Aus den Tagebüchern von Marcel Crépon

Die Volksweisheit findet Gefallen am Glauben, dass die vergangenen Tage angenehmer waren als die diejenigen, die heute ablaufen oder darauf warten, es noch zu tun; wenn das tatsächlich der Fall wäre, sollte ich nicht ein retro-aktives Tagebuch führen?

Worte. Ich habe weniger das Gefühl zu schreiben als abzutropfen, Wort für Wort, mich abzuworten.

Gerne spaziere ich durch die Straßen, wenn ich keinen Grund habe, der mich daran hindert raus zu gehen, weil ich immer einen guten Grund habe es zu tun, sei es nur um Fotos zu machen. Bleibe ich drin, widme ich mich meinem Tagebuch. Es ist ratsam, diese Arbeit beim Aufstehen zu erledigen: es ist noch nichts geschehen, und war die Nacht traumlos, ist der Eintrag schnell erledigt.

Nach jedem Waschgang: die Wäsche im Garten, vom Wind befummelt, wedelt Gebete, die sich in Stoff wickeln, sich an Drähten strangulieren, sich zusammenrollen und zuletzt schweigen.

Je weniger ich schlafe, desto weniger träume ich. Der Vorteil ist eindeutig: je weniger ich träume, desto länger die Zeit, während der mein Hirn keinerlei Aktivität ausübt. Eine Länge, die jedoch durch die relative Kürze des Schlafs verringert wird.

“Das ist das größte Loch der Welt”, sagte A., und zeigte auf eine Kohlengrube mit gigantischen Baggern, die den Horizont klein hackten. So ein Krater könnte einen Asteroiden eifersüchtig machen, dachte B.

Tage habe ich erlebt, ja, von exemplarischer Geschmacksneutralität. Vor Langeweile verdutzt.

Rheinsein. Rhein sein… Ich weiß nicht, warum mich das an dieses Lehrerpaar erinnert, die Velloins…, vor langer Zeit. Ich erinnere mich nur halb. Ungefähr zu dieser Zeit übte ich an einer Schule zwei Tätigkeiten aus. Im Rahmen der ersten sollte ich den Schülern die Geheimnisse der Fotografie (Aufnahme, Entwicklung, Abzüge, etc) beibringen. Fakultativer Unterricht – niemand nahm daran teil. Für die zweite Tätigkeit (Dokumentarlisten, Gehilfe, sic!), verbrachte ich meine Zeit mit dem Durchblättern von Lexika und Enzyklopädien, da die Schüler im allgemeinen den Ort mieden. Worte habe ich gesehen wie andere Dinge von der Welt sehen!

Wer sagte: Auch seine Vergänglichkeit muss man finanzieren können?

Wie reiste wohl Herodot? Sicher zu Fuß, vielleicht an Bord einer Galeere, wahrscheinlich auf einem Pferd oder Esel. Wie viele Kilometer legte er zurück? Mit ihm verglichen reiste Sebastian Münster weniger, doch besaß er ungefähr 120 Augenpaare.

In der Accademia, der Zyklus der Heiligen Ursula. Ihre Ankunft auf dem Rhein in Köln. Die Segelboote mit imposanten Masten, dunkel wie Bestattungsgondeln. Der Hund auf dem Ponton, bewaffnete Männer vor den Befestigungen, die an den Arsenale erinnern (Carpaccio soll von Reuwich (selbst von Bellini beeinflusst) inspiriert worden sein, der den Peregrinatio in Terram Sanctam von Breydenbach illustrierte). Die Figur, die mit ausgestreckten Armen, schlafwandlerisch oder blind, auf dem betürmten Pier vorankommt. Der im Vordergrund sitzende Soldat, träumend, einen Bogen in Händen (?). Auch im Vordergrund, aber rechts, in einer Gruppe, die Figur, die einen Brief hält und auf die Schiffe zeigt. Ist der Brief eine Beschreibung Ursulas? Die Frau, die es abzuschießen gilt… Ein Armbrustschütze zielt auf – was? eine Taube? ein Rebhuhn? Die Ankündigung kann das dem Heiligen vorbehaltene Schicksal sein. Vielleicht. Aber wer tötet wen? Die Familie Loredan, die die Bruderschaft unterstützte, für die Carpaccio den Zyklus der Heiligen Ursula schuf, engagierte sich im Kampf gegen die feindlichen Königreiche von Venedig (angeführt von Sultan Mehmet). Diese waren mit drei Kronen bezeichnet (die wie das Rot und das Weiß auch auf dem Wappen von Köln erscheinen). Carpaccio erzählt etwas anderes als das, was er malt …

Der Taikonaut Yang Liwei erzählte, dass er während seiner Reise im Weltraum an Bord des Shenzhou 5 Shuttles ein Geräusch hörte, dessen Quelle er nicht bestimmen konnte und das ihn an den Lärm erinnerte, welchen ein gegen einen Eimer schlagender Holzhammer machen würde. Die Shuttle-Astronauten von Shenzhou 6 und Shenzhou 7 behaupteten später, die gleiche Art von Lärm gehört zu haben.

Wenn ich also richtig verstanden habe, wäre diese weiße Substanz Carbid oder Carbid-Calcium. Mit Wasser vermischt erzeugt sie ein explosives Gas. Dieses Carbid ist vor allem der für Acetylenlampen verwendete Brennstoff. Carbidschießen-Wettkämpfe gibt es auch, und da hört mein Interesse an der Sache auf.

