Presserückschau (Juni 2017)

1
Handballmeister
“Die Rhein-Neckar Löwen sind erneut deutscher Handball-Meister. Der Bundesligist aus Mannheim (…) ist zwei Spieltage vor Saisonende nicht mehr von der Tabellenspitze zu verdrängen. Die Löwen profitierten davon, dass Verfolger SG Flensburg-Handewitt kurz zuvor überraschend (…) bei Frisch Auf Göppingen verloren hatte. Die nun fünf Punkte Rückstand auf die Nordbadener kann die SG nicht mehr einholen. Für die Löwen von Trainer Nikolaj Jacobsen ist es nach dem Erfolg im Vorjahr der insgesamt zweite Meistertitel der Vereinsgeschichte. Die Meisterschale bekamen die Löwen (…) aber noch nicht überreicht. Das soll nach dem letzten Saisonspiel am 10. Juni gegen die MT Melsungen nachgeholt werden.” (Süddeutsche Zeitung)

2
Grünes Wasser
“Bei der BASF-Kläranlage in Ludwigshafen ist seit mindestens Pfingstsonntag (…) grün gefärbtes Wasser in den Rhein gelaufen. Verantwortlich dafür sei der Farbstoff Tinolux BBS aus einem Betrieb im Werksteil Süd. Die Produktion dort sei gestoppt worden. (…) Die zuständigen Behörden seien informiert. Die Wasserschutzpolizei hatte die Grünfärbung bemerkt und die BASF informiert. Die in Waschmitteln eingesetzte Chemikalie Tinolux BBS gilt als schwach wassergefährdend. Eigene Messungen der BASF und der Rheingütestation in Worms hätten keine toxikologischen Auffälligkeiten ergeben.” (Rheinpfalz)

3
Plastic Soup Surfer
“Gewissenhaft verschnürt Merijn Tinga seine Taschen und Beutel auf dem Surfboard. Besonders tief verstaut wird der wasserdichte Beutel mit Smartphone und anderen Elektrogeräten. Viel hat der Plastic-Soup-Surfer gar nicht dabei. Tinga paddelt auf dem Surfboard den Rhein von Konstanz bis zur Nordsee hinab. Insgesamt 1035 Kilometer Strecke will er in 28 Tagen zurücklegen und damit auf die Verschmutzung der Meere und Flüsse mit Plastikmüll aufmerksam machen. Plastic Soup ist der englische Begriff für die großen Plastikmüllansammlungen in den Ozeanen.” (Badische Zeitung)

4
Schwimmender Luchs
“Der erst vor einigen Wochen im Pfälzerwald freigelassene Luchs „Cyril“ hat seine neue Heimat schon wieder verlassen. Tierschützer vermuten, dass er durch den Rhein geschwommen ist und sich nun auf rechtsrheinischem Gebiet irgendwo nördlich von Speyer aufhält. (…) „Die Luchse haben ein GPS-Halsband um, das Signale von beiden Seiten des Rheins senden kann“, sagte Jochen Krebühl, Geschäftsführer der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz. Da es an der Stelle, an der Cyril den Rhein überquert hat, keine Brücke gibt, vermuten die Tierschützer, dass er auf die andere Seite geschwommen ist.” (Südwest Presse)

5
Jobmaschine
“Nordrhein-Westfalen, Rheinbahn, Rheinknie, Rheinmetall – kein Wort prägt Düsseldorfer Institutionen so sehr, wie der Name des Stroms, an dem die Landeshauptstadt liegt. Für das Heimatgefühl der Düsseldorfer ist der Rhein, der einem Karnevalsschlager zu Folge der Stadt 20 Kilometer seines Stromverlaufs ganz allein schenkt, wichtiger als jedes andere geografische Element. Das wurde schon früh deutlich, als das nahe Ruhrgebiet sich industrialisierte und Düsseldorfs Lage am Rhein eine andere Rolle bekam. Denn Düsseldorfs vielleicht bekanntester Arbeitgeber Henkel stammt eigentlich von ganz woanders. Als Waschmittelfabrik Henkel & Cie wurde sie 1876 in Aachen gegründet. “Wegen besserer Verkehrsanbindungen und höherer Absatzchancen verlegte Henkel seine Firma 1878 nach Düsseldorf”, so steht es in der Firmenchronik. Und mit besserer Verkehrsanbindung ist einzig und allein der Rhein gemeint. Denn Wurm, Kupfer- oder Goldbach, die größten Gewässer Aachens, können es nicht mal mit der Düssel aufnehmen.” (Rheinische Post)

6
Verbrechen
“In Bonn soll ein Mann (27) versucht haben, eine 25-Jährige zu vergewaltigen. (…) Die Frau schrie laut um Hilfe. Eine Zeugin rief die Polizei. Als der mutmaßliche Vergewaltiger den Streifenwagen bemerkte, ließ er sein Opfer los und rannte zum Rhein. Schließlich sprang er in den Fluss und versuchte, schwimmend zu entkommen. Die Polizei fuhr neben ihm den Rhein entlang, irgendwann konnte sie den Mann mit Hilfe der Feuerwehr aus dem Wasser fischen.” (Der Westen)

7
Ingo
“Eine im Rhein treibende Gummipuppe hat in Mainz einen Großeinsatz ausgelöst. Mehrere Bürger hätten einen leblosen Menschen im Wasser gemeldet, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Daraufhin seien die Einsatzkräfte mit einem Großaufgebot angerückt. Es habe sich dann schnell herausgestellt, dass es sich nur um eine Gummipuppe handle. Für den vermeintlichen Rettungseinsatz war auch ein Hubschrauber alarmiert worden. Allein die Feuerwehr schickte 40 Einsatzkräfte zum Rhein. Die Herkunft der Gummipuppe blieb unklar.” (Stern)
“Der vermeintliche Mensch war bei genauerem Hinsehen eine aufblasbare Puppe. Sie sei männlich, etwa ein Meter 50 groß und mit Pflastern beklebt, so ein Sprecher der Mainzer Feuerwehr. Auf ihrer Schulter stehe der Name “Ingo”.” (SWR)

8
Schwimmnudeln
“Die Polizei will mit einer neuen Kampagne Unfälle auf dem Rhein verhindern. Mit orangen Schwimm­nudeln sollen Schwimmer besser sichtbar werden. (…) Im Rahmen der Kampagne wurden allen Badis am Rhein, ab Eschenz rheinabwärts, orange Schwimmnudeln verteilt. Insgesamt stehen 2000 Stück zur Verfügung. Diese können von den Badegästen gratis mitgenommen werden. Dank diesen Nudeln sollen Schwimmer von Bootsführern besser gesehen werden. Ein Ersatz für Schwimmwesten seien sie aber nicht, betont die Polizei. Die Kosten für die Kampagne belaufen sich auf rund 10 000 Franken. Diese werden von den Kantonspolizeien Thurgau und Schaffhausen getragen.” (Schaffhauser Nachrichten)

9
Biber-Alarm
“Beim Baden im Rhein bei Schaffhausen (Schweiz) sind zwei Schwimmer gebissen worden. Vermutlich war es ein Biber. Ein achtjähriger Junge sei mit dem Schreck und oberflächlichen Wunden davongekommen, doch bei einer Frau habe die Wunde genäht werden müssen (…). Die Schaffhauser Jagdverwaltung wollte deshalb diese Woche südöstlich von Schaffhausen am Rhein Richtung deutsche Grenze Warnschilder noch aufstellen. „Vorsicht Biber, vom Baden wird abgeraten“ soll darauf stehen (…).” (Südkurier)

