Presserückschau (März 2017)

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Methadon-UFO
“In der Rheinüberwachungsstation (RÜS), die auf der deutschen Seite unterhalb der Palmrainbrücke in Weil liegt, werden (…) Wasserproben dem Rhein entnommen. Die Analytik erfolgt im Labor des Amts für Umwelt und Energie Basel-Stadt (AUE BS). Dort hat man einen Katalog von 670 Stoffen, von denen man weiss, dass sie in Industrie, Haushalt und Landwirtschaft flussaufwärts zum Einsatz kommen. Nach 380 dieser Substanzen fahndet man täglich. Überschreiten sie einen Grenzwert, wird Alarm ausgelöst. Die Konzentration der 290 weiteren Verbindungen wird in anderen Zeitabständen überprüft. (…) Parallel zu dieser Überwachung bekannter Substanzen schaut man mittels eines sogenannten Screenings, was sonst noch im Wasser vorkommt. Mit der Kombination verschiedener Messmethoden (…) bekommt man wie bei einem Radar auf dem Bildschirm gewisse Signale. Bei einigen weiss man aus Erfahrung, um was es geht. Andere sind buchstäblich «Unbekannte Flugobjekte». Ein solches chemisches UFO war (…) Methadon, das man im Rhein nicht erwartete.” (BZ)

2
Rhein im Mittelmeer
“Nach monatelangen Vorbereitungen hat der Tender “Rhein” (…) seinen Heimathafen Kiel verlassen, um sich im Mittelmeer am internationalen Kampf gegen Schleusernetzwerke zu beteiligen. Die “Rhein” steuert zunächst den Hafen von Augusta in Italien an. Sie wird dort den Tender “Main” aus Eckernförde ablösen, der sich seit Oktober an der EU-Operation “Sophia” beteiligt. Laut Marine wechselt in Augusta ein Teil der Besatzung des Tenders “Main” auf die “Rhein”. An Bord werden dann insgesamt mehr als 100 Frauen und Männer sein, darunter Militärpolizei, Ärzte und Sanitätspersonal.” (NDR)

3
Goldfische
“Walter Hirschmann (…) ärgert sich (…): «Manche setzen ­ihre Goldfische im Rhein aus, wohl, bevor sie in die Ferien fahren wollen und niemanden für die Fütterung finden» (…). Er habe selber Goldfische im Unterland, am Übergang der Glatt zum Rhein, gesehen. «Sie fallen einem wegen ihrer roten Farbe sofort auf», sagt Hirschmann. Vom Verzehr rät er aber ab: Sie seien zwar nicht giftig, jedoch schmeckten sie bitter. (…) Das kantonale Amt für Landschaft und Natur (…) be­stätigt, dass Aquariumfische im Rhein zu beobachten sind: (…) Es gebe vereinzelt Goldfische und Koikarpfen, Blaubandbärblinge und amerikanische Sonnenbarsche. Bei den genannten Fischen vermutet der Kanton, dass sie im Rhein «entsorgt» oder aus falscher Tierliebe ausgesetzt werden. «Möglicherweise stammen auch die zahlreichen Kamberkrebse im Rhein ursprünglich aus Aquarien» (…). Zahlen zu diesen ausgesetzten Aquariumfischen erfasst der Kanton nicht.” (Der Landbote)

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Nicht immer grün
“»Der Rhein und Meißenheim« – dieses »Paar« stand beim zweiten Abend mit Geschichten am Stammtisch im »Eventhaus Sonne« im Mittelpunkt. (…) Es gibt vor und es gibt nach Tulla. Johann Gottfried von Tulla (1770 bis 1828) ist bekannt für seine Rhein-Regulierung. Davor waren sich Fluss und Mensch nicht immer grün. Der wilde Strom mit seinen immer neuen Armen trat oft über seine Ufer. Der Arm, der nach einem Hochwasser ein tieferes Bett geschaufelt hatte, war der Talweg, der die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich bildete – außer wenn das Elsass gerade Deutsch war. Staatsgrenze und Gemarkungsgrenze waren nicht identisch. Meißenheim hatte – wie alle Gemeinden am Rhein – auch Land jenseits des Flusses. Das schlimmste Hochwasser gab es (…) 1876. Bei Wittenweier brach ein Damm. Die Massen flossen übers Land. 1480 war auch gewaltig. 40 Kilometer um Straßburg stand alles unter Wasser. Nach Tulla wurde einiges anders. (…) Die ersten Dampfschiffe tauchten auf dem Rhein auf. Bis dahin undenkbar, musste doch vor der Regulierung manche Schiffe vom Ried bis nach Straßburg von Menschen gezogen werden. Erst danach konnten Pferde eingesetzt werden.” (Baden Online)

