Das Lachen der Hühner: Lesungen

Zum Wochenende und gleichzeitig zum Saisonausklang begibt sich rheinsein zu zwei Lesungen aus Das Lachen der Hühner entlang der Rheinscheine. Die Ankündigungen der Veranstalter:

Das Karlsruher Literaturforum ist ein beliebter Austausch zwischen Autoren und dem Karlsruher Publikum. Die Literarische Gesellschaft organisiert das Forum in diesem Jahr zum 6. Mal. 2011 steht es einen Tag lang im Zeichen der zeitgenössischen Lyrik, die derzeit so viel Aufmerksamkeit erhält wie lange nicht mehr. Vor allem junge Autorinnen und Autoren prägen den Schauplatz der Literatur und werden in den Feuilletons gefeiert. Die Karlsruher Lyrikerinnen und Lyriker Silke Scheuermann, Stan Lafleur und Matthias Kehle und aktuelle Autorinnen und Autoren wie Claudia Gabler, Matthias Göritz, Nadja Küchenmeister und Nora Gomringer reflektieren in Vorträgen (Wie entsteht ein Gedicht, Lyrik und Politik) über die Perspektiven der Gattung Lyrik und spiegeln in neuen Texten auch den Oberrheinraum, der viele der Autoren biografisch verbindet, wider.

Termin: 16. Dezember 2011, 17 Uhr (rheinsein-Lesung ca 18 Uhr)
Ort: Prinz-Max-Palais
Karten am Einlaß

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Heine im Sinn…
Die erste Heine-Nacht am 17. Dezember 2011 im Heinrich-Heine-Institut Düsseldorf

Feiern Sie auf der Bilker Straße am 17. Dezember zwischen 18 Uhr und der Geisterstunde die erste Heine-Nacht.

Freuen Sie sich auf:
Lesungen mit Martin Walser, Ingrid Bachér, Stan Lafleur und Jan Skudlarek,
Performances von Gerhard Stäbler, Kunsu Shim, Niklas Stiller und Marc Matter,
Führungen durch die Dauerausstellung Nähe und Ferne und die Ausstellung Der russische Heine sowie auf die Präsentation Heine und Paris.
Die Bandbreite des musikalischen Rahmenprogramms reicht von klassischen Heine-Vertonungen über Klanginstallationen bis hin zu einem Heine-Rap.
Außerdem erwarten Sie viele weitere Überraschungen und Höhepunkte.

Der Vorverkaufspreis beträgt 7 Euro (erm. 5 Euro) inklusive einem Getränk oder einem Heine-Apfeltörtchen.

Die rheinsein-Lesung steht um 22.30 Uhr zu erwarten.

Beschreibung des Rheinfalls in der Zeitung für die elegante Welt

Der Rheinfall bei Schaffhausen im August 1809 gesehen.

Dieses erhabene Schauspiel der Natur ist schon so oft beschrieben worden, daß eine neue Beschreibung bei dem ersten Gedanken so unnöthig als vermessen scheinen möchte. Ich wage sie dennoch, nicht nur darum, weil jeder Mensch seine besondere individuelle Ansicht hat, und nur das Zusammenhalten und Vergleichen mehrerer einem Leser von etwas, das er nicht selbst sah, und keine Kunst treu nachzubilden fähig ist, ein schwaches Bild zu geben vermag, sondern vornehmlich deshalb, weil der Rheinfall vor einigen Jahren eine Veränderung erlitten hat, weil ferner viele ältere Beschreibungen dadurch undeutlich werden, daß die Bezeichnung der Ufer mit rechts und links, die durch die neuern Zeitereignisse so allgemein worden ist, sonst wenig üblich war. Man bediente sich daher anderer Bezeichnungen, wurde unrichtig und unverständlich. So z. B. spricht Meiners, dessen Kopf doch tiefe philosophische Begriffe aufhellten, und der die Sprache vor vielen andern Schriftstellern in seiner Gewalt hat, von einem Zürcher Ufer, welches in Wahrheit nicht besser ist, als, wenn man das rechte Rheinufer in der Nähe von Karlsruh oder Rastadt, das Wirtembergische nennen wollte. Die Bemerkung der Veränderung des berühmten Wasserfalles wird Lesern, welche selbst ihn zu bewundern so glücklich waren, nicht unwillkommen seyn; die übrigen Bezeichnungen können Reisenden zu einem sicherern Leitfaden dienen, als mancher von den früher angebotenen.

