tout en larmes; on l’entendait pousser des gémissements lugubres dans la chambre voisine.
Hérode sommeillait.
Tout à coup la vieille horloge se mit à grincer d’une façon bizarre, les douze coups sonnèrent au milieu du silence; – puis le petit coq de bois, perché sur le cadran, battit des ailes et fit entendre un ko-ko-ri-ko prolongé.
Alors, mes chers amis, ceux qui se trouvaient dans la salle furent témoins d’une scène épouvantable.
Au chant du coq, le tavernier s’était levé de toute sa hauteur, comme poussé par un ressort invisible.
Je n’oublierai jamais cette bouche entr’ouverte, ces yeux hagards, cette tête livide de terreur.
Je le vois encore étendre les mains pour repousser l’affreuse imago. Je l’entends qui s’écrie d’une voix strangulée:
«Le coq! oh! le coq!…»
Il veut fuir… mais ses jambes fléchissent!… et le terrible Hérode Van Gambrinus tombe comme un boeuf sous le coup de l’assommoir, aux pieds de maître Andreusse Cappelmans.

III
Le lendemain,vers six heures du matin, Cappelmans et moi nous quittions Osterhaffen, emportant la Pêche miraculeuse.
Notre rentrée à Leyde fut un véritable triomphe; toute la ville, prévenue de la victoire de maître Andreusse, nous attendait dans les rues, sur les places: on aurait dit un dimanche de kermesse; mais cela ne parut faire aucune impression sur l’esprit de Cappelmans. Il n’avait pas ouvert la bouche tout le long de la route, et semblait préoccupé.
A peine arrivé chez lui, son premier soin fut de consigner sa porle:
«Christian, me dit le brave homme en se débarrassant de sa grosse houppelande, j’ai besoin d’être seul; retourne chez ta tante et tâche de travailler. Quand le tableau sera fini, j’enverrai Kobus te prévenir.»
Il m’embrassa de bon coeur et me poussa doucement dehors.
Ce fut un beau jour, lorsque, environ six semaines plus tard, maître Andreusse vint me prendre lui-même chez dame Catherine et me conduisit dans son atelier.
La Pêche miraculeuse était suspendue contre le mur, en face des deux hautes fenêtres.
Dieu, quelle oeuvre sublime! Est-il possible qu’il soit donné à l’homme de produire de telles choses!… Cappelmans avait mis là tout son coeur et tout son génie: l’âme de Van Marius devait être satisfaite.
Je serais resté jusqu’au soir, muet d’admiration, devant cette toile incomparable, si le vieux maître, me frappant tout à coup sur l’épaule, ne m’avait dit d’un ton grave:
«Tu trouves cela beau, n’est-ce pas, Christian? Eh bien, Van Marius avait encore une douzaine de chefs-d’oeuvre pareils dans la tête. Malheureusement, il aimait trop d’aele triple et le skidam; son estomac l’a perdu! C’est notre défaut, à nous autres Hollandais. Tu es jeune, que cela te serve de leçon; – le sensualisme est l’ennemi des grandes choses!» FIN.

La Pêche miraculeuse (3)

