Kaiserswerth (2)

„Kaiserswerth was entirely a Roman Catholic village until near the close of the last century, when certain velvet manufacturers brought over their work-people from Protestant Crefeld. The Protestant congregation was small enough,- two hundred in a population of eighteen hundred; and over it Candidat Theodore Fliedner was placed as village pastor in the year 1822. He was not there a month when the velvet manufacturers failed, and the congregation, mostly their own workmen, threatened to be broken up. Fliedner was offered another charge. He says he could not reconcile it with his duty to leave his flock when they most needed help; and as they were no longer capable of supporting a pastorate among them, he made a begging tour as far even as Holland and England, and returned with a sum sufficient to afford a moderate endowment. This, however, was by far the least result of his journey. His longing and aptitude for practical work, not as a philanthropist only, but as an earnest minister of Christ, had been greatly stimulated by what he saw. He had visited hospitals, workhouses, schools; in London he dwells simply on having „seen Newgate, and many other prisons:“ he regrets only missing Mrs. Fry. And when he came back he thought, with deep shame, that in faith and love Englishwomen far surpassed German men. It was not long till his thoughts found a practical outlet. The prison at Düsseldorf was no better than other prisons at this time. There was no classification of the prisoners, no schooling for the young, scarce any separation of the sexes. The filth was horrifying, the arrangements for sleeping and eating of the worst. The prisoners had no employment, and there was no effort to give them any spiritual instruction. Meanwhile the jailors grew rich, and the prison-boards fell asleep. Fliedner sought admission to the Düsseldorf prison, having more leisure, as he says, than his brethren, and obtained permission to preach in it every Sunday fortnight.“ Dazu paßt die höchst überlieferungstaugliche, symbolbehaftete Legende, daß Fliedner einst in einem Nachen in Kaiserswerth anlandete; um ernsthaft heilig gesprochen zu werden war er dennoch eine Spur zu protestantisch. Die grauen Diakonissen, zu Beginn aus Knästen und Armenfamilien rekrutiert, wandeln bis heute in zunehmend rarer Ausführung durch rheinische Landschaften und vermitteln dem unbedarften Beobachter das Gefühl, daß es hinter ihnen staubt. (O tempora, o mores!) Und London sollte stets als letzte und größte Stadt am Rhein gedacht werden, hier mal nebenbei.

Radtour am Rhein

(Rheinsein bedankt sich für diesen Gastbeitrag bei claudia!)