Auf dem Weg nach Rotterdam ein Hausboot namens “Paradox”. Am Ufer scheint eine Läuferin nicht mehr als eine Mütze, eine Sonnenbrille, ein MP3-Player, ein T-Shirt, Shorts und ein paar Tennisschuhe zu sein. Sie hatte sich gründlich zu Tode gejoggt, zu nichts.

Jenseits des Flusses, diesseits. Die Löwin und der Löwe. Der Ruf der Löwin, der Tod des Löwen (1).

Das Fenster weit offen und das ist es, die Landschaft breitet sich aus, mit rechts und links verstreuten Häusern. Und ich sage mir, dass der Weg, den ich gehen musste, um definitiv mit der Natur zu brechen, zweifellos so lange ist, wie der, den ich wieder aufnehmen müsste, um mich wirklich wieder mit ihr zu verbinden.

Im Allgemeinen schlafe ich zu wenig, um Zeit zum Träumen zu haben.

Zeit kauen.

Fixiert man eine Weile die kleinen Wellen, die gegen die Basaltblöcke springen, glaubt man tatsächlich, dass eine von ihnen uns etwas übermittelt, ohne zu wissen, was es ist.

Silhouetten von Bäumen, von Häusern, im Gegen-Licht, im Gegen-Leben…

Als er die Quelle des Nils erblickte, dachte Bruce (2) an die Rhône, den Rhein und die Saône; Gabriel Bonvalot (3), der in Tibet reiste, verglich die Ruinen, die hier und dort zu sehen waren, mit denen von Schlössern, die bei Touristen entlang des Rheins oder des Neckars so beliebt sind. In gleicher Art finden wir in Cécile de Rodt (4): “Der Hudson, der der amerikanische Rhein genannt wird”, “Der Ganges in Benares hat etwa die Breite des Rheins in Köln”, in Montesquieu (5): “… unter den letzten Kaisern, das auf die Vorstädte von Konstantinopel reduzierte Reich, endet wie der Rhein, der nicht mehr ist als ein Bächlein, wenn er im Ozean verloren geht.” Oder in einem Gedicht von Hermann Hesse, die Reise nach Indien (?). (6)

Langsam schlendernd, den Rumpf im zerfetztes Leder eingepackt, die Beine in eine abgenutzte Drillhose, der ausgebleichte Kamm, gefolgt von einem Bastard an der Leine, der seinem Zustand angemessen war: ein pensionierter Punk.

“Der Perückenmacher kommt herein. Er wirft einen Blick auf meine Perücke und weigert sich, sie zu berühren. Sie scheint etwas oberhalb oder unterhalb seiner Kunst. “Aber was dann tun?”, sagte ich zu ihm. “Monsieur, Sie müssen eine von mir nehmen, es sind welche da, fertig.” “Aber ich fürchte, mein Freund”, sagte ich und untersuchte die, die er mir zeigte, “dass diese Schleife nicht aufrechterhalten werden kann.” “Sie könnten”, sagte er, “sie ins Meer tauchen, sie würde halten.”
In dieser Stadt wird alles in großem Maßstab gemessen, sagte ich mir. Das größte Ausmaß der Ideen eines englischen Perückenmachers wäre niemals weiter gegangen, als ihn dazu zu bringen, zu sagen: “Tränken Sie sie in einem Eimer Wasser.” Was für ein Unterschied! Es ist wie die Zeit in der Ewigkeit. [...] Ein Eimer Wasser macht zweifellos eine traurige Figur neben dem Meer; aber er hat den Vorteil, zur Hand zu sein, und Sie können die Schleife in kürzester Zeit eintauchen…” (7)

Das Laub fegen, es langsam zu Haufen schieben, dann mit einer Schubkarre transportieren, um es schließlich zu begraben. Das ist es, was mir beim Fotografieren in den Sinn kommt. In der Tat sind Fotos nichts anderes als die toten Blätter des Waldes, durch die wir uns wohl oder übel bewegen. Wenn alles mit Glanz untergeht, wird die Gelassenheit, mit der wir dem Fall der Welt folgen können, aufsteigende Verzweiflung genannt.

***

(1) s. Jacques Brel, Le lion.
(2) James Bruce, Voyage aux sources du Nil, en Nubie et en Abyssinie, Tome VI (Paris, 1790).
(3) Gabriel Bonvalot, L’Asie inconnue : à travers le Tibet (Paris, 1896).
(4) Cécile de Rodt, Voyage d’une Suissesse autour du monde (Neuchâtel, 1904).
(5) Charles-Louis de Secondat Montesquieu, Oeuvres complètes, De l’esprit des lois, Grandeur et décadance des Romains (Paris, 1834).
(6) Tatsächlich in: Hermann Hesse, Aus Indien (Aufzeichnungen, Tagebücher, Gedichte, Betrachtungen und Erzählungen), Berlin 1913.
(7) Laurence Sterne, Yoricks empfindsame Reise durch Frankreich und Italien, Die Perücke – Paris.

