Rheinelefant (2)

Wir haben bereits über prähistorische, leonardische und sonstige Rheinelefanten berichtet. Nun fanden wir noch mehr über die Geschichte dieses bemerkenswerten Tiers am Rhein. Der erste namentlich erwähnte Elefant auf deutschem Staatsterritorium war demnach Abul Abbas, ein Geschenk Harun al-Raschids an Karl den Großen. Abul Abbas lebte vom 20. Juli 802 an in Aachen und ertrank der Legende nach 810 bei einer Rheinüberquerung in Deutschlands Schicksalsstrom. Es dauerte bald 700 Jahre, bis 1482 erneut ein Elefant in Deutschland, und zwar in Köln, gezeigt wurde, wo er von seinem Mahout Hans Viltzhover erstochen worden sein soll. Genaueres ist auch hierzu nicht bekannt, wohl aber eine weitere Quelle, die vom Tod dieses Elefanten samt seines Führers im Ärmelkanal spricht.

Was tatsächlich aus Abul Abbas geworden ist, bemühte sich aus gegebenem Anlaß ein Periodikum namens Wochentliche Duisburgische Adresse- und Intelligentz-Zettel (Nummer 27) anno 1750 zu klären: „Es sind im Anfang dieses Jahrs von den Fischern aus der Lippe, in der Herrschaft Gartrop einige Knochen von ungeheurer Grösse gesichtet, und dem hochwohlgebohrnen Freyherrn von Gartrop, als Grundherrn des Orts überliefert worden, welche mir wegen ihrer Seltenheit zu dieser Betrachtung Anlaß geben. Ich bedaure daß diese Fischer nicht ehe den Einfall bekommen, dergleichen Knochen zur Verwahrung zu übergeben, weil sie bezeugen, daß sie seit einiger Zeit verschiedentlich grosse Stücke mit den Netzen ausgezogen, und aus Unachtsamkeit wieder weggeworfen haben. Es ist unläugbar, daß es Knochen eines Elephanten sind, wie ich nachher aus deren Beschreibung dartun werde. (…) Man pfleget, wenn dergleichen fremde Dinge gefunden werden, so gleich zu fragen, wo mag ein solcher Knochen herkommen seyn? (…)“ Der Autor kommt also sogleich auf die Sintflut als gern genannter Ursache vieler ungewöhnlicher Anschwemmsel und schließlich, präziser, auf Karl den Großen, dessen berühmter Elefant auf einem gemeinsamen Feldzug gen Friesland just bei einem Ort namens Lippa, Lippeha oder Lippenheim – „nachdem der Kayser über den Rhein gegangen“ – eines schnellen Todes gestorben und „vermuthlich“ auch dort begraben sei. Diese Stadt Lippa enttarnt der Artikel nun nach zackigen Rückschlüssen aus lateinischer Quelle als Wesel oder ein unbestimmtes Lippenheim weiter nördlich davon, weswegen „vermuthlich“ von den Fischern keine andern als Abul Abbas` Knochen aus der Lippe gezogen worden seien, Fortsetzung würde folgen. Die Fortsetzung findet aber erst hier, gut weitere 250 Jahre nach dem Artikel im Intelligentz-Zettel und 1200 Jahre nach Abul Abbasens Tod statt. Solange es niemandem Schaden zufügt, ist das Anzetteln von Spekulationen nicht nur nicht verwerflich, sondern des Artiklers hartes Brot. Falls beim aktuellen Restniedrigwasser also statt Einkaufswagen- und Mopedskeletten auch Elefanten- nah bei Menschenknochen aus dem Rhein gezogen werden sollten, könnte man ja die Geschichte von Hans Viltzhover nochmal aufrollen. Wer wüßte sonst, wo der abgeblieben ist?

Wie freudig blutet` hier der Edelknecht

Der Rhein.

O Sohn der Alpen, in krystallnen Wiegen
Genährt von Gletscherbrüsten, heil`ger Rhein,
Wenn du dem blauen Schweizersee entstiegen
Dich jauchzend warfst vom schroffen Felsgestein,
Und glorreich nun, ein Held nach frühen Siegen,
Das Thal durchwallst im laub`gen Kranz von Wein,
Zur Lust den Völkern und der Flur zum Segen:
Wie schlägt dir hoch das deutsche Herz entgegen!