Von Basel aus liegt der Rheinfall diesseit Schafhausen. Ich stieg daher ungefähr 1 Stunde vor der Stadt aus und machte mich auf den Weg, welchen der Kutscher mir zeigte. Schon hörte ich das Brausen der beunruhigten Fluten, ob ich gleich etwa noch eine halbe Stunde davon entfernt war, mit einem nicht minder starken Geräusch, als ein beträchtliches Wehr ganz in der Nähe macht. Voll hoher Erwartung und mit einem Gefühle von Andacht erfüllt, wandelte ich weiter, und rief einen mir begegnenden Landmann an, um mich an den Fall und nachher in die Stadt zu führen. Er hatte schon mehrere Fremde geleitet, wußte manches zu erzählen, und verkürzte mir dadurch den Weg, welcher immer abwärts bis an das Ufer des Rheins hinläuft.

Gleich unter dem Falle nimmt der Strom eine Wendung links, daher man den Fall auf dem rechten Ufer nicht sowohl von der Seite als von vorn sieht, wenigstens dem größten Theile nach, doch mit Ausnahme des Sturzes über den ganz nahe am linken Ufer stehenden Felsen, welcher eben unter der ganzen Partie den prächtigsten und erhabensten Anblick gewährt. Aus mehrern Beschreibungen, unter welchen die von Meiners, im ersten und dritten Bande seiner Briefe gelieferte, eine der ausführlichsten und gelungensten ist, war es mir bereits bekannt, daß dieser Wasserfall, an welchem eine Menge Dichter uud Prosaisten, Maler und Kupferstecher ihre Kräfte versuchten, von der rechten Rheinseite betrachtet minder schön und groß erscheint, wie von der linken. Gleichwohl blieb sein Anblick noch unter meiner Erwartung, welches zum Theil sehr natürlich mit daher kommen mochte, daß er wirklich seit einigen Jahren etwas von seiner Größe verloren hat. Von den Felsen, über welche sich die Fluten des Stromes herabstürzen, ragten, außer den auf dem linken Ufer befindlichen, mitten im Strombette drei, in ungefähr gleich weiter Entfernung etwa 15 Fuß hoch über die tobenden Fluten hervor. Der mittelste mußte nothwendig von dem Andrange der Wellen am meisten leiden. Jahrtausende widerstand ihnen seine Festigkeit, doch nach und nach löste des Wassers Gewalt den trotzenden Felsen auf, und führte ihn endlich im Sommer 1806 mit sich fort. Daher stürzt sich nun der Strom zwischen den beiden noch stehenden Felsen, ungefähr einige vierzig Fuß breit, zwar immer noch mit unbeschreiblicher Gewalt über das Felsenbett herab, doch der Kampf der Wogen gegen die sich entgegen stemmenden Felsen, die erhabenste Partie des ganzen großen Schauspiels, hat viel verloren.

Dieser Kampf zwischen zwei Riesenkräften ist es, was bei dem Anblicke des Rheinfalles das Gefühl am mächtigsten ergreift, zur Anbetung hinreißt, und Betrachtungen veranlaßt, deren Ausführung die Kunst des Redners oder Dichters bewähren könnte, und tiefen Eindruck auf den Leser machen müßte. Hier ist zu Versuchen dieser Art nicht der Ort.

Die Erhabenheit jenes Kampfes erblickt man vornehmlich an dem Felsen zur rechten Seite. Hier brechen sich die Fluten nicht blos mit Gebrüll an den Seiten, ein Theil schäumt mitten durch den Felsen, in welchen sie bereits eine beträchtliche Oefnung gerissen haben.