II
Notre carriole, attelée d’un petit cheval du Zuyderzée à grosse tête, les jambes courtes et poilues, le dos couvert d’une vieille peau de chien, courait depuis trois heures, de Leyde à l’Anse des Harengs, sans paraître avoir avancé d’un pouce.
Le soleil couchant projetait sur la plaine humide d’immenses reflets pourpres; les mares flamboyaient, et tout autour se dessinaient en noir les joncs, les roseaux et les prêles qui croissaient sur leurs rives.
Bientôt le jour disparut, et Cappelmans, sortant de ses rêveries, s’écria:
«Christian, enveloppe-toi bien de ta casaque, rabats les bords de ton feutre, et fourre tes pieds sous la paille. – Hue… Barabas… hue donc! nous marchons comme des escargots.»
En même temps il donnait l’accolade à sa cruche de skidam; puis s’essuyant les lèvres du revers de la main, il me la présentait, disant:
«Bois un coup, de peur que le brouillard ne t’entre dans l’estomac. C’est un brouillard salé, tout ce qu’il y a de pire au monde.»
Je crus devoir suivre l’avis de Cappelmans, et cette liqueur bienfaisante me mit aussitôt de bonne humeur.
«Cher Christian, reprit le vieux maître après un instant de silence, puisque nous voilà pour cinq ou six heures dans les brouillards, sans autre distraction que de fumer des pipes et d’entendre crier la charrette, causons d’Osterhaffen.»
Alors le brave homme se mit à me faire la description de la taverne du Pot de Tabac, la plus riche en bières fortes et en liqueurs spiritueuses de toute la Hollande.
«C’est dans la ruelle des Trois-Sabots qu’elle se trouve, me dit-il. On la reconnaît de loin à sa large toiture plate; ses petites fenêtres carrées, à fleur de terre, donnent sur le port. En face s’élève un grand marronnier; à droite, le jeu de quilles longe un vieux mur couvert de mousse, et derrière, dans la basse-cour, vivent pêle-mêle des centaines d’oie, de poules, de dindons et de canards, dont les cris perçants forment un concert tout à fait réjouissant.
«Quant à la grande salle de la taverne, elle n’a rien d’extraordinaire; mais là, sous les poutres brunes du plafond, au milieu d’un nuage de fumée bleuâtre, trône, dans un comptoir en forme de tonneau, le terrible Hérode Van Gambrinus, surnommé le Bacchus du Nord!
«Cet homme-là boit à lui seul deux mesures de porter; l`aele triple et le lambic passent dans son estomac comme dans un entonnoir de fer-blanc; il n’y a que le genièvre qui puisse l’assommer!
«Malheur au peintre qui met le pied dans cet enfer! – je te le dis, Christian, il vaudrait mieux qu’il n’eût jamais vu le jour. – Les jeunes servantes aux longues tresses blondes s’empressent de le servir, et Gambrinus lui tend ses larges mains velues, mais c’est pour lui voler son âme: le malheureux sort de là, comme les compagnons d’Ulysse sortirent de la caverne de Circé!»
Ayant dit ces choses d’un air grave, Cappelmans alluma sa pipe et se prit à fumer en silence.
Moi, j’étais devenu tout mélancolique, une tristesse insurmontable pénétrait dans mon âme. Il me semblait approcher d’un gouffre, et s’il m’eût été possible de sauter de la charrette, – que Dieu me le pardonne! – j’aurais abandonné le vieux maître à son entreprise hasardeuse.
Ce qui me retint encore, c’est l’impossibilité de retourner à travers des marais inconnus, par une nuit sombre. Il me fallut donc suivre le courant et subir le sort funeste que je prévoyais.
Vers dix heures, maître Andreusse s’endormit; sa tête se prit à ballotter contre mon épaule. Moi je tins bon encore plus d’une heure; mais enfin la fatigue l’emporta et je m’endormis à mon tour.
Je ne sais depuis combien de temps nous jouissions du repos, lorsque la charrette s’arrêta brusquement, et que le voiturier s’écria: «Nous y sommes!»
Cappelmans fit entendre une exclamation de surprise, tandis qu’un frisson me parcourait de la tête aux pieds.
Je vivrais mille ans, que la taverne du Pot de Tabac, telle que je la vis alors, avec ses petites fenêtres scintillantes et sa grande toiture qui s’abaisse à quelques pieds du sol, serait toujours présente à ma mémoire.
La nuit était profonde. La mer, à quelque cent pas derrière nous, mugissait, et par-dessus ses clameurs immenses, on entendait nasiller une cornemuse.
Dans les ténèbres, on voyait danser des silhouettes grotesques aux vitres de la baraque. On aurait dit un jouet d’enfant, une lanterne magique, un mirliton posé là dans la nuit pour narguer la scène formidable.
L’allée fangeuse éclairée par une lanterne de corne laissait entrevoir des figures étranges, avançant et reculant dans l’ombre comme des rats dans un égout. La ritournelle poursuivait toujours son train, et ce bruissement nasillard, le petit cheval de Van Eyck, la tête basse, les pieds dans la boue; Cappelmans, qui serrait sa grosse houppelande sur ses épaules en grelottant; la lune, entourée de nuages, regardant à travers quelques crevasses lumineuses: tout confirmait mes appréhensions et me pénétrait d’une tristesse invincible.
Nous allions mettre pied à terre, quand, du milieu des ombres, s’avança brusquement un homme de haute stature, coiffé d’un large feutre, la barbe en pointe, le col rabattu sur le pourpoint de velours noirs, et la poitrine ornée d’une triple chaîne d’or, à la manière des anciens artistes flamands.
«C’est vous, Cappelmans? fit cet homme, dont le profil sévère se dessinait sur les petites vitres du bouge.
- Oui, maître! répondit Andreusse tout stupéfait.
- Prenez garde! reprit l’inconnu en levant le doigt; prenez garde: le tueur d’âmes vous attend!
- Soyez tranquille; Andreusse Cappelmans fera son devoir!
- C’est bien, vous êtes un homme: l’esprit des vieux maîtres est avec vous!»
Ce disant, l’étranger s’enfonça dans les ténèbres, et Cappelmans, tout pâle, mais l’air ferme et résolu, descendit de la carriole.
Je le suivis plus troublé qu’il ne me serait possible de le dire.
De vagues rumeurs s’élevaient alors de la taverne. On n’entendait plus la cornemuse. (…)

