Presserückschau (Mai 2016)

1
“Es wurde an alles gedacht bei der Filmpremiere zu “Mannheim – Neurosen zwischen Rhein und Neckar”. An den roten Teppich, an Sekt, an “Meet & Greet” sogar an einen Pressebereich. Und so verwandelte sich das Cinemaxx-Kino (…) in eine Szenerie, der man einen winzigen Hauch Hollywood nicht verleugnen kann. Die (…) eher unbekannten Schauspieler und Filmemacher mutierten zu kleinen Stars, wurden gefilmt, fotografiert, interviewt und nach Autogrammen gefragt. (…) Nach ein paar einführenden Worten und den zwei Live-Songs “Seelenlied” und “Mannemer Dreck”, die auch im Film eine Rolle spielen, ging es direkt los. (…) Rund eine Stunde und 15 Minuten später dann tosender Applaus. Ja, der Film kam an. Es wurde viel gelacht. Auch gestaunt über die Qualität des Streifens, der immerhin mit nur knapp über 30 000 Euro Budget entstanden ist und dennoch (…) einen Filmverleih gefunden hat, der ihn deutschlandweit in die Kinos bringt. Und damit ein Stück Mannheim-Atmosphäre, Charme und Lebensart.” (Rhein-Neckar-Zeitung)

2
“Im Rhein ist jetzt eine Industriechemikalie aufgetaucht, die nie zuvor in Gewässern gefunden worden ist und mit der auch niemand gerechnet hat. (…) “Bei den Substanzen geht’s um Triphenylphosphonium-Verbindungen. Das sind Chemikalien, die großtechnisch bei der Synthese von organischen Molekülen wie zum Beispiel Vitamin A oder Beta-Carotin eingesetzt werden können (…).” Klar sei bisher nur, dass es sich um biologisch schwer abbaubare Stoffe handele, die sich im Sediment von Flüssen anreichern. Und dass die Phosphonium-Salze die Abwasserbehandlung in den Betrieben überstehen, aus denen sie stammen.” (Deutschlandfunk)

3
“Wenn das Channel-Netzwerk comTeam zur Systemhauskonferenz einlädt, stehen ITK-Trends genauso im Fokus wie entspanntes Networking. Die „R(H)EINGOLD-TOUR 2016“ kombiniert beides als Flussfahrt auf dem Rhein mit anschließender Beachparty. (…) Ob zielgerichtete Kundenansprache, Servicesteuerung oder Fokusthemen wie Transformation und managed service – die Beispiele aus der Praxis bieten für die Systemhäuser spannenden Mehrwert. Als Keynote Speaker „entert“ Top-Schiedsrichter Dr. Markus Merk die Bühne, um unter dem Motto „Hier und Jetzt – Das Leben findet heute statt“ interessante Impulse jenseits des Berufsalltags zu geben.” (electronicpartner.com)

4
“Der Stör steht in NRW auf der Roten Liste unter der Kategorie Null, weil er zu den Arten gehört, die sich nicht mehr vermehren und verschollen sind. Wiederansiedlungsprogramme für den Stör machen im Rhein nach Meinung von Fachleuten so lange keinen Sinn, so lange die Verbindung zum Meer durch die Schleusen des Haringvlietdamms unterbrochen ist, der 1971 zum Schutz vor Hochwasser und Sturmflut im Rheinmündungsdelta errichtet wurde. Die Stauwerke stellen für Wanderfische ein großes Hindernis dar. Die Niederländer sind aber dabei, die Öffnungszeiten zu optimieren, damit der Stör die Barriere ungehindert passieren kann. Weil der Stör in NRW als verschollen gilt, hat ist er nicht von planungsrelevanter Bedeutung, etwa bei Hafenausbauten.” (WAZ)

5
“Das letzte Mal hat man so einen Anblick 1977 in dem Bond-Streifen “Der Spion, der mich liebte” gesehen, als 007 alias Roger Moore in einem Lotus, der auch ein Boot und U-Boot war, einen Strand hochfuhr. Und so staunten (…) Spaziergänger am Uerdinger Rheinufer nicht schlecht, als sie (…) auf dem Rhein Gefährte entdeckten, die sich wie Schiffe benahmen, aber wie Autos aussahen: Über Pfingsten fand in Krefeld ein Bundestreffen der sogenannten “Amphicars” statt, also schwimmfähiger Autos. Rund 30 Wagen waren angemeldet. (…) Amphicars wurden zwischen 1958 und 1963 in Berlin und Lübeck gebaut (…). Geplant war der Bau von 25.000 Wagen; da der Verkauf aber nicht den Erwartungen entsprach, war nach Nummer 3878 Schluss. Die weitaus meisten Fahrzeuge gingen in die USA.” (Rheinische Post)

6
Im Rhein ertrunken: “Die Leiche des Mannes war (…) am Ufer an der Kreisgrenze in der Nähe des “Stummen Deichs” entdeckt und geborgen worden. Die Polizei geht von einem tragischen Unglücksfall aus. Nach den bisherigen Ermittlungen kam der Mann zusammen mit zwei Freunden auf die Idee, durch das Duisburger Hafenbecken zu schwimmen. Während die beiden Kollegen das andere Ufer erreichten, verließen den 37-Jährigen unterwegs offenbar die Kräfte. Er versank in den Fluten. Die Strömung trieb den Körper ab, der viele Kilometer weiter dann zwischen Haffen-Mehr und Bislich ans Ufer gespült wurde. Die Polizei obduzierte den Leichnam und stellte fest, dass es sich nicht um ein Verbrechen handelt.” (Rheinische Post)

7
“Wegen “gemeinschädlicher Sachbeschädigung” hat die Polizei in Laufenburg zwei 15 und 18 Jahre alte Tatverdächtige angezeigt. Das Duo wurde nach einer Pressemitteilung der Polizei (…) beschuldigt, am Pfingstmontagabend bei der Codmananlage eine Sitzbank in den Rhein geworfen zu haben. Ein Zeuge hatte die Polizei darüber unterrichtet. Die beiden Jugendliche wollten gemäß den Schilderungen gerade eine zweite Bank versenken, als zwei Mädchen hinzukamen. Daraufhin hätten sie von ihrem Vorhaben abgelassen. Die herbeigerufene Polizei traf die beiden vor Ort an.” (Badische Zeitung)

8
“Der Text, den Christian Mueller in das Gesetz schreiben will, ist einfach: «Von der Johanniterbrücke in den Rhein führt auf Kleinbasler Seite eine Wasserrutschbahn.» (…) Sein Wahlkampf-Thema – die Rhein-Rutschbahn – könnte ihm beim Sprung ins Parlament helfen. Die Rutschbahn soll über drei Spuren verfügen und in einem Auslaufbecken über dem Rhein enden. Nur so könne die Rutschbahn auch von Nicht-Schwimmern und Kindern benutzt werden. Die Kosten schätzt Mueller auf rund eine Million Franken. Beim ersten Projekt ging er noch von einer halben Million aus.” (Tageswoche)

9
“Die Obduktion der Leiche, die (…) aus dem Rhein in Lüttingen geborgen worden war, hat keine Hinweise auf eine Todesursache durch Gewalteinwirkung ergeben. (…) Die Ermittler halten unteressen einen Zusammenhang mit einem Fall in Bonn (…) für möglich. Damals (im vergangenen April; Anm. rheinsein) beobachteten Zeugen (…) einen unbekannten Mann, der von der Kennedybrücke in den Rhein gesprungen sein soll. Eine Suche durch Polizeikräfte, Feuerwehr, DLRG und einem Polizeihubschrauber verlief ergebnislos. Nach Aussagen von Zeugen in Bonn könnte es sich vielleicht um den in Höhe von Schloß Lüttingen entdeckten Leiche übereinstimmen, so die Polizei. Eine Vermisstenanzeige, die auf die Beschreibung des Brückenspringers passen könnte, liegt bis heute nicht vor.” (Rheinische Post)

10
“Fünf Passanten, die einem in Not geratenen Schwimmer (…) im Rhein bei Bonn zu Hilfe eilen wollten, sind selbst in Not geraten. Nach Angaben der Feuerwehr (…) wollten sie einem waghalsigen Schwimmer helfen, der im Wasser trieb. Mit einem Rettungsboot und über Land konnten Einsatzkräfte von Feuerwehr und DLRG schließlich alle Personen retten. Nach ersten Erkenntnissen hatte der Mann ein Bad nehmen wollen, seine Kräfte aber überschätzt. Die Einsatzkräfte seien durch viele Schaulustige behindert und bedrängt worden (…). Mehr als 200 Unbeteiligte (…) seien zeitweise am Ufer gewesen.” (WDR)

Presserückschau (März 2016)