Presserückschau (März 2018)

1
Rheinöl
“Die Firma Rhein Petroleum will (…) im Herbst im Oberrheingraben an neuer Stelle nach Öl suchen. Wie ein Unternehmenssprecher (…) sagte, soll im nordbadischen Weingarten (Kreis Karlsruhe) 750 Meter tief gebohrt werden. Mit der Genehmigung von den Bergbehörden werde in diesen Tagen gerechnet. Bei Riedstadt in Südhessen fördert Rhein Petroleum seit Januar pro Woche etwa 66 000 Liter Öl. Die zwei Tank-Lkw fassende Menge werde in der Karlsruher Raffinerie verarbeitet. (…) 2016 hatte Rhein Petroleum nördlich von Karlsruhe bei Graben-Neudorf zur Probe gebohrt. Dort wurde allerdings nicht ausreichend Öl gefunden.” (Welt)

2
China am Rhein
“Der Einstieg des chinesischen Autobauers Geely als größter Aktionär bei Daimler sorgte für Aufruhr in der ersten Hälfte der Woche. Am Rhein dagegen ist China schon viel länger angekommen – und wächst weiter rasant. Düsseldorf ist der dynamischste Chinastandort in Deutschland. 520 chinesische Firmen, Global Player genauso wie innovative mittelständische Unternehmen, haben sich mittlerweile für die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt entschieden.” (Rheinische Post)

3
Schiersteiner Brücke
“Der Abriss der alten Schiersteiner Brücke ist in vollem Gange. (…) Ein 120 langes und 1100 Tonnen schweres Teilstück des alten Bauwerks wird derzeit regelrecht herausgesägt und die Fahrbahn durchtrennt. Von unten wird das Teilstück von vier Säulen auf einem Ponton getragen und später ans Ufer gebracht – „Ausschwimmen“ lautet der Fachausdruck dafür. (…) Bei 1,3 Kilometern Gesamtlänge der Brücke wird damit fast ein Zehntel des gesamten Bauwerks auf einmal demontiert. Eine ähnliche Aktion soll es später auch noch für den Mombacher Teil der Brücke geben. Im November war mit dem Abriss begonnen worden. Bis zum Herbst (…) soll die Demontage abgeschlossen sein und mit dem Neubau begonnen werden. Derzeit fließt der Verkehr über die bereits fertige südliche Brückenhälfte.” (Allgemeine Zeitung)

4
Festgefrorener Hund
“Ein Zeuge hat am (…) die Polizei alarmiert, weil auf einem im Rheinhafen Niehl liegendem Schiff (…) ein verwahrloster Golden Retriever bei Minusgraden in seiner Hundehütte lag. Die eingesetzten Wasserschutzpolizisten konnten an Bord niemanden außer dem Vierbeiner antreffen. Der Hund war mit seinem Fell am Deck angefroren und konnte sich nicht mehr bewegen. Zur Rettung des Vierbeiners rückte die Feuerwehr an. Sie befreiten ihn aus seiner Hütte, legten ihn mit einer Decke in eine Transportbox und zogen ihn mit einem Kran hoch an Land. Jetzt hat der Golden Retriever eine warme Unterkunft im Tierheim bezogen.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

5
Rhein-Reisespiel
“Die Vorstellung, die Rheinspiele hätten ihren Ursprung in Deutschland, hat etwas für sich. Zumal es in Mainz mit der Firma Jos. Scholz schon Mitte des 19. Jahrhunderts einen qualitätsvollen Spieleverlag gab. Doch weit gefehlt: Die Anfänge der Rhein-Reisespiele liegen auf der britischen Insel. In London nämlich erschien bereits im Jahre 1815 „Wallis’s Game of the Panorama of Europe“. Dieses frühe Reise-Brettspiel zeichnet die klassische Bildungsreise des Adels und des Bürgertums nach, die die Touristen im 18. und 19. Jahrhundert fast immer entlang des Rheins zumeist in die Schweiz oder nach Italien führte. In dem Spiel verläuft die Route quer durch Europa in 36 Städte von Oporto (Porto) über Amsterdam, Wien, Konstantinopel, St. Petersburg und Stockholm bis nach London, wobei die Einzelfelder mit kleinen Veduten der Reisestationen und Sehenswürdigkeiten ausgefüllt sind. Unter den Städten des Deutschen Bundes, in denen laut Spielplan Halt gemacht werden kann, findet tatsächlich auch immerhin ein rheinischer Ort Berücksichtigung: Die Stadt Bonn („… a beautiful town, the streets are wide…“) wurde – platziert zwischen Osnabrück und Leipzig – damit zum ersten Repräsentanten des Rheinlands in der europäischen Kulturgeschichte des Spiels.” (Allgemeine Zeitung)

6
Punk-Rock
“Auf dem Rhein wird es (…) laut und rockig. Das Sojus 7 veranstaltet erstmalig eine Punk-Rock-Bootstour mit der MS Beethoven vom Monheimer Schiffsanleger den Rhein hinauf bis Bonn und zurück. (…) Während der etwa sechsstündigen Fahrt sorgen insgesamt acht Punk-Rock Bands für eine ausgelassene Festival-Stimmung. Mit an Bord sind Singer-Songwriter TV Smith, die Band Diva Kollektiv aus Berlin, die Johnny Reggae Rub Foundation, die Düsseldorfer Joseph Boys, die Band Kwirl, die Monheimer Punkrocker von Johnny Eklat & das Rebell Kartell und die Monheimer Liedermacher Flaschenkindær.” (Lokalkompass)

7
Wolf
“In Duisburg ist ein Wolf gesichtet worden. Eine Wildkamera hat das Tier (…) in der Rheinaue in Walsum gefilmt. “Mit hoher Wahrscheinlichkeit”, so das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv), handelt es sich um dasselbe Tier, das am 24. Februar in Hünxe und zuvor in Rees gesichtet worden war. Damit gibt es in Nordrhein-Westfalen seit Jahresbeginn vier amtlich bestätigte Wolfssichtungen.” (WAZ)