10
König am Rhein
“Der Wachtelkönig ist kaum zu entdecken, aber dafür um so besser zu hören. In der Emmericher Ward gibt diesen Vogel.
Eine der wohl bemerkenswertesten Arten der Emmericher Ward ist der Wachtelkönig. Auch wir Biologen der Nabu-Naturschutzstation Niederrhein, die das Gebiet naturschutzfachlich betreuen, bekommen ihn nur selten zu sehen. Wenn, dann hört man ihn eher. Er hat ein bräunliches Gefieder und ist etwa so groß wie eine Wachtel. Zudem lebt er versteckt dort, wo die Vegetation sehr dicht und hoch ist. Darin ist er kaum zu entdecken, selbst wenn man genau neben einem Wachtelkönig steht. Darum achten wir auf seine Balz- und Paarungsrufe. Der Wachtelkönig ruft in der Nacht – und ist dann nicht zu überhören. Seine Rufe – ein rhythmisches, schnarrendes Knarren – sind unverwechselbar und auch von weitem zu hören. Bis in die 90er Jahre des letzten Jahrhunderts konnten noch bis zu vier Brutpaare des Wachtelkönigs in unserem Betreuungsgebiet in Fachsprache „verhört“ werden. Auch wenn die Rheinaue Emmericher Ward mit ihren großflächig extensiven Überflutungswiesen und -weiden bis heute ein Rückzugsgebiet für den gefährdeten Vogel bietet, ist es heute selten mehr als ein Paar.” (NRZ)

11
Rheintote
“Leichenfund am Rhein in Leverkusen! (…) Am Pfingstsonntag meldete sich ein Angler, der den leblosen Körper im Fluss entdeckt hatte, bei der Feuerwehr. Sofort machten sich die Rettungskräfte auf den Weg und zogen die männliche Leiche ans Ufer. Ein Notarzt konnte nur noch den Tod des Unbekannten feststellen. Die Identität des Mannes war zunächst unklar – ebenso, wie er ums Leben kam. Die Kölner Polizei hat die Ermittlungen übernommen.” (Express)

“Auf dem Rhein in Hessen ist ein Kajakfahrer während eines Gewitters von einem Blitz erschlagen worden. Der Mann wurde am Samstag kopfüber im Wasser treibend bei Lorch aufgefunden, wie die Wasserschutzpolizei (…) in Rüdesheim mitteilte. Der Blitz war der Polizei zufolge direkt in seinen Körper eingeschlagen.” (Stuttgarter Zeitung)

“Ein Mann (73) treibt bewusstlos mit seinem Segelyacht auf dem Rhein (…) bei Rheinkilometer 435. Als die Feuerwehr eintrifft, haben Helfer das Sportboot bereits im Schlepp eines weiteren Sportbootes. Doch der Mann liegt leblos an Deck. Die Feuerwehr versucht während der Schleppfahrt den Mann zu reanimieren, bis sie an der BASF-Anlegestelle ankommen. Dort wartet bereits ein Notarzt der BASF. Der Einsatz wird dabei von der Wasserschutzpolizei Ludwigshafen begleitet. (…) Leider stirbt der 73-jährige Mann trotz aller Reanimationsversuche um 20 Uhr im Krankenhaus. Er hat offenbar einen Herzinfarkt erlitten (…). Die genaue Todesursache ist Gegenstand eines Todesermittlungsverfahrens der Staatsanwaltschaft Frankenthal und der Kriminalpolizei Ludwigshafen.” (Heidelberg24)

“Passanten haben (…) im Rhein bei Köln-Niehl eine Leiche im Wasser treiben sehen. Dabei handelt es sich sehr wahrscheinlich um den (…) vermissten 16-jährigen Flüchtling. Der junge Mann war (…) in Rodenkirchen zum Schwimmen in den Rhein gegangen und abgetrieben. Nach Angaben der Polizei ist die Identifikation des Toten noch nicht zu 100 Prozent abgeschlossen, allerdings habe der Tote eine dunkle Hautfarbe, wie der aus Guinea stammende 16-jährige Flüchtling. Sein Begleiter sagte (…), dass der Jugendliche nicht schwimmen konnte, aber trotzdem ins Wasser gegangen sei.” (WDR)

Der Rheinländische Hausfreund spricht mit seinen Landsleuten und Lesern, und wünscht ihnen das neue Jahr (1809)

Eigentlich aber ist nicht viel daran zu wünschen, denn es kommt wieder, wie allemal, von selbst den 31. Dezember 1808, nachts um 12 Uhr, wenn lose Vögel neben dem Durlacher Hofwirtshaus zu Karlsruhe Petarden legen, und fast sehr laut sind, die nicht wissen, daß das neue Jahr kommt wie ein Geist, der nicht gern will beschrieen sein, wenn er soll viel Gutes bringen. Andre Leute aber schlafen im Schütze Gottes und merken nicht viel davon, wenn die zwei großen Schildwachen sich ablösen in der Mitternacht und geben einander Parole, die niemand versteht. Dagegen streckt der Rheinländische Hausfreund seinen Lesern ins neue Jahr hinein, das selber kommt, die Hand entgegen, und wünscht gesunden Leib, gut Gewissen und Zufriedenheit, und sagt, daß er dies Jahr seinen Lesern einen Tag abbrechen muß, nämlich den 29. Februar, weil sonst der Zeug für diesen Monat nicht zureicht, oder aber die Tage zu kurz ausfallen könnten, wenn 29 wollten daraus gemacht werden. Dagegen verspricht er, künftig keine fernen Subtraktionsexempel mehr an der Zeit zu statuieren, sondern alle Jahre 365 Tage ungeschmälert zu liefern, und richtig einzuhalten, bis bessere Zeiten kommen, die wieder einen Schalttag ertragen können, und will von Jahr zu Jahr auf allerlei Lehrreiches zu Spaß und Ernst, auch schöne Figuren ferner bedacht sein, untereinander, wie es in der Welt auch zugeht. Einer lacht, der andere weint. Heute Regen, morgen Sonnenschein, und unaufhörlich läutet hie und da die Glocke, dem einen zur Hochzeit, dem andern ins Grab. Und so will der Rheinländische Hausfreund tun zur Erkenntlichkeit, weil er gesehen und große Freude gehabt, daß sein Kalender schon zum erstenmal und fast an allen Orten ist fleißig gelesen worden, und hat hie und da einer gesagt: „Der meint’s nicht schlimm mit uns”, und hat in einer Erzählung etwas wie ein kleines Goldkörnlein gefunden und nicht verschmäht. Denn der Rheinländische Hausfreund geht fleißig am Rheinstrom auf und ab, schaut zu manchem Fenster hinein, man sieht ihn nicht; sitzt in manchem Wirtshaus, und man kennt ihn nicht; geht mit manchem braven Mann einen Sabbaterweg oder zwei, wie es trifft, und läßt nicht merken, daß er’s ist. Zum Exempel, er hat’s wohl mit angehört und ist dabeigestanden, im letzten Herbst, als die Schwäbin, so ohne Beine auf einem Rößlein in der Welt herumreitet, herwärts der Schorenbruck, zwischen Basel und Haltingen an der Straße saß, und prophezeite einer braven Markgraferin, die von Basel kam und bei ihr stand, viel dummes Zeug, was der Komet bedeute. Die Frau hörte zwar aufmerksam zu, was die Hexe sagte, wird aber hoffentlich nichts geglaubt haben. Denn selbiger Wandelstern mit seinem silbernen Haar hatte nichts mehr zu bedeuten, sondern sollte in Berlin und Polen das große Kriegsunglück und die blutigen Schlachten ankündigen, – kam aber zu spät, wie manchmal ein Feuerreiter, wenn das Häuslein schon verbrannt ist. Denn der Kaiser Napoleon ist so schnell in seinen Unternehmungen und macht so kurzen Prozeß, daß selbst ein Komet nicht geschwind genug zur Sache tun kann, wenn er noch zu rechter Zeit will da sein, und ist dem Hausfreund auch so gangen, hat den preußischen Krieg auch erst angekündet, als er schon vorbei war. Doch wäre dies noch zu verschmerzen, wenn er nur nicht beklagen müßte, daß es mit dem andern Krieg, nämlich wo mit Äpfelküchlein geschossen, und kriegsgefangene Kronentaler eingebracht werden, noch nicht recht hat wollen in Gang kommen. Doch wird’s mit Gottes Hülfe und unserm eigenen Fleiß etwa besser werden von Jahr zu Jahr, und hat schon diesmal nicht überall gefehlt, wo viel guter Wein gewachsen ist Anno eintausendachthundertundsieben, und ein schön Stück Geld daraus gelöst worden. Der Rheinländische Hausfreund weiß auch davon zu sagen, und hat je ein Schöpplein gekauft, oder etwas zu Konstanz im Adler, zu Waldshut im Rebstock, zu Lörrach im goldnen Ochsen (hat nichts gekostet), zu Schopfheim im Pflug, zu Utzenfeld in der Mühle, zu Freiburg im Schwert, zu Offenburg in der Fortuna, zu Kehl im Lamm, zu Ulm bei Lichtenau im Adler, zu Rastatt im Kreuz, zu Durmersheim beim Herr Schlick. In dieser Landschaft ist der Vorfahrer des Hausfreunds sozusagen vogelfrei gewesen, und der Rastatter Hinkende Bot hat allein das Privilegium gehabt, den Leuten die Wahrheit zu erzählen, der arme Teufel auf seinem hölzernen Bein. Jetzt sind der Hausfreund und er rechte gute Freunde und halten friedliche Nachbarschaft, hängen in mancher Stube nebeneinander am nämlichen Nagel, und so sie sich auf der Straße begegnen oder in einer Herberge, reden sie miteinander. Aber den Reutlinger, wenn er ihnen zwischen Licht auf einem Feldweg begegnet, grüßen sie nicht sehr, sondern sagen: „Bleib du in deinem Land, wenn man nicht nach dir schickt, und komm nicht selber, sonst druckt man dir einen Stempfel auf das Brusttuch, so 12 Kreuzer kostet.” – So weit geht der Vorbericht, – und nun setzt der Rheinische Hausfreund die Betrachtungen über das Weltgebäude fort, so man aber auch ordentlich lesen muß, wenn man wissen will, was drin steht. Denn der Nürnberger Trichter ist schon vor dem 7jährigen Krieg zerbrochen.

