Brücke ins Nichts

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Der Kölner Journalist Wolfgang Jorzik war vor einigen Tagen auf Fototour im Rechtsrheinischen. Herausgekommen ist eine, “Transit” betitelte, Serie: die Ödnis der Zubringer und Übergangsräume von Kalk. rheinsein dankt Wolfgang Jorzik für die Publikationsgenehmigung des oben zu sehenden Bildes. Die komplette “Transit”-Fotoserie, inklusive beschreibendem Text, gibt es auf Jorziks auch ansonsten sehenswerter Website.

Heiliger Berg des Rechtsrheinischen

Heute fanden wir eine Mail des Kölner Stadtführers Boris Sieverts im Postfach. Sieverts Führungen gehen häufig durch wenig bekannte urbane Räume: Brachen, Slums, Randständiges, Untertrassenbefindliches. Seit einigen Wochen setzt er sich für den Erhalt des Kalkbergs als öffentliche Erholungsfläche ein. Die Stadt Köln will dort eine Hubschrauberstation einrichten. Vergangenen Samstag errichteten Gegner der städtischen Pläne dort einen Lattenzaun im Stile des Hollywood-Schriftzugs.

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Wir zitieren aus Sieverts Schreiben: „(…) Wir werden uns den Kalkberg weiter erobern und ihn zu dem machen, was er verdient: Den “heiligen Berg des Rechtsrheinischen“, einen Ort mit Fernsicht zum Träumen, der Stadt entrückt und doch mittendrin, mit freiem Platz zum Experimentieren und Feiern, Tafeln und Spielen, vielleicht sogar für Theater, Open-Air-Kino und Konzerte. Einen Ort, an dem Menschen zusammen kommen, um sich gemeinsam über den Alltag zu erheben! (…)

Nach den zahlreichen Presse-und Fernsehberichten (…) ist es vielleicht an der Zeit, nochmal zu betonen, dass wir nicht gegen den Bau einer Hubschrauberbasisstation sind und dass es hier auch nicht um das St. Florians-Prinzip geht, das die Last immer zu den anderen verschieben will. Man kann es nicht oft genug betonen: Eine Hubschrauberbasisstation mit zwei Landeplätzen, einem kleinen Hangar, Aufenthaltsräumen und einer Betankungsstelle ist ein so “handlicher” und damit in seiner Standortwahl so freier Eingriff, dass man damit nicht tausenden von Bürgern ihre Ruhe rauben und eine der großartigsten Freiflächen der Stadt weitgehend zerstören muss. Die Hubschrauberstation gehört in eines der zahlreichen Gewerbe- oder Industriegebiete, auf Brachflächen, die nicht inmitten von Wohnbebauung liegen oder, und das wäre wohl die beste Lösung, auf die Dächer der Kölner Messe, die 13 Hektar besten Hubschrauberlandeplatzes fernab jeglicher Wohnbebauung bieten und 90 Prozent des Jahres weitgehend ungenutzt sind!

Wir werden nicht aufhören, lautstark auf die Unsinnigkeit und Ignoranz der Standortwahl Kalkberg hinzuweisen und eine Prüfung anderer Standorte zu fordern, die die Bezeichnung Prüfung auch verdient! Außerdem wird es höchste Zeit, dass die Stadt Köln für diejenigen anderen Standorte, deren grundsätzliche Eignung sie nach ihrer eigenen Punktematrix bereits jetzt nicht bestreitet, ebenfalls Genehmigungen beantragt, damit die Kölner nicht länger als nötig auf ihre Hubschrauberbasisstation warten müssen! Zur Beantragung dieser Genehmigungen hatte die Stadtverwaltung in den vergangenen 7 (!!) Jahren reichlich Zeit. Dass sie diese Zeit nicht genutzt hat, ist verantwortungslos und unter diesen Umständen von Alternativlosigkeit zu sprechen eine Verhöhnung aller Bürger dieser Stadt!“