Presserückschau (April 2017)

1
Blick in den Himmel
“Auf drei „Himmelsliegen“ bequem Platz nehmen und den Blick zum Himmel oder über den Rhein richten können Spaziergänger neuerdings am Skulpturenweg in der Schmittenau. Die im Übergangsgebiet zwischen Rhein-Camping und VfB-Platz erhöht über dem Rheinufer stehenden Liegen sind ein weiteres Teil des Projekts „Perlen an Rhein und Wutach“, mit dem das Stadtplanungsamt Punkte in den Blick der Öffentlichkeit rückt, welche die städtischen Freiräume besonders prägen.

2
Fleischschmuggel in der Tram
“Nicht nur auf die Autofahrer, die nach dem Einkauf in Weil am Rhein und Umgebung zurück in die Schweiz fahren, werfen die Grenzwächter ein besonderes Auge, sondern auch auf die Fahrgäste in der Straßenbahn auf der grenzüberschreitenden Tramlinie 8. Dies verdeutlicht Patrick Gantenbein, Informationsbeauftragter der Grenzwachtregion I in Basel (…). Ja, es ist leider so, dass (…) regelmäßig versucht wird, Waren vom Ausland an der Schweizer Grenzwache vorbei nach Basel zu bringen, ohne die entsprechende korrekte Zollabfertigung zu machen. Die Bandbreite der Schmuggler ist dabei wirklich groß. Die setzt sich zusammen aus Schweizer und in der Schweiz wohnenden Ausländern, aus Frauen und Männern aus allen sozialen Schichten und aus allen Altersgruppen. (…) Bei unseren Kontrollen ertappen wir regelmäßig Schmuggler in der Tramlinie 8. (…) Da werden schon mal mehrere Kilogramm Fleisch in einem Einkaufstrolly verstaut und versucht, diese unverzollt über die Grenze bringen. (…)” (Weiler Zeitung)

3
Deutsch-französische Tram
“Zu den Klängen der Europahymne haben die Grenzstädte Straßburg und Kehl am Rhein ihre gemeinsame Tram gestartet. Es sei heute, wo Europa in Frage gestellt wird, wichtiger denn je, starke Signale zu geben, sagte Kanzleramtsminister Peter Altmaier auf Französisch vor der Jungfernfahrt. Er betonte, dass man trotz der wegen der Flüchtlingskrise wieder eingeführten Grenzkontrollen den Grundsatz offener Grenzen verteidigen müsse.” (Südost-News)

4
Atomkatastrofenprofylaxe
“In Belgien ist es keine Frage. Dort wird bereits an einem Plan gearbeitet, Jodtabletten prophylaktisch zu verteilen. Dies ist eine Sicherheitsvorkehrung, denn die Angst vor einem nuklearen Unfall im maroden Atomkraftwerk Tihange bei Lüttich wächst. Aber nicht nur der belgischen Bevölkerung ist mulmig. Auch im deutsch-belgischen Grenzgebiet werden Katastrophenszenarien erörtert und Vorsorgepläne geschmiedet. Im Zentrum steht dabei derzeit die Verteilung von Kaliumiodidtabletten, im Volksmund schlicht Jodtabletten genannt. Alle Umland-Kreise, die Stadt Aachen, die Städteregion, die Kreise Düren, Euskirchen und Heinsberg beabsichtigen, die Tabletten schon vor einem möglichen Unfall an die Bevölkerung auszugeben.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

5
Bonner Blubbern
“Es plätschert und blubbert mitten im Rhein. Am (…) Ostersonntag war vom Rheinufer aus auf Höhe des Kameha Grand Hotels ein rätselhaftes Phänomen zu beobachten. Fast sieht es so aus, als hätte jemand den Stöpsel im Rheinbett gezogen. 8…) War etwa der weiße Beluga-Wal zurückgekehrt, der sich am 18. Mai 1966 im Rhein verirrt hatte und auf den Namen Moby Dick getauft wurde? Versteckt sich in den Tiefen des Rheinbetts etwa ein Ungeheuer, gar ein ferner Verwandter des Monsters von Loch Ness? Oder gibt es gar ein Gasleck in einer Leitung, die sich unter dem Rhein verbirgt? Des Rätsels Lösung ist glücklicherweise weitaus weniger spektakulär. Nach sorgsamer Recherche erklärt die Stadt, das “Geblubber” werde durch den Ablauf der Kläranlage Bad Godesberg verursacht.” (General-Anzeiger)

6
Schafrettung
“Die Kölner Feuerwehr ist (…) zum Rhein gerufen worden. Ein Schaf stand bis zu den Schultern im Wasser. Es kam nicht mehr allein heraus. (…) Das Schaf hing in Höhe der Westhovener Aue in den Steinen der Uferbefestigung mit einem Bein fest. Es konnte sich laut Feuerwehr nicht selbst befreien und war schwer erschöpft, als die Einsatzkräfte eintrafen. Die Feuerwehrleute retteten das Tier aus seiner misslichen Lage und umwickelten es mit Decken, damit es sich aufwärmen konnte. Der Schäfer nahm es schließlich wieder in Empfang.” (Rheinische Post)

7
Brennendes Auto
“Ein brennendes Auto ist in Köln-Merkenich (…) in den Rhein gerollt und von der Feuerwehr geborgen worden. Ein Schiffskapitän habe beobachtet, wie der Wagen am Hitdorfer Fährweg neben der Zufahrt zur Autofähre Langel ins Wasser gefallen sei (…). Der Vorfall ereignete sich (…) gegen 3.20 Uhr. (…) Das Auto sei bei der Bergung leer gewesen (…). Bei Eintreffen der Rettungskräfte sei ein weiteres Auto weggefahren.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

8
Adenauers letzter Weg
“Die meisten anderen Ereignisse am Sterbeort finden vor den Augen der Rhöndorfer statt – und finden sofort ihre Kanäle in die Weltöffentlichkeit. Vielfach wird etwa beschrieben, wie der Kölner Kardinal Frings vor der Überführung ins Palais Schaumburg am 22. April (1967; Anm.; rheinsein) am Wohnhaus eintrifft, um mit der Familie am Sarg zu beten. Ins Kanzleramt bringt den Toten die einzige Lafette, über die der Bundesgrenzschutz verfügt. Adenauer nimmt denselben Weg wie zu seiner Amtszeit als Kanzler: Königswinter, Dollendorf, mit der Fähre über den Rhein und durch Plittersdorf zum Bundeskanzleramt. Tausende Menschen säumen die Strecke. Schulklassen, Sportvereine, Bergleute stehen Spalier. Schützen bilden unter Trommelwirbel die Ehrenwache an der Einfahrt zum Palais Schaumburg, wo der Leichnam übers Wochenende aufgebahrt und in der Nacht zu Montag über die Autobahn in den Kölner Dom überführt wird. Vor dem Vierungsaltar bleibt der Sarg stehen. Zehntausende Kölner nutzen dort die Gelegenheit, von ihrem Ehrenbürger Abschied zu nehmen.” (General-Anzeiger)

9
Rheintote
“Einsatzkräfte der Feuerwehr haben (…) eine Wasserleiche aus dem Rhein geborgen. Passanten (auf der Kennedybrücke) bemerkten den leblosen Körper im Wasser. (…) Dank eines Kayakfahrers, der ebenfalls auf die Person aufmerksam geworden war und die Fundstelle markierte, konnten Löschboote aus Bonn und Niederkassel den Mann schnell an Land bringen. (…) Vermutlich (…) sei der Tote bereits längere Zeit im Rhein getrieben. Die Polizei ist nun dabei, die Identität der Wasserleiche zu klären.” (General-Anzeiger)

“Die Feuerwehr Köln hat (…) eine Person leblos aus dem Rheinauhafen geborgen worden. Trotz sofortiger Reanimation durch Rettungskräfte und Notarzt starb der Mann noch im Rettungswagen. Ein Zeuge hatte die Feuerwehr alarmiert, nachdem die Person im Wasser verschwunden war. Mehrere Löschfahrzeuge inklusive einer Tauchergruppe, das Lösch- und Rettungsboot sowie der Rettungshubschrauber waren im Einsatz. (…) Ob es sich um einen Suizid oder Leichtsinn handelt, ist nicht bekannt.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

“Eine Leiche ist (…)aus dem Rhein bei Geiswasser (Höhe Niederrimsingen) geborgen worden. Dabei handelt es sich nach Angaben der deutschen Polizei mit großer Wahrscheinlichkeit um den vermissten 36-jährigen Gleitschirmflieger aus Freiburg. Taucher der französischen Polizei haben eine männliche Person vier Kilometer nördlich von Geiswasser auf französischem Hoheitsgebiet im Rheinseitenkanal gefunden. Derzeit klären die französischen Behörden die Identität der Person.” (Badische Zeitung)

“Bei einem Ruder-Ausflug (…) ist ein 69-jähriger Mann in Köln-Stammheim tödlich verünglückt. Der Polizei zufolge wollte das Opfer gegen zehn Uhr in ein Boot einsteigen und mit den Vereinsmitgliedern von „RTHC Bayer Leverkusen“ über den Rhein rudern. Plötzliche Krämpfe führten dazu, dass er ins Wasser stürzte. Eine Kollegin sprang ihm hinterher. Doch erst 50 Meter weiter stromabwärts bekam sie den Ruderer zu fassen. Passanten halfen der Frau den 69-Jährigen ans Ufer zu ziehen. Ein Notarzt wurde per Rettungshubschrauber hinzugerufen. Die Wiederbelebungsversuche durch eine Herzrythmusmassage blieben erfolglos.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