8
Trinkwasser-Düker
“Die Rhein-Energie verlegt (…) voraussichtlich bis zum Oktober 2019 eine neue Trinkwasser-Transportleitung in Poll und Westhoven. Die Arbeiten sind Teil des Vorhabens, das links- und rechtsrheinische Trinkwassernetz miteinander zu verbinden. Geografisch und historisch bedingt sind beide Versorgungsgebiete bislang voneinander getrennt. Nun baut die Rhein-Energie einen Leitungstunnel unter dem Rhein zwischen Marienburg und Poll. Das Unternehmen teilt mit, die Investition diene einer qualitativ hochwertigen Trinkwasserversorgung für die nächsten Jahrzehnte. Die Verbindung der beiden Wassernetze ermögliche in Zukunft eine gleichmäßige Auslastung des gesamten Versorgungssystems. Dies werde sich für die Kunden vor allem im Linksrheinischen besonders an heißen Tagen mit hohem Wasserbedarf auszahlen.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

9
Minerva am Rhein und Main
“Das Interesse an den Idealen und Ritualen der Freimaurer scheint in Alzey und Umgebung recht groß zu sein. Zu den Gästeabenden der Loge „Minerva am Rhein und Main“ kommen jedenfalls immer so viele Besucher, dass der Saal im Schafhäuser Gemeindehaus (…) gut gefüllt ist. (…) „Minerva am Rhein und Main“ (…) gehört der Großloge „Humanitas“ an, die seit 1959 Männern und Frauen gleichermaßen ein Zuhause bietet. Die erste Vereinigung mit dem Namen „Minerva“ wurde 1967 gegründet und 1990 aus personellen Gründen „schlafen gelegt“. (…) 2013 fanden sich die notwendigen sieben Meister zusammen, um die Loge wiederzubeleben. Ihr gehören jetzt 13 „Meister“, zwei „Gesellen“ und zwei „Lehrlinge“ an, die sich monatlich einmal in Schafhausen zur Tempelarbeit treffen. Die Bezeichnungen aus dem Berufsfeld der Handwerker erinnern an die Geschichte der Freimaurer, die ihren Ursprung in den sogenannten Bauhütten der Steinmetze und Dombauer des Mittelalters haben. Aus diesen Anfängen stammen auch die Symbole und Werkzeuge, die bei den Ritualen eine Rolle spielen. (…) So symbolisiere der 24-zöllige Maßstab die Stunden eines Tages; der Proband könne mit diesem Werkzeug lernen, seine Zeit mit Weisheit einzuteilen. Wie er das tue, sei ihm selbst überlassen, oder um es mit einem Ausdruck aus dem Vokabular der Freimaurer zu beschreiben: „Jeder bearbeitet seinen eigenen Stein“.” (Allgemeine Zeitung)

10
Lorely
“Das Versteigerungsunternehmen Veiling Rhein-Maas in Herongen hat seine erste Tulpentaufe begangen. Der Anlieferer Litjens Tulpen hat gemeinsam mit seinem Kunden Mat Dings und Lisa Smit, dem niederländischen Tulpenmädchen des Jahres, sowie Veiling Rhein-Maas die neue Tulpensorte “Lorely” im Foyer der Versteigerung offiziell getauft. Auch für Lisa Smit war es die erste offizielle Tulpentaufe. “Die insbesondere für den deutschen Markt produzierte Tulpe ,Lorely’ begeistert mit großen und eindrucksvollen Blüten mit einer auffälligen Färbung Rosa-Weiß und einer langen Haltbarkeit”.” (Rheinische Post)

11
Rhein als Delaware
“Felicitas Hoppe weiß einfach ziemlich viel. Mit Blick auf den Rhein fragt sie ihr Publikum, ob es ihm bekannt sei, wo das (zumindest in den USA) berühmte Gemälde „Washington überquert den Delaware“ entstanden sei? Kunstpause. Dann das: Hier am Rhein – gut, nicht in Köln, aber immerhin nah dran. Emanuel Leutze habe diese Szene aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg im Düsseldorfer Atelier gemalt. „Wenn man sich diese rheinischen Jungs vorstellt, die ihm da Modell gesessen haben“, sagt Hoppe und lässt den Satz verklingen. Und dann ist der Delaware in Wahrheit der Rhein. Muss man nicht wissen. Aber schön ist, das zu wissen.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

12
Rheintote
“Ein 17-jähriger Radfahrer ist in der Mannheimer Innenstadt in den Rhein gestürzt und gestorben. Nach ersten Ermittlungen soll der junge Matrose aus Holland mit seinem Fahrrad (…) im Handelshafen auf dem Weg zum Einkaufen gewesen sein (…). Dabei streifte er vermutlich das Gleis eines Hafenkrans, verlor die Kontrolle über sein Rad und stürzte über die etwa fünf Meter hohe Kaimauer in den Rhein. Möglicherweise prallte er gegen die Mauer oder ein dort befestigtes Boot, hieß es. Eine Schiffsbesatzung entdeckte den leblosen Körper und alarmierte die Rettungskräfte. Die Feuerwehr konnte den 17-Jährigen nur noch tot bergen.” (Rhein-Neckar-Zeitung)

“Rettungskräfte haben im Süden von Düsseldorf eine weibliche Leiche aus dem Rhein gezogen. (…) Die Frau ist noch nicht zweifelsfrei identifiziert.” (Rheinische Post)

“Eine Wasserleiche ist (…) von der Feuerwehr aus einem Rhein-Seitenarm bei Ottenheim, südlich der dortigen Kiesgrube, geborgen worden. Ein Kanufahrer war auf den Fund aufmerksam geworden und hatte (…) die Polizei verständigt (…). Die Bergungsaktion mit einem Schlauchboot, an der 16 Einsatzkräfte der Feuerwehr Schwanau beteiligt waren, dauerte etwa eine Stunde. Im Anschluss nahm die Kriminalpolizei die Ermittlungen auf. Die Polizei bestätigt, dass es sich um eine männliche Leiche handelt.” (Lahrer Zeitung)

