Es ist ja schon mancher auf dem Rhein reich worden

Johann Peter Hebels Geschichten aus dem Jahreskalender „Schatzkästlein des Rheinischen Hausfreunds“ dienten zur geistreich pointierten Unterhaltung, aber auch der Volksbildung. Zu lesen sind lehrreiche Nachrichten, lustige Geschichten, abgewandelte Märchen, naturwissenschaftliche Beschreibungen, nicht selten mit kniffligen Rechenaufgaben.
In einigen Episoden, wie auch in der folgenden, spielen Juden die zentrale Rolle.
Hans Maaß, ein Hebel-Kenner beschrieb es einmal so: „Hebels Judenbild ist geprägt von den gesellschaftlichen Vorurteilen seiner Zeit, aber auch von dem aufklärerischen Ideal einer „Verbesserung“ des Menschen durch Erziehung und Bildung sowie durch Verbesserung der sozialen und rechtlichen Verhältnisse. So sind seine Judengeschichten Bilder eines verbesserungswürdigen, aber auch verbesserungsfähigen Menschentyps.“
Der bei Hebel im Original jüdische Hauptdarsteller, wurde von mir kurzer Hand durch einen Schwaben ersetzt. So ist den heutigen Lesern, insbesondere den badischen, ein politisch korrektes und Rassismus freies Schmunzeln ermöglicht.