(Johann Peter Hebel)

10 Mal täglich per Eisenbahn zum Rheinfall für 10 Cent

Hôtel Witzig. – Proprietär H. A. Witzig-Rietmann. – Eisenbahnstation Dachsen am Rheinfall. Die eigentliche Rheinfallstation 15 Minuten bis zum Fall (Fischetz) für Eisenbahnfahrer die bequemste Art, an den Rheinfall zu gelangen. Gute, billige und freundliche Bedienung, Aussicht auf die Gebirge, vom Säntis an bis zur Jungfrau.

Hôtel et Pension Schweizerhof, am Rheinfall, ehemals Hôtel Weber. – Besitzer F. Wegenstein. In nächster Nähe der Eisenbahnstation Neuhausen (neu eröffnete Eisenbahn von Basel nach Schaffhausen und Constanz), in prachtvoller und unstreitig bester Lage, gegenüber dem Rheinfall, mit herrlicher Aussicht auf denselben und auf die ganze Alpenkette; mit Lesekabinet, Musiksaal, Billards, Bädern, Promenaden etc. – Ausstattung und Bedienung vorzüglich. Billige Preise. – Für Familien und Touristen gleich empfehlenswerth. – In wöchentlichem Aufenthalt ermässigte Pensions-Preise.

Hôtel zur Krone. – Besitzer J. Hirt – Nahe bei Bahnhof, Post u. Dampfschiff. – Altes, gutes Haus, von Geschäftsreisenden und Familien stark besucht. – Table d’hôte um 12 Uhr. Restauration à la carte zu jeder Zeit, um die Abreise mit den Nachmittagszügen zu erleichtern. – Wagen und Omnibus sind im Haus zu finden. – 10 Mal täglich per Eisenbahn zum Rheinfall für 10 Cent.

(Annoncen aus dem Anhang des Jahrbuchs des Schweizer Alpenclubs 1865, Band 2)

Leuchttürme des Rheins: Aggregat XZ – am Rheinauslass Konstanz westwärts

Manche wissen es: der Rhein kommt vom Berg, mündet in den Bodensee, durchfließt diesen und begibt sich bei Konstanz wieder in seine eigenes Bett -
Der Volksmund ist – wie so oft – schlauer: die Obrigkeit errichtete den Leuchtturm am westwärtigen Auslass des Bodensees – auf dass der wackere Schiffer und Binnenfahrensmann unbehindert wieder den Weg in Richtung West – Nord, also den Niederungen am Unterlauf, schließlich in die Nordsee und weiter finden möge – und man gab dem stolzen Turm eine nüchtern-technische Bezeichnung – „Aggregat XZ“ gemäß den terminologischen Usancen im Deutschen Wasser-; Forst-; Luft- und Bahnsignalbau – da das „Konzil“ nicht fern liegt – also das Gebäude, wo das Konzil zu Konstanz dermaleinst tagte – bekanntlich wurde da aus drei Päpsten einer gemacht – so benamt man in Kreisen des einfachen, aber schöpferischen Volkes, den Leuchtturm oft einfach „das leuchtende Konzil“, manche sprechen auch vom „strahlenden Sphincter“, weil es sich ja gewissermaßen um den Anus des Bodensees handelt.
Niemand in der See- und Hafenmetropole spricht das Bauwerk mit seiner technischen Bezeichnung an.
Für jeden Seemann, der beim Eintritt in den Rheinstrom durch Sandbänke, Stromschnellen und beutegieriges Wassergetier sein Leben lassen muss – und dass sind nicht wenige – errichtet man im Vorgärtlein des Leuchtturmes ein Kreuz aus Treibholz.
Der kleine Wald aus Totenkreuzen ist unüberschaubar.

(Ein Gastbeitrag von Bdolf. rheinsein dankt!)

Leuchttürme des Rheins: Abschnitt Bodensee – Lindau

Die Wahre Schifffahrt ist die Schifffahrt der Herzen.
So geht es vom Jungen Rhein in den Bodensee, in Constantium weiter in des Stromes Bett.
Zuvörderst will aber der Bodensee (immerhin 41 m Höhendifferenz O-W infolge Erdkrümmung) gequeret sein.
Dem Schiffer erscheint ein Licht, so der Sturm aufkommt, auf Hoher See – der rettende See zu Lindau, selbiges im Bayerischen gelegen.
Das Hafenbecken errettete manchen wackeren Fahrensmann – oder –frau vor der Sturmnot, dem Seebeben und dem Tsunami.
Auf der westwärtigen Mole findet sich ein artiger Leuchtturm, nicht übermäßig in der Höhe, den Maßgaben des – verglichen mit der Hohen See – durchaus mäßigen Bodensees.
Er weiset mit seinem Licht den Weg ins sichere Becken, Rettung vor dem Zorn des Sturmgottes und dem allfälligen Treiben der Seeteufelschaft.
Gegenüber wollte der glorreiche König Ludwig – weiser Herrscher über die Bayernlande – seinem Geliebten, Oberst Freiherr von Maßgiebel, ein Denkmal seiner Anmut setzen. Zu diesem Behuf sollte der gnädige Herr Freiherr als ein Löwe dargestellt werden, der das zierlich-sanfte Antlitz des großbayerischen Wehrmannes statt des Löwengesichtes tragen sollte.
Dies hinwiederum wurde in den seinerzeitigen Zeiten als ein groß Skandalum angesehen, weswegen der glorreiche König Ludwig einen gewöhnlichen, aber großen, Löwen auf die ostwärtige Mole setzen ließ.
Im Herzen aber trug der weise König Ludwig das Abbild seines Geliebten.