La Vierge à la fleur de haricot à Cologne

La Vierge au brin fleuri est une Vierge blonde
Et son petit Jésus est blond comme elle l’est
Ses yeux sont bleus et purs comme le ciel ou l’onde
Et l’on conçoit qu’elle ait conçu du Paraclet

Deux Saintes veillant dans les volets du triptyque
Pensent béatement aux martyres passés
Et s’extasient d’ouïr le plain-chant des cantiques
Des petits anges blancs dans le ciel entassés

Les trois dames et l’enfant vivaient à Cologne
Le haricot poussait dans un jardin rhénan
Et le peintre ayant vu de hauts vols de cigognes
Peignit les séraphins qui chantent maintenant

Et c’est la Vierge la plus douce du royaume
Elle vécut au bord du Rhin pieusement
Priant devant son portrait que maître Guillaume
Peignit par piété de chrétien ou d’amant

(Guillaume Apollinaire: Le guetteur mélancolique, poèmes inédits, Gallimard 1952)

the rest we knew by books

“Nil ego praetulerim jucundo sanus amico.”
—Horace.

On the night of the 1st of August 1898, two cloaked horsemen might have been seen on the platform of the Parkeston Quay Station, speaking in commanding tones to the knaves and varlets who pressed obsequiously round them, and exhorting these rapscallions, under peril of their ears, to see the iron steeds safe on board the boat for Rotterdam. The taller of the two, who twists half a dozen links from the heavy gold chain round his neck, and casts them among the rabble — forgive me, dear reader ; this strain is above me : I took them out of my righthand pocket, and they were only coppers ; but the porters, if not slavishly deferential, were at least civil and handy, and our machines were soon on board. Let me introduce you now to my travelling companion and old college friend.

Henry Schultz has nothing German about him but his name (and on this occasion, I must add, his straw hat). An accomplished mathematician, he is also familiar with the noblest poets, orators, and historians of antiquity, and more especially with such portions of them as are commonly set for a Pass Degree at either university. French he will talk you classically, if not fluently ; but he never could bend his tongue to the rough Teutonic idiom, any more than Mrs Battle could condescend to the ignoble phraseology of cribbage. A cricketer of fame (was not I myself present some ten years ago, when a public-school boy at the Cologne table d’hôte asked him whether he was the Schultz, and quite forgot the rest of his ice pudding on receiving an affirmative answer !) ; a golfer of almost equal proficiency ; a painfully energetic cyclist, as in due time you shall see— these are but a few of his superficial accomplishments, for I make no attempt here to catalogue his genuine virtues. You will understand now why I chose this motto for my first chapter ; for you doubtless remember, dear reader, that it is with reference to his own little tour with Virgil and Maecenas that Horace tells us he knows nothing like an old friend — a sentiment which will be heartily echoed by all who have tried travelling in the same way—unconditionally by the single, and by the married with all proper marital reservations.

Our plan this time is ambitious—no less than to trace and retrace the whole course of the Rhine within the only eighteen clear days we have at our disposal. We knew it must needs be a great rush, but the idea had fascinated us ; we felt that even this dizzy succession of changing scenes would have a charm of its own, and that thus, in some ways, we should learn more of the characteristics and contrasts of land and people by a plan which enabled us to see it all, as it were, at one sweeping glance. Nearly all of the route we had already seen in detail at other times ; the rest we knew by books ; and in these eighteen days we hoped rapidly to skim the cream of it all. That in this we succeeded to our own complete satisfaction, is my best excuse for publishing an account of our tour as a guide for future tourists. We ourselves spent eighteen days of bliss, only so far alloyed as to give it the necessary human consistency. Yet, among one’s later memories of even the happiest holiday, few things stand out in brighter colours than those first moments of anticipation ; and few men ever started with more confident hopes of enjoyment than we, as the ship ploughed her way through the tranquil starlit sea ; and we sat recalling memories of former holidays until prudence warned us to go below and snatch that somewhat unquiet sleep, which is the most that mortals dare hope for, even on the most unruffled passage.

(George Gordon Coulton: Father Rhine, Chapter I, Edinburgh 1898)

