Dodewaard

Auf einer Rheinkreuzfahrt war ich noch nie.
dodewaardDaher kann ich unmöglich sagen, was unterwegs so alles verkündet wird, wenn das Schiff an jenen gestreiften Betonbauten vorbeifährt, gegenüber vom Dorf Deest. Vielleicht wird auf Nostalgie erpichten Fahrgästen sogar vorgemacht, es würden dort Schilfrohrprodukte gelagert. Denn der Rohdachdeckerbetrieb ist ein traditioneller Geschäftszweig in der Region, heutzutage besonders gefragt unter solchen, die es sich leisten können. Wenn dort etwas zum Trocknen gelagert ist, dann wohl eher das Gebäude selber, nichts Geringeres als ein monumentales Auslaufmodell: In dreiβig Jahren soll es abgerissen werden, zugunsten freier Naturentwicklung. Fürs abgeschaltete Atomkraftwerk Dodewaard sieht es trüb aus.
dodewaard_2Aktiv seit 1969, war es nie an vorderster Stelle Stromversorgungsanlage, sondern diente vor allem Forschungszwecken. Auch wenn es dem Stromnetz angeschlossen war, stellten sich die Betriebskosten als weit zu hoch heraus, um die erzeugte Elektrizität wettbewerbsfähig zu machen. Das recht kleinformatige Werk war ein Exemplar des relativ seltenen Siedewasserreaktortyps. Das zum Turbinenantrieb benötigte Wasser wurde über den betriebseigenen Hafen, dessen Benutzung Privatpersonen immer noch verwehrt ist, dem Waal entnommen, und floβ dann über diesen Weg auch wieder in den Fluβ zurück. Die dazugehörigen Anlagen sind beide noch da.
dodewaard_3Der ursprüngliche Luftschacht des Werkes ist hingegen abgerissen worden. So sieht es jetzt um einiges schlichter aus, als wofür die vereinten niederländischen Nuklearforschungsinstitute den Entwurf auf ihrer Webseite immer noch anpreisen. Schlicht wie er ist, stelle er ein leuchtendes Vorbild für eine ganz neue Atomkraftwerkegeneration dar. Blöd nur, dass es diesen einen Zwischenfall namens Siedewasserreaktor Fukushima gegeben hat.

Da hatte Dodewaard aber schon lange ausgedient, nachdem es eine entscheidende Rolle im niederländischen Verhältnis zur Atomkraft gespielt hatte. Die niederländische Anti-AKW-Bewegung der 1970 fokussierte sich zuerst auf den schnellen Brüter in Kalkar und die Urananreicherungsanlage in Almelo. Enttäuscht über die Wirkungskraft des Protestes entschlossen sich dann Gruppen aus Arnhem und Nijmegen, sich auf die Anlage in Dodewaard zu konzentrieren und weit aggressiver vorzugehen.
dodewaard_4Oktober 1980 kam es zu einer Blockade. Wenngleich sich 15.000 Menschen daran beteiligten: Die übergroβe Mehrheit hielt die barsche Wetterlage und die weite Entfernung zwischen eigenem Zeltlager und dem von der Polizei hermetisch abgeriegelten Kraftwerk nicht allzu lange aus. Der Protest versickerte. Das lief im September 1981 ganz anders. Es versammelte sich eine ungefähr gleich groβe Menge: Jetzt aber hatte man das Zeltlager weit näher ans Kraftwerk gerückt, und auch das Wetter zeigte sich wesentlich freundlicher. Das Ganze schien eine Zeitlang friedlich abzulaufen. Dann versprühte die Polizei aus nie geklärtem Grund Tränengas in die Menge. So kam es zu einer wahrhaften Schlacht, woran sich auch vom Bürgermeister Dodewaards herbeigerufene rechte Schlägertrupps beteiligten. Nach drei Tagen entschloss sich die Anti-AKW-Bewegung zum Abbau der Blockade. An der kurz darauf in Arnhem folgenden Demo gegen Atomkraft und Polizeigewalt nahmen 45.000 Menschen teil: Sie stellte sich als entscheidender Wendepunkt heraus.