(Ein Gastbeitrag von Bdolf und fünfter Teil seiner Serie über die Leuchttürme des Rheins. rheinsein dankt!)

Presserückschau (Oktober 2014)

Von der Bananenstellung bei Robben, der Anziehungskraft von Müllhalden, Ingenieursproblemen beim grenzüberschreitenden Verkehr, einer haarigen Rettungsaktion, keinem Geschwindigkeitslimit und einem mysteriösen Todesfall handeln die Rheinmeldungen des Oktobers:

1
Nachdem wir vergangenen Monat in Ermangelung von Sommerlochmonstern Meldungen über eine Robbe im Rhein bei Düsseldorf im Frühjahr 2003 (ein angebliches “zoologisches Jahrhundertereignis”) ausgegraben hatten, berichten Anfang des Monats verschiedene Medien über eine weitere in Düsseldorf gesichtete Robbe: “Sie ist das Gespräch in der ganzen Stadt und mittlerweile auch offensichtlich eine Reise an den Rhein wert. (…) Einige Spaziergänger versuchten sogar die Robbe mit Fischen anzulocken, doch das kleine Tier blieb unbeeindruckt. Vielleicht ist die Robbe mittlerweile auch wieder auf dem Rückmarsch. „Das geht ganz schnell“, sagt Tierärztin Janine Bahr, die das Robbenzentrum auf der Nordseeinsel Föhr gegründet hat. Robben könnten rasch große Strecken zurücklegen. Das Tier im Rhein ist nach Einschätzung der Expertin kein Jungtier mehr: „Die Robbe ist fast ausgewachsen und so, wie ich es auf den Fotos gesehen habe, liegt sie in der Bananenstellung. Ein Zeichen, dass es dem Tier sehr gut geht.“ (…) Die Schiffe stellten übrigens keine Gefahr für das Tier da. Und überleben kann das kleine Säugetier auch im Süßwasser prima. (…) In Finnland gebe es sogar Süßwasserseen, in denen die Robben leben und sich vermehren. Auch im Rhein wäre das möglich, so Bahr.” (Der Westen)

2
Ausführlich mit der Duisburger Möwenpopulation beschäftigt sich ein schöner Artikel in Der Westen. Die Möwen, eigentlich Küstenvögel, sorgten in Duisburg für Urlaubsstimmung, heißt es in der Überschrift. Mehrere tausend Möwen, darunter Lach-, Silber-, Herings- und Sturmmöwen, lebten in der Stadt, allerdings seien sie “nicht mehr so stark vertreten wie noch in den 1960er und 1970er Jahren. Damals gab es reichlich offene Mülldeponien, auf denen sich die Tiere wohlfühlten und vermehrten”. Bei den Vögeln handele es sich um echte Duisburger: “Die meisten Möwen überwintern in Duisburg, sind also wirklich heimisch. Kein Wunder: Als Allesfresser finden sie selbst bei Eis und Schnee noch ausreichend Futter. An Rhein und Ruhr betätigen sie sich als „Fischer“ oder sammeln Krebse und Muscheln ein. Ansonsten plündern sie gerne Abfalleimer und bedienen sich an weggeworfenen Imbissresten der Menschen.”

3
Über die rhein- und somit grenzüberschreitenden Straßenbahnenlinien von Weil am Rhein und Kehl berichtet die Badische Zeitung: “Die beiden einzigen grenzüberschreitenden Straßenbahnlinien Richtung Deutschland wird es in Südbaden geben: in Weil am Rhein und in Kehl über den Rhein. Und solche sinnvolle Nahverkehrsprojekte haben nicht nur politische und finanzielle Hürden, sondern auch verkehrstechnische und rechtliche. In Deutschland ist die “BO Strab”, die Straßenbahn-Bau- und Betriebsordnung, maßgebend. Verlangt wird ein Betriebsleiter, auch wenn die Strecke auf deutscher Seite nur 1,6 Kilometer wie in Weil oder gar nur 600 Meter wie in Kehl im ersten Abschnitt lang ist.” Sieben Jahre lang habe ein deutscher Ingenieur in Weil die entsprechenden Bestimmungen der Schweiz und Deutschlands aufeinander angepaßt: “Das begann mit den grünen Fahrzeugen der Basler Verkehrsbetriebe (BVB), die in der Schweiz weder Bremslichter noch Warnblinker haben und für den Verkehr auf der Linie 8 nach Baden entsprechend ausgerüstet werden mussten. Weil “das Tram”, wie die Schweizer sagen, in den Nachbarländern grundsätzlich Vorfahrt hat, in Deutschland aber nicht, wurden die Kreuzungen mit dem Autoverkehr mit Signalanlagen und Andreaskreuzen ausgestattet.”

4
Auf ein Boot im Rhein wurden am 21. Oktober Passagiere der Kölner Seilbahn nach einer technischen Panne abgeseilt. Der Spiegel weiß: “In Köln sind (…) mehrere Gondeln der Seilbahn stehen geblieben, die den Fluss überquert. In einer der blockierten Kabinen saß seit dem späten Nachmittag eine Familie mit einem Säugling, die mehreren Medienberichten zufolge am späten Abend gerettet wurde: Als Erste erreichten ein Säugling und sein Vater ein Rettungsboot auf dem Rhein (…) Aus einer weiteren Gondel konnten der Feuerwehr zufolge (…) zwei Amerikaner von Höhenrettern in Sicherheit gebracht werden, auch sie wurden abgeseilt. Starker Wind und die Dunkelheit erschwerten die Rettungsarbeiten. Techniker des Seilbahnbetreibers und Feuerwehrleute versuchen, die über dem Fluss hängende Gondel wieder in Gang zu bekommen, um sie dann manuell an eine Station am rechtsrheinischen Ufer ziehen zu können.”

5
Zahlreiche informativ und flüssig geschriebene Artikel zu diversen Rheinthemen bietet seit einigen Monaten die Rheinische Post. Über den Beruf des Wasserschutzpolizisten schreibt das Blatt: “Wer die Ausbildung hinter sich hat, muss mindestens fünf Jahre an Land Dienst getan haben, bevor er in NRW aufs Wasser darf. Und dort geht dann das Lernen wieder los. Mindestens drei Jahre dauert die Weiterbildung, zu der auch das Rheinpatent gehört. 16 Mal sind Dausch (ein interviewter Polizist; Anm. rheinsein) und seine Kollegen dafür zwischen Koblenz und dem offenen Meer hin- und hergefahren – das schreibt das Gesetz innerhalb von zehn Jahren vor. Mal eben aus Düsseldorf nach Konstanz zu wechseln, ist für einen Wasserschutzpolizisten deshalb nicht drin. Er müsste dann zuerst noch sein Rheinpatent für den oberen Rheinabschnitt machen. Regelmäßig gehen die Wasserschutzpolizisten übrigens auch in die Luft: Als Gewässeraufsicht kontrollieren sie den Rhein vom Hubschrauber aus auf Verschmutzungen. Werden Verunreinigungen festgestellt, suchen die Polizisten den ganzen Rhein nach dem Verursacher ab – meistens mit Erfolg. “Fahrerflucht ist auf dem Rhein ein eher seltenes Delikt.”" Daß der Rhein zum Badesee verkomme, zitiert derselbe Artikel einen Binnenschiffer und listet einige neuere Verkehrsmittel sowie -regeln auf: “Jachten, Sportboote, Wasserskifahrer, Segler und sogar Surfer sind auf dem Rhein unterwegs. Erlaubt ist fast alles – streng verboten ist Kitesurfen – aber nicht überall. Gesetzliche Verordnungen über den Freizeitverkehr gab es schon lange, seit einigen Jahren werden es mehr; 1995 etwa kam die Wassermotorrad (=Jetski)-Verordnung dazu, seit 2000 ist eine für Rib-Boote (motorisierte Schlauchboote mit festem Rumpf) notwendig geworden. Sie alle müssen sich an Regeln halten, von denen die erste lautet: Die Großschifffahrt hat Vorrang. Bei den kleineren Gefährten gilt “Windkraft vor Motorkraft”, und was die Schnelligkeit angeht, gibt es kein Limit. Nur der Wellenschlag, den ein Wasserfahrzeug erzeugt, darf nicht so stark sein, dass er andere beeinträchtigt.”