La Pêche miraculeuse (2)

(…) «Mais, bien loin de m’écouter, il entonnait un refrain bachique d’une voix tonnante, et finissait toujours par imiter le chant du coq. C’était son plaisir favori d’imiter le chant du coq. Ainsi, par exemple, à la taverne, quand son verre était vide, au lieu de frapper sur la table comme tout le monde pour prévenir la servante, il agitait les bras et lançait des ko-ko-ri-kot jusqu’à ce qu’on eût rempli sa chope.
«Depuis longtemps Marius me parlait de son chef-d’oeuvre: la Pêche miraculeuse. Il m’en avait fait voir les premières esquisses, et j’en étais émerveillé, lorsqu’un beau matin il disparut subitement de Leyde, et, depuis, personne n’a reçu de ses nouvelles.»
Ici, Cappelmans ralluma sa pipe d’un air rêveur et poursuivit:
«Hier soir, j’étais à la taverne du Cruchon d’Or, en compagnie du docteur Roëmer, d’Eisenloeffel, et de cinq ou six vieux camarades. Vers dix heures, je ne sais plus à quel propos, Roëmer se mit à déclamer contre les pommes de terre, déclarant que c’était le fléau du genre humain; que depuis la découverte des pommes de terre, les aborigènes de l’Amérique, les Irlandais, les Suédois, les Hollandais, et généralement tous les peuples qui boivent beaucoup de spiritueux, au lieu de jouer comme autrefois leur rôle dans le monde, se trouvaient réduits à l’état de zéros. Il attribuait cette décadence à l’eau-de-vie de pommes de terre, et tout en l’écoutant, – je ne sais par quelle évolution singulière de mon esprit, – le souvenir de Van Marius me revint en mémoire: «Pauvre vieux! me dis-je en moi-même, que fait-il maintenant? A-t-il terminé son chef-d’oeuvre? Pourquoi diable ne donne-t-il pas de ses nouvelles?
«Comme je réfléchissais à ces choses, le watchman Zélig entra dans la salle pour nous prévenir qu’il était temps de quitter la taverne: onze heures sonnaient. – Je rentre donc chez moi, la tête un peu lourde. Je me couche et je m’endors.
«Mais voilà qu’une heure après, Brigitte, la ravaudeuse en face, allume ses rideaux. Elle crie: «Au feu!» J’entends courir dans la rue, j’ouvre les yeux, et qu’est-ce que je vois? Un grand coq noir perché sur un chevalet au beau milieu de mon atelier.
«En moins d’une seconde, les rideaux de la vieille folle avaient flambé, puis s’étaient éteints d’eux-mêmes. Tout le monde s’en allait en riant… Mais le coq noir restait toujours à sa place, et comme la lune brillait entre les tours de l’hôtel de ville, ce singulier animal m’apparaissait on ne peut mieux. Il avait de grands yeux jaunes cerclés de rouge, et se grattait la tête du bout de la patte.
«Je l’observais depuis au moins dix minutes, me demandant par où cet animal bizarre avait pu se glisser dans mon atelier, lorsque, relevant la tête, le voilà qui me dit:
«Comment, Cappelmans, tu ne me reconnais pas? Je suis pourtant l’âme de ton ami Van Marius!
«L’âme de Van Marius! m’écriai-je. Van Marius est donc mort?