Ende August 1809 hatte der Rhein mehr Wasser, als es um diese Zeit öfters der Fall ist. Es war seit vierzehn Tagen sehr heiß gewesen, daher ihm von dem geschmolzenen Schnee der Berge in der obern Schweiz eine Menge Wassers zuströmen mußte. Der Fall war also sehr reich, da ich ihn am 27sten August sah, dennoch machte er, auf der rechten Seite, den erwarteten Eindruck nicht auf mich, theils aus der schon angegebenen Ursache, theils auch, weil ich ihn nicht so hoch fand, als ich mir ihn vorgestellt hatte. Die meisten Beschreibungen geben ihm 70 bis 75 Fuß Höhe, ich glaube hingegen, daß er im Strombette schwerlich über 50 Fuß hat. Höher ist der Fall über dem Felsen zunächst am linken Ufer, von diesem erblickt man aber am rechten wenig und auf der Gallerie unter dem Falle am linken, kann man die ganze Höhe auch nicht übersehen. Die wirkliche Höhe verliert freilich scheinbar auch dadurch, daß die herabstürzenden Fluten die vor ihnen gefallenen wieder emportreiben und schleudern, daher das, Wasser unmittelbar unter dem Falle weit höher ist, als etwa 100 Schritt weiter, bis wohin die tosenden und schäumenden Fluten sich allmälig abdachen und sich zu beruhigen anfangen. Alle Messungen nach bloßem Augenmaße sind überhaupt sehr unsicher, und mit dem Lothe wird der Rheinfall wohl nie gemessen werden. Mir schien er nicht so hoch, wie ein dreistockiges Hans mit seinem Dache, welches mit der von mir angegebenen Höhe ungefähr übereinkommen möchte. Wirklich ist das auf dem rechten Ufer erbaute Haus von drei Geschoß, das Erdgeschoß mit gerechnet, augenscheinlich höher, der Grund dieses Hauses liegt aber beträchtlich tiefer als die Stelle, wo der Fall ist.

Von diesem Hause, einem Weinhause, wäre zu wünschen, daß seine Gastzimmer die Aussicht auf den Rhein hätten, welcher man nur in etlichen Vorsaalfenstern und in einem Zimmer des obersten Stockes genießen kann. Hier, wo der Fall, wegen des höhern Gesichtspunkts noch weniger hoch erscheint, ließ ein Mann dessen Bild, vermittelst einer Dunkelkammer, auf einige an einander befestigte Bogen Papier fallen, und ich läugne nicht, daß mir der Wasserfall, auf dieser Seite betrachtet, im Bilde größer wie in der Wirklichkeit schien, weil man dort keine Gelegenheit hatte, seine wahre Größe nach Gegenständen der Umgebung zn messen.

In diesem Zimmer traf ich zwei Lehrer an der Akademie zu Lausanne, welche, in der französischen Schweiz geboren, beide Deutsch sprachen. Der eine mußte sich zuweilen mit Umschreibungen, auch wohl mit Einmischung französischer Wörter helfen, der andere sprach es aber, sowohl in Betref des Ausdrucks als der Aussprache, so treflich, daß ich mich darüber wunderte, bis er mir sagte, daß er in Jena, wo er studirt, dem Studium der deutschen Sprache viele Zeit gewidmet, und seine Aussprache vornehmlich im Umgange mit Cur- und Liefländern gebildet hätte.

In Gesellschaft der beiden Lausanner ließ ich mich über den Strom setzen. Dieß geschah nicht fern von dem Falle, wo der Strom immer noch sehr reißend ist, wo ihn noch hier und da der weiße Schaum der herabgestürzten, wieder emporgeschleuderten und endlich ansgelösten Wellen bedeckt, wo in seinem Bette eine Menge Felsentrümmern liegen, zum Theil über die Wasserfläche hervorragen. Stieße der leichte Kahn, worin die Ueberfahrt, wegen des reißenden Stromes, geschehen muß, an einen solchen Felsblock, so würde das Umschlagen freilich unvermeidlich, und man kann, wenn des Kahnes Vordertheil einer Gefahr drohenden Klippe vorbeirauscht, sich kaum der Furcht erwehren, daß der breitere Mitteltheil anstoßen werde; allein die geübten Schiffleute wissen ihr unsicheres Fahrzeug mit so geschickter und fester Hand zu regieren, und sind mit dem Terrain so genau bekannt, daß sie die gefährlichsten Stellen glücklich umfahren. Ungern würde ich indeß in stärkerer Gesellschaft als vier Personen, außer dem Schiffer, oder mit Leuten fahren, die nicht stille sitzen können oder ängstlich sind, und sich daher bei dem kleinsten Wanken des Kahnes auf eine Seite neigen, in der Angst nicht selten auf die, wohin des Kahnes Neigung geht.