1
“Eine Panne im umstrittenen Atomkraftwerk Fessenheim im Elsass vor knapp zwei Jahren soll wesentlich dramatischer verlaufen sein als bisher bekannt. Einem Bericht der “Süddeutschen Zeitung” (…) zufolge waren am 9. April 2014 nach einer Überflutung wegen eines Lecks in Block 1 die Steuerstäbe zum Abschalten des Reaktors nicht mehr manövrierfähig. (…) Der Block wurde laut “SZ” erst durch Einleitung von Bor ins Kühlsystem abgeschaltet – ein äußert seltenes Vorgehen. Der Betreiber des Akw, der staatliche französische Stromkonzern EDF, hatte zwar von dem Leck berichtet, ohne jedoch Einzelheiten zu nennen. Auf der achtstufigen internationalen Störfallskala Ines wurde der Vorfall lediglich auf Niveau 1 eingestuft. Die Überschwemmung habe damals eine “Abfolge von technischem Versagen und Chaos” nach sich gezogen (…). So sei eines der beiden parallelen Sicherheitssysteme ausgefallen, weil Wasser in Schaltschränke gelaufen sei.” (Donaukurier)

2
“Es gibt Szenarien, da muss man zweimal hingucken, um zu verstehen, dass man nicht völlig verrückt geworden ist. So ging es wohl einigen Duisburgern (…), als ein offensichtlich toter Pottwal auf der Ladefläche eines Transporters durch die Innenstadt rollte. Wenig später lag das fast 20 Meter lange Tier am Ufer des Rheinpreußenhafens in Homberg. Eine Schulklasse begutachtete es neugierig, die Kinder konnten kaum fassen, was sie da sahen. Wenig später kamen Forscher, um den Wal zu untersuchen. Auch das Duisburger Ordnungsamt kam zur Unfallstelle. Hatte sich der Wal vielleicht verirrt, ist er etwa über die Nordsee in den Rhein geschwommen und dann gestorben? Fehlanzeige: Der Pottwal am Duisburger Rheinufer hat nie gelebt. Es handelt sich um eine lebensgroße Attrappe, die zu den Aktionen des Kulturfestival Duisburger Akzente gehört.” (Rheinische Post)

3
“Die Ansicht ist wenig spektakulär: ein abgesperrtes Loch in der Erde, dessen Boden leicht mit Wasser bedeckt ist und auf dem ein Bagger und ein Container stehen. Trotzdem bedeutete der 16 Meter tiefe Schacht gestern Anlass zur Freude auf dem Chempark-Gelände Wiesdorf. Denn er ist der Anfang eines neuen Tunnels unter dem Rhein zwischen Leverkusen und Köln-Merkenich. Und so feierte Chempark-Betreiber Currenta mit mehreren Dutzend Gästen aus Unternehmen und der Politik die Taufe der Rheinunterquerung. Sie trägt nun den Namen “Martina”. Patin und Namensgeberin ist Currenta-Mitarbeiterin Martina Jacobs-Wellenberg, die das Projekt seit Beginn begleitet.” (Rheinische Post)

4
Loreena McKennitt feiert ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum, berichtet die Fachzeitschrift Powermetal im Stil einer Werbeanzeige: “Nun schiebt ihr Label Quinlan Road noch die Livescheibe “Troubadours On The Rhine” nach, wiederum strikt limitiert auf 5000 Kopien und in hochwertigem 180g-Vinyl. Doch neben der hochwertigen Aufmachung ist das Schöne daran natürlich in erster Linie das Schöne darin. Loreena spielte dieses Konzert auf Einladung des Radiosenders SWR1 (…) am 24. März 2011, in Mainz. (…) Insgesamt (…) eine (große, schwarze) runde Sache, die ein Muss für alle Folkfans darstellt. Und die Tatsache, dass die Aufnahmen vom schönen Mainz am Rhein stammen, sollte insbesondere die Rheinländer auf den Plan rufen. Da dürften die 5000 Exemplare schnell vergriffen sein.”

5
“Im Rahmen der 37. Duisburger Akzente “Nah und Fern – 300 Jahre Duisburger Hafen” läuft im Ruhrorter Museum der Deutschen Binnenschifffahrt noch bis zum 9. April die Sonderausstellung “Neue Horizonte – Dynamik im Fluss” über den Erfinder Paul Schatz (1898-1979), der als deutsch-jüdischer Emigrant in der Schweiz lebte (…). Dazu spielte (…) das “Ensemble Neue Horizonte Bern” (…) sein Programm “Im Fluss”. (…) Sämtliche Kompositionen von “Im Fluss” beschäftigen sich mit den Themenkomplexen Fluss, Wasser und Hafen, aber auch Strömung, Schleuse, Handelsumschlagplatz, Schwäne, Rhein, Donau und Moldau sowie weiterem Nahen oder Fernen. Der formale Rahmen leitet sich von Paul Schatz und seinem umstülpbaren Würfel ab (den übrigens der Westdeutsche Rundfunk vor 50 Jahren zum Logo seines Dritten Fernsehprogramms machte). Der taumelnden Bewegung des Oloids passt sich auch die in jedem Konzert andere Reihenfolge der Stücke an. Genauer gesagt, bleibt die Abfolge gleich, nur Anfang und Ende verschieben sich.” (Rheinische Post)

6
Rettung aus Rheinnot: mehrere Schafe hatten sich laut Anrufen von Spaziergängern bei der Krefelder Feuerwehr im Fluß befunden: “Ein freilaufender Hund hat (…) eine Schafsherde in Panik versetzt. Ein Tier wurde in den Hals gebissen. Es wusste sich nicht anders zu retten, als in den Rhein zu springen. Ein Passant und ein Polizist in zivil, retteten das verletzte Tier in Ufernähe aus dem Wasser. Vom Hund keine Spur.” (Rheinische Post) Der Verbleib der restlichen Schafe, die sich ebenfalls in den Fluß gestürzt haben sollen, ist ungeklärt.

7
“Ein ausgebüxtes Rind hat (…) einen Polizeieinsatz der Stadtpolizei Chur verursacht. Das Tier war zuerst stadtauswärts auf den Zuggeleisen unterwegs. Danach stapfte es zum Rheinufer. (…) Als eine Polizeipatrouille vor Ort eintraf, waren bereits mehrere Personen dabei, das entwichene Rind von den Geleisen wegzutreiben. (…) Nach einiger Zeit ging das Rind zum Rheinufer und überquerte den Fluss schwimmend. Es strandete völlig erschöpft am gegenüberliegenden Ufer von Haldenstein. Dort konnte das Tier schliesslich von Bauern mit einem Seil hochgezogen werden.” (Schweizer Bauer)

8
“In Baden-Württemberg hat ein 22-Jähriger sein Auto versehentlich in den Rhein gelenkt. Er und sein Beifahrer kamen glimpflich davon. Ein Passant hatte (…) den Zwischenfall in Breisach am Rhein beobachtet und den Notruf gewählt. (…) Kurz darauf meldete sich (…) der Fahrer des Wagens. Er und sein ebenfalls 22 Jahre alter Beifahrer hatten sich alleine befreit und waren durchs eiskalte Wasser zum Ufer geschwommen. Danach gingen beide nach Hause, um die nassen Kleider zu wechseln. Der Polizei zufolge ist der Unfallverlauf inzwischen geklärt: Der Fahrer war (…) beim Rückwärtsfahren auf einen Grünstreifen geraten und hatte die Kontrolle über das Auto verloren. Der Wagen rollte daraufhin die Böschung zum Rhein hinunter und stürzte in den Fluss. Das Fahrzeug ging unter und soll nun geborgen werden.” (Spiegel)

9
“Erneut haben Unbekannte zwei große Bäume an der Rheinallee (in Königswinter; Anm.: rheinsein) vergiftet. (…) Eine stolze Platane und ein Ahorn mussten deshalb (…) in Höhe der Hubertusstraße am Rheinufer gefällt werden. Ebenfalls (…) wurden zwei weitere Bäume gefällt, die bereits im vergangenen Jahr Opfer von Giftanschlägen geworden waren, und eine Pappel, die unmittelbar am Rheinufer stand und angesägt worden war. Die Stadt hat innerhalb von nur neun Monaten insgesamt fünf Strafanzeigen gegen Unbekannt bei der Polizei erstattet.” (General-Anzeiger)

10
“Jubel bei den Rhine River Rhinos: Die Rollstuhl-Basketballer aus Wiesbaden haben den Aufstieg in die Erste Bundesliga perfekt gemacht. Die Mannschaft von Cheftrainer Cliff Fisher setzte sich am letzten Spieltag bei den SKG Rolling Choclate in Heidelberg mit 89:53 durch und sicherte sich die Meisterschaft in der Zweiten Liga.” (Wiesbadener Tagblatt)