5
Mary Roos
“Die Schlagersängerin ist Patin und Namensgeberin für eine neue Event-Autofähre in Bingen. Diese kann man buchen und Partys auf ihr feiern, zum Beispiel eine Schlagerparty.” (ARD)

“Während im Rheingau und im Mittelrheintal wieder über den Bau von Rheinbrücken bei Rüdesheim und nördlich von St. Goar diskutiert und gestritten wird, setzt die Bingen-Rüdesheimer Fähr- und Schifffahrtsgesellschaft ein Zeichen. Mit der „Mary Roos“ hat das traditionsreiche Binger Unternehmen die modernste Autofähre am Rhein in Dienst gestellt. (…) Die Besonderheit ist ihre Zulassung als Fahrgastschiff. Die „Mary Roos“ kann nicht nur quer über, sondern auch längs auf dem Rhein. Dafür ist sie wie ein Ausflugsschiff ausgerüstet und ausgestattet und erfüllt die Auflagen wie beispielsweise Schwimmwesten für bis zu 600 Passagiere.” (FAZ)

6
Atmosferischer Techno
“The ninth release on the DSR-C series comes from Rhine. A new name with his roots in atmospheric techno steps up for his first solo EP. ‘De Storm’ opens the account with a loose collage of textured drums and scuffed-up synths. It makes for a bubbly groove that journeys far off into the night while ‘De Bron’ is more rooted underground, with cavernous echo chambers run through by supple bass synths and icy hi hat trails. Spooky and haunting, its a track to send shivers down your spine. Last of all, ‘Het Meer’ is a watery affair, with aqueous drips and drops, radiant pads and then more tightly coiled drums brushing up against one another to make for something atmospheric but also nicely driven. All three tracks are characterised by a rather tender and reflective mood that makes them all the more unique.” (deejay.de)

7
Distanz und Interesse
“Die Engländer schwanken in ihrem Verhältnis zum Kontinent seit je zwischen Distanz und Interesse. Der romantische Rhein zum Beispiel ist eine touristische Entdeckung reiselustiger Briten. Zu ihren Protagonisten gehört auch der Offizier und Zeichner Robert Batty, von dem ein opulentes Exemplar des ersten mit Stahlstichen illustrierten Rheinbuches Scenery of the Rhine (1826) in der Frühjahrsauktion von Venator & Hanstein aufgerufen wird. Das in vier große Foliobände gebundene Werk beinhaltet Stiche mit Abzügen auf Chinapapier vor der Schrift und die Originalzeichnungen zu 60 Stahlstichen. Die Taxe liegt bei 30.000 Euro. Bewunderer des Rheins gab es auch andernorts. In Wien erschienen 1798 Fünfzig malerische Ansichten des Rhein-Stromes von Speyer bis Düsseldorf von dem Landschafts­malers Laurenz Janscha. Das Spitzenlos der Auktion sollte den Interessenten mindestens 50.000 Euro wert sein.” (Weltkunst)

8
Grundelgruppe
“Seit einigen Jahren verbreiteten sich im Rhein bei Basel invasive Fischarten aus dem Schwarzmeerraum, schreibt der Bundesrat (…). Wahrscheinlich seien die Grundeln als Larven mit grossen Transportschiffen eingeschleppt worden. Die Schwarzmeergrundeln sind eine Konkurrenz für die einheimischen Arten. Besonders betroffen ist die Groppe. Aber auch Alet, Barben und Salmoniden seien bedroht (…). Die Fischfauna habe sich bereits stark verändert. Fünf Arten von Schwarzmeergrundeln werden nun auf die Liste der invasiven gebietsfremden Arten gesetzt. Die Haltung dieser Grundeln in Teichanlagen oder Aquarien wird damit bewilligungspflichtig, und ihre aktive Verbreitung ist verboten. (…) An der Universität Basel (MGU) gibt es eine Grundelgruppe, die sich mit den Bioinvasoren im Rhein beschäftigt.” (Basler Zeitung)

