Gelangweilter Rhein

Von der Eisenbahnstation Sevelen zieht sich eine Viertelstunde lang eine grade Strasse bis zu der Rheinfähre hin. Fast kann man hier Mitleid haben mit dem Rhein, der, noch so nahe seiner „eiskristallenen Wiege“, gar nicht mehr den frischen Jugendmuth zeigt, sondern sich langweilt und träge durch Steingeröll und Sand hinzieht, wenn nicht dann und wann ein rascher Bergbach auf ihn zuspringt und ihn in Bewegung setzt.

Wir sind mit der Fähre ans rechte Rheinufer gekommen, wo ein uniformirter Zollwächter aus seinem Häuschen tritt, um uns anschaulich zu machen, dass wir in das Land der deutschen Ordnung und Vigilanz gekommen sind. Da er uns gleich als ganz harmlose Wanderer erkennt, so geht er in seine Bude zurück, wirft uns aber einen verdriesslichen Blick zu, denn wir haben ihn in seiner Ruhe gestört.

(Eduard Osenbrüggen: Wanderstudien aus der Schweiz, Schaffhausen 1871. Gefunden auf Doazmol, mit Dank an Karin Lehner.)

Wilde Berge, kaltes Fieber, schlaffe Nerven

„Am nördlichen Fuss des Camor liegt das Kobelwiesbad, das dem Rheintaler das kalte Fieber stillet, welches der austretende Rheinstrohm häufig verursachen soll. Wir besuchten die Grotte der Nympfe, die die heilsame Quelle aus ihrer Urne giesst, welche hier aufgefasst, in mächtigen Kesseln gewärmt, und in etwa 40 Badkasten gegossen, die schlaffen Nerven der Gäste stärkt. Diese sind wirthschaftlich genug, die Cur während der Nacht zu machen, um am frühen Morgen wieder an der Arbeit zu seyn.“

(Archiv kleiner zerstreuter Reisebeschreibungen durch merkwürdige Gegenden der Schweiz 1796, Erster Band, St. Gallen Huberische Buchhandlung)

hoher kastenBild: Hoher Kasten mit Blick ins Rheintal und auf den Alpstein um das Jahr 1910 (Aufnahme und Verlag der Gebrüder Wehrli, Kilchberg Zürich, Nr. 14017)

„Wenn man einen ganzen langen Tag mit diesen wilden Bergen [Kreuzberge] gekämpft hat, so kann ich mir kaum etwas Schöneres denken, als am Abend über den Roslensattel zum Mutschen zu bummeln und von seinem Gipfel in die Rheintaltiefen zu blicken, erlöst von allem Kämpfen müssen zur Beschauung. Tief in der Ebene durchschneidet ein Bahnzug die Landschaft, der Fluss schlängelt sich geruhsam gegen den Norden und verliert sich im Dunste von Ferne und Abend, Automobile hupen und wirbeln kleine Staubwolken auf. Ich aber bin auf einer Klippe im freien Weltraume und werde voll wehmütigen Schauens, wenn ich nachdenke über Sinn und Unsinn der Welt.“

(Alfred Graber: Alpines und Beschauliches aus dem Säntisgebirge in: Zeitschrift „Der Alpenfreund“, Illustrierte Halbmonatsschrift für Reise und Touristik, Jahrgang 1925, Schriftleiter: Max Rohrer)

rheinsein dankt Karin Lehner für obiges Material, das Bestandteil ihres neuen, im Juni erscheinenden Doazmol-Bandes (Nr. 6) über das rheinangrenzende Alpsteinmassiv sein wird. Doazmol versammelt, in bemerkenswerter Analogie zu rheinsein, Geschichten und Geschichtliches aus den rheinanliegenden Dörfern der Region Werdenberg im Schweizer Kanton St. Gallen. Hier geht es zu Doazmol.

Chrüzberg

chrützbergAbseilen am fünften Kreuzberg gegen die Rheintaler Seite um das Jahr 1920. Fotograf: Jean Gaberell (1887-1949)

Die Kreuzberge (schweizerisch: Chrüzberg) gehören zum Alpsteinmassiv. Sie erinnern an einen auf das Grundmassiv gepfropften Pfeilerverbund. Acht Gipfelpunkte sind vermessen und mit römischen Ziffern nummeriert. Bevor sie von Alpinisten vereinnahmt wurden, waren die Kreuzberge gleichsam geschichtslos, ohne wirtschaftliche, allenfalls von visueller Bedeutung. Historische Gedichte, welche die Chrüzberg zum Gegenstand haben, sind nicht bekannt. Im rechten Bildmittelgrund fließt der durchaus bedichtete Alpenrhein. Der vorstehende Fels, an dem das Seil befestigt ist, ist heute nicht mehr vorhanden. Wie Karin Lehner, die uns das Foto übermittelte, schrieb, sei er “auf einmal eines Nachts verschwunden”.