«Oui, répondit-il d’un air mélancolique, c’est fini, mon pauvre vieux. J’ai voulu jouer la grande partie contre Hérode Van Gambrinus; nous avons bu deux jours et deux nuits sans désemparer. Le matin du troisième jour, comme la vieille Judith éteignait les chandelles, j’ai roulé sous la table! Maintenant, mon corps repose sur la colline d’Osterhaffen, en face de la mer, et je suis à la recherche d’un nouvel organisme… Mais ce n’est pas de cela qu’il s’agit: je viens te demander un service, Cappelmans!
«Un service! Parle…. Tout ce qu’un homme peut faire, je le ferai pour toi!
«A la bonne heure! reprit-il, à la bonne heure! j’étais sûr que tu ne me refuserais pas. Eh bien donc, voici la chose. Tu sauras, Andreusse, que j’étais allé à l’Anse des Harengs, tout exprès pour finir la Pêche miraculeuse. Malheureusement, la mort m’a surpris avant que j’aie pu mettre la dernière main à cet ouvrage… Gambrinus l’a suspendu comme un trophée, au fond de sa taverne: cela me remplit d’amertume… Je ne serai content que lorsqu’il sera terminé, et je viens te prier de le finir. Tu me promets, n’est-ce pas, Cappelmans?
«Sois tranquille, Jan, c’est une affaire entendue.
«Alors, bonsoir!
«Et là-dessus, mon coq bat de l’aile, et traverse l’une de mes vitres, avec un bruit sec, sans faire le moindre éclat.»
Après avoir terminé ce récit bizarre, Cappelmans déposa sa pipe sur le bord de la fenêtre et vida sa chope d’un trait.
Nous restâmes longtemps silencieux, nous regardant l’un l’autre.
«Et vous croyez que ce coq noir était réellement l’âme de Van Marius? dis-je enfin au brave homme.
- Si je le crois! fit-il. C’est-à-dire que j’en suis sûr!
- Mais alors que pensez-vous faire, maître Andreusse?
- C’est bien simple; je vais partir pour Osterhaffen. Un honnête homme n’a qu’une parole: j’ai promis à Van Marius de terminer la Pêche miraculeuse, et je la terminerai coûte que coûte. Dans une heure, Van Eyckle borgne doit venir me prendre avec sa charrette.»
Puis s’arrêtant et me regardant d’un oeil fixe:
«Eh! fit-il, j’y songe… tu devrais m’accompagner, Christian; c’est une magnifique occasion de voir l’Anse des Harengs. Et puis, on ne sait ce qui peut arriver; je serais content de l’avoir près de moi.
- Je le voudrais bien, maître Andreusse; mais vous connaissez ma tante Catherine, elle ne consentira jamais.
- Ta tante Catherine… je vais lui signifier qu’il est indispensable pour ton instruction de voir un peu la côte. Qu’est-ce qu’un peintre de marines qui ne quitte jamais les environs de Leyde, qui ne connaît que le petit port de Katwyk? Allons donc, c’est absurde!:.. Tu viens avec moi, Christian, c’est entendu!»
Tout en parlant de la sorte, le digne homme passait sa large casaque rouge, et, me prenant ensuite par le bras, il m’emmena gravement chez ma tante.
Je ne vous raconterai pas tous les pourparlers, toutes les objections, toutes les répliques de maître Cappelmans pour décider ma tante
Catherine à me laisser partir avec lui. Le fait est qu’il finit-par l’emporter, et que deux heures plus tard nous roulions vers Osterhaffen. (…)