Und traun, mit Fug. Denn deutschen Lebens Bild
Und Zeuge bist du, seit von süßen Zähren
Auf deinen Höh`n der Rebstock feurig schwillt:
All um dich her erwuchsen unsre Ehren;
Du sahst zuerst erhöht des Reiches Schild,
Des Reichs, nach dem wir fromm noch heut begehren,
Wir Waisen, nun im eignen Vaterlande
Ruhmlos zertheilt wie du zuletzt im Sande.

Den Kaisern warst du werth; die Starken zog
Der Starke, daß, was gleich, zusammenwohne;
Hier stand der Stuhl des großen Karl, hier bog
Konrad das Haupt vor Konrad, eine Krone
Mit Lächeln missend; hier im Festgewog
Schied der im rothen Bart vom ehrnen Sohne;
Siegestrunken mocht` er deinen Wirbeln lauschen,
Nicht ahnend, daß sein Tod bald solches Rauschen,

Auf deinen Burgen horstet` ein Geschlecht
Frei, wild und mild; es wohnt` in seinem Sinne
Von deiner Traub` ein Anflug, zum Gefecht
Befeuernd wie zu Harfenschlag und Minne.
Wie freudig blutet` hier der Edelknecht,
Wenn aus der Herrin Blick von hoher Zinne
Ein Gruß als erster, ach, und letzter Dank
Auf sein verströmend Leben niedersank!

Und Städte sahn voll Trotz in deine Welle,
Wo unterm Krummstab Bürgerfreiheit sproß
Und Füll` und Kunst, und wo dann morgenhelle
Die neue Zeit ihr Kinderaug` erschloß.
Denn war`s zu Mainz nicht, wo in stiller Zelle
Ein andrer Dädalus die Flügel goß,
Die stark das Wort in alle Winde tragen?
Ward nicht zu Worms die Geisterschlacht geschlagen?

Und heut! Welch reich Gewühl umbraust noch heut
Die Rebenufer, wo vom breiten Riffe,
Die Veste droht, und weit im Thal zerstreut
Die Essen rastlos sprühn! Mit grellem Pfiffe
Durchkeucht das Dampfgespann des Doms Geläut,
Und durch die Fluten wandeln Feuerschiffe,
Wie schwarze Riesenschwäne; Flaggen winken,
Und Winzerjubel schallt und Römer blinken.

Gebrochen sind die Burgen. Ihre Zeit
Ging aus. Doch sitzt an ihrer Thürme Scharten
Die Sage harfend noch, die Wundermaid,
Und lallt im Traum von Chriemhilds Rosengarten,
Vom Drachenstein und von der Nonne Leid.
Und stießt das Mondlicht um die Felsenwarten:
Da singt die Loreley und aus dem Dunkel
Der grünen Wasser glimmt des Horts Gefunkel.

Gruß dir mein Rhein! Wie leicht bei dir einst flossen
Die Lieder mir, die jedes Tags Gewinn!
Mein Sternbild stand im Aufgang; noch im Sprossen
Wie Laub um Pfingsten grünte frisch mein Sinn,
Gruß euch, die ihr mir damals wart Genossen
In Leben und Gesang! – Wo seid ihr hin?
Ach, auseinander weit seit jenen Tagen,
Zu weit hat uns der Kampf der Zeit verschlagen.–

(Emanuel Geibel)

Frankfurt am Main (2)

“(…) We made a short halt at Frankfort-on-the-Main, and found it an interesting city. I would have liked to visit the birthplace of Gutenburg, but it could not be done, as no memorandum of the site of the house has been kept. (Gutenburg, Gutenberg, wer weiß? Die beiden werden ja häufiger verwechselt. Anm. Rheinsein) So we spent an hour in the Goethe mansion instead. The city permits this house to belong to private parties, instead of gracing and dignifying herself with the honor of possessing and protecting it. Frankfort is one of the sixteen cities which have the distinction of being the place where the following incident occurred. Charlemagne, while chasing the Saxons (as HE said), or being chased by them (as THEY said), arrived at the bank of the river at dawn, in a fog. The enemy were either before him or behind him; but in any case he wanted to get across, very badly. He would have given anything for a guide, but none was to be had. Presently he saw a deer, followed by her young, approach the water. He watched her, judging that she would seek a ford, and he was right. She waded over, and the army followed. So a great Frankish victory or defeat was gained or avoided; and in order to commemorate the episode, Charlemagne commanded a city to be built there, which he named Frankfort — the ford of the Franks. None of the other cities where this event happened were named for it. This is good evidence that Frankfort was the first place it occurred at. Frankfort has another distinction — it is the birthplace of the German alphabet; or at least of the German word for alphabet — BUCHSTABEN. They say that the first movable types were made on birch sticks — BUCHSTABE — hence the name. (…) In Frankfort everybody wears clean clothes (…). Even in the narrowest and poorest and most ancient quarters of Frankfort neat and clean clothes were the rule. The little children of both sexes were nearly always nice enough to take into a body’s lap. And as for the uniforms of the soldiers, they were newness and brightness carried to perfection. One could never detect a smirch or a grain of dust upon them. The street-car conductors and drivers wore pretty uniforms which seemed to be just out of the bandbox, and their manners were as fine as their clothes. In one of the shops I had the luck to stumble upon a book which has charmed me nearly to death. It is entitled THE LEGENDS OF THE RHINE FROM BASLE TO ROTTERDAM, by F. J. Kiefer; translated by L. W. Garnham, B.A. All tourists MENTION the Rhine legends — in that sort of way which quietly pretends that the mentioner has been familiar with them all his life, and that the reader cannot possibly be ignorant of them — but no tourist ever TELLS them. (…)”