Schwarze Fluten

Die Uhr am Rudolfplatz zeigt halb fünf. Ihr Blick streift die Platanen auf dem großen Boulevard, reglose Wächter einer unbekannten Ordnung; die erleuchteten bunten Schaufenster wirken verlassen. Sie folgt dem Rhythmus ihrer Schritte, biegt in eine kleinere Straße ein, um eine Ecke, in eine andere Straße. Die Stadt ist still um diese Zeit. Dann ist sie schon am Dom, läuft an der schwarz aufragenden Fassade vorbei bis zur Brücke, und dort, über den Fluss und im Schutz der großen Kathedrale, kann sie endlich stehen bleiben. Sie atmet in Stößen. Das Geländer ist kalt. Der Fluss wälzt schwarze Fluten unter ihr entlang, die Kämme der Wellen werfen die Lichter am Ufer zurück. Sie ist gleichzeitig müde und wach; so müde, dass sie fürchtet, sie könnte nicht weitergehen, und so wach, als könnte sie nie mehr schlafen.
Sie erinnert sich nicht mehr an den Rückweg. Sie weiß nur, dass sie so lange auf der Brücke gestanden hat, bis es hell war. Irgendwie ist sie wohl zurückgelaufen. Sie hat sich wieder ins Bett gelegt und ist das ganze Wochenende nicht mehr aufgestanden. Lars hat Youna zu seiner Mutter gebracht, weil Feline mal eine Pause brauchte, das hörte sie ihn am Telefon erklären: Feline braucht mal eine Pause.
Als er wiederkam, lief er ratlos in der Wohnung umher, blieb auf einem seiner Wege in der Schlafzimmertür stehen und sagte: Bei allen geht mal eine Stunde daneben. Später: Das nächste Mal läuft es sicher besser. Er berichtete von katastrophalen Referendariatserfahrungen, die dann doch nur Vorstufen zu glücklichen Lehrerkarrieren waren und von denen auf einmal alle ihm erzählten, nun, wo Feline nicht zu sprechen war. Aber das war es nicht. In ihr breitete sich ein Verdacht aus wie Gift, das nach und nach ihre Glieder lähmte. Sie gab ihm keinen Namen, lag nur da und bewegte sich nicht, als könnte sie noch hoffen, nicht gefunden zu werden. Ihr Vater hatte mal gesagt: Manchmal habe ich Angst, dass einer von euch ist wie Egon. Da war sie vielleicht fünf. Sie verstand nicht, was das bedeutete, alles, was sie wusste, war, dass Egon ihr Onkel gewesen wäre, wenn er noch gelebt hätte; aber von ihm gab es nicht mehr als das Foto auf dem Schreibtisch des Vaters und ein Grab, das niemand besuchte. Sie nahm die Hand ihres Vaters, sie war fest und warm. Wir sind nicht wie Egon, sagte sie, ganz sicher nicht. Später, als ihr Vater seine Tage damit zubrachte, stundenlang reglos auf dem Sofa zu sitzen und in den Garten zu starren, sagte er es noch mal. Fast gemurmelt, als wäre es verboten. Mittlerweile wusste sie, dass Egon krank war, sein Geist, nicht sein Körper, hatte die Mutter ihnen erklärt, und als er das nicht mehr ausgehalten hat, ist er auf eine der Rheinbrücken gestiegen und hinuntergesprungen. Sie saßen auf ihrem Schoß, sie und Stella, jede auf einem Bein, die Mutter hatte die Arme um sie gelegt.
Konnte er denn nicht schwimmen?, fragte Stella. Feline stellte sich den Egon von dem Foto vor, der ein bisschen aussah wie ihr Vater, nur in jünger, obwohl er eigentlich älter war, aber nun hatte ihr Vater ihn überholt. So als wäre sie irgendwann älter als Stella, weil es Stella nur noch auf einem Foto gäbe, und Fotos können nicht altern. Er ging in Königsmanier die Stufen zu dieser Brücke hoch, entschlossen und einsam.
Doch mein Schatz. Aber er hatte auch Gift genommen. Das war es ja.

***

Sibylle Luithlens Debutroman “Wir müssen reden”, der dieser Tage erscheint, spielt in Köln, Bonn, Norditalien und Schwaben. Er handelt unter anderem von Positionierungen innerhalb der Gesellschaft, den Schwierigkeiten des Familienprinzips, der Begrenztheit frei schwebender Liebe und dem kurzen Leben einer jungen Frau, die als Kind einen Vogel verschluckte. Die in Köln situierte Passage mit fatalem Brückenabschluss zitiert rheinsein mit freundlicher Genehmigung der Autorin. Mehr zum Buch und Bestellmöglichkeiten unter:

Sibylle Luithlen: Wir müssen reden. Deutsche Verlagsanstalt, München 2018

Presserückschau (Februar 2018)

1
Protesthupen
“Mit lautstarkem Hupen protestieren derzeit die Binnenschiffer in Köln. Sie sind sauer darüber, dass sie nicht mehr im Rheinauhafen anlegen dürfen. Während des Rheinhochwassers hatten Schiffe zwei ältere Festmachvorrichtungen aus ihrer Verankerung gerissen. Die Anlagen an der Kaimauer seien nicht mehr für Zugkräfte moderner Frachtschiffe ausgelegt, teilen die Häfen und Güterverkehr Köln kurz HGK mit. Die verbliebenen Anlagen wurden entfernt und für die Kaimauer ein Anlegeverbot erlassen. Doch dieses Verbot stößt bei den Binnenschiffern auf Protest. Die Liegestellen am Rheinauhafen in Köln zählen zwischen Rheinland-Pfalz und der deutsch-niederländischen Grenze zu den letzten verbliebenen Möglichkeiten, um die Fahrt eines Schiffes zu unterbrechen (…). Um ihren Protest hörbar zu machen, hupen die Schiffe nun bei ihrer Durchfahrt. Vereinzelt hängen Kölnfahnen verkehrt herum.” (WDR)

2
Gesunkenes und wieder aufgetauchtes Hausboot
“Bornheim-Hersel – Ein Hausboot ist (…) in den Fluten des Rheins versunken. (…) Der Vorfall ereignete sich am Anfang des Herseler Werths, Ecke Hafenstraße/Leinpfad. Um die Sicherheit der Rettungskräfte zu gewährleisten, wurde eine Elektroleitung stillgelegt. (…) Mehr als 30 Einsatzkräfte waren vor Ort, darunter Rettungsschwimmer vom Deutschen Roten Kreuz und der Wasserwacht sowie Taucher der Berufsfeuerwehr Köln.” (General-Anzeiger)
“Das (…) in Hersel gesunkene Hausboot wurde (…) aus dem Rhein geborgen. Mehrere Helfer (…) versuchten in einer privaten Aktion, das Schiffswrack aus den Fluten zu ziehen. Nachbarschaftshilfe wird in Hersel groß geschrieben. (…) Mit einem Traktor, Seilwinden und Umlenkrollen zogen (…) Helfer das havarierte Boot aus dem Wasser. (…) Die Seile liefen über fünf Rollen, damit die Kraft zum Herausziehen verstärkt wurde. Allerdings mussten die Helfer das Ganze nach einigen Stunden abbrechen, weil das 22 Tonnen schwere Boot mit Wasser vollgelaufen und somit zu schwer geworden war. Hinzu kommt, dass die Uferböschung recht steil ist. Nun müssen alle Beteiligten erst einmal darauf warten, dass der Wasserpegel sinkt, um das Boot leer pumpen zu können. Erst dann wird es weiter an Land gezogen.” (General-Anzeiger)