Einträglicher Rätselhandel
von Johann Peter Hebel 2.0

Von Basel fuhren elf Personen in einem Schiffe den Rhein hinab. Ein Schwabe, der nach Schalampi wollte, bekam die Erlaubnis, sich in einen Winkel zu setzen, und auch mitzufahren, wenn er sich gut aufführen, und dem Schiffer achtzehn Kreuzer Trinkgeld geben wolle. Nun klingelte es zwar, wenn der Schwabe an die Tasche schlug, allein es war doch nur noch ein Zwölfkreuzerstück darin; denn das andere war ein messingner Knopf. Dessen ungeachtet nahm er die Erlaubnis dankbar an. Denn er dachte: „Auf dem Wasser wird sich auch noch etwas erwerben lassen. Es ist ja schon mancher auf dem Rhein reich worden.” Im Anfang und von dem Wirtshaus zum Kopf weg war man sehr gesprächig und lustig, und der Schwabe in seinem Winkel, und mit seinem Zwerchsack an der Achsel, den er ja nicht ablegte, musste viel leiden, wie man’s manchmal diesen Leuten macht und versündigt sich daran. Als sie aber schon weit an Hüningen und an der Schusterinsel vorbei waren, und an Märkt und an dem Isteiner Klotz und St. Veit vorbei, wurde einer nach dem andern stille und gähnten und schauten den langen Rhein hinunter, bis wieder einer anfing: „Maultäschle”, fing er an, „weißt du nichts, daß uns die Zeit vergeht. Deine Vorfahren müssen doch auch auf allerlei gedacht haben im Württembergischen.” – Jetzt, dachte der Schwabe, ist es Zeit das Schäflein zu scheren, und schlug vor, man sollte sich in der Reihe herum allerlei kuriose Fragen vorlegen, und er wolle mit Erlaubnis auch mithalten. Wer sie nicht beantworten kann, soll dem Aufgeber ein Zwölfkreuzerstück bezahlen, wer sie gut beantwortet, soll einen Zwölfer bekommen. Das war der ganzen Gesellschaft recht, und weil sie sich an der Dummheit oder an dem Witz des Schwaben zu belustigen hofften, fragte jeder in den Tag hinein, was ihm einfiel.
So fragte z. B. der erste: „Wie viel weich gesottene Eier konnte der Riese Goliath nüchtern essen?” – Alle sagten, das sei nicht zu erraten und bezahlten ihre Zwölfer. Aber der Schwab sagte: „Eins, denn wer ein Ei gegessen hat, ißt das zweite nimmer nüchtern.” Der Zwölfer war gewonnen.
Der andere dachte: Wart Schwabe, ich will dich aus dem Neuen Testament fragen, so soll mir dein Zwölfer nicht entgehen. „Warum hat der Apostel Paulus den zweiten Brief an die Korinther geschrieben?” Der Schwab sagte: „Er wird nicht bei ihnen gewesen sein, sonst hätt er’s ihnen mündlich sagen können.” Wieder ein Zwölfer.
Als der dritte sah, daß der Schwabe in der Bibel so gut beschlagen sei, fing er’s auf eine andere Art an: „Wer zieht sein Geschäft in die Länge, und wird doch zu rechter Zeit fertig?” Der Schwab sagte: „Der Seiler, wenn er fleißig ist.”
Der vierte. „Wer bekommt noch Geld dazu, und lässt sich dafür bezahlen, wenn er den Leuten etwas weiß macht?” Der Schwab sagte: „Der Bleicher.”
Unterdessen näherte man sich einem Dorf, und einer sagte: „Das ist Bamlach.” Da fragte der fünfte: „In welchem Monat essen die Bamlacher am wenigsten?” Der Schwabe sagte: „Im Hornung, denn der hat nur 28 Tage.” Der sechste sagt: „Es sind zwei leibliche Brüder, und doch ist nur einer davon mein Vetter.” Der Schwab sagte: „Der Vetter ist Eures Vaters Bruder. Euer Vater ist nicht Euer Vetter.”
Ein Fisch schnellte in die Höhe, so fragt der siebente: „Welche Fische haben die Augen am nächsten beisammen?” Der Schwab sagte: „Die kleinsten.”
Der achte fragt: „Wie kann einer zur Sommerzeit im Schatten von Bern nach Basel reiten, wenn auch die Sonne noch so heiß scheint?” Der Schwab sagt: „Wo kein Schatten ist, muss er absteigen und zu Fuße gehn.”
Fragt der neunte: „Wenn einer im Winter von Basel nach Bern reitet, und hat die Handschuhe vergessen, wie muss er’s angreifen, daß es ihn nicht an die Hand friert?” Der Schwab sagt: „Er muss aus der Hand eine Faust machen.”
Fragt der zehnte: „Warum schlüpfet der Küfer in die Fässer?” Der Schwab sagt: „Wenn die Fässer Türen hätten, könnte er aufrecht hineingehen.”
Nun war noch der elfte übrig. Dieser fragte: „Wie können fünf Personen fünf Eier teilen, also daß jeder eins bekomme, und doch eins in der Schüssel bleibe?” Der Schwabe sagte: „Der letzte muss die Schüssel samt dem Ei nehmen, dann kann er es darin liegen lassen, solang er will.”
Jetzt war die Reihe an ihm selber, und nun dachte er erst einen guten Fang zu machen. Mit viel Komplimenten und spitzbübischer Freundlichkeit fragte er: „Wie kann man zwei Forellen in drei Pfannen backen, also daß in jeder Pfanne eine Forelle liege.” Das brachte abermals keiner heraus und einer nach dem andern gab dem Schwaben seinen Zwölfer.

Der Hausfreund hätte das Herz allen seinen Lesern, von Mailand bis nach Kopenhagen die nämliche Frage aufzugeben, und wollte ein hübsches Stück Geld daran verdienen, mehr als am Kalender, der ihm nicht viel einträgt. Denn als die elfe verlangten, er sollte ihnen für ihr Geld das Rätsel auch auflösen, wand er sich lange bedenklich hin und her, zuckte die Achsel, drehte die Augen. „Ich bin ein armer Schwab”, sagte er endlich. Die andern sagten: „Was sollen diese Präambeln? Heraus mit dem Rätsel!” – „Nichts für ungut!” – war die Antwort, – „daß ich gar ein armer Schwab bin.” – Endlich nach vielem Zureden, daß er die Auflösung nur heraus sagen sollte, sie wollten ihm nichts daran übel nehmen; griff er in die Tasche, nahm einen von seinen gewonnenen Zwölfern heraus, legte ihn auf das Tischlein, so im Schiffe war, und sagte: „Dass ich’s auch nicht weiß. Hier ist mein Zwölfer!”