Außerdem war es für uns Deutsche verboten, den Rhein zu befahren

Mit Carl Maassen, meinem Freund, traf ich mich im Düsseldorfer Jachthafen, der nicht weit von unserem Atelier entfernt lag. Sein Vater hatte hier ein großes Hausboot, das er zu einer Buchhandlung auf dem Wasser ausgebaut hatte. Die meisten Schiffe und Segeljachten aber waren durch die Bombenangriffe gesunken. Wir gingen daran, soweit wir das mit unseren Mitteln konnten, die verschiedensten Boote zu heben. Das erste nannten wir Bügeleisen, da der Rumpf dieser Form glich. Einen eisernen Nachen holten wir von einem gesunkenen Raddampfer, der draußen an der Kaimauer lag. An der ganzen Düsseldorfer Rheinfront lagen gesunkene Dampfer und Schleppkähne, die zum Teil aus dem Wasser ragten, besonders im Hochsommer, wenn der Rhein wenig Wasser hatte. Zu dem Hausboot gehörte ein großes eisernes Boot mit schwerem Motor, das wir aus dem Wasser holten und wieder in Betrieb brachten. So hatten wir ein gutes Bergungsschiff.
Carl hatte ein Motorrad, mit dem wir nach Bonn und nach Königswinter fuhren, wo er auf einer kleinen Werft den Rumpf einer Segeljacht, einer Ketsch, liegen hatte. Es war ein schönes Schiff. Leider aber hatten Bombensplitter ein großes Loch in den Rumpf geschlagen und niemand auf der Werft konnte das Schiff wieder in Stand setzen. Außerdem war es für uns Deutsche verboten, den Rhein zu befahren. Auch gab es Sperrstunden und Strafen, wenn man erwischt wurde.
Die Engländer hatten eine Pontonbrücke von Niederkassel mit Anschluß an die Uerdinger Straße gebaut, da wo heute die Nordbrücke über den Rhein führt. Unter der Brücke auf den Pontons und im Wasser lagen und schwammen schöne große Holzbalken. Davon konnte ich einige gebrauchen. In einer dunklen Nacht ruderten wir mit unserem Nachen – um die Ruderblätter hatten wir wegen der Geräusche Lappen gewickelt – vorsichtig an die Brücke heran. Oben patrouillierten Soldaten, wir mußten höllisch aufpassen, um nicht entdeckt zu werden. Vorsichtig holten wir Balken um Balken, banden sie mit Stricken zusammen, und ließen uns mit gestohlener Fracht stromabwärts treiben. Trude und Anneliese standen am Ufer. Wir hatten uns eine Karre besorgt, wuchteten die schweren Balken nach oben und schnell ging es zur Franz-Jürgens-Straße, wo wir sie in unser Atelier brachten. So konnten wir eine Zwischendecke einziehen, da wir Nachwuchs erwarteten und für vier Personen zu wenig Platz war. Bei einem weiteren Seeräuberunternehmen holten wir noch die nötigen Bretter. Alles lief glimpflich ab, und wir konnten mit Hilfe eines Schreiners den Zwischenboden bauen.

Jede freie Minute war ich auf dem Rhein. In der Abenddämmerung ging es hinüber auf die Löricker Seite, wo wir Rhabarber, Kappes oder Möhren klauten. Wir störten uns nicht an der Sperrstunde, es ging ums nackte Überleben. Ich bekam von einem Bekannten ein kleines Radio geschenkt und dankte ihm mit einem Bild. Später wollte er das Gerät zurück haben und schenkte mir eine Segeljolle. Weiß der Himmel, wo er die her hatte, aber es war ein hilfreiches Geschenk. Jetzt konnte ich meine Hamsterfahrten erweitern. Bei günstigem Wind segelte ich rheinabwärts an den Niederrhein, einmal bis nach Xanten. Egal wie das Wetter war, bei Regen und Schneetreiben, machte irgendwo das Boot fest, ging an Land und bettelte oder tauschte bei den großen Bauernhöfen. Aber nicht jeder gab etwas. Oft war ich mit einem Butterbrot und einer Tasse Kaffee zufrieden. Zurück hing ich mich an ein Schleppboot und ließ mich rheinaufwärts bis nach Düsseldorf ziehen. Ich hatte mir eine Zeltbahn über den Großbaum gelegt, ein Zeltdach gebaut und schlief die Hälfte der Fahrt. Wenn mir das Segeln allerdings zu riskant war, unternahm ich meine Hamstertouren per Autostop. Das klappte eigentlich immer recht gut. Die Autofahrer hatten Mitleid, wußten sie doch selbst wie schwer die Zeiten waren und daß der Hunger uns dazu veranlaßte. Es ging ums Überleben. Heute verschwendet man keine Gedanken mehr an diese Zeit.

(aus Hannes Esser: Heute hier und morgen gestern, Düsseldorf 2002)

Presserückschau (März 2016)

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“Eine Panne im umstrittenen Atomkraftwerk Fessenheim im Elsass vor knapp zwei Jahren soll wesentlich dramatischer verlaufen sein als bisher bekannt. Einem Bericht der “Süddeutschen Zeitung” (…) zufolge waren am 9. April 2014 nach einer Überflutung wegen eines Lecks in Block 1 die Steuerstäbe zum Abschalten des Reaktors nicht mehr manövrierfähig. (…) Der Block wurde laut “SZ” erst durch Einleitung von Bor ins Kühlsystem abgeschaltet – ein äußert seltenes Vorgehen. Der Betreiber des Akw, der staatliche französische Stromkonzern EDF, hatte zwar von dem Leck berichtet, ohne jedoch Einzelheiten zu nennen. Auf der achtstufigen internationalen Störfallskala Ines wurde der Vorfall lediglich auf Niveau 1 eingestuft. Die Überschwemmung habe damals eine “Abfolge von technischem Versagen und Chaos” nach sich gezogen (…). So sei eines der beiden parallelen Sicherheitssysteme ausgefallen, weil Wasser in Schaltschränke gelaufen sei.” (Donaukurier)

2
“Es gibt Szenarien, da muss man zweimal hingucken, um zu verstehen, dass man nicht völlig verrückt geworden ist. So ging es wohl einigen Duisburgern (…), als ein offensichtlich toter Pottwal auf der Ladefläche eines Transporters durch die Innenstadt rollte. Wenig später lag das fast 20 Meter lange Tier am Ufer des Rheinpreußenhafens in Homberg. Eine Schulklasse begutachtete es neugierig, die Kinder konnten kaum fassen, was sie da sahen. Wenig später kamen Forscher, um den Wal zu untersuchen. Auch das Duisburger Ordnungsamt kam zur Unfallstelle. Hatte sich der Wal vielleicht verirrt, ist er etwa über die Nordsee in den Rhein geschwommen und dann gestorben? Fehlanzeige: Der Pottwal am Duisburger Rheinufer hat nie gelebt. Es handelt sich um eine lebensgroße Attrappe, die zu den Aktionen des Kulturfestival Duisburger Akzente gehört.” (Rheinische Post)

3
“Die Ansicht ist wenig spektakulär: ein abgesperrtes Loch in der Erde, dessen Boden leicht mit Wasser bedeckt ist und auf dem ein Bagger und ein Container stehen. Trotzdem bedeutete der 16 Meter tiefe Schacht gestern Anlass zur Freude auf dem Chempark-Gelände Wiesdorf. Denn er ist der Anfang eines neuen Tunnels unter dem Rhein zwischen Leverkusen und Köln-Merkenich. Und so feierte Chempark-Betreiber Currenta mit mehreren Dutzend Gästen aus Unternehmen und der Politik die Taufe der Rheinunterquerung. Sie trägt nun den Namen “Martina”. Patin und Namensgeberin ist Currenta-Mitarbeiterin Martina Jacobs-Wellenberg, die das Projekt seit Beginn begleitet.” (Rheinische Post)

4
Loreena McKennitt feiert ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum, berichtet die Fachzeitschrift Powermetal im Stil einer Werbeanzeige: “Nun schiebt ihr Label Quinlan Road noch die Livescheibe “Troubadours On The Rhine” nach, wiederum strikt limitiert auf 5000 Kopien und in hochwertigem 180g-Vinyl. Doch neben der hochwertigen Aufmachung ist das Schöne daran natürlich in erster Linie das Schöne darin. Loreena spielte dieses Konzert auf Einladung des Radiosenders SWR1 (…) am 24. März 2011, in Mainz. (…) Insgesamt (…) eine (große, schwarze) runde Sache, die ein Muss für alle Folkfans darstellt. Und die Tatsache, dass die Aufnahmen vom schönen Mainz am Rhein stammen, sollte insbesondere die Rheinländer auf den Plan rufen. Da dürften die 5000 Exemplare schnell vergriffen sein.”

5
“Im Rahmen der 37. Duisburger Akzente “Nah und Fern – 300 Jahre Duisburger Hafen” läuft im Ruhrorter Museum der Deutschen Binnenschifffahrt noch bis zum 9. April die Sonderausstellung “Neue Horizonte – Dynamik im Fluss” über den Erfinder Paul Schatz (1898-1979), der als deutsch-jüdischer Emigrant in der Schweiz lebte (…). Dazu spielte (…) das “Ensemble Neue Horizonte Bern” (…) sein Programm “Im Fluss”. (…) Sämtliche Kompositionen von “Im Fluss” beschäftigen sich mit den Themenkomplexen Fluss, Wasser und Hafen, aber auch Strömung, Schleuse, Handelsumschlagplatz, Schwäne, Rhein, Donau und Moldau sowie weiterem Nahen oder Fernen. Der formale Rahmen leitet sich von Paul Schatz und seinem umstülpbaren Würfel ab (den übrigens der Westdeutsche Rundfunk vor 50 Jahren zum Logo seines Dritten Fernsehprogramms machte). Der taumelnden Bewegung des Oloids passt sich auch die in jedem Konzert andere Reihenfolge der Stücke an. Genauer gesagt, bleibt die Abfolge gleich, nur Anfang und Ende verschieben sich.” (Rheinische Post)

6
Rettung aus Rheinnot: mehrere Schafe hatten sich laut Anrufen von Spaziergängern bei der Krefelder Feuerwehr im Fluß befunden: “Ein freilaufender Hund hat (…) eine Schafsherde in Panik versetzt. Ein Tier wurde in den Hals gebissen. Es wusste sich nicht anders zu retten, als in den Rhein zu springen. Ein Passant und ein Polizist in zivil, retteten das verletzte Tier in Ufernähe aus dem Wasser. Vom Hund keine Spur.” (Rheinische Post) Der Verbleib der restlichen Schafe, die sich ebenfalls in den Fluß gestürzt haben sollen, ist ungeklärt.