La Pêche miraculeuse

In den Gallica-Archiven finden sich die Contes des bords du Rhin von Erckmann-Chatrian (Paris 1878), die offenbar bisher nicht ins Deutsche übersetzt wurden. Ein Schätzchen. Hier daraus:

La pêche miraculeuse

I
Un matin du mois de septembre 1850, le vieux peintre de marines, Andreusse Cappelmans, mon digne maître, et moi, nous fumions tranquillement notre pipe à la fenêtre de son atelier, au dernier étage de la vieille maison qui forme le coin à droite de la rue des Brabançons, sur le pont de Leyde, et nous vidions un pot d`aele à notre santé réciproque.
J’avais alors dix-huit ans, la tête blonde et rose; Cappelmans approchait de la cinquantaine; son gros nez rouge prenait des teintes bleuâtres, ses tempes s’argentaient, ses petits yeux gris se plissaient, de grosses rides bridaient ses joues brunes; au lieu de la plume de coq qui faisait jadis sa gloire, il venait d’orner son feutre d’une simple plume de corbeau.
Le temps était superbe. En face de nous se déroulait le vieux Rhin; quelques nuages blancs nageaient au-dessus dans l’azur: le port avec ses gros bateaux noirs, la voile pendante, dormait au-dessous, le soleil miroitait sur les flots bleuâtres et des centaines d’hirondelles fendaient l’air.
Nous étions là, rêveurs, l’âme noyée de sentiment; de grandes feuilles de vigne, encadrant la fenêtre, frissonnaient à la brise, un papillon s’élevait, une volée de moineaux criards s’élançaient à sa poursuite; plus bas, sur le toit de l’échoppe, un gros chat roux s’arrêtait et regardait en balançant la queue d’un air méditatif.
Rien de calme comme ce spectacle, et pourtant Cappelmans était triste, soucieux.
«Maître Andreusse, lui dis-je tout à coup, vous avez l’air de vous ennuyer?»
- Mi’est vrai, fit-il, je suis mélancolique comme un âne qu’on étrille.
- Pourquoi? Le travail va bien ; vous avez plus de commandes que vous ne pouvez en remplir, et voici la kermesse qui vient dans une quinzaine.
- J’ai fait un vilain rêve!
- Vous croyez aux rêves, maître Cappelmans?
- Je ne suis pas sûr que ce soit un rêve, Christian, car j’avais les yeux ouverts.
Puis, vidant sa pipe au bord de la fenêtre:
«Tu n’es pas sans avoir entendu parler de mon vieux camarade, Van Marius, dit-il, Van Marius, le fameux peintre de marines, qui comprenait la mer comme Ruysdaël comprenait la campagne, Van Ostade le village, Rembrandt les intérieurs sombres, Rubens les temples et les palais. Ah! c’était un grand peintre; en face de ses tableaux, on ne disait pas: «C’est beau!» On disait: «Que la mer est belle!… qu’elle est grande et terrible!» -
On ne voyait pas le pinceau de Van Marius aller et venir; mais l’ombre de la main de Dieu s’étendre sur la toile. Oh! le génie… le génie… quel don sublime, Christian!»
Cappelmans se tut, les lèvres serrées, le sourcil froncé, les larmes aux yeux.
Pour la première fois je le voyais ainsi; cela m’étonnait.
Au bout d’un instant, il reprit:
«Van Marius et moi, nous avions fait ensemble nos études à Utrecht, chez le vieux Ryssen; nous aimions les deux soeurs; nous passions ensemble nos soirées à la taverne de la Grenouille, comme deux frères. Plus tard, nous vînmes à Leyde, bras dessus bras dessous.»
Van Marius n’avait qu’un défaut, il aimait le genièvre et le skidam plus que l`aele et le porter.
Tu me rendras cette justice, Christian, que je ne me suis jamais grisé qu’avec de l`aele; aussi, je me porte bien. Malheureusement, Van Marius se grisait avec du genièvre. Encore s’il n’en avait bu qu’à la taverne, mais il s’en faisait apporter jusque dans son atelier; il ne travaillait avec enthousiasme que lorsqu’il en avait une ou deux chopines dans l’estomac et que les yeux lui sortaient de la tête. Alors il fallait le voir, il fallait l’entendre hurler, chanter et siffler. Tout en mugissant comme la mer, il brossait sa toile à tour de bras: chaque coup de pinceau soulevait une vague; à chaque sifflement on voyait les nuages approcher, grossir, s’entasser. Tout à coup il prenait sa brosse au vermillon, et voilà que la foudre coulait du ciel noir sur les flots verts, comme un jet de plomb fondu… et dans le lointain, au-dessous de la voûte sombre, au loin, bien loin, on découvrait une barque, un cutter, n’importe quoi, écrasé entre les ténèbres et l’écume… C’était épouvantable! – Quand Van Marius peignait des scènes plus calmes, il se faisait jouer delà clarinette par le vieil aveugle Coppélius, à raison de deux florins par jour; il coupait son genièvre avec de l`aele et mangeait des saucisses pour représenter des scènes champêtres. Tu conçois, Christian, qu’avec un régime pareil, il devait se détériorer le tempérament. Combien de fois ne lui ai-je pas dit:
«Prends garde, Jan, prends garde, le genièvre te jouera un mauvais tour!» (…)

Der Rhein für die gebildeten Stände (2)