Nach einer breiten, von der Regierung ausgeschriebenen, gesellschaftlichen Kernenergiediskussion, wurde 1986, kurz vor der Tschernobyl-Katastrophe, das endgültige Aus für Dodewaard beschlossen. 1997 abgestellt, sogar sieben Jahre eher als geplant, wurde das Werk bis 2003 inwendig gereinigt, geräumt und verriegelt. Wenn alles nach Plan läuft, soll es 2045 am Bau keine Spur von Radioaktivität mehr geben, damit er zum Abriss freigegeben, das Grundstück der Natur überlassen werden kann.
dodewaard_5Ob es dazu kommen wird, ist mittlerweile allerdings fraglich. Die Verwaltungsfirma (an der u.a. E.On partizipiert) hat, so wie es aussieht, die gesetzlichen Vorlagen missachtet und für die Demontage finanziell nicht ausreichend vorgesorgt. Ein älterer Dorfbewohner, der mir auf dem Parkplatz vor dem Werk begegnet, erzählt, vor kurzem sei die Überwachungsanlage vollends umgestaltet und ausgeweitet worden. Beim geringsten Verdachtsmoment, auch wenn nur Kinder herumspielen, seien Wachleute innerhalb dreiβig Minuten zur Stelle: Ihn würde nicht wundern, falls doch darauf abgezielt würde, einer Demontage zu entgehen.
Ob er sich dann auch wieder von Kernenergiegegnern bedroht fühlen wird, so wie von denen, die, seiner Erinnerung nach, damals die Häuser ringsherum stürmten, an Türen und Fenstern herumpolterten? Dass man vielleicht Zuflucht vor Polizeigewalt suchte, dürfte er, klarer Atomkraft-Befürworter, weggesteckt haben. Die neue Generation scheint sich ohnehin weniger um solche Szenarien zu scheren.
dodewaard_6In nächster Nähe zur geschichtsträchtigen Industrieruine hat sich ein Baby zur Welt gemeldet. Vorangeschoben wird es von der älteren Schwester, begleitet von Vati und Mutti: Es wird gelacht. War da was? Mit den Nachbarn unterhält man sich zur Flüchtlingsproblematik.

(Ein Gastbeitrag von Lucas Hüsgen, der für rheinsein den Waal erkundet: diesmal zur Geschichte, Gegenwart und Zukunft des stillgelegten niederländischen Kernreaktors Dodewaard. Mehr über den niederländischen Autor und Übersetzer auf seiner Website.)

Presserückschau (Juli 2015)

1
Für die Kölner Presse spektakulär erwies sich die Rheinquerung einiger neuer Biertanks für eine der ansässigen Kölsch-Brauereien: “6,5 Meter Durchmesser – damit passen die Tanks für den neuen Standort der Gaffel-Brauerei nicht unter jeder Brücke hindurch. Das Bonner Logistik-Unternehmen Viktor Baumann transportierte sechs, jeweils 23 Meter lange Behälter für Bier und Getreide deshalb auf einem schwimmenden Ponton von Sürth auf die Porzer Seite. „Das ist die einzige Möglichkeit“, sagte Matthias Götz, zuständig für die Organisation des Transports. Am Montag und Dienstag wurden im Godorfer Hafen jeweils drei Behälter per Schiff angeliefert. Lkw brachten sie zur Sürther Nato-Rampe. Samt Lkw-Anhänger wurde die schwere Fracht auf den Ponton verladen und ans andere Ufer gebracht. Für den Transport auf der Straße mussten Ampeln aus dem Weg gedreht und Halteverbote eingerichtet werden.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

2
Frachter oder Schnäpel: “Eine mögliche Vertiefung des Rheins sorgt für Streit zwischen Bund, Land und Häfen auf der einen Seite und den Naturschutzverbänden auf der anderen Seite. Bislang hat der größte deutsche Strom zwischen Duisburg und Köln nur eine Minimalwassertiefe von 2,50 Meter.” Technisch betrachtet vertieft sich der Rhein, indem er Geschiebe vor sich her treibt, von selbst. Aus Naturschutzgründen wird der Fluß an diversen Stellen aufgeschüttet. Die angestrebte Vertiefung zur Entlastung der Binnenschifffahrt ginge daher bis auf wenige Stellen wie etwa die Werther Platte bei Kaiserswerth natürlich vonstatten. Naturschützer sehen durch eine Rheinvertiefung die Auenlandschaften als Laichstätten für aktuell seltene Rheinfische in Gefahr: “Der Nordseeschnäpel gilt seit 1940 als ausgestorben. 2008 wurde er erstmals wieder nachgewiesen. Im Rahmen eines Forschungsprojektes fing ein Angler im Jahr 2011 (…) bei Kalkar gleich zehn Nordseeschnäpel. Das Tier wird auch als Rheinschnäpel und Kleine Schwebrenke bezeichnet und stammt aus der Familie der Lachse.” (Rheinische Post)

3
Neuro-Rhine: “Den Oberrhein als grenzüberschreitenden Forschungsstandort sichtbar und ihn international wettbewerbsfähig machen – dies sind die Ziele der Wissenschaftsoffensive Oberrhein. 2012 ist dazu eine erste Initiative der Trinationalen Metropolregion Oberrhein (TMO) gestartet. Nun wurden sieben Projekte aus den Bereichen Medizin, erneuerbare Energien und Geisteswissenschaften (…) abgeschlossen. Leuchtturmprojekte nennt man so etwas. Es geht um Exzellenz. Am Oberrhein geht es zudem um die Entwicklung grenzüberschreitender Netzwerke. Zum Beispiel “Neuro-Rhine”. Das Projekt hat erforscht, wie degenerative Erkrankungen im Gehirns entstehen. Wissenschaftler der Universitäten Straßburg, Freiburg, Basel und des Saarlandes suchten dabei nach Lösungen zur Prävention von Alzheimer und von Erkrankungen des Nervensystems. Sie identifizierten Moleküle, die giftige Einlagerungen im Gehirn hemmen und damit die Entstehung von Alzheimer-Symptomen verlangsamen können. Die Beteiligten sprechen davon, dass aus dem Projekt ein echter Know-how-Transfer hervorgegangen sei – und zwei Patente.” (Badische Zeitung)

