Presserückschau (Juni 2016)

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Rhine Guards: “Wenn (…) im Rahmen des Schützenfestes in Eller (…) die Showparade auf dem Getrudisplatz startet, schlägt die Stunde der Rhine Guards. Das umtriebige Brass & Drums Corps hebt sich von anderen Musikkapellen ab, sind die 25 Mitglieder (davon zwölf Jugendliche) doch am amerikanischen Original des Drums & Bugel Corps des US Marines Corps angelehnt. Auch bei der Rangbezeichnung: Der 1. Vorsitzende (…) ist der Colonel, der musikalische Leiter (…) der First Sergeant. Das Repertoire reicht von dem St. Louis Blues Marsch über die Marines Hymn bis hin zum herzerweichenden Amazing Grace (mit Dudelsack!). Disziplin und Kleiderordnung werden großgeschrieben, von der Schirmmütze bis zu den Schnürriemen muss alles stimmig sein.” (Rheinische Post)

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“Zwischen Etzgen und Laufenburg können sich Möchtegern-Piraten und andere Wasserratten zwei Stunden lang treiben lassen. Das Gefährt besteht aus zusammengezurrten Baumstämmen, ist dreissig Quadratmeter gross, sechs Tonnen schwer, mit einem Schwimmkörper versehen, aber optisch – ein Floss. Herr des Flosses ist Captain J-C alias J-C Weiersmüller. Seit mittlerweile drei Jahren bietet er Flossfahrten auf dem Rhein an. (…) Noch liegt das Floss auf seiner Trockenstelle in Bad Zurzach. (…) Bis zu sechs Fahrgäste kann er mit seinem Floss transportieren. Sie dürfen sich unterwegs durchaus auch einmal als Flösser versuchen und mit dem Riemen das Gefährt steuern. So kriegen die Passagiere einen Einblick in das Leben von einst. Die Flösserei war bis ins 19. Jahrhundert und zum Ausbau der Eisenbahn ein bedeutendes Gewerbe entlang der Flüsse.” (Aargauer Zeitung)

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“Die Handballer der Rhein-Neckar Löwen sind erstmals in ihrer Vereinsgeschichte Deutscher Meister. Der frischgebackene Titelträger gewann am letzten Spieltag hoch bei Absteiger TuS N-Lübbecke und hielt damit Verfolger SG Flensburg-Handewitt auf Distanz. Das Gastspiel in Ostwestfalen war von Beginn an eine klare Sache. Nach acht Minuten stand es 6:2 für die Löwen, nach 24 Minuten 15:7 und zur Pause 17:10. Die Löwen waren dabei in allen Belangen überlegen, zeigten sich in der Defensive stark und in der Offensive treffsicher. (…) Am Ende hatten die Rhein-Neckar Löwen mit 35:23 gewonnen. Insgesamt gewannen die Löwen 28 von 32 Bundesliga-Spielen. Für die Löwen geht mit dem Titelgewinn eine Art Trauma zu Ende. Denn in den vergangenen zwei Jahren belegte das Team jeweils den zweiten Platz hinter dem THW Kiel – 2014 fehlten dabei nur zwei Tore zur Meisterschaft.” (sportschau.de)

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Der General-Anzeiger resümiert 1050 Jahre Dollendorf: “”Oberdollendorf liegt am Rhein, Niederdollendorf im Rhein”, lästern die Oberdollendorfer gerne über das benachbarte Niederdollendorf – und haben damit gar nicht mal so unrecht. Alle Jahre wieder nämlich setzt Vater Rhein die Uferpromenade und die anliegenden Straßen unter Wasser. (…) 1895 hatten die beiden Schiffer Hoitz und Käufer mit Motorbooten den Fährverkehr von Niederdollendorf über den Rhein aufgenommen, alte Quellen verraten jedoch, dass schon über die Jahrtausende hinweg Boote Personen und Güter von einem zum anderen Ufer transportierten. Besonders stolz ist man in Niederdollendorf darauf, dass vor der eigenen Haustür einst sogar die erste elektrische Fähre in Deutschland verkehrte. Am 11. Juli 1908 hatte das damals hochmoderne Fährschiff den Betrieb aufgenommen, am 7. März 1945 setzt die Fähre das letzte Mal von Godesberg nach Niederdollendorf über. (…) Sieht man einmal von den Jahren ab, in denen Väterchen Frost den Rhein bei Bonn hat völlig zufrieren lassen, was zuletzt 1929 der Fall war, hatten die Dollendorfer zweimal in der Geschichte die Gelegenheit, zu Fuß den Fluss zu überqueren: 1918 gab es eine Pontonbrücke, die während des Ersten Weltkrieges den deutschen Fußtruppen einen schnellen Rückzug ermöglichen sollte. 27 Jahre später bauten US-Pioniere die „Hodges-Bridge“ zwischen Bad Godesberg und Niederdollendorf, die als einer der wichtigsten Nachschubwege der Alliierten fungierte. “Da durften auch Personen drüber, aber man musste sich vorher entlausen lassen”.”

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“Bei einem Ausritt mit ihrem Pferd ist eine Frau in Chur (…) auf einer Insel mitten im reissenden Rhein gestrandet. Das Pferd entschied sich selbstständig zum Gang ins Wasser und war nicht zum Umkehren zu bewegen. (…) Ursprünglich wollte die Frau das Pferd am Rheinufer in der Nähe von Felsberg lediglich tränken. Doch das Tier begab sich gleich in den Rhein und war nicht dazu zu bewegen, umzudrehen. Stattdessen schritt es unbeirrt weiter, bis es die künstlich geschaffene Insel erreichte. Fürs Zurückkehren war dann die Strömung zu stark.” (Blick)

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“Im Revolutionsjahr 1848 kommt es auf dem Rhein zu einem bedenkenswerten Zwischenfall. “Gegen Mittag passierte ein Schlepp-Dampfschiff der Düsseldorfer Gesellschaft bei Kaiserwerth vorbei, als dort plötzlich sieben Gewehrschüsse nach demselben gerichtet abgefeuert wurden”, heißt es im entsprechenden Polizeibericht. Ein Schuss pfeift haarscharf am Kopf eines Knechtes vorbei. Bei den Verbrechern handelt es sich weniger um Revolutionäre als vielmehr um konservative Kreise: Vermutlich sind es Vertreter des Berufs der Treidler, die die Schiffe mit ihren Pferden vom Ufer aus durch die Gewässer ziehen. Die Erfindung der Dampfschifffahrt macht dieser seit römischen Zeiten auf dem Rhein praktizierten Tradition den Garaus. 1809 meldet der Amerikaner Robert Fulton sein Dampfschiff zum Patent an. Auf dem Rheim als der meistbefahrenen Wasserstraße Europas macht der schottische Kapitän William Wagner den Anfang. Am 8. Juni 1816 legt er mit seinem Schaufelraddampfer “Defiance” vom Ufer ab und fährt den Rhein hinauf über Köln. Es ist ein nie dagewesenes Spektakel, das auch den niederländischen König aufs Schiff lockt. Und Wilhelm I. reist extra mit der Kutsche nach Rotterdam, um das Schiff zumindest im Hafen zu bewundern. Längs der Strecke aber sollen sich die Bauern ob des Schiffs, das treidlerlos wie von Geisterhand bewegt wird, bekreuzigt haben.” (WDR)

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“Auftakt für das grenzüberschreitende Projekt „Veiligheid zonder Grenzen – Sicherheit ohne Grenzen“ des Löschzuges Rindern der Freiwilligen Feuerwehr Kleve und der Brandweer Millingen aan de Rijn: (…) Die Feuerwehren sind aus ihrer Sicht auf die gegenseitige Unterstützung angewiesen, denn die Probleme sind bei beiden Gruppen ähnlich. Aktuell ist durch eine staatsvertragliche Vereinbarung gewährleistet, dass die Feuerwehr aus Rindern den Kameraden aus Millingen aan de Rijn zur Unterstützung dienen kann. Es fehlt jedoch eine staatsvertragliche Regelung, damit die Brandweer Millingen aan de Rijn in der Bundesrepublik Deutschland ebenfalls ihre Fertigkeiten und Kenntnisse einbringen kann. Diese Regelung zu erreichen ist eines der Ziele des dreijährigen, grenzüberschreitenden Projektes, welches durch die europäische Union unterstützt wird.” (WAZ)

8
“Unter Palmen liegen mit einem gekühlten Getränk in der Hand und bei Sonne satt entspannen – bis es so weit ist, müssen sich die Bad Säckinger noch ein wenig gedulden. Eigentlich sollte die Strandbar am Rheinuferweg schon Anfang dieses Monats zum Genießen und Entspannen einladen, doch bedingt durch den regnerischen Juni, herrscht auf dem schmalen Grünstreifen zwischen Diebsturm und den WC-Anlagen immer noch gähnende Leere.” (Badische Zeitung)

