Die eine Klage

Wer die tiefste aller Wunden
Hat in Geist und Sinn empfunden
Bittrer Trennung Schmerz;
Wer geliebt, was er verloren,
Lassen muss, was er erkoren,
Das geliebte Herz,

Der versteht in Lust die Tränen
Und der Liebe ewig Sehnen
Eins in Zwei zu sein,
Eins im Andern sich zu finden,
Dass der Zweiheit Grenzen schwinden
Und des Daseins Pein.

Wer so ganz in Herz und Sinnen
Konnt’ ein Wesen liebgewinnen
O! den tröstet’s nicht
Dass für Freuden, die verloren,
Neue werden neu geboren:
Jene sind’s doch nicht.

Das geliebte, süße Leben,
Dieses Nehmen und dies Geben,
Wort und Sinn und Blick,
Dieses Suchen und dies Finden,
Dieses Denken und Empfinden
Gibt kein Gott zurück.

(Karoline von Günderrode erdolchte sich aus unglücklicher Liebe im Sommer 1806 am Rheinufer bei Winkel)

Der Dom zu Cölln. Ein Fragment

Fünffach wölbt sich die Dekke auf Gruppen gothischer Säulen,
Höher hebt sich der Chor, stolzer getragen empor,
Schön ist das Innre geziert mit Erzen und Marmor und Teppchen
Und ein purpurner Tag bricht durch die farbigen Fenster. -
Aber dort, wo die Dunkelheit dichter sich webt durch die Säulen,
Hauchet ein Modergeruch dumpf aus der Tiefe herauf,
Alda schlafen die Helden der Kirche im hüllenden Sarge
Und ihr Bildniß ruht drauf, sie falten die Hände zum Beten,
Und ihr starrender Blick hat sich zum Himmel gewandt.
Staunend seh ich sie an, mir ist, als müßten sie reden,
Aber sie starren noch fort, wie sie es Jahrhunderte thaten
Und mich schauert so tief, daß also stumm sind die Todten.
Doch da hebt sich Gesang, und Orgeltöne, sie schweben
Feiernd die Dome hinauf, wo glänzende Heilige beten
Aber es wandlen die Töne sich und in Fitt`che der Engel
Und umrauschten melodisch wogend die heiligen Bilder.
Und zum Himmel verkläret sich alles – Musik, und Farben, und Formen,
Aus dem entzückten Auge verschwinden die Gräber, die Todten,
Und den stummen Grüften entsteiget ein freudiges Jauchzen. -
Ja ich habe die Auferstehung gesehen im Auge des Geistes.
Und das Leben der Kunst, es führte die Seele zum Himmel.
Dichtkunst! Du Seele der Künste, Du die sie alle gebohren,
Du beseelest das Grab, steigest zum Himmel empor.

Karoline von Günderrode (1780-1806), aus dem Nachlaß, entnommen  aus Wortblume.de, einer Website, die Werke deutschsprachiger Dichterinnen versammelt.
Der Kölner Dom war zu Zeiten Karoline von Günderrodes augenscheinlich-deutlich Fragment, ist heuer, quasi-vollendet, zwar augenscheinlich weniger, aber doch weiterhin Fragment, und wird für immer Fragment bleiben. Rheinseits südlich des Kölner Domes befindet sich in Köln derzeit die Deutzer Brücke, auf der in der Nacht zum vergangenen Samstag “eine junge Frau (…) gegen 3.30 Uhr (…) auf die Brüstung kletterte und von dort in den Rhein stürzte” (Express). Karoline von Günderrode erdolchte sich als junge Frau an einem Sommerabend gegen 22 Uhr in Winkel am Rheinufer. Kreise schließen sich, um weiterzukreisen. Woran findet die Menschheit Gefallen? Und wo nordet sie sich, Gefallen zu finden, ein?

Rheinische Persönlichkeiten (3)

karoline

Horst Wurst: Karoline von Günderrode in ihrem Zwinger
(Scherenschnitt/Collage; 33 x 40 cm; Farbpapier auf Karton; 2000)

Preis: 50 Euro (Mindestgebot), bei Nichtabholern zuzüglich Versandkosten

rheinsein präsentiert in loser Folge eine kleine Reihe “rheinischer Persönlichkeiten” aus der Werkstatt von Horst Wurst. Die Scherenschnitt-Collagen entstanden im Jahr 2000 und wurden damals in der Kölner Calcographie ausgestellt.

Erstmals öffentlich gezeigt werden nun drei Hundeportraits, welche Wurst seinem Konvolut “rheinischer Persönlichkeiten” zuschlägt.

Der Künstler hat uns ermächtigt, seine Werke zum Verkauf anzubieten. Wir bitten um verbindliche Gebote via E-Mail oder Kommentarfunktion bis zum 31. Juli 2011.