7
“Ein ausgebüxtes Rind hat (…) einen Polizeieinsatz der Stadtpolizei Chur verursacht. Das Tier war zuerst stadtauswärts auf den Zuggeleisen unterwegs. Danach stapfte es zum Rheinufer. (…) Als eine Polizeipatrouille vor Ort eintraf, waren bereits mehrere Personen dabei, das entwichene Rind von den Geleisen wegzutreiben. (…) Nach einiger Zeit ging das Rind zum Rheinufer und überquerte den Fluss schwimmend. Es strandete völlig erschöpft am gegenüberliegenden Ufer von Haldenstein. Dort konnte das Tier schliesslich von Bauern mit einem Seil hochgezogen werden.” (Schweizer Bauer)

8
“In Baden-Württemberg hat ein 22-Jähriger sein Auto versehentlich in den Rhein gelenkt. Er und sein Beifahrer kamen glimpflich davon. Ein Passant hatte (…) den Zwischenfall in Breisach am Rhein beobachtet und den Notruf gewählt. (…) Kurz darauf meldete sich (…) der Fahrer des Wagens. Er und sein ebenfalls 22 Jahre alter Beifahrer hatten sich alleine befreit und waren durchs eiskalte Wasser zum Ufer geschwommen. Danach gingen beide nach Hause, um die nassen Kleider zu wechseln. Der Polizei zufolge ist der Unfallverlauf inzwischen geklärt: Der Fahrer war (…) beim Rückwärtsfahren auf einen Grünstreifen geraten und hatte die Kontrolle über das Auto verloren. Der Wagen rollte daraufhin die Böschung zum Rhein hinunter und stürzte in den Fluss. Das Fahrzeug ging unter und soll nun geborgen werden.” (Spiegel)

9
“Erneut haben Unbekannte zwei große Bäume an der Rheinallee (in Königswinter; Anm.: rheinsein) vergiftet. (…) Eine stolze Platane und ein Ahorn mussten deshalb (…) in Höhe der Hubertusstraße am Rheinufer gefällt werden. Ebenfalls (…) wurden zwei weitere Bäume gefällt, die bereits im vergangenen Jahr Opfer von Giftanschlägen geworden waren, und eine Pappel, die unmittelbar am Rheinufer stand und angesägt worden war. Die Stadt hat innerhalb von nur neun Monaten insgesamt fünf Strafanzeigen gegen Unbekannt bei der Polizei erstattet.” (General-Anzeiger)

10
“Jubel bei den Rhine River Rhinos: Die Rollstuhl-Basketballer aus Wiesbaden haben den Aufstieg in die Erste Bundesliga perfekt gemacht. Die Mannschaft von Cheftrainer Cliff Fisher setzte sich am letzten Spieltag bei den SKG Rolling Choclate in Heidelberg mit 89:53 durch und sicherte sich die Meisterschaft in der Zweiten Liga.” (Wiesbadener Tagblatt)

11
“Die Programmiersprache rhine aus der Feder von Ramkumar Ramachandra ist eine typisierte, von Elixir inspirierte Sprache, die die LLVM-Just-in-time-Kompilierung nutzt und einen vollständigen abstrakten Syntaxbaum, sowie N-D-Tensoren, First-Class-Funktionen und Typinferenz bietet. Die von Ramachandra im GitHub-Repositorium des Projekts vorgestellten Sprachfeatures umfassen beispielsweise die Typannotation ~Int (In rhine werden nur Argumenttypen kommentiert; Rückgabetypen werden inferiert) sowie die Funktion ~Function(Int -> Int -> Int. Letztere nimmt zwei Integer auf und gibt einen zurück, wobei etwas Haskell-Syntax eingestreut wird. (…) Eine Besonderheit von rhine ist der AST. Dieser nimmt starke Anleihen bei der LLVM-Zwischenschicht (IR), umfasst jedoch auch einige höher angesiedelte Konzepte, wie beispielsweise Tensoren. Er ist Ramachandra zufolge als SSA zu betrachten und verfügt über einen eingebetteten UseDef-Graph, weshalb Analysen und Transformationen sich besonders leicht gestalten sollen.” (Jaxenter)

12
“Einsatzkräfte der Polizei und der Rheinhausener Feuerwehr haben in Duisburg-Friemersheim die Reste einer Leiche aus dem Rhein geborgen. Ausgerückt waren auch ein Boot der Wasserschutzpolizei sowie Taucher. Da der Torso relativ ufernah im Rhein trieb, kamen letztere nicht zum Einsatz. Zur Identität der toten Person ist noch nichts bekannt. (…) Fingerabdrücke der aufgefundenen linken Hand werden derzeit ausgewertet. “Die Leiche ist auch nicht mehr ganz frisch”, sagt Feuerwehr-Einsatzleiter Thorsten Stolz. Sie sei vermutlich schon eine Weile stromabwärts getrieben und auch in Kontakt mit Schiffschrauben gekommen.” (WAZ) “In Duisburg hat eine Passantin am Rheinufer Leichenteile gefunden. Der menschliche Unterkörper war im Bereich Alsumer Steigs angeschwemmt worden (…). Erst vergangene Woche war rheinaufwärts beim Duisburger Ortsteil Friemersheim ein lebloser Oberkörper geborgen worden. Taucher der Feuerwehr zogen die Leiche aus dem Wasser. Eine DNA-Analyse soll nun klären, ob die Leichteile von der selben Person stammen. (…)” (Welt)

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“Die Quecksilber-Belastung deutscher Flüsse liegt (…) vielerorts weit über dem zulässigen Grenzwert. Die Umweltqualitätsnorm von 20 Mikrogramm Quecksilber je Kilogramm Fisch werde in den großen Flussgebieten Rhein, Elbe und Donau dauerhaft und flächendeckend um das fünf- bis 15-fache überschritten (…). Quelle dafür sei eine Antwort des Bundesumweltministeriums auf eine Parlamentsanfrage. Zwar stoßen Dutzende deutsche Braun- und Steinkohlekraftwerke in geringen Dosen Quecksilber aus, Umweltschützer machen aber vor allem giftige Dämpfe aus Braunkohlekraftwerken für die Umweltbelastung mit dem Schwermetall verantwortlich.” (n-tv)

Unterm Drachenfels

Weinanbau vor klobig-gezackter Landschaft mit Rhein-Wein-Reim: das Schilderdesign (gesehen in Königswinter) versetzt das Betrachterherz in abgelaufene Jahrzehnte. Im Römerglas wirkt sichtbar Sonnenenergie, die beim Gläserklingen innerschädelsches Nixensingen evozieren soll.

Flussgeschichten – Der Rhein

ist der Titel der neuesten Rheindokumentation aus den öffentlich-rechtlichen Anstalten. Vor einer Woche erstausgestrahlt steht sie ein Jahr lang, bis Ende Mai 2016, in der ARD-Mediathek zur Verfügung. “Warum ist es am Rhein so schön?” lautet die Grundfrage des Films von Thomas Förster, der sich in kurzen Geschichten den Städten, Städtchen, Dörfern und Landschaften des Abschnitts zwischen Koblenz und Nimwegen widmet. “Was hebt diese Doku gegen ungezählte andere ab?” lautet die obligatorische Gegenfrage. Zum einen ist dies die Spielfilmlänge von knapp anderthalb Stunden. Zum anderen die Herangehensweise, die leidlich bekannten aktuellen Flußansichten mit Fotografien und Filmausschnitten früherer Jahrzehnte, vornehmlich aus Regionalsendungen der 50er und 60er zu verschneiden.

In Koblenz widmet sich der Film ganz dem Reiterstandbild am Deutschen Eck, mit knapp 40 Metern Höhe angeblich das größte seiner Art weltweit. Kurt Tucholsky hat es zureichend beschrieben. In Andernach geht es um den Geysir, der wiederum ein rekordträchtiger ist. Von Remagen sehen wir die Brücke, von der bis 1976 noch zwei Pfeiler in der Flußmitte standen und Romy Schneider, die sich in einem Remagener Synchronstudio, das seit 20 Jahren Geschichte ist, selbst synchronisiert. Für Linz steht der Schwimmer Klaus Pechstein, der 1969 als erster Mensch den Rhein komplett durchschwommen haben soll. Fotos und Bewegtbilder zeigen den Sportler im Gummianzug in schickem Barakuda-Design, wie er beim

klaus pechstein

Schwimmen kleine Raucherpausen einlegt oder ein Pils zischt. Neun Jahre vor Pechstein hatte bereits der Franzose Louis Lourmais den Rhein durchschwommen – der Film behauptet: erst ab Schaffhausen. Königswinter wird als Sehnsuchtsort attributiert. Touristen amüsieren sich bei Juxfotografen und Eselstrecks auf den Drachenfels. 1958 entgleiste die damalige Drachenfels-Dampfbahn, die Touristen auf den Berg brachte, bei einem Bremsversagen aufgrund zu geringen Dampfdrucks. Das Unglück forderte 17 Tote. Den Erzählautomaten kennen wir von