Geschichten von doazmol: Leben und Landschaft am Alpenrhein

Karin Lehner betreibt mit Doazmol eine Art Miniatur-rheinsein zur Region Werdenberg im St. Galler Rheintal und hat uns schon mehrfach mit Gastbeiträgen vom Alpenrhein versorgt. Parallel zu ihrer Website, die das Leben im Werdenberg in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts dokumentiert, hat sie ihre Forschungen auch in einer Buchreihe niedergelegt, die just mit Band 5 (von Frauen aus der Region erzählte Anekdoten und Geschichten) abschloß. Karin Lehner hat die folgenden Ausschnitte eigens für rheinsein zusammengestellt. Wir freuen uns über ausgewählte Stimmen zur Werdenberger Landschaft mit Fluß, insbesondere über die im Text integrierte Tondokumentation im Rheintaler Dialekt zum auf der gegenüberliegenden Rheinseite verheerenden Hochwasser von 1927, in dessen Zuge halb Liechtenstein Land unter meldete:

„Doazmol gab es beim Rheindamm zwei Seeli, auch ein Tannenwäldchen und der schöne Erlenwald reichte bis nach Buchs.“ „Im Tannenwäldchen wurden in der Sonntagsschule die Ostereier versteckt.“ „Ringsedumi ischt eigentli nur Streui gse.“ „Im Frühling, bevor sie mit den Schafen auf die Alp gingen, waren diese dort in der Rheinau.“ „Das kann man sich heute fast nicht mehr vorstellen: Hatte ich im Kreuz abends die Fenster geöffnet, hörte man Frösche quaken, Grillen zirpen und die Schafe in der Au blöken.“

„Unser Gebiet zum Spielen war in der Rheinau. Es stand später auch eine Hütte vom Natur- und Vogelschutzverein dort.“ „Di junge Haager hend denn no e Schiffli g’macht, dass me het chönne uf dem Seeli umegöndele.“ „Mit dem Schiff Libelle fuhren sie auf dem oberen Seeli umher. Es hatte dort auch eine kleine Insel.“ „An Sonntagen spazierten wir häufig dorthin mit den Kinderwagen und ‛hend det bröötlet’.“ „Als dann die Industrie kam und wegen des Baus der Autobahn musste die Naturschutzgruppe umziehen und baute ihre Hütte dann im Waro-Wäldli.“

oberes seeli in der rheinauOberes Seeli in der Rheinau

„Wenn der Rhein hoch war, wurden die Schleusen geöffnet und Wasser in die Auen gelassen.“ „Da iusse im Wald isch denn alles volle Wasser gse.“ „Es schwemmte viele Fische in die Seelein. Das obere Seeli war ein sehr tiefes, türkisfarbenes Gewässer, dort gab es auch Hechte. Weiter oben war noch ein Gewässer, ‛dr Hechtgunta’.“ „Sobald das Wasser abgeflossen war, wurde der Kies weggeführt und der fruchtbare Schlamm in die Äcker gebracht, um diese zu düngen.“ „Südlich der Brücke gab es viel Letten. Durch den Grundwasserdruck des Rheins entstanden in diesem Letten wie kleine Vulkane, aus denen das Wasser heraussprudelte.“

„1927 isch de Rhii so platzet voll gse, dass mer Angscht ka het, er gaht drüberuus und chäm in Haag duri – mir hend jo e schwachi Stell im Damm ka. Wo dia schwache Stelle gse sind, hend alli g’wüsst. Mer sind denn als Boba go luege, wenn de Rhii hoch gse ischt: bi de Schwächene het’s blooteret, s’Wasser het denn uii druggt. I sebem Jahr hend d’Haager g’mont, si müsend flüche mit em Väh. De Ätti het emool verzellt, do hend’s echli Soue ka und e paar Schwänz Väh und denn hegend’s dia Soue uufglaade und sind uf Sax ui, s’Väh hend’s uitriibe. Bis s’Wasser duri gse ischt. Es ischt denn tatsächli überuus, aber is Liechtestei.“