Wer zu der Geschicklichkeit des Schiffers nicht volles Vertrauen, von sich selbst nicht das vollkommenste Bewußtseyn hat, auf dem Wasser furchtlos zu seyn, wird immer am besten thun, den Weg an beide Ufer auf dem Lande zu machen, um nicht sich und seine ganze Gesellschaft in Gefahr zu bringen. Von dem rechten Ufer, wo man die Beschauung anfangen muß, um den Eindruck durch den weit erhabenern auf dem linken Ufer nicht zu schwächen, muß er dann freilich nach Schaffhausen zurück, um über die Brücke zu gehen, und, auf einem weiten Umwege am linken Ufer, sich dem Wasserfalle wieder zu nähern. Auch verliert er dann die Ansicht des Falles bei der Ueberfahrt, und das zu erhabenen Gedanken begeisternde Hochgefühl, über den Rücken solcher Wellen, wie sie vor feinen Augen unbeschreiblich wild brausen, sich an den Felsen brechen und wüthend durch einander peitschen und schleudern, kaum einen Büchsenschuß davon sanft und sicher dahin zu gleiten. Im Vergleiche mit dem Strom des Lebens oder der Zeit — welche Bilder drängen einer regen Phantasie an dieser merkwürdigen Stelle sich auf! Mehr noch bei der Rückerinnerung; denn in den Augenblicken der Gegenwart wirbeln die Gegenstände außer uns, ihre Bilder und das Gedankenchaos in uns, wie die Fluten im Rheinfälle so kraus durch einander, daß man keines von dem andern zu scheiden, keins längere Zeit fest zu halten und auszuarbeiten vermag.

(Der Beschluß folgt.)

Porsche im Rhein

Beim Filtern sommerlochartiger Zeitungsmeldungen sind wir neben Loreley-Havarien (mit ihrer langen Geschichte) und Krokodilaufkommen im Rhein (mit ihrer mittellangen Geschichte) auf eine dritte bedenkliche Häufung (vergleichsweise sehr jungen Datums) gestoßen.

So berichtet das Oldtimer-Magazin meinklassiker.com von einem schmerzhaften Anblick, der am 29. Januar 2011 einen neuen Trend in der öffentlichen Rezeption eingeläutet haben mag: „Einen mit der vorderen Wagenhälfte im Wasser stehenden und erheblich beschädigten Porsche 356 C entdeckten Spaziergänger am Morgen (…) am Rheindamm unterhalb der Maxauer Brücke in Karlsruhe. Den Beamten der alarmierten Wasserschutzpolizei blutete das Herz, als sie den frisch restaurierten Oldtimer aus dem Rhein zogen. Nach (…) bisherigen Ermittlungen hatten Unbekannte den anthrazit-farbenen Wagen aus einer Garage im Rheinhafengebiet entwendet (…). Wieso die Täter das (…) Liebhaberfahrzeug dann (…) die befestigte Uferböschung hinab schoben und offenbar im Rhein versenken wollten, sollen nun die Ermittlungen der Kriminalpolizei klären.“

Etwas klarer liegt der Fall bei einem jüngst im Rhein geparkten Porsche auf Schweizer Terrain: „Wie die Kantonspolizei Zürich am Montag mitteilte, fuhr ein 24- Jähriger am Sonntag gegen 21 Uhr zum Einwasserungsplatz für Boote in Eglisau. Dort überliess er seinem 29-jährigen Kollegen das Steuer. Als dieser mit dem Wagen losfahren wollte, hatte er einen falschen Gang eingelegt: der Sportwagen machte einen Satz und landete im Rhein. Die beiden Männer konnten das Fahrzeug verlassen und ans Ufer schwimmen. Hilflos mussten sie mitansehen, wie die starke Strömung den Sportwagen in die Mitte des Rheins zog und das Auto dort schliesslich in den Fluten versank. (…)“ Soweit der Tagesanzeiger. Wie die Sache ausging, erfuhr die gesamte Schweiz aus der nationalen Tagesschau: „Der Occassionswagen ist so stark beschädigt, dass man nicht mehr damit fahren kann. An Land wird das kaputte Auto auf einen Abschleppwagen gehievt. Dieser transportiert es zum Stützpunkt der Zürcher Kantonspolizei nach Bülach. Der Eigentümer des Wagens darf das Auto dort besichtigen. Sein Kollege, der den Unfall verursacht hat, wird sich gemäss dem Mediensprecher der Kantonspolizei Zürich, wegen Nichtbeherrschen des Fahrzeuges verantworten müssen und gebüsst werden. (…)“

Wer von unseren Lesern ebenfalls einen Porsche im Rhein beobachtet: rheinsein freut sich über Berichte und Bilder, um den möglichen Trend zu verifizieren.