drachenfels_erzählautomat

unserem ersten Besuch. Er dürfte mittlerweile den Modernisierungen rund um die Drachenburgruine zum Opfer gefallen sein. Für Rhöndorf wärmt der Film den Streit zwischen Konrad Adenauer und Peter Profittlich auf. Letzterer wollte eine Seilbahn, die den Ort mit der Drachenburg verbinden sollte. Adenauer wollte sich nicht von Touristen in den Garten schauen lassen. Eine Seilbahn gibt es in Rhöndorf bis heute nicht, Adenauers Garten kann besichtigt werden. 1959 berichtete der Spiegel von der Auseinandersetzung. Die ehemalige Hauptstadt Bonn streift der Film nur knapp, in Form von Motorradartisten, die sich der Godesburg per Luftseil näherten. Für Köln portraitiert der Film Sigrud Knubben, mehrfache und jung verstorbene Weltrekordlerin im Motorboot. Motorbootrennen fanden an der Kölschen Riviera bei Rodenkirchen statt – der Rhein wurde für den Normalverkehr einfach gesperrt. Weiters aus Köln berichtet wird die illegale Hebung des Grabmals des Poblicius, das einen ausführlichen Wikipedia-Artikel besitzt und der Einfluß der Fließbandgeräusche der Fordwerke auf das musikalische Werk von Gavino Soro – mit seinem Lied Ju-Ju-Juliette findet sich auf Youtube ein Beispiel für den italienisch-rheinischen Werkhallenschlager. Über die Zonser Freilichtspiele und einen Abstecher ins Braunkohlerevier, dessen Grundwasser über die Erft in die Rhein abgeführt wird, was die Flußstärke der letzteren ungefähr verfünffachte, geht es auf Düsseldorf, den Querverschub der Oberkasseler Brücke, Radschläger, Altstadtoriginale und eine Performance der ZERO-Künstler. Für Duisburg stehen Rheinhausen und Ruhrort. Die Stahlschmelze in Rheinhausen war 1962 Gegenstand der ersten TV-Satelliten-Direktübertragung zwischen Deutschland und den USA, ein Stück Rundfunkgeschichte. Ruhrort zeigt der Film zu Zeiten des Niedergangs der Schleppschifffahrt, als die Schlepperbesatzungen noch mit Proviantschiffen versorgt wurden. In den Weiten des Niederrheins befinden sich Ortschaften, deren Existenz uns zuvor unbekannt war. Über Orsoy (das Anfang der 60er kurzzeitig Ideenzentrum der von den Alliierten nicht genehmigten deutschen Raketenindustrie war) und Götterswickerhamm (dessen Orderstation die Passagezeiten der Schiffe notierte und die vorüberziehenden Schiffer mit Informationen  und Musik beschallte), geht es auf Borth, die niederrheinische Salzpfanne, ein Bergwerk mit ausgeprägtem Straßennetz in 500 bis 800 Metern Tiefe, auf Mars, dessen Name für sich steht und einen Schokoriegelhersteller auf die Idee brachte, die Dorfbewohner für eine Kampagne als Marsmenschen einzuspannen, auf Elten, das nach dem Krieg vorübergehend an die Niederlande ging, als Pfand für noch zu leistende Reparationszahlungen und schließlich vorbei an Schenkenschanz nach Nimwegen.

Flussgeschichten – Der Rhein bietet eine ausgewogene Mischung aus bekannteren und randseitigen Geschichten. Insbesondere das in WDR-Archiven ausgegrabene Bildmaterial aus der jungen Bundesrepublik macht den Film, der über weite Strecken wie eine Sendung mit der Maus für Erwachsene wirkt, sehenswert.

Unkel (2)

unkel_willy brandt gedenktafelPetrifizierter Bundeskanzler (Holozän)

Von Unkel war uns bis dato hauptsächlich bekannt, daß Willy Brandt (auf dessen Spuren wir uns für rheinsein gelegentlich begeben) (1) dort seinen letzten Wohnsitz nahm. Wir erreichten das Städtchen, dessen Name nach einer märchenhaften Mischung aus Unke und Onkel klingt, von Rheinbreitbach kommend über den lauschigen Fußpfad entlang des Flußufers, der in Unkel in ummauerte Parkanlagen und die lokale Rheinpromenade mündet. Kurz vor Erreichen Unkels fielen zahlreiche wild an Bäume und Pfähle geklebte Fahndungszettel ins Auge, die ohne nähere Begründung zu Informationen über eine durchschnittlich aussehende, durchschnittlich alte Frau mit normal aussehendem Schäferhund aufriefen, die einen Tag zuvor am Rheinufer erblickt worden sein soll. Auf Unkeler Gebiet wurden die sauber angefertigten, privaten Denunziationsaufrufe ergänzt um städtische Schilder voller Eigenlob für die Um- und Weitsicht der Lokalpolitik. Auf der Unkeler Promenade fand gerade ein Kunst-Handwerk-Design-Markt statt, stark bevölkert von durchschnittlich aussehenden Frauen durchschnittlichen Alters. Die Promenade, mithin die schönste Passage Unkels, ist, das war auffällig, nicht nach Willy Brandt benannt, sondern nach Konrad Adenauer, der während der NS-Herrschaft ebenfalls für einige Monate in Unkel wohnte. Eine Willy-Brandt-Straße fanden wir in Unkel nicht, wohl aber ein Willy-Brandt-Forum, eine Willy-Brandt-Gedenktafel vor dem Rathaus und den Beethoven-Freiligrath-Brandt-Brunnen mit Bronzeschädeln der genannten, wobei Beethoven für Universalität, Freiligrath (2) für Freiheit und Brandt für Frieden einstünde. Ein wenig Fachwerk, gelecktes Pflaster, Petunien auf den Fensterborden und die Speisekarten der Gastronomie vermittelten den schnellen Gesamteindruck, daß Unkel mit seiner gepflegten Kulisse, dem Von-allem-nicht-zuviel-und-nicht-zu-wenig, dem zeitnah aktualisierten, in gedeckten Farben transportierten Geschmack eine ganz feine Nuance oberhalb des Massengeschmacks womöglich ein in der Brigitte-Redaktion entworfenes Städtchen vorstellen könnte, eine von störender Individualität (3) und Gegenwart befreite Gesamtfassade für einen perfekten Tag neutralen Glücks, am besten abgerundet mit dem Genuß einer Raffaello-Kugel. Als Ort, den man gesehen haben, an dem man gewesen sein muß, wurde Unkel noch in den Jugendjahren unserer Eltern bezeichnet – womöglich die letzte Generation mit dieser Einstellung.
unkel_gefängnisturm Laminierte Zeichnung am Gittertor des historischen Gefängnisturms, der in den Sommermonaten alle zwei Wochen für zwei Stunden zur Besichtigung geöffnet wird

(1) “In Unkel, wo Anfang der fünfziger Jahre Rotbäckchen, der erste Kinderfruchtsaft der Nation, erfunden wurde und bis heute weit über das Rheinland hinaus getrunken wird, hatte Willy Brandt am Rheinufer sein Häuschen. “Unkel Willy”, so nannte man Brandt am Ende seines Lebens.” (Gisbert Baltes: Rheinland, Hamburg 2012)
(2) “Fahr am Rheine auf und nieder / geh’ zu Fuße kreuz und quer; ein Unkel findest du nicht wieder – / ein solches Plätzchen gibt´s nicht mehr.” (Freiligrath)
(3) Affirmative Individualität: Beim Kleen, ehemals guinessbuchoffiziell kleinste Kneipe der Welt

Oh, Königsdrachen!

Oh! Ticketvergessen brühlausgestiegen,
Frühknospenzwitscherallee.
Oh! Astwerktonsur parkpfleggeschnitten
(…ist ihm passiert noch nie…).
Nun! Ticketgezogen brühleingestiegen,
Sitzplatz gefunden, wie schön!
Nebenmann, jung, bärtig, liest „Economist“
mit Hornbrille & Frisur per Föhn.

Godesberg, Bahnhofumbau, Alubrücke,
villenumschlummert Entzücken.
Zum Rhein: & gegenüber Drachenfels!
Wozu noch in die weite Welt?
Ufer, nach John J. McCloy benannt, aha,
wer das? Weiß Wikipedia…
Fahnenseilklappern, wachwerdend Wiesen,
Maulwurfhügel auf diesen.
Lastschiffmotorengebrumm. Containerschrift:
www-punkt-irgendwasdingens-de.

Hochwasserleichtumspülter Sägebaumstumpf,
darauf ein Erpel sonnend,
der lässt den Peters- einen guten Berg sein.

Bei Stromkilometer sechs-fünf`n-vierzich
„nicht davor und nicht dahinter“
Luft nach Bootsdiesel würzig.

Großes Schubschiff aus Holland, majestätisch
(leistungsstarkes Volk, deich- & seenah, stetig).

So könnte ein Gedicht im Gedicht beginnen.
Sich dann rhythmuswechselnd auf Prosa besinnen.
Gleichwohl poetisch bleiben.
Das Geschäft des Schauens weiter betreiben.

Etwa so:
Die nördliche Peripherie, Oberdollendorf, von Godesberger Seite betrachtet,
wirkt architektonisch aufgerüstet, durch funktional erscheinende,
doch solvenzvoraussetzende Neubauten mit breiten Balkonfensterfronten.

Gruppenhaptisch eisessende Jungmanntruppe bladerrollt vorüber,
wähnend kommende Geschäfte & Schlachten, vorausahnend fiebrige Siege.

Ein mittelalter Passant, Lyrikfragmente in ein Notizbuch kugelschreibend,
den Blick der Drachenburg zugewandt, wird angesprochen.
„Was schreiben Sie denn da?“
„Ich tippe in mein Smartphon,… Sie verstehn?“
Andere wähnen ihn kundig, vermeintlich wissend.
Paar, Anfang 40, mit Hund. Sie blond, der Vierbeiner gemischt.
Womöglich aus der Gegend von Hannover, denn der Er fragt akzentfrei:
„Verzeihen Sie, ist das da drüben auf der anderen Rheinseite Königswinter?“
„So isses“, bestätigt der Dichter.
„Bitte?“ fragt höflich der Herr, die Dame an der Hand, den Hund an der Leine.
„So ist es.“
„Ich danke Ihnen!“, sagt der Herr herablassungsfrei, gar beglückt wirkend.