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“Nach schweren Unwettern in Rheinland-Pfalz sind bei einem Bahnunglück am Rhein (…) zehn Menschen verletzt worden. Ein Regionalexpress entgleiste (…) zwischen Oberwesel und Bacharach wegen eines Erdrutsches. (…) Bei dem Bahnunglück am Rhein wurden nach Angaben der Bundespolizei der Lokführer und neun Reisende verletzt. Der Regionalexpress RE 4251 war zwischen Koblenz und Frankfurt am Main unterwegs, als der vordere Zugteil um 05.35 Uhr entgleiste. In der Region hatten die schweren Unwetter zu einer Reihe von Erdrutschen geführt und Gleise unterspült. Der Streckenabschnitt zwischen Oberwesel und Bacharach wurde komplett gesperrt.” (Welt)

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“Es ist ein gigantisches Städtebauprojekt für Straßburg und setzt die nach der deutschen Annektierung der Elsassmetropole 1871 begonnene Öffnung zum Rhein fort. Mit der »ZAC des deux Rives« (Zone d’aménagement concerté) wird unmittelbar an der Grenze am Rhein gegenüber von Kehl in den nächsten 15 Jahren ein neuer Stadtteil entstehen. Früher hatte das Viertel »Port du Rhin« einen schlechten Ruf. Seit einigen Jahren macht die Straßburger Stadtführung aber enorme Anstrengungen, um das einstige Problemviertel zu einem lebenswerten Stadtteil zu entwickeln. Das zeigen der neue »Place de l’Hippodrome« mit den beiden Kirchen, die deutsch-französische Kinderkrippe und die Neubauten neben dem Straßburger Teil des Zwei-Ufer-Gartens.” (Baden Online)

Presserückschau (Mai 2016)

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“Es wurde an alles gedacht bei der Filmpremiere zu “Mannheim – Neurosen zwischen Rhein und Neckar”. An den roten Teppich, an Sekt, an “Meet & Greet” sogar an einen Pressebereich. Und so verwandelte sich das Cinemaxx-Kino (…) in eine Szenerie, der man einen winzigen Hauch Hollywood nicht verleugnen kann. Die (…) eher unbekannten Schauspieler und Filmemacher mutierten zu kleinen Stars, wurden gefilmt, fotografiert, interviewt und nach Autogrammen gefragt. (…) Nach ein paar einführenden Worten und den zwei Live-Songs “Seelenlied” und “Mannemer Dreck”, die auch im Film eine Rolle spielen, ging es direkt los. (…) Rund eine Stunde und 15 Minuten später dann tosender Applaus. Ja, der Film kam an. Es wurde viel gelacht. Auch gestaunt über die Qualität des Streifens, der immerhin mit nur knapp über 30 000 Euro Budget entstanden ist und dennoch (…) einen Filmverleih gefunden hat, der ihn deutschlandweit in die Kinos bringt. Und damit ein Stück Mannheim-Atmosphäre, Charme und Lebensart.” (Rhein-Neckar-Zeitung)

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“Im Rhein ist jetzt eine Industriechemikalie aufgetaucht, die nie zuvor in Gewässern gefunden worden ist und mit der auch niemand gerechnet hat. (…) “Bei den Substanzen geht’s um Triphenylphosphonium-Verbindungen. Das sind Chemikalien, die großtechnisch bei der Synthese von organischen Molekülen wie zum Beispiel Vitamin A oder Beta-Carotin eingesetzt werden können (…).” Klar sei bisher nur, dass es sich um biologisch schwer abbaubare Stoffe handele, die sich im Sediment von Flüssen anreichern. Und dass die Phosphonium-Salze die Abwasserbehandlung in den Betrieben überstehen, aus denen sie stammen.” (Deutschlandfunk)

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“Wenn das Channel-Netzwerk comTeam zur Systemhauskonferenz einlädt, stehen ITK-Trends genauso im Fokus wie entspanntes Networking. Die „R(H)EINGOLD-TOUR 2016“ kombiniert beides als Flussfahrt auf dem Rhein mit anschließender Beachparty. (…) Ob zielgerichtete Kundenansprache, Servicesteuerung oder Fokusthemen wie Transformation und managed service – die Beispiele aus der Praxis bieten für die Systemhäuser spannenden Mehrwert. Als Keynote Speaker „entert“ Top-Schiedsrichter Dr. Markus Merk die Bühne, um unter dem Motto „Hier und Jetzt – Das Leben findet heute statt“ interessante Impulse jenseits des Berufsalltags zu geben.” (electronicpartner.com)

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“Der Stör steht in NRW auf der Roten Liste unter der Kategorie Null, weil er zu den Arten gehört, die sich nicht mehr vermehren und verschollen sind. Wiederansiedlungsprogramme für den Stör machen im Rhein nach Meinung von Fachleuten so lange keinen Sinn, so lange die Verbindung zum Meer durch die Schleusen des Haringvlietdamms unterbrochen ist, der 1971 zum Schutz vor Hochwasser und Sturmflut im Rheinmündungsdelta errichtet wurde. Die Stauwerke stellen für Wanderfische ein großes Hindernis dar. Die Niederländer sind aber dabei, die Öffnungszeiten zu optimieren, damit der Stör die Barriere ungehindert passieren kann. Weil der Stör in NRW als verschollen gilt, hat ist er nicht von planungsrelevanter Bedeutung, etwa bei Hafenausbauten.” (WAZ)

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“Das letzte Mal hat man so einen Anblick 1977 in dem Bond-Streifen “Der Spion, der mich liebte” gesehen, als 007 alias Roger Moore in einem Lotus, der auch ein Boot und U-Boot war, einen Strand hochfuhr. Und so staunten (…) Spaziergänger am Uerdinger Rheinufer nicht schlecht, als sie (…) auf dem Rhein Gefährte entdeckten, die sich wie Schiffe benahmen, aber wie Autos aussahen: Über Pfingsten fand in Krefeld ein Bundestreffen der sogenannten “Amphicars” statt, also schwimmfähiger Autos. Rund 30 Wagen waren angemeldet. (…) Amphicars wurden zwischen 1958 und 1963 in Berlin und Lübeck gebaut (…). Geplant war der Bau von 25.000 Wagen; da der Verkauf aber nicht den Erwartungen entsprach, war nach Nummer 3878 Schluss. Die weitaus meisten Fahrzeuge gingen in die USA.” (Rheinische Post)

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Im Rhein ertrunken: “Die Leiche des Mannes war (…) am Ufer an der Kreisgrenze in der Nähe des “Stummen Deichs” entdeckt und geborgen worden. Die Polizei geht von einem tragischen Unglücksfall aus. Nach den bisherigen Ermittlungen kam der Mann zusammen mit zwei Freunden auf die Idee, durch das Duisburger Hafenbecken zu schwimmen. Während die beiden Kollegen das andere Ufer erreichten, verließen den 37-Jährigen unterwegs offenbar die Kräfte. Er versank in den Fluten. Die Strömung trieb den Körper ab, der viele Kilometer weiter dann zwischen Haffen-Mehr und Bislich ans Ufer gespült wurde. Die Polizei obduzierte den Leichnam und stellte fest, dass es sich nicht um ein Verbrechen handelt.” (Rheinische Post)

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“Wegen “gemeinschädlicher Sachbeschädigung” hat die Polizei in Laufenburg zwei 15 und 18 Jahre alte Tatverdächtige angezeigt. Das Duo wurde nach einer Pressemitteilung der Polizei (…) beschuldigt, am Pfingstmontagabend bei der Codmananlage eine Sitzbank in den Rhein geworfen zu haben. Ein Zeuge hatte die Polizei darüber unterrichtet. Die beiden Jugendliche wollten gemäß den Schilderungen gerade eine zweite Bank versenken, als zwei Mädchen hinzukamen. Daraufhin hätten sie von ihrem Vorhaben abgelassen. Die herbeigerufene Polizei traf die beiden vor Ort an.” (Badische Zeitung)

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“Der Text, den Christian Mueller in das Gesetz schreiben will, ist einfach: «Von der Johanniterbrücke in den Rhein führt auf Kleinbasler Seite eine Wasserrutschbahn.» (…) Sein Wahlkampf-Thema – die Rhein-Rutschbahn – könnte ihm beim Sprung ins Parlament helfen. Die Rutschbahn soll über drei Spuren verfügen und in einem Auslaufbecken über dem Rhein enden. Nur so könne die Rutschbahn auch von Nicht-Schwimmern und Kindern benutzt werden. Die Kosten schätzt Mueller auf rund eine Million Franken. Beim ersten Projekt ging er noch von einer halben Million aus.” (Tageswoche)