9
Neubürger
“Ihr Name geht darauf zurück, dass sie ihre Vorderpfoten wie beim Händewaschen bewegen, wenn sie etwas Essbares gefunden haben und sich daran machen, es zu verzehren. Waschbären suchen oft an Bachläufen nach Futter. Die Tiere sind possierlich anzuschauen. Doch ihr Aussehen täuscht darüber hinweg, dass mit ihnen nicht unbedingt gut Kirschen essen ist, denn sie sind Raubtiere. Der kluge und anpassungsfähige deutsche Neubürger ist auch im Rhein-Sieg-Kreis auf dem Vormarsch. (…) In der Jagdsaison 2010/2011 wurde ein Waschbär erlegt, fünf Jahre später 2015/2016 waren es schon 15. (…) Darum hat sich der BUND im Rahmen der Landesjagdgesetznovelle dafür ausgesprochen, den Waschbären von der Liste der jagdbaren Arten zu nehmen. Bisher sei es ohnehin nicht gelungen, die Kleinbären durch die Jagd zu dezimieren. Laut Naturschutzbund Deutschland (NABU) liegt das daran, dass sich die Tiere, je stärker sie bejagt werden, umso stärker vermehren.” (Kölnische Rundschau)

10
Kalkschlammabdeckung
“Rund 2500 Kubikmeter Kalkschlamm, den der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF in den 1950er-Jahren im Rhein nördlich von Frankenthal entsorgt hat, werden gut sechs Jahrzehnte später mit einem Deckel aus Spezialkunststoff abgedeckt. (…) Der auf einer Fläche von 2900 Quadratmetern verteilte Produktionsabfall ist (…) für Fische giftig und kann, wenn Menschen oder Tiere mit ihm in Berührung kommen, ätzend wirken. Dass die BASF sich jetzt zu dem aufwendigen Sanierungsverfahren entschlossen hat, hängt mit dem inzwischen häufigen Niedrigwasser im Rhein zusammen.” (Rheinpfalz)

11
Der Rhein als Person
“Wird nach den Flüssen Ganges und Yamuna in Indien bald auch der Rhein rechtlich zu einer Person ernannt? Wenn es nach der Deutschen Umwelthilfe geht: Ja. Sie schlägt vor, den Rhein in einer symbolischen Aktion als Lebewesen einzustufen und ihn so vor Verschmutzung zu schützen. (…) Die beiden heiligen Flüsse der Hindus in Indien genießen künftig die gleichen Rechte wie natürliche Personen. Das heißt: Wer ihnen Schaden zufügt, wird juristisch so belangt, als hätte er einem Menschen geschadet. Umweltschützer in Indien zweifeln aber, ob das Urteil dem Schutz der extrem verschmutzten Flüsse helfen wird. Das neuseeländische Parlament hatte vor kurzem den Fluss Whanganui zur Rechtsperson erklärt, damit die „Interessen“ des 290 Kilometer langen Wasserlaufs vor Gerichten eingeklagt werden könnten.” (Augsburger Allgemeine)

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Rheintote
“Die Polizei ist (…) zu einem Einsatz nach Unkel ausgerückt. Am Rheinufer war dort (…) eine Wasserleiche entdeckt worden. Die Polizei musste sie aus dem Fluss bergen. Wie die Beamten in Koblenz mitteilten, handelt es sich um eine weibliche Person. Nähere Einzelheiten sind noch nicht bekannt. So gebe es nach Angaben der Polizei derzeit keine Hinweise auf die Identität der Frau. Auch sei noch unklar, wie lange der Körper dort schon gelegen habe, bevor er gefunden wurde.” (General-Anzeiger)

“In Niederkassel haben Spaziergänger (…) eine Leiche im Rhein entdeckt. Die Feuerwehr barg den Leichnam im seichten Wasser am Ufer und brachte ihn an Land. Bisher ist nur bekannt, dass es sich bei der Leiche um einen Mann handelt.” (WDR)

“Bei Schaan trieb (…) eine leblose Frau im Rhein. Zuerst war nicht klar, ob die Person noch lebt oder nicht. Kurze Zeit später liess die Liechtensteinische Polizei wissen: «Die Person konnte nur noch tot geborgen werden.» Der leblose Körper sei bei einer Fussgängerbrücke auf der Höhe des Ortes Schaan entdeckt worden. Wie die Landespolizei am Abend mitteilte, handelt sich um eine noch unbekannte Frau. Das Fürstliche Landgericht hat eine Obduktion angeordnet. Noch ist völlig unklar, ob es sich um einen Unfall, ein Verbrechen oder einen Suizid handelt.” (Vaterland)