11
“Die Programmiersprache rhine aus der Feder von Ramkumar Ramachandra ist eine typisierte, von Elixir inspirierte Sprache, die die LLVM-Just-in-time-Kompilierung nutzt und einen vollständigen abstrakten Syntaxbaum, sowie N-D-Tensoren, First-Class-Funktionen und Typinferenz bietet. Die von Ramachandra im GitHub-Repositorium des Projekts vorgestellten Sprachfeatures umfassen beispielsweise die Typannotation ~Int (In rhine werden nur Argumenttypen kommentiert; Rückgabetypen werden inferiert) sowie die Funktion ~Function(Int -> Int -> Int. Letztere nimmt zwei Integer auf und gibt einen zurück, wobei etwas Haskell-Syntax eingestreut wird. (…) Eine Besonderheit von rhine ist der AST. Dieser nimmt starke Anleihen bei der LLVM-Zwischenschicht (IR), umfasst jedoch auch einige höher angesiedelte Konzepte, wie beispielsweise Tensoren. Er ist Ramachandra zufolge als SSA zu betrachten und verfügt über einen eingebetteten UseDef-Graph, weshalb Analysen und Transformationen sich besonders leicht gestalten sollen.” (Jaxenter)

12
“Einsatzkräfte der Polizei und der Rheinhausener Feuerwehr haben in Duisburg-Friemersheim die Reste einer Leiche aus dem Rhein geborgen. Ausgerückt waren auch ein Boot der Wasserschutzpolizei sowie Taucher. Da der Torso relativ ufernah im Rhein trieb, kamen letztere nicht zum Einsatz. Zur Identität der toten Person ist noch nichts bekannt. (…) Fingerabdrücke der aufgefundenen linken Hand werden derzeit ausgewertet. “Die Leiche ist auch nicht mehr ganz frisch”, sagt Feuerwehr-Einsatzleiter Thorsten Stolz. Sie sei vermutlich schon eine Weile stromabwärts getrieben und auch in Kontakt mit Schiffschrauben gekommen.” (WAZ) “In Duisburg hat eine Passantin am Rheinufer Leichenteile gefunden. Der menschliche Unterkörper war im Bereich Alsumer Steigs angeschwemmt worden (…). Erst vergangene Woche war rheinaufwärts beim Duisburger Ortsteil Friemersheim ein lebloser Oberkörper geborgen worden. Taucher der Feuerwehr zogen die Leiche aus dem Wasser. Eine DNA-Analyse soll nun klären, ob die Leichteile von der selben Person stammen. (…)” (Welt)

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“Die Quecksilber-Belastung deutscher Flüsse liegt (…) vielerorts weit über dem zulässigen Grenzwert. Die Umweltqualitätsnorm von 20 Mikrogramm Quecksilber je Kilogramm Fisch werde in den großen Flussgebieten Rhein, Elbe und Donau dauerhaft und flächendeckend um das fünf- bis 15-fache überschritten (…). Quelle dafür sei eine Antwort des Bundesumweltministeriums auf eine Parlamentsanfrage. Zwar stoßen Dutzende deutsche Braun- und Steinkohlekraftwerke in geringen Dosen Quecksilber aus, Umweltschützer machen aber vor allem giftige Dämpfe aus Braunkohlekraftwerken für die Umweltbelastung mit dem Schwermetall verantwortlich.” (n-tv)

Presserückschau (Februar 2016)

1
Sogar im Tomasee, den er zuvor als sauber eingeschätzt hätte, habe Rheinschwimmer Andreas Fath hohe Belastungswerte mit Plastikpartikeln festgestellt, berichtet das SWR-Fernsehen. Die Plastikteile gefährdeten im Rhein lebende Tiere, die Kunststoff bei der Nahrungsaufnahme nicht von natürlichen Partikeln unterscheiden können, daneben bestünde Verletzungs- und Erdrosselungsgefahr. Auch zögen die Plastikteile oberflächenaffine Giftstoffe an, die immer wieder in den Rhein geleitet würden und über die Nahrungskette schließlich beim Menschen landeten. Krankheitssymptome bei Muscheln könnten ebenfalls auf die Mikroplastikbelastung der Gewässer zurückgehen.

2
Trocken im Stil, äußerst bündig und dennoch auf positive Aspekte der Zuwanderung hinweisend eine WDR-Meldung zum rheinischen Karnevalsgeschehen: “In Krefeld hat ein 21-jähriger Zuwanderer aus Pakistan (…) nach Polizeiangaben einen 20-Jährigen aus dem Rhein gerettet. Der Mann aus dem Kreis Mettmann war beim Urinieren ausgerutscht und ins Wasser gefallen. Der Pakistaner sprang in den Fluss und rettete den anderen. Beide blieben unverletzt.”

3
“RHINE aus den USA liefern mit “An Outsider” ihr zweites Album ab. Hinter diesem Projekt steht Gabriel Tachell, der das Debüt “Duality” von 2011 im Alleingang aufnahm und nunmehr mit einer vollständigen Band antritt, um dem europäischen Metal im Allgemeinen, dem skandiavischen Metal im Besonderen Tribut zu zollen. Ein Schiff aus Seattle in fremdem Gewässern, wenn man so möchte. Das, aber auch die Art, wie die Musik sich windet und wie sie fließt, soll nach eigenen Angaben durch den Namen RHINE suggeriert werden. Und genau das bietet Tachell auch. Sein Schiff “An Outsider” fährt auf dem Rhein entlang, während vordergründig die “Vertebrae”-ENSLAVED (“Dreaming Of Death” ist ein guter Anhaltspunkt) und die “Ghost Reveries”-OPETH (vor allem der Titeltrack) immer wieder die Segel des US-Amerikaners aufblähen. In voller Fahrt segelt das Schiff so im Zickzack-Kurs zwischen ruhigeren, atmosphärischen Gewässern und aggressiven Wogen hin und her. Durch die geografische Begebenheit des Flusses hat die Musik selbstredend auch eine handvoll teutonischer Einflüsse abbekommen, die sich in den härteren, zum Teil thrashigen Passagen zeigen, sich wahlweise aber auch in Vikinger-Chören offenbaren, die in deutscher (!) Sprache von ihren Schlachten singen – und das noch nicht mal schlecht (“P.R.E.Y”).” (metal.de)

4
Der SWR berichtet von einem Fischfang bei Mainz: “Igor Hamm wollte eigentlich Zander angeln. Doch (…) dem 28-Jährigen aus Mainz-Kastel (ging) etwas deutlich Größeres an den Haken. In der Nähe der Bastion Schönborn biss ein Wels an. “Mir tut heute noch der Arm weh. Ich habe bestimmt eine Stunde mit dem Fisch gekämpft”, sagt Hamm (…). Schnell bildete sich ein Grüppchen Schaulustiger am Rheinufer: Spaziergänger blieben stehen, zückten Handykameras. Und auch ein Anglerkollege gesellte sich dazu, um Hamm beim Rausziehen des Riesenfisches zu helfen. “Wir konnten den Wels kaum zu zweit heben”, sagt Hamm, der seinen Fang auf 50 bis 60 Kilogramm schätzt. An Land legte sich der 1-Meter-80-Mainzer neben den Fisch. Nachgemessen habe sich eine Länge von 2,02 Meter ergeben, sagt Hamm.”

5
Eine Prognose über künftige Rheinpegelstände, deren Genauigkeit nachfolgende Generationen überprüfen dürfen, stellt der Meteorologe Peter Krahe von der Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz im General-Anzeiger: “Wie sich der Wasserstand in Zukunft entwickeln wird, können Krahe und seine Kollegen (…) nur für die ferne Zukunft tendenziell voraussagen: “Man rechnet mit feuchteren Sommern und trockenen Wintern.” Angewandt auf hydrologische Modelle ergäben die durchschnittlichen Klimaszenarien für den Rhein bei Bonn im Zeitraum 2020 – 2050 im Winter eine Erhöhung der Wassermenge um fünf bis 20 Prozent. Bis zum Ende des Jahrhunderts erwarten die Prognosen im Winter zwischen fünf und 30 Prozent mehr Wasser. Für den Sommer zeigten die Prognosen erst ab 2070 einen markanten Trend – nach unten. Der Rhein könnte dann bis zu einem Viertel weniger Wasser führen als heute.”