9
“Die Obduktion der Leiche, die (…) aus dem Rhein in Lüttingen geborgen worden war, hat keine Hinweise auf eine Todesursache durch Gewalteinwirkung ergeben. (…) Die Ermittler halten unteressen einen Zusammenhang mit einem Fall in Bonn (…) für möglich. Damals (im vergangenen April; Anm. rheinsein) beobachteten Zeugen (…) einen unbekannten Mann, der von der Kennedybrücke in den Rhein gesprungen sein soll. Eine Suche durch Polizeikräfte, Feuerwehr, DLRG und einem Polizeihubschrauber verlief ergebnislos. Nach Aussagen von Zeugen in Bonn könnte es sich vielleicht um den in Höhe von Schloß Lüttingen entdeckten Leiche übereinstimmen, so die Polizei. Eine Vermisstenanzeige, die auf die Beschreibung des Brückenspringers passen könnte, liegt bis heute nicht vor.” (Rheinische Post)

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“Fünf Passanten, die einem in Not geratenen Schwimmer (…) im Rhein bei Bonn zu Hilfe eilen wollten, sind selbst in Not geraten. Nach Angaben der Feuerwehr (…) wollten sie einem waghalsigen Schwimmer helfen, der im Wasser trieb. Mit einem Rettungsboot und über Land konnten Einsatzkräfte von Feuerwehr und DLRG schließlich alle Personen retten. Nach ersten Erkenntnissen hatte der Mann ein Bad nehmen wollen, seine Kräfte aber überschätzt. Die Einsatzkräfte seien durch viele Schaulustige behindert und bedrängt worden (…). Mehr als 200 Unbeteiligte (…) seien zeitweise am Ufer gewesen.” (WDR)

Simrock über den Rheinfall

Der Große Laufen

Der Rheinfall bei Schaffhausen hat nicht nur den Namen dieser Stadt in aller Welt berühmt gemacht, sondern er ist es eigentlich, dem sie Entstehung und Blüte verdankt. Dies geschah nicht etwa durch den Besuch der Fremden, welche ein so einzigartiges Naturschauspiel zu betrachten zahlreich herbeieilen – obwohl auch diese nicht ganz unbedeutend dazu beitragen mögen –, sondern durch das natürliche Stapelrecht, das der Rheinfall zugunsten der Stadt, besser, als es ein kaiserliches Privilegium vermöchte, begründet hat. Da kein Schiff, ohne in tausend Stücke zu zertrümmern, den Rheinfall hinab kann, so müssen alle Güter, die aus dem Bodensee usw. hierhergelangen, oberhalb Schaffhausen ausgeladen, auf der Achse durch die Stadt geführt und unterhalb des Wasserfalls wieder an Bord genommen werden. Die großen Schiffe fahren daher nur bis nach Schaffhausen; kleinere, aus leichten Tannendielen – sogenannte Lauertannen – gezimmerte, werden wie ihre Ladung durch die Stadt, am Wasserfall vorbeigetragen und unterhalb desselben wieder auf den Strom gesetzt. Vermutlich lag hierin der Grund der ersten Ansiedlung, aus der Schaffhausen, dessen Name auch von Schiff oder dem lateinischen Scapha abgeleitet wird, hervorging. Dabei könnte aber befremden, daß Schaffhausen eine gute Stunde oberhalb des Wasserfalls liegt; deshalb müssen wir des Umstands gedenken, daß schon vor der Stadt die Schiffahrt durch einen Felsendamm gehemmt wird, der bei niederem Wasserstand sichtbar hervorragt. Er besteht, gleich der Felswand und den Felszacken des Wasserfalls, aus Kalksteinen, was den Zusammenhang beider Steinmassen mit dem hier auslaufenden Juragebirge bestätigt. Die Volkssprache nennt die Felsen des Damms die Lächen.

Bei Schaffhausen hört man den Rheinfall schon toben und brausen. Er befindet sich aber erst bei dem Züricher Schlößchen Laufen, das auf der linken Rheinseite auf einem hohen Felsen liegt. Dieser bildete wohl einst mit dem Steindamm, den hier der Rhein zu durchbrechen hatte, eine fortlaufende Bergwand, von der die Felsblöcke, die sich jetzt mitten im Strom dem Sturz entgegenstemmen, nur Überbleibsel sind.
Die Tiefe der Felswand, die sich der Rhein herabzustürzen hat, beträgt etwa siebzig bis achtzig Fuß. Aber eben da er den Anlauf zum Hinabspringen nimmt, stemmen sich ihm drei (früher fünf) Felsblöcke entgegen, welche aus der Wand emporragen. Einer derselben wird ganz überströmt, die übrigen nur bei dem höchsten Wasserstand. Der überströmte Felsen ist dem Schloß Laufen am nächsten, an dessen Fuß das Gerüst Fischenz, ein hölzerner, balkonartiger Vorbau über dem Abgrund, die vorteilhafteste Stellung gewährt, um den ganzen vollen Eindruck des erhabenen Schauspiels mit einem Mal zu gewinnen.

Schon oberhalb des Sturzes mußte sich der Strom in ein enges Felsenbett zwängen lassen, aus dem zahllose Klippen empor starrten. Darüber schäumend vor Unmut, gelangt er mit starkem Gefälle in die Nähe der Felszacken, wo der Boden schon unter ihm weicht und der Fall, obwohl erst allmählich, beginnt. In gewaltsamer Eile schießt er gegen die Felsblöcke hinab, an denen sein Fall sich bricht, der erst jetzt eigentlich geschehen soll. Beim Anprall gegen die Felsen zerstäubt ein Teil des Wassers und steigt als dichte Nebelwolke in die Höhe, ein anderer bildet siedende, schäumende Gischt, ein dritter wälzt sich in großen Massen über den Felsen und gelangt hinab in den Kessel, wo das Sieden, Schäumen und Strudeln von neuem anhebt. Denkt man sich dies in der größten Geschwindigkeit hintereinander und zugleich nebeneinander, da ein Teil des Wassers schon im Kessel zischt und brandet, wenn der andere erst gegen die Felsen prallt und über sie hinausspritzt; denkt man sich dieses Schauspiel bei jedem der Felsblöcke mit der Abänderung wiederholt, daß nur der erste Felsen überströmt wird, und läßt man dann die Sonne sich entschleiern, um den mannigfaltigsten, herrlichsten Farbenwechsel hervorzubringen, indem sie die vom Wind gekräuselten Säume des Schaums vergoldet, den Wasserspiegel mit Glanz überstrahle und im aufsteigenden, schnell bewegten Dunst den flüchtigen Regenbogen hervorzaubert, dessen Oberes von der Luft hin und her getrieben, vom neu aufwallenden Nebel verwischt und doch gleich wieder neu erzeugt wird, während der Fuß ruhig und unbeweglich in Gischt und Schaum des Kessels steht – faßt man dies alles in eine Vorstellung zusammen, so hat man ein schwaches Bild dessen, was an dem Phänomen sichtbar ist. Auf das Ohr wirkt gleichzeitig das ungeheuere Donnergetöse des Sturzes so gewaltsam, daß man es in stiller Nacht auf zwei Meilen weit hört, in der Nähe aber niemand sein eigenes Wort vernimmt. Auch dem Gefühl macht es sich durch die Lufterschütterung und den Staubregen bemerkbar, der den Zuschauer in kurzer Zeit durchnäßt, wenn er sich dem Anblick zu unbedachtsam hingibt.
Vom Gerüst Fischenz kann man die dem anderen Ufer näher liegenden Fälle nicht deutlich erblicken, deswegen begibt man sich wohl nach einem in der Nähe des Schlosses stehenden Pavillon oder fährt nach dem jenseits liegenden Schlößchen Wörth, das auch das schaffhausische Laufen genannt wird, wo man sich der Mitte des Falls gerade gegenüber befindet, obwohl schon in zu großer Entfernung. Noch ungünstiger ist der Standpunkt bei den Neuhauser Mühlen auf dem rechten Ufer, wo sich alles verkürzt und der kleinere Sturz den größeren verdeckt. Hat man nun noch die Neuhauser Höhe besucht, wo man eine Übersicht der ganzen Gegend gewinnt, so wird man sich wieder hinübergezogen fühlen, um den unvergleichlichen Anblick, der nur auf dem Gerüst Fischenz ganz genossen werden kann, noch einmal zu erleben; es wäre denn, daß man für diesmal auf der Schaffhauser Seite zurückzukehren gedächte, um bei anderer Stimmung oder Beleuchtung, z. B. bei Nacht und Mondenschein, das erhabene Naturschauspiel sich noch einmal aufführen zu lassen.