Als das die andern hörten, machten sie zwar große Augen, und meinten, so sei’s nicht gewettet. Weil sie aber doch das Lachen selber nicht verbeißen konnten, und waren reiche und gute Leute, und der schwäbische Reisegefährte hatte ihnen von Kleinen Kembs bis nach Schalampi die Zeit verkürzt, so ließen sie es gelten, und der Schwab hat aus dem Schiff getragen – das soll mir ein fleißiger Schüler im Kopf ausrechnen: Wie viel Gulden und Kreuzer hat der Schwab aus dem Schiff getragen? Einen Zwölfer und einen messingnen Knopf hatte er schon. Elf Zwölfer hat er mit Erraten gewonnen, elf mit seinem eigenen Rätsel, einen hat er zurückbezahlt, und dem Schiffer 18 Kreuzer Trinkgeld entrichtet.

(Ein Gastbeitrag von Bruno Haase. rheinsein dankt!)

27.07.1832 Das erste Dampfschiff in Neuenburg am Rhein auf seinem Weg nach Basel

raddampfer stadt frankfurtRaddampfer “Stadt Frankfurt”. (Bild: Institut für Stadtgeschichte Frankfurt/Main)

Das Oberrheingebiet war einst eine dschungelartige Auenlandschaft mit mehreren vernetzt strömenden Wasserarmen. Alljährliche Hochwasser formten eine schlaufenförmige Flusslandschaft mit vielen Inseln und Sandbänken. Eine schiffbare Fahrrinne, auch Talweg genannt, war für größere Boote nur in wasserreichen Monaten befahrbar. Stromaufwärts mussten diese von Menschenhand, über oft unbefestigte Uferwege, gezogen werden.
Ab 1816 befuhren Dampfschiffe den Rhein, anfänglich aber nur von Rotterdam bis Mannheim. Freiherr Cotta von Cottendorf, ein einflussreicher Stuttgarter Verleger, Unternehmer, Diplomat, Freund von Schiller und Goethe, war ein überzeugter Förderer der noch jungen Dampftechnik. Er nutzte seine weitläufigen Beziehungen, um Investoren für den Bau und Betrieb von Dampfschiffen zu gewinnen. Eine erste Oberrhein-Erkundungsfahrt nach Basel scheiterte im Jahre 1827 hinter Mannheim, am zu großen Tiefgang des Dampfers “Ludwig”, gebaut vom niederländischen Ingenieur G. M. Roentgen.
Fünf Jahre später versuchte man es erneut, wieder mit einem von G. M. Roentgen konstruierten Schiff, welches eine neue Aufgabe suchte, nachdem die Schifffahrtslinie auf dem Main, zwischen Mainz und Frankfurt, wegen Unrentabilität eingestellt wurde. Dieses eiserne Schiff mit dem Namen “Stadt Frankfurt” hatte 10 Mann Besatzung, war 28,50 m lang, 5,70 m breit und hatte nur 48 cm Tiefgang. Die hölzernen Schaufelräder wurden von einer 52 PS starken Brunel-Dampfmaschine angetrieben. Gefahren wurde ausschließlich bei Tageslicht. Teile der Besatzung und alle Passagiere, darunter Cotta, Roentgen, mehrere Geschäftsleute aus Köln mit ihren Frauen, übernachteten in Hotels und Gasthöfen.
Am 22. Juli 1832 legte das Schiff in Kehl ab, um vier Tage später in Breisach einzutreffen. Zur selben Zeit inspizierte der Landkommissär Wilhelm Geigy, als Beauftragter des Handels-Komitees der Schweizer Rheinstadt, mit den Schiffermeistern David und Hindenlang, auf einem Holzkahn bis Neuenburg fahrend, die Wasserverhältnisse. In der Zähringerstadt wurde übernachtet und sich nach eventuellen Gefahrenstellen stromabwärts erkundigt. Niemand im Ort wusste von der bevorstehenden Ankunft eines Dampfschiffes. Am 26. Juli trafen sich die Basler und die Dampfschiffer in Breisach. Schiffermeister David wurde zuvor in die Schweiz zurückgeschickt, um eine Ladung Steinkohle nach Neuenburg zu bringen. Geigy und Hindelang gingen als Lotsen an Bord des Dampfers. So konnte die Reise stromaufwärts fortgesetzt werden. Wegen Gegenwind und starker Strömung konnte das Tagesziel Neuenburg nicht erreicht werden. Nach 15 Stunden mühevoller Fahrt, wurde vor dem Dorf Zienken in einem Nebenarm geankert. Die Passagiere wurden mit Kutschen zur Übernachtung nach Neuenburg gefahren. Am Morgen fuhr die Besatzung das Schiff die restlichen Kilometer stromaufwärts, um die gerade eingetroffene Kohle zu übernehmen. Diese Pause nutzten einige der Gesellschaft, um einen Ausflug nach Badenweiler zu unternehmen. Diejenigen sollten aber erst wieder am nächsten Tag vor dem Dorf Märkt an Bord gehen. In Abwesenheit entging ihnen nun, wie sechzehn starke Bauern, das angekettete Boot über eine reißende Stelle zwischen Kleinkems und Istein ziehen mussten. Danach wurde das letzte Mal die Anker geworfen. Am nächsten Tag, man schrieb den 28. Juli 1832 mittags halb zwölf Uhr, kam Basel in Sicht und man legte unter Kanonendonner und bejubelt von einer großen Zuschauermenge an der Schifflände an.