6
Im Schnitt gut zwei Rheintote pro Monat meldet die Presse seit Jahren verlässlich. Die tatsächlichen Zahlen schätzen wir höher ein, da nicht jede/r Rheintote es in die Presse schaffen dürfte und nicht jede Pressemeldung uns erreicht. Diesen Monat war die Rede von drei treibenden Leichen: “Ein Schiffsführer hat eine im Rhein treibende Wasserleiche entdeckt. Sie wurde (…) auf der Höhe Rheinberg im Kreis Wesel in Nordrhein-Westfalen geborgen. Es handelt sich nach Angaben der Polizei um den Leichnam eines etwa 30 Jahre alten, unbekannten Mannes.” (t-online.de) “Ein Angler hat (eine) 94-jährige Frau, die (…) in Bad Krozingen vermisst wurde, auf der Höhe von Hartheim tot im Rhein gefunden. Offenbar ist sie dort ertrunken.” (Badische Zeitung) “Die Polizei Köln zog (…) in der Nähe der Deutzer Brücke eine Frau aus dem Rhein, die offenbar einen Selbstmordversuch unternommen hatte, wie ein Polizeisprecher (…) sagte. Bei der Rettungsaktion entdeckten sie plötzlich eine männliche Leiche im Wasser.” (Focus)

7
Wild lebende Flamingos am Rhein: “Im Zwillbrocker Venn ist die nördlichste Flamingobrutkolonie Europas zu Hause. Die langbeinigen Vögel können ab April bei Rangertouren im Naturschutzgebiet beobachtet werden. Den Winter verbringen sie am Ijsselmeer und im Rheindelta.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

8
Über die A 13 als Lebensader des Hinterrheintals schreibt Der Bund und daß ihre Wertschöpfung bescheiden geblieben sei. Ein Hotel beim Tunnelportal stehe seit einem Jahrzehnt leer und sei zurzeit eingeschneit: “Bisher zeigte sich das kleine Hinterrhein immer wieder innovativ: Vor kurzem eröffnete im Dorf wieder ein Restaurant – in einem ehemaligen Geissstall. Hier können sich die Wanderer und Skitourengänger verpflegen, die eine der wenigen Ferienwohnungen gemietet haben. Der Kleinbetrieb läuft so gut, dass er eben ausgebaut worden ist. Früh erkannt haben die Bauern im Tal auch den Trend zu Bioprodukten. 1992 stellten sie ihre Produktion allesamt um. Ihr Bündner Bergkäse wird seither in hippen Bioläden in Deutschland und in der Schweiz von Coop verkauft. Im Dorf selbst gibt es einen Tante-Emma-Laden, der allerdings im Herbst schliessen wird.”

Rheinleichen

Im Schnitt rund zwei Dutzend im Rhein aufgefundene Leichen pro Jahr, zwei pro Monat, entnahmen wir in den vergangenen drei Jahren den Meldungen der Presse. Weil davon auszugehen ist, daß nicht jede im Rhein gefundene Leiche es in die Presse schafft und nicht jeder Presseartikel, der eine Rheinleiche enthält, bei uns einlangt, dürfte die reale Zahl der Rheintoten höher liegen. Die Tragik hinter einigen Meldungen ist erheblich und erreicht bisweilen literarische Dimension wie die Geschichte Ali Kurts, der im Jahr 2014 beim Versuch zwei kleine Mädchen aus den Fluten zu retten vom Rhein verschluckt wurde. Während der breit angelegten Suche nach seinem Leichnam wurden zunächst zwei andere Tote aus dem Fluß geborgen. Auch Prominente spült der Rhein auf ihren letzten Weg. So den Basler Schriftsteller Jürg Federspiel von dem es in einem Nachruf hieß: ”Störrisch blieb er bis zuletzt, als sein Verschwinden im kalten Januar 2007 die ganze Stadt bewegte. Nach Wochen erst kam die Gewissheit: Federspiel hatte sich vom Rhein forttragen lassen.” Ein sprechendes Beispiel für den Blick der Gesellschaft auf ihre Schriftsteller. Für den Freitod im Rhein gibt es, wie könnte es anders sein, ein literarisches Vorbild, den Bundestagsabgeordneten Felix Keetenheuve aus Wolfgang Koeppens Roman Das Treibhaus, der sich aus Verzweiflung über seine eigene Persönlichkeit ertränkt. Auch die jüngste Todesmeldung betrifft einen Prominenten, den Fußballprofi und ehemaligen Nationalspieler der Elfenbeinküste Steve Gohouri, dessen Leichnam an Silvester bei Krefeld im Rhein gefunden wurde und den bei Prominenten einsetzenden Pressereflex auslöste, Spekulationen und Gerüchte zu den Umständen ins Kraut schießen zu lassen, ein Wortgeschimmer, das für den nahtlosen Übergang des alten in das neue Jahr stehen mag.

Presserückschau (Dezember 2014)

1
Grenzüberschreitende Straßenbahnlinie: “Das Gemeinschaftsprojekt der Basler und Weiler Verkehrsbetriebe ist vollbracht. (…) Die neue Tramlinie wird künftig die zwei benachbarten Städte Weil am Rhein und Basel verbinden. Zahlreiche Basler strömen jeweils über die Grenze zum Einkaufen. Nach Weil, zum günstigen Konsumtempel. (…) Für die Weiler selbst hat die Tramverbindung wiederum eine andere Bedeutung. Jeder dritte Arbeitnehmer ist in der Nordwestschweiz angestellt. “Diese haben jetzt die Möglichkeit, mit dem Tram zur Arbeit zu fahren”, sagt (der Weiler Oberbürgermeister; Anm.: rheinsein) Dietz. Nicht zu unterschätzen sei zudem, dass viele Weiler beispielsweise das Basler Kulturangebot nutzen. Mit dem Tram ist dieses bald unkompliziert erreichbar.” (Tageswoche)

2
Gastronomische Straßenbahnlinie: “90 Jahre lang rollte die U76 mit einem Speisewagen (…). Doch am Tag vor Heiligabend kam das Aus für die Kultbahn, die ständig zwischen Düsseldorf und Krefeld pendelte. Letzte Fahrt, Pächterin Doris Ridders („Es rechnet sich nicht mehr.“) hat das Handtuch geschmissen: Die Rheinbahn aber noch lange nicht. Sie will den Bistrozug retten, dieses wunderbare Stück Rheinbahngeschichte aufrecht halten. (…) Seit 1924 gibt es diese Tradition. Damals fuhr der erste Wagen zwischen Düsseldorf und Krefeld. Ein Speisewagen im öffentlichen Nahverkehr, das war eine Sensation. So was gab es in Deutschland nur in Düsseldorf. Und das soll auch so bleiben.” (Express)

3
Der Rhein als Inspirationsquelle für einen Gedichtband: “Der Altenheimer Jochen Heidt hat sein Erstlingswerk veröffentlicht: den Gedichtband “Abendsymphonie”. Vor allem dem Rhein ist der 45-Jährige sehr verbunden. (…) Abends, wenn das Wetter es zulässt, ist er oft am Rhein. (…) “Ich bin in Leutesheim aufgewachsen. Wir waren als Kinder schon ständig am und im Fluss.” Zum Rhein zurückzukehren sei für ihn wie Nachhausekommen. Die Liebe für “Vater Rhein” zeigt sich nicht nur in Heidts Gedichten. Wenn er von den Sonnenuntergängen in den Rheinauen spricht und deren “ganz eigene Magie” hervorhebt, ist zu spüren, wie wichtig der Fluss ihm ist. So ist nachvollziehbar, dass dort auch alles mit der Dichtung begonnen hat. An den Rheinauen, wo er immer am selben Platz sitzt – “da ist man einfach bei sich selbst” – seien ihm irgendwann Reime eingefallen, erzählt er.” (Lahrer Zeitung)

4
Fackelschwimmen: In Bonn institutionalisiert sich ein neuer Adventsbrauch, das Kaltwasserschwimmen mit Pechfackeln: “Schon seit neun Jahren treffen sich die (…) Sportler am dritten Advent, um diese etwas andere Art besinnlicher Vorweihnachtsstimmung gemeinsam zu genießen. Auf dem Parkplatz vor dem Blauen Affen herrscht zu Anfang noch Trubel – mit meist breitem Grinsen werden in der Kälte die Winterklamotten durch Neoprenanzüge ersetzt. (…) Um die neun Kilometer pro Stunde fließt der Strom zurzeit. Die Stimmung ist einzigartig, die Geräusche werden dicht über der Wasseroberfläche seltsam gedämpft, es plätschert leise, und man vernimmt fast nur die Atemgeräusche der Anderen, während das Bonner Rheinpanorama gemächlich an der Gruppe vorüberzieht.” (General-Anzeiger)

5
Aal-Taxi: “Aale aus der Lahn sind jetzt per Taxi an den Rhein gelangt. Was kurios klingt, ist eine Hilfe für die Fische bei der 7000 Kilometer langen Reise zu ihren Laichplätzen. (…) An der Lahn gibt es allein von Marburg bis zur Mündung in den Rhein bei Lahnstein 29 Wasserkraftanlagen, wie das Regierungspräsidium (RP) in Gießen mitteilt, das die Aal-Aktion koordiniert hat. Nur selten seien an den Anlagen technische Vorrichtungen vorhanden, die den Aalen den Weg stromabwärts freimachen – etwa sogenannte Bypässe, die die Fische um die Turbinen herumleiten. Oft tödliche Verletzungen der Tiere sollen so vermieden werden.” (mittelhessen.de)

Presserückschau (Juni 2014)