Der gut besuchte Imbiss am Fähranleger zu Mehlem
wird durch ein oberhalb der Fahrbahn installiertes Kabel
stromversorgt. Eine Taubengruppe hat es sich angewöhnt
von dort aus kontemplativ den Asphalt zu düngen,
quasi in gerader Linie.

Acheron und Rhein unterscheiden sich in vielem.
Unter anderem lässt sich hier ein Hochgenuss erzielen,
wenn man für 1 € 20 dem Fährmann sich anvertraut
und sich an schwebegleicher Überfahrt erbaut.
Der Rocker fährt die Harley Davidson spazieren,
eine Dame im Porsche beginnt sich zu frisieren.
Familienväter, Fahrradfahrer. Momentan fehlt nur ein Trecker.
Dem Schiffer ist dies Taggeschäft, die Poesie hüpft merklich kecker.

Um doch gleich wieder eine weitere Impression
samt Oberfläche und Unterströmung aufzuschnappen:
Während die Straßenbahnlinie 66 vorbeigrünt
und das stahlgewundene Tau der Fähre
sich in wenigen Augenblicken zielsicher um den
Haltepolder der Landebrücke zu legen im Begriff ist,
schiebt sich die Kirchturmspitze von St. Remigius
vor den Petersberg, als wolle sie ein Überdenken der
ein oder anderen dort oben getroffenen staatsmännischen
Entscheidungen anregen.

Der über Hundertdreißig Jahre alte Zahnraddrachen speit kein Feuer;
unter freundlichem Hupen transportiert er Passagiere den steilen Berg hinauf.

Früh im Jahr weiden die Augen im überschaubaren Immergrün der noch blattlosen Siebengebirgswälder. Bald werden die braunen Äste überwältigend Frischgrün gekleidet sein.

Über schwarzfelligen Eseln am Hang
bricht der Frühling heuschnupfend aus.

(Ein Gastbeitrag von GrIngo Lahr, exklusiv für rheinsein. Die Firma dankt!)

Königswinter (2)

Dunkel gehaltene, großflächige Rheinpanoramadarstellung am Empfangsgebäude des Bahnhofs mit beherrschender Weinsymbolik und Drachensignet. Kreidetafeln an der angeschlossenen Bahnhofsgaststätte künden mit verwischten Schriftzügen von Pappbecherkaffeepreisen. Das zerbrochene DB-Logo über dem Gebäude könnte einem Steinwurf zum Opfer gefallen sein. Zwei frühe Biertrinker bevölkern als einzige Menschen den gepflegten Bahnhofsvorplatz.

königswinter_madenAuf der Hauptstraße, der lokalen Einkaufsmeile, begegnen wir einem Königspudel, der, als wäre er einer hundert Jahre alten Karikatur entsprungen, stolzierend den Einkaufsbeutel seines Herrchens im Maul trägt. Zu kaufen gibt es mehrere Häuser der Straße und eher seltene Ware wie z.B. Bienenmaden.

An das Schaufenster seines Teppichladens hat Ali Mohit eine kurze selbstverfaßte Chronologie der vergangenen fünf Jahrzehnte geklebt. 1963 habe ihm Konrad Adenauer beim Aufbau eines Sportclubs in Bad Honnef geholfen. Königswinter habe damals geboomt: “eine tolle Stadt mit gemütlichen Tanzlokalen, schönen Cafés und vielen interessanten Geschäften mit hochwertigen Waren”. Überall Touristen. Kutschfahrten durch die Stadt, Weihnachtsschmuck, angesehene Bürgergestalten. Doch heute habe die Stadt ihr schönes Gesicht verloren und sterbe: “Man sagt, dass die Drachen von Königswinter weinen, weil sie das Reich verloren haben. Es wurde viel gebaut, dadurch entstanden wenige Parkplätze.” Wer die Schuld am Niedergang der Stadt trage, wisse man nicht genau.

Dem patriotischen Dichter Wolfgang Müller von Königswinter hat die Stadt ein Denkmal in passender Größe samt Bahnhaltestelle errichtet. In den Sockelmarmor gemeißelt seine knackigen Versbekenntnisse: “Ich hielt am deutschen Wesen / Ich hielt an deutscher Art”, “Ich lieb und ehr vor allen mein deutsches Vaterland”, “Wo ich bin / Wo ich gehe / Mein Herz / Ist am Rhein”. Weiter stadtauswärts der Gemüthlichkeitsbrunnen wurde mit einem anonymen Appell an die Mehrheit, der Gemütlichkeit abzuschwören bedacht.

Presserückschau (Juli 2013)

Das Sommerloch hat fast alle nennenswerten rheinischen Nachrichten verschluckt. Neben der üblichen Sommerberichterstattung über die zahlreichen Rhein in Flammen-Veranstaltungen, einem auf Grund gelaufenen Tanker (ein gutes Stückchen oberhalb der Loreley, somit außerhalb jeden Mythoseinreihungsverdachts) und dem traurigen saisonalen Anstieg der Badeunfälle (“Schwimmen im Rhein ist wie Joggen auf der Autobahn”) zischte so gut wie nichts an rheinischen Meldungen durchs Netz:

1
Der mißlichen Faktenlage widmete sich schließlich das Satire-Magazin Der Postillon und bescherte am 23. Juli die lange ersehnte verwertbare Meldung: “Wie die Regierung heute bekanntgab, haben deutsche Behörden am Wochenende ein Krokodil in den bei Badegästen beliebten Nebenarmen des Rheins ausgesetzt. Ziel sei es, das drei Meter lange Tier für die nächsten vier bis sechs Wochen zum Nachrichtenthema des Sommers zu machen und so unliebsame Skandale aus den Schlagzeilen zu verdrängen. ”Noch können Sie so viele kritische Fragen stellen, wie Sie wollen”, verkündete Regierungssprecher Steffen Seibert vor versammelten Journalisten. “Aber schon bald werden Kinder beim Spielen das Krokodil sichten und Deutschland ins Sommerloch stürzen. Wir alle wissen doch, womit Sie dann ihre Titelseiten füllen werden.”"

2
Daß Grills längst nicht immer ok sind, ist bekannt. Der oder die Verursacher der folgenden Meldung sind weiterhin unbekannt: “Entlang des Rheinufers zwischen der Insel Grafenwerth bis Königswinter wurden große Mengen altes Frittierfett angeschwemmt. Offensichtlich wurde das Fett in großem Stil illegal in den Rhein entsorgt. Das teilte (…) die Stadt Bad Honnef mit. Die Wasserschutzpolizei Köln nahm Proben des angeschwemmten Unrats und hat (…) die Ermittlungen aufgenommen. Infolge der hohen Temperaturen hatten sich die Anschwemmungen zwischenzeitlich aufgelöst, so dass die Uferbereiche wieder uneingeschränkt nutzbar sind.” (General-Anzeiger)

Damit hatte es sich dann auch mit Juli-Meldungen. Neben den Meldungen gab es allerdings noch einen sehr lesenswerten, weil detailreichen und somit vorbildlich sommerlochstopfenden Artikel im Kölner Stadt-Anzeiger über die Pflanzenpopulation auf dem Kölner Dom: “Dass er heute dunkelbraun bis schwarz gefärbt ist und nicht mehr hellbeige, wie er es ursprünglich war, hat (…) weniger mit dem Schmutz und Staub der Stadt zu tun, als mit der rund 1000 Tonnen schweren Biomasse, die auf ihm lebt – ihr Gewicht entspricht etwa dem von 200 afrikanischen Elefantenbullen.”

Presserückschau (Juni 2013)

Den süddeutschen Hochwassern galten auch die rheinischen Schlagzeilen zu Monatsanfang. Hoch- und Oberrhein waren von den Fluten allerdings deutlich schwächer betroffen als Überschwemmungsgebiete in Bayern, Thüringen und Sachsen: die Wasserstände der großen Flut von 1978 wurden nicht erreicht, die befürchtete Interimsozeanik blieb somit am Rhein weitgehend aus – allerdings mußte die Feuerwehr zwei Goldsucher vor dem steigenden Wasser von einer Altrheininsel bei Bad Bellingen evakuieren. Weitere interessante Meldungen des Junis:

1
Das „Entwicklungskonzept Alpenrhein“ setzt auf Renaturierung und sieht Rheinverbeiterungen im Heidiland vor, wie die Südostschweiz meldet: „In ein schnurgerades, 110 Meter breites Flussbett getrimmt, fliesst der Rhein bei Maienfeld und Bad Ragaz vorbei. Ein Projekt (…) will dies ändern und den Fluss an besagter Stelle auf einer Länge von drei Kilometern auf 260 Meter verbreitern. Vorausgesetzt das Projekt wird (…) gutgeheissen, könnte im Winter 2016 mit dem Bau begonnen werden.“

2
Mit Hilfe von Flachwassersonaren wollen Archäologen 2000 Jahre alte römische Hafenanlagen in Bonn und Königswinter nachweisen. Die Deutsche Welle informiert: „Die Idee, dass es in Bonn und Königswinter römische Häfen gab, kam bereits in den 1970er Jahren auf. Damals entdeckte ein Archäologe eine sichelförmige Struktur im Wasser bei Königswinter und deutete das als Hafenkaimauer. Kurz danach flog ein Luftbildarchäologe die Region ab und sah das Gleiche in Bonn: eine sichelförmige Kaianlage direkt vor dem früheren römischen Legionslager, das in der Nähe der Bonner Nordbrücke stand.“

3
Die „Vogel Gryff“, einer der drei Basler Gierfähren, ist zu Monatsbeginn bei einer Überfahrt mit elf Personen das Gierseil gerissen, berichtet die Neue Zürcher Zeitung. Bevor die somit ihres Lenkantriebs beraubte Fähre Richtung Nordsee abdriften konnte, konnte die Berufsfeuerwehr die Fähre mit einem Löschboot stoppen: „Möglicherweise war der Fährimann (…) zu schnell unterwegs und nicht so sanft, wie es eigentlich vorgeschrieben war.“

4
Um den Weltkulturerbe-Status geht es am Mittelrhein, denn der Icomos (International Council on Monuments and Sites) fordert den Abbau der Koblenzer Seilbahn wie auch der Sommerrodelbahn auf der Loreley, um den Status weiterhin anzuerkennen: “Die Rhein-Zeitung in Koblenz hat ihre Facebook-Fans und Twitter-Follower dazu aufgerufen, sich einen „Seilbahn-Stempel“ ins Profilbild zu bauen, und hat eine offizielle Petition zum Erhalt der Bahn beim Bürgerbeauftragten des Landes Rheinland-Pfalz beantragt. „Die Seilbahn hat sich als kluger und dezenter Bestandteil des Oberen Mittelrheintals etabliert, um einen umfassenden und beeindruckenden Blick für jedermann auf die Natur zu ermöglichen, ohne auch nur einen Fußtritt eines Touristen als beeinträchtigend zu bewirken“, heißt es in der Begründung. „Ein umfassender Ausblick auf dieses Weltkulturerbe wird ohne Beeinträchtigungen der Landschaft überhaupt erst durch die Seilbahn ermöglicht”, berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger.