3
Ausstellung
“Bad Honnef – Impressionen vom Rhein sind ab sofort in der Ladenzeile im Postgebäude an der Bahnhofstraße, die der Kunstverein antiform bespielt, zu sehen. Die vier Fotografen Helmut Reinelt, Frank Homann, Frank Landsberg und Jens Unglaube präsentieren in der Schau ihre Werke zum Thema „Der Rhein und seine Landschaft“. (…) Die Ausstellung ist bis 8. April jeden Sonntag von 14 bis 18 Uhr geöffnet, zusätzliche Termine nach Absprache.” (Bonner Rundschau)

4
Bär im Rhein
“In Höhe des Tanzbrunnens mussten Einsatzkräfte von Feuerwehr und Wasserschutzpolizei einen als „Bär“ verkleideten Jugendlichen (17) aus dem Wasser ziehen. Mit einer Unterkühlung wurde er von Rettungssanitätern versorgt.” (Kölnische Rundschau)

5
Müll
“In Basel sind mehrere Abfallsammler des Swiss Litter Reports unterwegs – und sie finden einiges an Müll. An einem Tag im Juni etwa trug ein Sammler an einer Stelle beim Tinguely-Museum alleine über 1100 Glas- oder Keramikstücke, 336 Metall- und knapp 3000 Plastikgegenstände, wobei unter Letzteren auch (…) 2630 Zigarettenstummel verbucht sind. Auch grössere Müllgegenstände werden in Basel oft im Rhein entsorgt. An der letztjährigen «Ryybutzete» holten Taucher acht Tonnen Müll aus dem Fluss.” (Aargauer Zeitung)

6
Trinkwasser
“Der Ballungsraum ist durstig: 223 Millionen Kubikmeter Wasser aus dem Ried konsumieren die Rhein-Main-Bewohner pro Jahr. Bis 2030 wird der Bedarf seiner Kunden um weitere 7,5 Millionen Kubikmeter steigen, schätzt der Wasserverband Hessisches Ried. Bevölkerungsprognosen und Klimawandel erforderten, die grundwasserschonende Wassergewinnung auszuweiten. Eine weitere Infiltrationsanlage sei in Planung, kündigte Verbandsvorsteherin und Hessenwasser-Chefin Elisabeth Jreisat in Frankfurt an. Das Prinzip wird das gleiche sein wie das der vier bereits vorhandenen: Rheinwasser wird aufbereitet und versickert dann im Untergrund, um Grundwasser aufzufüllen. (…) Trotz der starken Niederschläge der vergangenen Wochen saugt der Verband derzeit weiter Wasser aus dem Rhein ab und bereitet es auf. Der Grundwasserspiegel sei noch nicht hoch genug, um für einen eventuellen trockenen Sommer gerüstet zu sein.” (Frankfurter Rundschau)

7
Hydraulische Besonderheit
“Ärger über angeblich falsche Fluss-Pegelstände gibt es in Leutesdorf am Rhein (…). Der stellvertretende Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamts Bingen, Florian Krekel, sagte (…), am Pegel Andernach gebe es eine “lokale hydraulische Besonderheit” im Zusammenhang mit zwei 80 Meter davon entfernten Mess-Sensoren. Die bekanntgegebenen Pegelstände könnten daher tatsächlich verwirren. “Wir prüfen, wie wir das verbessern können”, erklärte Krekel. Das sei aber eine Sache von Monaten und nicht wenigen Tagen. “Mess-Stellen verlegt man ungern.” Denn es gehe um die Vergleichbarkeit mit früheren Werten. Krekel riet Rheinanliegern, sich bei ihren Vorkehrungen für Hochwasser nicht auf eine Genauigkeit von zehn Zentimetern bei der Vorhersage der Pegelstände zu verlassen.” (T-Online)

8
Heizungsfunktion für Halsbandsittiche
“Halsbandsittiche breiten sich langsam aus. “Sie wandern entlang des Rheins und des Untermains weiter”, sagt Bernd Petri, Vogelexperte beim Naturschutzbund NABU. So könnten sie im Winter gut überleben. Die Flüsse fungierten wie eine Heizung. Zudem gebe es dort viele Menschen und Futterstellen.” (Hessenschau)

9
Wupperbiber
“Erstmals seit 140 Jahren wurden in Leverkusen Biber gesichtet. (…) Entdeckt hat man die Wassertiere an den durchnagten Weiden, Eschen und Pappeln in der nähe des Ufers, welche den Bibern als Nahrung dienen. Die Nager können ganze Bäume fällen um an die oberen Zweige heranzukommen. (…) Da die Wasserstände der Flüsse in Leverkusen sich kaum verändern, baut der ein Meter lange und 30 Kilogramm schwere Biber keine Dämme, sondern Höhlen in der lehmigen Uferböschung, deren Eingang unter der Wasseroberfläche ist. Dort leben Biber in Familienverbänden von zwei bis acht Tieren. (…) Die Jungtiere bleiben bis zum dritten Lebensjahr im Revier der Eltern. Das neue Revier liegt im Durchschnitt 25 Kilometer vom Revier der Eltern entfernt. Wenn man genau hinschaut, dann kann man einen Biber nicht nur an den Nagespuren an einem Baum erkennen, sondern auch auf dem Wasser, wenn er mit einem kräftigen Schwanzklatscher aufs Wasser auf Tauchgang geht.” (Leverkusener Anzeiger)