Die Pfingsthitze brachte schwere Unwetter mit sich, die das Rheinland verwüsteten und in Köln, Düsseldorf, Krefeld und Essen sechs Menschenleben forderten. Neben der Hitze und hitzebedingten Unwettern beschäftigte über die Pfingsttage zudem ein 50 Kilometer langer Ölfilm Medien, Behörden und Krisenkräfte – Nachrichten, die sich in unregelmäßigen Abständen wiederholen. Aus der Reihe üblicher Katastrofenmeldungen fiel im Juni lediglich die Debatte über ein drohendes Gänsedebakel:

Weil die niederländische Provinz Gelderland diesen Sommer 30.000 Wildgänse zum Abschuß freigibt, befürchten Jäger des Kreises Kleve eine Massenflucht der Tiere über die Grenze. Gänse seien hochintelligent, nach dem ersten Schuß würden sie Reißaus nehmen, 30.000 Vögel abzuschießen sei somit unrealistisch, verlauten die Klever Jäger und befürchten, ihre Kollegen jenseits der Grenze wollten die Gänse einfangen und vergasen, wenn sie in der Mauser flugunfähig seien: ein Vorgehen, daß die Niederlande erlauben, Deutschland jedoch nicht. Auch die niederrheinischen Bauern und Badeseegäste betrachten die Sommergänse mit Sorge: “Sie richten auf den landwirtschaftlichen Flächen große Schäden an: Sie sorgen für Ernteausfälle und verdrecken die Felder. (…) Auf den Liegewiesen (der Badeseen) liegt alle zehn Zentimeter Kot, und die Tiere halten sich auch am See auf, wenn Gäste da sind.” (Rheinische Post)

 

Auf den Spuren Willy Brandts

costa_krefeld_willy brandt platzrheinsein-Explorer Costa “Quanta” Costa dokumentiert Spuren Willy Brandts am Rhein. In Brandts Wohnort Unkel steht eine Büste, Krefeld hat der Ikone der präneoliberalen Sozialdemokratie einen halbwild bewachsenen Kreisverkehr gewidmet und die Verkehrsinsel Willy-Brandt-Platz genannt.

Presserückschau (Mai 2013)

Erneut nimmt die Konfrontation von Mensch und Tier (aber auch von Mensch und Mensch) einen beträchtlichen Teil der Schwerpunkte in der Presseberichterstattung entlang der Rheinschiene ein. Hier in kurzen Zusammenfassungen die wichtigsten Meldungen des diesjährigen Wonnemonats:

1
Zu einem kalkulierten Skandal geriet die Tannhäuser-Premiere im Wagner-Jahr in Düsseldorf. Die WZ schreibt vom Aufstand des Opernpublikums: “„Geh in Therapie!“, „Aufhören!“ „Das ist keine Kunst!“ und immer wieder „Sch…!“ – lautstark haben Zuschauer in der Rheinoper ihrem Ärger und Entsetzen Luft gemacht. Provoziert von einem Bühnenbild, das Kammern zeigt, in denen nackte Frauen und Männer mit Nebel scheinbar vergast werden, einem Tannhäuser, der mit Nazibinde am Arm seine Familie exekutiert. Für einige gab es schon in der ersten halben Stunde kein Halten mehr. Türenknallend verließen sie die Oper. Der überwiegende Teil blieb. Nicht zuletzt, um Regisseur Burkhard C. Kosminski beim Schlussapplaus auf der Bühne niederzubuhen. Einige pöbelten ihn bei der anschließenden Premierenfeier rüde an.” Das Thema hielt sich schließlich den gesamten Monat in der Presse, nachdem die theatrale Aufführung von Intendant Christoph Meyer zugunsten einer rein konzertanten abgesetzt wurde, um das Gesundheitsrisiko des Publikums zu mindern, nachdem zahlreiche Premierenbesucher ärztliche Hilfe benötigt hätten.

2
Warum es am Rhein so schön ist, ist eine häufig beantwortete Frage. Die Frankfurter Rundschau reiht sich mit einem Bericht über die Ausstellung “Еrhabene Natur, vaterländischer Strom, romantischer Rhein” im Flörsheimer Heimatmuseum in den Reigen ein: “Sanft geschwungene Hügel, in Abendrot getauchte Burgen und Fischer, die sich vergnügt am Ufer unterhalten – in den Bildern des in Flörsheim geborenen Malers Christian Georg Schütz dem Älteren zeigt sich eine Idealvorstellung der Rheinlandschaften, in dessen Mittelpunkt stets der mächtige Fluss steht. Zusammen mit seinem Neffen und Patenkind Christian Georg Schütz dem Jüngeren prägte er Mitte des 18. bis ins erste Viertel des 19. Jahrhunderts die Idee der Rheinromantik und war daran beteiligt, den Rhein vom schnöden Transportweg zum Reiseziel für gut Betuchte zu stilisieren.”

3
Auf dem Koblenzer Bahnhofsvorplatz vor dem McDonalds-Restaurant hat ein Mann am Pfingstsonntag eine Ratte gehäutet und verspeist, berichtet die Rhein-Zeitung: „Anschließend sei er mit der Haut auf seinem Gesicht auf dem Bahnhofsvorplatz umhergelaufen.“

4
Am Pfingstmontag spielte ein Reh mit der Basler Bevölkerung Katz und Maus. An verschiedenen Stellen der Stadt, darunter im Rhein, sei das Tier auf- und abgetaucht wie die Basler Zeitung berichtet: „Es wurde schliesslich unter dem Applaus von Passantinnen und Passanten von Mitarbeitenden der Polizei aus dem Rhein gefischt und später im Wald bei Bettingen wieder ausgewildert, wie das Justiz- und Sicherheitsdepartement Basel-Stadt mitteilte.“

5
Bei Hinterrhein hat ein Wolf zunächst ein Reh und einige Tage später ein Schaf gerissen. Mit Hilfe seines Fernrohrs schoß ein Wildhüter Handyfotos des Räubers über seiner Wildbeute, von denen eines auf der Webpräsenz der Südostschweiz publiziert wurde. Die seit Generationen von Schafzucht lebenden Bewohner Hinterrheins befürchten unterdessen, daß die Obrigkeit den Wolf schützt, sodaß er nach und nach ihre Herden auffressen werde.

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“Drogen, Waffen, Geldverschiebung – der deutsch-schweizerische Grenzübergang auf der A5 in Weil am Rhein ist das Tor zur EU und die Reuse für Schmuggelgut jeder Art”, konstatiert auto motor und sport und informiert seine Leserschaft über Arbeitsmethoden der Grenzwächter: “Sieben oder acht Mal hat der Zollbetriebsinspektor schon die Geldzählmaschine vor sich gefüttert, doch sie gibt immer wieder mit vernehmlichem Piepsen Fehlermeldungen von sich. Schließlich nimmt der Apparat doch noch die Arbeit auf und quittiert artig den Durchlauf der beiden Bündel mit 500-Euro-Scheinen: 100.000 Euro, die ein Mann aus Belgien bei sich trug, als er aus der Schweiz nach Deutschland einreisen wollte.”

7
Der Sonntag aus Freiburg berichtet von einer vertrackten Situation: nach EU-Richtlinien sei vom Baden an Hoch- und Oberrhein abzuraten, weil es insbesondere bei empfindlicheren Personen zu Haut- und Schleimhautreizungen oder Magen-Darm-Beschwerden führen könne, dieweil die Schweizer Behörden das Baden an genau denselben Stellen der Entscheidung des Bürgers überlassen. Immerhin: „Der Rhein ist so sauber, daß sich sogar der Lachs wieder darin wohlfühlt.“

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Die “Rheinwoche” gilt als “längste Fluss-Segelregatta Europas”, klärt die Rheinische Post auf. Sie führt in drei Tagesetappen von Hitdorf über Krefeld und Rees nach Emmerich. Die Teilnehmer segeln um das “Blaue Band vom Rhein” und dürfen sogar auf Sensationen entlang der Rennstrecke hoffen: “Bei gutem Wetter bereitet auch die Jugendfeuerwehr der Stadt Rees im Rahmen ihres Pfingstzeltlagers den Seglern einen unvergesslichen Empfang. Denn in Höhe des Pegelturmes wollen die jungen Feuerwehrleute die vorbeifahrenden Schiffe mit einer spektakulären Wasserwand begrüßen.”