“Drei Wochen nach seinem Sturz von einer Brücke in den Rhein ist ein 32-jähriger Mann tot aus dem Fluss geborgen worden. Die Leiche des Mannes wurde (…) bei Mannheim von zwei Jetski-Fahrern entdeckt (…). Die Wasserschutzpolizei brachte den Toten an Land. Es handele sich um den aus Mannheim stammenden Mann, der Anfang März bei Ludwigshafen von einer Brücke in den Rhein gestürzt war. Er wurde seither vermisst, auch umfangreiche Suchaktionen waren ergebnislos geblieben. Die Polizei geht von einem Unglück aus. Hinweise auf ein Verbrechen oder die Beteiligung anderer Personen gebe es nicht.” (Stuttgarter Nachrichten)

Der Rhein und Deutschlands Stämme

Es fließt ein Strom durch das deutsche Land,
drin spiegeln sich Schlösser und Zinnen;
er ist in den deutschen Gauen bekannt,
kein Refrain kann demselben entrinnen.

Und alle Romantik hat hier ihr Revier,
und je lauter das Rheinlied, je kälter das Bier
der kleinen und großen Verdiener.
Zum Beispiel so der Berliner:

“Ein rheinischet Meechen – beim rheinischen Wein –
Ja, Donnerwetter nich noch mal!
Na, det muß ja der Hümmel auf Erdn sein –!
Wat, Lucie –?”

Wer Lieder für Operetten schreibt
aus Prag, aus Wien und aus Bentschen –:
den Rhein möcht ich sehn, der da ungereimt bleibt –
es sind halt geschickte Menschen!

Und was sie dichten, ganz Deutschland grölts,
von Aachen bis Dirschau, von Kiel bis nach Ölz;
wo nur Treue und Weinbrand wachsen.
Zum Beispiel so unsere Sachsen:

“Ein rheinisches Mädchen – beim rheinischen Wein –
Nu heere mal, Agahde, was hasdn dn
Krachenschonr nich midgenomm? ‘s is doch
so giehle uffm Wasser?
Diß muß ja der Himmel auf Erden sein!
Eicha … !”

Im Rhein, da quillt unsere Mannesbrust,
da liegen dicke Tantiemen;
und befällt den Deutschen die Sangeslust:
hier kann er das Ding unternehmen.

Es reimt sich der Rhein
auf Schein und auf Sein
und auf mein und auf dein,
auf Jüngferlein, Stelldichein, Gänseklein …

Und ist auch zerklüftet das Deutsche Reich:
im Moorbad der Lyrik verstehn sie sich gleich.
Viel schneller als bei Richard Dehmel.
Zum Beispiel so jener aus Memel:

“Äin rhäinisches Mädchen – bäim rhäinischen Wäin –
äi, das muß ja der Himmel – auf Erden säin –
Wäißt, wenn dir der Wäin nich schmeckt,
jieß noch ‘n kläin Schnapsche räin! –
Äi, das muß ja der Himmel auf Erden säin –!
Oder mäinst näin –?”

So ist der Rheinstrom ohne Fehle,
das Familienbad der deutschen Seele.

(Theobald Tiger, Simplicissimus 1927)

Presserückschau (September 2014)

Dieweil die Artenvielfalt global betrachtet schrumpft, wie die BBC jüngst berichtete, scheint sie am Rhein zuzunehmen und sogar Außerirdische einzuschließen. Davon, aber auch von rheinischen Ängsten und Gefahren handeln die interessantesten Pressemeldungen des Septembers:

1
Über den oberrheinischen “Hotspot der Biologischen Vielfalt” zwischen Bingen und Iffezheim, einen recht gedehnten “Flecken”, berichtet Die Welt: “Der Große Wiesenknopf reckt seine kugeligen Blüten in die feuchte Morgenluft. Auf einem bordeauxroten Blütenblatt sitzt eine winzige, hellgrüne Krabbenspinne. “Sie nimmt allmählich die Farbe der Blüte an, damit sie schwerer zu sehen ist”, erklärt Michael Markowski. “Dann schnappt sie die Blütenbesucher.” Markowski steht auf einer Wiese zwischen Rhein und Deich. Zirpende Insekten geben den Ton an, weiter weg dröhnt der Verkehrslärm der Schiersteiner Brücke zwischen Mainz und Wiesbaden.” Im Kontroll-Fokus des Naturschutzprojekt des NABU stehen weitere klingende Namen: Pyramidenorchis, Helmknabenkraut, Blutweiderich. Außerdem soll die Artenvielfalt erhöht werden. Geplant ist die Ansiedlung von Sumpfschildkröten bei Bobenheim-Roxheim, dem Moorfrosch soll eine Mulde bei Oppenheim schmackhaft gemacht werden.