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„Mein Vater war Rheinholzer – hatten wir Mädchen jeweils Angst, wenn es wieder so weit war. Das war eine gefährliche Arbeit und dann gingen sie auch noch nachts. Mit Wurfhaken oder langen Stecken fischten sie nach dem hertreibenden Holz und versuchten es ans Ufer zu ziehen. Vater machte dies nicht aus Abenteuerlust, wir brauchten das Holz zum Feuern.“ „Es wurde ganz unterschiedliches Holz dahergeschwemmt: Manchmal ganze Bäume, zum Teil aber auch gesägte Bretter, welche es im Bündnerland weggeschwemmt hatte.“ „Die alten Haager waren richtig ‛aagfrässe’.“ „Mein Grossvater war ein leidenschaftlicher Rheinholzer, obwohl er nur einen Arm hatte. Er nahm seine Töchter mit, damit er nicht alleine war, falls etwas passiert.“

Auch die Einarmigkeit des rheinholzenden Großvaters hat natürlich eine Geschichte: „Sie lebten alle gemeinsam in Vaduz, wo Grossvater Postautochauffeur war. Dann ereignete sich ein folgenschwerer Unfall. Die Bremsen wurden doazmol an der Aussenseite des Autos bedient. Auf dem engen Strässchen von Malbun herunter musste er mit einem entgegenkommenden Auto kreuzen, dabei hat es ihm den Arm, den er zum Bremsen benutzen musste, abgedrückt. Dieser Arm wurde amputiert und mit nur einem Arm durfte er nicht mehr Postauto fahren. Die Häuser in Haag waren doazmol billig und so kauften sich meine Grosseltern dort ein günstiges Haus. Sie betrieb ein Lebensmittellädeli und er eine Velowerkstatt.“

Die Doazmol-Frauengeschichten können wie auch die anderen vier Bände über Karin Lehners Website bestellt werden. Eine erste Rezension zum Abschlußband gibt es in der Regionalzeitung Werdenberger & Obbertoggenburger.

Alpenrheinfähre

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Der Alpenrhein zweigte ursprünglich beim heutigen Sargans Richtung Westen ab; das St. Galler Rheintal (oder auch Bodenseerheintal) durchfließt er “erst” seit rund einer Million Jahren. Durch das im Süden schmale und sich zum Bodensee hin weitende Tal mäanderte der Fluß, suchte sich gelegentlich neue Wege, bildete Sumpfgebiete und führte vernichtende Hochwasser. Im Laufe des 19. Jahrhunderts begann mit den sogenannten Wuhrprovisorien die Korrektion dieses Abschnitts, die bis auf den heutigen Tag anhält und immer wieder neu überdacht wird. So steht seit einigen Jahren am liechtensteinischen Streckenabschnitt der Bau von Staustufen zur Energiegewinnung zur Debatte. Mittlerweile führen zahlreiche Brücken über den begradigten und dadurch reißenderen Alpenrhein; zuvor wurde der Fluß mit Fähren überquert, deren letzte zwischen Salez und Ruggell 1918 den Betrieb einstellte. Die Postkarte zeigt die Fähre Rüthi-Bangs, das Datum der Aufnahme konnte nicht ermittelt werden. Eine größere Auflösung des Bildes und jede Menge lokalhistorischer Funde, Geschichten, Rezepte und Kuriositäten aus dem Werdenbergischen gibt es bei Doazmol von Karin Lehner zu entdecken!

Je mehr Prachtwerke alljährlich auf den Büchermarkt gebracht werden

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„Weinlese am Rhein. Aus dem Werke „Für`s Haus“ von Ludwig Richter.

Je mehr Prachtwerke alljährlich auf den Büchermarkt gebracht werden – und ihre Zahl ist nachgerade Legion geworden – desto schwieriger wird die Auswahl für den Kaufenden. Man findet sich in diesen Hunderten von goldgepreßten Einbänden, Mappen und Cartonagen gar nicht mehr zurecht – jede „Wahl täte mir weh“, sagt der Dichter. Heute sind wir nun in der Lage, unseren Lesern ein ganz vortreffliches Prachtwerk zu empfehlen, ein Werk, dessen vornehme äußere Ausstattung es als eine Zierde für den Salontisch erscheinen läßt und dessen künstlerischer Wert für das Haus, das diesen Schatz bei sich aufnimmt, dabei ein großer und bleibender ist. In dritter Auflage wurde unlängst von Alfons Dürr in Leipzig die Bildersammlung „Für`s Haus“ von Ludwig Richter verausgabt. Bekanntlich gilt dieser Cyclus unter all` den liebenswürdigen Schöpfungen, mit welchen der im Jahre 1883 heimgegangene Künstler uns beschenkte, mit Fug und Recht als das Hauptwerk. (…)“

(aus: Familien=Kalender für Haushalt und Küche 1887. Bilddank an Karin Lehner!)