Dondorf am Rhein

Der Fernsehzweiteiler Teufelsbraten von Hermine Huntgeburth nach einer autobiografischen Kindheits- und Jugenderinnerung der Dichterin Ulla Hahn (Filmname: Hilla Palm) ist angesiedelt in den proletarischen Nachkriegsbaracken von Dondorf am Rhein. Gestern liefen beide Teile auf Arte und die verblüffenden Bilder ließen uns eine Weile rätseln, wo dieses Dondorf denn genau zu liegen käme. Auf jeden Fall am Niederrhein. Die Brücke, unter der die kleine Hilla gerne am Flußufer spielt, an dem sie einen magischen Buchstein findet, einen gebänderten Kiesel, der alle möglichen und unmöglichen Geschichten enthält, dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit die Uerdinger Brücke sein. Der zugehörige Uferstreifen wiederum könnte an verschiedenen Stellen liegen, in Krefeld, bei Düsseldorf oder Duisburg, wäre aber auch weiter südlich denkbar. Die im Matsch dümpelnde Arbeitersiedlung sieht nach eigens erbautem Kulissendorf aus und ist kaum zu verorten. Industrie muß sich in der Nähe befinden. Bisweilen wird Köln als nächste Großstadt erwähnt. Auch der im Film gesprochene Dialekt, in dem reihenweise starke Zitate purzeln („Mir sin kejn Prolete, mir sin kathollisch“), läßt sich nicht konkret zuordnen: halb klingt er kölsch, dann wieder eher wie das Niederrheinisch aus dem Schützenfestgürtel. Dieses Dondorf scheint letztlich zwischen Bonn und Wesel zu oszillieren, mal liegt offenbar Düsseldorf ganz in der Nähe, mal sogar Wuppertal. Bald war aufgrund dieser Ungereimtheiten klar, daß es sich um eine fiktive Ortschaft handeln mußte: ein derart verschlammt-zurückgeblieben-ubiquitäres Dondorf wäre ansonsten längst eine bekannte Touristenattraktion. Aus den Mündern der Schauspieler klang der Ortsname im Übrigen auch nach „Dorndorf“ bzw „Mondorf“. Und während Hilla vom Kindergartenkind zur Oberstufenschülerin heranwuchs und sogar ihren seltsamen Dialekt ablegte, veränderte sich die Siedlung im Matsch kein Stückchen. Was die Möglichkeit offenläßt, daß dieses seltene Dondorf vielleicht doch real existiert, allerdings für immer in den 50er Jahren gefangen bzw diese, als statisches Mahnmal aus Nachkriegsgrau, Hühnerstall und Gartenkohl, durch sich hindurchlaufen lassend, sodaß es heute nur noch im Film oder sehr weit hinter den Rübenfeldern angetroffen werden kann.

Presserückschau (September 2012)

Schreckensnachricht in der Welt: “Ein gefräßiger Chinese wütet am Rhein”. Gemeint ist vorderhand der Asiatische Laubholzbockkäfer, der bereits vor sieben Jahren in Bonn eingefallen ist und dort mit seiner Guerillataktik den alten Ahornbestand bedroht. Die militärische Berichterstattung über die Invasion derselben Käferart in Weil scheint unterdessen zu ruhen. Weitere ausgewählte Nachrichten des Septembers:

1
Über das in Basel populäre Rheinschwimmen berichtet ausführlich die Zeit und holt aus, daß der Fluß in den 80er Jahren auch und insbesondere in Basel als Kloake galt: „Luftaufnahmen aus dieser Zeit zeigen drei Farbströme im Wasser: einer aus den Chemieanlagen, einer aus den Haushalten und einer von der Schlachterei.“ Rhodamin hieß der fluoreszierende rote Farbstoff, der bei der Sandoz-Katastrofe 1986 nebst tonnenweise Giften mit dem Löschwasser der Feuerwehr in den Rhein gelangte.

2
François Hollande kündigt die Stillegung Fessenheims, des ältesten Atomkraftwerks Frankreichs für 2016 an. „Erst am Mittwoch vergangener Woche hatte es wieder einen Zwischenfall gegeben. Bei Routinearbeiten mit nicht radioaktivem Wasserstoffperoxid kam es nach Angaben des Betreibers EDF zu einer Dampfentwicklung, die einen Brandalarm auslöste. Zahlreiche Sicherheitskräfte und die Feuerwehr rückten aus. Im April war in einem Maschinenraum des Reaktors II ein Feuer ausgebrochen.“ (Welt)

3
Irischer Rhein: „Nach jetzt fünf Jahren bekommt dieses Festival in der Region einen immer besseren Namen und großen Bekanntheitsgrad.“ (lokalkompass.de) Die frohe Ankündigung handelt vom „Irish Rhine Festival“ am letzten Septemberwochenende im Keekener Schützenhaus. Für irische Stimmung sollte u.a. der zweimalige niederländische (!) Meister im Dudelsack(!)spiel, Ewald Verhoeven sorgen, nebst „Guinness und Whisky sowie Cider“ und „einem besonderen Leckerli (!)“ (Niederrhein Nachrichten)

4
Eine Reportage über den kleinen Gernsheimer Hafen, den einzigen Rheinhafen Hessens, brachte die FAZ. Täglich knapp ein Schiff landet in Gernsheim an, ca anderthalb könnten derzeit gleichzeitig beladen/gelöscht werden.

5
Eine Bilanz nach 20 Jahren Rhein-Main-Donau-Kanal zieht nordbayern.de: Das Stahlwerk Maxhütte in der Oberpfalz gäbe es nun nicht mehr, ebensowenig die großen Kohlekraftwerke in Erlangen und Nürnberg, hingegen geblieben seien trocken gefallene Natur und eine Maximierung des Betons – soweit der Bund Naturschutz. Die zuständigen bayerischen Ministerien sehen das erwartungsgemäß anders. Bundesverkehrsminister Volker Hauff (SPD) immerhin meinte seinerzeit zum CSU-geführten Durchstich zwischen Main und Donau: „Das ziemlich dümmste Projekt seit dem Turmbau zu Babel“. (Welchen er letztlich ebenfalls nicht genehmigt hatte.)

6
„Die Regierungsgeschäfte von the Rhine, ehemals Deutschland, wurden im Frühling 1990 durch den Regenten Jefka übernommen. Beobachter klassifizieren den mittelgroßen Staat als progressive neoliberale Parteiendemokratie, bekannt für seine hohe Verdienstmöglichkeit und die niedrige Kriminalität. Die Mehrzahl der gebildeten und vernünftigen Bewohner ist glücklich mit den Verhältnissen. Sie genießen den Ruf, sportlich und freiheitsliebend zu sein, und erfreuen sich einer hervorragenden Infrastruktur. Der größte Unterschied zu anderen Ländern besteht im Bereich Zuwanderung. Der Regent konnte seinen Einfluss gegenüber dem Vorjahr steigern. the Rhine ist nicht Mitglied in einem Bündnis.“ (ars regendi)

7
„Nach 35 Jahren gibt es jetzt wieder eine direkte Fährverbindung zwischen Monheim und Dormagen (…). Im September wird das Piwipper Böötchen samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr im Testbetrieb über den Rhein pendeln. Es können bis zu zehn Personen mitfahren. Die Überfahrt ist kostenlos, Spenden sind erbeten.“ (lokalkompass.de) Ein Userkommentar: „mit der piwipp sind wir schon als schulkinder rübergefahren und nach zons gegangen, zurück haben wir den kapitän geärgert indem wir alle auf einer seite standen und die piwipp in schräglage brachten.“

8
Der Brand in Krefeld dürfte es bis in die Tagesschau geschafft haben: „Eine riesige Rauchwolke ist (…) über mehrere Städte am Niederrhein und im Ruhrgebiet hinweggezogen. Entstanden war sie durch einen Großbrand in einer Krefelder Düngemittelfabrik. Im betroffenen Gebiet wurden die Bewohner gewarnt, ihre Häuser zu verlassen, Krisenstäbe tagten, kilometerweit war Sirenengeheul zu hören.“ (Rheinische Post) “Der Rhein wurde wegen der starken Rauchentwicklung zwischen Düsseldorf und Duisburg auf einer Strecke von fast 40 Kilometern zeitweise für den Schiffverkehr gesperrt, ebenso eine wichtige Rheinbrücke zwischen Krefeld und Duisburg. Der Flugverkehr war leicht beeinträchtigt (…)” (Süddeutsche Zeitung)

Der Rhein von oben

Fernsehgebühren sind, umso mehr ab nächstem Jahr, wenn die verpflichtende Regelgebühr auch für solche Menschen kommen wird, die nicht nur kein Empfangsgerät besitzen, sondern öffentlich-rechtliches Fernsehen sogar ablehnen, offenbar ein sprudelnder Goldquell für die empfänglichen Sender, ein mitunter verblendender, die weniger glänzenden  Hintergoldlandschaften ausblendender, denn was soll auch „konzipiert“ und gezeigt werden, wenn nicht die 127. Rheindoku, es könnte ja mal wieder eine innovative sein. Oder doch lieber eine für den ausgewerteten Durchschnittszuschauer, der irritierenderweise in einem Ort namens Haßloch über sich selbst befindet?