(aus: Mark Twain – A tramp abroad, Chapter I)

Der Rhein für die gebildeten Stände (3)

Der Rhein durchfließt zuerst Graubündten, macht die Grenze zwischen dem vorarlbergischen Kreise und dem schweizer. Cantone St.-Gallen, scheidet dann, nachdem er den Bodensee verlassen hat, das Großherzogthum Baden und die Schweiz, von Basel an, wo er sich nördl. wendet, dasselbe Großherzogthum und die franz. Departements des Ober- und Niederrheins, sowie den Rheinkreis des Königreichs Baiern; durchströmt nun das Großherzogthum Hessen, das Herzogthum Nassau, die preuß. Provinz Rheinland und zuletzt die Niederlande. Die vornehmsten in denselben sich ergießenden Flüsse sind: die Aar, die Jll, die Kinzig, Murg, der Neckar, der Main, die Nahe, Lahn, Mosel, Erft, Ruhr und Lippe. Viele beträchtliche Städte liegen an seinen Ufern, so in der Schweiz und Deutschland: Konstanz, Schaffhausen, Basel, Alt-Breisach, Speier, Manheim, Worms, Mainz, Bingen, Koblenz, Neuwied, Bonn, Köln, Düsseldorf, Wesel und Emmerich. An Fischen ist der Rhein sehr reich. Man fängt darin Salmen, welche im Frühlinge im Hinaufsteigen aus der See Lachse, hernach aber, wenn sie sich gegen den Herbst wieder nach dem Meere zu wenden, Salmen genannt werden, Rheinstöre, Neunaugen, Hechte, Karpfen, oft zu 20 Pfund schwer u.s.w. An Federwildpret hält sich auf den unzähligen Rheininseln und dessen Ufern eine Menge verschiedener, oft seltener Gattungen auf. Auch führt der Rhein etwas Gold unter seinem Sande, welches theils aus dem Gebirge Helvetiens, theils aus dem des Schwarzwaldes kommt. Eine vorzügliche Wichtigkeit, besonders für das westl. Deutschland, hat der Rhein durch die Schiffahrt. (S. Rheinschiffahrt und Rheinhandel.) Er wird von Chur in Graubündten an befahren; unter Schaffhausen fängt die bequemere Schiffbarkeit des Stromes an; allein die größere Rheinschiffahrt mit schwer beladenen Schiffen beginnt erst bei Speier. Von Strasburg bis Mainz gehen Schiffe, die 2000—2500 Ctr. laden, von Mainz bis Köln Schiffe von 2500—4000 Ctr., und von Köln bis Holland Schiffe, welche 6000 —9000 Ctr. tragen. (S. Flöße.) Außer den Rheinfällen hält man für die Schiffahrt gefährlich: 1) Das Bingerloch, bei Bingen, sechs Stunden unterhalb Mainz. Hier nähern sich die Berge, welche den Rhein einschließen, von beiden Seiten so, daß man bis an das Flußbett hinein den ehemaligen Zusammenhang der gegenseitigen Felsen gewahr werden kann. Diese Felsenwand, die sich von einem Ufer zum andern erstreckte, wurde wahrscheinlich im Laufe von Jahrhunderten durch die Gewalt des Wassers oder durch eine Erdrevolution zum Theil zertrümmert und ließ nun dem Strom eine zwar freie, aber enge Bahn. Karl der Große ließ diese Öffnung erweitern, doch blieb sie noch immer so enge, daß nur ganz kleine Fahrzeuge die Fahrt machen konnten. Erst unter dem Kurfürsten Sigismund von Mainz wurde der Weg für größere Schiffe fahrbar und minder gefährlich. Die einzige Durchfahrt, welche man das Bingerloch nennt, war bis zum J. 1834, wo die preuß. Regierung durch Sprengen dieselbe erweitern ließ, nur 50 F. breit, und auch jetzt ist dieselbe bei niedrigem Wasser nicht ohne Gefahr zu passiren. Daselbst steht auch mitten im Wasser auf einem Felsen Hatto’s Thurm oder der Mäusethurm. (S. Hatto.) 2) Das wilde Gefährt bei Bacharach, wo der Strom im Thalwege mit fürchterlichem Gefälle des Wassers zwischen Felsen und Banken eine Art Trichter bildet. Dasselbe ist nur für die den Strom hinabfahrenden Schiffe gefährlich. 3) Die sogenannte Bank von St.-Goar, wo des Flusses Wellen an eine Gruppe theils sichtbarer, theils verborgener Klippen anprallen und einen Strudel bilden. 4) Der kleine und große Unkelstein bei dem Städtchen Unkel, eine Gruppe Basaltsäulen, die theils unter dem Wasser verborgen sind, theils hervorragen. Die größere Gruppe, der große Unkelstein genannt, ist unter der franz. Herrschaft hinweggeräumt worden, und auch die kleinen Gruppen können bei hohem Wasser von leeren Schiffen überfahren werden.