In einer im Jahre 1797 niedergeschriebenen skizzenhaften Beschreibung des Rheinfalls bemerkt Goethe, das Wunderbarste daran seien ihm die Felsen, welche sich in dessen Mitte so lange hielten, da sie doch vermutlich von derselben Gebirgsart seien wie der klüftige Kalkstein, der die Felsen beider Ufer bilde. Allein seitdem sind in diesem Jahrhundert zwei der fünf Felsen im Strombett zusammengestürzt, welche weder die ersten gewesen sein mögen, noch die letzten bleiben werden. Bedenkt man, daß schon ein Tropfen durch öfteres Niederfallen einen Stein höhlt, wieviel größer muß die Wirkung eines ganzen Stroms in Jahrtausenden sein? Wenden wir dies auf Vergangenheit und Zukunft an, so wird sich dort eine Zeit ergeben, wo die jetzt durchbrochenen Felsen des Strombetts mit jenen der Ufer dem Rhein einen Damm entgegensetzten, den er nicht sogleich bewältigen konnte, wodurch vielleicht die Ausbildung der beiden großen Seehecken begünstigt wurde. Das vorschauende Janusantlitz blickt hingegen auf das gerade Widerspiel, auf ein vollkommen ausgewaschenes, von allem Widerstand gesäubertes Strombett, in dem der Rhein ruhig hinwandelt, leichte Kähne wie die stolzen Dampf- und Segelschiffe auf dem glatten Rücken tragend. Daher ist dem schaulustigen Leser, der den größten Wasserfall Europas noch nicht gesehen hat, allen Ernstes zu raten, den Besuch desselben nicht allzulange hinauszuschieben: nach tausend Jahren fände er vielleicht die Stelle, wo er einst schaute, nicht wieder auf.

Der Rheinfall wird im Munde des Volkes jener Gegend nicht anders als der Laufen, und zwar der Große Laufen, genannt, wenn man ihn von dem Kleinen Laufen, einem zweiten, nicht so bedeutenden Fall des Rheins, der sich weiter unten bei Laufenburg befindet, unterscheiden will. Die beiden Laufen genannten Schlößchen und jenes Laufenburg führen ihren Namen ohne Zweifel erst von den entsprechenden Wasserfällen, wie auch das leberbergische Städtchen Lauffen von dem schönen Fall der Birs benannt ist. Gewöhnlich findet man die umgekehrte Angabe; selbst Glutz-Blotzheim sagt, zuweilen trage der Rheinfall den Namen des Schlosses. Ob der Name Laufen deutsch oder keltisch sei, ist schwer zu sagen; mit dem deutschen Zeitwort »laufen« hat er aber wohl nichts zu schaffen. Eher möchte man einen Zusammenhang mit Lawine vermuten, da das althochdeutsche louuin, von dem dieses Wort abgeleitet wird, einen Gießbach bedeutet.

Schaffhausen selbst ist als Geburtsstadt Johannes von Müllers berühmt. In seinem Münster hängt die große, 1486 gegossene Glocke, welche die aus Schillers Gedicht berühmte Umschrift führt: »Vivos voco, mortuos plango, fulgura frango.« Was der sogenannte große Gott von Schaffhausen, der nach dem rheinischen Antiquarius 22 Fuß lang war, eigentlich für ein Heiliger gewesen ist, wird vielleicht noch auszumitteln sein. Der gleich benannte Schweizer Kanton, der einzige, der nach Graubünden noch auf der rechten Rheinseite liegt, bildet gleichsam den Brückenkopf zwischen Deutschland und der Schweiz. Um so weniger dürfen wir die merkwürdige Brücke vergessen, welche ehemals die Stadt mit dem jenseits liegenden Züricher Flecken Feuerthalen verband. Diese Brücke, meldet Eichhof, war zwar nur aus Holz, aber ein Meisterstück in ihrer Art, ein Hängewerk, das, außer an den Ufern, nur auf einem einzigen Pfeiler ruhte oder vielmehr auch auf diesem nicht einmal ruhte, wenigstens ist darüber gestritten worden. Man behauptet nämlich, des Künstlers Plan wäre gewesen, nur einen einzigen Bogen über den Fluß zu legen; da er aber von der Stadtobrigkeit angewiesen worden war, sich jenes von einer ehemaligen steinernen Brücke noch vorhandenen Pfeilers zu bedienen, so hätte er zum Schein dem Befehl sich gefügt, aber seine Baueinrichtungen auf eine Art gemacht, daß in der Tat gleichwohl kein Teil durch denselben getragen worden sei. Dieser Künstler war nur ein gewöhnlicher Zimmermann von Tuffen im Kanton Appenzell, Hans Ulrich Grubenmann mit Namen, und man muß gestehen, daß in dieser Hinsicht, auch angenommen, daß durch den gedachten Pfeiler wirklich zwei Bogen entstanden wären, die Brücke dennoch Bewunderung verdient hätte, denn immerhin wären, da diese in ihrer Ausdehnung 364 englische Fuß betrug, auf die Öffnungen der beiden Bögen folgende Maße gekommen: auf die des größten 193 und auf die des kleinsten 171 Fuß. Ein einzelner Fußgänger, der über dieselbe hinschritt, fühlte das Gerippe unter seinen Füßen zittern, und dennoch trug sie schwerbeladene Lastwagen wie jede andere. Ihr Bau, der von 1754 an in drei Jahren vollendet wurde, hatte über 60 000 Reichstaler gekostet; ein einziger Tag vernichtete sie, da sie in dem Krieg zwischen Österreich und Frankreich zu Anfang dieses Jahrhunderts bei einem Rückzug der Franzosen in Brand gesteckt wurde.

Die mündliche Sage behauptet, die alten Alemannen hätten am Rheinfall Pferdeopfer dargebracht. Wem könnten diese gegolten haben als dem Stromgott, der sich hier gewaltiger als irgendwo zeigt? Auch ein Volkslied, das am ganzen Rhein, von den Quellen bis zur Mündung, gesungen wird, spielt in dieser Gegend. Einzelne Strophen desselben haben sich nur in niederländischen Mundarten erhalten. Erfreut, die Einförmigkeit des prosaischen Vortrags mit diesem schönen Lied unterbrechen zu können, teilen wir es hier so vollständig mit, wie es sonst nirgends gefunden wird.

(aus Karl Simrock: Der Rhein – das darin enthaltene Lied vom Zimmergesell sparen wir an dieser Stelle aus.)

Leuchttürme des Rheins: das Große Delta

Nördlich des Rheinknies windet sich der gewaltige Strom durch ein wildes, fast grenzenloses Delta, bei genauer Betrachtung zieht es sich bis weit hinter den Zusammenfluss mit dem Neckar, wenn sich bald das vereinigte Paar Rhein und Neckar durch die felsigen Klüfte und Abgründe Rheinhessens windet…
Kundige erinnern sich, der geniale Konstrukteur und Ingenieur Tulla habe in der markgräflichen Gewerbeakademie zu Mannheim einen Entwurf erarbeitet, den Fluss nördlich des Rheinknies bis weit hinter die markgräfliche Residenzstadt in ein künstliches Bett zu zwingen, einerseits wegen besserer Beschiffbarkeit, andererseits um weitere Flächen für Bevölkerung, Landwirtschaft, Industrie und allgemeines Gewerbe zu gewinnen – allein, ein unglücklicher Ehrenhändel, der im Tod des genialen Konstrukteurs ausging, habe das kühne Projekt verhindert – bis heute wagte sich niemand mehr an eine derartige Herausforderung…
Ein Weniges hinter dem Rheinknie sitzt der Pralle Hans-Erwin, der erste einer langen Reihe mächtiger Leuchttürme, die, aufgereiht wie eine Perlenschnur, die mäandrierende Fahrrinne ausweisen und sowohl dem Fracht- wie dem Personenschiffer den Weg weisen, im Besonderen zur Nacht, wenn die Orientierung im konfusen Delta sonst praktisch unmöglich –
Das nächste Schifffahrtszeichen ist dem weiblichen Geschlechte gewidmet – die Dulle Greet steht in einer Entfernung, die den Austausch lichttelegraphischer Zeichen ermöglicht, ein weiterer Gewinn neben dem alleinigen Stromverkehre –
Die Leuchttürme sind mit einem auffälligen Gewirr dicker und dickster elektrischer Stränge verbunden, muss doch die Elektrizität im Historischen Kraftwerk zu Rheinfelden-Lauffenburg gewonnen werden und vermittels Überlandleitung an ihren Einsatzort transportiert werden, am Prallen Hans-Erwin wird sie eingespeist und in der Folge von Turm zu Turm weitergereicht.
Stromabwärts reihen sich in sinnfälliger Folge der Fidele Hanspeter; der Lässige Kasper; die Grüne Minna; der Heilige Sei-Bei-Uns; der Helle Gunki; die Fette Metze; der Horige Hudeli; und am Ende der Stromtrasse Fidelia mit den breiten Schenkeln; dort sind wir schon auf Höhe Hardtheims – aber das ist eine andere Geschichte…

(Ein Gastbeitrag und zehnter Teil der Exklusivserie “Leuchttürme des Rheins” von Bdolf. rheinsein dankt!)