4
“Eine völlig neue Generation von Arbeitsschiffen sorgt nun für freie Fahrt auf dem Rhein. Gestern wurde die „Cassius“ getauft. Sie folgt auf den „Hamster“, der 49 Jahre seinen Dienst auf dem Rhein tat. (…) Die Arbeit an Bord ist vielseitig, die Verkehrssicherung steht an erster Stelle. Wenn mal ein Container oder auch ein Lukendeckel über Bord geht, dann kann dieses Hindernis die Fahrrinne blockieren. Mit Radar wird es schnell aufgespürt. Auch die Kontrolle von Uferböschungen, Schifffahrtszeichen und anderen schwimmenden Anlagen auf dem Rhein gehört zum Tagesgeschäft der beiden Mitarbeiter auf dem Schiff.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

5
Rheinmuscheln könnten zu begehrten Objekten der Elektronikindustrie werden: “Im Rhein lebende Muscheln reichern in ihren Schalen Lanthan und Samarium an. Das stammt aus einer Fabrik in Worms, die Katalysatoren herstellt. (…) Auf Gadolinium, eine anderes Selten-Erd-Metall aus der medizinischen Diagnostik, das in fast allen Flüssen und Seen vorkommt, haben Wassertiere dagegen keinen Appetit.” Seltene Erden, berichtet ingenieur.de, “sind teure Metalle, die in immer mehr elektronischen Geräten wie in Smartphones enthalten sind”.

6
Der einzige Schießplatz der Schweiz, auf dem alle Arten von Armeepanzern gleichzeitig schießen können, feiert sein 50-jähriges Bestehen, der Schießplatz Hinterrhein: “Wer im Kanton Graubünden einen Haufen schwarze Beret-Träger sucht, ist auf dem Schiessplatz Hinterrhein am richtigen Ort. Seit 50 Jahren üben dort Panzertruppen den Ernstfall. Bekannt ist der Schiessplatz vor allem für seine besondere Lage. Klar wird das Jubiläum am Freitag mit lauten Schüssen eingeläutet.” (Südostschweiz)

7
“Vorbei ist die Zeit, in der jeder Aal aus dem Rhein auf dem Teller landete. Der Rheinfischer Rudi Hell setzt eine alte Tradition fort und fängt den Fisch für die Forschung – und ertrinkt fast in Müll. Der erste Aal, den Rheinfischer Rudi Hell an diesem Morgen sieht, hängt tot wie eine Socke über dem Schiffstau in der Strömung. “Das waren die Wasserkraftturbinen”, meint er und macht gleich ein Foto von dem toten Fisch. Hell ist zwar Fischer, aber er tickt mittlerweile ein bisschen wie die Wissenschaftler: Hingucken, dokumentieren, weitergeben. So funktioniert Datensammlung. (…) Seine Vorfahren haben rund 300 Jahre lang vom Fischfang gelebt. Immer waren es Aale: Der fette Fisch ließ sich immer gut verkaufen. Dann kamen die 70er-Jahre, als der Rhein Kilometer gegen den Wind nach Chemie stank. (…) An manchen Tagen ist nur Plastikmüll im Netz: Tüten, Eimer, Blumentöpfe, was die Leute so in den Rhein werfen. Oben am Ufer hat Hell dafür jetzt sogar einen Container aufgestellt. Der wird alle zwei Wochen geleert.” (Welt)

8
Ein auf dem Rheingrund bei Emmerich von einem Taucher gefundener Pkw mit niederländischem Kennzeichen gibt der Polizei Rätsel auf, berichtet die Rheinische Post: “Möglicherweise wurde mit ihm (…) eine Straftat verübt und die Täter haben ihn dann später im Rhein entsorgt. Wie lange der Pkw im Rhein liegt, ist natürlich auch nicht klar. Sicher ist nur: Er ist vom Baujahr 1998 und schon ordentlich verrostet. Weil der Wagen zudem komplett mit Rheinschlamm voll war, gehen die Ermittler davon aus, dass er bereits mehrere Jahre im Fluss gelegen hat. Dafür spricht auch die Lage im Wasser. Das Fahrzeug ist durch die Kraft des Flusses vermutlich dorthin getrieben worden, dann auf den Boden gesunken und mit dem Rheinsand bedeckt worden.”