Erst einmal durchfuhren wir Wittlaer und kreuzten dann im Zickzackkurs die Felder. Ich schaute auf die sich verändernden Häuser: Sie schienen immer größer und luxuriöser zu werden. Mit dem Bus war ich die Strecke auch schon gefahren, aber vom Fahrrad aus sieht man doch mehr. Plötzlich lag der Ort hinter uns und die flache Feldlandschaft breitete sich vor uns aus. Die Gerüche waren sehr organisch und die Farben erdig und dunkel, von Feuchtigkeit gesättigt. R. sieht Dinge, die ich nicht wahrnehme. So entdeckte er viele Muschelschalen und Walnüsse, die anscheinend von Raben auf die Wege geworfen worden waren, damit die Vögel den Inhalt zu sich nehmen konnten. Das fand ich spannend. Aus Dokumentarfilmen wusste ich, dass Vögel so etwas machen. Aber hier? Muscheln? Der Beweis lag auf dem Weg. Und Raben sind intelligente Tiere. Wir zickzackten weiter bis wir die Uerdinger Brücke erreichten. Der Rhein hatte extrem niedriges Wasser, die schlammbedeckten Kiesel erstreckten sich über eine riesige Fläche. Auf der Wiese waren etliche Menschen mit sehr verschiedenen Drachen beschäftigt. Die Weite der Landschaft tat gut. Am anderen Rheinufer befanden sich Industrieanlagen und Lagerhallen. Bayer war hier ebenso vertreten wie eine Speiseölfirma und ein Guanodüngerwerk. Die Gebäude, die am Uerdinger Hafen standen, waren zum Teil recht alt und nicht von einer so anonymen Architektur geprägt wie viele neuere Gebäude, deren Zweckmäßigkeit oft etwas abweisend wirkt. Solche Gebäude passierten wir später auch noch. Ein kleiner Abstecher brachte uns zu einem Teil des Krefelder Hafens. Eine stählerne Brücke führte über das Wasser. Die Brücke war alt und es gab Holzbohlen, auf denen wir fuhren, neben der Straße. R. erzählte, dass die Uerdinger Brücke im zweiten Weltkrieg zumindest zum Teil zerstört worden und dann wieder komplett aufgebaut worden war. Dann durchfuhren wir das Industriegebiet, kleinere und größere Firmen, Hallen und Produktionsstätten zogen an uns vorbei. Als wir an einem Schild vorbeifuhren, das auf Cargill hinwies, dachte ich daran, dass diese Firma sehr dominant in Bezug auf den Verkauf gentechnisch veränderten Getreides und Sojas ist. Gerade für Entwicklungsländer hat das üble Folgen. Wohl auch aus weit entfernten Landen stammte das Guano, dessen strenger Geruch uns in die Nase stieg als wir an einer (ich denke) Düngerfirma vorbeifuhren. Da war ich doch froh, als wir nach links abbogen und auf den Rhein zufuhren. Wir folgten einem Weg durch ein Naturschutzgebiet bis zum Rheinufer. Das Ufer war sehr weitläufig, weil der Wasserstand so niedrig war. Die Szenerie hatte etwas urtümliches an sich, obwohl überall Spuren von Menschen in Form von mehr oder weniger verwitterten Abfällen zu sehen waren. Die Weiden waren gigantisch, wie Zelte breiteten sie ihre Zweige aus. Der Strand bestand aus feinem Sand und Steinen. Der größte Teil der Kiesel war von getrocknetem Schlamm bedeckt. Hier floss normalerweise Vater Rhein, durch dessen Bett wir nun voller Entdeckungsfreude wanderten. R. entdeckte einen verrosteten Stahlzylinder, der auf einer abgetragenen Betonschicht lag. „Guck mal, hier liegt eine Bombe. Die kann doch nicht mehr hochgehen? Hier sind Flügel dran und da muss der Sprengkopf gewesen sein. Bestimmt war hier mal etwas gebaut, das dann bombardiert worden ist.“ Wir sahen viele verrostete metallene Gegenstände und reimten uns die dazugehörigen Geschichten zusammen. Die Sonne senkte sich bereits während wir noch über Schlamm und Steine gingen und immer neue Entdeckungen machten. Auch das Rätsel, wie die Raben an die Muscheln kamen, löste sich: Das Niedrigwasser hatte riesige Muschelbänke freigelegt. Teilweise hatte die Landschaft etwas Surreales an sich. Wie ein Monolith stand eine verrostete Waschmaschine in der weiten Ebene und zahlreiche deplaziert wirkende Gegenstände, die der Rhein freigegeben hatte, verschmolzen gleichzeitig wieder mit der verschlammten Umgebung. Da gab es zum Beispiel einen uralten Einkaufswagen oder zahlreiche dicke Stahlseile, die zu zerreißen eine gewaltige Kraft nötig gewesen sein muss. Nach nochmaliger Rast nahm R. ein Oktoberbad im Rhein. Der Mond war riesig groß aufgetaucht, die Sonne war noch tiefer gesunken. R. stapfte mutig ins Wasser, das erstaunlich lange nicht tiefer zu werden schien. Dann endlich konnte er eintauchen ins kalte Nass. Der Rhein war so schmal und schien so seicht zu sein, dass ich zeitweise befürchtete, R. könnte ans andere Ufer schwimmen. Dort befindet sich der Biergarten Aschlöksken, der noch zu Wittlaer gehört. R. kam aber nach dem erfrischenden Bad zurück. Er wusste um Stromschnellen und ertrunkene Rheinschwimmer. Obwohl auch ich gut kaltes Wasser vertrage, blieb ich an Land. Ich bin noch nie im Rhein geschwommen. Während wir die Fahrräder durch den feinen weißen Sand schoben, ging die Sonne unter. Der Himmel verfärbte sich rötlich, der unrealistisch große Mond stieg über dem jenseitigen Ufer immer höher: Eine blassblaue große Scheibe vor leuchtendblauem Himmel, der von Wolken durchzogen war. Während wir Pause machten überlegten wir, ob die in der Dämmerung sich schnell fortbewegenden Tiere Ratten oder Igel waren. Wir kamen aber zu keinem Ergebnis. Die Rufe der Vögel klangen anders als tagsüber, es waren auch die Stimmen von Vögeln dabei, die am Tag nicht zu hören sind. Ab und zu klang das Zirpen einer Zikade. Während wir noch unseren Gedanken über das Angenehme an abendlichen Spaziergängen im reizarmen Dunkel nachhingen, lief ein großer Krebs an uns vorbei. Er sah wie seine Artgenossen an der Nordsee aus, handtellergroß, mit dunklem Körper, langen dünnen Beinen und kleinen Zangen, die er erhob, als wir ihn im Lichtschein von R.s Handy in Augenschein nahmen. So ein Tier hatte ich hier nicht erwartet. Wir waren beide fasziniert und beobachteten den Krebs, dessen Beine auf dem steinigen Grund leise tapsten. R. hatte schon weiße Krebse am Rhein gesehen, mir waren kleine längliche Krebse im Süßwasser begegnet, aber dies war eine wirklich außergewöhnliche Begegnung. Wir schoben weiter unsere Fahrräder und ließen uns vom Mondlicht verzaubern, dass gleißend vom Rhein reflektiert wurde. Wenn man es so malen würde, würde das Bild wohl als kitschig und unrealistisch angesehen werden. Ohne Kameras konnten wir das Naturschauspiel entspannt auf uns wirken lassen. Etwas später stießen wir auf einen befahrbaren Weg, der es uns erlaubte, wieder auf die Fahrräder zu steigen.