(aus: Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände. Conversations-Lexikon, Band 9, F.A. Brockhaus Verlag, Leipzig 1836)

De Rynstroom (2)

Maer uw geloovigh Christendom
Beproeft werd, als het goud in d` oven,
Doen Attilaes verwoede trom
`t Geruisch uws waters quam verdooven,
En verwde met onnosel bloed
En damde uw kil met kuische dooden,
En trapte met een` droncken voet
Op woeste steden, leegh gevloden,
Of brande uw hair af met syn toorts,
Beklad en druipend van veel moords.

Ghy schreide met een heesche keel
Den hemel aen, om troost verlegen,
Die sond u Karel, `t Rycksjuweel:
Dees kon d` onveilige oevers veegen
Van onduitsch en baldaedigh schuim,
Gelijck uw Constantijn vorheenen.
Doen kreeght ghy uwe randen ruim,
En saemelde uw verstroide steenen,
En saeght dien held vol godesvrucht
Syn` lusthof planten in uw lucht.

O onvermoeide molenaer,
O stedebouwer, schepedraeger,
O rijxgrens, schermheer in gevaer,
Wijnschencker, veerman, overknaeger,
Papieremaecker, schaf papier,
Daer ick uw glori op magh schryven,
Uw water dat ontvonckt mijn vier.
Mijn sinnen in uw wedde dryven,
En speelen als een dartle swaen,
Verleckert op uw wijngaerdblaen.