Presserückschau (Juli 2014)

Die Rheinmeldungen des Juli-Sommerlochs handeln von Rückständen und Schwimmern im Fluß, sowie saisontypisch von Tieren, darunter einem selten gesehenen Besucher:

1
Den Rhein auf kleinste Plastikpartikeln untersucht der Basler Student Thomas Mani: “”Es gibt Hochrechnungen, laut denen täglich mehr als vier Tonnen kleinste Plastikteile via Donau ins Schwarze Meer gelangen. Mit meiner Masterarbeit will ich prüfen, ob es dieses Problem auch im Rhein gibt.” In einer 15-tägigen (…) Reise mit einem Kleinbus wird er an zehn Stellen zwischen Basel und Rotterdam rund 4,5 Millionen Liter Rheinwasser filtern und die darin enthaltenen Schwebestoffe zurück ins Labor bringen. Dort werden die winzigen Plastikteile Stück für Stück unter dem Binokular untersucht, fotografiert und gewogen. Danach wird ein externes Forschungsinstitut mittels Infrarot-Spektroskopie ermitteln, von welchen Produkten der Mikroplastik möglicherweise stammt.” (20 minuten)

2
Noch ein Probenentnehmer kündigt sich in der Presse an: der Chemiker Andreas Fath möchte den Rhein ab Ende Juli der Länge nach durchschwimmen. “So will man erforschen, wie sauber der Rhein wirklich ist und was darin so alles schwimmt. Unter anderem erwarten die Wissenschaftler zu finden: Spuren von der Droge Crystal Meth, Psychopharmaka, Pestizide sowie einen Wirkstoff aus der Anti-Baby-Pille. Ein Fokus liege auf Mikroplastik, erläutert Fath, also mikroskopisch kleinen Plastikteilchen, etwa von PET-Flaschen. Die Ergebnisse könnten laut dem Chemiker dabei helfen, Verfahren zu entwickeln, bestimmte Stoffe aus dem Abwasser zu filtern. Der Wissenschaftler sieht es auch als sportliche Herausforderung: Vor ihm hat nur der Bonner Klaus Pechstein den Rhein bezwungen, in 30 Tagen, 1969 war das.” (Morgenweb)

3
Dieweil Andreas Fath (siehe 2) mit der Ankündigung seiner Rheindurchschwimmung die deutsche Presselandschaft des Sommerlochs im Sturm erobert, ist Ernst Bromeis bereits mit seiner “Expedition 2014″ im Rhein unterwegs. Im Mai 2012 hatte Bromeis einen ersten Versuch gestartet, den gesamten Rhein zu durchschwimmen – kurz hinter Basel gab er damals auf. Im Vorfeld hatte die Presse seinerzeit ausführlich berichtet. Dieses Mal hält sich deutsche Presse im Vorfeld und auch während der laufenden Aktion (mit Ausnahme eines längeren, lesenswerten Artikels in der FAZ) vornehm zurück, während die Schweizer Presse auch Bromeis’ zweite Expedition begleitet: “Zu Beginn der dritten Expeditionswoche erlebte das Team um Ernst Bromeis (…) eine unangenehme Überraschung: Am Stauwehr des Kraftwerks Laufenburg (Aargau) wurde ihnen mitgeteilt, dass bis auf weiteres keine Boote passieren können, weil der Hochrhein für den Schiffsverkehr teilweise gesperrt sei. Grund dafür sind die ergiebigen Niederschläge der letzten Tage und Wochen vor allem im Einzugsgebiet der Aare, die weiter oben in den Rhein mündet. «Ohne Begleitboot kann ich im Moment nicht weiterschwimmen,» fasst Bromeis die Situation zusammen. Er war mit seiner «Expedition 2014» am 7. Juli an der Rheinquelle im Lago di Dentro gestartet, um zur Rheinmündung in Holland zu schwimmen. Die ersten sieben Tage hatten ihm die sehr tiefen Wassertemperaturen zu schaffen gemacht.” (Südostschweiz)

4
Von “Teufelszeug auf dem Vormarsch” berichtet die Frankfurter Rundschau und meint das oben (siehe 2) angesprochene Crystal Meth. Ein verwandter Artikel derselben Ausgabe schildert womöglich erste Auswirkungen der Droge: “Äußerst aggressiv sollen zwei Männer in Bingen reagiert haben, als sie von Wachleuten beim Nacktbaden im Rhein gestört wurden. Die Sicherheitsleute hatten sie am Freitagabend auf dem Gelände der Landesgartenschau erwischt und zum Verlassen des Parks aufgefordert (…). Daraufhin hätten die unbekleideten Schwimmer die Wachleute wüst beschimpft und mit der Faust zugeschlagen.”

5
Am Oberrhein, wo sie entlang des Rheins am häufigsten vorkommen, heißen die Stechmücken Schnaken (Dialekt: Schnooke bzw in diversen Schreibweisen). Ihre Brutgebiete liegen in den dümpelnden Altrheinarmen. Seit 1976 werden sie Jahr für Jahr vom Menschen bekämpft, die Kriegstaktik ging dabei von anfänglich massiven Einsätzen der chemischen Keule zu biologischen Kampfstoffen über: “Monsunartige Regenfälle in Kombination mit tropischen Temperaturen: Das ist eine Wettermischung, die den Stechmückenbekämpfern am Rhein gar nicht gefällt. Vor wenigen Tagen erst sind die Hubschraubereinsätze zu Ende gegangen, bei denen der für Schnakenlarven tödliche Eiweißstoff Bacillus thuringiensis israelensis (BTI) aus der Luft über einer Fläche von rund 6000 Quadratkilometern abgeworfen wurde. Da rollt schon die nächste Hochwasserwelle den Fluss hinab. So dass in den Brutgewässern links und rechts des Stroms, in denen die dort abgelegten Eier durchaus bis zu zehn Jahre auf den für sie „richtigen Moment“ warten können, abermals neue Plagegeister heranwachsen” schreibt die FAZ. Die Kampfeinsätze finden vom Kaiserstuhl bis Bingen statt, neben Helikoptern sind ganze Hundertschaften Infanterie mit Sprühgeräten im Einsatz. Veterane der Anti-Schnaken-Bewegung erinnern sich noch an die Zeit vor 1976, als viele Rheinanwohner die Sommerabende im eigenen Garten nur in Neoprenanzügen überstehen konnten.

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Zum ersten mal habe sich ein Seeadler im niederländisch-deutschen Grenzgebiet dauerhaft niedergelassen, schreibt derwesten: “Mit einer Flügelspannweite bis 2,40 Meter gleitet der Seeadler fast geräuschlos am Himmel, elegant und immer aufmerksam auf der Suche nach Nahrung. Der Seeadler gehört zu den größten Raubvögeln in Mitteleuropa und in diesem Jahr ist er zum ersten Mal auch ein Sommergast in der deutsch-niederländischen Grenzregion. Ornithologe Bert Beekers beobachtet den Vogel seit ein paar Monaten am Kaliwaal bei Kekerdom in der Millinger Waard, im Ooijpolder, entlang der Altrheinarme in Lobith und in der deutschen Düffel.”

Der Rhein bei Basel: hoelert das ertreich vnd fuellet es dann mit wind vnd wasser