Rheindokus

Es kommen ständig Filme über den Rhein im Fernsehen, die immer ähnlich gemacht sind und jetzt gibt es auch noch in der Zeit einen Hörartikel über eine Rheinkreuzfahrt, der sich ganz genauso verhält wie die entsprechenden Berichte der Franzosen und Engländer von vor 170 Jahren. Das Elementare der Rheinwahrnehmung der bürgerlichen Medien liegt im Betrachtungsstau, in der selbstbestätigenden Repetition einmal festgemachter Werte, die in der Regel bis heute einen erklecklichen Romantikfaktor (als das höchste der bisher ermittelten deutschen Gefühle) besitzen, auch wenn der mittlerweile am Rande, haha, ein ganz klein wenig ironisiert werden darf, ja sogar muß, von Autoren, die nicht als allzu bräsig gelten wollen. Immerhin schwemmen solche Dokus bisweilen selten gesehenes (Archiv-)Material auf den Schirm, wie jene „Zeitreise Rheinland“ von Werner Kubny und Per Schnell, deren erster Teil gestern bei 3sat lief. Da zeigt ein Touristenfotograf in dritter Generation gestellte Panoramafotos von fliegenden Holländern: die Drachenfelsbesucher werden in der Attrappe eines offenen Fliegers (Vorkriegsmodell) mit einer beeindruckenden Ziehharmonikakamera fotografiert und hernach wild schwebend in die Landschaft montiert und erinnern Rheinsein an den Ultraleichtpiloten, der bei unserm letzten Drachenfelsbesuch einige spektakuläre Manöver um die folienverpackte Ruine herum flog und dabei den nicht geringen Lautstärkepegel des für so romantisch geltenden Ortes nochmal kräftig übersteuerte. Daß die Kölner ab dem dritten Jahrhundert römische Pässe besessen hätten und am Rhein die Tränen der Freude und des Leids denselben Salzgehalt besäßen, bleiben zwei markante Sätze ebenso haften wie die gewohnten Anekdoten um Dombau und die berühmte Schlacht von Worringen, als Kölner und Düsseldorfer Bürger vor einigen hundert Jährchen gemeinsam den Klerus besiegten, eine Darstellung, die in Düsseldorf bis heute wenig Popularität genießt. Noch ein paar lockere Sätze zu Albertus Magnus und Stapelrecht, sowie Einblicke in die rheinische Textilindustrie von Monschau über Düsseldorf bis Krefeld und schon sind die 45 Minuten vorüber, Teil 2 der rheinischen Kulturbeflockung folgt kommenden Freitag. Resumee: es ist besser von Anfang an reich zu sein, als Eifeler, Arbeiter, sonstwie klein, doch so schlimm es auch kommt, es bleibt vom Dom der fantastische Blick auf den Rhein.