5
Der Ortsfeuerwehr Nofels gelang die Rettung eines Rinds, das aus ungeklärten Gründen von seiner Herde im Bodensee-Rheindelta abgekommen und in den Fluß geraten war, wie der ORF berichtet: “Auf der Schweizer Seite des Rheins wurde es zuerst entdeckt. Ein Rind, treibend auf dem Rhein. Die Meldung ging an die Österreichischen Behörden, worauf sich die Feuerwehr Nofels auf die Suche nach dem vermissten Tier machte. Das Rind wurde dann auf Höhe der Rheinbrücke in Bangs am österreichischen Ufer gefunden werden. Es hatte sich nach etwa einem Kilometer aus eigener Kraft zwar im Wasser, aber mit festen Boden unter den Füßen halten können. 13 Männer der Ortsfeuerwehr Nofels konnten das Tier schließlich sichern und nach etwa einer Stunde mithilfe eines Krans bergen.”

6
DerWesten berichtet über eine für Juli geplante Wagner-Inszenierung auf dem Rhein” “Eigentlich ist die „Orania“ ein ganz normales Binnenschiff, mit dem Schiffsführer Cor Klein auf dem Rhein unterwegs ist. Woche für Woche pendelt er zwischen Rotterdam und Duisburg, transportiert Getreide, Lebensmittel und Sand. Mit einer Oper hatte er zuvor noch nie etwas am Hut. Für die Produktion „Rheingold op Rijn“ wird im Bauch des Schiffes eine 35 Meter lange und 14 Meter breite Bühne aufgebaut. Unter Deck soll Platz für 90 Musiker, 14 Sängerinnen und Sänger aus der niederländischen Opern-Szene, einer 30-köpfigen Mannschaft und bis zu 500 Zuhörern und Zuschauern sein.”

7
“Ein Polizeifahrzeug hat sich (…) in Bad Säckingen selbstständig gemacht und ist unauffindbar im Rhein versunken. Die Beamten waren ausgestiegen, um am Rheinuferweg Passanten zu kontrollieren.” Trotz Suche mit Booten und Hubschrauber, schreibt die Badische Zeitung, blieb der zuvor abschüssig geparkte Wagen, der seinen hinterhetzenden Insassen führerlos in den Rhein enteilt sei, verschwunden.

8
Nach einem Großbrand wird aus Ludwigshafen, kurz nach der Kölner Maggikalypse, die nächste Menschheitsdämmerung gemeldet, und sogar in der Hauptstadt wahrgenommen, und zwar vom Berliner Kurier: “”Die Rauchsäule ist über 100 Meter hoch, Augenzeugen berichten: „Es sieht aus wie beim Weltuntergang!“.”

Alexandre Dumas über den Drachenfels

Au village de Rhungsdof, au bord du Rhin, nous trouvâmes plusieurs barques à l’affût des voyageurs ; en quelques minutes encore nous fûmes transportés à Koenigswinter, joli petit bourg situé sur l’autre rive. Nous nous informâmes de l’heure à laquelle passait le bateau à vapeur, on nous répondit qu’il passait à midi. Cela nous donnait une marge de près de cinq heures ; c’était plus de temps qu’il n’en fallait pour visiter les ruines du Drachenfelds.
Après trois quarts d’heure de montée à peu près, par un joli sentier qui contourne la montagne, nous arrivâmes au premier sommet, où se trouvent une auberge et une pyramide.
De cette première plate-forme, un joli chemin tournant et sablé comme celui d’un jardin anglais conduit au sommet du Drachenfelds. On arrive d’abord à une première tour carrée, dans laquelle on pénètre assez difficilement par une crevasse ; puis à une tour ronde, qui, entièrement éventrée par le temps, offre un accès plus facile. Cette tour est située sur le rocher même du Dragon. Le Drachenfelds tire son nom d’une vieille tradition qui remonte au temps de Julien l’Apostat. Dans une caverne que l’on montre encore, à moitié chemin de la montagne, s’était retiré un dragon énorme, si parfaitement réglé dans ses repas que lorsqu’on oubliait de lui amener chaque jour un prisonnier ou un coupable, à l’endroit où il avait l’habitude de le trouver, il descendait dans la plaine et dévorait la première personne qu’il rencontrait. Il est bien entendu que le dragon était invulnérable.
C’était, comme nous l’avons dit, au temps où Julien l’Apostat vint avec ses légions camper sur les bords du Rhin. Or, les soldats romains, qui n’avaient pas plus de vocation pour être dévorés que les naturels du pays, profitèrent de ce qu’ils étaient en guerre avec quelques peuplades des environs pour nourrir le monstre sans qu’il leur en coûtât rien. Parmi les prisonniers, il se trouva une jeune fille si belle que deux centurions se la disputèrent, et qu’aucun des deux ne voulant la céder à l’autre, ils étaient près de s’entrégorger, lorsque le général décida que, pour les mettre d’accord, la jeune fille serait offerte au monstre. On admira fort la sagesse de ce jugement, que quelques-uns comparèrent à celui de Salomon, et l’on s’apprêta à jouir du spectacle.
Au jour dit, la jeune fille fut conduite, vêtue de blanc et couronnée de fleurs, au sommet du Drachenfelds : on la lia à l’arbre, comme Andromède à son rocher ; seulement elle demanda qu’on lui laissât les mains libres, et l’on ne crut pas devoir lui refuser une si petite faveur.
Le monstre, nous l’avons dit, avait une vie très régulière, il dînait comme on dîne encore en Allemagne, de deux heures à deux heures et demie. Aussi, au moment où il était attendu, sortit-il de sa caverne et monta-t-il, moitié rampant, moitié volant, vers l’endroit où il savait trouver sa pâture. Il avait l’air, ce jour-là, plus féroce et plus affamé que d’habitude. La veille, soit hasard, soit raffinement de cruauté, on lui avait servi un vieux prisonnier barbare, fort dur et qui n’avait que la peau sur les os ; de sorte que chacun se promit un double plaisir de ce redoublement d’appétit. Le monstre lui-même, en voyant quelle délicate victime on lui avait offerte, en rugit de joie, fouetta l’air de sa queue écaillée et s’élança vers elle.
Mais lorsqu’il était prêt à l’atteindre, la jeune fille tira de sa poitrine un crucifix et le présenta au monstre. Elle était chrétienne.
À la vue du Sauveur, le monstre resta pétrifié ; puis, voyant qu’il n’y avait là rien à faire pour lui, il s’enfuit en sifflant dans sa caverne.
C’était la première fois que les populations voyaient fuir le dragon. Aussi, tandis que quelques-uns couraient à la jeune fille et la déliaient, le reste des habitants poursuivit le dragon, et encouragé par sa frayeur, introduisit dans la caverne force fagots sur lesquels on versa du soufre et de la poix résine, puis on y mit le feu.
Pendant trois jours la montagne jeta des flammes comme un volcan ; pendant trois jours on entendit le dragon se débattre en sifflant dans son antre ; enfin les sifflements cessèrent : le monstre était rôti.
On voit encore aujourd’hui la trace des flammes et la voûte de pierre, calcinée par la chaleur, s’écraser en poussière aussitôt qu’on la touche.
On conçoit qu’un pareil miracle aida fort à la propagation de la foi chrétienne. Dès la fin du IVe siècle, il y avait déjà force sectateurs du Christ sur les bords du Rhin.

(Le rocher du dragon aus Alexandre Dumas: Divers contes)

Tulla über den Rhein

Der Rhein ist einer der merkwürdigsten Ströme in Europa, wegen seiner Größe, seiner Verbindung mit den Glätschern, und den meisten Seen der Schweiz, seiner Wasserfälle bey Schaffhausen und Laufenburg, der Veränderungen seines Laufs in ältern und neuern Zeiten, der Verschiedenheit seines Gefälles und seiner Geschwindigkeiten, wegen seiner Mündungen in das Meer, und seiner Benutzung zur Flößerey und Schifffahrt.

Der Rhein hat durch seine Geschiebe das Becken des ehemaligen, von Zürich bis Konstanz ausgedehnten Sees von Wallenstadt bis Rheinek, und die Linth von Wesen bis Schmerikon theilweise ausgefüllt, wodurch der ehemalige See in drey Seen, den Bodensee, Wallenstadter und Züricher-See, getheilt wurde.

Vom Bodensee bis Hüningen ist der Spielraum des Rheins größtentheils durch die Gebirge eng begrenzt, und die merkwürdigsten Veränderungen seines Laufes, sind nur die Einschneidungen oder tiefere Bettung, welche Veränderungen durch terrassenförmig übereinander liegende Hochgestade erkannt werden.

