Was tun, wenn ein möglicherweise ausländischer Storch in den deutschen Rhein fällt und aus eigener Kraft nicht mehr hinauskommt?

Eine Tragödie mit bühnenreifen Elementen ereignete sich einer Meldung der Badischen Zeitung zufolge vor wenigen Wochen am Märkter Stauwehr. Passanten hatten dort einen hilflos im Rhein zappelnden Storch gesichtet. Mittels einer – aufgrund der schwierigen Geländelage und ihres seltenen Umgangs mit Störchen offenbar von Slapstickeinlagen gespickten – Gemeinschaftsaktion holten sie das Tier an Land. Da lag es dann. Also telefonierte, um weitere Procedere-Optionen in Erfahrung zu bringen, eine der Storchenretterinnen mit Polizei, Tierärzten, Tierschutzvereinen der nahen Städte Weil und Lörrach, „am Ende auch mit dem Forstamt“, wobei sie sich „vorgekommen (sei) wie der Buchbinder Wanninger in dem gleichnamigen Sketch von Karl Valentin“, da sie, unter anderem mit der Gegenfrage, ob es sich gegebenenfalls um einen französischen Storch, für den dann die Behörden des Nachbarstaats zuständig seien, ergebnislos von einer Stelle zur nächsten durchgereicht wurde. Schließlich half (sieh da!) das Internet. Über eine elsässische Naturschutzorganisation fand sich der grenzüberschreitende Hinweis auf eine erfahrene Märkter Storchenbetreuerin. Welche sogleich herbeieilte, den Storch in ein Tuch wickelte und zu einem Tierarzt brachte, der den Geretteten schließlich einschläferte, weil er ein Bein gebrochen hatte. Über die Nationalität des Storches wurde über seinen Tod hinaus nichts weiter bekannt.
Die abgewiesene Passantin, berichtete die Zeitung, erwäge seither die „Einrichtung einer dreisprachigen Internetseite, auf der die Leute, die einen verletzten Storch finden, genau erfahren, an wen sie sich wenden können.”

Wir hingegen erwogen nach dieser berührenden Meldung, wie häufig wohl Störche in den Rhein geraten mochten, ohne sich wieder aus dem Fluß befreien zu können. Wir wogen hin und wogen her und bisweilen wollte uns scheinen, daß hier ein Präzedenzfall vorliegen könne, der nicht allzu häufig sich zu wiederholen drohe. Doch dann wieder bildeten sich vor unserem Auge bizarre Scharen hilfloser Störche, mit den Beinen aus dem Rhein ragend, luftstaksend, flügelschlagend, um Hilfe klappernd. Eine solche Vision zog uns stracks ans Riehler Gestade. Dort trafen wir einen Tourenpaddler, den wir fragten, ob er auf seiner Tour Rheinstörche gesehen habe. Und jetzt kommts: er hatte! Und er hat sie sogar fotografiert:

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Diese Störche flankierten erst kürzlich den Rhein knapp nordöstlich von Worms auf der hessischen Seite. Welches Idiom sie babbelten bleibt unklar.

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Falls jemand die Tiere kennt: die Störche sollten auf jeden Fall vor den Gefahren des Rheins gewarnt werden.

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rheinsein regt hiermit die Öffentlichkeit an, zum Wohl der Störche über folgende Punkte nachzudenken: Nummernschildpflicht für Störche (inkl. Länderkennzeichen). Weitere Punkte: Rauchverbot (auch Verrauchverbot) für Störche (aktiv, passiv, Starkstrom) an öffentlichen Plätzen, die auch von Menschen frequentiert werden (könnten); „Nervgebühren“ für Rhein-/Badeunfälle nur simulierende Störche (Posingsteuern); Versammlungsregulierung (Gruppenstorchabkommen); Schutzräume für storchische Wildrosengebete am Eliza Day; (…)

rheinsein dankt dem Tourenpaddler (Karlsruhe-Köln) Stefan Mittler für seine Aufklärung über rheinische Storchvorkommen und die zahlreichen, uns freundlicherweise zur Verfügung gestellten, aussagekräftigen Fotos aus Faltboot-Paddlersicht, von denen wir nach und nach einige an dieser Stelle präsentieren dürfen/werden.