Nachdem das ZDF gerade den Rhein abgereist hat, um ihn von oben zu filmen, zieht nun der WDR mit Der Rhein von oben, „der aufwendigsten Produktion seit langem“ (Zitate: Rheinische Post) nach: „Aus der Luft wird der Rhein von der Quelle bis zur Mündung verfilmt.“ Wie sich die Worte, wie sich die Ideen bei ARD/WDR und ZDF gleichen! Zunächst heißt es natürlich abwarten, was wir tatsächlich doppelt (und dreifach, vierfach, fünffach usw) zu sehen bekommen werden… Immerhin soll die aktuell entstehende WDR-Produktion für einen Fünfteiler Material bieten, somit “ausführlichstes Bild des Rheins sein, das je gedreht wurde“. Das könnte, was eine Rheindokuserie  im deutschen TV belangt, sogar hinkommen – uns sind bisher maximal Vierteiler bekannt.

Spannend klingt die Presse-Vorankündigung leider dennoch genauso mäßig wie die weit überwiegende Mehrzahl der vorangegangenen 126 öffentlich-rechtlichen Rheindokus tatsächlich ausfiel. Eher nach einmal mehr salbungsvollen Heimatpreisungen durchs Objektiv mit einem Schuß grün vorgetragener Proporzkritik im Textanteil. Das Alleinstellungsmerkmal, genau wie beim jüngsten ZDF-Produkt Abenteuer Rhein: die Kameratechnik: hier nun kein Blimp, sondern „eine per Joystick gesteuerte Cineflex-Kamera, die am Helikopterbügel befestigt wird“. Wir freuen uns bereits auf die Musikauswahl, denn allzuviel Rotorgeratsche dürfte trotz der hochinnovativen Kameraführung dem Zuschauer kaum zugemutet werden.

Und: „Eine Folge soll sogar in 3D gedreht werden.“ Wir fänden es ja (mit Jürgen Klopp) richtig geil, die schiffsschraubendurchdröhnten Gründe der Kessler-Grundel und der Wollhandkrabbe, unserer subaquatischen Neozoenheere, in wagnerdeutschem Rundum-3D erblicken zu dürfen, also Unterwasseraufnahmen des Rheins zu sehen, wie sie sonst nur die BBC auf und tief in den Weltmeeren hinbekommt. Auch sähen wir gerne einen mit Spezialkamera bewehrten, verschiedene Vogeldialekte beherrschenden Nils Holgersson-Kleinstroboter bei den schrägen Nilgänsen des Rheins eingeschleust, welcher exklusiv aus deren Familienleben und ihrem Verhältnis zu urgermanischen Arten berichtete. Oder könnt ihr das nicht? Ufermauer-Crashtests mit „Hey Blondy, wo geht’s hier nach Köln, hahahaa!“-Jet-Boot-Hedonisten bei voller Kameraerschütterung. Mindestens fünf Minuten apokalyptisches Tasten in der Rauchwolke aus der Krefelder Düngemittelfabrik. Die ersten Filmbilder Gorrhs, des bisher nur in Literatur und Kunst vorkommenden, eindeutig  rheinischen,  auf  der Autobahn geborenen Superheldenalltagsgottzwitternongeschlechtlers. (Vorsicht, manchmal frißt Gorrh Helikopter.) Partikeln des Bösen, mal genauso wahrgenommen wie von der Bevölkerung. Mal wieder näher ran an die Leute, falls da noch was ist. Gern auch satellittös. Läßt sich vom Orbit wirklich jeder Pickel im Gesicht eines Rheinpunks scharfstellen? Was ist dran an der These, das Rheingold sei in Wirklichkeit seit Einführung der Rundfunkgebühren gehoben? Sagts uns! Und für die, die neue Loreleyansichten brauchen, wiederholt einfach die alten Loreleyansichten.

Es soll sich übrigens seit geraumer Zeit eine noch stille Bewegung unter künftigen Zwangsgebührenzahlern, die eigentlich den öffentlich-rechtlichen Rundfunk oder das Fernsehen insgesamt ablehnen, bilden, eine sehr deutsche Form des Protestes sozusagen. Die GEZ könnte demnach mit Einführung der Kopfgebühr mit Anträgen auf Empfangsgeräte überschwemmt werden. (Was uns an Ärzteklagen im TV nach Einführung der Praxisgebühr erinnerte: daß die Praxen nämlich plötzlich übervoll mit Leuten seien, “die nichts hätten”, nun jedoch täglich zur Konsultation auftauchten, um die einmal bezahlte Leistung bestmöglich in Anspruch zu nehmen.)

Kaiserswerth (2)

„Kaiserswerth was entirely a Roman Catholic village until near the close of the last century, when certain velvet manufacturers brought over their work-people from Protestant Crefeld. The Protestant congregation was small enough,- two hundred in a population of eighteen hundred; and over it Candidat Theodore Fliedner was placed as village pastor in the year 1822. He was not there a month when the velvet manufacturers failed, and the congregation, mostly their own workmen, threatened to be broken up. Fliedner was offered another charge. He says he could not reconcile it with his duty to leave his flock when they most needed help; and as they were no longer capable of supporting a pastorate among them, he made a begging tour as far even as Holland and England, and returned with a sum sufficient to afford a moderate endowment. This, however, was by far the least result of his journey. His longing and aptitude for practical work, not as a philanthropist only, but as an earnest minister of Christ, had been greatly stimulated by what he saw. He had visited hospitals, workhouses, schools; in London he dwells simply on having „seen Newgate, and many other prisons:“ he regrets only missing Mrs. Fry. And when he came back he thought, with deep shame, that in faith and love Englishwomen far surpassed German men. It was not long till his thoughts found a practical outlet. The prison at Düsseldorf was no better than other prisons at this time. There was no classification of the prisoners, no schooling for the young, scarce any separation of the sexes. The filth was horrifying, the arrangements for sleeping and eating of the worst. The prisoners had no employment, and there was no effort to give them any spiritual instruction. Meanwhile the jailors grew rich, and the prison-boards fell asleep. Fliedner sought admission to the Düsseldorf prison, having more leisure, as he says, than his brethren, and obtained permission to preach in it every Sunday fortnight.“ Dazu paßt die höchst überlieferungstaugliche, symbolbehaftete Legende, daß Fliedner einst in einem Nachen in Kaiserswerth anlandete; um ernsthaft heilig gesprochen zu werden war er dennoch eine Spur zu protestantisch. Die grauen Diakonissen, zu Beginn aus Knästen und Armenfamilien rekrutiert, wandeln bis heute in zunehmend rarer Ausführung durch rheinische Landschaften und vermitteln dem unbedarften Beobachter das Gefühl, daß es hinter ihnen staubt. (O tempora, o mores!) Und London sollte stets als letzte und größte Stadt am Rhein gedacht werden, hier mal nebenbei.

Radtour am Rhein

(Rheinsein bedankt sich für diesen Gastbeitrag bei claudia!)