So wie der Rhein in das zwischen den Vogesen und dem Schwarzwald liegende Thal tritt, hat derselbe mehr Spielraum, er serpentirt in dem Bett des ehemaligen – nicht problematischen – zwischen dem Schwarzwald und den Vogesen bestandenen Sees, führt jährlich eine große Masse von Kies, Sand und Erde bis zu seinen Ausmündungen in das Meer in Holland, welches Land größtentheils durch den Absatz des Rhein gebildet wurde.

Die Geschichte des Rheinlaufes in den ältern Zeiten liegt bey den Geschichtsschreibern sehr im Dunkeln. Mehr Licht geben die sichtbaren alten Flußbette, die Hochgestade und die alten Inseln.

Nachdem der See sich, durch die allmählig, vielleicht auch plötzlich, entstandene Vertiefung seines Durchflusses, durch die Gebirge zwischen Bingen und Königswinter größtentheils, abgelaufen war, muß das verlassene Bett desselben zwischen den Vogesen und dem Schwarzwald, ziemlich eben gewesen seyn, und jede fortlaufende regelmäßige Vertiefung in dem Seebett, kann nur durch Ausflößung oder Ausschwemmungen, oder endlich durch Ausgrabung und nachherige Ausflößungen entstanden seyn.

Die Breite und die Größe der Krümmungen derartiger Vertiefungen, so wie ihre Vertheilung in mehrere Zweige, lassen immer auf das ehemalige Bestehen eines Flusses, auf seine Größe und seine Geschwindigkeit schließen, wenn gleich diese Vertiefungen nun trockenes Land sind.

Der Rhein theilte sich in den ältern Zeiten oberhalb dem Kaiserstuhl-Gebirge in drey Theile. Der eine ging links in dem jetzigen Gebiet der Ill, der andere längs dem Kaiserstuhl-Gebirge auf der linken Seite, und der dritte rechts dem Kaiserstuhl, längs dem Fuß desselben, zwischen den Vorgebirgen von Riegel und Hecklingen durch.

Man wird den erstern den gallischen Rhein, den zweiten den großen Rhein, oder auch nur Rhein ohne Beinamen, und den dritten den deutschen Rhein, nennen können.

Wegen Mangel an Localkenntnissen kann eine nähere Beschreibung des gallischen Rheins nicht gegeben werden. Die Städte Colmar, Gemar und Schlettstadt dürften auf dem linken Ufer desselben, und Straßburg, welches auf der vorspringenden Spitze des aufgeschwemmten Gebirges erbaut ist, bey der Vereinigung des gallischen Rheins mit dem großen Rhein, stehen.

Wann der gallische in einen Altrhein überging, und ob er noch zur Zeit, als die Römer an den Rheinufern waren, schiffbar war, ist unbekannt.

Der deutsche Rhein floß längs dem Fuße des Schwarzwald-Gebirgs, parallel mit dem großen Rhein, so wie gegenwärtig die Ill, und nahm in seinem Lauf die Flüsse Dreysam, Elz, Schutter, Kinzig, Rench, Murg, Alb, Pfinz und alle die kleinen Flüsse und Bäche des Schwarzwaldes, vielleicht auch den Neckar auf.

Der deutsche Rhein änderte seinen Lauf in einzelnen Distrikten wenig, in andern sehr bedeutend, letzteres zwischen der Kinzig und der Murg, und unterhalb Malsch, wo er in mehrere Arme sich theilte, bis gegen den Neckar. Da wo bedeutende Flüsse aus dem Gebirge treten, wurde sein Lauf durch den Ausschub dieser Flüsse vom Fuße der Gebirge abgetrieben, wie sehr deutlich an der Murg und der Alb zu ersehen ist.

Sein linkes Ufer war nur längs dem Kaiserstuhl mehr als das rechte, sonst aber das rechte Ufer bey weitem mehr, als das linke, bewohnt. Ein Beweis hiefür ergibt sich aus der Thatsache, daß noch gegenwärtig in der Strecke von Schwarzach bis Karlsruhe nur die Orte Sandweiher und Beyertheim am linken Ufer liegen. Die Ursache dieser Ungleichheit der Bewohnung läßt sich sehr leicht aus der Fruchtbarkeit des rechten, und Unfruchtbarkeit des linken Ufers, und der geringen Entfernung des rechten Ufers des großen Rheins von dem deutschen, erklären.

In vielen Gegenden sind die alten Läufe, die bestandenen Inseln, die Hochgestade sehr deutlich zu erkennen, in andern sind ihre Spuren mehr oder weniger durch Anschwemmungen der Flüsse des Schwarzwaldes ausgelöscht; häufig folgt das Wasser im ungezwungenen Zustand dem alten Lauf.

Wie lange der deutsche Rhein bestanden, und zu welchen Zeiten bedeutende Aenderungen mit ihm vorgefallen sind, dürfte schwerlich in der Geschichte aufgefunden werden. Indessen läßt sich mit Zuverläßigkeit behaupten, daß er zur Zeit, als die Römer ihre Herrschaft bis an den Rhein ausgedehnt hatten, noch ein schiffbarer Strom war. (…)

Quelle: Wikisource

Le Rhin réunit tout

“Saint-Goar, 17 août.

Vous savez, je vous l’ai dit souvent, j’aime les fleuves. Les fleuves charrient les idées aussi bien que les marchandises. Tout a son rôle magnifique dans la création. Les fleuves, comme d’immenses clairons, chantent à l’océan la beauté de la terre, la culture des champs, la splendeur des villes et la gloire des hommes.

Et, je vous l’ai dit aussi, entre tous les fleuves, j’aime le Rhin. La première fois que j’ai vu le Rhin, c’était il y a un an, à Kehl, en passant le pont de bateaux. La nuit tombait, la voiture allait au pas. Je me souviens que j’éprouvai alors un certain respect en traversant le vieux fleuve…

…Ce soir-là… je contemplai longtemps ce fier et noble fleuve, violent, mais sans fureur, sauvage, mais majestueux. Il était enflé et magnifique au moment où je le traversais. Il essuyait aux bateaux du pont sa crinière fauve, sa barbe limoneuse, comme dit Boileau. Ses deux rives se perdaient dans le crépuscule. Son bruit était un rugissement puissant et paisible. Je lui trouvais quelque chose de la grande mer.

Oui, mon ami, c’est un noble fleuve, féodal, républicain, impérial, digne d’être à la fois français et allemand. Il y a toute l’histoire de l’Europe considérée sous ses deux grands aspects, dans ce fleuve des guerriers et des penseurs, dans cette vague superbe qui fait bondir la France, dans ce murmure profond qui fait rêver l’Allemagne.

Le Rhin réunit tout. Le Rhin est rapide comme le Rhône, large comme la Loire, encaissé comme la Meuse, tortueux comme la Seine, limpide et vert comme la Somme, historique comme le Tibre, royal comme le Danube, mystérieux comme le Nil, pailleté d’or comme un fleuve d’Amérique, couvert de fables et de fantômes comme un fleuve d’Asie.

Avant que l’histoire écrivait, avant que l’homme existait peut-être, où est le Rhin aujourd’hui fumait et flamboyait une double chaîne de volcans qui se sont éteints en laissant sur le sol deux tas de laves et de basaltes disposés parallèlement comme deux longues murailles. À la même époque, les cristallisations gigantesques qui sont les montagnes primitives s’achevaient, les alluvions énormes qui sont les montagnes secondaires se desséchaient, l’effrayant monceau que nous appelons aujourd’hui les Alpes se refroidissait lentement, les neiges s’y accumulaient; deux grands écoulements de ces neiges se répandirent sur la terre: l’un, l’écoulement du versant septentrional, traversa les plaines, rencontra la double tranchée des volcans éteints et s’en alla par là à l’Océan; l’autre, l’écoulement du versant occidental, tomba de montagne en montagne, côtoya cet autre bloc de volcans expirés que nous nommons l’Ardèche et se perdit dans la Méditerranée. Le premier de ces écoulements, c’est le Rhin; le second, c’est le Rhône…

…Le Rhin, dans les destinées de l’Europe, a une sorte de signification providentielle. C’est le grand fossé transversal qui sépare le Sud du Nord. La providence en a fait le fleuve-frontière; les forteresses en ont fait le fleuve-muraille. Le Rhin a vu la figure et a reflété l’ombre de presque tous les grands hommes de guerre qui, depuis trente siècles, ont labouré le vieux continent avec ce soc qu’on appelle pépée. César a traversé le Rhin en montant du midi; Attila a traversé le Rhin en descendant du septentrion. Clovis y a gagné sa bataille de Tolbiac. Charlemagne et Bonaparte y ont régné. L’empereur Frédéric-Barberousse, l’empereur Rodolphe de Hapsbourg et le palatin Frédéric Ier y ont été grands, victorieux et formidables. Gustave-Adolphe y a commandé ses armées du haut de la guérite de Caub. Louis XIV a vu le Rhin. Enguien et Condé l’ont passé. Hélas! Turenne aussi. Drusus y a sa pierre à Mayence comme Marceau à Coblenz et Hoche à Andernach. Pour l’œil du penseur qui voit vivre l’histoire, deux grands aigles planent perpétuellement sur le Rhin, l’aigle des légions romaines et l’aigle des régiments français.