2
“Elefantenrennen in Graurheindorf” übertitelt der General-Anzeiger eine Schlagzeile. Von leibhaftigen Elefanten ist im Artikel dann allerdings keine Rede, vielmehr geht es um die rheinische Lust am Vergnügen durch Gruppenverkleiden, in diesem Fall kombiniert mit Paddeln auf dem Fluß: “Die “Black Dog Gang” macht seit Jahren beim Elefantenrennen (…) mit. (…) In diesem Jahr traten sie im Hippie-Look an. (…) Es ging um Spaß, Ruhm und Ehre sowie um Pittermännchen. Sieger waren “Die spontanen Nachbarn” (…). Mit ihrem Motto “Sonnenwelten, frei parken für alle” spielten die Nachbarn von Solarworld darauf an, dass das Unternehmen für seinen Neubau zu wenig Parkplätze geschaffen habe und deshalb viele Autofahrer wild in den Straßen parkten. Die schnellsten Frauen waren die Ex-Bonnas, die als Zenzis von der Alm mitfuhren. Der Junggesellenverein 1839 Rheinlust war (…) das langsamste Team und erhielt die Rote Laterne: Sie waren als Wikinger gefahren und hatten eine riesige Trommel dabei. Die schönste Kostümierung boten “Die charmanten Nachbarn”: Sie hatten sich als Conchita Wurst (…) verkleidet.”

3
Marsianer am Rhein gibt es seit mindestens ungefähr hundert Jahren. Im Ersten Weltkrieg tauchten Marsbewohner für den Film Die Entdeckung Deutschlands von Georg Jacoby und Richard Otto Frankfurter, den ersten deutschen Kriegspropagandafilm laut der Freitag, bei uns auf. Von der zwei Stunden langen Urfassung ist heute nur noch ein 15-minütiges Fragment erhalten: “Demnach diente der Film im Kohlrübenwinter 1916 dazu, französische und englische Presseberichte zu dementieren, nach denen in Deutschland Hunger herrsche und die Kriegsproduktion stillstehe. Drei Marsianer, zwei Männer und eine Frau, reisen auf die Erde, um die Berichte zu überprüfen, und lernen ein – wie könnte es im Propagandafilm anders sein! – blühendes Deutschland kennen. Sie genießen Bier und Klöße in München, fahren nach Berlin, wo sie die Rüstungsproduktion begutachten, und nach Kiel, wo ein deutsches U-Boot zu bestaunen ist. Schließlich reisen sie den Rhein hinunter; dort wird das Deutsche Eck besucht und mit dem bereisten Flusslauf nebenher die gegen den Erzfeind Frankreich zu verteidigende Grenzlinie markiert.”

4
Fear and loathing in Mönchengladbach: “Es ist wie das Ungeheuer von Loch Ness: Irgendwann taucht es auf. Nur dass es nicht lustig ist, sondern für Tausende von Gladbachern zu einer Lärmtortur werden kann: der Eiserne Rhein. Zur bekannten und ausführlich erörterten 555 Millionen teuren Neubau-Trasse entlang der Autobahn 52 (die das Land NRW favorisiert) gibt es nun eine Bundes-Variante. Die ist so neu, dass nicht einmal führende Mönchengladbacher Bundes- und Landespolitiker auf Anhieb wussten, was sie davon halten sollen. Bis auf dies: Die Trasse sei wegen des Lärmschutzes so teuer, dass sie im Prinzip gar nicht zu verwirklichen sei” berichtet die Rheinische Post über den Stand der Planungen zur umgestalteten Wiederaufnahme einer Güterzugstrecke von Antwerpen über die Niederlande nach Duisburg.