moenchengladbach

ich moechte wiedergeboren werden & zwar
in moenchengladbach: mit nem sprung in

der platte: ewiges jazzgedudel zum roehren
der britischen bomber ausm weltempfaenger

ne spur jauche in der luft, seitenscheitel &
koteletten, kraeftige kraeuterbitter zu schlecht

gebuegelten gesichtern. pastors sonntags-
predigt hallt in den schlagzeilen nach, bis ein

groove aus uebersee die tanzflaeche in bunte
truemmer zerlegt. es wabert & echot. geblaese

auf hochtouren & am tresen lehnt guenter
netzer mit nem glas orangensaftkonzentrat

Rheinwörterbuch (2)

Rheinband
Beispiele: „Rheinband – catalogo di prodotti per il computer con possibilità di acquisti online.“ (Elektronik) „Aus den bestehenden Strukturen heraus, schlagen wir vor, das Rheinband durch eine gestaltete Abfolge von Raumtypologien zu stärken, welche sich aus ihrem bestehenden Kontext entwickeln.“ (Architektur)

Rheinbond
Beispiel: „Désolé, rheinbond a choisi de ne pas t’autoriser l’accès à son profil.“ (Geheimwesen)

rheinfrei
(Kunstwort ohne sonderliche Entsprechung.)

Rheinheit
Beispiele: „Handybag Engel der Rheinheit und weiteres Zubehör bei…“ (Promotionswesen) „Deutsche Gruendlichkeit, Rheinheit, Fleiss.“ (Brauchtum) „Mit Rheinheit meine ich weder waschen, noch die Sprache, ich meine das Klare der Seele.“ (Religion)

Rheinigung
Echte Handwäsche, selbstverständlich. Beispiel: “Chemische Rheinigung – Karneval mit kranken Fischen!“ (Brauchtum)

rheinnein
Beispiele: „Krefeld: Nein zum Eisernen RheinNein zur Steinkohle.“ (Politik) „Rheinneinneinnein.“ (Umgangssprache) „Von der rheinhalle, Von der rheinhohe, von der rheinliese, Von der rheinnein, von der ried perle…“ (Listenwesen) „Dcr ich nur die Zusammen-setzung des alten und des ordinairen Rheinwcins hervorhebc. Alter Rheinnein. Ordinnirer Rheinnein. S’iiritus vini recti$ catissimi…“ (Farmazeutik)

rheinsacht, auch: rh18
(Unwort ohne bisherige Entsprechung.)

Rheinsatz
Beispiel: „„Auf den letzten 100 Metern wird gerannt.“ Das lehrt uns die über fünfzehnjährige Erfahrung von rheinsatz. Dies ist unsere Philosophie und unser Auftrag seit 1992.“ (Repro- und Klischeewesen)

Rheinsucht
Beispiele: „I was the first to get this new Rheinsucht Hefe.“ (Önologie) „The first Boxer dog to obtain the Obedience title of Companion dog (C.D.) in Victoria was trained by Mr. E. Paxman of Southern Obedience Club in 1960. The Boxer was an 18 month old dog – Rheinsucht Challenge. Later he was to achieve the title of Companion dog Excellant (C.D.X.)“ (Zuchtwesen)

Am Niederrhein (von Rainer Vogel)