(Ein Gastbeitrag von Bruno Haase. rheinsein dankt!)

Heiße Quellen

Ein plötzliches und wunderbares Quellenaufkommen bescheren Rheinsein derzeit einige, unter Zusicherung von Anonymität zugespielte Auszüge aus der mächtigen Isteiner Ortschronik. Nachdem Rheinsein bereits aus einer Schicksalslaune mit dem Ortschronisten (einem bemerkenswerten Mann, sowohl an Geist als auch an Gestalt) des Istein benachbarten Kleinkems am dortigen Dorfbrunnen zusammentraf, verschärft sich nun die Informationslage zu diesem stark an Eden erinnernden Gebiet und dringt weiter in geschichtliche Tiefen – gar bis auf Adams Zeiten und tiefer. Als frappierend erweist sich dabei sowohl die ungeheure Kenntnis der Isteiner Chronisten um lyrische und sonstwie literarische sowie bildnerische Bearbeitungen ihres Heimatfleckens, als auch solcher Werke zahlreiche und tatsächliche Existenz. (Wobei: der Isteiner Klotzen und der auf alten Stichen noch direkt an ihn langende Rhein, selbst die heutigen, harmlos wirkenden Schwellen auf dem Restrhein und die surrenden Auen – das alles steht der Loreley samt Hügel und Vorhof in nichts nach. Nur daß der hebelsche Zundelfrieder nicht ganz an der Sirene Popularität zu kratzen vermag. Und Scheffel im Vergleich mit Heine nicht ganz dessen Tiefgang und Spritzigkeit erreicht.) Wie auch immer, es riecht geradezu danach, als müßten diese Informationen ins Große Elektronische Myzel gerettet werden, bevor die letzte gedruckte Chronik als Grabbeigabe des letzten Isteiner Lesers im dortigen Heimatboden aufgeht. Die Rheinsein verfügbaren Materialien datieren auf die frühen 1960er, der Einstieg zu einer kurzen (zumindest blatt)goldenen Ära der allgemeinen Volksbildung und historischer Nachfragen, offenbar. Und beinahe zeitgleich mit dem postalisch angelangten Isteiner hot stuff schwemmt aus dem Internet ein letztes Jahr via ddp losgeschickter Artikel unseres Kölner Dichterkollegen Markus Peters, in dem der rheinisch-romantische Mord an Stemmeler aus Enno Stahls jüngstem Gastbeitrag rückwirkend zu weiten Teilen aufgeklärt wird.