10
Früher Film
“Es sind nur 47 grobkörnige Filmsekunden – und doch haben sie unschätzbare Bedeutung für die Erforschung von Basel an der Schwelle zum 20. Jahrhundert: Der Film „Bâle: Pont sur le Rhin“ aus dem Jahr 1896 stellt das älteste Filmdokument der Stadt am Rheinknie dar (…). Ausschnitte aus dem Basler Rheinbrücken-Film mit Erläuterungen sind im Internet unter www.filmpodium.ch zu sehen (unter dem Menüpunkt „Stummfilmfestival 2018“.)” (Weiler Zeitung)

11
Wasserbusse
“Sie könnten den Verkehr in der Region entlasten: Die Städte Köln und Leverkusen wollen prüfen lassen, ob künftig Wasserbusse auf dem Rhein fahren könnten. Eine Machbarkeitsstudie soll in Auftrag gegeben werden. Die Infrastruktur in der Region sei starken Belastungen ausgesetzt, erläuterte die Stadt Köln (…) in einer Mitteilung. Man wolle dafür Lösungen erarbeiten. (…) Das zu untersuchende Wasserbussystem solle mit dem übrigen Nahverkehrsangebot und dem Radverkehr verknüpft werden. Unter einem Wasserbus verstehen die Beteiligten nach Angaben einer Sprecherin in diesem Fall Schiffe. Partner in dem Projekt sind neben Köln und Leverkusen auch Wesseling und regionale Verkehrsanbieter.” (Rheinische Post)

12
Neuer Seitenarm
“In der Rheinaue bei Emmerich ist ein neuer, zwei Kilometer langer Flussarm entstanden, der Lebensraum für Fisch- und Vogelarten bieten soll. (…) Das Gelände ist schwer zugänglich. Die Zufahrt zur Emmericher Ward erfolgt über die Steinfabrik Muhr. Im Sommer wie im Winter ist westlich der Rheinbrücke kaum jemand zu sehen: „Na ja, ab und an ein illegaler Angler, der Bisamfänger und der Biber“, scherzt Klaus Markgraf-Maué, der die Stille an diesem Wintermorgen sichtbar genießt. Sein geschultes Ohr hört zahlreiche Vogelstimmen, und noch bevor in der Luft etwas zu sehen ist, hat er bereits Stare, Brachvogel, Wasserläufer, Kanadagänse und Weißwangengänse ausgemacht. (…) Die neue Nebenrinne des Rheins entwickele sich prächtig. Durch das Hochwasser wurde das Flussbett neu geformt. Der Biologe erkennt die ersten neuen Kies- und Sandablagerungen im Uferbereich: „Genau so wollen wir es haben“, sagt er. Durch das starke Wassertreiben im Januar haben sich auch einige steile Uferböschungen gebildet: „Das ist ein idealer Brutraum für Eisvögel und Uferschwalben.“ Fast 17 Jahre lang hat Klaus Markgraf-Maué sich für diesen Flusslauf eingesetzt. 2001 starteten die ersten Planungen, im November 2017 fuhren die letzten Bagger von der Baustelle. Zwei Kilometer umfasst der Rheinarm, der jetzt vielen Vogel- und Fischarten ein neues Zuhause bieten soll. An 270 Tagen im Jahr wird der Rhein das Gelände durchströmen: „Das ist aus ökologischer Sicht eine ideale Sache“, so Markgraf-Maué.” (NRZ)

13
Rheintote
“Am Morgen (…) entdeckten Zeugen am Anleger unterhalb der Schnellenburg in Höhe der Messe an der Rotterdamer Straße in Düsseldorf-Stockum einen leblosen menschlichen Körper im Rhein. Die zur Hilfe gerufene Feuerwehr und die Wasserschutzpolizei bargen den Körper kurze Zeit später. Bis jetzt steht laut Polizei fest: Bei dem Toten handelt es sich um einen etwa 20 bis 50 Jahre alten und 1,85 Meter großen Mann. (…) Die Leiche konnte noch nicht identifiziert werden.” (NRZ)

“In den Niederlanden ist eine Wasserleiche gefunden worden. Die Polizei konnte die Identität des Mannes bisher nicht klären. Der Mann sei (…) in Waal, einem Mündungsarm des Rheins, gefunden worden, teilte die niederländische Polizei mit. Vermutlich habe er schon mehrere Wochen im Wasser gelegen. Angaben zur Todesursache machten die Ermittler nicht. Möglicherweise stamme der Tote aus Deutschland und sei im Rhein flussabwärts getrieben. Erst vor wenigen Tagen war in den Niederlanden die Leiche eines Mannes gefunden worden, der aus Oberhausen stammte und seit einer Weihnachtsfeier in Düsseldorf vermisst worden war.” (Rheinische Post)

Schnee von gestern

land art_südbrücke“Dass der Rhein als Bildhauer tätig ist, wissen wir; dass er gerne Kieselsteine „beschriftet“, wissen wir auch; nun aber ist bewiesen, dass, stimmen die Wetterbedingungen, er auch Land Art betreiben kann. Das Bild ist wahrhaftig „Schnee von Gestern“… (von der Süd-Brücke fotografiert)”, schreibt unser Korrespondent Roland Bergère vom anderen Ende Kölns.