Sélestat – Bibliothèque humaniste

Die Humanistische Bibliothek in Sélestat hatte Rheinsein sich „irgendwie anders vorgestellt“: menschenleer, grau in grau, im Grunde wohl wie einen seit Jahrhunderten nicht mehr gefegten, von Papierstapeln überlasteten Speicher. Tatsächlich trifft der willige Bibliotheks-Besucher in einem etwas kuriosen Vorraum ein, der einiges Gerümpel beherbergt, das sich bei näherer Betrachtung als lokalhistorische Ausstellungsgegenstände entpuppt, auf wie grad nicht benötigte Wäscheständer beiseitegeschobenen Klappstellwänden tut die aktuelle Sonderausstellung mit Illustrationen des Genji Monogatari ihr bestes, mit den einheimischen Werken zu korrespondieren, zwischendrin hocken auf kirchenbankartigen Studiervorrichtungen mit Kameras bewehrte Wissenschaftler und filmen die nackten Innereien alter Bücher. Der gemeine Besucher wird auf samttuchbedeckte Vitrinen im Hauptsaal verwiesen. Darin befinden sich die aufgeschlagenen Schmuckstücke der Sammlung, welche großteils dem Lokalhumanisten Beatus Rhenanus zu verdanken ist: Merowingisches Lektionar (7. Jh.), ein liturgisches Werk mit Texten aus dem Alten Testament, der Apostelgeschichte sowie einer apokryfen Schrift, das Kapitularbuch Kaiser Karls des Großen (9. Jh.), Vitruvs de architectura libri X (also der zehnte Band über Baumaschinen, mit Bauzeichnungen, 10. Jh.), das Wunderbuch der heiligen Fides (karolingische Minuskel, 11./12. Jh.), Pergament-Abschriften der Werke Ovids und Horaz mit Leserglossen aus dem Mittelalter, Macrobius In Somnium Scipionis (13. Jh.), eine illustrierte lateinische Bibel (13. Jh.), Otto von Passaus Die minnende Seele, 1430 vom Schlettstädter Schuhmacher Jakob Leistenmacher (!) abgeschrieben und selber illustriert. Dem Heute inadäquat bis konträr: der Schreiber Versenkung in der Aufgabe (Selbstaufgabe), ablesbar an der überwältigenden Ausstrahlung über hunderte und tausende Seiten gestochener, dem Werk gebührender Schönschrift, während Briefe etwa deutlich nachlässiger verfaßt daherkommen. Ab den 1450 Jahren betrieb Mentel dann seine Druckerei in Straßburg: auch diese Inkunabeln zeichnen sich, ganz in der Tradition der Handschriften, durch eine geradezu anmaßende Schönheit des Satzes aus. Darunter: die Constitutiones von Papst Clemens V. (1471). Jakob Wimpfeling, Vertreter des Humanistendramas, Adolescentia (1500). Die Cosmographiae introductio von Matthias Ringmann und Martin Waldseemüller mit der ersten schriftlichen Erwähnung der neuen Welt als „America“ nach Vespucci (1507). Erasmus Lobgedicht auf Schlettstadt „Encomium Selestadii Carmine Elegiaco per Erasmum Roterodamum“ (1515) und desselben Opera Omnia, geschätzte zwanzig Kilo schwer (1540). Sebastian Münsters Kalendarium Hebraicum, aufgeschlagen mit Holzschnitten zu den Fasen der Sonnenfinsternis (1527). Jakob Spiegels Zivillexikon (1538). Johannes de Sacroboscos Allstudien de Sphera, mit Glossen von Beatus Rhenanus. Dessen Rerum germani carum und Kollegheft an der Sorbonne (das von äußerster Disziplin beim und Achtung gegenüber dem Schreibvorgang zeugt). Die unglaubliche Cosmographia Universalis von Münster, ein wahrer Brocken vor dem Herrn (1554). Natürlich enthält die Bibliothek auch die seinerzeit wichtigsten Schriften etwa von Augustinus oder Thomas von Aquin, sowie Meßbücher, Karten und ein Dokument, das die erste schriftliche Erwähnung des Weihnachtsbaums enthält. Eine besonders hübsche Zeichnung des Wald-Sanikels (als Sanickel). Gerahmt das ganze von Heiligenkrust und alten Stadtmodellen, sowie Zellen, in denen ehrfurchtsgebietend dunkel eingebundene Folianten in Regalen schnarchen, hin und wieder geweckt vom schrillen, und wie das Sicherheitspersonal jovial versichert, selbstauslösenden Alarm. Nur vordergründig erstaunlich, daß so viele Menschen sich Bücher hinter Glas anschauen wie in der Humanistischen Bibliothek von Schlettstadt, denn wer diese Bücher einmal gesehen hat, weiß fortab um ihre Attraktivität, und kaum auszudenken, was passieren könnte, falls die Stadt einmal zu einer Größe heranwächst, welche U-Bahn-Baupläne aufs Tablett bringen könnte.

Melville in Köln

“I intended taking the boat at 10 1/4 in the morning, & so slept sweetly dreaming of the Rhine.