Kleinkems

Gegenüber dem elsässischen Kembs liegt auf deutscher Seite Kleinkems, ohne b, aber, wie der Name richtig andeutet, klein. In der Rheinstraße stehen imposante Bananenstauden und eine Autowerkstatt, die an den Verkehrslärm der nahen A5 gemahnt. Am Dorfbrunnen lockt mich eine lateinische Inschrift. Die Sitzbank am Dorfbrunnen ist von zwei älteren Herren in Arbeitskluft belegt. Schnell entpuppt sich einer der beiden als Ortschronist:
„Dort ums Eck liegt der Unbekanntenfriedhof. Da liegen die ins Wasser gegangenen. Das waren ziemlich viele. Wirtschaftlich ruinierte meistens, oder arme Mädchen, denen ein reicher Bauer ein Kind angehängt hat. Auch viele Unfälle, sicher. Der Rhein, das war ja früher unsere kostenlose Badeanstalt. Ins Wasser gehen war die Methode der Armen, die Reichen hatten dafür Gewehre.“
„Dorthin, an die Kastanie am Dorfplatz, langte damals bei Hochwasser der Rhein. Jetzt liegen zwei Straßen und seit 1960 die Autobahn dazwischen. Bis 1960 wurde gefischt, kaum noch Lachs, aber mein Großvater war noch Fischer, es gab einst nur Fischer hier. Das stellen Sie sich vielleicht romantisch vor, aber das war harte Arbeit. Unter den Fischern, allesamt arme Leute, gab es noch Unterschiede – je nachdem, wem der Großherzog welche Rechte einräumte. Das Leben war hart. Es ging immer nur um Pfründe sichern. Damals wurde der Lachs nach Basel verkauft und die Basler Dienstboten aus unserer Gegend ließen sich in die Arbeitsverträge schreiben, daß sie nicht häufiger als zwei-, dreimal die Woche Lachs essen mußten. In Bad Bellingen sind an der Treppe zum Park noch einige alte Fischereigeräte aus unseren Familien zu sehen.“
„Was in der Dorfchronik nicht stehen darf, wir haben seit einigen Jahren Datenschutz, sind beispielsweise diverse SS-Mitgliedschaften. Da wehren sich die Leute gegen. Entweder sie leben noch, oder es sind deren Kinder oder Enkel. Bei den meisten SS-Verbänden war es so, daß sie irgendwann KZs bewacht haben. Das heißt noch nicht, daß das Schlächter gewesen sein müssen, aber sie waren definitv im KZ. Jetzt haben wir hier drei türkische Familien. Das ist ein historischer Schnitt in so einem kleinen Dorf. Aber man muß genau aufpassen, was man schreibt – das wird schnell als ausländerfeindlich bewertet. Es gab auch vier Euthanasietote. Das war nicht einfach nachzuweisen. Ich habe die Archive durchsucht, bin auch gereist dafür. Da haben wir überlegt, aber da sagten die Leute: das war damals schon so schwer für uns. Da hatten wir Verständnis für die Angehörigen. Jetzt steht in der Chronik einfach nur: Gestorben dann und dann.“
„Nach dem letzten Krieg sind die Franzosen rübergekommen. Nach dem Krieg 1870/71 wurden hier auf den Hügeln Freudenfeuer angezündet, das fanden die Elsässer natürlich nicht so toll. Dann wurden sie deutsch. 1945 haben die Franzosen den Bürgermeister, der ein Mitläufer war, aber ein kleiner, für vier Wochen eingesperrt, entnazifiziert und wieder laufen lassen. Die haben sich anständig benommen und das Dorf weitgehend in Ruhe gelassen.“
„Mit der Revolution von 1848 kam das Vereinswesen in unserer Gegend auf, das bis heute sehr wichtig ist. Erst Gesangsverein und Schützen (das war halb militärisch), später kamen u.a. Frauenvereine hinzu, die Fußballvereine so um 1920, durch die englischen Kriegsgefangenen.“
„Hier hat doch niemand studiert! Hier ist mal einer auf die Realschule gegangen, das wars auch schon. Die Söhne vom Zementwerkbesitzer haben studiert. Das war Klassengesellschaft. Der Zementwerkbesitzer war sozial. Der hat mehr für die Leute getan als er mußte. Das kannte man vorher überhaupt nicht. Und war entsprechend dankbar. Ab den 60ern fing hier die goldene Zeit an, ab den 90ern kamen dann die Heuschrecken.“
„All das können Ihnen im Dorf vielleicht noch fünf Leute erzählen. Der Rest weiß nichts mehr davon und ist auch nicht interessiert.“