buscando la catedral negra

sabés que llegarás
en colonia nadie se pierde
de donde sea que estés se ve la catedral

no sabés cómo pero sabés que llegarás
te vas dando de lado contra las paredes
y buscás allá en el horizonte de las esquinas
las torres negras sobre el cielo negro
y pensás
que deberías haberte quedado con el hombre
que conocía el camino
que podrías haberlo besado o algo
para que se fuera contigo

y pensás
que en colonia nadie se pierde
porque ya están todos perdidos
vos estás perdida y sola
y el hombre que conocía el camino también
está solo y perdido

nosotros que creemos
saber más que los otros de la vida
nosotros que creemos
que solo es otra ciudad europea más
bajo el aura de una nube negra
y que de todos modos llegaremos

nosotros que sabemos cantar y hacer poemas
hundimos nuestros cerebros en alcohol
y caminamos a los tumbos por colonia
buscando en la oscuridad la catedral negra
que dejaron allí
para mostrar el camino

(Das schwarzbewölkte Kölngedicht stammt aus der Feder von Lalo Barrubia, einer großartigen Sängerin und Gedichtvorträgerin aus Uruguay. Der Text verhandelt Köln im November 2007, einem vergangenen Latinaledatum und ist in Lalos neuem 70seitigen Band borracha en las ciudades bei PoesíaconC, Malmö 2011 erschienen. Alle Texte im spanischen Original und in englischer Übertragung. Bei Interesse geben wir die klandestine Bestelladresse gerne weiter. Danke, Lalo!)

rheinsein bei der Latinale

Gestern Abend weilten wir im Theater Rottstr. 5, einem wunderbaren Off-Theater in einem herbstdunklen Bochumer Innenstadt-Hinterhof, direkt unter bzw in einer Bahntrasse gelegen, was dem Raum ca alle halbe Stunde eine grollende, prima aufs Programm passende Erschütterung bescherte. Die Latinale, das mobile lateinamerikanische Poesiefestival, hatte geladen und so durften wir Das Lachen der Hühner erstmals auch in spanischer Übersetzung des mexikanischen Dichters Daniel Bencomo vorstellen. In Bochum übernahm Victoria Guerrero aus Peru den Vortrag des spanischsprachigen Parts, dieweil sie zwischen den lyrischen Liechtensteineinheiten, unter einer Sturmhaube versteckt (also falls sies denn selber war), aus ihren eigenen Texten las, die von Mauern handelten, vom Rimac, von Nord und Süd, arm und reich, von der Liebe und vom Tod. Die Themen des Rheins und des Rimac: besitzen (weit über Zufälle in Gedichten hinaus) reichlich Schnittmengen. Neu war aber dies: die spanische Version von Am Rhein (zum Original und einer liechtensteinischen Version geht’s hier) erheiterte Victoria mitten im Vortrag; ob der Auslöser im spanischen Reim, der exotischen Kulisse oder in der Vorstellung von einer Frau als Fisch lagen haben wir dann nicht mehr erfahren – wer weiß, in wie viele Sprachen das Gedicht, das uns, weil es zu den seltenen plötzlich-zugeflogenen gehört, recht am Herzen liegt, noch übertragen werden und welch unterschiedliche Reaktionen es in unterschiedlichen Transformationen auslösen wird. Den Abend beschloß Benjamín Moreno aus Mexiko mit einer auf Leinwand projizierten Vorführung seiner digitalen Dichtkunst. Dh, Benjamín spielte mit Wörtern Pingpong, formatierte eine Politikerrede zu neuen Lügen um, crashte so einiges an visuell-akustischem Fundus und strukturierte nicht zuletzt die Architektur eines Borges-Gedichts zum Pacman-Spiel um. Hier der Link zu Benjamíns concretoons genannten sehens- und spielenswerten Arbeiten. Die Latinale gastiert noch bis Mittwoch in NRW, heute in Köln, morgen in Bonn und übermorgen in Düsseldorf mit einer Abschlußparty mit allen Beteiligten. Genauere Informationen gibt’s auf der Latinale-Website.