Am Sonntag kamen noch Freunde zum Kaffee und Kartenspielen, inklusive Spaziergang zum Biergarten am Rhein in Wittlaer, „Aschlöksken“ im Volksmund genannt, früher sei dort die Asche gelöscht worden. Eine andere Erklärung für den Namen lautet: dass dort der Ort seit jeher sein Ende hat. Gegenüber vom Biergarten, auf der Meerbuscher/Krefelder Rheinseite sah ich immer Sandstrände und Auwälder, wo auch abends Leute an Lagerfeuern saßen. Da ich gestern frei hatte, fuhr ich mit dem Rad zur Kaiserswerther Rheinfähre, setzte dort über, hielt mich rechts, am dortigen Camperidyll vorbei, und fuhr auf holprigen Treckerspuren, Weidenalleen und vergessenen Reitwegen zu den gesuchten Buchten und Rheinstränden. In eine Bucht, in die man durch einen schmalen Pfad zwischen mannshohen Schilf gelangte, trat ich ein, um einen vorgelagerten Tümpel, Weiden mit freistehenden Wurzeln, eine Art Wilden Flieder, Löwenmäulchen zu entdecken, und das gegenüberliegende Ufer und in der Nähe lagernde Wildgänse zu fotografieren. Der Schweiß floss mir in Strömen herunter, meine Haut juckte aufgrund einer heftigen Sommerallergie, und ich fuhr weiter mit dem Rad, um die Bucht gegenüber dem Biergarten am Ende von Wittlaer zu finden, und mir ein mitgeführtes Alt am Strand zu genehmigen. Ich fand einen seitlich einströmenden Zufluss oder See, mit einer Unzahl von Jungfischen, die in Schwärmen vor meinem Schatten flüchteten, ein Graureiher stob krächzend auf, wer stört in seinem Revier? Keine Menschenseele weit und breit, bis auf einen Mann im Liegestuhl am Strand, die paar Angler am Ufer und auf den aufgeschütteten Felsbrocken im Rhein, unzählige Mücken und Bremsen. Ich fotografierte einen Korbstuhl ohne Beine im Sand, ein bis zwei rostige, im Sand verschüttete Öltonnen, auf einer lag eine längst geleerte, verlorene Geldbörse. Über die Mündung des Zuflusses am Rhein hatte jemand dicke Steine gelegt, sah fast wie ein Dammbau aus, bis auf einen riesigen Stein, den eigentlich keine Menschenhand bewegt haben konnte. Zwischen den Steinen die bleichen Schalen toter Krebse. Mir fiel der Roman ein, den ich in meiner Pubertät eigentlich hatte schreiben wollen, eine Geschichte über einen Wanderer, der am Strand der Ostsee entlang zieht, den magischen Feuerstein, den er sammelt, knirschend unter seinen Sohlen, am Ende seiner Wanderung ist er nicht mehr allein, reitet auf einem Wildpferd und hat eine junge Frau mit schwarzem Haar und braunen Augen an seiner Seite. Teile meines Traums haben sich wohl verwirklicht, jedenfalls habe ich auch jemanden gefunden. Der Held des Romans baut ein Haus, zeugt Kinder, geht in seinem Stamm auf. Parallelhandlung in einem Raumschiff, irgendwo im All. Die Erde ist mittlerweile von einer unkontrollierbaren Technologie beherrscht. Dann trinke ich nahe einer erloschenen Feuerstelle das Bier, auf einem Stein im Sand sitzend. In der Nähe ist ein Angler mit zwei von der Leine gelassenen Schäferhunden, weswegen ich mich ein wenig unwohl fühle. Drüben sitzen die Leute im Biergarten in Plastikstühlen am Weidenzaun, Galloway- Rinder grasen friedlich. Als der weiße Ausflugsdampfer der KD rheinaufwärts vorbeifährt, winken einige Leute den Menschen auf Deck zu. Später schlage ich mich in die Büsche, um eine Abkürzung zur nächsten Straße zu finden, und lande im undurchdringlichen Dickicht, wo ich mir die Schienbeine mit Brennnesseln verbrenne. Stiele wuchernder Riesenpflanzen knacken hohl unter meinen Füßen, als ich die Orientierung verliere. Endlich erreiche ich das Ufer wieder, wohin ich nach einer Kurve im Urwald wieder zurückfinde, und schiebe das Rad über den Sand, finde später eine Zufahrt. Doch erst nehme ich noch ein Bad im Rhein, um die Haut zu kühlen und den Juckreiz zu lindern. Als ich mich wieder anziehe finde ich ein bearbeitetes Stück braunen Feuerstein im Sand, in Form einer Pfeilspitze, und nehme den Stein in meinem Rucksack mit. Auf dem Rückweg fahre ich über Felder, Landstraßen, an dem großen Hafenbecken im Industriegebiet des Krefelder Rheinhafens vorbei, über die im Krieg gesprengte, wieder aufgebaute Uerdinger Brücke mit den schweren, genieteten Stahlträgern, erreiche ich die andere Rheinseite.

(Besten Dank für diesen Bericht an Rainer Vogel, Buchhändler in Kaiserswerth.)