Vom Bodensee bis Basel, wo der Rhein schon eine Breite von 750 F. erhält, hat er ein felsenreiches Bett. Von Basel aus wird sein Bett von vielen Inseln durchschnitten, die jedoch zum größten Theil blos aus Sand- und Kiesbänken bestehen, welche häufig von einer Seite weggerissen und an der andern wieder angesetzt werden. Von Breisach herab trifft man schon mehre bestaudete und selbst angebaute Inseln. Zwischen Strasburg und Germersheim ist das Bett immer noch sehr inselreich, aber der größte Theil dieser Inseln ist mit Gebüsch bewachsen. Zwischen Strasburg und Speier ist der Rhein 1000—1200 F., bei Mainz 1500—1700 F., und bei Schenkenschanz, wo er in die Niederlande eintritt, 2150 F. breit. Die Tiefe des Rheins beträgt 5—28, bei Düsseldorf sogar 50 F. Bei Schenkenschanz theilt er sich in zwei Arme, wovon der südl. die Waal heißt, zwei Drittheile seines Gewässers nimmt, sich hernach zweimal mit der Maas vereinigt und unter dem Namen Merwe in das deutsche Meer fließt. Der nördl. Arm des Rheins hatte vormals in seinem Laufe nach Arnheim zu mehre Windungen; seit 1720 aber hat man von der Waal aus bei dem Dorfe Pannerden einen Kanal gegraben, wodurch das alte Bett des Stroms nun größtentheils vertrocknet ist. Durch diesen pannerdenschen Kanal fließen jetzt die Gewässer des Rheins fort, nachdem sie sich unterhalb Millingen von der Waal getrennt haben. Ehe dieser Arm des Rheins nach Arnheim kommt, theilt derselbe sich wieder oberhalb Westervoort und bildet die sogenannte neue Yssel. Diese Abtheilung des Stroms ist eigentlich der Kanal, den Drusus graben ließ, indem die Gewässer sich bei Doesburg mit der alten Yssel vereinigen und zuletzt sich in die Zuydersee ergießen. Von da, wo sich der Drusische Kanal von dem Rheine trennt, wendet dieser letztere sich nach Arnheim und behält seinen Namen, bis er bei Wageningen und Rhenen vorbei ist, wo er Lech heißt und auf Wyk bei Durstede fließt. Von hier floß sonst der Rhein mit vollem Strome nach Utrecht, jetzt ist aber nur noch ein sehr schwacher Arm übrig, der krumme Rhein genannt. Weiterhin, Vianen gegenüber, ist schon vor mehren Jahren aus dem Lech ein Kanal gegraben worden, welcher nach Utrecht geht und gewöhnlich die Vaart genannt wird. Da derselbe mit Schleusen versehen ist, so kommen auf demselben sehr beträchtliche Schiffe nach Utrecht und von da weiter nach Amsterdam. Unterhalb Vianen sondert sich ein kleiner Arm vom Lech ab, den man die Yssel nennt, und der sich eine Meile oberhalb Rotterdam in die Merwe ergießt. Der Lech fließt von Vianen nach Schoonhofen und geht oberhalb Crimpen op de Lek in die Maas. Von den Gewässern des Rheins, die nach Utrecht fließen, geht abermals ein Arm ab, welcher die Vecht genannt wird und sich nach einem achtstündigen Laufe bei Muyden in die Zuydersee ergießt. Der übrige Rhein fließt von Utrecht nach Leyden, wo er beinahe einem Graben ähnlich sieht. Bei Rhynsburg vorbei kommt endlich dessen kleines Gewässer, drei Stunden von Leyden, nach Katwyk op Rhyn, wo derselbe eine halbe Stunde davon sich noch zu Anfange dieses Jahrh. in den Sand verlor. Sonst hatte der Rhein da einen Ausfluß in die See bei Katwyk op Zee. Nach einigen vergeblichen Versuchen, die alte Mündung wieder zu öffnen, welche durch die entstandenen Dünen verschwunden war, hat man erst seit wenigen Jahren die Schwierigkeiten völlig überwunden, indem man in einem Kanale die in den Sand sich verlierenden Gewässer des Rheins gesammelt hat. Am äußersten Ende desselben befindet sich eine Hauptschleuse, eine zweite inmitten, beim Anfange der Seedünen, eine dritte kleinere beim Ausgang des Kanals aus dem Rhein, und so ist durch Hülfe der Kunst der Ausfluß des Rheins wiederhergestellt worden. Hierbei hatte man den Hauptzweck, die niedrigen Gegenden der Provinz Holland von dem überflüssigen Wasser zu entledigen und dadurch deren Werth zu erhöhen, welcher Zweck auch in hohem Grade erreicht worden ist.

(aus: Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände. Conversations-Lexikon, Band 9, F.A. Brockhaus Verlag, Leipzig 1836)