BAsel ist ein weyte vnd fast namhaftige statt schweyzerlands an eim koenigclichen ende erpawt. dann so diese statt lateinisch genennt wirdt so ist es nach art des kriechischen gezuengs souil als koenigclich gesprochen. Oder aber diese statt hat iren namen von dem mangel der grundfeste auß vrsachen der vilfeltigen erdpiden. vnd auß bedeuetnus des lateinischen namens dieser statt. wiewol man in der gemainde sagt. das ettwen ein Basilisck alda verborgen gelegen sey von dann her diser statt ir namen entstannden vnd bliben sey. Der Rhein fleueßt schier mitten durch dise statt. Doch ist darueber ein prugt von einem teyl zu dem andern. Derselb fluss des rheins entspriengt in dem gepirg vnnd wirdt durch mancherlay anstoeße zwischen gehen scharpffen felsen also eingezwengt das er einen erschrecklichen saws von ime gibt. Sunderlich fleueßt er bey Schafhawsen mit großer ongestuemigkeit vberwaltzende. vnd vnder dem stettlein Lauffenberg wirdt er mit felsen also eingedrenngt das er vor zwancksale vnd gestoeße als ein weisser schaym erscheint. Von dannen rynnet er grawsamlich schaymende in weytem schlund bis gein Basel. diselben statt vnd prugt heymlich beschedigende, dann er floeßet die gestadt hin. sucht newe genng. hoelert das ertreich vnd fuellet es dann mit wind vnd wasser. Daher koembts das dise stat mermals mit erdpidem beschedigt worden ist. Dise statt hat von dem rhein darauff man daselbsthin. vnd vo dannen in schiffen vil gueetere fueeret große nutzperkeit. Sant Ursula die heillige junckfraw hat auch (als die hystorien sagen) mit iren weggeferten von Coelne auff dem Rhein gein Basel auffgeschiffet. vnn wiewol der Rhein den die dabey wonen zuzeiten vil schadens zufueegt so gibt er inen doch einen fruchtpern erdpodem. Diser statt ist in vnszern zeiten mit zygelstaynin mewrn. fast schoenen behawsungen. groszen cloestern vnd kirchen. mit weyte spitalen vnd andern einer statt nottuerftigen dingen mit großem umbkrays vnd zynnen vnd mit tieffen greben geziert vnd befestigt vnd hat zwischen den pergen ein weyte feldung. an getrayd unnd guotem wein fast fruchtper. Aber wiwol in diser loehlichen vnd alten statt vil anzaigung vnd vberbleibung ser alter gepew erscheinen so sind doch dieselben auß pawfelligkeit vnd erdpidem. auch auß alter also entstelt das man nicht erkennen kan was gestaltnus vnd zu welchem geprauch dieselben gepewe gemacht gewesen seyen. Aber dise statt ist wunderperlich geauffet vnd nach dem erdpidem wider erpawt. vnnd zu vnßern zeitten daselbst ein hohe schuol auffgericht. Dise statt ligt im Elßas ettwen Sweitz genant ettwen in galliaz yetzo in teuetsche land gehoerende. Als Ludwig der Viennisch delphin die von Basel schier mit aller Gallischen ritterschaft vberfiele do schickten die schweitzer ire aydgenossen (…) woltuechtiger mann zu hilff. davon hernach weyter meldung beschiht. Dise statt hat zwu seyten. In der groeßeren seyten sind drey berg. auff dem einen ist die bischoflich kirch. der heilligen junckfrauen marie thumstift mit hilff des seligen kaiser heinrichs des anderen gezieret. Auff dem andern wonen die geregelten chor herrn zu sannt Leonhart. Auff dem dritten ligt sant Peters kirch. Das erst closter mit der ebbtey zu sannt alban ligt an der spitz diser stat. In diser seyten haben auch die parfuoßer augustiner vnd prediger brueed ire cloester. vnd die creuetzherrn on teuetschen herrn ire hewßer. auch die closter frawe zu sant Katherinen. zu sant Claren. vnd zu sant Marian magdalenen ire cloester. Aber in der klainen seyten ist ein fast treffenlichs cartheueßer closter vnd sant Theodora vnd sant Niclasen kirch vnd andere gotzheueßer. In diser statt ist auch nicht wenig heyligthumbs.

(Aus der Schedel’schen Weltchronik von 1493)

Theodor Fontane sinniert am Rheinfall u. a. über eine höhere Rasse

“Liebe Frau.

Ich blieb im „Storch“ drei Stunden länger als ich berechnet hatte. Schönheit und Liebenswürdigkeit der Wirtin waren nicht schuld daran; sie sah aus, als habe sie der Storch zu viel oder zu wenig gebissen. Ihr Antlitz klärte sich auch nicht auf, wohl aber das Wetter. Dies bestimmte mich, nicht direkt nach Konstanz, sondern nur bis Neuhausen (Station in Nähe von Schaffhausen) zu gehen. Man bleibt jetzt in der Regel an diesem Ort, weil man den Rheinfall von hier aus am schönsten sieht. Auch das Gasthaus ist hier am besten; echt englisches Hotel, in dem man wieder Mensch wird. Viel tragen zu dieser wohltuenden Erscheinung allerdings die Engländer selbst bei; richtiger die Engländerinnen. Ich will dies alte Streitthema nicht zum hundertsten Male behandeln, aber es ist so, wie ich es sage. Durch Abstammung, Erziehung, Pflege, Freiheit und allerglücklichste Lebensverhältnisse repräsentieren sie schließlich eine höhere Rasse. Das ganze Volk trägt einen aristokratischen Stempel. Was bei uns in Exemplaren vorkommt, kommt bei ihnen massenhaft vor. Auch bei uns gibt es Rosen, aber im Rosental zu Kaschmir wachsen sie wild.
Die ganze Rheinfall-Szenerie übertrifft weitaus meine Erwartungen, so das ganze Rheintal überhaupt, in dem wir gestern hierher fuhren. Rheinfelden, Säckingen und vor allem Laufenburg sind sehr schön. Schon vor zehn Jahren, als ich von Interlaken und Zürich aus heimkehrte, bin ich daran vorüber gefahren, aber ohne das Geringste zu sehen. So reist man jetzt. Wahrscheinlich war ich müde und streckte auch nicht ein einziges Mal den Kopf zum Fenster hinaus. Der Rheinfall wirkt wie die Jungfrau. Was der Schnee dort tut, tut hier der Wasserschaum. Man steht hier wie dort einem Etwas gegenüber, das Einen durch Reinheit beglückt. Dazu verwandte Farbenwunder. Inmitten dieser Schaummasse, die völlig wie ein Schneesturz niederdonnert, werden smaragdene Töne sichtbar, die an Schönheit mit dem Alpenglühen wetteifern können. Dies hier ist ein Punkt für Hochzeitsreisende! Von Hotel zu Hotel traben, oder Galerien absuchen, kann dem tapfersten Recken den honey-moon verleiden, aber in diesem Schweizer-Hof 14 Tage leben und das Dasein in Liebe, Rheinfall und substantial breakfast`s gipfeln zu sehen, muß für einen 25jährigen himmlisch sein. Selbst die Langeweile verliert hier ihren Charakter. Es braucht hier nichts gesagt zu werden, ja es soll hier nichts gesagt werden. Die Natur ist in einem steten Donner, und wenn es donnert, schweigt der Mensch. So wird hier auf natürlichem Wege, und fast von Schicklichkeits wegen, die Klippe vermieden, an der fast alle Liebespaare scheitern: die Unterhaltungsnot. Gesagt ist alles, und immer küssen geht über die menschliche Kraft. Deshalb gehe denn heute auch nur ein Kuß in die Heimat; über die Adresse schweig ich verschämt. Wie immer

Dein alter Th. F.”

(Theodor an Emilie Fontane, Neuhausen, 6. August 1875. Aus: Theodor Fontane – Werke, Schriften, Briefe; Teil 4, Band 2)

Tulla über den Rhein

Der Rhein ist einer der merkwürdigsten Ströme in Europa, wegen seiner Größe, seiner Verbindung mit den Glätschern, und den meisten Seen der Schweiz, seiner Wasserfälle bey Schaffhausen und Laufenburg, der Veränderungen seines Laufs in ältern und neuern Zeiten, der Verschiedenheit seines Gefälles und seiner Geschwindigkeiten, wegen seiner Mündungen in das Meer, und seiner Benutzung zur Flößerey und Schifffahrt.

Der Rhein hat durch seine Geschiebe das Becken des ehemaligen, von Zürich bis Konstanz ausgedehnten Sees von Wallenstadt bis Rheinek, und die Linth von Wesen bis Schmerikon theilweise ausgefüllt, wodurch der ehemalige See in drey Seen, den Bodensee, Wallenstadter und Züricher-See, getheilt wurde.

Vom Bodensee bis Hüningen ist der Spielraum des Rheins größtentheils durch die Gebirge eng begrenzt, und die merkwürdigsten Veränderungen seines Laufes, sind nur die Einschneidungen oder tiefere Bettung, welche Veränderungen durch terrassenförmig übereinander liegende Hochgestade erkannt werden.

So wie der Rhein in das zwischen den Vogesen und dem Schwarzwald liegende Thal tritt, hat derselbe mehr Spielraum, er serpentirt in dem Bett des ehemaligen – nicht problematischen – zwischen dem Schwarzwald und den Vogesen bestandenen Sees, führt jährlich eine große Masse von Kies, Sand und Erde bis zu seinen Ausmündungen in das Meer in Holland, welches Land größtentheils durch den Absatz des Rhein gebildet wurde.

Die Geschichte des Rheinlaufes in den ältern Zeiten liegt bey den Geschichtsschreibern sehr im Dunkeln. Mehr Licht geben die sichtbaren alten Flußbette, die Hochgestade und die alten Inseln.

Nachdem der See sich, durch die allmählig, vielleicht auch plötzlich, entstandene Vertiefung seines Durchflusses, durch die Gebirge zwischen Bingen und Königswinter größtentheils, abgelaufen war, muß das verlassene Bett desselben zwischen den Vogesen und dem Schwarzwald, ziemlich eben gewesen seyn, und jede fortlaufende regelmäßige Vertiefung in dem Seebett, kann nur durch Ausflößung oder Ausschwemmungen, oder endlich durch Ausgrabung und nachherige Ausflößungen entstanden seyn.