5
Über neue Inseln am Oberrhein mit hübschen Gemüsenamen berichtet Baden TV: “Das Regierungspräsidium Karlsruhe schafft erstmalig zwei Kies- und Sandinseln bei Au am Rhein, um Tier- und Pflanzenarten zu schützen, die auf diese Flächen angewiesen sind. (…) Zunächst wird an der Spitze der Landzunge „Kohlkopf“, die den Rhein vom Illinger Altrhein trennt, ein Verbindungsgraben angelegt. Dadurch entsteht eine große Insel, auf der sich Wasservögel ungestört aufhalten können. Das in den Illinger Altrhein fließende Rheinwasser sorgt dafür, dass überflüssiger Schlamm und Sand heraus transportiert wird. Zusätzlich entstehen stellenweise kiesige Bereiche, in denen Fische und Neunaugen ablaichen können. Zwischen Verbindungsgraben und Kohlkopfspitze wird auf einer Länge von 400 Metern die Uferbefestigung herausgenommen, sodass sich das Ufer künftig natürlich entwickeln kann. Die neu geschaffene Insel mit ihrem Naturufer bietet Wasservögeln sowohl Nahrung als auch Stellen, die nur bei Hochwasser überschwemmt werden. So besteht die Chance, dass sich der in Baden-Württemberg vermutlich ausgestorbene Flussuferläufer hier ansiedelt und die Flächen als Bruthabitat annimt. Im Innenbogen des Rheins hat sich eine große kiesige Uferbank gebildet, die sogenannten „Tomateninseln“. Aktuell wird diese von durchziehenden Wasservögeln als Rastplatz und zur Nahrungssuche genutzt. Bei Störungen fliegen die Vögel immer wieder auf und verbrauchen viel Energie, die sie eigentlich für die Überwinterung brauchen. Um dies zu vermeiden und den Lebensraum der Vögel zu verbessern, wird auf den Kiesflächen ein Gewässer gebaggert und die Buhnen in diesem Bereich umgebaut. Aus der bisherigen Uferbank wird so überhaupt erst eine richtige Insel.”

6
Reingefahren: “Ungewöhnlicher Fund im Rhein: Ein 17 Jahre alter, lilafarbener Nissan Micra (K11), wurde (…) an der ‘Natorampe’ in Niederkassel von der Feuerwehr aus dem Rhein geborgen. (…) Wie die Polizei berichtet, befand sich im Fahrzeug keine Person. Laut Feuerwehr lag das Fahrzeug ca. 6 Meter vom Ufer und in 2 Metern Tiefe. (…) Nach ersten Ermittlungen war der Nissan im Juli diesen Jahres im Landkreis Neuwied abgemeldet worden. Bislang ungeklärt sind die Umstände, wo und auf welche Art das Fahrzeug in den Rhein gelangte.” (General-Anzeiger)

7
Rheingefahren: “Eine 66-jährige Rollstuhlfahrerin ist (…) in den Rhein in Rüdesheim gestürzt. Wie die Polizei in Wiesbaden (…) bestätigte, war die Feuerwehr aber rechtzeitig vor Ort und zog die Frau aus dem Wasser. Eigentlich hatten sie und ihr Begleiter nur ein Foto schießen wollen. Dabei war der Rollstuhl offenbar die Böschung hinabgerutscht. Die Seniorin kam zur Untersuchung ins Krankenhaus.” (Hit Radio FFH)

8
Rheingefahren (2): “Mit einer spektakulären Rettungsaktion endete (…) der Schulausflug einer sechsten Klasse (…) aus Wesseling auf den Drachenfels. Sechs der 32 Kinder sowie zwei Betreuer waren (…) beim Aufstieg aus den Weinbergen wohl vom Weg abgekommen. Wie die Leitstelle der Bonner Polizei am Montagabend erklärte, war die Gruppe von Elf- und Zwölfjährigen ihrer Klasse vorausgeeilt und dabei offenbar vom Weg abgekommen. Zwei Lehrerinnen folgten den Kindern und gerieten dann in steiles und unwegsames Gelände, etwa 30 Meter unterhalb der Aussichtsplattform des Drachenfels. “Da kamen sie hinein, aber nicht mehr hinaus”, so der Leitstellenbeamte. Dass es von dort offensichtlich kein Weiterkommen mehr gab, war einem Paar aus den USA aufgefallen, das sich (…) zufällig in der Nähe befunden und gegen 13 Uhr die Feuerwehr alarmiert hatte.” (General-Anzeiger) Der Feuerwehr gelang es schließlich, die versprengte Gruppe mit Seilen auf die Aussichtsplattform zu ziehen und einen der eher seltenen Fälle von Bergnot auf Deutschlands angeblich meistbestiegenem, wenngleich mit 321 Metern nicht all zu hohen Gipfel zu einem guten Ende zu führen.