6
Den mysteriösen Todesfall eines 19-Jährigen Bonners rekonstruiert in ungewöhnlicher Ausführlichkeit der General-Anzeiger. Demnach hatten die Eltern den jungen Mann vor rund einem Jahr bei einem Schulfreund in Mehlem abgesetzt: “Der hatte Geburtstag und wollte daheim mit den alten Freunden des Abiturjahrgangs ein bisschen feiern. Später fuhr die zehnköpfige Geburtstagsgesellschaft mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Bad Honnef, um in der Diskothek “Rheinsubstanz” in unmittelbarer Nähe der Endhaltestelle der Stadtbahnlinie 66 weiter zu feiern. 16 Tage später (…) teilte die Polizei den Eltern mit, dass die Leiche ihres Sohnes im Rhein gefunden wurde. Gut 50 Kilometer flussabwärts, in Stammheim im Nordosten Kölns.” Die journalistische Rekonstruktion des Todesabends wirft Ungereimtheiten in der polizeilichen Ermittlungsarbeit auf und läßt zahlreiche Fragen unbeantwortet. Die Polizei geht bis heute von Suizid aus, während die journalistische Aufarbeitung des Falls auf ein Verbrechen weisen könnte.

Mitten durch fließt der Rhein, und man sieht ihn fließen

(…) Es hangt dieses Städtchen an einem ziemlich steilen Hügel am Bodensee , und ist für izt der Sitz und die gewöhnliche Wohnung des Bischofes von Costanz. Die Lage ist überaus angenehm, wiewohl fast kein ebnes Flecken im ganzen Stadtchen ist. Man sieht hier einen Thurm, der vom Könige Dagobert als ein Leuchtethurm vom Hafen des Sees soll gebauet worden seyn. Ich hielt mich nicht lange dabey auf, sondern fuhr über den See gerade der Stadt Costanz zu. Ich sage Ihnen: diese Gegend mag wohl eine der angenehmsten Gegenden in der Welt seyn. Vor sich hat man einen sechs bis sieben Meilen langen Spiegel vom Gewässer. Rings herum sind die angenehmsten Hügel, die allenthalben mit Städten, Dörfern, Schlößern und Kirchen besitzt sind. Mitten durch fließt der Rhein, und man sieht ihn fließen. Rückwärts ragen die schweizerischen Gebirge herüber, die doch noch so ziemlich leidlich sind. Wann Sie zu Costanz oder Costniz ankommen, so können Sie Sich einige Merkwürdigkeiten voll der berühmten Kirchenversammlung zeigen lassen, die allhier vom Jahr 1414. bis 1418. gehalten worden. Sie können noch die Gastherberg der vornehmsten Häupter sehen, die gegenwärtig waren, wie auch die Oerter der gehaltenen Zusammenkünfte sowohl der besondern, als der allgemeinen Versammlung und des geschlossenen Zimmers, in welchem Otto von Colonna zum Pabste erwählet worden. Man kann Ihnen auch die Wohnung und den Ort zeigen, an welchem Johann Huß offentlich abgesetzet, und den Platz, wo er verbrannt worden. Von Costanz können Sie aus dem Rheine zwischen lauter Weinbergen sehr bequem nach Schafhausen, und von Schafhausen wiederum auf der Post nach Zürch kommen. (…)

(Heinrich Brauns Briefe, Augsburg 1768)