Sonnenfinsternis

Die totale Sonnenfinsternis vom 11. August 1999 ließen wir in einem privaten Pfirsichhain mit grandiosem Rheintalblick bei Weingarten in der Nähe von Karlsruhe an uns vorrüberrauschen. Im ausgehenden Sommerloch war die Medienberichterstattung bereits im Vorfeld immens, der Boulevard überschlug sich um das Ereignis herum in immer gewagteren Kapriolen, und natürlich rechneten nicht wenige Menschen mit Weltuntergang. Damals sammelten sich im gesamten Ereigniskorridor größere Gruppen, um auf ihre jeweils bevorzugte Art (Party, Einkehr, etc) der ungewöhnlichen Tagesverdunkelung zu harren. Hätte uns das Naturereignis ohne Vorwarnung überrascht: ein gewisser Endzeitsog ging schon davon aus, als der Mond-Kernschatten mit spürbarem Temperaturabfall und apokalyptischer Geschwindigkeit über die hochsommerliche Talmulde jagte…
Andertags improvisierten wir, auf Basis der eigenen Erlebnisse sowie der Boulevard-Berichterstattung, gemeinsam mit Till Geiger, der dafür einige seltsame Instrumente spielte und Vinylplatten scratchte, eine Sofisinfonie als experimentelles Hörstück für den Karlsruher Lokalfunk.
Nun schickt Dominik Dombrowski einen ebenfalls vom Boulevard inspirierten Text zum selben Ereignis, der in leicht nördlicheren Rheinbreiten siedelt und für den wir uns herzlich bedanken:

emmi b.

wie mysteriös / sonnenfinsternisse sein können / vermerkt der kölner
express / ein paar minuten / bevor sich der mond / vor die sonne schob
hatte emmi b. (zweiundachtzig) aus simmern / bei koblenz unterwegs /
zu einer geburtstagsfeier / nach dem weg / zum café rheinterrassen gefragt
doch / als sie wieder anfuhr / spielte ihr mercedes verrückt

als ob eine unsichtbare macht / den wagen steuerte / schoß er
mit vollgas über einen radweg / dabei zertrümmerte / das entfesselte
gefährt / eine kleine mauer und überrollte / ein verkehrsschild / gebannt verfolgten an die zweihundert gäste / die eigentlich die sonnenfinsternis
hatten beobachten wollen / im biergarten des cafés / geschützt

hinter ihren brillen / dies rätselhafte todesdrama / wie emmi b.
an ihnen vorbeiraste / mit höchstgeschwindigkeit / in den rhein stach
und ertrinkend im blech des untertürckheimer mobils / dem festland
auf immer entsagte / vom kölner blatt befragt / äußerte der polizeisprecher christoph r. geborgen im wiederkehrenden licht:

dies war kein selbstmord / sie fuhr den mercedes schon lange

Rheinische Grillimbisse

Im Jahr 1999 erschien bei Genie&Alltag unser Band grills sind ok mit Geschichten in und über Grillimbisse/n. Ein ungewöhnliches Buch voller Kurzgeschichten und Gedichte um Döner, Gyros, Hähnchenschlegel, Spezialteller und Currywurst: xerografiert, mit handbeklebtem Cover und Gastbeiträgen. Zwei  Geschichten wurden als Comic-Bearbeitungen (von M. H. W. Hornschuh) präsentiert. Und auf der Umschlag-Rückseite stand eine Top Ten-Liste für herausragende Grill-Taufnamen. Ca die Hälfte dieser Top-Grillimbißnamen war rheinisch verortet. Im Jahr 2011 existiert kaum noch einer dieser Imbisse. Lauteten die originelleren Namen vor gut einem bis zwei Jahrzehnten “Johnny`s PS Stube” (Karlsruhe), “Guten Tag” oder “Schöne Welt” (beide Düsseldorf), suchen wir nun nach der Essenz heutiger rheinischer Grillimbißnamensgebungsoriginalität. Erste Erkundungen ergaben die ersten drei Kandidaten:

Gyrostoteles (Köln)
Kismet Döner (Köln)
M. Rhein Grill & Pizzeria (Monheim)

Im Laufe der kommenden Wochen und Monate wollen wir weitere rheinische Grillimbißnamen sammeln und bitten unsere Leser dabei um Mithilfe. Die Sammlung soll über die Kommentarfunktion unter diesem Artikel wachsen. Es werden nur (im weitesten Sinne) rheinische Standorte berücksichtigt, weswegen wir nebst der (möglichst originellen) Namens- auch um Ortsangabe (wie oben vorgestellt) bitten. Aus den besten 100 jeder (noch zu findenden) Kategorie, so stellen wir uns das vor, werden wir dann die Sieger küren, evtl innerhalb einer großen Show mit allem Drum und Dran. Es könnte also sogar (im Notfall willkürlich vergebene) Preise geben, zumindest ist hier vom großen rheinsein-Gewinnspiel Rhein oder Seine?, das bisher niemand aufzulösen vermochte, noch einer übrig.

Badischer Rhein

Passend zu Flauberts Begriffsverwirrung folgende Stelle aus Deutschland deine Badener:

“(…) Wo der Wein wächst – und wo wüchse er nicht im Badischen! -, wo im April schon die Spargeln gestochen und im Mittelbadischen die ersten Erdbeeren geerntet werden, wo auf den Hardtfeldern der Tabak blüht und von der Reichenau früh Gemüse kommt, da lebt es sich nicht heroisch, sondern in gesetzter Behaglichkeit, ein Stück Süden schon, unaufdringlich jedoch und nie spektakulär. Von Konstanz bis über Mannheim hinaus ist Baden Rheinland und doch vom “Rheinländischen”, wie es in Deutschland zum Begriff geworden ist für lärmende Schunkelfröhlichkeit, so weit entfernt, wie die alte Holzbrücke über den Strom in Säckingen von Schloß Stolzenfels entfernt ist. Nein, hier ragen keine Trutzburgen hoch, keine mit Wehrzinnen und keine mit dunklen Verliesen, dafür aber in stiller Majestät die Münstertürme von Konstanz und Basel, von Breisach und Straßburg. Ebensowenig spielt sich der Rhein hier romantisch auf. Eher zieht er beschaulich dahin; erst im schweizerischen Schaffhausen braust er dann ein bißchen mutwillig über Felsen. Tannenwipfel spiegeln sich in ihm, Pappeln und Weiden, und wenn er erst an Karlsruhe vorbeigezogen ist, hat er noch eine lange Strecke zurückzulegen, ehe vaterländisch von ihm gesungen wird.
Und wie ist es mit Schwertgeklirr und Wogenprall? Gewiß, gewiß, seit Cäsars Legionen hier mit den Alemannen zusammenstießen, hat sich einiges getan am Oberrhein, und die Namen Mélac und Turenne, des Sonnenkönigs Marschälle, haben weder im Pfälzischen noch im Badischen einen guten Klang, wenngleich dieser Turenne in Sasbach, dort, wo ihn eine verirrte Kugel traf, sein Denkmal hat. Zufällig traf, muß man wohl hinzufügen. Denn wann fielen Marschälle auf dem Schlachtfeld? Nun, das ist lange her. Zudem waren es dynastische Streitereien, keine Volkskriege. So ermangelt der badische Rhein des Schicksalshaften, dies schon deshalb, weil auf beiden Ufern die gleiche Sprache gesprochen wird – Alemannisch. Einleuchtender hat es keiner erzählt als Hermann Landerer in seiner Geschichte vom alten Balthasar, der 1946 in Karlsruhe, in der amerikanischen Besatzungszone gelegen, ein Paar Hosenträger kaufen wolte, weil es diese in der französischen Zone nicht gab. Dazu benötigte er ein Laisser-passer. Auf badisch heißt das ein “Lessebasse”, und dies gab`s nicht ohne militärärztliche Untersuchung. Der Balthasar suchte seine französischen Sprachbrocken zusammen und trat gefaßt vor den jungen Franzosendoktor. Der aber knüpfte ihm das Hemd auf, hörte das Herz ab und sagte auf gut alemannisch: “Schnüüfe, Großvadder.” (…)”