Presserückschau (Januar 2015)

1
Tödlicher Sturz: Die Presse meldet jährlich etwa 25 Rheintote – damit dürften jedoch nicht alle Fälle erfaßt sein, in denen der Rhein ein Schicksal besiegelt. Einzelne Todesfälle erhalten besondere mediale Aufmerksamkeit, so der Unglücksfall einer jungen Frau, die in der Silvesternacht in Köln über Bord eines Schiffes ging: “Ein Gast, der in der Nacht zum Donnerstag mit Freunden auf dem Partyboot war, (…) erhebt schwere Vorwürfe: „Nach 0.30 Uhr ging es an Bord richtig rund. Neben mir haben sechs Typen auf einen eingetreten, der am Boden lag“, so der Kölner. Der tödliche Sturz ereignete sich um kurz vor 1 Uhr in der Nacht auf Höhe der Kölner Altstadt. An Bord gab es offenbar nicht nur eine Schlägerei: „Überall prügelten Typen aufeinander ein“, so der Augenzeuge. (…) Auch Drogen hätten an Bord eine Rolle gespielt: „Da wurde gekifft ohne Ende“” (Focus)

2
Waghalsiger Sprung: “Ein angeschossenes Wildschwein hat am Wochenende die Innenstadt von Oberwesel unsicher gemacht. Es wurde am Bahnhof und auf dem Marktplatz gesehen. Viele Passanten hatten nach Polizeiangaben den Notruf gewählt. Grund für die Flucht des Keilers könnte eine in der Nähe stattgefundene Treibjagd gewesen sein. Die Jäger waren dem Tier auf den Fersen bis es sich zu einem waghalsigen Sprung in den Rhein entschloss und ihn durchschwamm. Nach Polizeiangaben konnte das Tier den Jägern entkommen.” (SWR)

3
Russisch-orthodoxes Ritual: “Es ist eine Tradition in der russisch-orthodoxen Kirche: Zum Epiphania-Fest segnen Geistliche die Gewässer in ihrer Umgebung. In Bonn ist das natürlich der Rhein. Erstmals nahm Erzpriester Sokratis Ntallis von der orthodoxen Gemeinde in Limperich diese Segnung (…) auf der “Rheinnixe” vor. (…) Zuvor (…) hatte Ntallis die Göttliche Liturgie zelebriert. Dann wurde nahe des Beueler Fähranlegers, wo sich viele Gemeindemitglieder und Zuschauer eingefunden hatten, eine Segensfeier nach orthodoxer Tradition auf dem Oberdeck zelebriert. Am Ende warf (…) der Erzpriester (…) ein an einem Seil befestigtes Kreuz in den Rhein, das er anschließend wieder aus dem Wasser zog. Dieses Ritual erinnert an die Taufe Jesu im Jordan und an die Bedeutung von Flüssen als Teil der lebendigen Schöpfung. (…) “Den Fluss zu segnen, bedeutet, alle zu segnen, die auf ihm unterwegs sind, aus welchen Gründen auch immer.”" (General-Anzeiger)

4
Massenkentern: Bei Wiesbaden findet im Januar eine traditionelle Rudersternfahrt statt. Bei stürmischem Wetter kenterten dieses Jahr sechs Boote mit jeweils fünf Insassen, die im Rhein zu verschwinden drohten. Der Hessische Rundfunk berichtet: “Auf dem Rückweg des gemütlichen Treffens mit gemeinsamem Eieressen bei Glühwein und Kinderpunsch im Mainzer Stadtteil Weisenau kenterten am Nachmittag bei Wiesbaden mehrere Boote. (…) Im Vereinsheim der Biebricher Rudersportler kümmerten sich Ärzte und Sanitäter um die frierenden Geretteten. Nach Angaben der Einsatzkräfte wurden sieben Insassen der gekenterten Boote verletzt, zwei müssen demnach wegen Unterkühlung im Krankenhaus behandelt werden. (…) Als die Ruderer sich in Weisenau auf den Rückweg machten, sei es zwar windig, aber nicht bedenklich gewesen. (…) Die äußerst heftigen Böen und hohen Wellen, die später die Boote zum Kippen brachten, seien völlig überraschend gekommen. (…) Es sei auch nicht übermäßig viel Glühwein getrunken worden. Laut den Statuten gilt beim Rudern genauso wie beim Autofahren eine Grenze von 0,5 Promille Alkohol.”

5
Kalkars Flutmulde: “Gerade ist noch ein Schiff in die Flutmulden-Baustelle eingefahren, um ein paar schwere Steine abzuladen, mit denen der Bereich befestigt werden soll. Jetzt ist allerdings erst einmal Pause auf der Riesen-Baustelle am Rhein. Wegen des Hochwassers kann auf Reeserschanz erst einmal nicht mehr gearbeitet werden. (…) Wie berichtet, wird direkt gegenüber der Reeser Promenade ein riesiger Bypass für den Rhein angelegt. Dieser kilometerlange Kanal hat allerdings im oberen Teil nur bei einem gewissen Wasserstand eine direkte Verbindung zum Rhein. Ziel ist nämlich, dass bei Hochwasser die Schwelle zur Flutmulde überspült wird, so dass es einen Parallel-Kanal zum Strom gibt. Dadurch wird der Druck auf den Rheinboden und die Stadtmauer Rees gemindert. Aktuell ist die Schwelle um 2,50 Meter überflutet: Die Flutmulde ist also “angesprungen”", berichtet die Rheinische Post. Das schöne Wort “Flutmulde” war uns bis dato gänzlich unbekannt. Der erwähnte “Bypass” soll eine Länge von rund drei Kilometern bei 130 bis 180 Metern Breite erreichen.