Riesbeck über den Bodensee und seine Anwohner

“(…) Beim Anblick des Bodensees war ich würklich entzückt. Ich will keine dichterische Beschreibung dieses herrlichen Anblicks versuchen. Das hieße, das größte mannigfaltige und lebhafteste Gemälde dir mit einem Gesudel von Kohlen vorzeichnen wollen. Ich will dir nur meine philosophischen politischen Beobachtungen über die Gegend und die Bewohner derselben mitteilen; denn was meine Gefühle betrifft, so weißt du, daß ich in Beschreibung derselben sehr unglücklich bin.
Auffallend ist vor allen, daß an diesem großen Gewässer, welches auf eine beträchtliche Strecke die Grenzscheidung zwischen Deutschland und der Schweiz ist, keine einzige Stadt von Bedeutung liegt. Konstanz, die beträchtlichste an den Ufern desselben, zählt kaum 6.000 Einwohner. Sie hat weder eine erhebliche Handlung noch die geringste Manufaktur, da Schaffhausen, St. Gallen, Zürich und einige andere nicht weit entlegene Städte, welche die vorteilhafte Lage nicht haben, sehr blühende Handelsstädte sind. Augenscheinlich ist der Schwabe überhaupt lebhafter und reger von Natur als der Schweizer in den angrenzenden Gegenden, und was das Landvolk betrifft, so bemerkt man sowohl in Rücksicht auf Sittlichkeit als auf Fleiß einen auffallenden Unterscheid zum Vorteil des erstern, da sich hingegen die helvetischen Städte ebenso stark zu ihrem Vorteil vor den schwäbischen in ihrer Nachbarschaft auszeichnen.
In Konstanz wird man stark versucht, den Mangel an Kunstfleiß, die Vernachlässigung der Vorteile, welche die Natur darbietet, und die herrschende Liederlichkeit der Religion zur Last zu legen. Schon im Elsaß und in dem untern Schwaben fand ich unter den Protestanten mehr Gewerbgeist als unter den Katholiken. Die Feiertäge, das häufige Kirchengehn, das Wallfahrten, die Möncherei und dergleichen mehr tragen viel, und noch viel mehr die übertriebenen Lehren von Verachtung zeitlicher Dinge und von Erwartung einer wundertätigen Unterhaltung von Gott, die Leichtigkeit, in Klöstern und der Kirche Versorgung zu finden, und die Eingeschränktheit der Begriffe, die man zum Behuf seines Glaubens bei einem Katholiken im Vergleich mit dem Protestanten voraussetzen muß, dazu bei. Unter dem großen Haufen der Bauern beider hier zusammengrenzender Völker gleicht sich das durch die natürliche Schwerfälligkeit und Wildheit des reformierten Schweizers, worüber ich dir mit der Zeit in meinen Briefen über die Schweiz Erläuterung geben werde, ziemlich zum Vorteil des Schwaben ab. Aber in den Städten machen die mehrern Kirchen und Klöster nebst obigen Ursachen auf Seite der Katholiken und die große Aufklärung auf Seite der reformierten Schweizer einigen Unterscheid, welcher aber noch außer der Religion durch eine Menge andre Ursachen unendlich vergrößert wird. (…)
Ein anderes Hindernis für den Kunstfleiß in diesen Gegenden ist der dumme, lächerliche Stolz des Adels. Während daß die Kaufleute und Fabrikanten in den benachbarten Städten Helvetiens Regenten sind, blickt der Domherr in Konstanz mit Verachtung auf den Bürger herab, der sein Vermögen nicht seiner zweifelhaften Geburt, sondern seinem Verstand und Fleiß zu verdanken hat, und bläht sich mit dem Register seiner sechzehn stiftmäßigen Ahnen, welches er beim Antritt seiner Pfründe beweisen muß, ohne zu bedenken, daß er vielleicht von einem Lakaien, Jäger oder Stallknecht in die Familie unterschoben worden. Auf den Bürger macht das einen sehr schädlichen Eindruck. Anstatt sein Kapital durch seinen Fleiß zu vergrößern, kauft er sich Titel oder Güter, sucht dem Herrn Baron ähnlich zu werden und verhöhnt dann mit noch viel erbärmlicherem Stolz seine Mitbürger.
Nebst dem trägt die sparsame Lebensart des Schweizer Bürgers sehr viel zur Aufnahme seiner Manufakturen bei. Das alltägliche Essen eines etwas bemittelten Einwohners von Konstanz wäre für einen von St. Gallen ein festlicher Schmaus. Aber freilich ist das zugleich auch die Ursache, warum der Schwabe einen bessern Humor hat als der Schweizer. (…)
Der Bischof residiert zu Meersburg, einem kleinen Städtchen an dem entgegengesetzten Ufer des Sees, und hat ohngefähr 70.000 Gulden Einkünfte. Er besitzt sehr ansehnliche Güter auf helvetischem Boden. Die übrigen nennenswürdigen Orte auf der deutschen Seite sind: Überlingen und Lindau, worin man die Spießbürgerei im größten Glanz sieht.
Die helvetische Küste dieses kleinen Meeres ist scheinbarer als die deutsche. Die schöne Mischung der nah gelegenen, zum Teil mit Weinstöcken bepflanzten Hügel, die zerstreute Lage der Bauernhöfe mit ihren vielen Fruchtbäumen umher und die kleinen Partien von all den vielen Arten des Feldbaues geben derselben ein um so lebhafteres Ansehen, da die schwäbischen Dörfer enge wie die Städte zusammengebaut sind und oft ein großes Getreidefeld oder weitläuftige Wiesengründe um sich her beherrschen. Im ganzen, glaube ich, sind beide Ufer nach dem Verhältnis gleich stark bewohnt. Das helvetische ist steinichter und von schwererem Boden als das deutsche, und obschon das Thurgau unter die besten Gegenden der Schweiz gehört, so muß es doch einen guten Teil seines ersten Bedürfnisses, des nötigen Getreides, aus Schwaben beziehen, wogegen es etwas Wein und Obst vertauscht.
In Holland denkt man wohl wenig daran, was man dem Bodensee zu verdanken hat. Kaum kann man jetzt sich daselbst des Sandes erwehren, welcher durch die Aare und verschiedene andere Flüsse aus den Alpen in den Rhein geschwemmt wird, die Mündungen dieses Stroms zu verstopfen droht und durch die großen Bänke, die er schon weit über seinem Ausfluß ansetzt, in diesem tiefen Lande mit der Zeit gewaltsame Revolutionen erwarten läßt. Wenn nicht in diesem ungeheuren Behältnis die ungleich größere Menge des Sandes aufgefangen würde, welche durch den reißenden Rheinstrom aus dem hohen Bündnerlande herabgespült wird, so läge jetzt schon Holland unter neuem Sand begraben, und die gehemmten Ausflüsse des Rheines hätten dem Lande schon lange eine ganz andere Gestalt gegeben. Es ist wahr, diese Veränderung muß ohnehin mit der Zeit notwendig erfolgen. So beträchtlich auch die Tiefe dieses Sees ist, denn an einigen Orten beträgt sie dreihundert Klafter, so muß er doch endlich und um so eher ausgefüllt werden, da der Strom von seinem Ausfluß bei Konstanz an, durch die höheren Gegenden Deutschlandes, immer sein Bette tiefer gräbt und der See also ebensoviel Wasser verliert, als er Sand gewinnt. Aber wenn man bedenkt, was ein so großer Umfang, wie der des Sees, fassen kann, wenn man seinen Inhalt, wie della Torre jenen des Vesuvs, berechnet, so haben sich die Holländer noch freilich durch viele Generationen zu trösten; und wenn der jüngste Tag so schnell kömmt, als er von den erleuchtesten unserer Theologen angekündigt wird, so ist diese Berechnung vollends überflüssig. (…)
Noch muß ich dich, ehe ich von Konstanz abgehe, eines Mannes erinnern, der vor einigen Jahren in den Zeitungen soviel Lärmen machte. In dieser Gegend fing der berüchtigte Gaßner, welcher in kurzer Zeit einige Millionen Teufel austrieb und einige hundert Gläubige heilte, sein Spiel an. Der Bischof von Konstanz verbat sich solche Wunder in seinem Sprengel, und nun flüchtete sich der Mann unter den Schutz des Prälaten von Salmannsweiler, der sich immer mit schwerem Gelde die Exemtion von der bischöflichen Gewalt vom Papst erkauft. Aus Eifersucht auf den Herrn Bischof nahm der Prälat die Partei des Flüchtlings mit aller Hitze, und nun war sein Glück durch seine Verfolgung gemacht. Der Ökonom der Prälatur fournierte ihm einige Fässer verdorbenes Öl und ähnliche Sachen, die Gaßner zur Heilung der Menschen weihte und wobei der erstere seine Rechnung fand. Ich teile dir diese Anekdote mit, weil ich sie von guter Hand habe, sie wenig bekannt ist und ich dir ein neues Beispiel geben kann, daß Mahomet und alle Propheten seiner Art ihren Ruhm der Hitze ihrer Verfolger und Patronen, die oft mit dem Prophetentum dieser Männer in gar keiner Verbindung steht, zu verdanken haben. Lebe wohl.”

Johann Kaspar Riesbeck: Briefe eines reisenden Franzosen über Deutschland an seinen Bruder in Paris (anonym verfaßt), 1783

Der Rhein hat seinen vrsprunng in dem sybenden berg auff eim allerhoehsten gipffel des gepirgs