Quelle: Amadeus Siebenpunkt – Deutschland deine Badener. Gruppenbild einer verzwickten Familie, Hoffmann und Kampe, Hamburg 1975

Das Nashorn vom Rhein

Das Nashorn vom Rhein war (nebst Wasserbüffel und Flußpferd) eines von drei frühen Schubschiffen der Reederei Raab Karcher und wurde zum Star eines wunderbaren Lehrfilms des Museums der deutschen Binnenschifffahrt in Duisburg-Ruhrort. Der gleichnamige Film zeigt aus Kapitänswarte die Einfahrt eines Schubverbands mit vier Leichtern à 1500 Tonnen Verfassungsvermögen in den Rotterdamer Hafen, das dortige Aufnehmen von Schwedenerz für die Hüttenwerke am Niederrhein und die weitere Bergfahrt, „in Gottes Namen“, vor allem durch die schwierige Passage am Binger Loch, mit Ruhrkohle für das Badenwerk in Karlsruhe. Der Kapitän erklärt Schiff, Leichter und Manöver und weist auf die herrlichen Landschaften des Stroms, für die er angeblich keine Blicke haben darf. Auf Youtube ist der knapp viertelstündige Film gestückelt, hier geht es zu Teil 1 und hier zu Teil 2.

Deutsche Fußballmeister

Wieviele rheinische Teams, drängt sich an einem durchschnittlichen Bundesligasamstag unvermittelt die Frage auf, schafften es zur Deutschen Fußballmeisterschaft der Männer? Natürlich werden darüber Listen geführt, wir exzerpieren:

1907 Freiburger FC
1909 Phönix Karlsruhe
1910 Karlsruher FV
1933 Fortuna Düsseldorf
1949 VfR Mannheim
1955 RW Essen (lassen wir großzügig als rheinisch durchgehen)
1962 1. FC Köln
1964 1. FC Köln
1970 Borussia Mönchengladbach
1971 Borussia Mönchengladbach
1975 Borussia Mönchengladbach
1976 Borussia Mönchengladbach
1977 Borussia Mönchengladbach
1978 1. FC Köln

Das ergibt, für das riesige Einzugsgebiet des Rheins, ein eher mäßiges und bis auf die drei Kölner Meisterschaften, die dieser größten und wohl bedeutendsten, zugleich schlampigsten rheinischen Stadt angemessen erscheinen, auch erstaunliches Bild. Offiziell werden die DFB-Meisterschaften seit 1903 ausgespielt, mit fünf Pausenjahren in den beiden Weltkriegen. Heraus stechen aus rheinischer Sicht die Provinzstädte Mönchengladbach mit fünf Titeln und Karlsruhe, das gleich zwei Meistervereine in den Anfangsjahren, die einige erstaunliche Anekdoten bevorraten, stellt. Weiterhin bemerkenswert: von den acht bisherigen rheinischen Deutschen Fußballmeistern stammt die Hälfte aus Baden, die andere, gewichtigere, vom Niederrhein.