6
Holzbrücke für Köln: “Sie könnte eine Top-Attraktion für die Stadt sein: Eine rund 430 Meter lange Holzbrücke verbindet den Rheinauhafen mit dem rechten Rheinufer. Hoch über dem Fluss schwingt sich elegant und schlank eine Holzkonstruktion mit rekordverdächtiger Länge. Was für viele schwer vorstellbar ist, ist technisch möglich, wie die 24-jährige Kölnerin Stefanie Gorgels bewiesen hat. Für ihre Abschlussarbeit als Ingenieurin an der Fachhochschule hat sie eine „Spannbandbrücke“ für Fußgänger und Radfahrer entworfen und berechnet. Geschätzte Baukosten: 3,4 bis 4 Millionen Euro.” (Kölner Stadt-Anzeiger) Die Brückenplanung greift eine Idee aus Albert Speers städtebaulichem Masterplan für Kölns auf, den Rhein mit zwei weiteren Brücken zum absoluten Zentrum der Stadt aufzuwerten. Ob der Plan jemals umgesetzt wird, bleibt allerdings fraglich.

Presserückschau (August 2014)

Indem die Berichterstattung über die Krisenherde Ukraine, Israel/Gaza und Syrien/Irak das diesjährige Sommerloch stopfte, hatten Flußmonster und Konsorten kaum Chancen auf mediale Öffentlichkeit. Die Meldungen des Augusts handeln von den Erfolgen der beiden Rheindurchschwimmer, alten Straßenkurvennamen und Lachsen, einer rasenden Plattform und einem Wärememodell:

1
Eine 40 Tonnen schwere schwimmende Bauplattform mit zahlreichen Geräten (Hebebock, Generator, Seilwinde) hat sich in Rossboden bei Chur bei starker Strömung aus ihrer Stahlseil-Verankerung gelöst und trat eine unaufhaltsame Reise mit rund 15 Stundenkilometern Richtung Bodensee an: “Auf ihrem Weg zwischen Chur und Hard touchierte sie mehrere Brückenpfeiler. Auf Schweizer Seite kam es laut der St. Galler Kantonspolizei zu fünf Kollisionen. Dabei verlor der Ponton einige Geräte.” (Südostschweiz) Von Passanten erstellte Videos im Netz zeigen wie das 9 mal 15 Meter messende Geschoß die Pfeiler der Vaduzer Holzbrücke ohne Berührung passiert, dafür mit gewaltigem Rumms auf andere Brückenfüße prallt. Die für den Brückenrückbau eingesetzte Plattform erreichte schließlich den Bodensee, wo Seepolizei und Feuerwehr die Bergung einleiten konnten.

2
Die Kehren des San Bernardino-Passes erhalten Namensschilder. Dies berichten einige Schweizer Zeitungen, am ausführlichsten jedoch die Website des Parc Adula: “Wie die Hinterrheiner Häuser alle ihren Namen haben, so von früher her auch die Kehren auf der Passstrasse, welche ehemals für die Existenz der Tal- und Dorfbevölkerung von äusserster Wichtigkeit war. Man musste sich genau darüber verständigen können, wovon man sprach, wenn man zum Beispiel als Ruttner oder Postpferdehalter etwas weiterzuleiten hatte – eine Schwierigkeit auf dem Weg, die Meldung über einen Unfall, ein Unglück. Der Unterhalt der Strasse war gerade im Winter eine grosse Herausforderung, manchmal ein Wagnis. Ein Lawinenunglück ereignete sich im Winter 1939 zwischen dem Obersten und dem Tschensch-Cheer. Der vordere Schlitten der passierenden Pferdepost wurde mitgerissen und verschüttet, der Postillion und ein Pferd verloren beim Unglück ihr Leben. Die herbeieilenden Helfer konnten nur eine Person lebend bergen.”