Neues von doazmol

Karin Lehner hat vor Weihnachten mit Kulinarische Geschichte(n) und Rezepte ein Kochbuch der Rheintaler Bauerntradition veröffentlicht und damit vom Aussterben bedrohten lokalen Rezepten ein küchenliterarisches Reservat geschaffen. Für den nördlicheren Rheinanwohner mögen Gerichte wie Türggaribl, Oufächuächä oder Grüüba zunächst unverständlich bis exotisch klingen, doch sobald die Dialektbegriffe geklärt sind, stellt sich flugs einige Verwandtschaft etwa zur rheinländischen Küche (Himmel und Ääd) ein: Grundzutaten für die Rheintaler Gerichte sind Mais, Kartoffeln, Äpfel und Birnen, von denen hauptsächlich der Mais samt seiner Verarbeitungsformen als exklusive Rheintaler Spezialität gelten darf. Die alten Zubereitungsarten enthalten u.a. die Herstellung von Speiseeis ohne Tiefkühlgerät oder das Reinigen von Backfett mithilfe von Wasser. Das Buch zählt 148 Seiten und ist in der Schweiz und Liechtenstein für 27 Schweizer Franken im regionalen Buchhandel oder über doazmol direkt bei der Autorin erhältlich. (Für andere Länder dürften sich die Versandkosten leicht erhöhen.)

Ähnlich wie rheinsein kombiniert doazmol Blogelektronik mit Printpublikationen. (Weitere Ähnlichkeiten findet der/die geneigte Leser/in leicht im Vergleich etwa der Seitendesigns.) Viele alte Rezepte des St. Galler Rheintals finden sich daher auch auf dem ganz der Bauernkulinarik gewidmeten Sonderableger doazmols.

Auf der doazmol-Hauptseite wiederum findet sich ein Rezept für Chörbliwasser samt Gedicht, von dem wir nicht annehmen, daß beide im oben vorgestellten Buch enthalten sind, weil es sich bei Chörbliwasser eher um ein Hausapotheken-Mittelchen als um ein Getränk handelt:

S’Chörbliwasser

Wenn’s di ufem Maage tuät trugge,
und es zwiggt di gad onò ufem Rugge,
häsch e òffes Bei, oder sus ötschwo e Wunne,
vilicht sogär dr Chopf iibunne,
churzum, es chò dr weäh tòä wo’s dr will
un Medizin vum Tòggter nützt o numme vil,
denn muescht gär nid lòng ummepfuttere,
griefsch sofort zur Chörbliwasser-Guttere.
Nimmscht allpòtt en waggere Schlugg dervu,
un scho glii wört’s dr wieder besser gu.
Chörbliwasser brennt mä us Chrutt wo so guet schmeggt,
as eim wieder alli Lebesgeischter weggt.
Mä tarsch uni wittersch o de Goofe gih,
s’ischt nämli gär ken Alkohol dri.
Jetz frögen d’Lüt sicher gònz gwunnerig
wo mä echt das Wasser überchöm, das bsunnerig.
S’ischt nid schwär, das Örtli z’finne,
am Grabserberg lit’s, eäner echli hinne.
Unnerwies heisst’s, en Huffe Lüt wüssen das,
döt git’s Chörbliwasser, wenn wotsch ä gònzes Fass.

Dieses Lobgedicht auf das aus Kerbel gewonnene Elixier als ein Beispiel unter vielen für die wunderbaren, seltenen und aussagekräftigen Materialien zum ehemaligen Dorfleben, die Karin Lehner auf ihrer Website zusammenstellt, zuletzt u.a. eine Annonce zur Versteigerung von Schulhausgülle und derzeit, als neuer Jahresschwerpunkt, wetterprognostizierende Bauernregeln in Fülle.

Seitenverwandtschaft

rheinsein versteht sich als halbvirtuelle Plattform für gesamtrheinische Kultur und Geschichte(n). Das ist selten, wenn nicht gar einzigartig. Denn rheinische Kultur wird – ob nun im Netz oder bei herkömmlichen Events, Ausstellungen und dergleichen, selbst in den meisten Büchern und nicht zuletzt bei der Kulturförderung – vorwiegend regional bis lokal verstanden und dementsprechend organisiert und präsentiert.