Bey erklerung der gelegenheit vnd pildnus Germanie oder Teuetscher nation hernach entworffen ist zemercken der spruch Strabonis also sagende. Die Teuetschen der Gallischen nation nachfolgende sind gerads leibs vnd weysser oder roeßleter farb. vnd in andern dingen an gestalt. geperde vnd sytten den Gallischen gleich. darumb haben inen die roemer disen namen billich gegeben do sye sie brueder der Gallier nennen wolten. dann nach roemischer rede haißen die Teuetschen Germani das ist souil als eelich oder recht brueedere. Nw ist Germania oder Teuetsche nation von den alten gschihtbschreibern vil versawmbt. dann dermals waren ire innere vnd haymliche gegent oder zugeng mit wasserfluessen verhindert. der welde vnd see halben vnwegsam in grobem hirttischem sytten vnd nyndert denn an beruembten namhaftigen fluessen erpawt. Aber nach hinlegunng der abgoettereischen anbettung vnd nach annemung cristenlichs wesens ist dise teuetsch nation zuechtiger worden vnd zu grosser auffung komen. Sie ist gar prayt vomb auffgang. Das Polnisch vnd nyderhungerisch land von mittemtag. das Algew oder gepirg. vom nydergang die Gallier. gegen mitternacht das Teuetsch meer habende. In Germania sind gantzer Europe die beruembtisten fluess der Rhein. die Thonaw. die Elbe vnd andere vnzallich vnd gedechtnuswirdig. Der Rhein hat seinen vrsprunng in dem sybenden berg auff eim allerhoehsten gipffel des gepirgs. in des nehe entspringen die fluess Rhodanus. die Lyonische vnd Narbonensischen gallischen gegent. vnd Padus oder der pfat Welschßland befeuechtigende. Tranus. der bey Papiaz einflewßt. Die Etsch die durch das Trientisch vnnd Bernnisch land zu letst in das Adriatisch meer rynnet. aber der Rhein fleueßt gegen mitternacht mit girigem lawff durch die tale vnd gehe perg. vnd so er durch die Curiensischen landschaft komt so wirdt er schiffreich. Alßpald darnach macht er zwen see (die man bodensee vnd zellersee nennt) die statt Constentz in dem mittel lassende. vnd fueroan mit widerwendigem vmbreyssen der gestadt von manchen spitzigen gehen felsen der berg gezwenngt ershröckenlich sawßende vnd seine gestadt stettigclich außhoelerende. vnd rynnet dann fuerohin durch Basel. die ime widersteende gestadt hynreyssende vnd newe genng mit grossem schaden der anwoner suchende. vnd fuer Straßburg Speyr Wurms Mayntz Coblentz vnd Coelne die edeln stett Teuetscher nation fließende. mit auffnemung in sich vil schiffreicher fluess. als des Mayns Neckers Lymag Musel Masa vnd andrer. vnd geueßt sich dann auß on vil oerttern in das Teuetsch meer innseln machende. dero ettlich von den Friesen. ettlich von den Gellrischen. ettlich von den Hollendern bewonet werden. Zumb andern ereueget sich die Thonaw der beruembtist fluss Europe. entspringt auß dem Arnobischen berg bey anfanng des Schwartzwalds in eim dorff Doneschingen genant. vnd fleueßt vom nydergang gein dem orient oder aufgang erstlich auff zwu tagrayss bis gein Vlme langksamm. alda mit der Plaw. yler vnd andern flueßen gesterckt wirdt sie schiffreich vnd rynnet von dannen hin durch vil land vnd neben vil stetten mit vberschwencklicher auffung der wasser. Sechtzig des mereren tayls schifreiche fluess in sich nemende. Zu letst an sechs grossen oerttern in das Euximsch meer. Zum dritten begegnet die Elbe entspringende in den bergen die Schlesier land von Beheim tayln. Die fleueßt mit der Multa durch Behmer land von dannen durch den Behmischen wald. fueroan durch Meichßen Maydeburg vnd andere stett der Marck vnd des Sechsischen lannds bis hinab bey Hamburg in das Teuetsch meer. Sunst sind andere namhaftige fluess der ich hie von der kuertze wegen geschweigen wil. Zum vierden erscheint ein wald Hercinia genat. den hewtbytag bey anfanng vnnd vrsprunng der Thonaw die vmbsessen daselbst den Schwartz waldt nennen. Der ist (als Pomponius mella setzt) sechtzig tagrays lang vnd grosser vnd bekantter denn andere weld. vnd hat mancherlay namen. auch vil est. hoerner vnd außstreckung. den die innlender andere vnd andere namen geben. dann von anfang seins vrsprungs bis zu dem Necker behelt er den namen Schwartzwald. vnnd vom Necker bis an den Mayn haißt er Ottenwald. aber vom Mayn bis an den fluss Lonam bey Coblentz Westerwaldt. Darnach wendet er sich gegen dem orient vnd taylt Franckenland von Hessen vnd Thueringen. vnd darnach thut er sich in der mittel wider auff vnd vmbrinnget zirckels weyse das Behmisch land vnd strecket sich fueran in dem Merherrischem gepirg durch mittel der Hungern auff der rechten vnd der Poln auff der lingken seyten bis zu dem Dacischen vnd Getischen volck ye andere vnd andere namen empfahende. Nw ist Germania gar ein grosse gegent europe. die dann auß nachpawrschaft vnd geselschaft der roemer vnd auch mit dem heilligen glawben zu senftmueetigkeit vnd guotsyttigkeit gebracht worden ist. Germania ist ein edle gegent vornemlich da sie mit fluessen befeuechtigt wirdt. dann alda ist grosse vnd selige wolluestigkeit. gemassigter luft. fruchtpere felldung. wunnsame berg. dicke welde vnd allerlay getrayds vberflussigkeit. weinrebtragende puehel. gnuogsammkeit der fluess vnnd prunnen die gantzen gegent durchgießende. allenthalben mit hanttirungen vnd kawffhandlungen mechtig. den gesten guot. den bittenden senftmueetig vnnd an synnschicklichkeiten. syttlichkeit. kreften vnnd mannen zuuoran in kriegs sachen keiner nation weichende. Sie weicht auch an reichthuemern aller metall keinem ertreich. dann alle Welsche Gallische Hispanische vnd andere nation haben schier alles silber auß den Teuetschen kawflewten. Dise Teuetsch nation vermag allain on eueßere hilff souil manschaft zu roß vnd zu fueß das sie eueßern nationen leichtigclich widersteen mag. Mer grosse treffenliche ding weren zesagen von dem cristenlichen wesen. gerechtigkeit. glawben vnd trew die ich doch von kuertze wegen fuergeen muoß.

(Schedel’sche Weltchronik von 1493)

Gregorovius über Konstanz

Konstanz, 25. Juli
Gestern nach Konstanz. Ich stieg ab in Hohentwiel, um jenen isolierten Berg nebst Burg zu sehen. Der schlechte Bau der Feste ist vielleicht aus Huttens Zeit, der hier im Exil lebte. Der Berg, ein häßlich unförmlicher Kegel von Basalt, bietet eine weite und schöne Aussicht dar. Alles Land ist hier katholisch.
Im Regen weiter nach Konstanz, wo ich um 4 Uhr nachmittags eintraf. Die Stadt liegt schön am See, der eine große und träumerische Fläche darbietet. Pappeln und andere Bäume umher; altdeutsche Bauart, oft häßlich; dann Häuser wie aus Papier. Ich sah den Konziliensaal, wo Martin V. gewählt wurde. Der Saal ganz modern, von Holz, zeigte noch seine Zurüstung zum Einweihungsfest der badischen Seebahn. Wappen badischer und schweizerischer Städte an den Wänden. Oben bewahrt das Museum einige auf Huß und noch ältere Epochen bezügliche Antiquitäten. Zwei kindische Wachspuppen stellen Huß und Hieronymus dar. Alte Schilde von Kreuzfahrern, sehenswert; einige historische Porträts; römische Altertümer, Bronzen, Münzen; heidnische Idole der Konstanzer Vorzeit. Einige alte Drucke; das Meßbuch Martins V.; der Sessel, in dem beim Konzil der Kaiser Sigismund gesessen.
Im Brühl vor der Stadt bezeichnet ein im Jahr 1862 gesetzter Stein die Ruhestätte des Huß. Das Denkmal ist gut und passend; zuerst ein Steinhaufen, umschlungen von Efeu, darüber ein kolossaler Block, worauf nur der Name Johannes Huß, gestorben 6. (14.) Juli 1415; auf der andern Seite in gleicher Weise die Erinnerung an Hieronymus von Prag.