3
“Zwei schwere Wintersalme, die 1881 oberhalb von Rees gefangen wurden, kamen (…) in Berlin bei der Hochzeit des letzten deutschen Kaisers, Wilhelm II., auf den Tisch” schreibt die Rheinische Post in Folge 21 ihrer vorbildlichen Sommerserie “Unser Rhein” mit Geschichten und geschichtlichen Rekursen über den Niederrhein im Großraum Düsseldorf und stromabwärts, in diesem Fall über die Umgestaltung des “Schnellen Brüters Kalkar” zum Vergüngungspark: “Wo Besucher im “Wunderland Kalkar” Achterbahn fahren und Pommes essen, gingen die legendären Rheinfischer bis vor circa 100 Jahren ihrer harten Arbeit nach. Häfen wie Grieth, heute Ortsteil von Kalkar, lebten von Fischerei und Schifffahrt. Der Name Grieth geht zurück auf “Gritt”, was Kies bedeutet. Und eben jene Kiesbänke, die zur Rheinmitte abfallen, waren ideale Fanggebiete für die Fischer, die ihre langen Netze dort leicht auslegen und einholen konnten und meist stattliche Lachse, genannt Salme, aus dem Rhein holten. Auf Stromkilometer 834,6 befand sich eine der besten Lachsfangstellen am Rhein. In Körben mit Eisstücken wurden die schönsten Exemplare an die Herrscherhäuser und Luxushotels in ganz Deutschland geliefert.”

4
“Der Schweizer Extremsportler und „Wasserbotschafter“ Ernst Bromeis hat es geschafft: Innerhalb von 44 Tagen – einschließlich Ruhezeiten – durchschwamm der 46-Jährige den gesamten Rhein. (…) Gestartet war er am 7. Juli im Lago die Dentro am Lukmanierpass (Kanton Graubünden), dem von der Nordsee am weitesten entfernten Punkt des Rheins. Mit seiner Schwimmaktion über 1247 Kilometer warb der Schweizer für die Umsetzung des Menschenrechts auf sauberes Wasser. Im Mai 2012 hatte er einen ersten Versuch nach rund 400 Kilometern aufgegeben – unter anderem weil ihm die seinerzeit niedrigen Wassertemperaturen zu schaffen machten. Zudem erwiesen sich die damaligen Tagesetappen von 40 Kilometer als zu anstrengend.” (Hessische/Niedersächsische Allgemeine)

5
Und auch der zweite Rheinschwimmer, Andreas Fath, hat im August seine letzte Etappe durchschwommen und die Nordsee erreicht: “Bei 17 Grad Wassertemperatur und neun Grad kalter Luft war er (…) zunächst zehn Kilometer bis zum Rotterdamer Hafen geschwommen und dort auf ein Boot der Hafenbehörde umgestiegen. Bei Hoek van Holland legte er dann die letzten fünf Kilometer bis zur Nordsee schwimmend zurück. Ende Juli hatte der 49 Jahre alte Chemieprofessor (…) seinen Schwimm-Marathon begonnen. In den 28 Tagen hatte ihn ein Team auf Booten auf der 1.231 Kilometer langen Strecke von der Quelle bis zur Mündung begleitet und Wasserproben entnommen. “Kein Tag war wie der andere”, sagte Fath nach seiner Ankunft. Überall hätten ihm Menschen zugejubelt und ihn ermutigt. Aufgeben sei für ihn nie eine Option gewesen: “Manchmal musste ich mich extra motivieren, aber das muss man ja manchmal auch, wenn man morgens zur Arbeit geht.”" (SWR) “Fath schilderte auch Eindrücke vom Rhein, die den meisten verborgen bleiben. “Unheimlich laut” sei der Strom, vor allem unter Wasser. Fortwährend rausche der Kies auf dem Grund, das klinge wie ein riesiges Glas voll Murmeln.” (Schwarzwälder Bote)

6
“Ein neues Wärmemodell für den Rhein von Basel bis Köln soll ein massenhaftes Fischsterben wie im Jahr 2003 verhindern. Die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) stellte (…) in Karlsruhe ein entsprechendes Gemeinschaftsprojekt mit Hessen und Rheinland-Pfalz vor. “Wassertemperaturmanagement” nennt sich das Vorhaben, mit dem bei Bedarf steuernd eingegriffen werden soll bei zu hohen Temperaturen. Für den Neckar gibt es ein solches Monitoring bereits seit Sommer 2005, für den Oberrhein bis Worms seit 2011″, schreibt die Badische Zeitung. Kühlere Wassertemperaturen sollen dabei durch Drosselungen der Kraftwerke und Auflagen für die Großindustrie entlang des Rheins erreicht werden. So könne allein die BASF Ludwigshafen als größter Wärmeeinleiter in Rheinland-Pfalz die Rheintemperatur um ein Grad Celsius beeinflussen.