…Ce noble Rhin que les Romains nommaient Rhenus superbus, tantôt porte les ponts de bateaux hérissés de lances, de pertuisanes ou de baïonnettes qui versent sur l’Allemagne les armées d’Italie, d’Espagne et de France, ou reversent sur l’ancien monde romain, toujours géographiquement adhérent, les anciennes hordes barbares, toujours les mêmes aussi; tantôt charrie pacifiquement les sapins de la Murg et de Saint-Gall, les porphyres et les serpentines de Bâle, la potasse de Bingen, le sel de Karlshall, les cuirs de Stromberg, le vif-argent de Lansberg, les vins de Johannisberg et de Bacharach, les ardoises de Caub, les saumons d’Oberwesel, les cerises de Salzig, le charbon de bois de Boppart, la vaisselle de fer blanc de Coblenz, la verrerie de la Moselle, les fers forgés de Bendorf, les tufs et les meules d’Andernach, les tôles de Neuwied, les eaux minérales d’Antoniustein, les draps et les poteries de Wallendar, les vins rouges de Taar, le cuivre et le plomb de Linz, la pierre de taille de Kœnigswinter, les laines et les soieries de Cologne; et il accomplit majestueusement à travers l’Europe, selon la volonté de Dieu, sa double fonction de fleuve de la paix, ayant sans interruption sur la double rangée de collines qui encaisse la plus notable partie de son cours, d’un côté des chênes, de l’autre des vignes, c’est-à-dire d’un côté le nord, de l’autre le midi; d’un côté la force, de l’autre la joie…”

(aus: Victor Hugo: Le Rhin, lettre XIV; Hugos Rheinbriefe sind komplett zu finden auf Google Books)

Drei Mann in einem Boot

Bei Drei Mann in einem Boot handelt es sich um einen Junggesellen- und Strohwitwerklamauk, zugleich um eine typische, auf Wortspielen basierende Heinz Erhardt-Komödie und ein Road- oder besser: Rivermovie auf dem Rhein, der vom Bodensee bis Amsterdam die Kulisse für eine Flucht der Herren Erhardt, Kulenkampff und Giller aus ihrem von so tiefblonden wie vereinnahmenden Damen reichlich bevölkerten Wirtschaftswunderalltag gibt. Als Fluchtmittel dient eine kleine Barkasse namens Marianne. Bald wird den dreien der Bodensee zu eng, denn ihre Damen haben die Verfolgung im Schnellboot aufgenommen: ein solidarischer Schweizer Grenzwächter steckt dem Trio die Botschaft in Romanshorn. Sie beschließen, nach Amsterdam aufzubrechen, vergessen aber das Hindernis des Rheinfalls, was zu dramatischen Szenen führt – so dramatisch eben der deutsche Familienfilm von 1961 dramatische Szenen zu gestalten wußte: die Herren Lausbuben werden in vorvorletzter Sekunde vorm Brettern in den Orkus bewahrt. Unterdessen entbreitet sich der Rhein in strahlendem Technicolor. Die Herren singen ein Loblied auf die Vorzüge Mariannes, welche ihnen nicht unnötig ins Leben quatscht wie Frauen das eben sonst pflegen. Doch schon bald wird das Trio mit einer nächsten Blondine konfrontiert: der fluchenden, Jenever in sich hineinschüttenden, holländischen Frachtersteuerfrau Betje Ackerboom (die frühverstorbene Susanne Cramer), deren Zähmung Kulenkampff zufällt. Das Lied von der Loreley erschallt aus dem Off, die Kamera zeigt mitten ins Paradies. Es besteht aus Burgruinen auf Weinhügeln. Marianne hüpft für geraume Zeit über romantische Frachterbugwellen – bis zum großen Personaltreffen (samt Gesangseinlage) in Königswinter. Der Showdown kann hier jedoch noch nicht stattfinden, denn er wurde eindeutig für Amsterdam versprochen. Wo er dann auch stattfindet: wennschon nicht als Showdown, sondern als sich hinziehendes Happy End. Der Film taugt insgesamt eher als historisches Bilderbuch, denn zum Lachen. Heinz Erhardts vertrottelte Art in Kombination mit seinem bisweilen unglaublichen Vokabular sorgt für die wenigen Höhepunkte neben der wunderbar ins Klischee gesetzten Rheinkulisse. Und bei Walter Giller müssen wir immer an seine Autogrammkarte in der Kölner Grill Station (R.I.P., beste Currywurst und bestes Schweineschaschlik Kölns!) denken, die mit „Danke für Chili con Carne“ unterzeichnet war und uns daran gemahnte, daß a) berühmte Schauspieler Imbißbuden nicht unbedingt verschmähen, b) wir Walter Giller in der Grill Station niemals erkannt hätten und c) wir überhaupt niemals jemanden ausgerechnet Chili con Carne in der Grill Station essen sahen.

Rheinischer Rebell

Der Oberbürgermeister der Stadt Köln hatte uns vor geraumer Zeit eingeladen zur Kabinettsausstellung „Ein rheinischer Rebell. Wolfgang Müller aus Königswinter“ in der Zentralbibliothek am Neumarkt. Der Einladung konnten wir erst heute, am letzten Tag der Ausstellung folgen. Zur Anreise entschieden wir uns ganz gegen alle Gewohnheit für die Stadtbahn: eine gute Entscheidung, denn nebst dem beinahe schon literarischen Anblick eines aus der Zwerghundhochburg Weidenpesch zugestiegenen Yorkshireterriers, der mit seiner unverhältnismäßig langen Zunge unablässig die dünne Wagenluft aufleckte, kamen wir in kurzer Fahrtzeit auch in den Genuß diverser Privatgespräche („hisch`schwööre wennhischdensehe kritterjleisch nehohrfeije“), proklamativ memorierter Telefonnummern und den heftigen Ausfall eines mittäglich Schwerbetrunkenen, welcher sich zunächst wilde Kampfszenen mit einer Automatiktür der Bahn lieferte, bevor er den zahlreichen staunenden Anwesenden zurief, sie mögen ihn doch alle am Arsch lecken. Wie sehr der private und der öffentliche Raum sich heuer durchdringen zeigten insbesondere die Displays einiger Smartfones, welche sich den Fingerübungen ihrer Besitzer entzogen und eigenständig Informationen verbreiteten, welche den ein oder anderen empfindlicheren Passagier erröten ließen. Ferner beobachteten wir etliche Gestalten, die für zwei Stationen ihre Fahrräder in die Bahn schleppten, ein Massenfänomen mit schwer durchschaubarer Motivation. Wir hätten gerne noch mehr modernen Alltag gesehen, doch die Ausstellung rief, sie war nurmehr wenige Stunden verfügbar.

Die Ausstellung entpuppte sich, wie das in Bibliotheken so üblich ist, als Vitrinenausstellung. Ein vitrinierter Rebell also, dieser Wolfgang Müller. Anbetrachts der auf den ersten Blick gefühlten fünf (auf den zweiten Blick/in Wirklichkeit aber mindestens doppelt bis dreifach sovielen) Exponate war Müllers Rebellentum zunächst kaum faßbar: handelte es sich doch um Bücher mit anheimelnden Titeln wie Bruderschaftslieder eines rheinischen Poeten, Rheinfahrt, Mein Herz ist am Rheine, Erzählungen eines rheinischen Chronisten oder auch Lahnfahrt. Etwas rebellischer schon der Titel: Höllenfahrt von Heinrich Heine, schwer einschätzbar Müllers Ehrenmitgliedschaft im Bonner Maikäferbund, mäßig rebellisch einige Gedichtdrucke Herbstfeier (mit viel Rhein/Wein-Gereime), Der Mönch von Heisterbach und ein Text über den sagenhaft volksfreundlichen Kölner Bürgermeister Hermann Gryn, der einen ausgehungerten Löwen (und mit diesem den Klerus) in die Schranken wies, doch schließlich vollends Müllers Rebellentum hervorkehrend ein Zitat von Friedrich Engels: „Es wurden auch einige kommunistische Gedichte des Herrn Dr. Müller aus Düsseldorf vorgelesen“, zu finden angeblich in Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Band 2, Berlin 1990, auf Seite 517. Die Ausstellung hat vor wenigen Minuten geschlossen, wir bemühen uns jedoch darum,  den ein oder andern Müllertext hier einzustellen.

Rheinischer Jedi

Eine unserer Studentinnen machte uns auf den Fall eines Mannes aus Königswinter aufmerksam, der sich seit Jahren für einen Jedi-Ritter ausgibt und deshalb im soeben verflogenen September Ärger mit der Justiz bekam. Der Mann hatte einen Imbißbesitzer (sic!) verletzt, weil dieser ihm nicht den dem Jedistand gebührenden Respekt entgegengebracht hätte. Zuletzt griff er einen Postboten, der ihn beim Meditieren gestört hatte, mit Schlägen ins Gesicht an. Bei der darauf folgenden Gerichtsverhandlung verlangte er von den Richtern, sie hätten sich vor ihm (als Jedi) zu verbeugen. Das Gericht entschied die Einlieferung des Mannes in eine psychiatrische Klinik. So berichteten es zumindest diverse Zeitungen.
Unsere Studentin nahm den Fall zum Anlaß, den Jedi-Kodex auf Übereinstimmungen und Unvereinbarlichkeiten mit der rheinischen Lebensweise zu untersuchen. Sie kam zum Schluß, daß der Rheinländer an sich, zumindest außerhalb des Karnevals (dort etwa als Darth Vader kostümiert), nicht sonderlich fürs Jedi-Dasein tauge. Freilich war ihre Untersuchung vorwiegend kreativ-komödiantischer Natur und an gängigen Stereotypen orientiert.
Bleibt anzumerken: der Jedi im Schnellimbiß hat sich im rheinischen Alltag bisher allem Anschein nach nicht etabliert. Oder aber er bleibt bei „Currywurst Pommes“ derart unauffällig, daß er für Dritte nicht als Jedi zu erkennen ist. Ohnehin verbietet ihm sein Kodex Aggressionen gegen Schnellimbißbesitzer oder Postboten. Der Mann aus Königswinter scheint daher ein von Laien nur schwer zu beurteilender Ausnahmefall. Was wiederum bedeutet: über den tatsächlichen Jedianteil an der rheinischen Bevölkerung kann allenfalls spekuliert werden. Was wir hiermit bis auf Weiteres zu unterlassen versprechen.