Die Biber

Die gestrige Folge der vierteiligen ARTE-Rheindoku rauschte, bis auf das bemerkenswerte Zitat, daß die Macht des Wassers eine brutale sei und die Sequenz mit Bettina Sättele, der Biber-Beauftragten des Regierungsbezirks Freiburg, aufgrund einer Programmstörung ruckhaft an uns vorüber. Biber-Beauftragte (wahlweise Biber-Managerin, Biber-Beraterin, Biberflüsterin): es gibt also doch noch schöne und wunderbare Berufe auf dieser verkommenen Welt. Als dieselbe noch in Ordnung war und der Autor dieser Zeilen ein Kind, lebten in Deutschland keine freien Biber. Bestrebungen, sie anzusiedeln fanden hinter Schutzzäunen an künstlichen Gewässern statt. So geschehen vor rund 30 Jahren im Karlsruher Oberwald. Geredet wurde viel über diese Biber, gesehen hat sie keiner. Ein ausgeklügelteres Biber-Management mußte sich erst noch selbst erfinden. Oft genug hatten wir vergebens an den eigens eingerichteten Beobachtungshütten ausgeharrt. Biber lassen sich allerdings auch nicht gerne bei ihren illegalen Bautätigkeiten auf den Zahn fühlen. Und so rührt das Wissen der Freiburger Biber-Beauftragten um heutige Populationen weiterhin eher aus Fußspuren und sonstigen Indizien (wir selbst sahen vor wenigen Monaten bei unseren Streifzügen durch Liechtenstein erstmals mit eigenen Augen den typischen Biberverbiß am Rhein) als aus konkreten Stückzählungen, die Bestände weiß sie nur zu schätzen, auch sähen sich die Tiere unglaublich ähnlich, wie die Badische Zeitung vermeldet, die Bettina Sättele vor zwei Jahren in die Bibergründe des Schwarzwalds begleitet hat und der sie die Grundlagen des Biber-Managements auseinandersetzt: “Das Zusammenleben von Mensch und Biber funktioniert nicht immer reibungslos.” Die selbstbestimmte Rückkehr des freien Bibers nach Baden-Württemberg begann laut der Expertin vor rund 20 Jahren. Er kam aus der Schweiz, Frankreich und Bayern, entlang der Läufe von Donau, Rhein und Wörnitz und ist weiter auf dem Vormarsch. Mindestens 1000 Individuen, schrieb Frau Sättele, umfaßte der Gesamtbestand Ende 2006. Das entspricht schon fast einer Armee. Kein Wunder, daß es bei solchen Ausmaßen zu Mensch-Biber-Konflikten kommt. Zumal der Badener, womöglich zu Unrecht, nicht als der weltoffenste Menschenschlag gilt. Die Biber-Beauftragte rät: „Wichtigstes Instrument zum Umgang mit dem Biber ist die langfristige Kommunikation und Kooperation mit Betroffenen, die ihre Betroffenheit jeweils sehr individuell und nach eigener Lebenserfahrung definieren. Garant für den Erfolg von Lösungsansätzen bei Problemfällen ist die möglichst exakte Einschätzung des Verhaltens der Biber vor Ort und die Einstufung des Konfliktpotentials.“ Das klingt vernünftig und auch für Amtspersonen verständlich. Wir wünschen dem Biber und den Menschen in den vom Biber eroberten Territorien eine friedliche Koexistenz. Und wünschen uns noch viel mehr Planstellen für Beauftragte, die mit dem notwendigen Ernst sich ans Glätten unserer vielfältigen gesellschaftlichen Konflikte begeben.

salut schtroßburg

salut schtroßburg, ca va, wie geht’s?
du bucklichs hutzelweib
mit deinre schwarze sammethaub
von kirchemoos un ziegelscherbekarmesin
mit deinre mittelalterkrätz am kopf
von taubeschiß und feuersbrunscht
von peschtilenz un regemessinggrün
mit deine alte pflaschterstaigedärm
voll pinot blanc un münschterkäs
bischofslila, marseillaise
weiberwackelärsch, baguette
soß vinaigrette un schwarzer zwischedurch-
un feierobendzigarett

salut schtroßburg, ca va, wie geht’s?
mei apfelbackichs bauremädle
mit deinre gugelhupffrisur
e goldes kettle
um dei bauremädlefüß

ich wünsch mer nur, ich kann bei dir
noch manchen katzefaule sommerdag versitze
im ahornschatte an deim mittagsgrüne bach
mit de chantal, de melanie, mit ainre
die i nimme waiß un nimme sieh
des sommermenschelebe spüre bis in
d’fingernägelfußzehspitze

salut schtroßburg, bauremädle, hutzelweib
mit deine rieslingzitze

Obiges – in badischer Sprache wie sie in Karlsruhe vorkommt verfaßte – Gedicht stammt von Harald Hurst, aus seinem Band “Ich bin so frei”, der im Karlsruher G. Braun-Buchverlag, dem wir herzlich für die Überlassung des Textes für diese Website danken, erschienen und über den Verlagslink erhältlich ist. Das Gedicht ist ebenfalls in Hursts neuem Sammelband “Do hanne num” (was soviel wie “Dort entlang” bedeutet) (im selben Verlag) enthalten.