Abenteuer Rhein

Das ZDF dreht dieser Tage eine Dokumentation über den Rhein „von der Quelle in der Schweiz bis zur Mündung in Rotterdam“. Als „die Quelle“ fungiert dabei der Tomasee. Weil Rheindokumentation dieser Art Legion sind und das ZDF, vertrauen wir seiner Pressemitteilung, im Vergleich zu den vielen vielen vielen vielen anderen und doch so sehr ähnlich gestrickten Rheindokus dem Fluß kaum neue Informationen abgewinnen wird (immerhin geht es „zu einem Ranger im (längst nicht mehr existenten; Anm. rheinsein) Kanton Säntis“), dient dem Team von Andreas Ewels und Christine Elsner ein zehn Meter langer, mit Helium gefüllter Zeppelin als Alleinstellungsmerkmal. Der Zeppelin wird an einer Leine am Rhein entlang spazierengeführt: „Unter dem Zeppelin hängt eine hochauflösende Spezialkamera, die Bilder der vorbeiziehenden Landschaft einfangen soll. Dabei wird an verschiedenen Stationen “gelandet”, um besondere Naturschönheiten filmisch vorzustellen. Es werden Menschen besucht, die diese Naturschönheit durch ihre Arbeit prägen und formen und einen wichtigen ökologischen Beitrag zu ihrem Erhalt leisten.“ Denn der Zweiteiler will zeigen, was jeder weiß: „dass der Rhein, der in den 70er Jahren ein totaler Problemfluss war, heute wieder unter vielen Aspekten eine intakte Flusslandschaft ist.“ Zwar lautet der Filmtitel „Abenteuer Rhein“, doch ist die Doku weniger entdeckungsfreudig angelegt als vielmehr detailliert geplant. So berichtet das ZDF vorab von Äskulapnattern unterm Niederwalddenkmal und davon, daß der Zeppelin in Köln „spektakulär zwischen den Türmen der Kathedrale hindurch fliegt“. Fliegen wird, bzw fliegen soll, müßte es eigentlich heißen. Seit vergangenen Donnerstag ist das ZDF-Team samt Zeppelin unterwegs, und wird, soweit das Wetter mitspielt, dieser Tage an folgenden Orten anzutreffen sein: 10. Juli: Schaffhausen, 11. Juli: Istein, 12./13. Juli: Taubergießen, 14. Juli: Speyer oder Worms, 15. Juli: Mainz (Dom), 16. Juli: Rüdesheim/Niederwalddenkmal, 17./18. Juli: Bingen/Mittelrheintal/Koblenz, 20. Juli: Neuwied/Drachenfels, 21. Juli: Köln (Rodenkirchen und Dom), 22. Juli: Duisburg, 23. Juli: Kalkar, 24./25. Juli: Rotterdam

Ausgestrahlt wird das Endprodukt an den Sonntagen des 19. und 26. Augusts 2012 um jeweils 13.30 Uhr in der Reihe planet e.

Neues aus dem Sommerloch (3)

Die Nachrichtenlage nähert sich in hiesigen Gefilden bereits seit Mitte Mai mit Ansage ihrer alljährlichen Sauregurkenzeit, dem gefürchteten Sommerloch, weswegen der Rhein als Themengenerator wieder stärker in den Fokus der Tagespresse gerät. Da werden plötzlich exotische Tiere im Fluß ausgemacht, die eigentlich schon recht lange zugewandert sind. Krokodile, die sich alsbald als hölzerne erweisen, sind bisher noch keine drunter. (Dabei wurde bereits im März bei Duisburg-Mündelheim, taktisch wohl etwas zu früh, ein solches gefilmt und auf Youtube eingestellt.) In einem Artikel „Darum ist es am Rhein nicht so schön“ konstatiert der Kölner Stadt-Anzeiger nach all den Jahren längst in vielfältigen Publikationen von uns bedichtete Fänomene wie die Graffiti an der Zoobrücke, die vermüllten Pfade, die verwilderte Uferböschung und darüberhinaus noch (bisher von uns unbedichtete) Blumenbeete ohne Blumen. Die Autoren beziehen sich dabei aber nicht auf unsere Texte, sondern auf die deutlich älteren Kollegen Adolf von Bergsattel und Franz Suppan, die in den 1920ern in ihrem populären gleichnamigen Lied fragten „Warum ist es am Rhein so schön?“. Darin heißt es unter anderem „weil die Mädel so lustig / und die Burschen so durstig / darum ist es am Rhein so schön“. Diese wiederum altbekannten rheinischen Tugenden beklagt ein weiterer Artikel desgleichen Blattes, übertitelt „Ballermann am Rhein“, der nun erstmals von der ebenfalls seit Jahren und Jahrzehnten in der Stadt zu beobachtenden Entwicklung zum Ganzjahreskarneval handelt, indem er die Junggesellenabschiede in der Altstadt entdeckt und warnt: „(…) Ein (…) Risiko gehen die Anbieter von schicken Flusskreuzfahrtschiffen ein, wenn sie sich dafür entscheiden, in Köln gleich am Altstadt-Ufer Station zu machen. Als im neuen Vorzeigeschiff von TUI bei der Jungfahrtfahrt den fein gemachten, zahlenden Gästen das aufwendige Sechs-Gang-Abendessen serviert wurde, turnte ein Junggesellenabschied anderthalb Stunden mit einem aufblasbaren Riesenpenis vor den Panoramascheiben herum. (…)“ Die Rheinische Post wiederum scheint sich, als Rüstzeug für das dräuende Sommerloch, auf Meldungen zum Schiffsverkehr zu konzentrieren: „Es war ein lautes Krachen, das in der Nacht (…) viele Emmericher weckte: Gegen 1 Uhr kollidierte das Tankerschiff „Margaux“ mit dem Passagierschiff „River Concerto“ in Höhe des Segelflughafens aus noch bislang unbekannter Ursache. (…) Die 132 Fahrgäste, die bei dem Unfall aus dem Schlaf gerissen wurden, mussten ihre Kabinen verlassen. In Bademänteln und mit Rettungswesten standen sie mit den 36 Besatzungsmitgliedern an Deck, als das Schiff aus eigener Kraft den städtischen Steiger ansteuerte, damit Rettungskräfte an Bord kommen konnten.“ Die Passagiere wurden dann im Kernwasser-Wunderland Kalkar untergebracht, was bei uns einige Verwunderung darüber auslöste, was unter einem Kernwasser-Wunderland zu verstehen sei. Eine weitere Meldung der Rheinischen Post betraf den Düsseldorfer Hafen, in dem ein Kohlefrachter aus Rotterdam auf Grund gelaufen war und für mehrere Stunden die Einfahrt blockierte. Das Schiff hatte für den niedrigen Wasserstand zuviele Kohlen geladen, weshalb die Hafeneinfahrt für einen Tag gesperrt werden mußte. Conclusio: „Von der Sperrung waren jedoch nur zwei Binnenschiffe betroffen.“