(Ferdinand Gregorovius: Römische Tagebücher. Auszüge 1852-1889. Kapitel 13)

Gregorovius am Rheinfall

Hotel Witrig, Dachsen, am Rheinfall, 23. Juli
Am 16. von Luzern nach Basel. Von Olten ab waren die Bahnhöfe wegen des Schützenfests in La Chauxdefonds mit Emblemen und Nationalfahnen verziert. Ich sah auch den deutschen Reichsadler und die deutschen Farben an jeder Station, zur Begrüßung der deutschen Schützen. Eine Inschrift sagte irgendwo: Freiheit den Völkern und ihrem Verkehr, Keine Despoten und Zollschranken mehr. Abends in Basel. Ich ging zum Münster hinauf, welches noch einige Teile romanischen Stils besitzt. Das Museum daselbst bewahrt Andenken an Erasmus, Überreste von Holbeins Totentanz, Fresken aus der ehemaligen Franziskanerkirche. Die Schweizer haben einen besonderen Sinn für diese tristen Gegenstände.
In mehreren Kirchen hier zu Lande sah ich die Heiligen als Gerippe über den Altären sitzen, in prachtvolle goldgestickte Gewänder gehüllt.
Nichts Sehenswertes sonst in dieser grauen, monotonen Stadt.
Am 17. auf der neuen badischen Eisenbahn, über Waldshut, nach dem Rheinfall beim Schloß Lauffen.
Ich wollte weiter nach Konstanz; aber die Einsamkeit der Station Dachsen reizte mich. Ich blieb diese Tage über hier, zehn Minuten vom Rheinfall, eine halbe Stunde von Schaffhausen entfernt. Nach dieser Stadt gehe ich in der Regel morgens. Sie liegt sehr schön am Rhein, in Laub und Weinreben. Die Statue Johannes von Müllers ist oben auf dem Spaziergang aufgestellt, in einer parkartigen Anlage. Sehenswert ist der Munoth, ein Kastell aus Saeculum XVI, ein Rundturm, wie jener der Caecilia Metella und vielleicht nach ihrem Muster gebaut.
Gestern ging ich über den Rhein in das Badische, nach Rheinau, ein altes, von den ersten Welfen gegründetes Benediktinerkloster, welches die Züricher Regierung im vorigen Jahr aufgehoben hat. Nur zehn Mönche sind hier übrig geblieben, Elentiere oder Elendtiere einer aussterbenden Zivilisation.
Die Schweiz bietet im Sommer den Anblick eines ewigen Festes dar; alle Welt ist auf Vergnügungsreisen. Hierher kommen täglich Hunderte, den Rheinfall zu sehen; ganze Schulen reisen; vorgestern hielt eine wandernde Schule, 380 Mädchen und Knaben, ein Fest. Sie singen nicht, sie johlen oder brüllen; sie schmausen nicht, sie verschlingen. Gestern kamen die Züricher Eisenbahnbeamten und Arbeiter, 400 Mann stark, anjubiliert.
Täglich brausen an mein Fenster zehn Bahnzüge heran.
Ich habe hier acht Tage schöner Ruhe verlebt. Acht lyrische Gedichte sind die Frucht davon. Der Rhein, die Rebenberge, die friedlichen Dörfer und ihre freundlichen Menschen, all dies versetzte mein Gemüt in eine dichterische Stimmung.

(Ferdinand Gregorovius: Römische Tagebücher. Auszüge 1852-1889)

Rheinzitat (20)

“Wenn der Neckar durch Konstanz fließt, fällt der Rhein aus dem Bett.” (Aus der Ankündigung einer Lesung von Jan Bürger aus seinem Buch “Der Neckar” in Konstanz)

Rijndoorst: Sonderausgabe der DW B über den Rhein aus flämisch-niederländischer Sicht

Die Dietsche Warande & Belfort (DW B) erscheint heuer im 158. (!) Jahrgang und ist somit die älteste noch existierende Literaturzeitschrift in niederländischer Sprache. Ob die DW B sich in ihrer langen Geschichte bereits gesondert dem Rhein gewidmet hat, ist uns nicht bekannt. Diesen Oktober erschien mit “Rijndorst” eine Themenausgabe, in der sich belgische, britische und niederländische AutorInnen (sowie rheinsein als deutscher Beiträger) mit rheinischer Geschichte und Gegenwart beschäftigen.

Herausgeber Bas Groes analysiert im Vorwort „Mythologieën van verlies: de Rijn in de eenentwintigste eeuw“ die Rolle des Stroms als europäisches Symbol in Zeiten der „Ökonomisierung, Banalisierung, Balkanisierung und Trivialisierung des kulturellen Erbguts“, stellt Vergleiche mit der Themse an und zieht, mit den AutorInnen der Ausgabe, den Bogen von der rheinischen Sagenwelt um Wagners Rheintöchter bis in die heutige, auf neoliberalistischem Dung gedeihende Gesellschaft.

B. Zwaal schickt einen Wassertropfen aus dem Reno di Lei auf lyrisch-lakonische Reisen. Der „druppel“ „loreleyt niet“, „nibelingt niet“ und verliert sich schließlich Richtung Themse in einem Deltageäder, das bis Calais im nördlichen Süden und in ein Wolgalied im tiefen Osten reicht.

Den Wasserwegen auf Höhe der Merwede widmet Jan van Mersbergen zusammenhängende Miniaturen: „Met de kano peddelde ik over hele grote bladeren die als eilanden in het water lagen. Ik dacht aan de poster die vroeger in mijn kamer an de muur hing. Er stond en doorsnede op van een Hollandse sloot. Met vissen, planten, kleine beestjes. De sloot op de poster leek helemaal vol leven te zitten. Dat kende ik niet, want in de sloten bij ons in de polder leek vooral kroos te groeien. Er zat wel wat vis, kleine visjes, maar dat was het wel. Ik voer ook langs mooie wite waterbloemen. Later heb ik opgezocht hoe ze heten. Ik voer naar het kanaal. Daar tilde ik de kano van het riviertje in het kanaal, bij het betonnen aquaduct. Ik peddelde het recht uitgegraven kanaal uit. Gegraven door machines, hoopte ik, want ik had wel eens gehoord dat werklozen ingezet werden om kanalen te graven en de klei is hier zwaar en na een paar steken zit je hier op het grondwater en dan loopt ieder gat vol en wordt het noog zwaarder. De bruggen hebben gele relingen hier. Betonnen bruggen met asfalt erop. Het geel steekt af tegen de lucht, vanaf het water gezien, en tegen het gras en het water als je op de weg staat. Ik rookte een sjekkie, zittend op die reling.“

Atte Jongstra schickt, frei nach Jan Frederik Helmers, ein Selbstportrait des Rheins „vol liefde“ auf den Weg, verknüpft in seinen Zeilen die Vatereigenschaften des Stroms mit der Loreley mit der Unbefleckten von Lobith mit den schönen Dünen Katwijks, um hernach Joep Leerssens kurze Geschichte der niederländisch-belgischen Rheindichtung (und worin sie sich von der deutschen abhebt) zu skizzieren.

In „Drijfijs“ treibt Miek Zwamborn auf Zeitreise durch Europa, meist entlang des Rheins, läßt sich von getrockneten Blüten und alten Burgen leiten, schlägt mit Franz Reichelt und seinem unzureichenden Fallschirm bei seinem Todessprung vom Eiffelturm ein 14 Zentimeter tiefes Loch in den gefrorenen Boden von Paris und läßt uns am Konstanzer Wasserwunder teilhaben, als der Rhein eines Vormittags rückwärts floss.

In Düsseldorfer Rheinszenarien versetzt uns John Worthen, der Robert Schumanns letzte Tage auf Erden beschreibt, inklusive seines gescheiterten Selbsttötungsversuchs im eiskalten Strom, bevor sechs unserer Liechtenstein-Sonette aus Das Lachen der Hühner, in niederländischer Übertragung von Lucas Hüsgen, den Rheinschwerpunkt beschließen.

Die DW B hat eine schöne Website, die nebst Leseproben aus “Rijndorst” auch die üblichen Bestellmöglichkeiten bietet.