Sunday Dec 9th 1849 Cologne Sallied out before breakfast, and found my way to the famous cathedral, where the everlasting “crane” stands on the tower. While inside was accosted by a polite worthy who was very civil pointing out the “curios”. He proved a “valet de place”. He tormented me home to the Hotel & got a franc out of me. Upon going to the Steamer Office I learnt that no boat would leave that morning. So I had to spend the day in Cologne. But it was not altogether unpleasant for me so to do. In this antiquated gable-ended old town – full of Middle-Age, Charlemaigne associations, — where Rubens was born (Anm.: Rheinsein sah Rubens Geburtshaus in Siegen, aber dieser Rubens hier ist ja nicht näher spezifiziert) & Mary de Medici died – there is much to interest a pondering man like me. — But now to tell how at last I found that I had not put up at the “Hotel de Cologne”, but at the “Hotel de Rhin” – where my bill for a bed, a tea, & a breakfast amounted to some 2 Dollars, in their unknowable German currency. – Having learnt about the Steamer, I went to the veritable Hotel de Cologne, (on the river) & there engaged the services of a valet de place to show me the sights of the town for 2 Francs. We went to the Cathedral, during service – saw the tomb of the Three Kings of Cologne – their skulls. The choir of the church is splendid. The structure itself is one of the most singular in the world. One transept is nearly complete – in new stone, and strangly contrasts with the ruinous condition of the vast unfinished tower on the one side. From the Cathedral we went to the Jesuit`s Church, where service was being performed. Thence to the Museum & saw some odd old paintings; & one splendid one (a sinking ship – with the Captain at the mast-head – defying his foe) by Schefferen (?). Thence, to St Peter`s Church, & saw the celebrated Descend from the Cross by Rubens (Anm.: nuja, offenbar doch näher spezifiziert; Doppelgeburt?). Paid 2 Francs to see the original picture turned round by the Sacristan. Thence home. Went into a book store & purchased some books (Views & Panorama of the Rhine) & then to the Hotel. At one` o`clock dinner was served (Table d`hote). A regular German dinner & a good one, “I tell you”. Innumerable courses – & an apple-pudding (Anm.: Rievkooche met Äppelschlot?) was served between the courses of meat & poultry. I drank some yellow Rhenish wine which was capital, looking out on the storied Rhine as i dined. After dinner sallied out, roamed about the town, going into churches, buying cigar of pretty cigar girls, & stopping people in the streets to light my cigar. I drank the very vital spirit & soul of old Charlemagne, as i turned the quaint old corners of this quaint old town. Crossed the bridge of boats, & visited the fortifications on the thither side. At dusk stopped at a beer shop – took a glass of black ale in a comical flagon of glass. Then home. And here I am writing up my journal for the last two days. At nine o`clock (three hours from now) I start for Coblentz – 60 miles from hence. – I feel homesick to be sure – being all alone with not a soul to talk to – but then the Rhine, is before me, & I must on. The sky is overcast, but it harmonizes with the spirit of the place.”

Lederstrumpf am Rhein

In der Einführung zu seinem Roman The Heidenmauer berichtet Lederstrumpf-Autor James Fenimore Cooper von seinen raschen, historisch inspirierten rheinischen Einsichten: „At Aix-la-Chapelle we bathed, visited the relics, saw the scene of so many coronations of emperors of more or less renown, sat in the chair of Charlemagne, and went our way. The Rhine was an old acquantaince. A few years earlier, I had stood upon the sands, at Katwyck, and watched its periodical flow into the North Sea, by means of sluices made in the short reign of the good king Louis, and, the same summer, I had bestrode it, a brawling brook, at the icy side of St. Gothard. We had come now to look at its beauties in its most beautiful part, and to compare them, as far as native partiality might permit, with the well-established claims of our Hudson. Quitting Cologne, its exquisite but incomplete cathedral, with the crane that has been poised on its unfinished towers five hundred years, its recollections of Rubens and his royal patroness, we travelled up the stream so leisurely as to examine all that offered, and yet so fast as to avoid the hazard of satiety. Here we met Prussian soldiers, preparing, by mimic service, for the more serious duties of their calling. Lancers were galloping, in bodies, across the open fields; videttes were posted, the cocked pistol in hand, at every hay-stack; while couriers rode, under the spur, from point to point, as if the great strife, which is so mennacingly preparing, and which sooner or later must come, had actually commenced. As Europe is now a camp, these hackneyed sights scarce drew a look aside. We were in quest of the interest which nature, in her happier humors, bestows. There were ruined castles, by scores; grey fortresses; abbeys, some deserted and others yet tenanted; villages and towns; the seven mountains; cliffs and vineyards. At every step we felt how intimate is the association between the poetry of Nature and that of art; between the hill-side with its falling turret and the moral feeling that lends them interest. Here was an island, of no particular excellence, but the walls of a convent of the middle ages crumbled on its surface. There was a naked rock, destitute of grandeur, and wanting in those tints which milder climates bestow, but a baronial hold tottered its apex. Here Caesar led his legions to the stream, and there Napoleon drew his corps d`armée on the hostile bank; this monument was to Hoche, and from that terrace the great Adolphus directed his battalions. Time is wanting to mellow the view of our own historical sites; for the sympathy that can be accumulated only by the general consent of mankind, has not yet clothed them with the indefinable colors of distance and convention.“