Aktuell: Rhein-Vierteiler auf ARTE (3)

Mutiger Beginn des letzten Dokuteils, wiederum von Klaus Kafitz: Drachenfels, Köln und Düsseldorf sind in ca 15 Sekunden abgehandelt. Im Duisburger Hafen werden 21 Becken gezählt, die Hängebrücke von Emmerich hält irgendeinen Rekord, bei Kalkar hockt Rudi Hell auf seiner Grieth, dem angeblich letztverbliebenen Schokker am Rhein, um Aale und Chinesische Wollhandkrabben aus seinen Fluten hervorzuziehen. Die Grieth ist gewiß nicht der einzig verbliebene Aalschokker auf dem Fluß, vielleicht aber der einzig aktive. Über die Wollhandkrabbe weiß Wikipedia: “Zur Zubereitung werden die Krabben mit Schnüren zusammengebunden, um zu verhindern, dass der wohlschmeckende Saft beim Kochen austritt. Danach werden sie in Dampf gegart. Weil die große Menge von Wollhandkrabben aber nicht ausschließlich in der Gastronomie verwertet werden kann, erfolgt eine Nutzung vor allem gewerblich-industriell, etwa zur Chitosan-Herstellung und zur Biogas-Produktion. Chitosan ist ein begehrter Rohstoff, der z. B. bei der Abwasserbehandlung, in der Medizin (Nahtmaterial), in der Landwirtschaft (Saatgutbehandlung) und in der Lebensmittelindustrie eingesetzt wird. (…) Inzwischen soll die Art sogar von Europa in das Ursprungsland China zurückverfrachtet werden, um die dortigen Bestände zu stützen (…)” Bei Lobith finden Jugend-Speedboatmeisterschaften statt, in Schoonhoven am Lek sehen wir einer Kunstmalerin beim Aquarellieren von Strandkühen zu. Kühe im Wasser und Kühe am Rhein seien ein Markenzeichen der Niederlande, sagt die Malerin, der es nur aufgrund jahrelanger Gewöhnung vergönnt ist, bis auf wenige Meter an die scheuen Tiere heranzukommen. Hausboote, Windmühlen. Die Merwede verbreitert sich zu einem imposanten Fluß- und Inselsystem: de Biesbosch, im kleinen Holland ein Nationalpark so groß wie ganz Paris, mit Fischadlern über Polderland. In Bodegraven am Oude Rijn steht eine Biermühle, in Koudekerk aan den Rijn die einzige Klappbrücke über den schmalen Restfluß, der bei Katwijk als kleinster von fünf Mündungsarmen in die Nordsee fließt. Bei Rotterdam wird Westland, die gläserne Stadt, in der vornehmlich Gewächshausgemüse wohnt, bei Regenknappheit rheingespeist. Es sieht wie eine kosmische Versuchsanordnung aus, wenn ein einsamer Gärtner, für ein fünf Fußballfelder großes Gewächshausareal alleinverantwortlich, leuchtend grünen Kopfsalat in Klarsichttüten schneidet, während um ihn herum im nichtbeschriebenen Raum des computergenerierten Gewächshausklimas fantastische Neozoen sich ausbilden, nukleargetriebene Untiere, farblose Läuse, UV-Strahlen absondernde Motten und mimikryfähige Blütenpredatoren – ein schillernder und versöhnlicher Abschluß der Reihe, bei der Lang- und Kurzweil sich in etwa die Waage halten.