Erst einmal durchfuhren wir Wittlaer und kreuzten dann im Zickzackkurs die Felder. Ich schaute auf die sich verändernden Häuser: Sie schienen immer größer und luxuriöser zu werden. Mit dem Bus war ich die Strecke auch schon gefahren, aber vom Fahrrad aus sieht man doch mehr. Plötzlich lag der Ort hinter uns und die flache Feldlandschaft breitete sich vor uns aus. Die Gerüche waren sehr organisch und die Farben erdig und dunkel, von Feuchtigkeit gesättigt. R. sieht Dinge, die ich nicht wahrnehme. So entdeckte er viele Muschelschalen und Walnüsse, die anscheinend von Raben auf die Wege geworfen worden waren, damit die Vögel den Inhalt zu sich nehmen konnten. Das fand ich spannend. Aus Dokumentarfilmen wusste ich, dass Vögel so etwas machen. Aber hier? Muscheln? Der Beweis lag auf dem Weg. Und Raben sind intelligente Tiere. Wir zickzackten weiter bis wir die Uerdinger Brücke erreichten. Der Rhein hatte extrem niedriges Wasser, die schlammbedeckten Kiesel erstreckten sich über eine riesige Fläche. Auf der Wiese waren etliche Menschen mit sehr verschiedenen Drachen beschäftigt. Die Weite der Landschaft tat gut. Am anderen Rheinufer befanden sich Industrieanlagen und Lagerhallen. Bayer war hier ebenso vertreten wie eine Speiseölfirma und ein Guanodüngerwerk. Die Gebäude, die am Uerdinger Hafen standen, waren zum Teil recht alt und nicht von einer so anonymen Architektur geprägt wie viele neuere Gebäude, deren Zweckmäßigkeit oft etwas abweisend wirkt. Solche Gebäude passierten wir später auch noch. Ein kleiner Abstecher brachte uns zu einem Teil des Krefelder Hafens. Eine stählerne Brücke führte über das Wasser. Die Brücke war alt und es gab Holzbohlen, auf denen wir fuhren, neben der Straße. R. erzählte, dass die Uerdinger Brücke im zweiten Weltkrieg zumindest zum Teil zerstört worden und dann wieder komplett aufgebaut worden war. Dann durchfuhren wir das Industriegebiet, kleinere und größere Firmen, Hallen und Produktionsstätten zogen an uns vorbei. Als wir an einem Schild vorbeifuhren, das auf Cargill hinwies, dachte ich daran, dass diese Firma sehr dominant in Bezug auf den Verkauf gentechnisch veränderten Getreides und Sojas ist. Gerade für Entwicklungsländer hat das üble Folgen. Wohl auch aus weit entfernten Landen stammte das Guano, dessen strenger Geruch uns in die Nase stieg als wir an einer (ich denke) Düngerfirma vorbeifuhren. Da war ich doch froh, als wir nach links abbogen und auf den Rhein zufuhren. Wir folgten einem Weg durch ein Naturschutzgebiet bis zum Rheinufer. Das Ufer war sehr weitläufig, weil der Wasserstand so niedrig war. Die Szenerie hatte etwas urtümliches an sich, obwohl überall Spuren von Menschen in Form von mehr oder weniger verwitterten Abfällen zu sehen waren. Die Weiden waren gigantisch, wie Zelte breiteten sie ihre Zweige aus. Der Strand bestand aus feinem Sand und Steinen. Der größte Teil der Kiesel war von getrocknetem Schlamm bedeckt. Hier floss normalerweise Vater Rhein, durch dessen Bett wir nun voller Entdeckungsfreude wanderten. R. entdeckte einen verrosteten Stahlzylinder, der auf einer abgetragenen Betonschicht lag. „Guck mal, hier liegt eine Bombe. Die kann doch nicht mehr hochgehen? Hier sind Flügel dran und da muss der Sprengkopf gewesen sein. Bestimmt war hier mal etwas gebaut, das dann bombardiert worden ist.“ Wir sahen viele verrostete metallene Gegenstände und reimten uns die dazugehörigen Geschichten zusammen. Die Sonne senkte sich bereits während wir noch über Schlamm und Steine gingen und immer neue Entdeckungen machten. Auch das Rätsel, wie die Raben an die Muscheln kamen, löste sich: Das Niedrigwasser hatte riesige Muschelbänke freigelegt. Teilweise hatte die Landschaft etwas Surreales an sich. Wie ein Monolith stand eine verrostete Waschmaschine in der weiten Ebene und zahlreiche deplaziert wirkende Gegenstände, die der Rhein freigegeben hatte, verschmolzen gleichzeitig wieder mit der verschlammten Umgebung. Da gab es zum Beispiel einen uralten Einkaufswagen oder zahlreiche dicke Stahlseile, die zu zerreißen eine gewaltige Kraft nötig gewesen sein muss. Nach nochmaliger Rast nahm R. ein Oktoberbad im Rhein. Der Mond war riesig groß aufgetaucht, die Sonne war noch tiefer gesunken. R. stapfte mutig ins Wasser, das erstaunlich lange nicht tiefer zu werden schien. Dann endlich konnte er eintauchen ins kalte Nass. Der Rhein war so schmal und schien so seicht zu sein, dass ich zeitweise befürchtete, R. könnte ans andere Ufer schwimmen. Dort befindet sich der Biergarten Aschlöksken, der noch zu Wittlaer gehört. R. kam aber nach dem erfrischenden Bad zurück. Er wusste um Stromschnellen und ertrunkene Rheinschwimmer. Obwohl auch ich gut kaltes Wasser vertrage, blieb ich an Land. Ich bin noch nie im Rhein geschwommen. Während wir die Fahrräder durch den feinen weißen Sand schoben, ging die Sonne unter. Der Himmel verfärbte sich rötlich, der unrealistisch große Mond stieg über dem jenseitigen Ufer immer höher: Eine blassblaue große Scheibe vor leuchtendblauem Himmel, der von Wolken durchzogen war. Während wir Pause machten überlegten wir, ob die in der Dämmerung sich schnell fortbewegenden Tiere Ratten oder Igel waren. Wir kamen aber zu keinem Ergebnis. Die Rufe der Vögel klangen anders als tagsüber, es waren auch die Stimmen von Vögeln dabei, die am Tag nicht zu hören sind. Ab und zu klang das Zirpen einer Zikade. Während wir noch unseren Gedanken über das Angenehme an abendlichen Spaziergängen im reizarmen Dunkel nachhingen, lief ein großer Krebs an uns vorbei. Er sah wie seine Artgenossen an der Nordsee aus, handtellergroß, mit dunklem Körper, langen dünnen Beinen und kleinen Zangen, die er erhob, als wir ihn im Lichtschein von R.s Handy in Augenschein nahmen. So ein Tier hatte ich hier nicht erwartet. Wir waren beide fasziniert und beobachteten den Krebs, dessen Beine auf dem steinigen Grund leise tapsten. R. hatte schon weiße Krebse am Rhein gesehen, mir waren kleine längliche Krebse im Süßwasser begegnet, aber dies war eine wirklich außergewöhnliche Begegnung. Wir schoben weiter unsere Fahrräder und ließen uns vom Mondlicht verzaubern, dass gleißend vom Rhein reflektiert wurde. Wenn man es so malen würde, würde das Bild wohl als kitschig und unrealistisch angesehen werden. Ohne Kameras konnten wir das Naturschauspiel entspannt auf uns wirken lassen. Etwas später stießen wir auf einen befahrbaren Weg, der es uns erlaubte, wieder auf die Fahrräder zu steigen.

Rheindokus

Es kommen ständig Filme über den Rhein im Fernsehen, die immer ähnlich gemacht sind und jetzt gibt es auch noch in der Zeit einen Hörartikel über eine Rheinkreuzfahrt, der sich ganz genauso verhält wie die entsprechenden Berichte der Franzosen und Engländer von vor 170 Jahren. Das Elementare der Rheinwahrnehmung der bürgerlichen Medien liegt im Betrachtungsstau, in der selbstbestätigenden Repetition einmal festgemachter Werte, die in der Regel bis heute einen erklecklichen Romantikfaktor (als das höchste der bisher ermittelten deutschen Gefühle) besitzen, auch wenn der mittlerweile am Rande, haha, ein ganz klein wenig ironisiert werden darf, ja sogar muß, von Autoren, die nicht als allzu bräsig gelten wollen. Immerhin schwemmen solche Dokus bisweilen selten gesehenes (Archiv-)Material auf den Schirm, wie jene „Zeitreise Rheinland“ von Werner Kubny und Per Schnell, deren erster Teil gestern bei 3sat lief. Da zeigt ein Touristenfotograf in dritter Generation gestellte Panoramafotos von fliegenden Holländern: die Drachenfelsbesucher werden in der Attrappe eines offenen Fliegers (Vorkriegsmodell) mit einer beeindruckenden Ziehharmonikakamera fotografiert und hernach wild schwebend in die Landschaft montiert und erinnern Rheinsein an den Ultraleichtpiloten, der bei unserm letzten Drachenfelsbesuch einige spektakuläre Manöver um die folienverpackte Ruine herum flog und dabei den nicht geringen Lautstärkepegel des für so romantisch geltenden Ortes nochmal kräftig übersteuerte. Daß die Kölner ab dem dritten Jahrhundert römische Pässe besessen hätten und am Rhein die Tränen der Freude und des Leids denselben Salzgehalt besäßen, bleiben zwei markante Sätze ebenso haften wie die gewohnten Anekdoten um Dombau und die berühmte Schlacht von Worringen, als Kölner und Düsseldorfer Bürger vor einigen hundert Jährchen gemeinsam den Klerus besiegten, eine Darstellung, die in Düsseldorf bis heute wenig Popularität genießt. Noch ein paar lockere Sätze zu Albertus Magnus und Stapelrecht, sowie Einblicke in die rheinische Textilindustrie von Monschau über Düsseldorf bis Krefeld und schon sind die 45 Minuten vorüber, Teil 2 der rheinischen Kulturbeflockung folgt kommenden Freitag. Resumee: es ist besser von Anfang an reich zu sein, als Eifeler, Arbeiter, sonstwie klein, doch so schlimm es auch kommt, es bleibt vom Dom der fantastische Blick auf den Rhein.

moenchengladbach

ich moechte wiedergeboren werden & zwar
in moenchengladbach: mit nem sprung in

der platte: ewiges jazzgedudel zum roehren
der britischen bomber ausm weltempfaenger

ne spur jauche in der luft, seitenscheitel &
koteletten, kraeftige kraeuterbitter zu schlecht

gebuegelten gesichtern. pastors sonntags-
predigt hallt in den schlagzeilen nach, bis ein

groove aus uebersee die tanzflaeche in bunte
truemmer zerlegt. es wabert & echot. geblaese

auf hochtouren & am tresen lehnt guenter
netzer mit nem glas orangensaftkonzentrat