Die Breite und die Größe der Krümmungen derartiger Vertiefungen, so wie ihre Vertheilung in mehrere Zweige, lassen immer auf das ehemalige Bestehen eines Flusses, auf seine Größe und seine Geschwindigkeit schließen, wenn gleich diese Vertiefungen nun trockenes Land sind.

Der Rhein theilte sich in den ältern Zeiten oberhalb dem Kaiserstuhl-Gebirge in drey Theile. Der eine ging links in dem jetzigen Gebiet der Ill, der andere längs dem Kaiserstuhl-Gebirge auf der linken Seite, und der dritte rechts dem Kaiserstuhl, längs dem Fuß desselben, zwischen den Vorgebirgen von Riegel und Hecklingen durch.

Man wird den erstern den gallischen Rhein, den zweiten den großen Rhein, oder auch nur Rhein ohne Beinamen, und den dritten den deutschen Rhein, nennen können.

Wegen Mangel an Localkenntnissen kann eine nähere Beschreibung des gallischen Rheins nicht gegeben werden. Die Städte Colmar, Gemar und Schlettstadt dürften auf dem linken Ufer desselben, und Straßburg, welches auf der vorspringenden Spitze des aufgeschwemmten Gebirges erbaut ist, bey der Vereinigung des gallischen Rheins mit dem großen Rhein, stehen.

Wann der gallische in einen Altrhein überging, und ob er noch zur Zeit, als die Römer an den Rheinufern waren, schiffbar war, ist unbekannt.

Der deutsche Rhein floß längs dem Fuße des Schwarzwald-Gebirgs, parallel mit dem großen Rhein, so wie gegenwärtig die Ill, und nahm in seinem Lauf die Flüsse Dreysam, Elz, Schutter, Kinzig, Rench, Murg, Alb, Pfinz und alle die kleinen Flüsse und Bäche des Schwarzwaldes, vielleicht auch den Neckar auf.

Der deutsche Rhein änderte seinen Lauf in einzelnen Distrikten wenig, in andern sehr bedeutend, letzteres zwischen der Kinzig und der Murg, und unterhalb Malsch, wo er in mehrere Arme sich theilte, bis gegen den Neckar. Da wo bedeutende Flüsse aus dem Gebirge treten, wurde sein Lauf durch den Ausschub dieser Flüsse vom Fuße der Gebirge abgetrieben, wie sehr deutlich an der Murg und der Alb zu ersehen ist.

Sein linkes Ufer war nur längs dem Kaiserstuhl mehr als das rechte, sonst aber das rechte Ufer bey weitem mehr, als das linke, bewohnt. Ein Beweis hiefür ergibt sich aus der Thatsache, daß noch gegenwärtig in der Strecke von Schwarzach bis Karlsruhe nur die Orte Sandweiher und Beyertheim am linken Ufer liegen. Die Ursache dieser Ungleichheit der Bewohnung läßt sich sehr leicht aus der Fruchtbarkeit des rechten, und Unfruchtbarkeit des linken Ufers, und der geringen Entfernung des rechten Ufers des großen Rheins von dem deutschen, erklären.

In vielen Gegenden sind die alten Läufe, die bestandenen Inseln, die Hochgestade sehr deutlich zu erkennen, in andern sind ihre Spuren mehr oder weniger durch Anschwemmungen der Flüsse des Schwarzwaldes ausgelöscht; häufig folgt das Wasser im ungezwungenen Zustand dem alten Lauf.

Wie lange der deutsche Rhein bestanden, und zu welchen Zeiten bedeutende Aenderungen mit ihm vorgefallen sind, dürfte schwerlich in der Geschichte aufgefunden werden. Indessen läßt sich mit Zuverläßigkeit behaupten, daß er zur Zeit, als die Römer ihre Herrschaft bis an den Rhein ausgedehnt hatten, noch ein schiffbarer Strom war. (…)

Quelle: Wikisource

Salmanlandung

Einen Fasnachtsbrauch der Narro Alt-Fischerzunft von 1386, einer der ältesten Gruppierungen dieser Art in Europa, gelegen in Laufenburg am Hochrhein, zeigt dieses Video, das hier einzubetten leider mißlang. Der Lachs, einst in rauhen Mengen gefangen, denn Laufenburg und Umgebung waren lange das größte Lachsfanggebiet Europas, wird mit einem Weidling auf dem Wasser des Rheines gebracht und anschließend mit der Tschättermusik durch die Stadt getragen.  rheinsein sagt danke an Roland Kroell, den Autor und Kommentator des Videos.

BuchBasel (2)

In Basel herrscht nebst der am Bahnhofsvorplatz ausgeflaggten BuchBasel Jahrmarktsbetrieb: die Herbstmesse mit ihren kunstlichtblinkenden Menschenbeschleunigungs- und -schüttelmaschinen, Chässchüblig- und Biberliständen. Unterm Münster fließet im Mondschein großherzig-gemäßigt der Rhein. Ihm statten wir den ersten Pflichtbesuch ab, den zweiten dem Tinguely-Brunnen, verpassen aufgrund dieser zwingenden Antrittsvisiten sämtliche Abendveranstaltungen. (Gerne hätten wir Navid Kermani mit seinem Tausendseiter gesehen.)

Der Auftrittstag fügt sich in Dauerregen. Das BuchBasel-Programm bietet viele Gleichzeitigkeiten, am Morgen haben wir die Qual der Wahl zwischen Péter Nádas und Arno Camenisch. Von letzterem erhoffen wir eher Rheinbezüge, was schließlich den Ausschlag gibt. Die Entscheidung wird prächtig entlohnt. Camenischs aktuelles Buch Ustrinkata (was soviel wie das Leertrinken einer Beiz am Abend ihrer Schließung bedeutet, gleichzeitig auf den Begriff Osteria und den Richtung Reduktion ausschlagenden Strukturwandel in den Bündner Bergdörfern weist) spielt direkt am Rhein in Tavanasa, in der Bahnhofs-Gaststätte Helvezia, bietet gleich mehrere Flußszenen (“wie eine Kuh frißt der Rhein die Traktoren”), bündnerisch-derb und poetisch zugleich. Camenischs Vortrag besteht in immer gleichgestimmten, Schwung auf Schwung holenden (Halb-)Satzschüben, wodurch eine tranceartige Melodielinie entsteht, auf der die Texte bis hin zur Fantastik sich ausleben. Zum Ende der Lesung trägt Camenisch noch einige wunderbar-lakonische Gedichte auf Sursilvan und Deutsch vor.
Am Nachmittag die litblogs.net-Lesung, gemeinsam mit Hartmut Abendschein und Publikumseinbindung. So sprachen wir über die Stellungskriege der Freundschaft auf Facebook und erhielten dank eines Lesungsgasts Kunde von Ernst Friedrich Löhndorff, einem einstmaligen Abenteurer und Bestsellerautor von Abenteuerromanen, der seine letzten Lebensjahre in Laufenburg verbrachte, wo, bis er im Jahre 1908 gesprengt wurde, der zweite Rheinfall fiel. Im Hof der Galerie Beyeler indessen fiel ahorngold das Herbstlaub und beleuchtete stimmungsvoll die Regenschlieren.

Am Abend der zweite Auftritt, diesmal gemeinsam mit Roger Monnerat, im selten geöffneten Barockzimmer des Museums der Kulturen direkt am Münsterplatz. Es ging um Basler und Kölner Badegewohnheiten, das Grab des Rheins im Rotterdamer Hafenbecken und eine geheimnisvolle Frau, die ein Fisch ist und daher schwer zu verstehen.

Zum Resummee des Tagesgeschehens gings ins Kafka am Strand, das Cafe des Basler Literaturhauses, wo sämtliche Bedienungen unsere Bestellung “ein Appenzeller Holzfaßbier, bitte” mit kräftigem Staunen quittierten.