Derartige Mikrokosmen rheinischer Kultur und Geschichte funktionieren auf unterschiedlichste Weise. Einschlägige Internetseiten wirken häufig grafisch zusammengestümpert, warten jedoch nicht selten im gleichen Zug mit wertvollen, liebevoll zusammengetragenen Informationen auf. Oder aber sie sind grafisch schick  bis überschick gelöst, dafür eher von geringem inhaltlichen Wert. Es gibt aber auch Websites, auf denen Inhalt und Design trefflich amalgamieren. rheinsein wandert, das dürfte unsere Leser kaum wundern, gelegentlich über solche Seiten – kennt sie jedoch längst nicht alle und freut sich natürlich stets über Hinweise auf besonders schöne Baustellen! Und möchte bei dieser Gelegenheit gerne eine besonders, hmm, sagen wir mal: “verwandte” hier vorstellen:

Vergangenen Herbst meldete sich Karin Lehner aus der Schweiz mit einem Hinweis auf ihre Website Doazmol, die, als lokal-regionaler Geschichtsfundus angelegt, mehr als nur eine erstaunliche Parallele zu rheinsein aufweist. Die Parallelen beginnen bereits beim gewählten (und jeweils bearbeiteten) WordPress-Design. Alsdann wird (dort wie hier) erstmal gesammelt, gesammelt, gesammelt. Doazmol ist dabei, typisch Schweizerisch, durchaus klarer und aufgeräumter strukturiert als diese Seite hier. Laut Untertitel beschränkt sich Doazmol thematisch auf „Erinnerungen und Fotos aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts im Werdenberg“. Das sind einige Dörfer und Gemeinden am Fuße der Berge im St. Galler Rheintal. Doazmol geht eher wissenschaftlich vor, der (bei rheinsein vordergründig vorhandene) subjektive Ansatz bleibt bei Doazmol unsichtbar, findet maximal in der Auswahl statt. Also finden sich aussagekräftige Bilder und überlieferte Alltagsgeschichten zum Dorfleben, letztere auch, was uns besonders gefällt, als Tondateien. Wir möchten an dieser Stelle keine Auszüge einstellen, gehen Sie besser selber auf die Seite! Für alle, die Nachhilfe bei alten oder auch heute gängigen Schweizer Begriffen brauchen, bietet Doazmol auch ein umfassendes Dialektlexikon. Die kulinarische Dépendance Rezepte vo doa (die Großmutters Küche bewahrt) ist auf den angegebenen Link ausgewandert. Das ist lebendig gemachte rheinische Dorfgeschichte nach unserem Geschmack! Wir können einen Besuch nur sehr empfehlen!

Karin Lehner schickt uns unterdessen alle paar Wochen interessante rheinische Dokumente, die entweder nicht ganz zu Doazmol passen, weil sie die thematischen Vorgaben sprengen würden, oder die dort bereits (oder gerade frisch) veröffentlicht sind und ein aktuelles rheinsein-Thema betreffen. Wir erinnern an dieser Stelle gerne noch einmal an die äußerst raren altrheinischen Glyfen, in Kürze folgt ein weiterer Beitrag mit Karin Lehners Material in der Serie Türkischer Rhein.

Altrheinische Glyfen

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Das altrheinische Alfabet besitzt eines der wildesten Zeichendesigns aller bekannten irdischen Alfabete. Zwar ist es im herkömmlichen Sinne nicht entschlüsselt, läßt sich aber dennoch deuten, denn der Mensch hat bisher noch alles gedeutet, was ihm unverständlich unter die Finger geriet. Obiger Satz (soweit erhalten) handelt demnach wahrscheinlich vom Wesen des Fisches. Zu sehen ist ein “Fisch im Fisch” zwischen den Elementen, ausgestattet mit mehreren Vektoren/Flossen, die in verschiedene Schwimmrichtungen zeigen. Schwimmt aber dieser archaische Glyfenfisch – oder gleitet, fliegt er vielmehr? Sein Streben scheint, ein wesentliches Kulturmerkmal sämtlicher erdbevölkernden Wesen, auf Nahrungssuche gerichtet. Dafür spricht das Büschel zur Linken, das zugleich (Fisch frißt schließlich Fisch) auch eine weitere Abstrahierung des Fischwesentlichen darstellen könnte, in dem der Fisch sich stutzend selbst erkennt.
Die Glyfen entdeckt, fotografiert und geschickt hat Karin Lehner, die eine rheinseinverwandte Website betreibt, die wir demnächst hier ausführlich vorstellen wollen.