Zurück im Hotel irrten wir durch dessen weitläufige Flure, welche zusammengenommen sicherlich dem Wegenetz einer mittleren Kleinstadt entsprechen dürften. In der 18. oder 19. Etage stießen wir auf einen vitrinierten Rauchersalon, der nach einer dereinst in Flammen aufgegangenen “Hexe” benannt war (das Hotel schien einen christlichen Hintergrund zu besitzen), traten ein, gerieten in blauen Dunst und das Kreuzfeuer einer von Lichtschranken ausgelösten Wechselbeleuchtung, wie wir sie aus Raucherzimmern bisher noch nicht kannten. In der einen Ecke des Salons stand hinterm Zigarettenqualm sehr einsam ein geheimnisvoll verschlossener Holzschrank, aus der anderen wurden wir freundlich angesprochen: ob wir nicht Platz nehmen wollten? Tatsächlich, dort lugte ein Tischlein aus dem Dunst, dort saßen leibhaftig, nicht nur in Konturen, ein Mann und eine Frau, rauchten und tranken ein pinkfarbenes Gemisch, wobei uns die Frau entfernt bekannt vorkam und schon kurz darauf als Birgit Vanderbeke entpuppte, welche uns von ihrem selbsterfundenen Vanderbeke (ein Mischgetränk moitié moitié aus südfranzösischem Roséwein und rosa Grapefruitsaft) anbot, das spätsommerliche Zitrusnoten in den Rauchersalon hinein entfaltete, während es draußen kräftig plästerte und der mit Ahornlaub schmeißende Herbst wie eine gigantische Wegschnecke dem Winter entgegenkroch, dieweil im Dunkel der Stadt, genau können wirs aufgrund einer gewissen Nachtblindheit allerdings nicht bezeugen, florale Fluggeräte, dh raketenförmige Titanwurzgebilde um das Spalentor schwebten.

Gorrh (17)

„Gorrh, unser Größter, jung Görrhling, erwachsen vom Frühling bis August Grrhoarrh, dann bis zu Neujahr Gorrh genannt, Gorrhus gorrhus (das Männchen heißt vom September an auch G. musculus, das Weibchen G.a schizopulcherrima), ist ein höchst sonderbarer Wandergott, halb Wald-, halb Stadttier, halb aus reinem Nichts gesponnen, Dividende des Unnatürlichen, Nenner der Menschheit, Elektrospacke, manche sagen: Befall aus dem All. Aus dem Asfalt, wo er besonders entlang der Rheinschiene hinstreicht, steigt er oft im April schon, oft später, in langsamen Zügen in spitzwinkeligen Linien, die schwersten Gedanken voran, alle Flüsse Deutschlands hinauf, kommt im Mai bei Basel durch den Rhein her, schnellt sich mit kräftigem Schwanzschlag die Laufenburger Stromschnelle hinan, schwimmt im August in die kleinern Flüsse, zieht ohne Aufenthalt durch die Länge der Seen nach deren Zufluß, fährt diesen aufwärts, überspringt leicht Wehre und Rechen, verteilt sich in alle großen Seitenbäche, die schnellen Lauf und kiesigen Boden haben, und gelangt so in die Bergregion auf wunderbarer Irrfahrt. Hier laicht er vom Oktober bis Dezember und zieht dann wieder in großen Reihen flußabwärts, dorthin, wo er herkam, zurück. Es sind dies die Monate unter den Monaten, an denen er unsichtbar bleibt, wie auch zu anderen Monaten im Jahr. Seine dreißigtausendfache Vervielfältigung kann nur durch einen ebenso schweren Gedanken aufgehoben werden. Ein Gedankensprengsatz, gehalten von untereinander verkabelten, intelligent gesetzten Plastiksprengstoffkommata, ein eiliges, wuchtiges Gewebe, das den Riß in der Luft, den sein Erscheinen verursacht, zum Loch umreißt, dessen Rand zerfetzt, bis von allem Nichts nichts mehr übrig bleibt als die reine Vollkommenheit und Fülle, eine antimaterielle Überfülle, das nonmaterielle Megamaterial. „Süperendesüpere“, summt Gorrh zu Lichtmeß, knocht und wobbelt, protzt und schlorcht, Gorrh, unser Größter, jung Görrhling, erwachsen vom Frühling bis August Grrhoarrh, dann bis zu Neujahr Gorrh genannt.“

(Obiges fanden wir in Strondtners Notizen. Der Text ist im Original s-förmig durchgestrichen. Oder markiert. Serpentiert? Wo zur Hölle ist Strondtner eigentlich abgeblieben?)

Nietzsches schwermüthige Schnellreisen

Basel, 5. Mai 73

[...] Weißt Du, daß unser überaus festlicher Abschiedstrunk in Lichtenfels mich berauscht gemacht hatte? Nämlich es trat ein Phänomen ein, daß ich wähnte, ich würde in einem großen Rade mit herumgedreht: dabei wurde mir schwindlicht, ich schlief ein, wachte in Bamberg auf, trank Kaffee: und war Mensch wie zu­vor. Verlebte dann den Nachmittag in Nürnberg, sowie den zweiten Ostertag und befand mich körperlich ebenso wohl als höchst, höchst schwermüthig! Dabei waren alle Leute geputzt und liefen im Freien herum, und die Sonne so herbstlich mild.
Nachts sauste ich nach Lindau ab, fuhr, im Kampf von Nacht­ und Tagesgestirn, früh um 5 Uhr über den Bodensee, kam noch zeitig am Rheinfall bei Schaffhausen an, machte dort Mittag. Neue Schwermuth, dann Heimreise; an Lauffenburg vorbeikom­mend sah ich, daß die Stadt mächtig brannte. [...]

(aus: Friedrich Nietzsche, Briefe II, 3 (Mai 1872 – Dezember 1874))

Der Rhein für die gebildeten Stände

Rhein, einer von den Hauptflüssen Deutschlands, der ein schönes, wein- und fruchtreiches Land durchströmt, einen Weg von 190 M. zurücklegt und über 12,200 Flüsse und Bäche dem Oceane zuführt, entspringt in dem helvet. Canton Graubündten aus drei Hauptquellen, welche der vordere, mittlere und hintere Rhein heißen. Der vordere quillt aus dem Gebirge Crispalt, nordöstl. vom Gotthard, und vereinigt sich bei Dissentis mit dem mittlern Rheine, welcher vom Lukmanierberge herabkommt. Diese vereinigten Flüsse vermischen sich bei Reichenau mit dem Hinterrhein, der im Gebirge Adula auf dem Vogelberge aus einem Gletscher sich sammelt und bis Reichenau 20 Stunden weit fließt. Daselbst erhalten diese drei vereinigten Rheinquellen den gemeinschaftlichen Namen Rhein und haben eine Breite von 230 F. In der Gegend von Chur wird er schiffbar; zwischen Rorschach und Fußach stürzt er mit großem Geräusch in den Bodensee, den er zwischen Stiegen und Eschenz wieder verläßt und seinen Lauf nach Schaffhausen und Basel fortsetzt, nachdem er vorher mehre Wasserfälle gebildet hat. Solcher Wasserfälle, vorzugsweise Rheinfälle genannt, gibt es vier: 1) Der Rheinfall, eine Stunde unter Schaffhausen bei den beiden Laufen, wovon das eine (Dorf und Schloß) dicht am Rhein, auf dem Boden des schweizer. Cantons Zürich, und das andere, ein altes Schloß, gegenüber auf einer Insel liegt, ist der bedeutendste und durchaus nicht zu passiren, weshalb die Ladung der Schiffe zur Achse durch Schaffhausen gebracht werden muß und erst unterhalb der Stadt wieder eingeschifft werden kann. Nachdem der Strom ungefähr 500 Schritte oberhalb der beiden Laufen zwischen ungeheuern Felsen, die zum Theil mitten aus seinem Bette hervorragen, eingeengt worden ist, schießt er dann bei immer zunehmendem Abhange in unzähligen Buchten von Fels zu Fels hin und stürzt sich endlich, 80 F. hoch, 300 F. breit, mit einem in der Nähe betäubenden und bei stiller Nacht auf zwei Meilen weit hörbaren Getöse in drei Fällen steil herab, wovon der auf der Südseite, zwischen zwei Felsenpfeilern, der gewaltsamste ist. Die ganze Breite des Sturzes übersieht man aus einem Hause, nicht weit vom Sturze, fast in der Mitte des Flusses, das durch eine Zugbrücke mit dem Ufer verbunden ist; doch kein Bild vermag dieses Schauspiel darzustellen. 2) Der Rheinfall unter Zurzach, bei der Mündung der Wutach, der nur bei hohem Wasserstande die Schiffahrt hindert. Er wird verursacht durch einen quer durch den Strom gehenden Felsendamm, in dessen Mitte eine Lücke sich befindet, durch welche bei niedrigem Wasser die Schiffe passiren. 3) Der Rheinfall bei Laufenburg, der nur in einer Stromschnelle besteht, auf welcher leere Schiffe an Seilen durch Menschen, oft jedoch mit Lebensgefahr, hinuntergelassen werden. 4) Der Rheinfall bei Rheinfelden, der Höllhaken, auch das Gewild genannt. Schon eine Stunde oberhalb Rheinfelden fangen die Felsen im Strome an und streichen bis unter die Brücke dieser Stadt dergestalt fort, daß nur eine schmale Öffnung bleibt, durch welche die Schiffe mit der größten Vorsicht geführt werden müssen.

(aus: Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände. Conversations-Lexikon, Band 9, F.A. Brockhaus Verlag, Leipzig 1836)